Spurgeon, Charles Haddon - Haggai (Andachten)

Spurgeon, Charles Haddon - Haggai (Andachten)

Haggai 1,9

„Ihr wartet wohl auf viel, und siehe, es wird wenig; und ob ihr es schon heimbringt, so zerstäube ich es doch. Warum das? spricht der Herr Zebaoth: Darum, dass mein Haus so wüste steht, und ein jeglicher eilet auf sein Haus.“

Geizige Seelen wägen ihre Beiträge für die Sache des Herrn, für die Bedürfnisse seiner Gemeinde in der Heimat und seiner Sendboten in der Heidenwelt, sorgfältig ab, und nennen das ein wohltätiges, weises Haushalten: sie lassen sich nicht von ferne träumen, dass sie mit solchem Geizen sich selber arm machen. Sie entschuldigen sich damit, sie müssten für die eigene Familie sorgen, und vergessen, dass die Vernachlässigung des Hauses Gottes der sicherste Weg ist, ihr eigenes Haus ins Verderben zu stürzen. Unser Gott hat in dem Gang seiner Vorsehung alles so in seiner Hand, dass Er unsre Arbeit über alle Erwartung kann segnen, oder Er kann unsre Pläne so durchkreuzen, dass wir mit Schande und Schaden bestehen müssen; mit einem Wink seiner Hand kann Er unser Fahrzeug auf die Straße des Glücks lenken, oder Er kann unser Schiff in die Tiefe der Armut und des Elends stürzen. Es ist eine Lehre der Schrift, dass der Herr den Freigebigen reich macht, und lässet den Geizigen erfahren, dass, wer dem Mitleid wehrt, in Dürftigkeit gerät. Aus einem weiten Kreis der Erfahrung habe ich die Überzeugung gewonnen, dass die freigebigsten Christen auch die glücklichsten waren, und zugleich die, deren Wohlstand am sichtbarsten aufblühte. Ich habe gesehen, wie der freigebige Spender zu Reichtum gelangte, den er nie im Traum gehofft hätte; und ebenso oft habe ich den schäbigen, mitleidslosen Geizigen in Armut versinken sehen, infolge derselben Kargheit, die ihn nach seiner Meinung emporbringen sollte. Die Menschen vertrauen guten Haushaltern immer größere und größere Summen, und so macht‘s häufig auch der Herr; Er gibt denen ganze Kornladungen zurück, die Garben verschenken. Wo Er nicht Reichtum gibt, macht der Herr das Wenige zu Vielem durch Genügsamkeit, die das gottselige Herz empfindet, wenn es dem Herrn den Zehnten geheiligt hat von dem, das Er ihm zuteil werden ließ. Die Selbstsucht schaut zuerst zum eigenen Haus, aber die Gottseligkeit sucht vor allem das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit; mit der Zeit bringt Selbstsucht Schaden und Gottseligkeit reichen Gewinn. Es erfordert Glaube, wenn wir Gott unsre Hand öffnen wollen, aber wahrlich, Er hat‘s wohl um uns verdient.

Haggai 2,17

„Ich plagte euch mit Dürre, Brandkorn und Hagel in aller eurer Arbeit.“

Welche Zerstörung richtet der Hagel unter den stehenden Saaten an, wenn er die kostbaren Körner in die Erde stampft! Wie dankbar sollten wir doch sein, wenn das Getreide von einer so furchtbaren Verwüstung verschont bleibt! Bringen wir dafür dem Herrn unsern tiefgefühlten Dank dar. Aber noch schrecklicher sind die andern geheimnisvollen Zerstörungskräfte: Dürre, Brandkorn und Schimmel. Diese verwandeln die Ähre in eine Masse schwarzen giftigen Staubes, oder veranlassen Fäulnis und Verderbnis der Körner, und das Alles in einer Weise, die so sehr aller menschlichen Vorsicht und Sorgfalt spottet, dass der Landmann ausrufen muss: „Das ist Gottes Finger.“ Wenn Gottes Güte nicht zu Hilfe käme, so würde bald der Reiter auf dem schwarzen Pferd Hunger und Pestilenz über das Land hereinführen. Die unendliche Gnade verschont der Nahrung des Menschen; aber wenn wir unsern Blick auf die geheimnisvollen Kräfte lenken, welche die Ernte so leicht zerstören können, dann müssen wir erkennen, wie notwendig die Bitte ist: „Gib uns heute unser tägliches Brot.“ Der Acker ist verflucht um des Menschen Sünde willen, darum haben wir beständig nötig, um Segen zu bitten. Wenn Dürre und Brand hereinbricht, so sind dies Züchtigungen des Himmels, und die Menschen müssen lernen, auf die Zuchtruthe zu achten, und auf Den, der sie handhabt.

Im innern Leben ist der Brand kein ungewöhnliches Übel. Wenn unsere Arbeit am verheißungsvollsten ist, erscheint diese Plage. Wir hofften auf viele Bekehrungen, und siehe! eine allgemeine Erschlaffung, ein wuchernder Weltsinn, eine grausame Herzenshärtigkeit kommt zum Vorschein. Vielleicht ist keine offenbare Sünde in denen zu bemerken, an deren Wohl wir arbeiten, aber es ist ein Mangel an Ernst und Entschiedenheit da, welcher alle unsere Hoffnungen zu Schanden macht. Geistlicher. Stolz und Trägheit bringen das furchtbare Übel schnell über unser Gefilde, und nur der Herr der Ernte vermag es aufzuhalten und abzuwenden. Der Brand kann sogar unsere eigenen Herzen vergiften, und unser Gebet und unsere Andacht verderben. Möchte es doch dem großen Hausvater gefallen, uns vor solchem Unglück zu bewahren. Scheine, Du Sonne der Gerechtigkeit, über uns und vertreibe alle Plagen. (Goldstrahlen August 4)

Haggai 2,20

Von diesem Tag an will ich Segen geben.

Künftige Dinge sind vor uns verborgen. Aber hier ist ein Spiegel, in dem wir die ungeborenen Jahre sehen können. Der Herr spricht: „Von diesem Tage an will ich Segen geben.“

Es ist der Mühe wert, den Tag zu beachten, auf den diese Verheißung sich bezieht. Es waren Missernten, Dürre und Brandkorn da gewesen, und alles um der Sünde des Volkes willen. Nun sah der Herr, dass diese Gezüchtigten anfingen, seinem Wort zu gehorchen und seinen Tempel zu bauen, und deshalb spricht Er: „Von dem Tage, da der Tempel des Herrn gegründet ist, schauet darauf: Von diesem Tage an will ich Segen geben.“ Wenn wir in einer Sünde gelebt haben, und vom Heiligen Geist dahin geführt werden, uns von derselben zu reinigen, so mögen wir auf den Segen des Herrn rechnen. Sein Wohlgefallen, Sein Geist, Seine Gnade, die vollere Offenbarung Seiner Wahrheit, dies alles wird sich als ein größerer Segen für uns erweisen. Wir mögen stärkeren Widerstand von Menschen erfahren um unserer Treue willen, aber wir sollen emporsteigen zu näherem Verkehr mit dem Herrn, unsrem Gott, und zu einer klareren Gewissheit, dass wir von Ihm angenommen sind.

Herr, ich bin entschlossen, Dir treuer zu sein und genauer in meiner Nachfolge Deiner Lehren und Vorschriften; und ich bitte Dich deshalb, durch Jesum Christum den Segen meines täglichen Lebens hinfort und auf immer zu vermehren.

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