Spurgeon, Charles Haddon - Glaube und Taufe in ihrer Verbindung

„Und Er sprach zu ihnen: Geht hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“
Mk. 16,15.16

Ich will mich diesmal sehr kurz fassen, will aber sehr ernst einige wichtige Dinge betonen. Der Glaube ist das unerläßliche Erfordernis zur Seligkeit. „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“ Der Glaube ist das eine unerläßliche Erfordernis zur Seligkeit. Dieser Glaube ist Gottes Gabe. Er ist das Werk des Heiligen Geistes. Manche Menschen glauben nicht an Jesum; sie glauben nicht, weil sie Christi Schafe nicht sind, wie Er selbst zu ihnen sagte; aber Seine Schafe hören Seine Stimme. Er kennt sie, und sie folgen Ihm. Er gibt ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus Seiner Hand reißen. Was ist dieses Glauben? Glauben besteht in zwei Dingen; es ist zunächst ein Annehmen des Zeugnisses, das Gott zeugt von Seinem Sohn. Gott sagt uns, daß Sein Sohn in die Welt gekommen und Fleisch geworden ist, daß Er um der Menschen willen auf Erden gelebt hat und daß Er, nachdem Er Sein Leben in Heiligkeit gespendet, als eine Versöhnung für die Sünde geopfert worden ist, daß Er am Kreuz die Sühne für die Sünden der Welt herbeigeführt hat, so daß, „wer an Ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat“. Wenn ihr gerettet werden wollt, müßt ihr dieses Zeugnis annehmen, das Gott von Seinem Sohn zeugt. Nachdem das geschehen, ist das nächste, dem zu vertrauen. Hierin liegt tatsächlich das Wesen des seligmachenden Glaubens, daß ihr euch hinsichtlich der ewigen Seligkeit auf das Sühnopfer und auf die Gerechtigkeit Jesu Christi verlaßt und ein für allemal alles Vertrauen auf Gefühle oder auf eigenes Tun aufgebt und Jesu Christo in dem vertraut, was Er für eure Errettung getan hat.

Dies ist Glaube, die Wahrheit von Christo annehmen, zuerst sie als wahr erkennen und dann auf dieses Annehmen hin handeln. Ein solcher wirklicher Glaube veranlaßt den Menschen, hinfort die Sünde zu hassen. Wie kann Er das lieben, das dem Heiland Blut gekostet hat? Er veranlaßt ihn, in Heiligkeit zu leben. Wie kann er anders als suchen, den Gott zu ehren, der ihn so geliebt hat, daß Er Seinen Sohn gab, daß Er für ihn sterbe? Dieser Glaube ist in seiner Natur und in seinen Wirkungen geistlich; er wirkt auf den ganzen Menschen ein; er verändert sein Herz, erleuchtet seinen Verstand und unterwirft seinen Willen; er unterwirft ihn der Oberherrschaft Gottes und nötigt ihn, das Wort Gottes anzunehmen als ein kleines Kind, das da willig ist, die Wahrheit auf das Wort des Ewigen hin anzunehmen; er heiligt seinen Verstand und macht ihn willig, durch Gottes Wort gelehrt zu werden; er reinigt innerlich; er macht das Inwendige der Schüssel und des Bechers rein und verschönt ihn nach außen; er reinigt das äußere Verhalten und die inneren Beweggründe, so daß der Mensch, wenn sein Glaube wirklich und echt ist, hinfort ein ganz anderer wird, als er zuvor war.

