Spurgeon, Charles Haddon - Des Herrn Abendmahl, ein Gedächtnis Jesu

„Das tut zu meinem Gedächtnis.“
Luk. 22, 19.

„Das tut“ - das heißt, nehmt das Brot, danket, brecht es, und eßt es - nehmt den Kelch, gefüllt mit der Frucht des Weinstocks, danket und trinket alle daraus. „Das tut.“ Tragt Sorge, daß ihr gerade das tut, was Jesus tat; nicht mehr und nicht weniger. Diese Handlung wurde an demselben Tische vorgenommen, an welchem sie das Passahlamm aßen. sie fand statt bei einer gewöhnlichen Mahlzeit, und war kein Opfer oder eine Feier oder eine Amtsverrichtung oder irgend etwas mehr als ein bedeutsames Essen des Brotes und Trinken des Weines in einer andächtigen Weise. Das tut also. So oft ihr das Brot brechet und so oft ihr von dem Kelche trinket, gedenket an den Herrn Jesum. Dies ist es, was wir zu tun haben, und nicht etwas andres, von dem angenommen werden mag, daß es sich da herausentwickle. Er spricht nicht: „tut etwas andres zu meinem Gedächtnis, etwas, das ihr vorziehen möget, und behaltet diese Handlung der Hauptsache nach bei; sondern das tut.“ Das, was eben geschehen war: das in all seiner Einfachheit, Feierlichkeit und Bedeutung. Ach, wie traurig, daß die Menschen dies vergessen haben! Das einfache Abendmahl war ihnen kein genügendes Schaugepränge. Brot zu brechen und Wein zu trinken, schien ihnen nicht feierlich oder prächtig genug, und so haben sie Zeremonien und Einrichtungen aller Art hinzugefügt. Das, was nur ein einfacher Tisch war, hat man zu einem prächtigen Altar gemacht, und das, was nur ein Abendmahl war und nichts weiter, hat man in eine Feier umgewandelt.

Sie tun nicht das, sondern sie tun etwas andres, was sie ersonnen und ausgearbeitet haben. Denkt euch Paulus und Petrus bei einer Messe gegenwärtig, wie sie die verschiedenen Kniebeugungen, die Hin- und Herbewegungen, das Aufheben und das Niederbeugen und alle die verschiedenen Zeremonien der römischen Priesterschaft beobachten, deren zu viele sind, um sie zu beschreiben! Paulus würde Petrus beim Ärmel zupfen und sagen: „Unser Meister tat nichts dergleichen, als Er das Brot nahm und dankte und es brach.“ Petrus würde antworten: „Sehr verschieden dies von dem gepflasterten Saal in Jerusalem!“ Und Paulus würde hinzufügen: „Ja, in der Tat, mein Bruder, sehr verschieden dies von der Zeit, wo die ersten Gläubigen zusammenkamen, und das Brot brachen und gemeinsam von dem Kelch tranken zum Gedächtnis ihres Herrn.“ Was immer andre kirchliche Gemeinschaften tun, sei es unsre Sache, meine Brüder, fest zu stehen bei dem: „Das tut zu meinem Gedächtnis.“ „Das,“ einfach „das“, und nicht mehr und nicht weniger; Brot, nicht eine Oblate; Frucht des Weinstocks, nicht die chemische, von feurigem Spiritus entflammte Zusammensetzung. Wir trinken diese Frucht des Weinstocks aus einem Kelch, und dieser Kelch wird nicht zurückbehalten, sondern alle haben teil daran. Wir haben Brot vor uns, das wir nicht verehren, wie bei der Erhebung der Hostie, sondern brechen und essen. Der Herr und seine Jünger lagen um einen Tisch und aßen; es war ein Fest, und nicht ein Opfer; sie ruhten auf dem Lager, knieten aber nicht. So möchten wir tun, weil Er gesagt hat: „das tut“, und nicht etwas andres.

Dann, geliebte Freunde, müssen wir in einem andern Punkte sehr wachsam sein, nämlich daß wir, wenn wir das tun, es zu dem Zweck tun, zu dem Er es gab, nämlich zu seinem Gedächtnis. Jesus sprach niemals: „Das tut, damit ihr ein unblutiges Opfer darbringt.“ Wo ist in der Heiligen Schrift eine dem ähnliche Silbe, entweder von unseres Herrn eignen Lippen oder von denen der Apostel? Er sprach nie: „Tut dies als die fortwährende Wiederholung meines Todes.“ Für mich ist der bloße Gedanke Lästerung, denn unser Herr macht Anspruch darauf, sein Werk vollbracht zu haben, und da Er einmal für die Sünde gestorben ist, so hat der Tod hinfort keine Herrschaft über ihn. Die jüdischen Opfer wurden um ihrer Unzulänglichkeit willen oft wiederholt„, dieser aber, da Er hat ein Opfer für die Sünde geopfert, das ewiglich gilt, sitzt Er nun zur Rechten Gottes.“ Diejenigen lästern das Opfer Christi, die sich vorstellen, daß irgend ein Mensch, sei er Priester oder nicht, dieses Opfer für die Sünde fortsetzen, wiederholen oder vervollständigen könne. Es ist vollbracht und unser Herr ist in seine Herrlichkeit eingegangen. Die Sünde ist hinweggetan, dadurch, daß Er sie an seinem Leibe auf dem Holz geopfert hat. Das tut ihr zum Gedächtnis Christi, aber nicht als eine Fortsetzung seines Opfers, das auf ewig vollkommen ist.

