Spurgeon, Charles Haddon - Die Gemeinde Christi

„Ich will sie und alle meine Hügel umher segnen, und auf sie regnen lassen zu rechter Zeit; das sollen gnädige Regen sein.“
Hes. 34,26

Das Kapitel (Hes. 34), das ich am Beginn des Gottesdienstes las, ist ein prophetisches und bezieht sich, wie ich denke, nicht auf die Lage der Juden während ihrer Gefangenschaft und ihre darauf folgende Glückseligkeit durch ihre Rückkehr nach Palästina, sondern auf einen Zustand, in den sie gerieten, nachdem sie unter Esra und Nehemia in ihr Land zurückgeführt waren, und in dem sie noch bis auf den gegenwärtigen Tag verharren. Der Prophet sagt uns, daß die Hirten, statt die Herde zu weiden, sich selber weideten. Sie zertraten lieber das Gras, als daß sie es die Schafe fressen ließen, und machten das Wasser mit ihren Füßen trüb. Dies ist eine genaue Beschreibung von dem Zustand Judäas nach der Gefangenschaft; denn da standen die Schriftgelehrten und Pharisäer auf, die den Schlüssel der Erkenntnis hatten und weder selbst hineingehen wollten, noch andere hineinlassen, die den Menschen schwere Bürden auf den Hals legten, die sie selber nicht mit einem Finger anrühren wollten; die die Religion zu lauter Opfer und Zeremonien machten und solche Last auf das Volk legten, daß es ausrief: „Siehe, es ist nur Mühe!“ Dasselbe Übel hat sich bei den armen Juden bis auf den gegenwärtigen Tag erhalten, und solltet ihr den Unsinn des Talmuds lesen und die Bürden sehen, die auf sie gelegt sind, so würdet ihr sprechen: „Wahrlich, sie haben müßige Hirten;“ sie geben den Schafen keine Weide; sie beschweren sie mit phantastischem Aberglauben und albernen Ansichten und anstatt ihnen zu sagen, daß der Messias schon gekommen sei, täuschen sie dieselben mit der Vorstellung, daß noch ein Messias kommen solle, der Judäa wiederherstellen und es zu seiner Herrlichkeit erheben werde. Der Herr spricht einen Fluch über diese Pharisäer und Rabbiner aus; diese, die „mit den Hörnern stoßen.“ Diese bösen Hirten, die nicht dulden, daß die Schafe sich lagern und sie nicht auf gute Weide führen wollen. Aber nachdem er diesen Zustand beschrieben hat, weissagt er bessere Zeiten für die armen Juden. Der Tag kommt, an welchem den sorglosen Hirten ein Ende gemacht werden soll; wo die Macht der Rabbiner aufhören soll; wo die Traditionen des Talmuds beiseite geworfen werden sollen. Die Stunde naht sich, wo die Stämme hinauf in ihr eigenes Land ziehen sollen; wo Judäa, so lange eine heulende Einöde, wieder blühen soll wie die Rose; wo, wenn der Tempel selbst nicht wieder hergestellt wird, doch auf dem Berge Zion ein christliches Gebäude sich erheben soll, in welchem die feierlichen Lobgesänge gehört werden, wie vor alters die Psalmen Davids in der Stiftshütte. Nicht lange mehr wird es währen, bis sie kommen werden - kommen werden aus fernen Landen, wo sie ruhen oder umherwandern; und sie, die ein Fegopfer aller Leute gewesen sind, deren Name ein Sprichwort und ein Schimpfwort geworden ist, werden die Herrlichkeit aller Lande werden. Das verachtete Zion wird sein Haupt aufrichten und sich aus dem Staube, aus der Finsternis und von den Toten erheben. Dann wird der Herr sein Volk weiden und Zion und alle Hügel umher segnen.

Ich glaube nicht, daß wir der Wiederherstellung der Juden genügende Wichtigkeit zumessen. Wir denken nicht genug daran. Aber gewiß, wenn irgend etwas in der Bibel verheißen ist, so ist es dies. Ich meine, ihr könnt die Schrift nicht lesen, ohne klar zu sehen, daß eine wirkliche Wiederherstellung der Kinder Israel stattfinden soll. „Sie werden mit Weinen nach Zion kommen und mit Flehen nach Jerusalem.“ Möge dieser glückliche Tag bald erscheinen! Denn wenn die Juden wiederhergestellt sind, dann soll die Fülle der Heiden eingesammelt werden; und sobald sie wiederkehren, wird Jesus kommen und auf dem Berge Zion regieren vor seinen Ältesten in der Herrlichkeit, und dann werden die friedlichen Tage des tausendjährigen Reiches anbrechen; wir werden dann jeden Menschen als einen Bruder und einen Freund kennen und Christus soll überall herrschen.

Dies ist also die Bedeutung des Textes, daß Gott Jerusalem und die Hügel umher segnen will. Ich werde ihn aber heute morgen nicht so gebrauchen, sondern in einem beschränkteren Sinne - oder vielleicht in einem weiteren Sinne - wie er sich auf die Gemeinde Jesu Christi bezieht, und auf diese besondere Gemeinde, mit der ihr und ich verbunden seid. „Ich will sie und alle Plätze um meinen Berg umher zu einem Segen machen und auf sie regnen lassen zur rechten Zeit; das sollen Schauer des Segens sein.“ (n. d. engl. Üb.)

Hier wird von zwei Dingen gesprochen. Zuerst, Christi Gemeinde soll ein Segen sein; zweitens, Christi Kirche soll gesegnet werden. Diese zwei Dinge werdet ihr in den verschiedenen Teilen des Textes finden.

I.

