Spurgeon, Charles Haddon - Die Gemeinde, wie sie sein sollte

„Du bist schön, meine Freundin, wie Thirza, lieblich wie Jerusalem, schrecklich wie Heeresspitzen.“
Hoh. 6,3

„Du bist schön, o meine Liebe, wie Thirza, lieblich wie Jerusalem. schrecklich wie ein Heer mit Bannern.“ (N. d. engl. Übers.)

Die Wertschätzung der christlichen Gemeinde ist eine sehr verschiedenartige. Manche halten sie für alles; manche halten sie für gar nichts; und wahrscheinlich ist keine der beiden Meinungen den Odem wert, der sie ausspricht. Weder Ritualisten, die ihre Gemeinde vergöttern, noch Skeptiker, die alle Gemeinden verächtlich machen, haben solche Kenntnis von der wahren geistlichen Gemeinde Jesu Christi, daß sie berechtigt wären, eine Meinung abzugeben. Des Königs Tochter ist „ganz herrlich inwendig“, von einer Schönheit, die zu schätzen sie ganz unfähig sind. Was ist gewöhnlich das richtigste Zeugnis, das über eine Frau zu erlangen ist? Sollen wir uns durch das Lob der Nachbarn leiten lassen, die sich gut mit ihr stehen, oder durch die Schmähungen derer, die sie zum Gegenstand böswilliger Klatscherei machen? Nein; wahrscheinlich ist das das richtigste Urteil, das wir von ihrem Manne bekommen werden. Salomo sagt in den Sprichwörtern von einem tugendhaften Weibe: „Ihr Mann lobt sie.“ Von jener schönsten unter den Weibern, der Gemeinde Christi, kann dieselbe Bemerkung gemacht werden. Es ist ihr ein Geringes, wie Menschen sie beurteilen, aber es ist ihre Ehre und Freude, in der Liebe und Achtung ihres königlichen Bräutigams, des Fürsten Immanuel, gut zu stehen. Obwohl die uns vorliegenden Worte allegorisch sind und das ganze Lied voller Bilder und Gleichnisse ist, so ist doch die in diesen Worten liegende Lehre sehr deutlich; es ist klar genug, daß der göttliche Bräutigam seiner Braut einen hohen Platz in seinem Herzen gibt, und für Ihn ist sie (was immer sie für andre sein mag), schön, lieblich, auserwählt, und in den Augen seiner Liebe ohne einen Flecken. Überdies ist für Ihn nicht nur eine Schönheit einer sanften und milden Art in ihr, sondern eine Majestät, eine Würde in ihrer Heiligkeit, in ihrem Ernst, in ihrer Weihe, die Ihn sogar sagen läßt, daß sie „schrecklich wie ein Heer mit Bannern“ ist. Jeder Zoll an ihr ist eine Königin: ihr Aussehen in den Augen ihres Freundes ist majestätisch. Nehmt also die Worte unsres Textes als eine Lobrede auf Christi Gemeinde, von dem gehalten, der sie am besten kennt und am besten fähig ist, sie zu beurteilen, dann lernt ihr, daß sie für sein scharfes Auge nicht schwach, unehrenhaft und verächtlich ist, sondern sich wie eine von hohem Rang benimmt, in dem freudigen Bewußtsein, stark in ihres Herrn Stärke zu sein.

I.