Ich für meinen Teil, würde auf keinen Fall die Stellung des Knieens beim Empfang des Abendmahls annehmen, denn, wenn sie nicht wirklich Verehrung des Brotes und des Weines einschließt, so trägt sie doch leicht dazu bei, uns von dem Gedächtnis der Person selbst wegzuleiten und zu einer Anbetung der Gedenkzeichen hinzuleiten. Das heilige Mahl war ein Fest, nicht eine Zeremonie. Die bei dem Feste gebräuchliche Stellung war die des Liegens, die gemächlichste Stellung, die sie annehmen konnten. Dies verträgt sich nicht mit unsern abendländischen Sitten; aber die analoge Stellung ist die, so bequem wie möglich zu sitzen, und ich möchte euch ermutigen, dabei zu verharren. Laßt uns das Fest als ein Fest halten, aber keinesfalls kniet, als wenn ihr einen Akt der Verehrung vor einem Altar vollzöget. Anbetung des unsichtbaren Gottes ist immer recht und passend; aber wenn eine gewisse Stellung etwas von dem wahren Wesen des Festes - und ein Fest ist es - wegzunehmen scheint, und wenn sie dazu noch den Aberglauben fördert, dann kniet nicht, sondern sitzet und tut das zum Gedächtnis Christi. Tut das, und nichts andres, und tut es zum Gedächtnis, und zu keinem andern Zweck; und wenn irgend eine andre Stellung eine andre Richtung andeutet, so schwört sie ab und haltet fest an dem, wie es früher gewesen. Die römische Kirche schätzt das große Gemälde von Leonardo da Vinci, und auf demselben sitzen alle Apostel um den Tisch. Ist dies gleich der Messe? Das Abendmahl soll zum Gedächtnis genossen werden, und zu nichts anderem; aber das ist, wie wir euch zeigen werden, kein kleines. „Das tut zu meinem Gedächtnis.“

Da es ein Fest des Gedächtnisses ist, so laßt uns uns selber die Frage vorlegen: Kennen wir den Herrn? „Das tut zu meinem Gedächtnis.“ Wenn ihr nichts von jemand wißt, wenn ihr keine Bekanntschaft mit ihm habt, könnt ihr nicht an ihn gedenken. Wie ein zweischneidig Schwert geht diese einfache Darlegung der Wahrheit durch die Versammlung heute abend, und schneidet sie in zwei Teile. Ob ich zu des Herrn Tisch kommen darf oder nicht, das muß davon abhängen, ob ich den Herrn Jesum kenne oder nicht. Wenn ich Ihm fremd bin, so darf ich nicht kommen, denn ich darf nur kommen, um seiner zu gedenken, und ich kann nicht kommen, seiner zu gedenken, wenn ich Ihn nicht kenne; so daß es eine Entweihung dieser gesegneten Anordnung wäre, wenn sich jemand dem Tische des Herrn nahte, der nicht schon Christum kennt.

O Menschen, dies ist keine rettende Verordnung; retten ist nicht ihre Bestimmung; ihre Absicht geht nur auf die, die schon errettet sind. Jesum Christum kennen, ist ewiges Leben; und da ihr nicht ohne diese Kenntnis kommen dürft, so ist es klar, daß ihr nicht kommen dürft, wenn ihr nicht errettet seid. Wenn jemand sich einbildet, daß, wenn er kurz vor seinem Ende, teilnimmt an dem, was man „das Sakrament“ nennt, er errettet wird, so befindet sich derselbe in einer argen Täuschung. Ihr könnt genausogut den Zaubersprüchen einer Zauberin vertrauen als der Vollziehung einer Zeremonie, welche es auch sei und durch wen es auch sei, um dadurch errettet zu werden. Errettung ist allein durch den Glauben an Jesum Christum möglich; und der wird nicht durch den Akt des Verschluckens von Brot und Wein gewirkt. Ihr müsset von neuem geboren werden; und das geschieht nicht durch materielle Substanzen, wie sehr sie auch geweiht sein mögen; es ist das Werk des Heiligen Geistes. Bis ihr an Jesum glaubt und so Ihn kennt und seine Macht in euch kennt und persönlich mit Ihm verkehrt habt, würdet ihr anstatt einen Segen. von der Handlung zu erlangen, euch selber das Gericht essen damit, daß ihr nicht unterscheidet den Leib des Herrn. Ihr seid nicht fähig, diesen Leib zu unterscheiden, wenn ihr keinen Glauben habt. Jeder Mensch prüfe sich selbst, seine Kenntnis unseres Herrn betreffend, und also esse er von diesem Brot und trinke von diesem Kelch. Wenn ihr Ihn nicht kennt, könnt ihr nicht an Ihn gedenken, und 'deshalb die Hände weg von diesem Zeichen des Gedächtnisses.

Ein Wort - ein ernstes Wort hier, das ich mit meiner ganzen Seele sprechen möchte. Gedenkt daran, wenn ihr Ihn nicht kennt, so wird der Tag kommen, an dem Er zu euch sprechen wird: „Ich habe euch noch nie erkannt.“ Wenn keine persönliche Vertrautheit zwischen euch und Christo vorhanden ist, so wird Er euch verleugnen an dem Tage, da Er in der Herrlichkeit seines Vaters kommen wird und alle heiligen Engel mit Ihm. Es wird müßig sein, zu sagen: „Herr, wir haben vor Dir gegessen und getrunken und auf den Gassen hast Du uns gelehrt.“ Wenn ihr Ihn nicht kennt, so kennt Er euch nicht, und nichts andres wird Er euch antworten auf euren Anspruch, den ihr von äußerer Religion ableitet, als das bekannte: „Weichet von mir, ihr Verfluchten, ich kenne euch nicht.“ Aber, Geliebte, wenn ihr den Herrn kennt - und ich hoffe, daß viele hier Ihn in der Tat kennen - dann ist es gewiß, daß Er sich euch geoffenbart hat. Wunderbare Liebe! Herr, wie ist es, daß Du dich uns offenbaren willst? Ihr habt auf Ihn geblickt; ihr habt auf Ihn vertraut; ihr habt von Ihm gelebt, und das alles weil Er eurer in eurer Niedrigkeit gedacht hat. Ihr gedenkt an Ihn mit Freuden in diesem Augenblick, wegen der früheren Erfahrungen, die ihr mit Ihm gemacht habt. Er ist euch so teuer, daß ihr an Ihn gedenken müßt. Ihr könntet nicht ohne Ihn leben. Er ist euer ganzes Heil und euer ganzes Verlangen. Wohlan, an euch ist es, zu diesem Fest zu kommen und dies zu seinem Gedächtnis zu feiern.

I.