Zuerst, Christi Gemeinde soll ein Segen sein. „Ich will sie und alle Plätze um meinen Berg her zu einem Segen machen.“ Der Zweck Gottes, als Er vor Anbeginn der Welten ein Volk erwählte, war nicht nur, dieses Volk zu erretten, sondern durch dasselbe dem ganzen menschlichen Geschlecht wesentliche Wohltaten zu verleihen. Als Er Abraham erwählte, erkor Er ihn nicht einfach nur, um Gottes Freund und der Empfänger besonderer Vorrechte zu sein; sondern Er erwählte ihn sozusagen zum Bewahrer der Wahrheit. Er sollte die Arche sein, in der die Wahrheit verborgen wurde. Er sollte der Behüter des Bundes für die ganze Welt sein; und wenn Gott irgendwelche Menschen durch seine unumschränkte, erwählende Gnade wählt und sie zu Christi Eigentum macht, so tut Er es nicht nur um ihrer selbst willen, damit sie gerettet werden, sondern um der Welt willen. Denn wißt ihr nicht, daß ihr „das Licht der Welt“ seid, - „eine Stadt, die auf einem Berge liegt und nicht verborgen sein kann?“ „Ihr seid das Salz der Erde;“ und wenn Gott euch zu Salz macht, so ist es nicht nur, damit ihr Salz in euch selbst habt, sondern damit ihr wie das Salz die ganze Masse bewahren mögt. Wenn Er euch zu Sauerteig macht, so ist es, damit ihr wie der Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert. Die Errettung ist nichts Selbstsüchtiges; Gott gibt sie nicht, damit wir sie für uns selber behalten, sondern damit wir dadurch anderen zum Segen werden; und jener große Tag wird es zeigen, daß kein Mensch auf der Oberfläche der Erde lebt, der nicht auf die eine oder die andere Weise einen Segen durch Gottes Gabe, das Evangelium, empfangen hat. Selbst daß die Gottlosen noch am Leben bleiben und ihnen eine Frist gelassen wird, ist mit dem Tode Jesu erkauft; und durch sein Leiden und seinen Tod sind uns die zeitlichen Segnungen, die wir und sie genießen, verliehen. Das Evangelium wurde gesandt, damit es zuerst diejenigen segnen möchte, die es annehmen, und sich dann ausdehne, so daß diese zu einem Segen für das ganze menschliche Geschlecht gemacht werden.

Wenn wir so von der Gemeinde als von einem Segen sprechen, wollen wir dreierlei beachten. Zuerst, hier ist Gottheit: „Ich will sie zu einem Segen machen;“ zweitens, hier ist Persönlichkeit der Religion: „Ich will sie zu einem Segen machen;“ und drittens, hier ist Entwicklung der Religion: „Und alle Plätze um meinen Berg umher.“

1. Zuerst in Hinsicht auf diesen Segen, zu dem Gott seine Gemeinde machen will, hier ist Gottheit. Es ist Gott, der ewige Jehovah, der spricht: „Ich will sie zu einem Segen machen.“ Niemand von uns kann andere segnen, wenn Gott ihn nicht erst gesegnet hat. Wir brauchen die göttliche Arbeit an uns. „Ich will sie zu einem Segen machen, indem ich sie zwinge.“ Gott macht die Seinen zu einem Segen, indem Er ihnen hilft. Was können wir ohne Gottes Hilfe tun? Ich stehe und predige zu Tausenden, oder mag sein, zu Hunderten; was habe ich getan, wenn nicht ein Größerer als ein Mensch mit mir auf der Kanzel gewesen ist? Ich arbeite in den Sonntagsschulen; was kann ich tun, wenn nicht der Meister da ist und die Kinder mit mir lehrt? Wir brauchen Gottes Hilfe in jeder Stellung; und gebt uns nur diesen Beistand, dann ist nicht zu sagen, mit wie geringer Arbeit wir ein Segen werden können. Ach! manchmal werden ein paar Worte mehr Segen stiften als eine ganze Predigt. Ihr nehmt ein kleines, plauderndes Kind auf den Schoß, und ein paar Worte, die ihr zu ihm sagt, behält es und macht in späteren Jahren Gebrauch davon. Ich kannte einen grauhaarigen, alten Mann, der die Gewohnheit hatte, dies zu tun. Einst führte er einen Knaben zu einem Baum und sagte: „Nun, Johann, Knie bei diesem Baum nieder und ich will mit dir niederknien.“ Er kniete nieder und betete, daß Gott ihn bekehren und seine Seele erretten wolle. „Nun,“ sagte er, „du wirst vielleicht wieder zu diesem Baum kommen, und wenn du nicht bekehrt bist, wirst du dich erinnern, daß ich unter diesem Baum bat, daß Gott deine Seele retten möge.“ Der junge Mensch ging weg und vergaß des alten Mannes Gebet; aber es fügte sich so, da Gott es haben wollte, daß er wieder über dies Feld ging und jenen Baum sah. Es schien, als wenn des alten Mannes Name in die Rinde geschnitten sei. Er dachte an das, worum er gebetet hatte, und daß das Gebet nicht erfüllt wurde; aber er wagte nicht an dem Baum vorbeizugehen, ohne niederzuknien und für sich selbst zu beten; und dies wurde sein geistlicher Geburtsort.

Die einfachste Bemerkung des Christen soll zu einem Segen gemacht werden, wenn Gott ihm hilft. „Seine Blätter welken nicht“ - das einfachste Wort, was Er spricht, soll aufbewahrt werden, „und was Er macht, das gerät wohl.“ Aber es ist Zwang hier. „Ich will sie zu einem Segen machen.“ Ich will es ihnen geben, daß sie ein Segen sind; ich will sie zwingen, ein Segen zu sein. Ich selbst kann sagen, daß ich nie etwas getan habe, was meinen Mitgeschöpfen ein Segen wurde, ohne daß ich mich gezwungen gefühlt hätte, es zu tun. Ich dachte daran, in einer Sonntagsschule zu lehren. Eines Tages kam jemand zu mir, bat mich, flehte mich, seine Klasse zu übernehmen; ich konnte mich nicht weigern zu gehen, und dort wurde ich an Händen und Füßen vom Vorsteher festgehalten und gezwungen, fortzufahren. Ich wurde gebeten, eine Ansprache an die Kinder zu halten; ich dachte, ich könnte es nicht, aber niemand anders war da, um es zu tun, so stand ich auf und stammelte ein paar Worte. Und ich erinnere mich der ersten Gelegenheit, bei der ich zu predigen versuchte - ich bin gewiß, ich hatte nicht den Wunsch, es zu tun - aber es war kein anderer da, und die Versammlung hätte weggehen müssen ohne ein einziges Wort der Warnung oder Ansprache. Wie konnte ich das zulassen? Ich fühlte mich gezwungen, zu ihnen zu reden. Und so ist es mit allem gewesen, was ich getan habe. Ich habe immer eine Art von Antrieb gefühlt, dem ich nicht widerstehen konnte, und habe darüber hinaus gefühlt, daß die Vorsehung mich in eine solche Lage gebracht hat, daß ich keinen Wunsch hatte, der Pflicht auszuweichen, und wenn ich es gewünscht hätte, hätte ich es doch nicht tun können.