Bei dieser Gelegenheit laßt uns zu allererst bemerken, weshalb von der Gemeinde Gottes gesagt wird, daß sie wie ein Heer mit Bannern sei. Das sie ein Heer ist, das ist wahr genug, denn die Gemeinde ist eine, aber viele; und besteht aus Menschen, die unter einem gemeinsamen Führer in Ordnung dahin ziehen mit einem Zweck vor Augen, und dieser Zweck ein Kampf und ein Sieg. Sie ist die streitende Gemeinde hienieden und muß sowohl im Leiden, wie im Dienste beweisen, daß sie in Feindesland ist. Sie kämpft für die Wahrheit gegen den Irrtum, für das Licht gegen die Finsternis; bis der Tag anbricht und die Schatten fliehen, muß sie ihre Schildwachen aufstellen und ihre Wachtfeuer anzünden; denn rund um sie her ist Ursache, vor dem Feinde auf der Hut zu sein und den königlichen Schatz der evangelischen Wahrheit gegen seine tödlichen Feinde zu verteidigen. Aber warum ein Heer mit Bannern? Ist dies nicht zu allererst zur Unterscheidung? Wie sollen wir wissen, welchem König ein Heer gehört, wenn wir nicht die königliche Standarte sehen können? In Kriegszeiten wird die Nationalität der Truppen oft an ihrer Uniform erkannt. Die grauen Röcke der Russen waren in der Krim gut bekannt; die weiße Uniform der Österreicher war in vergangenen Tagen ein beständiger Dorn im Auge der Lombarden. Niemand verwechselte die schwarzen Braunschweiger mit den französischen Garden, oder unsre eignen Husaren mit den Garibaldianern. Ebensowohl hat man Heere unterschieden an den Bannern, die sie trugen. Wie die alten Ritter an ihrem Helm und Federbusch und Wappen erkannt wurden, so wird ein Heer erkannt an seinem Banner und den Nationalfarben. Die Trikolore der Franzosen bezeichnete rasch ihre Truppen, als sie vor dem schrecklichen Schwarz und Weiß des deutschen Heeres flohen. Die Gemeinde Christi läßt ihre Banner wehen zur Unterscheidung. Sie wünscht nicht mit andren Heeren vergesellschaftet oder verwechselt zu werden, denn sie ist nicht von dieser Welt, und ihre Waffen und Kriegführung sind ganz anders als die der Völker. Gott verhüte, daß man Nachfolger Jesu für politische Parteigänger oder ehrgeizige Abenteurer halten sollte. Die Gemeinde läßt ihre Standarte wehen, damit alle wissen, wer sie ist und wem sie dient. Dies ist von äußerster Wichtigkeit in der Gegenwart, wo schlaue Menschen versuchen, uns mit ihren Erfindungen zu betrügen. Jede christliche Gemeinde sollte wissen, was sie glaubt, und öffentlich bekennen, was sie als Lehre aufstellt. Es ist unsre Pflicht, eine klare und deutliche Erklärung unsrer Grundsätze zu geben, damit unsre Gemeindeglieder wissen, zu welchem Zwecke sie zusammengetreten sind, und damit die Welt auch wisse, was wir beabsichtigen. Fern sei es uns, in den Schrei der „Liberalen Kirche“ (Broad church) einzustimmen und die Banner aufzurollen, auf denen unsre unterscheidenden Farben sich zeigen. Wir hören auf allen Seiten großes Geschrei gegen Glaubensbekenntnisse. Ist dieses zu rechtfertigen? Mir scheint, die meisten Proteste sind, wenn sie gehörig zergliedert werden, nicht gegen Glaubensbekenntnisse, sondern gegen die Wahrheit, denn jeder Mensch, der etwas glaubt, muß ein Glaubensbekenntnis haben, ob er es niederschreibt und es druckt oder nicht; und wenn es einen Menschen gibt, der nichts glaubt, oder alles oder jedes abwechselnd, so eignet sich der nicht, um als Muster aufgestellt zu werden. Oft werden Angriffe auf Glaubensbekenntnisse gemacht, weil diese eine kurze, handliche Form sind, in der das christliche Gemüt seinem Glauben Ausdruck gibt, und die, welche Glaubensbekenntnisse hassen, tun dies, weil sie finden, daß es ebenso unbequeme Waffen sind, wie Bajonette in den Händen britischer Soldaten unsren Feinden gegenüber. Es sind Waffen, die so zerstörend für die Neologie sind, daß diese dagegen protestiert. Darum laßt uns langsam im Aufgeben derselben sein. Laßt uns Gottes Wahrheit mit einem eisernen Griff erfassen und sie niemals fahren lassen. Im Grunde gibt es doch einen Protestantismus, der noch wert ist, daß man dafür streitet; es gibt einen Calvinismus, der noch wert ist, verkündigt zu werden, und ein Evangelium, das es wert ist, dafür zu sterben. Es gibt ein Christentum, das verschieden und unterschieden ist vom Ritualismus, Rationalismus und von Gesetzlichkeit, und laßt uns bekannt machen, daß wir daran glauben. Empor mit euren Bannern, Streiter des Kreuzes! Dies ist nicht die Zeit, sich erschrecken zu lassen durch das Geschrei gegen gewissenhafte Überzeugungen, denen man heutzutage die Spottnamen von Sektiererei und Bigotterie gibt. Glaubt in eurem Herzen, was ihr zu glauben bekennt; verkündet offen und eifrig, was ihr als Wahrheit erkannt habt. Schämt euch nicht zu sagen, daß die und die Dinge wahr sind, und laßt die Menschen den Schluß ziehen, daß das Gegenteil falsch ist. Was auch die Lehren des Evangeliums für die übrigen Menschen sind, laßt sie euren Ruhm und eure Ehre sein. Entfaltet eure Banner und laßt diese Banner solche sein, wie die Gemeinde sie vor alters trug. Entfaltet die alte, ursprüngliche Standarte, die allüberwindende Standarte des Kreuzes Christi. In der Tat und in der Wahrheit - in hoc signo vinces - ist die Versöhnungslehre, die siegreiche Wahrheit. Laß andre glauben, wie sie mögen, oder leugnen, wie sie wollen, für dich ist die Wahrheit, wie sie in Jesu ist, das eine, was dein Herz gewonnen und dich zu einem Streiter des Kreuzes gemacht hat.

Banner wurden getragen, nicht nur zur Unterscheidung, sondern auch um den Zwecken der Kriegszucht zu dienen. Deshalb hatte ein Heer mit Bannern ein Banner als Hauptstandarte, und dann hatte jedes Regiment oder Bataillon seine eigne Fahne. Die Heere Gottes, die so glorreich durch die Wüste zogen, hatten ihr Hauptbanner. Ich setze voraus, daß es dieselbe Stange war, an der Moses die eherne Schlange erhöhte (jedenfalls ist unsre eherne Schlange das Hauptpanier der Gemeinde); und dann hatte außerdem jeder der zwölf Stämme sein besonderes Panier, das voran getragen wurde, so daß die Stämme in Ordnung zogen und keine Verwirrung auf dem Marsche herrschte, und zur Zeit der Schlacht keine Schwierigkeit da war, die Bewaffneten zu ordnen. Die späteren Juden glaubten, daß das Panier des Lagers Juda einen Löwen darstellte; das von Ruben einen Menschen; das von Joseph einen Stier; und das von Dan einen Adler. Die Targumisten glauben indes, daß die Paniere durch ihre Farben unterschieden waren, so daß die Farbe jedes Stammes gleich war mit der des Edelsteins für denselben Stamm im Brustschild des Hohenpriesters; und daß das große Banner jedes der vier Lager die drei Farben der Stämme, welche es bildeten, in sich vereinte. So, Brüder, muß in der Gemeinde Gottes Zucht sein - die Zucht nicht nur in Zulassung und Entlassung, im Aufnehmen der Bekehrten und Ausscheiden der Heuchler, sondern die Zucht im Ordnen der Truppen zum Dienste Christi in dem heiligen Kriege, in dem wir begriffen sind. Jeder Soldat sollte seine Order haben, jeder Offizier seine Truppe, jede Truppe ihren bestimmten Platz im Heer und das ganze Heer eine Regelmäßigkeit, wie sie in dem Gebot vorgeschrieben ist: „Laßt alles ehrlich und ordentlich zugehen.“ Wie in den Reihen jeder Mann seinen Platz hat und jede Reihe ihren besonderen Platz im Bataillon, so wird in jeder richtig geordneten Gemeinde jeder Mann und jedes Weib ihre eigne besondere Form des Dienstes haben, und jede Form des Dienstes wird sich an eine andre anschließen und das Ganze wird vereint eine Kraft bilden, die nicht gebrochen werden kann. Eine Gemeinde ist nicht eine Ladung Ziegelsteine, das merkt euch: sie ist ein Haus, das zusammen gebaut ist. Eine Gemeinde ist nicht ein Bündel Ableger in des Gärtners Hand: sie ist ein Weinstock, dessen Reben wir sind. Die wahre Gemeinde ist ein organisiertes Ganze; und Leben, wahres, geistliches Leben, wo immer es in der Gemeinde herrscht, wird ohne Regel und Rubriken, sicherlich Ordnung und Einteilung schaffen. Ordnung ohne Leben erinnert uns an die Gräberreihen auf dem Kirchhof, alle gezählt und ins Register eingetragen; Ordnung mit Leben erinnert uns an die langen Reihen Obstbäume in Italien, umwunden mit fruchtbaren Weinstöcken. Sonntagsschullehrer, tragt das Banner des in den Armen getragenen Lammes; Krankenbesucher, folgt dem Panier der offenen Hand; Prediger, versammelt euch um das Zeichen der aufgerichteten Schlange; und ihr alle, eurem heiligen Berufe gemäß, sammelt euch um den Namen Jesu, zum Krieg bewaffnet.