Mein erster Punkt soll sein, daß der Hauptzweck beim Mahle des Herrn augenscheinlich der ist, daß wir Christi dabei gedenken sollen. Beachtet dies ganz besonders. Es ist nicht der, daß ihr eine Lehre ins Gedächtnis zurückrufen sollt, obwohl ich nicht möchte, daß ihr irgend eine vom Geist Gottes geoffenbarte Wahrheit nicht kennt oder sie vergaß; es ist auch nicht der, daß ihr an eine Vorschrift denken sollt, obwohl ich, Geliebte, möchte, daß ihr in allen Dingen Sorge tragt, den Willen eures Heilandes zu tun. Aber der Kern und das Wesen von dem, was ihr an seinem Tische zu tun habt, ist: „Das tut zu m einem Gedächtnis,“ d. h. zu seinem Gedächtnis, als einer Person. Denkt nicht an Ihn als an eine Abstraktion! Träumt nicht von Ihm als von einer bloßen Idee Betrachtet Ihn nicht bloß als eine historische Persönlichkeit, die einst unter den Menschen war, und nun von der Bühne der Geschichte abgetreten ist, wie Konfucius, Zoroaster und andre. Nein; Er lebet immerdar und bleibt eine wirkliche, stets energische Kraft und Macht unter Menschen jedes Alters. Jesus ist von jener göttlichen Natur, die beständig in der gegenwärtigen Zeit weilt, derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Geliebte, wie ihr durch Ihn lebt, so müßt ihr lernen, in Ihm zu leben und mit Ihm, so daß ihr Ihn als einen Freund kennt, mit dem ihr wirklich vertraut seid. Der Christus unsrer Träume ist nur ein Traum; wir brauchen einen wirklichen, lebendigen, persönlichen Christum, und es ist Jesus Christus selbst, dessen wir heute abend an diesem Tische zu gedenken haben.

Und wenn wir dies tun, sollen wir an Ihn gedenken zuerst mit Dankbarkeit als an unsern Heiland. Wenn ich eine Hoffnung habe, so verdanke ich das nur Dir, menschgewordener Gott, Sohn des Höchsten und zugleich Mariens Sohn. Deine Liebe, Dein Leben, Dein Tod, Deine Auferstehung, Deine Macht zur Rechten Gottes - diese müssen die Pfeiler meiner Hoffnung sein, wenn ich überhaupt Hoffnung habe.

„Meine Hoffnung grünt dort oben,
Wo sie immer grünen bleibt;
Sie hat mich zum Herrn erhoben,
Der die Angst und Qual vertreibt.“

Er hat uns errettet, Brüder, und uns geliebt und uns mit einem ewigen Trost gesegnet in Ihm selber. O, laßt uns an Ihn denken! Die Ströme, von denen ihr trinkt, sind süß; aber denkt an die Quelle. Eure Heiligung ist etwas, wovon ihr ewig singen könnt. Gedenkt daran, daß ihr durch seine Wunden geheilt seid, und denkt an jene grausame Geißel, jene fünf Wunden, jenen Leib, der mit blutigem Schweiß bedeckt war, jene teure mit Dornen gekrönte Stirn, jene von Blut getrübten Augen. Gedenkt an Jesum selber, ich bitte euch, und denkt weder an Vergebung, noch an Rechtfertigung oder Heiligung anders als durch Ihn. Die Ströme der Liebe verfolge ich bis hinauf zur Quelle in dem Herzen Christi, und gedenke seiner heute abend mit tiefster Dankbarkeit. Folgt mir, meine Geliebten, in dieser Betrachtung; ja, geht mir voran und kommt näher zu dem Herzen eures Erlösers.

Ihr müßt ferner mit tiefer Ehrfurcht als an euer lebendiges Beispiel gedenken - euren lebendigen und regierenden Herrn. Wißt ihr nicht, daß so viele euer in seinem Blute gewaschen sind, die sind hinfort Gottes Knechte, eben wie Er es war? Ihr sollt nicht euren eignen Willen tun, sondern den Willen dessen, der euch erlöst hat. Sein Beispiel ist für euch die Verkörperung des Willens Gottes. Es ist also eure Pflicht, an den Herrn Jesum zu denken, auf daß ihr Ihm nachfolgt. In Krankheit gedenkt an Ihn in seiner Geduld. Wenn ihr verfolgt werdet, gedenkt an Ihn in seiner Sanftmut. Im heiligen Dienst gedenkt an Ihn in seinem brennenden Eifer. In euren Zeiten der Einsamkeit gedenkt an Ihn und seine mitternächtlichen Gebete; und wenn ihr öffentlich Zeugnis abzulegen habt, so gedenkt an Ihn und seine löwenartigen Verkündigungen des Evangeliums. Gedenkt so an Ihn, daß Er euer Muster wird und ihr selbst ein Vorbild von Ihm werdet und dadurch sein bestes Gedenkzeichen. So in den Stand gesetzt durch den Heiligen Geist, an euren Herrn mit Dankbarkeit zu denken als an euren Heiland, mit Ehrfurcht als an euren Herrn, werdet ihr an Ihn gedenken mit Vertrauen als an eure Stärke. Er hat euch nicht in dieser Welt gelassen, um Ihm auf eure eignen Kosten zu dienen und sein Kreuz allein zu tragen. Gedenkt an Ihn, denn Er gedenkt an euch, so daß Er allezeit mit euch ist. „Siehe, ich bin bei euch,“ spricht Er, „alle Tage bis an der Welt Ende.“ Wollt ihr Ihn bei euch lassen unbeachtet und ohne an Ihn zu denken? Sagt niemals: „Ich bin einsam.“ Ihr seid nicht allein, wenn ihr an Jesum denkt. O, Witwe und Vaterloser, sprich nicht: „Ich bin verwaist.“ Er hat gesagt: „Ich will euch nicht Waisen lassen, ich komme zu euch.“ Gedenkt an Ihn ohne Unterlaß. Wenn ihr stark seid, gedenkt an Ihn, denn eure Stärke kommt von Ihm. Wenn ihr schwach seid, gedenkt an Ihn; denn Er kann euch die Hilfe geben, die ihr nötig habt. O, daß zu allen Zeiten und Orten Christus uns alles in allem wäre!