Nun halte ich es für ganz vernünftig, daß solcher Glaube die Seele rettet; nein, es ist gewiß, denn wir haben gesehen, daß Menschen dadurch gerettet worden sind. Wir haben es hier in diesem Bethause gesehen. Wir haben gesehen, wie die Hure aus dem höllischen Sumpf ihrer Sünde herausgezogen und zu einer ehrlichen Frau gemacht worden ist; wir haben gesehen, daß der Dieb gerettet worden ist, und in Hunderten von Fällen sind Trunkenbolde zu nüchternen Männern geworden; wir haben wahrgenommen, daß der Glaube solche Veränderung wirkte, daß alle Nachbarn es bewundert haben, obgleich sie es hassen mochten; wir haben gesehen, wie der Glaube Menschen aus der Stunde der Versuchung rettet und ihnen hilft, sich und ihre Habe Gott zu weihen; wir haben Taten heldenmütiger Hingabe an Gott gesehen und hoffen, sie noch viel mehr zu sehen. Meine Zuhörer, wenn ihr errettet werden wollt, müßt ihr an den Herrn Jesum Christum glauben. Laßt mich euch von ganzem Herzen bitten, hinsichtlich eurer Seligkeit nirgendwo anders hinzublicken als zu dem gekreuzigten Christo. Wenn ihr euch auf eine Zeremonie verlaßt - wenn es auch nicht gerade die Taufe ist -, wenn ihr euch auf etwas anderes als auf Christus verlaßt, müßt ihr, so gewiß dieses Buch wahr ist, verloren gehen. Ich bitte euch, glaubt nicht einem jeglichen Geist, und ob auch ich oder ein Engel vom Himmel euch eine andere Lehre predigt als diese, der sei verflucht; denn dies und dies allein ist die Seelen rettende Wahrheit, welche die Welt wiedergebären kann: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden.“ In einem Blick auf den Gekreuzigten ist Leben, und es ist in diesem Augenblick für euch da. Wer unter euch an die große Liebe Gottes in Christo Jesu zu euch glauben kann, wird selig werden. Wenn ihr glauben könnt, daß unser großer Vater wünscht, daß wir zu Ihm kommen, daß Er Sich nach uns sehnt, daß Er täglich durch die laute Stimme der Wunden Seines Sohnes ruft; wenn ihr jetzt glauben könnt, daß in Christo Vergebung für frühere Übertretungen und Reinigung für zukünftige Jahre ist; wenn ihr Ihm vertrauen könnt, daß Er euch rettet, so habt ihr bereits die Kennzeichen der Wiedergeburt. Soweit es das Werk des Geistes betrifft, ist das Heilswerk in euch bereits begonnen, und soweit es das Werk Christi betrifft, ist es für euch vollbracht. O, ich möchte euch anflehen: Verlaßt euch auf Jesum Christum. Dies ist der Grund: Baut darauf. Dies ist der Zufluchtsort: Flieht dahin. Ich bitte euch, flieht jetzt dahin. Das Leben ist kurz; die Zeit eilt auf Adlers Flügeln dahin. So schnell wie die vom Habicht verfolgte Taube fliehe, fliehe, armer Sünder, zu Gottes liebem Sohn; rühre den Saum Seines Gewandes an; blicke jetzt in das liebe Angesicht, das einst von Schmerz für dich entstellt wurde; schaue in jene Augen, die einst Tränen für dich vergossen. Vertraue Ihm, und wenn du Ihn falsch erfindest, dann mußt du verloren gehen; aber solange Sein Wort wahr ist: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden,“ wirst du Ihn nicht als falsch erfinden. Gott gebe uns diesen wesentlichen, lebendigen Glauben, ohne welchen es keine Seligkeit gibt! Getauft, wieder getauft, beschnitten, konfirmiert, mit dem Abendmahl versehen und in geweihter Erde begraben - werdet ihr dennoch verloren gehen, wenn ihr nicht an Jesum glaubt. Das Wort ist ausdrücklich und klar; wer nicht glaubt, mag seine Taufe und irgend etwas geltend machen - „wer nicht glaubt, der wird verdammt werden“; für ihn gibt es nichts anderes als den Zorn Gottes, die Flammen der Hölle, ewiges Verderben. So erklärt Christus, und so muß es sein.