Ein Heer mit Bannern kann auch als ein Bild der Tätigkeit genommen werden. Wenn ein Heer seine Banner zusammenrollt, so ist der Kampf vorüber. In militärischen Kreisen wird wenig getan, wenn die Fahnen weggestellt sind; die Truppen sind auf Urlaub oder ruhen in den Kasernen. Ein Heer mit Bannern exerziert oder marschiert oder kämpft; wahrscheinlich ist es inmitten eines Feldzuges, wird zum Angriff oder zur Verteidigung geordnet und es wird harte Arbeit binnen kurzem geben. Es ist zu fürchten, daß einige Gemeinden ihre Fahnen aufgehängt haben, damit sie pomphaft vermodern oder sie anständig in ein Futteral gelegt. Sie erwarten nicht, Großes zu tun oder Großes zu sehen. Sie sehen nicht nach vielen Bekehrungen aus; wenn viele einträten, würden sie erschreckt und argwöhnisch werden. Sie erwarten nicht, daß ihr Prediger sein Amt mit Kraft führen werde; und wenn es von offenbarem Erfolg begleitet wäre, so würden sie sehr beunruhigt sein und vielleicht klagen, daß er zu viele Aufregung hervorgerufen. Das Schlimmste ist, daß nichtstuende Gemeinden gewöhnlich sehr eifersüchtig sind, und bange, daß jemand in ihr Gebiet eingreifen könnte. Unsre Gemeinden schienen früher sich einzubilden, daß ein ganzer Distrikt dieser übervölkerten Stadt ihnen gehörte, um ihn zu pflegen oder zu vernachlässigen, wie sie es bei ihrer ausschließlichen Besitznahme beschlossen hätten. Wenn irgend jemand versuchte, eine neue Sache dort zu beginnen, oder auch nur einen Predigtsaal zu bauen, so empfanden sie das als eine verderbliche Wilddieberei auf ihrem Grund und Boden. Sie taten selber nichts und waren sehr bange, daß jemand sie verdrängen würde. Wie die alten Schriftgelehrten, die den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen hatten, gingen sie selber nicht hinein und hinderten die, welche hineingehen wollten. Es steht zu hoffen, daß diese Zeit ein für allemal vorüber ist, aber zu viel von dem alten Geist ist doch noch an gewissen Stellen übrig. Es ist sehr hohe Zeit, daß jede Gemeinde fühlt, daß, wenn sie nicht arbeitet, der einzige Grund für ihre Existenz verschwunden ist. Der Grund, weshalb eine Gemeinde eine Gemeinde ist, liegt in der gegenseitigen Erbauung und in der Bekehrung von Sündern; und wenn diesen beiden Zwecken nicht durch eine Gemeinde entsprochen wird, so ist sie ein bloßer Name, ein Hindernis, ein Übel, etwas Schädliches; wie das Salz, das seine Kraft verloren, taugt sie weder fürs Land, noch für den Dunghaufen. Mögen wir alle in unsrer Gemeinde tätig sein in der Kraft des Geistes Gottes. Mögen keine von uns tote Glieder des lebendigen Körpers sein, bloße Hindernisse für das königliche Heer, Gepäck, welches gezogen werden muß, mehr als Krieger, die in den Krieg ziehen. Mögen wir, jeder von uns, Streiter sein, deren ganzes Wesen mit Kraft angefüllt ist durch die ewige Macht des Heiligen Geistes; und mögen wir entschlossen sein, daß kein Teil einer Gemeinde, der nicht sein Panier des Dienstes erhebt, uns lange unter seine Anhänger zählen soll. Laßt uns beschließen, daß, 'ob andre Gott dienen und das Reich seines lieben Sohnes ausbreiten wollen oder nicht, wir in seinem Namen und in seiner Kraft streiten wollen selbst bis zum Tode. Zieht euer Schwert, ihr Streiter des Kreuzes, steht auf von eurem Schlummer, ihr Sorglosen, gürtet euer Schwert um und bereitet euch zum Kriege. Der Herr hat euch durch sein Blut erlöst, nicht damit ihr schlafen könnt, sondern damit ihr kämpfen mögt für die Ehre seines Namens.

Schließt nicht die Beschreibung „ein Heer mit Bannern“ einen Grad von Zuversicht ein? Es ist nicht ein Heer, das sich vor dem Feinde zurückzieht und willig genug ist, seine Fahnen zu verbergen, um seine Flucht zu bewerkstelligen. Ein Heer, das bange ist, sich ins offene Feld zu wagen, hält seine Banner aus dem Sonnenglanz. Emporgehobene Banner sind das Zeichen einer Furchtlosigkeit, die den Kampf eher wünscht als scheut. Ha! Krieger des Kreuzes, laßt des Evangeliums alte Standarte im Winde flattern; wir wollen den Feind lehren, was für Stärke in Händen und Herzen ist, die sich um den Christ Gottes sammeln. Empor mit dem Panier, ihr tapferen Streiter; laßt aller Augen es sehen; und wenn die Feinde es anstarren gleich Löwen, so wollen wir den Löwen vom. Stamme Juda anrufen, den Vortrab zu führen, und wir wollen folgen mit seinem Wort gleich einem zweischneidigen Schwert in unsern Händen:

„Steht auf! Steht auf für Jesum,
Ihr Kreuzesstreiter nun!
Hebt hoch sein glorreich Banner,
Der Krieg darf nimmer ruh'n!
Vom Siege bis zum Siege
Wird stets sein Heer geführt,
Bis jeder Feind bezwungen
Und Christus triumphiert.“

