Spurgeon, Charles Haddon - Der gewisse Sieg des Gekreuzigten

„Siehe, mein Knecht wird weislich tun, und wird erhöhet, und sehr erhaben sein. Daß sich viele über dir ärgern werden, weil seine Gestalt häßlicher ist, denn andrer Leute und sein Ansehen, denn der Menschenkinder. Aber also wird er viele Heiden besprengen, daß auch Könige werden ihren Mund gegen ihn zuhalten. Denn welchen nichts davon verkündiget ist, dieselben werden es mit Lust sehen; und die nichts davon gehöret haben, die werden´s merken.“
Jes. 52,13-15

Neuere jüdische Schriftsteller weigern sich, den Messias in dieser Stelle zu sehen, aber ihre Vorgänger waren nicht so blind. Der Targum (eine chaldäische Auslegung des Alten Testamentes. A. d. V.) und die alten Rabbinen deuten sie auf den Messias, und in der Tat sind alle Versuche, sie auf andre Art zu erklären, augenscheinliche Fehlgriffe. Christliche Ausleger haben zu allen Zeiten den Herrn Jesum hier gesehen. Wie konnten sie auch anders? Wen anders könnte der Prophet gemeint haben? Wenn der Mann von Nazareth, der Sohn Gottes, in diesen drei Versen nicht klar ersichtlich ist, so sind sie dunkel wie die Mitternacht selbst. Wir zögern keinen Augenblick, jedwedes Wort auf unsern Herrn Jesum Christum anzuwenden.

Lieben Brüder, als unser Herr gen Himmel fuhr, gab er uns diesen Auftrag: „Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur.“ Unsre Pflicht ist es, diesem Befehl zu gehorchen, ob die Menschen hören wollen oder ob sie es unterlassen; der Auftrag ist unbedingt und ist nicht von dem Erfolg abhängig. Wenn bis zu dieser Zeit, 1875, kein Einziger durch das christliche Predigtamt bekehrt wäre, wenn die ganze Kirche Gottes bisher vergeblich gearbeitet hätte, und die Aufeinanderfolge er Heiligen nur durch ein Wunder erhalten wäre, so würde das unsre Pflicht nicht um ein Jota ändern. Unsre Sache ist, das Evangelium zu predigen, selbst denen, die dadurch zur Verfolgung erregt werden. Wir müssen säen, ob eine ernte folgt oder nicht. Der Erfolg steht bei Gott; der Dienst gebührt uns. Ich glaube daher, daß wahrer Glaube, wenn er in gesundem Zustand ist, uns fähig machen wird, unverdrossen fort zu arbeiten, sorgfältig den Samen zu streuen, selbst auf den Weg und auf den felsigen Grund; doch, es ist Fleisch in uns Allen und der Glaube ist nicht immer ohne Beisatz von Sehen, und deshalb erschlaffen wir dann und wann und werden beinahe kraftlos, wenn wir nicht einige Wirkung davon sehen. Diese Stelle kann uns ermuntern, wenn wir fürchten, daß „wir unsre Kraft umsonst zubringen,“ denn so war sicherlich der Zustand der Kirche Gottes zu der Zeit, als diese Worte an sie gerichtet wurden. In unsrer Version ist ein Abschnitt gemacht zwischen dem 52. und 53. Kapitel, aber es hätte kein solcher gemacht werden sollen und wenn wir ohne Unterbrechung weiter lesen, werden wir sehen, daß diese tröstlichen Worte für trauernde Arbeiter bestimmt sind. Wir hören selbst Propheten sprechen: „Wer glaubt unsrer Predigt, und wem wird der Arm des Herrn geoffenbart?“ Der mutigste sogar der Propheten klagte, daß das Ärgernis des Kreuzes die Menschen hinderte, die Schönheit des Messias zu sehen. So herrlich er den Propheten auch schien, wenn sie seine stellvertretenden Leiden schauten, er ward von der Menge nicht verstanden, die in ihm nur den sah, der von Gott geschlagen und gemartert war und keine Schöne hatte, die ihnen gefallen hätte. Um sie unter so entmutigenden Umständen aufrecht zu halten, kommt hier das tröstliche Wort unsers Textes, in welchem die häßliche Gestalt und das entstellte Ansehen des großen Knechtes des Herrn völlig anerkannt werden, aber die Stimme des Herrn doch erklärt, daß die dadurch verursachte Schande und Verachtung vorübergehend und der endliche Ausgang sicher sein wird; der Erfolg des großen Erlösungsplanes ist keineswegs unsicher, seine Sache muß fortschreiten, sein Thron muß aufgerichtet werden und der Wille des Herrn muß getan werden. Laßt uns heute Morgen uns stärken an der freudigen Aussicht auf den vorherbestimmten Sieg des Reiches unsers Herrn und seines Christus.