Aber nun zum Schluß, und hier sind etliche, welche sagen: „Aber die Taufe ist doch im Text, welche Stellung weisen Sie ihr an?“ Das soll ein anderer Punkt sein, und dann schließen wir. Die Taufe im Text ist eine, die offenbar mit dem Glauben verbunden ist. „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden.“ Es fällt mir auf, daß hier die Annahme nicht besteht, daß jemand getauft werden könnte, welcher nicht glaubt; oder, wenn doch solche Annahme vorhanden sein sollte, so ist sehr klar dargelegt, daß diese Taufe von keinem Nutzen für ihn ist; denn er wird verdammt werden, wenn er nicht glaubt, ob er nun getauft ist oder nicht. Die Taufe des Textes scheint mir - wenn ihr euch darin von mir unterscheidet, so tut es mir leid, aber ich muß meine Meinung festhalten und aussprechen - direkt dem Glauben zu folgen. Ich möchte nicht zu sehr auf der Ordnung der Worte bestehen, aber ich denke, daß auch aus anderen Gründen die Taufe dem Glauben folgen sollte. Jedenfalls verhindert sie so den Irrtum recht wirksam, den wir bekämpft haben. Jemand, der da weiß, daß er durch den Glauben an Christus gerettet ist, wird, nachdem er getauft worden ist, seine Taufe nicht zu einer seligmachenden Vorschrift erheben. Tatsächlich ist er der beste Protestler gegen den Mißgriff, weil er dafür hält, daß er kein Recht hat, getauft zu werden, bis er gerettet ist. Er legt dadurch, daß er als bereits wiedergeborener Mensch getauft wird, Zeugnis ab gegen die Taufwiedergeburt. Brüder, die hier gemeinte Taufe ist eine Taufe, die mit dem Glauben verbunden ist, und ich will zugeben, daß dieser Taufe in der Schrift vieles zugeschrieben wird. Ich finde einige sehr merkwürdige Stellen, in denen sehr stark von der Taufe gesprochen wird. Ich finde diese: „Stehe auf und laß dich taufen und abwaschen deine Sünden, und rufe an den Namen des Herrn.“ Ich finde anderswo dasselbe. Ich weiß, daß der Gläubigen Taufe an und für sich die Sünde nicht abwäscht; doch sie ist so für den Gläubigen das äußere Zeichen und Emblem davon. Ebenso wie unser Heiland sagte: „Dies ist Mein Leib“, während es doch nicht Sein Leib, sondern Brot war; da es indessen Seinen Leib darstellte, war es nach dem Sprachgebrauch recht und billig, zu sagen: „Nehmt, eßt, das ist Mein Leib.“ Und insofern die Taufe dem Gläubigen die Abwaschung der Sünde darstellt, kann sie die Abwaschung der Sünde genannt werden, nicht, weil sie das ist, sondern weil sie der geretteten Seele das äußere Symbol und die Darstellung von dem ist, was durch die Kraft des Heiligen Geistes in dem Menschen, der an Christum glaubt, geschehen ist.

Welche Verbindung hat diese Taufe mit dem Glauben? Die Taufe ist das Bekenntnis des Glaubens. Der Mensch war Christi Soldat, aber nun legt er in der Taufe Seine Uniform an. Der Mensch glaubte an Christum, aber sein Glaube blieb zwischen Gott und seiner eigenen Seele. In der Taufe sagt er zu dem Täufer: „Ich glaube an Jesum Christum“ ; er sagt zu der Gemeinde: „Als Gläubiger an die gemeinsamen Wahrheiten des Christentums verbinde ich mich mit euch“; er sagt zu dem Zuschauer: „Was ihr auch tun mögt, ich aber will dem Herrn dienen.“ Sie ist das Bekenntnis seines Glaubens.

Als nächstes halten wir dafür, daß die Taufe dem Gläubigen ein Zeugnis von seinem Glauben ist; in seiner Taufe sagt er der Welt, was er glaubt. „Ich bin bereit,“ sagt er, „im Wasser begraben zu werden. Ich glaube, daß der Sohn Gottes bildlich in Leiden eingetaucht worden ist; ich glaube, daß Er buchstäblich starb und begraben wurde.“ Das Heraussteigen aus dem Wasser stellt allen Menschen dar, daß er an die Auferstehung Christi glaubt. Im Abendmahl ist eine Verkündigung des Todes Christi, in der Taufe ist die Verkündigung des Begräbnisses und der Auferstehung Christi. Es ist der Welt ein Bild, ein Zeichen, ein Symbol, ein Spiegel, in welchem die Religion gleichsam reflektiert wird. Dem Zuschauer, welcher fragt, welches denn der Sinn dieser Vorschrift sei, sagen wir: „Wir beabsichtigen, unseren Glauben zu zeigen, daß Christus begraben wurde und daß Er von den Toten auferstand, und wir bekennen, daß dieser Tod und diese Auferstehung der Grund unseres Vertrauens ist.“