Wir können nicht zu viel Vertrauen auf das Evangelium setzen; unsre Schwäche ist, daß wir so schüchtern sind und so geneigt, anderswo Kraft zu suchen. Wir glauben nicht an die Macht des Evangeliums über die Menschenkinder, wie wir es tun sollten. Zu oft predigen wir es mit eines Feiglings Stimme. Habe ich nicht Predigten anfangen hören mit elenden Entschuldigungen, daß der Prediger wage, seinen Mund aufzutun; Entschuldigungen wegen seiner Jugend, seiner Behauptungen, und dafür, daß er wage, sich in die Gewissen der Menschen einzudrängen, und ich weiß nicht, was sonst noch? Kann Gott Botschafter von solcher feigen, kriechenden Brut anerkennen, welche Menschenfurcht für Demut halten? Will unser Heerführer solche Weichlinge ehren, die sich entschuldigen, weil sie Waffen tragen? Ich habe gehört, daß vor alters die Gesandten Hollands und einiger andern Staaten, wenn sie Seiner himmlischen Majestät, dem Bruder der Sonne und Vetter des Mondes, dem Kaiser von China, vorgestellt wurden, auf Händen und Füßen zum Throne kriechen mußten; aber als unsre Gesandten in dieses blumenreiche Land gingen, weigerten sie sich, Seiner impertinenten Majestät solche demütigende Huldigung darzubringen und taten ihm kund, daß sie aufrecht in seiner Gegenwart stehen wollten, wie es freien Männern gebührt, sonst würden sie alle Verhandlungen mit ihm aufgeben und aller Wahrscheinlichkeit nach würde Seine Majestät von der Mündung einer Kanone weniger sanfte Töne hören, als ihm lieb wäre. Ebenso, wenn wir uns auch sehr wohl als Menschen demütigen mögen, so können wir doch als Botschafter Gottes nicht vor den Menschenkindern kriechen und sie fragen, welche Botschaft ihnen am besten gefallen würde. Es muß nicht, soll nicht sein, daß wir unsre Zungen glätten und unsre Lehren stimmen nach dem Geschmack der Zeit. Das Evangelium, das wir predigen, obgleich der weltlich Weise es verachtet, ist darum doch Gottes Evangelium. „Ach,“ sagt er „, es ist nichts darin, die Wissenschaft hat es vernichtet.“ „Und,“ sagt ein andrer, „dieses Evangelium ist nur Plattheit; wir haben es wieder und immer wieder gehört.“ Ach, Mann, und obgleich es dir Plattheit ist und du es für verächtlich erklärst, sollst du es von uns hören und nichts anders, denn es ist die Kraft Gottes und die Weisheit Gottes.„ In seiner Einfachheit liegt seine Majestät und seine Macht. Wir schämen uns nicht des Evangeliums Christi.

Es sei aber fern von uns, uns zu rühmen, denn allein in dem Kreuze unseres Herrn Jesu Christi. Wir wollen es wieder mit Zuversicht verkünden; wir wollen noch einmal dieselbe Wahrheit wie früher vortragen, und wie das Gerstenbrot das Gezelt der Midianiter schlug, so daß es auf dem Boden lag, so soll das Evangelium seine Gegner niederwerfen. Der zerbrochene Krug und die flammende Fackel und der alte Kriegsruf: „Hier Schwert des Herrn und Gideon!“ wird noch den Feind mit Schrecken erfüllen. Laßt uns nur kühn für Jesum sein, so werden wir sehen, was sein Arm tun kann. Das Evangelium ist die Stimme des ewigen Gottes und hat in sich dieselbe Kraft, wie die, welche die Welt aus dem Nichts hervorbrachte und welche die Toten aus ihren Gräbern rufen wird beim Kommen des Menschensohnes. Das Evangelium, das Wort Gottes, kann ebensowenig leer zu ihm zurückkommen wie der Schnee zurück zum Himmel gehen kann, oder die Regentropfen wiederum den Pfad hinanklimmen, auf dem sie von den Wolken herabstiegen. Habt Glauben an Gottes Wort, Glauben an die Gegenwart des Heiligen Geistes, Glauben an den regierenden Heiland, Glauben an die Erfüllung des ewigen Ratschlusses, so werdet ihr voll Zuversicht sein und gleich einem Heer mit Bannern. Noch eins, ein Heer mit Bannern mag die Beständigkeit und Beharrlichkeit im Festhalten an der Wahrheit bedeuten. Wir sehen nicht ein Heer vor uns, das seine Banner verloren hat, das sich seine Fahnen hat entreißen lassen, sondern ein Heer, das sein altes Panier hoch emporträgt und immer noch dazu schwört. Laßt uns es sehr ernst damit nehmen, den Glauben festzuhalten, der einmal den Heiligen überliefert ist. Laßt uns nicht diese oder jene Lehre aufgeben nach den Vorschriften der Politik oder der Mode; sondern was immer Jesus zu uns sagt, das laßt uns als das Wort des Lebens annehmen. Großer Schaden mag einer Gemeinde zugefügt werden, ehe sie es weiß, wenn sie hier und da Irrtum duldet; denn falsche Lehre durchsäuert gleich dem Stückchen Sauerteig bald den Teig. Wenn die Gemeinde von dem Geist gelehrt wird, die Stimme des guten Hirten zu kennen, so wird sie einem Fremden nicht folgen, denn sie kennt nicht die Stimme der Fremden. Dies ist ein Teil der Erziehung, die Christus seinem Volke gibt: „Alle deine Kinder sollen gelehrt sein von dem Herrn.“ Sie werden die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird sie frei machen. Mögen wir, als eine Gemeinde, das festhalten, was wir gelernt haben und von Gott gelehrt sind; und mögen wir bewahrt bleiben vor den Philosophien und Verfeinerungen dieser letzten Tage. Wenn wir das aufgeben, was wahrhaft unter uns geglaubt wird, so werden wir unsre Macht verlieren, und der Feind allein wird sich freuen; aber wenn wir daran festhalten, so wird das Halten am alten Glauben durch den Geist Gottes uns stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke machen. Windet die Fahnen um euch, ihr Bannerträger, am Tage der Gefahr, und sterbt lieber, als daß ihr sie aufgebt. Das Leben ist wenig im Vergleich mit Gottes Liebe, und die ist das sichere Erbteil des mutigen Verteidigers des Glaubens. Ist sie so entschieden für die Wahrheit, dann wird die Gemeinde ein Heer mit Bannern sein.