„Halt' im Gedächtnis Jesum Christ!
Er hat für dich gelitten
Und dir, da Er gestorben ist,
Das Heil am Kreuz erstritten.“

Ich möchte das Bild des Herrn in meine Hände gezeichnet haben, damit ich nichts ohne Ihn tue; und ich möchte es auf meinen Augapfel gemalt haben, damit ich nichts sähe, als durch Ihn. Es wäre noch besser, wenn es in mein Herz geprägt wäre, so daß dieses nicht anders schlagen könnte, als zu der Melodie seines Namens.

Gedenkt auch an Ihn, Geliebte, als euren großen Vertreter vor dem Throne Gottes. O Gläubiger, in diesem Augenblick ist der Himmel dein! Jesus, dein Vorläufer, hat in deinem Namen die ewige Herrlichkeit in Besitz genommen. In der Mitte des Thrones Gottes ist der verherrlichte Mensch, der ewige Sohn Gottes, welcher das Bundeshaupt und der Erlöser seines Volkes ist. Vergeßt Ihn nie, sondern haltet das Auge fest auf Ihn gerichtet, wie Er sein Auge auf euch richtet. Er lebt! Der große Erlöser lebt! Er lebt, um für euch zu bitten. Kommt nicht in die Gewohnheit der römischen Kirche hinein, die ihren toten Christus überall zur Schau stellt, oder ihr Christkindlein in den Armen der Jungfrau. Jesus ist gegenwärtig weder das eine, noch das andre. „Er ist nicht hier, Er ist auferstanden.“ Er lebt. Es ist der lebendige Christus, an den wir glauben; der gen Himmel gefahrene Christus, auf den wir trauen; der wiederkehrende Christus, auf den wir hoffen. Dort, wo Er mit aller Machtvollkommenheit für uns bittet, ist unsre Hoffnung, denn „Er kann selig machen immerdar (d. i. aufs völligste), die durch Ihn zu Gott kommen, und lebet immerdar und bittet für sie.“

Gedenkt an Ihn wiederum als den, der bald kommt. Vielleicht wird, während diese Lippen noch schwache, matte Worte über wunderbare Geheimnisse zu sprechen versuchen, die Posaune über allen irdischen Tönen erschallen. Selbst an diesem Sonntagabend mögen wir berufen sein, die Wolke zu sehen, auf welcher des Menschen Sohn gekommen ist. Denn: „Von dem Tage aber und der Stunde weiß niemand;“ und eitel ist die Torheit, die beständig von dem prophezeit, wovon sie nichts weiß. Doch dies ist gewiß: der Herr Jesus wird kommen zu richten und zu regieren. „Siehe, der Bräutigam kommt.“ Er sagte schon vor langer Zeit: „Siehe, ich komme bald.“ Er ist seitdem immer im Kommen gewesen, und Er muß jetzt sehr nahe sein. Nun, hieran sollen wir immer gedenken, denn sein Kommen wird sowohl die Offenbarung seines Volkes wie die seiner selbst sein. Sein Kommen wird der Lohn seiner Heiligen sein sowohl als sein eigner Lohn. „Dann wird Er leuchten, und dann sollen die Gerechten leuchten wie die Sonne, in ihres Vaters Reich.“

Ach! wir vergessen Ihn zu viel in allen diesen Gesichtspunkten: Ich fürchte, daß wir leichter vergessen, als gedenken; und doch sollte das Gedächtnis eines so Teuren uns ganz natürlich sein. Meintet ihr, als ihr zuerst bekehrt wurdet, daß ihr Ihn je vergessen könntet? „O, nein,“ ihr spracht:

„Mein Lebtag will ich Dich
Aus meinem Sinn nicht lassen,
Es soll an Deiner Gnade sich
Mein Herz genügen lassen.“.

Das sagten wir, aber das haben wir nicht gehalten. Wie oft handeln wir, als wenn wir nicht den lebendigen Christus hätten, zu dem wir gehen könnten! Wir sorgen und quälen uns, als wenn Jesus noch im Grabe läge. Wir handeln, als wenn wir hier auf immer leben sollten und nicht erwarteten, daß unser Herr kommen und uns hinweg nehmen werde, um bei Ihm zu sein. Wir handeln, als wenn wir keinen Herrn hätten, außer unsrem eignen übermütigen Willen. Wir handeln in Verzweiflung, als wenn wir keinen Hirten hätten, der für uns sorgte, und keinen Heiland, der uns mit seinem teuren Blute erlöst. Kommt her, Brüder, dies geht nicht an. Es bringt unserm Herrn Unehre und uns selber Schande. Ihr seht die Ursache, weshalb das Abendmahl eingesetzt ist: unser verräterisches Gedächtnis erfordert es. Laßt uns zu dem Mahle kommen, wie zu einem sehr notwendigen, obwohl königlichen Feste; denn wir haben es nötig, an unsren eignen, lieben Herrn erinnert zu werden, der sanft zu uns sagt: „Das tut zu meinem Gedächtnis.“

II.

Und nun nehme ich einen zweiten Punkt. Ich möchte euch allen zeigen, daß die Art und Weise, die der Herr verordnet hat, um unsrem Gedächtnis zu helfen, an sich eine äußerst schlagende ist. Sie könnte nicht schlagender sein. Wenn ich vor einem mit Papierrosen und andren kindischen Sachen verzierten Altar stände und versuchte, vor euch allen einige dieser niedlichen Dinge auszuführen, die von den Anhängern Roms für heilig gehalten werden, so würde ich lange Zeit gebrauchen, euch alles zu erklären; und wenn ich mein Bestes getan hätte, so würdet ihr daraus nicht klug werden können. Ich habe gestanden und den katholischen Priester am Altar beobachtet, mit dem ernsten Wunsche, zu sehen, ob da etwas zu lernen sei, und ich konnte nichts lernen. Ich konnte nicht ausfindig machen, was der geschmückte Mann vorhatte. Ich denke, ich habe soviel wie die meisten Leute von solchen Dingen gelesen; aber mir scheint, wenn das tun des Priesters bei der Messe ein Symbol ist, so ist es ein sehr dunkles und unverständliches; wenn es die Leute lehren soll, so müssen sie sehr viel vorher wissen, ehe sie etwas hieraus lernen können.