So ist es mit den Kindern Gottes. Wenn sie ihr Leben durchgehen, so werden sie finden, daß, wo immer sie zu einem Segen gemacht sind, es den Anschein hatte, als ob Gott sie in den Weinberg getrieben hätte. Der und der Mann war einst reich. Wozu in aller Welt war er gut? Er fuhr bequem in seiner Kutsche, er tat wenig Gutes und war von wenig Nutzen für seine Mitgeschöpfe. Gott sagt: „Ich will ihn zu einem Segen machen!“ Er nimmt ihm seine Reichtümer und bringt ihn in dürftige Umstände. So wird er in Verbindung mit den Armen gebracht, und seine bessere Bildung und sein Verstand machen ihn zu einem Segen für sie. Gott macht ihn zu einem Segen. Ein anderer Mann war von Natur sehr schüchtern; er wollte nicht in der Gebetsstunde beten; er wollte sich kaum mit einer Gemeinde verbinden, bald gerät er in eine Lage, in der er dazu gezwungen ist. „Ich will ihn zu einem Segen machen.“ Und so sicher du ein Diener Gottes bist, wird Er dich zu einem Segen machen. Er will nichts von seinem Gold in einem Klumpen haben, Er wird es schmieden und zu einem Segen machen. Ich glaube wirklich, es sind einige unter meinen Hörern, denen Gott die Fähigkeit gegeben hat, seinen Namen zu predigen; sie wissen es vielleicht nicht, aber Gott wird es bald bekannt werden lassen. Ich möchte, daß jeder hier prüft, ob Gott ihn zu einer bestimmten Sache treibt; und wenn er einmal den Antrieb fühlt, so möge er ihn niemals hemmen. Ich glaube etwas an die Lehre der Quäker von den Antrieben des Geistes, und ich fürchte mich, einen solchen zu hemmen. Wenn mir ein Gedanke durch die Seele fährt: „Geh zu dem Haus von dem und dem,“ so tue ich es immer gern, weil ich nicht weiß, ob es nicht vielleicht vom Geist Gottes ist.

Ich verstehe diesen Vers so, als wenn so etwas damit gesagt sein soll. „Ich will sie zu einem Segen machen.“ Ich will sie zwingen, Gutes zu tun. Wenn ich nicht auf andere Weise einen Wohlgeruch aus ihnen herauspressen kann, so will ich sie in dem Mörser der Trübsal zerstoßen. Wenn sie Samen haben, und dieser in keiner anderen Art umhergestreut werden kann, so will ich einen rauhen Wind senden, der den flaumigen Samen überall hinweht. „Ich will sie zu einem Segen machen.“ Wenn du nie zu einem Segen für irgend jemand gemacht bist, so verlaß dich darauf, du bist kein Kind Gottes; denn Jehovah sagt: „Ich will sie zu einem Segen machen.“

2. Aber beachtet ferner die Persönlichkeit des Segens. „Ich will sie zu einem Segen machen.“ „Ich will jedes Mitglied der Gemeinde zu einem Segen machen.“ Viele Leute kommen zu dem Gebetshaus, wo die Gemeinde sich versammelt, und ihr fragt: „Nun, was tut ihr an dem und dem Ort, den ihr besucht?“ „Nun, wir tun dies und das.“ „Wie buchstabierst du wir?“ „Es ist ein einfaches, einsilbiges Wort,“ sagst du. „Ja, aber legst du ein Ich in das Wir hinein?“ „Nein.“ Es gibt sehr viele Leute, die leicht das Wir ohne das Ich buchstabieren können; denn obwohl sie sagen: „Wir haben das und das getan,“ sagen sie doch nicht: „Wieviel habe ich getan? Tat ich etwas dabei? Ja, diese Kapelle ist vergrößert worden; wieviel habe ich dazu gegeben? Zwanzig Pfennige.“ Es ist getan. Die, welche das Geld bezahlten, haben es getan. „Wir predigen das Evangelium.“ Tun wir es in der Tat? Ja, wir sitzen in unserem Stuhl und hören ein wenig zu und beten nicht um einen Segen. „Wir haben eine so große Sonntagsschule.“ Lehrtest du je darin? „Wir haben einen sehr guten Frauenverein?“ Hast du je darin mitgeholfen? Das ist nicht die Art, „wir“ zu buchstabieren. Es heißt: „Ich will sie zu einem Segen machen.“ Als Jerusalem gebaut wurde, fing jeder nahe bei seinem eigenen Haus an. Da ist es, wo ihr anfangen müßt zu bauen oder etwas zu tun. Laßt uns keine Lüge darüber erzählen. Wenn wir gar keinen oder nur einen so geringen Beitrag zu dem Gebäude gegeben haben, daß er mit unserem Können durchaus nicht im Einklang steht, wenn wir weder die Kelle noch den Speer handhaben, so laßt uns nicht von unserer Kapelle sprechen, denn der Text sagt: „Ich will sie zu einem Segen machen“; jeden von ihnen.