In der Taufe nimmt ferner der Glaube seinen rechten Platz ein. Die Taufe ist eine seiner ersten Taten des Gehorsams, oder sie sollte es doch sein. Die Vernunft blickt auf die Taufe und sagt: „Vielleicht ist nichts darin; sie kann mir nichts nützen.“ „Das ist wahr,“ sagt der Glaube, „und darum will ich sie beobachten. Wenn sie mir nützte, würde mich meine Selbstsucht dazu veranlassen; aber da sie mir nach meinem Dafürhalten nichts nützt, sie mir aber von meinem Herrn geboten ist, weil ich alle Gerechtigkeit erfüllen soll, ist es meine erste öffentliche Erklärung, daß etwas, das unvernünftig scheinen und nutzlos sein mag, mir ein Gesetz ist, weil Gott es befohlen hat. Wenn mein Herr mir geboten hätte, sechs Steine aufzulesen und in einer Reihe hinzulegen, so würde ich es tun, ohne zu fragen: „Was soll das nützen?“ 'Cui bono' ist für Jesu Soldaten keine passende Frage; die bloße Einfachheit und scheinbare Nutzlosigkeit der Vorschrift sollte den Gläubigen veranlassen, zu sagen: „Ich tue es darum, weil es mir ein um so besserer Prüfstein meines Gehorsams gegen meinen Meister wird.“ Wenn du deinem Diener etwas zu tun befiehlst und wenn er das nicht verstehen kann und sich umdreht und fragt: „Bitte, mein Herr, wozu das?“, so bist du dir ganz klar darüber, daß er das Verhältnis zwischen Herrn und Diener schwerlich versteht. Und wenn Gott mir etwas zu tun aufgibt und ich sage: „Wozu?“, kann ich den Platz nicht einnehmen, den der Glaube einnehmen sollte: den des einfältigen Gehorsams gegen alles, das der Herr gesagt hat. Die Taufe ist befohlen, und der Glaube gehorcht, weil sie befohlen ist, und nimmt so seine rechte Stellung ein.

Noch eins, die Taufe ist dem Glauben eine Erfrischung. Da wir aus Leib und Seele bestehen, werden wir mancher Mittel bedürfen, durch welche der Leib zuweilen angeregt wird, mit der Seele zusammen zu wirken. Im Abendmahl wird mein Glaube durch das äußere und sichtbare Zeichen unterstützt. In dem Brot und Wein sehe ich kein abergläubisches Geheimnis; ich sehe nichts als Brot und Wein; aber in dem Brot und Wein sehe ich eine Unterstützung meines Glaubens. Durch das Zeichen hindurch sieht dein Glaube das Bezeichnete. So ist hinsichtlich der Taufe weder im Baptisterium noch in dem Wasser eine geheimnisvolle Wirksamkeit. Wir zollen weder dem einen noch dem anderen irgendwelche Ehrerbietung; aber wir sehen in dem Wasser und in der Taufe einen Beistand, der unseren Glauben, unser Begrabensein mit Christus und unser Auferstehen zu einem neuen Leben offenkundig nahelegt. Erklärt die Taufe so, liebe Freunde, und wir können dann nicht annehmen, daß irgendwelche Seele veranlaßt wird, ihr Vertrauen darauf zu setzen; aber sie nimmt dann unter den Vorschriften des Hauses Gottes ihre rechte Stellung ein. Wenn ich mich nicht täusche, so wird der Tag kommen, da wir mehr als bisher um eine einfache geistliche Religion zu kämpfen haben werden. Wir haben Freundschaft mit denen gepflegt, welche entweder in ihrem Glaubensbekenntnis unbiblisch oder sonst unehrlich sind, welche entweder an die Taufwiedergeburt glauben oder doch bekennen, es zu tun, und vor Gott beschwören, daß sie es tun, während sie es nicht tun. Die Zeit ist da, da die, welche Gott folgen, Gott folgen müssen und da die, welche es versuchen, sich selbst zu schmücken und einen Weg ausfindig zu machen, der dem Fleisch gefällt, ihres Weges gehen müssen. Wir müssen uns reinigen von denen, welche die Seligkeit durch die Taufe lehren, anstatt das Heil durch das Blut unseres hochgelobten Herrn Jesu Christi zu verkündigen. O, möchte der Herr unsere Lenden umgürten! Aus einem System, das die Seligkeit durch die Taufe lehrt, muß der Unglaube entspringen, ein Unglaube, den die falsche Kirche unter ihren Fittichen zu nähren und zu pflegen bereits willig zu sein scheint. Brüder, besteht nur in der Freiheit, damit uns Christus befreit hat, und fürchtet euch vor keiner plötzlich hereinbrechenden Kalamität; denn wer sich auf den Herrn verläßt, den wird die Güte umfangen, und wer Gott und Christo treu ist, wird Ihn schließlich sagen hören: „Wohl, du frommer und getreuer Knecht, gehe ein zu deines Herrn Freude.“ Möchte der Herr dieses Wort segnen um Christi willen! Amen.

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