Gewiß, um etwas in der Messe zu finden, müssen die Andächtigen es mit sich bringen, denn es ist nichts da. Aber wenn ihr das Tuch von jenem Tische abnehmt, so werdet ihr einfach Brot und Wein vor euch sehen; und wenn ihr uns das Abendmahl heute abend feiern seht, so werdet ihr wahrnehmen, daß wir nichts tun, als das Brot brechen und es essen, und den Kelch herum gehen lassen und davon trinken. Alles, was getan wird, ist äußerst einfach; und der Heiland schien diese Einfachheit zu wünschen, weil Er selbst ein sehr einfacher, unaffektierten, schlichter Mann war. Aller Pomp, den Er je hatte, war damals, als Er durch Jerusalem ritt; aber das war auf einem Esel, dem Füllen einer Eselin. Selbst da bestand aller Prunk nur darin, daß die Leute ihre Kleider auf den Weg breiteten und Zweige auf den Weg streuten in dem Übermaß ihrer Freude. Goldene Zierraten, Blumen, Weihrauch und Meßgehilfen sind von seinen einfachen und natürlichen Gewohnheiten sehr weit entfernt.

Stellt euch nur einmal vor, daß einige seiner Jünger von den Toten auferständen und einträten in - nun wohl - St. Pauls Kathedrale, die protestantisch genannt wird, aber ungefähr so papistisch ist, wie sie nur sein kann. Gesetzt, sie gingen da hinein - Jakobus und Johannes zusammen - die zwei Söhne Zebedäi. Vielleicht würde Jakobus vor einigen der hübschen Sachen stillstehen und verwundert fragen: „Johannes, wohin sind wir geraten?“ Und Johannes würde antworten: „Wir sind in einer Bilderkammer (Hes. 8, 12), einem Götzentempel. Unser Herr Jesus würde sich hier nicht wohl fühlen.“ „Nun,“ sagt Jakobus, „es ist die Kirche des Paulus; hole ihn herein.“ Gewiß, wenn Paulus hinein käme und all die Bilder und Dekorationen sähe, würde er sagen: „Hier sehe ich ein andres Evangelium, so doch kein andres ist; ohne daß etliche sind, die euch verwirren, und wollen das Evangelium Christi verkehren.“

Das ist milde ausgedrückt. Wir kommen dahin, den römischen Götzendienst in Kirchen aufgerichtet zu sehen, die Nationalkirchen heißen; und dies wird nicht von solchen getan, die äußerlich und ehrlich Romanisten heißen, sondern von denen, die es in ihrem Herzen wirklich sind, und doch den protestantischen Namen tragen. Der Herr Jesus war ein einfacher Arbeiter von Galiläa, und der Rock, den Er trug, unsrem gewöhnlichen groben Tuchrock entsprechend„, ungenäht, von oben an gewirkt durch und durch.“ Er hatte durchaus nichts von Prunk und Affektation an sich; und in allem, was Er verordnete, könnt ihr nicht eine einzige pomphafte Zeremonie finden. Seine Nachfolger wurden in Wasser getauft, aber wo verordnete Er Salz und Öl und Speichel? Wo hieß Er sie das Zeichen des Kreuzes machen oder Gevattern stellen? Seine Nachfolger versammelten sich zum Gottesdienst und sangen Lieder zu seinem Preise, aber wo waren ihre „Weihrauchspender“ und „Kruzifixträger“? Wo waren die „Stationen des Kreuzes“? Wo sind alle diese Dinge in der Schrift? Es sind Erfindungen späterer und dunklerer Tage, aber Jesus wußte nichts von ihnen; ebensowenig wußten seine Apostel und die, welche auf sie folgten, etwas von solchen unnützen Dingen. Es war alles schlichte Verkündigung der Liebe Gottes zu den Menschen, und wie die Menschen sich untereinander und Jesum als ihren Heiland lieben sollten; das war alles. Unser Herr setzt dies einfache Abendmahl ein zum Gedächtnis eines schlichten, einfachen, redlichen Heilandes, der nichts von flimmernden Spielereien oder vom Pfaffentum wußte, sondern einfach ein Mensch unter Menschen war.

Aber ferner, unsres Herrn Abendmahl sollte sehr häufig stattfinden. „Das tut, so oft ihr es trinket, zu meinem Gedächtnis.“ Er hat keine Regel aufgestellt, wann wir Brot brechen sollen; aber Sitte war es sicherlich, es am ersten Tage der Woche zu brechen, und ich denke häufiger, denn es scheint mir, daß sie das Brot von Haus zu Haus brachen. Es war keine Zeremonie, die einen Prediger oder Priester erforderte. Wenn Gläubige zusammen waren, so brachen sie Brot zum Gedächtnis Christi - zwei oder drei von ihnen - und so gedachten sie an Ihn. Es ist sehr schön, auf Reisen in eurem eignen Zimmer Christi zu gedenken, wenn zwei oder drei Brüder zusammenkommen. Ihr habt nichts zu tun, als Brot zu brechen und Wein zu trinken zu seinem Gedächtnis. Ich kenne nichts Lieblicheres und nichts Lehrreicheres, als diese göttliche Anordnung, die immer tieferen Eindruck macht, je öfter ihr daran teilnehmt. Es sollte häufig sein. Unsre schottischen Freunde taten sehr unrecht, indem sie es so selten feierten; aber sie bessern sich jetzt. Die Häufigkeit desselben dient dazu, zu zeigen, wie sehr wir es bedürfen, an unsern lieben Herrn erinnert zu werden, denn wir sind geneigt, Ihn zu vergessen. Wir sollten immer an Ihn gedenken, und deshalb sollte eine Handlung, die sein Andenken aufrecht hält, oftmals vorgenommen werden. Da Er seine Jünger aufforderte, es oft zu tun, so liegt darin die Lehre, daß wir beständig in unsrer innersten Seele an Ihn gedenken sollten. Da Er dies zu einem Gedächtniszeichen gab und zu nichts andrem, und es allen seinen Jüngern gab, und alle seine Nachfolger hieß, bis daß Er käme, das zu seinem Gedächtnis zu tun, so zeigte dies, daß wir alle seiner gedenken sollten, und daß wir alle Hilfe brauchen, es zu tun. Wir sind alle vergeßlich: der beste Christ, der am höchsten in der Gnade steht, hat immer noch dies Gedächtnismahl nötig, denn er vergißt leicht. Rückfällige Christen brauchen es, womöglich noch mehr, damit ihr schwaches Gedächtnis belebt werde. Sünder werden gut tun, zuzuschauen, denn es mag sein, daß die Zeichen des Todes des Herrn sie an ihre Sünden gedenken lassen und sie zu ihrem Heiland leiten.