II.

Zweitens, die Gemeinde wird schrecklich genannt. Wann ist sie schrecklich? Sie sollte liebenswürdig sein, und sie ist es. Gott gebe, daß unsre Gemeinde nie jungen Bekehrten schrecklich sein möge durch mürrisches und liebloses Wesen. Wenn immer ich von solchen höre, die bange sind, zu unsern Ältesten zu kommen oder den Prediger zu sehen oder ein Glaubensbekenntnis vor der Gemeinde abzulegen, wünschte ich ihnen sagen zu können: „Laßt eure Furcht fahren, Geliebte; wir werden froh sein, euch zu sehen und ihr werdet euren Verkehr mit uns eher ein Vergnügen als ein Leiden finden.“ Weit entfernt von dem Wunsche, euch abzuweisen, wenn ihr wirklich den Heiland liebt, werden wir froh genug sein, euch zu bewillkommnen. Wenn wir nicht in euch den Beweis einer großen Veränderung sehen können, so werden wir euch freundlich unsre Befürchtungen mitteilen und werden dreimal glücklich sein, euch zum Heiland zu weisen; aber seid dessen gewiß, wenn ihr wirklich an Jesum glaubt, so werdet ihr die Gemeinde nicht schrecklich für euch finden. Harte Urteile sind dem Geiste Christi und der Natur des Evangeliums entgegen; wo sie die Regel sind, ist die Gemeinde eher verächtlich als schrecklich. Bigotterie und Lieblosigkeit sind Anzeichen von Schwäche, nicht von Stärke.

Für was und für wen ist die Gemeinde schrecklich? Ich antworte, zuerst ist sie in einem gewissen Sinne schrecklich für alle Ungöttlichen. Eine wahre Gemeinde ist in ihrer Heiligkeit und ihrem Zeugnis den Sündern sehr schrecklich. Die Ungöttlichen kümmern sich keinen Strohhalm um eine falsche Gemeinde oder um Scheinchristen; aber ein wirklich ernster Christ macht die Ungöttlichen beschämt. Wir haben einige gekannt, die nicht die schmutzige Sprache, an die sie gewöhnt waren, gebrauchen konnten in Gegenwart von gottesfürchtigen Männern und Frauen, obgleich diese weder Autorität, noch Stellung oder Rang besaßen. Selbst in der wüstesten Gesellschaft kommt, wenn ein Christ, dessen Leben mit seinem Bekenntnis übereinstimmt, weislich ein Wort des Tadels gesprochen hat, ein ernstes Gefühl der Beschämung über die meisten Anwesenden; ihr Gewissen legt Zeugnis gegen sie ab und sie fühlen, wie furchtbar das Gute ist. Nicht, daß wir je versuchen sollten, andern irgend welche Furcht vor uns einzuflößen; solcher Versuch würde verlacht werden und mit einem verdienten Fehlschlagen enden; aber der Einfluß, den wir beschreiben möchten, fließt von selber aus einem gottseligen Leben heraus. Majestät des Charakters liegt niemals in einem affektierten Betragen, sondern in echter Tugend. Wenn etwas wirklich Gutes in uns ist - wenn wir wirklich, warm, eifrig das Rechte lieben und das Böse hassen, so wird unser Lebenswandel fast ohne ein Wort die Ungöttlichen richten und sie in ihrem innersten Herzen verurteilen. Ein heiliges Leben ist die gewichtigste Verurteilung der Sünde. Wir haben von einem ungöttlichen Sohn gehört, der es nicht ertragen konnte, in dem Hause zu leben, wo sein verstorbener Vater bei seinen Lebzeiten so andächtig gebetet hatte; jedes Zimmer und jedes Stück Möbel hielt es ihm vor, daß er seines Vaters Gott verlassen.

Wir haben von andern gelesen, welche den Anblick gewisser frommer Männer fürchteten, deren heiliges Leben sie mehr im Zügel hielt als die Gesetze des Landes. Das Schlimme hierbei ist, daß der Schrecken der Ungöttlichen sie zu Gegenbeschuldigungen ihrer Tadler veranlaßt und so die Wurzel wird, aus der Verfolgung entspringt. Die Gottlosen versuchen die, welche sie fürchten, weil sie sich durch ihren Wandel verurteilt fühlen, aus der Welt zu schaffen oder sie mit Verleumdung zu bespritzen, wenn sie sie nicht mit der Hand der Grausamkeit schlagen können. Das Märtyrertum der Heiligen ist die Folge des Hasses, den die Finsternis gegen das Licht hat, weil das Licht ihre bösen Werke offenbar macht. Im Verhältnis zu der wirklichen Heiligkeit, dem wirklichen Ernst und der wirklichen Christusähnlichkeit einer Gemeinde wird immer etwas Schreckliches in ihr sein für das verkehrte Geschlecht, in dessen Mitte sie gestellt ist; es wird sie fürchten, wie es den all offenbarenden Tag des Gerichts fürchtet. So ist etwas Schreckliches in einer lebendigen. Gemeinde für alle Irrlehrer. Gerade jetzt haben zwei Armeen sich dem Heer Gottes gegenüber gelagert, unter sich feindlich, aber Verbündete gegen die Gemeinde Gottes. Auf der einen Seite der Ritualismus mit seinem Aberglauben, seinem Priestertum, seiner sakramentalen Wirksamkeit, seinem Haß gegen die Gnadenlehren; und auf der andern Seite der Rationalismus mit seinem höhnenden Unglauben und seinen abgeschmackten Spekulationen. Diese stimmen wie Herodes und Pilatus in nichts überein als in der Opposition gegen Christum; sie haben eine gemeinsame Furcht, obwohl sie sie nicht bekennen mögen. Sie fürchten nicht jene Reden von der Rednerbühne, in denen sie bei öffentlichen Versammlungen so wütend angeklagt werden; noch jene philosophischen Erörterungen, in denen sie durch Argumente überwunden. werden; aber sie hassen, aber sie fürchten, und schimpfen deshalb und verachten, wie sie behaupten, das betende, eifrige, deutliche und einfache Predigen der Wahrheit, wie sie in Jesu ist. Dies ist eine Waffe, vor der sie nicht standhalten können - die Waffe des alten Evangeliums. In Luthers Tagen tat es Wunder; ebenso in den Tagen Whitfields und Wesleys; es hat oft die Arche des Herrn in unserm Lande wiederhergestellt und wird das wieder tun. Es hat nichts von seiner alten Kraft verloren und ist deshalb der Schrecken der Feinde Christi.