,Aber, Herr, was kann ich tun? Ich bin nichts als ein Vater daheim; ich habe so viele Geschäfte, ich kann meine Kinder nur wenig sehen.„ Aber in deinem Geschäft, hast du da Diener? „Nein, ich bin selbst ein Diener.“ Hast du Mitdiener? „Nein, ich arbeite allein.“ Arbeitest du denn allein und lebst allein wie ein Mönch in einer Zelle? Ich glaube das nicht. Aber du hast Mitdiener bei der Arbeit; kannst du nicht ein Wort sagen, das ihnen ins Gewissen dringt? „Ich mag nicht Religion in das Geschäft hineindrängen.“ Auch ganz recht, sage ich; wenn ihr beim Geschäft seid, so laßt es Geschäft sein; wenn ihr bei der Religion seid, so laßt es Religion sein. Aber hast du nie eine Gelegenheit? Wie, du kannst nicht in einem Omnibus oder einem Eisenbahnwagen fahren, ohne daß du etwas für Jesus Christus tun kannst? Ich habe es so gefunden, und ich glaube nicht, daß ich anders bin als andere Leute. Kann nichts tun? Kannst du nicht einen Traktat in deinen Hut legen und ihn da fallen lassen, wohin du gehst? Kannst du nicht ein Wort zu einem Kind sprechen? Woher kommt dieser Mann, der gar nichts tun kann? Da ist eine Spinne an der Wand; aber sie geht in der Könige Paläste und spinnt ihr Gewebe, um die Welt von lästigen Fliegen zu befreien. Da ist eine Nessel in einem Winkel des Kirchhofs; aber der Naturforscher sagt mir, daß sie ihren Nutzen hat. Dort ist ein winziger Stern am Himmel; aber er ist auf der Karte bemerkt, und der Seemann blickt auf ihn. Dort ist ein Insekt tief unten im Wasser; aber es baut einen Felsen. Gott machte alle diese Dinge zu irgend etwas; aber hier ist ein Mensch, den Gott gemacht hat und ihm gar nichts zu tun gab. Ich glaube es nicht. Gott machte niemals unnütze Dinge; Er tut keine überflüssige Arbeit. Mir ist es gleich, wer du bist; du hast etwas zu tun. Und möge Gott dir zeigen, was es ist, und dich dann veranlassen, daß du es tust durch den wunderbaren Zwang seiner Vorsehung und seiner Gnade.

3. Aber wir haben drittens die Entwicklung des Segens des Evangeliums zu betrachten. „Ich will sie zu einem Segen machen;“ aber damit endet es nicht. „Und alle Plätze um meinen Berg umher.“ Die Religion ist etwas, das sich ausdehnt. Wenn sie im Herzen beginnt, so ist sie zuerst wie ein kleines Senfkorn, aber allmählich wächst sie und wird ein großer Baum, daß die Vögel des Himmels kommen und unter seinen Zweigen wohnen. Ein Mensch kann nicht für sich allein fromm sein. „Unser keiner lebt für sich allein, und keiner stirbt für sich allein.“ Ihr habt zwanzigmal gehört, daß, wenn ihr nur einen Kieselstein in einen Bach fallen laßt, zuerst ein kleiner Kreis sich bildet dann ein größerer um diesen herum, und dann ein anderer und noch einer, bis der Einfluß des Kieselsteines auf der ganzen Oberfläche des Wassers bemerkbar ist. So ist es, wenn Gott sein Volk zu einem Segen macht. „Ich will einen Prediger zu einem Segen für ein oder zwei machen; ich will ihn dann zu einem Segen für hundert machen; ich will ihn dann zu einem Segen für Tausende machen; und dann will ich diese Tausende zu einem Segen machen. Ich will jeden einzeln zu einem Segen machen, und wenn ich das getan habe, will ich alle Plätze rund umher zu einem Segen machen. Ich will sie zu einem Segen machen.“ Ich hoffe, wir als Mitglieder der Park Street-Gemeinde, werden nie befriedigt sein, bis wir nicht nur ein Segen für uns selber sind, sondern für alle Plätze um unseren Berg herum. Welcher Art sind diese Plätze?

Zuerst also denke ich an unsere Vereine. Meiner Meinung nach der nächste um unsern Berg her ist unsere Sonntagsschule. Wie nahe ist die unserem Berge! Ich spreche darüber sehr viel, weil ich sie beachtet wünsche. Ich beabsichtige heute morgen eine praktische Predigt zu halten, um einige von euch zu bewegen, daß sie kommen und in der Sonntagsschule lehren; denn wir haben da tüchtige Männer nötig, damit sie „kommen dem Herrn zu Hilfe, zu Hilfe dem Herrn wider die Mächtigen.“ Deshalb nenne ich die Sonntagsschule als einen dem Berge sehr nahen Platz; sie sollte gerade am Fuße desselben sein; ja, sie sollte dem Berge so nahe sein, daß sehr viele aus ihr in die Gemeinde hinübergehen.

Dann ist da unsere Gesellschaft für Besuche und christliche Unterweisung, die wir für das Besuchen der Nachbarschaft haben. Ich hoffe, sie ist zu einem Segen geworden. Gott hat einen Mann unter uns gesandt, der eifrig und ernst im Besuchen der Kranken arbeitet. Ich habe als Vorgesetzter meines lieben Bruders, des Missionars, regelmäßig Nachricht über seine Arbeiten; sein Bericht hat mich aufs höchste befriedigt, und ich bin imstande, zu bezeugen, daß er mit gutem Erfolg in unserer Umgebung arbeitet. Ich möchte, daß diese Gesellschaft eure ganze Teilnahme und Kraft hätte. Ich betrachte ihn als einen Josua, mit dem ihr zu Hunderten ausgehen solltet zu denen, die in der Nachbarschaft wohnen. Wißt ihr nicht, was für dunkle Plätze da sind? Geht eine Straße zur Rechten hinab. Seht die Läden offen am Sonntag. Einige, Gott sei Dank, die sie zu öffnen pflegten, kommen jetzt und halten mit uns Gottesdienst. Wir werden noch mehr haben, denn „die Erde ist des Herrn, und was in ihr ist,“ und warum sollten wir sie nicht haben? Meine Brüder, wenn ihr die Kranken besucht oder von Tür zu Tür Traktate verteilt, so macht dies zu eurem Gebet - daß diese Gesellschaft, die einer der Plätze um unsern Berg herum ist, zu einem Segen gemacht werde!