Aber um ein wenig näher zu dem Tische zu kommen. Ich möchte, ihr betrachtetet, daß, wenn unser Herr uns seiner gedenken heißt, Er uns eine Anordnung gibt, die seinen Tod uns vor Augen bringt. Nun, dies ist, obwohl es etwas sehr Alltägliches scheint, doch ein sehr wichtiger Punkt. Das Brot ist sein Fleisch, der Wein ist sein Blut. Brot und Wein stellen diese zwei dar. Aber sie sind getrennt: das Brot ist nicht in dem Wein und der Wein ist nicht in dem Brot. Diese zwei in getrennten Gefäßen stellen einen Leib dar, von dem das Blut getrennt ist, und sind so das Zeichen des Todes. Nun gut also. Wenn der Herr sagt: „Das tut zu meinem Gedächtnis,“ so gibt Er uns ein Zeichen seines Todes, das uns deutlich lehrt, daß der Hauptpunkt in dem Gedächtnis unsres Herrn Jesu sein Tod ist. Er selbst betrachtete seinen Tod als den wahren Mittelpunkt, das Herz und die Seele dessen, was Er unsrem Gedächtnis einprägen wollte. Deshalb irren diejenigen sich sehr, die sagen, daß sein Beispiel alles ist, oder daß seine Lehre alles ist; denn wenn wir an Ihn gedenken, so ist das erste, woran wir gedenken sollen: „Er hat uns erlöst durch sein Blut.“ „Erlöser“ ist der Name, an dem unser Gedächtnis zähe festhalten muß. Sein Blut, seine Erlösung, seine Versöhnung, sein stellvertretendes Opfer müssen stets vorangestellt werden. „Wir predigen Christum den Gekreuzigten,“ und ihr glaubt an Christum den Gekreuzigten. Der Grund unsres Erfolges in diesem Gebetshause ist unter Gottes Segen der, daß wir stets Christum als das Versöhnungsopfer, des Sünders Stellvertreter verkündigt haben; und wer immer dies kühn, klar und gründlich predigt und es als die Krone der evangelischen Lehre darstellt, wird finden, daß Gott sein Wort segnet.

Und ihr, wenn ihr Trost und Freude und Frieden haben wollt, so haltet das Kreuz umfaßt; blickt beständig auf das angenommene Opfer. Geht niemals von eurem Herrn Jesu hinweg; und wenn ihr an Ihn denkt, so laßt seine Passion den Hauptgedanken sein, der vor euch aufsteigt.

Danach beachtet ein andres: Dieses Fest erinnert uns an den Gnadenbund. Unser Herr Jesus Christus sprach, als Er uns seiner gedenken hieß, von dem Kelch: „Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut.“ Ihr seid dem Sinne viel näher, wenn ihr statt Testament „Bund“ lest, „der neue Bund in meinem Blut.“ Was denn? Wenn ich an Jesum selber gedenken soll, so muß ich den Kelch aufheben, der das Zeichen des Bundes ist. Ach, Geliebte! ihr könnt Christum nicht völlig erkennen, wenn ihr nicht die Lehre von dem zwiefachen Bunde kennt, und Jesum mit dem Gnadenbunde verbindet. Ihr müßt diesen Bund kennen, der „in allen Dingen geordnet und sicher“ ist; denn der Kelch soll euch daran erinnern, indem er euch an Christum erinnert. Der wird am besten gesehen, wenn ihr Ihn in seinem Verhältnis zum Bunde betrachtet. Kennt ihr alle diesen Bund? Ihr wißt, es war mit Adam ein Bund gemacht, in dem wir alle eingeschlossen waren; aber dieser Bund wurde vernichtet. Adam brach ihn, und wir verloren alle den Segen, den sein Gehorsam uns verschafft haben würde. Es ist ein andrer Bund gemacht mit dem zweiten Adam, Christus Jesus, und weil Er den Bund gehalten hat, stehen alle, die in dem Bund sind, auf ewig in ihm. „Gleichwie sie in Adam alle sterben, also werden sie in Christo alle lebendig gemacht werden,“ alle, die in Christo sind. Der eine Bund brachte Verderben über alle, die darin waren; der zweite Bund rettet alle, die darin sind. Indem wir den Kelch nehmen, erkennen und nehmen wir freudig unsern Anteil an dem Bunde, welcher mit Christo gemacht wurde, und der auf dem sichern Grunde seines vollkommenen Gehorsams ruht. Seht das Blut des ewigen Bundes! Möchtet ihr heute abend an den Herrn Jesum denken als an euer Bundeshaupt und euren Bürgen! Möchte eure Seele singen: „Obwohl mein Haus nicht also bei Gott ist, dennoch hat Er mir einen Bund gemacht, der ewig und alles wohl geordnet und gehalten wird. Dies ist all mein Heil und all mein Verlangen.“ Ihr seht also den Ozean von Belehrungen, der in einem dieser Sinnbilder liegt. Verliert nichts davon.