Bei der Erwägung unsers Textes werden wir zuerst bemerken, daß er, indem er uns auf den Herrn Jesum Christum hinweist, die Art seines Tuns beschreibt - „Mein Knecht wird weislich tun, und wird erhöhet und sehr hoch erhaben sein.“ Dann zweitens, nennt er das Ärgernis, das ihm im Wege steht, das große Hindernis für den Fortschritt seines Werkes: „Daß sich viele über dir ärgern werden; weil seine Gestalt häßlicher ist, denn andrer Leute und sein Ansehen, denn der Menschenkinder.“ Drittens sehen wir in diesen Versen die Gewißheit, daß dies Hindernis gehoben werden wird: „Aber also wird er viele Heiden besprengen, daß auch Könige werden ihren Mund gegen ihn zuhalten.“ Und viertens, die Weise, wie dies geschehen soll, nämlich durch Unterricht im Evangelium: „Denn welchen nichts davon verkündiget ist, dieselben werden´s mit Lust sehen; und die nichts davon gehöret haben, die werden´s merken.“

I.

Die Art seines Tuns. Er wird im Text „mein Knecht“ genannt, ein Titel, der ebenso ehrenvoll ist, wie herablassend. Der Herr Jesus hat es in seiner unendlichen Liebe übernommen, um unsertwillen der Knecht des Vaters zu werden und er ist ein Knecht wie Moses, der über das Haus des Herrn gesetzt war, um die Angelegenheiten jener Periode zu leiten. Jesus, obgleich ein Sohn und darum Herr, hat sich herabgelassen, der große Knecht Gottes in der Zeit des neuen Bundes zu werden; er leitet die Angelegenheiten des Haushalts Gottes, und im Texte wird gesagt, und das ist es, worauf wir die Aufmerksamkeit lenken wollen, daß „er weislich tut.“ Der, welcher die Knechtsgestalt annahm, handelt in Allem als ein weiser Knecht; und es könnte in der Tat nicht anders sein, denn „in ihm sind verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.“ Diese Weisheit tat sich kund in den Tagen seines Fleisches, von seiner Kindheit unter den Gelehrten im Tempel bis zu seinem Bekenntnis vor Pontius Pilatus. Unser Herr war enthusiastisch, es brannte ein Feuer in ihm, das er nicht löschen konnte, es war ihm Speise und Trank, den Willen seines Vaters zu tun; aber dieser Enthusiasmus führte ihn nie zu Unvorsichtigkeit oder zum Vergessen der gefunden Vernunft; er war so weise und klug, wie der kaltherzigste Berechner nur hätte sein können. Unser Heiland war voller Liebe, und diese Liebe machte ihn freimütig und offenherzig; keine frostige Zurückhaltung hielt ihn von dem Volke fern, oder hüllte ihn in eine Wolke des Geheimnisses ein, er war ein Mensch unter Menschen, durchsichtig, kindlich, „da heilige Kind Jesus;“ aber des ungeachtet war er klug, und „vertraute sich Niemand, denn er wußte wohl, was im Menschen war.“ Zu Viele, die darnach streben, Leiter des Volkes zu sein, studieren Politik, List und Diplomatie und halten es für nötig, die Sprache ebenso sehr zum Verbergen, als zum Kundgeben ihrer Gedanken zu brauchen; solche Männer wachen über ihre eignen Worte, bis ihre Seele selber in ihnen zu verdorren scheint. Der Freund der Sünder hatte nicht das Geringste der Art an sich; und doch war er weiser und klüger, als wenn die Diplomatie von Jugend auf sein Studium gewesen wäre. Ihr seht seine Weisheit, wenn er seine Gegner in Verwirrung bringt; sie denken, ihn in seiner Rede zu fangen, aber er bricht ihre Schlingen entzwei, wie wir mit einer Bewegung unsrer Hand die Spinngewebe von unserm Pfad wegfegen. Ihr seht seine Weisheit, wie er mit seinen Freunden verfährt: er hat ihnen Vieles zu sagen, aber er sieht, daß sie es noch nicht tragen können, er überladet daher ihren Verstand nicht, damit nicht unverdaute Wahrheiten in ihrer Seele Schaden anrichten. Nach und nach, gleich der zunehmenden Helle der Morgendämmerung, läßt er das Licht in ihre Seelen ein, damit ihre Augen von seinem Glanze nicht ganz geblendet werden. Er sendet sie zuerst nicht mit schwierigen Aufträgen aus; er behält für ihre reiferen Jahre und kräftigeren Tage die ernsteren Aufgaben und die Taten des kühneren Heldenmutes zurück. Wie wir seinen Lebenslauf im Lichte der vier Evangelisten sehen, zeichnet er sich durch Weisheit aus und in dieser Hinsicht hat „nie ein Mensch geredet, wie dieser Mensch redete.“