Sogar für den Satan selber ist die Gemeinde Gottes schrecklich. Er könnte, meint er, mit den einzelnen fertig werden, aber wenn diese einzelnen sich untereinander durch Gebet und Gemeinschaft stärken, wenn sie in heiliger Liebe verbunden sind und einen Tempel bilden, in dem Christus wohnt, dann hat Satan schwere Arbeit. O Brüder und Schwestern, nicht jede Gemeinde ist so furchtbar, sondern eine Gemeinde Gottes, in der das Leben Gottes und die Liebe Gottes ist; eine Gemeinde, in der das aufgehobene Banner ist, das Banner des Kreuzes, hoch emporgehalten unter jenen verschiedenen kleineren Bannern wahrer Lehre und geistlicher Gnade, von denen ich vorhin gesprochen habe.

III.

Wir wollen einen dritten Punkt nehmen; und der ist: Warum ist die Gemeinde Christi schrecklich wie ein Heer mit Bannern? Warum ist sie schrecklich wegen ihrer Banner? Die ganze Stelle scheint zu sagen, daß die Gemeinde schrecklich ist wie ein Heer, aber daß sie ihre Schrecklichkeit im vollsten Grade ihren Bannern verdankt. „Schrecklich wie ein Heer mit Bannern.“ Ich glaube, das große Banner der christlichen Gemeinde ist der erhöhte Heiland. „Ich, wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich sie alle zu mir ziehen.“ Um Ihn scharen wir uns. „Demselben werden die Völker anhangen.“ Wie die eherne Schlange mitten im Lager der Wüste, so ist der Heiland erhöht, ist unser Banner. Das Versöhnungsopfer Christi ist das große Zentralpanier aller wirklich wiedergeborenen Menschen, und dies ist die Hauptquelle der Entmutigung für Israels Feinde. Aber wir wollen die Gedanken in ihrer Ordnung vornehmen. Die Gemeinde selbst ist schrecklich, und dann schrecklich wegen ihrer Banner. Brüder, das Heer selbst ist schrecklich. Warum? Zuerst, weil es aus erwählten Leuten besteht. Gedenkt daran, wie Hamans Weib sich nach Mardachai erkundigte, ob er zum Samen der Juden gehörte; denn wenn er es täte, so sagte sie vorher, daß ihres Mannes Plan fehlschlagen würde. „Ist Mardachai vom Samen der Juden, vor dem du zu fallen angehoben hast, so vermagst du nichts an ihm, sondern du wirst vor ihm fallen.“ Nun, die aus Männern und Frauen bestehende Gemeinde Gottes ist nichts mehr als jede andre Organisation. Seht sie von außen an, so seht ihr wenig Personen von Bildung in ihr, und sehr viele ohne Bildung; hier und da ein Reicher und Mächtiger, aber Hunderte, die arm und verachtet sind. Sie schließt nach der gewöhnlichen Rechnung keine Elemente von großer Kraft ein. In der Tat, ihr eignes Bekenntnis ist, daß sie in sich selbst vollkommene Schwachheit ist, eine Herde Schafe unter Wölfen; aber hier liegt ihre Stärke, daß jedes wahre Mitglied der Gemeinde von königlichem Samen ist; sie sind alle Gottes Erwählte, der Same des Weibes, der vor alters verordnet wurde, des Satans Kopf und seinen Schlangensamen zu zertreten. Sie sind die Schwachen Gottes, aber sie sind stärker als Menschen; Er hat beschlossen mit dem, das da nichts ist, das zunichte zu machen, was etwas ist. Wie die Kanaaniter das erwählte Volk Israel fürchteten wegen des Gerichts, das ihnen vorangegangen, und der Schrecken Jehovahs über sie gefallen war; so ist es mit den Heeren des Bösen. Sie haben ihre Träume geträumt wie der Midianiter es tat, und tapfere Männer wie Gideon, können sie dies erzählen hören; das Gerstenbrot wird auf das königliche Zelt von Midian fallen und es schlagen, bis es zu Boden liegt; das Schwert des Herrn und Gideons wird den Feind in die Flucht schlagen. Die Erwählten werden durch das Blut des Lammes überwinden und niemand wird „ihr Angesicht beschämen.“ Ihr seid ein königliches Priestertum, ein Volk des Eigentums, ein auserwähltes Geschlecht; und an euch wird der lebendige Gott seine unumschränkte Gnade herrlich erzeigen.

Die Gemeinde besteht wiederum aus betenden Leuten. Gebet ist das, was die Schwachheit mit der unendlichen Kraft verbindet. Leute, die beten können, können nie überwunden werden, weil ihre Reservekräfte nie erschöpft werden können. Gehe in die Schlacht, mein Bruder; und wenn du mit der Stärke, die du hast, besiegt wirst, so wird das Gebet eine andre Legion, ja, zwanzig Legionen Engel aufrufen, und der Feind wird staunen, unbesiegte Gegner immer noch das Feld behaupten zu sehen. Wenn morgen zehntausend Heilige verbrannt würden,' so würden ihre Gebete im Sterben die Gemeinde gleich einem Phönix aus ihrer Asche aufsteigen lassen. Wer kann deshalb gegen Leute stehen, deren Gebete Gott in ihrem Kampf heranziehen? „Der Herr der Heerscharen ist mit uns; der Gott Jakobs ist unsre Zuflucht.“ Wir schreien zu dem Herrn und Er hört uns; Er bricht durch die Reihen der Feinde; Er gibt uns Triumph am Tage der Schlacht: deshalb sind die, welche die Waffe des Gebets führen, schrecklich wie ein Heer mit Bannern.