Aber es ist noch eins mehr. Es ist dies. Ihr werdet durch diese Anordnung gelehrt, daß die beste Art, in der ihr an Christum gedenken könnt, die ist, daß ihr Ihn aufnehmt. O, die Lieblichkeit dieser Wahrheit, wenn ihr daran denken wollt, während ihr zu seinem Tische kommt! Ihr werdet nicht gebeten, Brot mit euch zu bringen. Es ist hier. Ihr werdet nicht gebeten, einen Kelch mit euch zu bringen. Er ist schon hier. Was habt ihr zu tun? Nichts als zu essen und zu trinken. Ihr sollt Empfänger sein, und nichts mehr. Nun wohl, wenn ihr eures Herrn und Meisters gedenken wollt, braucht ihr nicht zu sagen: „Ich muß etwas für Ihn tun. Nein, nein, laßt Ihn etwas für euch tun. „Nehmet den Kelch des Heils und rufet an den Namen des Herrn.“

„Die beste Belohnung für einen wie mich,
Der jämmerlich ist und so arm,
Ist, auf Grund seiner Güte, die Bitte zu tun,
Daß Er ferner sich meiner erbarm'.“

Herr, ich kann Dich nicht lieben, wie ich Dich lieben möchte, aber ich kann Deine Liebe annehmen. Laß Deine Liebe jetzt in mein Herz kommen. Herr, ich kann Dir nicht dienen, wie ich möchte, aber ich bete Dich an, weil Du mein Diener wirst und mir die Füße wäschst, wie Du es bei Deinen Jüngern tatest. Herr, ich kann Dir keine feurigen Kohlen aus meinem kalten Herzen bringen; aber hier ist mein Herz, komm Du und wirf die feurigen Kohlen Deiner eignen göttlichen Liebe in dasselbe!

O, meine Brüder, kommt und nehmt! kommt und nehmt! Nun, ich denke, dies ist ein sehr lieblicher Wink für diejenigen unter euch, die fühlen, als wenn sie nichts hätten, womit sie kommen könnten. Ihr braucht nicht mit irgend etwas zu kommen, außer mit eurem Hunger und Durst. Ein Mann, der zu einem Mahle eingeladen wird, braucht nicht zu sagen: „O, aber ich habe kein Brot.“ Du bist ja zu einem königlichen Fest eingeladen, und da brauchst du kein Brot mitzubringen. Er, der dich zu seinem Tische einladet, wird dich mit allem versorgen, dessen du bedarfst; und wenn du wünschest, seiner zu gedenken, so ist die beste und sicherste Weise die, das Gute zu genießen, das Er dir vorsetzt. Ich habe euch so gezeigt, wie geeignet die Handlung ist, unsrem Gedächtnis zu helfen.

III.

Nun, zuletzt, der Zweck, zu dem wir kommen sollen, nämlich zum Gedächtnis Christi, ist einer, der an sich sehr einladend ist. Laßt mich euch zeigen, was ich meine. Hier ist einer, der ausruft: „Ich habe meinen Heiland vergessen. Ich liebte Ihn einst. Ich hoffe, meine Liebe ist nicht ganz geschwunden, aber ich scheine sehr kühl und kalt zu sein. Ach, ich habe meinen Herrn vergessen.“ Wohin solltest du gehen, um diese Liebe beleben und erfrischen zu lassen? Solltest du nicht dahin kommen, wo dir geholfen wird, seiner zu gedenken? Er spricht: „Das tut zu meinem Gedächtnis.“ Du sagst, daß du deinen Herrn vergessen hast. Komm und gedenke sein wiederum. Bleibe nicht weg, sondern komme mit um so mehr Eifer. Gedenke an Ihn, wie du es zuerst tatest, als du mit Schuld beladen und voll Furcht zu Ihm kamst, und dich bloß auf den Herrn warfst und Frieden fandest. Komm und ruhe wieder in Ihm. Lieber Bruder, du, der du fürchtest, daß dein erstes Bekenntnis ein Irrtum war, komm und beginne wiederum an dem Tische. Wir sind in die Mitte des Sommers gekommen und die Pflanzen treiben ihre Sommerschößlinge hervor; ihr wißt: ich möchte, daß auch ihr neue Schößlinge triebet. Was! sagt ihr, daß es lange her ist, seit ihr ans Wachsen dachtet? Es ist Zeit, wieder daran zu denken. Wenn die Frühlingsschößlinge alt geworden scheinen, so ist es Zeit für einen Sommerschößling zu einem neuen Anfang. Beginnt wieder mit Christo. Tut Buße und tut eure ersten Werke. „Das tut zu meinem Gedächtnis.“ Ist das nicht gerade für euch passend, die fürchten, daß sie Ihn eine Weile vergessen haben?

„O, aber ich fühle mich so schwach.“ Ja, aber wenn ein kleines Kind sehr schwach ist, so ist immer noch eins, was es tun kann: es kann an seine Mutter denken. Das Gedächtnis wird oft durch unser Bedürfnis geweckt: es ist gut, wenn das Gefühl unsrer Schwäche uns daran gedenken läßt, wo unsre große Kraft liegt. Gedenkt also des Herrn, der eure Kraft und euer Lied ist, denn Er ist auch euer Heil geworden. Nun, ihr armen, kleinen Schwachen, wo seid ihr heute abend? Wie gern wollte ich euch helfen, aber welche bessere Hilfe könntet ihr wünschen, als die, welche der Herr euch in diesen teuren Erinnerungszeichen seines Todes darbietet! Ich weiß, daß einige von euch kürzlich grausam behandelt worden sind. Die Starken haben euch scharfe Dinge gesagt. Euer Herr ladet euch zu einer tröstlichen Handlung ein, die euch helfen wird, die schlechte Behandlung der Stolzen zu vergessen. Armer, Schüchterner, Zitternder, halb Glaubender und halb Zweifelnder und doch wirklich dem Herrn Angehörender, komm zu dem Tische, komm, deines liebevollen Erlösers zu gedenken! Es ist schmerzlich, an dich selbst zu denken, aber es wird süß sein, an Ihn zu denken.

„O,“ sagst du „ich kann Ihn nicht vergessen.“ Es freut mich, wenn du es nicht kannst. Doch komm hierher und gedenke an Ihn heute abend und sprich:

„Nun, ich kann nicht viel geben
In diesem armen Leben;
Eins aber will ich tun:
Es soll Dein Tod und Leiden,
Bis Leib und Seele scheiden,
Mir stets in meinem Herzen ruh'n.“

Es ist noch eins, was ich sagen will, und ich schäme mich halb, es zu sagen. Einige, die sich Christen nennen, behaupten, daß sie nicht zu dem Tische kommen können, weil gewisse Personen da sind, denen nach ihrem Urteil nicht gestattet werden sollte, zu kommen. Soll des Herrn Tisch ein Richterstuhl sein, an dem wir das Urteil der Gemeinde revidieren? „Ich kann mich nicht,“ sagte mir jemand „in eine Gemeinde aufnehmen lassen, weil ich keine finden kann, die vollkommen ist.“ Nein, sagte ich, und wenn Sie sich nicht in eine Gemeinde aufnehmen lassen, bis Sie eine vollkommene finden, so müssen Sie warten, bis Sie in den Himmel kommen; und außerdem, mein lieber Freund, wenn Sie je eine vollkommene finden, so wird diese Sie nicht aufnehmen; denn ich bin gewiß, sie würde aufhören vollkommen zu sein, sobald sie es täte. Ein kränkliches Schaf würde dann in die Hürde eingegangen sein. Deshalb ist es müßig für Sie, nach Vollkommenheit auszusehen.