Laßt mich nichts vergessen, das in irgendeiner Weise in Verbindung mit dieser Gemeinde steht. Es sind noch mehrere, die alle Plätze um unsern Berg umher sind; und der Herr hat es mir gerade ins Herz gegeben, andere Gesellschaften zu bilden, die zu einem Segen für diesen Berg gemacht werden sollen, und in Kürze sollt ihr davon hören. Wir haben verschiedene Brüder in dieser Versammlung, denen Gott die Gabe der Rede gegeben hat; sie sind im Begriff, einen Verein zur Verkündigung des Wortes Gottes zu bilden. Da Gott seine Gemeinde so gesegnet und uns so bekannt gemacht und zum Gespräch unter den Leuten hat, warum sollten wir nicht fortfahren? Wir sind zu einem hohen Punkte von Eifer und Liebe gebracht worden; jetzt ist die Zeit, etwas zu tun. So lange das Eisen heiß ist, warum sollen wir es nicht schmieden?

Ich glaube, wir haben die Materialien, nicht nur, um hier eine Gemeinde zu machen, die der Ruhm der Baptisten-Gemeinden in London sein soll, sondern um überall in der Metropole Gemeinden zu bilden; und wir haben mehr Pläne zur Hand, die, gereift durch nüchternes Urteil und unterstützt durch Vorsicht, diese Metropole durch den Ton des reinen Evangeliums und die Verkündigung des reinen Wortes Gottes noch geehrter machen soll, als sie es gewesen ist. Möge Gott alle unsere Hilfsmittel - die Plätze um unsern Berg herum - zu einem Segen machen.

Aber dann zunächst ist die Nachbarschaft da. Ich fühle mich zuweilen wie gelähmt, wenn ich daran denke, daß wir der Nachbarschaft von so wenig Nutzen sind, obwohl dies eine Oase inmitten einer großen geistlichen Wüste ist. Gerade hinter unserer Kapelle könnt ihr Hunderte von Römisch- Katholischen finden und Menschen von dem allerschlechtesten Charakter; und es ist traurig, zu denken, daß wir diesen Ort nicht zu einem Segen für sie machen können. Er ist zu einem großen Segen für euch, meine Hörer, gemacht worden; aber ihr kommt nicht von diesem Distrikt; ihr kommt von überall und nirgends her, das glaube ich wenigstens von vielen unter euch. Die Leute sagen: „Es geht etwas in dieser Kapelle vor; seht das Gedränge, aber wir können nicht hineinkommen!“ Um das eine bitte ich: Kommt niemals hierher, um eure Neugierde zu befriedigen. Ihr, die ihr Mitglieder anderer Gemeinden seid, haltet es für eure Pflicht, daheim zu bleiben. Es gibt so viele verirrte Schafe. Ich möchte lieber diese haben als euch. Bleibt an eurem eigenen Platz. Ich will nicht andere Prediger berauben. Kommt nicht aus Barmherzigkeit hierher. Wir sind euch sehr verbunden für eure freundlichen Absichten, aber wir wollten euch lieber nicht haben, wenn ihr Mitglieder anderer Gemeinden seid. Wir wünschen, daß Sünder kommen - Sünder jeder Art; aber laßt uns nicht die Art von Menschen haben, deren Ohren beständig nach irgendeinem neuen Prediger jucken; die sagen: „Ich will etwas anderes; ich will etwas anderes.“ O, seid, ich beschwöre euch, um Gotteswillen, seid zu etwas nütze; und wenn ihr umherlauft von einem Ort zum anderen, so könnt ihr nicht erwarten, daß ihr das sein werdet. Wißt ihr nicht, was von rollenden Steinen gesagt wird? Ah! ihr habt davon gehört. Sie „setzen kein Moos an.“ Nun, seid keine rollenden Steine, sondern bleibt daheim. Möge Gott aber uns so helfen, daß Er uns zu einem Segen für die Nachbarschaft macht! Ich sehne mich danach, etwas für die Leute um uns her getan zu sehen. Wir müssen ihnen die Arme öffnen; wir müssen unter dem freien Himmel zu ihnen hinaus gehen; wir müssen und wollen ihnen Gottes Evangelium predigen. Laßt also die Leute das Wort des Evangeliums hören; und möge gesagt werden: „Dieser Ort ist die Kathedrale von Southwark (dem südlichen London)!“ So ist es jetzt. Von ihm geht ein Segen aus; Gott schüttet einen Segen über ihn aus.

Was anders verstehen wir unter den Plätzen um unseren Berg herum? Wir meinen die benachbarten Gemeinden. Ich kann nicht anders als mich freuen über das Wachstum vieler Gemeinden um uns her; aber wie unser lieber Bruder, Herr Sherman, letzten Donnerstagmorgen sagte: „Es ist nicht gehässig, zu sagen, daß es sehr wenige Gemeinden gibt, die in blühendem Zustande sind und daß sich die Gemeinden im allgemeinen in einer beklagenswerten Lage befinden. Nur hier und da,“ sagte er, „gießt Gott seinen Geist aus; aber die meisten Gemeinden liegen wie die Barken an Blackfriars-Brücke, wenn Ebbe ist - ganz im Schlamm - und alle Pferde des Königs und alle Diener des Königs können sie nicht herausziehen, bis die Flut kommt und sie flott macht.“ - Wer kann sagen, wieviel Gutes durch diese Gemeinden getan werden mag? Wenn ein Licht auf diesem Leuchter ist, so mögen andere kommen und ihre Lichter daran anzünden. Wenn eine Flamme hier ist, so möge die Flamme sich ausbreiten, bis alle benachbarten Gemeinden von dem Glanze erleuchtet sind. Dann sollen wir in der Tat zur Freude der Erde gemacht werden: denn es ist nie eine Erweckung an einem Orte, die nicht andere Orte berührt. Wer kann also sagen, wo es aufhören wird?

„Fleuch umher, du mächtig Gotteswort,
Sieg', bezwinge, ruhe nimmer.“

Und es wird niemals ruhen, wenn Gott einmal die Plätze um seinen Berg herum zu einem Segen macht.

II.