Wiederum ist eine wahre Gemeinde auf ewige Wahrheit gegründet.

Ich brauche euch nicht das alte lateinische Sprichwort zu zitieren, das sagt, die Wahrheit ist mächtig und muß obsiegen. Die Wahrheit ist und die Wahrheit wird sein. Sie allein ist wesenhaft und muß die Zeitalter überdauern. Falschheiten schwellen bald zur Vollkommenheit ihrer Entwicklung auf, wie die Seifenblasen mit Regenbogenfarben, welche die Kinder machen, aber sie werden ebenso schnell zerstreut wie gebildet; sie sind Kinder der Stunde, während die Wahrheit der Sprößling und Erbe der Ewigkeit ist. Die Falschheit stirbt, von den Pfeilen der Zeit wird ihr Herz durchbohrt, aber die Wahrheit bietet in ihrem undurchdringlichen Panzer allen Feinden Trotz. Menschen, welche die Wahrheit lieben, bauen Gold und Silber und Edelsteine, und obgleich ihr Bau nur langsam fortschreiten mag, so ist er doch für die Ewigkeit. Wälle der Wahrheit mögen oft angegriffen werden, aber sie werden nie von dem Feind erstürmt werden. Richtet eine Macht der prunkhaftesten und anscheinend festesten Art unter den Menschen auf, aber seid gewiß, wenn Unwahrheit an der Wurzel derselben ist, so muß sie früher oder später zu Grunde gehen; nur die Wahrheit ist unbesiegbar, ewig und am höchsten. Die Furcht vor der wahren Gemeinde und der Schrecken vor ihr fällt über die Feinde, weil sie auch klug genug sind, zu wissen, daß die Wahrheit eine bleibende und unzerstörbare Macht hat. Es. amüsierte mich sehr, neulich die Kritik eines hervorragenden Ungläubigen zu lesen, dessen Name euch wohl bekannt sein würde, wenn ich ihn nenne. In dieser sprach er sehr rühmend von der außerordentlich großen Geschicklichkeit und Weisheit und gesunden Vernunft, die sich stets in den Anordnungen der römischen Kirche in ihrer Opposition gegen den Unglauben zeige, und von der Schwäche und dem kindischen Wesen der christlichen Prediger, das diese an den Tag legten, wenn sie den Rationalismus mit ihrem Dogmatismus usw. angriffen. Ich war froh, so wertvolle Belehrung zu erhalten, und dachte: „Ich sehe, mein Freund, was für eine Art von Kriegsführung du am meisten liebst.

Du bewunderst die römisch-katholische Art des Kämpfens, aber du bewunderst nicht die der evangelischen Prediger. Es ist nicht unser Ziel, den Feinden in der Weise unsrer Kriegsführung zu gefallen, sondern das Gegenteil; und wenn wir eine Waffe entdeckt haben, die dich ärgert, so wollen wir diese häufiger denn je gebrauchen.“ Es gibt eine Geschichte von einem Offizier, der etwas ungeschickt in seinen Manieren war, und bei einer großer Festlichkeit in seiner Eile fast über sein Schwert fiel. Se. Majestät bemerkte: „Ihr Schwert scheint Ihnen sehr im Wege.“ „Ew. Majestät Feinde haben's oft so gefühlt,“ war die Erwiderung. So nehmen wir, wenn die Feinde der Wahrheit unser Verfahren tadeln, ihr Urteil an, nachdem wir es umgekehrt haben. Wenn sie unsre Kampfmethode nicht bewundern, so denken wir, daß es aller Wahrscheinlichkeit nach die beste ist, die wir gebrauchen könnten. Wir möchten immer noch mit Gottes Hilfe fortfahren, „die Torheit“ des Evangeliums zu predigen und wieder und wieder die alte Wahrheit zu verkünden, daß Gott in Christo war und die Welt mit Ihm versöhnte und ihnen ihre Sünden nicht zurechnete. Anstatt ein neues Panier aufzuheben (was unsern Gegnern besser gefallen würde), soll es stets noch das alte Banner sein: „Niemand als Christus.“ „Aus Gnaden seid ihr selig geworden durch den Glauben; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es.“ Die Seligkeit ist aus freier Huld, durch das Sühnopfer Jesu Christi, unseres Herrn.

Wir sollen nun beachten, daß die Hauptehre und Majestät der Gemeinde besonders in dem Banner liegt, das sie trägt. Was für eine Ursache zum Schrecken ist in dem Banner? Wir erwidern, die Feinde Christi fürchten das Kreuz, weil sie wissen, was das Kreuz getan hat. Wo immer der gekreuzigte Jesus gepredigt worden ist, da sind falsche Systeme erschüttert worden. Dagon ist immer vor der Lade des Herrn gefallen. Die heftigste Wut wird durch die Lehre von der Versöhnung erregt, eine Wut, in welcher Furcht die erste Ursache des Zornes ist.

Die Schrecklichkeit der Gemeinde liegt in ihren Bannern, weil diese Banner ihr Kraft verleihen. Der schwächste Krieger wird stark, wenn er der Standarte des Kreuzes sich nähert: wer vielleicht als Feigling gehandelt hätte, wird ein Held, wenn er das teure Blut Jesu mit Macht in seiner Seele fühlt. Märtyrer werden am Kreuze geboren und genährt. Das Blut Jesu ist es, welches das Lebensblut der Selbstverleugnung ist; wir können sterben, weil unser Heiland starb. Die Gegenwart Alexanders machte die Griechen zu mehr als Riesen: die Gegenwart unseres Erlösers macht die Gläubigen schneller als Adler und stärker als Löwen.