„Aber da ist einer unter den Abendmahlsgästen, der sehr im Widerspruch mit seinem Bekenntnis handelte.“ Das ist höchst wahrscheinlich; und er mag deinen Rock tragen und aus deinen Augen blicken. Wenn dir irgend ein Fall offenkundiger Sünde bekannt ist, so laß die Ältesten davon benachrichtigt werden, und sie werden freundlich, aber fest damit verfahren. In einer so großen Gemeinde wie diese, mag es Fälle von schlechtem Wandel geben, die den Aufsehern der Herde nicht bekannt sind; aber wir erbitten die Mitwirkung aller, um die Reinheit der ganzen Körperschaft aufrecht zu erhalten, und wir hoffen, daß wir diese haben. Aber nun, wirklich, was habt ihr mit den Fehlern andrer zu tun, wenn ihr an Christum Jesum gedenket? Gewiß, das ist die unpassendste Zeit für harte Urteile, ja, überhaupt für irgendwelche Urteile. Ich kenne manchen Bruder, mit dem ich in gewissen Punkten nicht übereinstimmen könnte, aber ich stimme mit ihm in dem Gedächtnis Jesu Christi überein. Ich könnte nicht in allen Dingen mit ihm arbeiten; aber wenn er des Herrn Jesu gedenken will, so will ich mich darin gewiß mit ihm vereinen. Es wird ihm gut tun, und es wird mir gut tun, an Jesum zu denken. Dieser teure Name ist mir so köstlich, daß ich an Jesum, in Gemeinschaft mit den ärmsten, geringsten und unvollkommensten der Sterblichen, gedenken will.

Ich bin nie glücklicher, als wenn ich in eurer Mitte bin, meine geliebten Brüder, und wir alle um den Tisch herum sitzen, weil ich an alles denke, was der Herr für euch und für mich getan hat. Es ist nicht der Mühe wert, allein in den Himmel zu gehen. Ein kleines verlorenes Kind sitzt auf der Türschwelle eines vornehmen Hauses und weint, weil es so einsam ist: soll das unsre Lage im Himmel sein? Sollen wir keine Freunde mit uns dahin nehmen? Wer möchte einsam sein im neuen Jerusalem? Aber o, mit euch allen zum Tische zu kommen und in die Gesichter aller Gotteskinder zu sehen und zu glauben, daß der Herr Jesus Christus in einem jeden von ihnen ist! Sie sind eine arme Schar, voller Mängel, voller Irrtümer, voller Schwachheiten, gerade wie ihr Prediger; aber der Herr hat sie geliebt und sie mit seinem Blut erkauft. Christus ist uns teuer, denn Er hat nicht bloß mich erkauft, sondern Zehntausende seiner Heiligen überall; denn es sind einige der Seinigen in allen Gemeinden, selbst in denen, die am vollsten von Irrtum sind. Er hat durch sein teures Blut seine Erwählten inmitten ihrer aller erkauft. Wie, euer Anblick hilft mir, an Christum zu gedenken, und eine bessere Vorstellung von Ihm zu bekommen - beides, euer Christus und mein Christus; und nicht unser Christus allein, sondern der Christus aller der Myriaden der mit Blut Erkauften. Soll ich mich denn zum Richter aufwerfen und sagen: „Nein, ich will nicht meines Herrn gedenken, weil einer der Brüder sich nicht geziemend verhält?“ Was würdest du zu deinem Kinde sagen, wenn es sagte: „Vater, ich werde dich an deinem Geburtstage nicht besuchen; ich werde mich nicht mit den übrigen Familiengliedern bei dem gewöhnlichen Fest beteiligen?“ Warum nicht? „Weil mein Bruder nicht das ist, was er sein sollte, und bis er sich bessert, werde ich deinen Geburtstag nicht feiern.“ Dein Vater würde sagen: „Mein lieber Sohn, ist das irgend ein Grund, weshalb du nicht an m ich gedenken sollst? Ich bin doch gewißlich nicht zu tadeln für das, was dein Bruder tut. Komm zu dem Feste und denke an mich.“ So sage ich zu euch, wenn ihr irgend welchen persönlichen Groll oder Streit habt, so unterdrückt das nicht, sondern macht dem ein Ende. Kommt nicht zu dem Tische, bis ihr frei davon seid, denn ihr habt kein Recht zu kommen; aber laßt allen Zorn sofort aufhören. Macht euch frei von jedem häßlichen Gefühl, das ihr gegen irgend jemand in der Welt habt, und liebt alle, die an Christum glauben um Christi willen, und dann kommt zu diesem Tisch, und ihr werden finden, daß es euch hilft, eures Meisters zu gedenken, wenn ihr euch mit andern vereinigt, die seiner gedenken. Ich denke, ich darf sagen, daß du wahrscheinlich niemand an dem Tische sehen wirst, der schlechter ist, als du selber. So komme nur und laß den Stolz dich nicht zurückhalten. Möge Gottes unendliche Gnade des Herrn Abendmahl dem Volke des Herrn segnen!

Und diejenigen, die nicht kommen und seiner gedenken können, weil sie Ihn nicht kennen, möchten sie heute abend nach Hause gehen und Ihn suchen, und wenn sie Ihn suchen, wird Er sich ihnen offenbaren. Wenn ihr Christum wünscht, so wünscht Christus euch. Wenn ihr einen Funken Liebe zu Ihm habt, so hat Er einen feurigen Ofen voll Liebe zu euch; und wenn ihr zu Ihm kommen wollt und Ihm vertrauen, daß Er euch errette, so kommt und seid willkommen. Der Herr segne euch um seines Namens willen. Amen.

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