Der zweite Punkt ist dieser, daß Gottes Volk nicht nur ein Segen sein soll, sondern es soll auch gesegnet werden. Denn lest den zweiten Teil des Verses: „Und ich will auf sie regnen lassen zu rechter Zeit.“ Es ist eigentümlich, daß Gott uns Regenschauer sandte am Tage der Eröffnung unserer Kapelle; man könnte es als einen Vorboten der Schauer geistlicher Segnungen ansehen, die der Herr uns hier zu geben im Sinne hat. Wenn ich an Omen glaubte, so würde ich beten, daß es jeden Tag regnen möchte, wie es am ersten Tage regnete. Wenn es aufhört, so mag die Kapelle geschlossen werden; denn wir wollen sie nur so lange offen haben, als die gnädigen Regen herunterfallen.

Zuerst, hier ist unumschränkte Gnade. Merkt auf diese Worte:. „Ich will auf sie regnen lassen zu rechter Zeit.“ Ist das nicht unumschränkte göttliche Gnade, denn wer kann sagen: „Ich will auf sie regnen lassen,“ außer Gott allein? Kann es der falsche Prophet, der unter den Hottentotten umher geht? Er sagt, daß er ein Regenmacher sei und ihnen Regenschauer geben könne; aber kann er es tun? Gibt es einen kaiserlichen Herrn oder einen Gelehrten der Erde, der sprechen kann: „Ich will auf sie regnen lassen zu rechter Zeit?“ Nein, es gibt nur eine Faust, in der alle Wolken gehalten werden; es gibt nur eine Hand, von der alle Kanäle des mächtigen Ozeans über dem Firmament umspannt werden; es gibt nur eine Stimme, die zu den Wolken sprechen und ihnen gebieten kann, den Regen zu erzeugen. „Aus wessen Leibe ist das Eis gegangen? Und wer hat den Reif unter dem Himmel gezeugt?“ „Wer ist des Regens Vater? Wer hat die Tropfen des Taues gezeugt? Tue ich es nicht, der Herr?“ Wer anders könnte es tun? Ist nicht der Regen in Gottes Macht? Und wer anders könnte ihn senden, als Er? Wir wissen, daß die Katholiken behaupten, sie könnten Gnade erhalten, ohne sie von Gott direkt zu empfangen; denn sie glauben, daß Gott alle seine Gnade in den Papst legt, und daß sie von da in die kleineren Röhren, Kardinäle und Bischöfe genannt, und durch diese in die Priester hinabläuft, und wenn ihr den Zapfen mit einem Schilling umdreht, so könnt ihr so viel Gnade bekommen, wie ihr wollt. Aber es ist nicht so mit Gottes Gnade. Er sagt: „Ich will ihnen Schauer geben.“ Gnade ist die Gabe Gottes, und der Mensch kann sie nicht erschaffen.

Beachtet ferner, es ist eine Gnade, die notwendig ist. „Ich will auf sie regnen lassen.“ Was sollte der Boden ohne Regen tun? Ihr könnt die Erdklumpen zerbrechen, ihr könnt euren Samen säen, aber was könnt ihr ohne Regen tun? Ihr mögt eure Scheunen bereit machen und eure Sicheln schärfen; aber eure Sicheln werden rosten, ehe ihr Weizen habt, wenn kein Regen da ist. Er ist nötig. Und der göttliche Segen ist es auch.

„Umsonst säet Apollos den Samen
Und Paulus der pflanzet umsonst.“

Umsonst kommt ihr hierher, umsonst arbeitet ihr, umsonst gebt ihr euer Geld her,

„Bis Gott den Regen sendet
Und gnädig Heil verleiht.“

Dann ferner, es ist reichliche Gnade. „Ich will ihnen Schauer senden.“ Es heißt nicht: „Ich will ihnen Tropfen senden,“ sondern: „Ich will ihnen Schauer senden.“ „Es regnet selten, ohne daß es gießt.“ So ist es mit der Gnade. Wenn Gott einen Segen gibt, so gibt Er ihn gewöhnlich in einem solchen Maße, daß nicht Raum genug da ist, ihn aufzunehmen. Wo sollen wir Gottes Segen aufbewahren, den wir schon erhalten haben?

Ich sagte den Leuten am Donnerstag, Gott hätte uns verheißen, wenn wir die Zehnten ganz in sein Kornhaus brächten, wollte Er uns einen solchen Segen senden, daß wir keinen Raum haben würden, ihn aufzunehmen. Wir haben es versucht, und die Verheißung ist erfüllt worden, wie sie es stets werden wird, solange wir darauf vertrauen. Reichliche Gnade! Ah, wir werden reichliche Gnade brauchen, meine Freunde; reichliche Gnade, uns demütig zu erhalten, reichliche Gnade, uns im Gebet zu erhalten, reichliche Gnade, uns heilig zu machen, reichliche Gnade, uns eifrig zu machen, reichliche Gnade, uns wahrhaftig zu machen, reichliche Gnade, uns durch dieses Leben zu bewahren und zuletzt im Himmel zu landen. Wir können die Schauer der Gnade nicht entbehren.

Wie viele sind hier, die in einem Gnadenschauer trocken geblieben sind? Wie, es ist ein gnädiger Regen hier; aber wie kommt es, daß er auf etliche nicht fällt? Es ist, weil sie den Regenschirm ihres Vorurteils aufspannen; und obwohl sie hier sitzen, wie Gottes Kinder hier sitzen, selbst wenn es regnet, haben sie doch solches Vorurteil gegen das Wort Gottes, daß sie es nicht hören wollen, daß sie es nicht lieben wollen, und es läuft wieder ab. Dennoch sind die Schauer hier; und wir wollen Gott für sie danken, wenn sie fallen.