Überdies zittern die Mächte des Bösen vor der alten Standarte, weil sie ein Vorgefühl von ihrem künftigen vollständigen Triumph haben. Es ist von Gott beschlossen und in seinem vorherbestimmenden Ratschluß festgesetzt, daß alles Fleisch das Heil Gottes sehen soll. Jesus muß herrschen; der Gekreuzigte muß siegen. Die Hand, die ans Holz genagelt war, muß das Zepter aller Reiche schwingen. Zertrümmert wie des Töpfers Gefäße muß alle Macht und Majestät der Menschen werden, welche sich der Krone und dem Zepter des Reiches Christi widersetzt. In dem gepredigten Christus liegen die Streitaxt und die Kriegswaffen, wodurch der Herr seine ewigen Ratschlüsse ausführen will. Die Gemeinde mit dem Namen Immanuels als Wappen auf ihrem Banner, das sie ihrer Pflicht gemäß weit entfalten und hoch emporheben muß, wird sicher allen Mächten der Finsternis schrecklich sein. Wir wollen mit ein paar Betrachtungen schließen. Will jeder hier zu sich selber sagen: „Ein Heer, eine Gesellschaft Krieger, bin ich einer von ihnen? Bin ich ein Streiter? Ich bin in die Gemeinde eingetreten; ich habe ein Bekenntnis abgelegt; aber bin ich wirklich ein Streiter? Kämpfe ich? Ertrage ich Beschwerden? Bin ich ein bloßer Weichling, ein Soldat, der nur faulenzt, einer von jenen, die gern Uniform tragen, um sich mit einem Bekenntnis zu schmücken ohne je in den Krieg zu ziehen?“

„Bin ich ein Kreuzesstreiter - folge ich dem Lamm nach?“ Laßt die Frage herumgehen, meine lieben Brüder und Schwestern: seid ihr Streiter, die in wirklichem Kampf für Jesum unter seinem Banner stehen? Sammelt ihr euch um dasselbe? Kennt ihr die Standarte? Liebt ihr sie? Könntet ihr in der Verteidigung derselben sterben? Ist die Person Jesu dir das Teuerste von allem? Schätzt du die Lehre von der versöhnenden Stellvertretung? Fühlst du deine eigne Energie und Kraft erweckt in der Verteidigung derselben und aus Liebe zu ihr? Möge niemand weggehen, ohne die prüfende Frage an sich zu tun.

Und dann „schrecklich.“ Bin ich in irgend einer Weise schrecklich, weil ich ein Christ bin? Ist irgend eine Macht in meinem Leben, die einen Sünder verurteilt? Irgend eine Heiligkeit an mir, die einen Gottlosen unruhig machen würde, wenn er bei mir wäre? Ist genug von Christo in meinem Leben, mich gleich einem Licht inmitten der Finsternis zu machen? oder ist es sehr wahrscheinlich, daß, wenn ich in einem Hause lebte, die Bewohner nie einen Unterschied zwischen mir und den Ungöttlichen sehen würden? O, wie viele Christen gibt es, die es nötig hätten, eine Etikette um den Hals zu tragen: man würde ohne diese nie wissen, daß sie Christen sind! Sie wenden lange Gebete vor, aber sie sind in nichts Christen als dem Namen nach. Möge euer Leben und meines nie so verächtlich sein, sondern mögen wir die Widersprecher überzeugen, daß eine Macht in dem Evangelium Jesu Christi ist, so daß sie bekennen müssen, daß sie, da sie es nicht haben, einen großen Segen verlieren.

Noch einen andern Gedanken. Wenn ich nicht ein Streiter bin, wenn ich nicht ein Diener Christi in Wahrheit bin und doch zu dem Gotteshause komme, wo Christen sich versammeln und wo Christus gepredigt wird, so wird der Tag kommen, wo die Gemeinde Gottes mir sehr schrecklich sein wird. Ich will annehmen, daß jemand diese Predigt hört, der schon viele Jahre das Wort an dieser Stätte hat predigen hören. Stelle dir vor, daß der letzte Tag gekommen sei. Du wirst vor den großen Richterstuhl gebracht, und dies ist die Frage: „Hörte dieser Sünder das Evangelium treu gepredigt? Er ist ungöttlich; er hat Christum verworfen; verdient er, verstoßen zu werden? Hörte er wirklich das Evangelium und verwarf er es?“ Wenn ich aufgefordert werde, mein Zeugnis zu geben, so muß ich sagen: „Nach meinem besten Vermögen versuchte ich, ihm das Evangelium von Jesu Christo zu verkünden.“ „Wurde für diesen Sünder von der Gemeinde gebetet?“ Es gibt viele Glieder der Gemeinde, die sich verpflichtet fühlen würden, zu sagen: „Ja, Herr, wir beteten für ihn.“ Ja, und wir alle würden sagen: „Wenn wir nicht namentlich für ihn beteten, so schlossen wir ihn ein in die allgemeine Zahl derer, welche den Gottesdienst besuchten, für die wir beständig Fürbitte darbrachten.“ Gibt es ein Mitglied der Gemeinde, das imstande sein würde, eine Entschuldigung für den, der Christum verworfen, zu machen? Er hat eigenwillig den Heiland verworfen, er beharrte wissentlich in der Sünde. Will jemand ein Anwalt für ihn sein? Keine Zunge würde imstande sein, dich vor dem Gericht zu entschuldigen oder die Gerechtigkeit des Urteils Gottes anzufechten. Wenn der große Richter den Sünder verurteilt, hinweggeführt zu werden, seine Strafe zu erleiden, so wird die ganze Gemeinde, an deren Gottesdienst der Sünder teilgenommen und in deren Gegenwart er Christum verworfen hat “,schrecklich wie ein Heer mit Bannern„ werden; denn alle ihre Stimmen werden sprechen: „Amen, Amen, Amen! Du bist gerecht, o Herr!“

Dies ist kein aus der Phantasie geschöpftes Gemälde. Wißt ihr nicht, daß die Heiligen die Welt richten werden? Sie werden als Beisitzer neben dem Sohne Gottes am letzten großen Gerichtstag sitzen und werden „Amen!“ zu jedem Urteilsspruch sagen, der aus seinem Munde geht. O, daß der Gedanke hieran von Gottes Geist gesegnet werden möge, so daß Er viele dahin führt, mit Gott versöhnt zu werden. Jesus ist immer noch der liebevolle Mittler, und eine völlige Übergabe eurer selbst an Ihn, wird euch sicherlich erretten. Wer an Ihn glaubet, wird nicht gerichtet; und an Ihn glauben, heißt - Ihm vertrauen und wissen, daß Gott uns das ewige Leben gegeben hat und dies Leben ist in seinem Sohn, der an der Stelle der Sünder litt, auf daß alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Der Herr segne euch, um des Herrn Jesu willen. Amen.

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