Ferner ist es rechtzeitige Gnade. „Ich will auf sie regnen lassen zu rechter Zeit.“ Nichts kommt der rechtzeitigen Gnade gleich. Es gibt Obstarten, die, wie ihr wißt, am besten zu ihrer Zeit sind, aber zu keiner anderen; und es gibt Gnaden, die zu ihrer Zeit gut sind, aber wir benötigen sie nicht immer. Jemand ärgert und reizt mich; ich brauche gerade in diesem Augenblick Gnade, um geduldig zu sein; ich habe sie nicht erhalten, und ich werde zornig; zehn Minuten später bin ich sehr geduldig, aber ich habe nicht Gnade zu rechter Zeit gehabt. Die Verheißung lautet: „Ich will auf sie regnen lassen zu rechter Zeit.“ Ach! arme, wartende Seele, was für eine Zeit hast du heute morgen? Ist es eine Zeit der Dürre? Dann ist es die Zeit für Regen. Ist es eine Zeit großer Niedergeschlagenheit und schwarzer Wolken? Dann ist es die Zeit für Regen. Was hast du für eine Zeit heute morgen, Geschäftsmann? Die ganze Woche hast du Geld verloren? Nun ist die Zeit, um Regen zu bitten. Es ist Nachtzeit; jetzt fällt der Tau. Der Tau fällt nicht bei Tage - er fällt bei Nacht; in der Nacht der Trübsal, der Leiden und der Sorgen. Hier steht die Verheißung; gehe nur hin und mache sie geltend. „Ich will auf sie regnen lassen zu rechter Zeit.“

Wir haben einen Gedanken mehr, und dann sind wir fertig. Hier ist ein vielfältiger Segen. „Ich will dir Schauer des Segens geben.“ Das Wort „Schauer“ ist in der Mehrzahl. Alle Arten von Segnungen will Gott senden. Der Regen ist all von einer Art, wenn er kommt; aber die Gnade ist nicht alle von derselben Art oder bringt nicht dieselbe Wirkung hervor. Wenn Gott Regen auf die Gemeinde sendet, so sendet Er „Schauer des Segens.“ Es gibt einige Prediger, die denken, daß, wenn ein Schauer über ihre Gemeinde käme, Gott einen Schauer von Arbeit senden werde. Ja, aber wenn Er das tut, so wird Er einen Schauer des Trostes senden. Andere denken, daß Gott einen Regen von evangelischer Wahrheit senden wird. Ja, aber wenn Er den sendet, so wird Er einen Regen von evangelischer Heiligkeit senden. Denn alle Segnungen Gottes gehören zusammen. Sie sind gleich jenen lieblichen Schwestergrazien, die Hand in Hand tanzten. Gott sendet Schauer des Segens. Wenn Er tröstende Gnade gibt, so gibt Er auch bekehrende Gnade; wenn Er die Posaune blasen läßt für den bankrotten Sünder, wird Er auch einen Freudenjubel ertönen lassen über den begnadigten Sünder. Er wird „Schauer des Segens“ senden.

Nun also, hier ist eine Verheißung in dieser Bibel. Wir haben versucht, sie zu erklären und in weiterem Sinne anzuwenden. Was sollen wir damit tun?

„Verborgen liegt in diesem Buch
Die Perl' von unbekanntem Wert.“

Nun, wir haben diese reiche Verheißung geprüft; als Gemeinde blicken wir auf dieselbe; wir fragen: „Ist sie unser?“ Ich denke, die meisten Mitglieder werden sagen: „Sie ist es; denn Gott hat Schauer des Segens zu rechter Zeit auf uns niederströmen lassen.“ Nun denn, wenn die Verheißung unser ist, so ist die Vorschrift unser, genauso wie die Verheißung. Sollten wir nicht Gott bitten, fortzufahren, uns zu einem Segen zu machen? Mancher sagt: Ich tat das und das, als ich noch ein junger Mann war, aber angenommen, du wärst fünfzig Jahre, so bist du noch kein alter Mann. Gibt es nicht etwas, das du tun kannst? Es ist schon gut, von dem zu reden, was du getan hast; aber was tust du jetzt? Ich weiß, was es ist bei einigen von euch; ihr schient einst hell, aber euer Docht ist kürzlich nicht gekürzt worden, und daher brennt das Licht nicht so gut. Möge Gott einige von euren weltlichen Sorgen hinwegnehmen, und die Dochte ein wenig beschneiden! Ihr wißt, es waren im Tempel Schneuzer und Schneuzerteller für alle Lichter, aber keine Löschhütchen; und wenn heute morgen eine arme Kerze hier sein sollte mit einer furchtbaren Schnuppe, die lange Zeit kein Licht gegeben hat, so werde ich kein Löschhütchen darauf setzen, aber ich hoffe, sie wird immer geschneuzt werden. Ich dachte, als ich das erste Mal heute morgen zu den Lampen kam, daß ich sie reinigen wolle. Das ist die Absicht meiner Predigt gewesen - eure Dochte ein wenig zu kürzen - euch ans Werk zu stellen für Jesus Christus. O Zion, mache dich auf aus dem Staube! O Christ, erhebe dich von deinem Schlummer! Krieger, lege deine Rüstung an! Soldat, ergreife dein Schwert! Der Anführer läßt den Kriegsruf erschallen. O Träger, warum schläfst du? O Erbe des Himmels, hat nicht Jesus so viel für dich getan, daß du für Ihn leben solltest? O, Geliebte Brüder, erkauft mit erlösender Gnade, umgürtet mit Liebe und Güte, „Nun jauchzt voller Freuden,“ und dann zum Kampf! Das kleine Samenkorn ist so weit gewachsen; wer weiß, was es noch werden wird? Nur laßt uns zusammen streben, ohne Uneinigkeit. Laßt uns für Jesus arbeiten. Niemals hatten die Menschen in den letzten hundert Jahren eine so gute Gelegenheit. „Es gibt eine Zeit, die, wenn die Flut benutzt wird, zum Glücke führt.“ Werdet ihr die Flut benutzen? Über die Felsen hinüber, zur Mündung des Hafens! O Schiff des Himmels, laß deine Segel ausgespannt sein, laß nicht das Segeltuch zusammengerollt bleiben, und der Wind wird uns treiben über die Meere der Schwierigkeiten, die vor uns liegen. O, daß die letzten Tage anbrechen möchten, selbst in dieser verachteten Wohnung! O mein Gott, von diesem Ort laß die erste Welle entspringen, die eine andere bewegen soll und dann wieder eine andere, bis die letzte große Welle über den Sand der Zeit herüber spült und sich an den Felsen der Ewigkeit bricht, und im Fallen noch widerhallt: „Halleluja! Halleluja! Halleluja! Der allmächtige Gott hat das Reich eingenommen!“

Vier wichtige Punkte im Gemeindeleben

Im 20. und 21. Verse seines Briefes nennt Judas das große christliche Festungsviereck, die vier Forts, die wohl bemannt und sorgfältig behauptet werden müssen, wenn wir den anrückenden Feind zurückschlagen wollen. Ich werde eure Aufmerksamkeit auf die vier Punkte lenken, obwohl ich es in Kürze tun muß.

Judas sagt: „Ihr aber, meine Lieben, erbaut euch auf euren allerheiligsten Glauben.“ Erbauung ist eine große Verteidigung gegen die Angriffe der Zweifler und Ketzer. Diese finden ihre Beute unter den Unwissenden und Unbefestigten, aber es gelingt ihnen nicht, diejenigen zu stürzen, die in der Wahrheit gegründet und gewurzelt sind. Wir müssen beständig erbaut werden; die großen Wahrheiten des Evangeliums mehr lernen, mehr lieben und mehr leben. Wir müssen dahin sehen, daß die Grundlage die richtige ist, denn es ist unnütz, oder schlimmer als unnütz, auf falschen Grundsätzen erbaut zu werden; „auf unserem allerheiligsten Glauben“ muß das Gebäude gegründet werden. Wir sollten so in den Lehren von der Gnade befestigt sein, daß wir ihre Heiligkeit erkennen und unser eigenes Leben danach einrichten. Nur ein „allerheiligster Glaube“ bringt der Seele Sicherheit, und wehe dem Menschen, der sich mit irgendeinem anderen zufrieden gibt. Seht denn, Brüder, um die Übel dieser letzten Zeit abzuwehren, müssen wir uns bemühen, selber die Wahrheit kennen zu lernen, und versuchen, unsere Brüder darin zu unterweisen. Persönliche und gegenseitige Erbauung in der Gemeinde sollte eifrig betrieben werden als eine der besten Schutzwehren gegen das Eindringen des Irrtums.

Das zweite sehr nötige Verteidigungsmittel in der Gemeinde ist Andacht. „Beten in dem Heiligen Geist“ ist die Waffe, womit die Heere Gottes die Armeen des Feindes in Verwirrung bringen werden. Die Gebete der Heiligen sind die mächtige Artillerie, womit die Mauern unseres Jerusalems beschützt werden. Bitten ist ein Geschütz, das furchtbare Kugeln auf den anrückenden Feind schleudert, wie Sanherib erfuhr, als Hiskia zu Gott betete. Die Gebete aber müssen tief geistlich sein, auf das Herz geschrieben von dem Heiligen Geist und mit der Kraft, die Er uns verliehen, dargebracht. Formelle, leblose Bitten sind nur eine chinesische gemalte Festung, aber das Gebet im Heiligen Geist ist ein unüberwindliches Schloß. Dieses „unaussprechliche Seufzen“ ist ein schweres Geschütz, das die Pforten der Hölle erzittern macht. Wir müssen unsere Herzen unter den Einfluß des Geistes Gottes stellen und sie dann in beständiger Fürbitte zu Gott erheben, dann kann keine Furcht da sein wegen der Behütung unserer Seelen vor dem Irrtum der Gottlosen. Eine betende Gemeinde prüft bald die Geister der falschen Propheten und stößt sie aus als böse. Ich habe mehr Glauben an das Gebet als an diskutieren. Haltet die Betstunden recht, liegt dem einsamen Gebet mit Ernst ob, und wir können alle Sophismen der Ungläubigen und Betrüger verlachen.

Judas nennt danach als eine dritte wichtige Sache die Liebe der Gemeinde. Wenn die Herzen der Mitglieder im rechten Zustande sind, so können Spötter und Lästerer wenig gegen sie tun. „Behaltet euch in der Liebe Gottes,“ denn eine warmherzige Gemeinschaft von Christen, die den Herrn von ganzem Herzen und von ganzer Seele liebt, wird wahrscheinlich nicht von Spöttern und Fleischlichgesinnten überwunden werden. Die Liebe zu Gott wird wie eine feurige Mauer um sie her sein. In schläfrigen, verfallenden Gemeinden wachsen Irrtümer wie das Efeu an den zerbröckelnden Mauern einer alten Abtei; aber Leben, Eifer, Ernst, Wärme werfen diese Übel ab wie eine rotglühende Eisenplatte die Tropfen in Dampf wandelt, die darauf fallen. Liebt Gott, so werdet ihr nicht falsche Lehren lieben. Erhaltet das Herz der Gemeinde im rechten Stande, so wird der Kopf nicht verkehrt werden; laßt sie in der Liebe Jesu bleiben und sie wird in der Wahrheit bleiben.

Der vierte Punkt, auf den er unsere Aufmerksamkeit lenkt, ist unsere glänzende Erwartung, „und wartet,“ sagt er, „auf die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus zum ewigen Leben.“ Erwartet, daß Christus kommen wird, und kommen mit unverdienten Segnungen, die die Barmherzigkeit Gottes gegen uns enthüllen werden; erwartet, daß, wenn Er kommen wird, es sein wird, um unsern Streit zu beenden, den Satan unter unsere Füße zu treten und das ewige Leben, das Er schon in uns gepflanzt hat, zu offenbaren und vollkommen zu machen. In der Erwartung des sicheren Kommens Christi wird die Kirche sich nicht fürchten vor den hohen, aufgeblasenen Worten der Menschen oder ihr Murren fürchten. Sie wird eine Antwort haben auf die Frage der Tyrannen: „Wo ist die Verheißung seiner Zukunft?“ Sie wird erwidern: „Siehe, der Herr kommt mit viel tausend Heiligen, Gericht zu halten über alle, und zu strafen alle ihre Gottlosen, um alle Werke ihres gottlosen Wandels, damit sie gottlos gewesen sind, und um alles das Harte, das die gottlosen Sünder wider Ihn geredet haben.“ Wenn die Kirche zuerst „erbaut“ und dann „wartet“ von ihrem Wachtturm, so wird sie den Mächten des Bösen trotzen in der Zuversicht des Sieges bei der Erscheinung ihres Herrn.

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