Der, welcher auf Erden gehorsam bis zum Tode ward, ist nun in die Herrlichkeit gegangen, aber er ist immer noch über dem Hause Gottes, seine Angelegenheiten leitend. Er tut noch stets weislich. Unsre Befürchtungen führen uns dahin, zu meinen, daß die Dinge im Reiche Christi verkehrt gehen, aber wir können uns versichert halten, daß Alles wohl geht, denn der Herr hat alle Dinge unter Jesu Füße getan und hat ihn gesetzt zum Haupt der Gemeine über alles. Des Herrn Vornehmen wird durch seine Hand noch immer fortgehen. Wir irren, aber er tut es nicht. Ja, sogar das, worin wir irren, wird so von ihm geleitet, daß seine nie irrende Weisheit und seine vollendete Kunst sich darin darstellt. Die Stürme und Ungewitter, die die Kirche umgeben, dienen nur dazu, die Weisheit und Macht unsers großen Steuermanns zu verherrlichen; er hat schließliche Absichten, die nicht auf der Oberfläche erscheinen, und diese verfehlt er nie, auszuführen.

Brüder, durch die ganze Geschichte der Kirche hindurch ist das Verfahren des Herrn Jesu mit seinem Volk sehr merkwürdig gewesen. Die Weisheit darin ist oft tief und nur von denen zu entdecken, die darnach suchen, und doch funkelt sie oft auf der Oberfläche, wie das Gold in gewissen Ländern jenseits des Meeres. Beachtet, wie der Herr seine Kirche die Wahrheit hat stufenweise lernen lassen und sie erst von einem Irrtum und dann von einem andern gereinigt hat. Die Kirche ist erst in eine Torheit geraten und dann in eine andere, aber ihr Herr hat sie in Geduld getragen und sie befreit. Oft genug hat er ihr gestattet, in ihrer Torheit fortzugehen, so daß sie das Resultat derselben sah, und durch dies Verfahren hat er den Irrtum gründlich ausgerottet, so daß er nie wieder Macht gewinnen wird. In der jetzigen Zeit wird die große Torheit der Verbindung mit dem Staate vor den Augen aller Menschen tatsächlich bewiesen und wenn sie ihre Höhe erreicht hat, wird sie enden, um niemals wieder aufzuleben. Wir wundern uns zuweilen, warum er diesem oder jenem Irrtum erlaubt, zu existieren, und wir fragen, wie es sein kann, daß die Kirche so ihrer Reinheit beraubt und ihre Kraft so geschwächt ist. Wir wundern uns, daß unser Herr das Böse nicht sogleich richtet und bestraft, oder daß er nicht eine starke Stimme erweckt, die dawider zeugt und seinen heiligen Geist mit ihr sendet, so daß das Übel sogleich zerstört würde. Ich glaube, er könnte es, aber es ist Weisheit in der Zurückhaltung seiner Macht. Der weise Arzt duldet die Krankheit, bis sie den Punkt erreicht hat, wo er sie fassen kann und aus dem Körper herausbringen, so hat der gute Herr einigen Übeln gestattet, in der Mitte seiner Kirche zu eitern, damit er sie schließlich ausrotten kann. Wir wünschen, großen Erfolg bei allen Arten unsers Dienstes zu sehen, wir möchten unsere Missionsgesellschaften blühen sehen in solchem Grade, daß ein Volk in einem Tage geboren wird; (Jesaja 66,8, engl. Übers.) aber der Herr versagt uns zu einem großen Maße den Erfolg, und darin tut er weislich. Er hält unser Gedeihen zurück, bis wir gelernt haben, daß es nicht durch unsere Pläne, Entwürfe, Hilfsquellen und Anstrengungen kommt; er will den Stolz in uns vertilgen; er will uns in solche Gemütsverfassung bringen, daß es gefahrlos für uns ist, wenn er uns Gelingen gibt und ihm selber zur Ehre. Oft hat eine Kirche, wie das alte Israel, eine Niederlage zu erleiden, bis sie den Achan, der ihrem Lager Unglück bringt, heraus gefunden und getötet hat. Die Kirche ist geschlagen und gedemütigt worden, bis sie zuletzt in schierer Verzweiflung auf ihr Angesicht im Gebet gefallen ist und ihr Herz zu dem Starken erhoben und um Stärke gefleht, dann ist ihre Kraft zurückgekehrt und der Sieg hat ihrer Banner gewartet. Wie Flüsse in ihrem Laufe geklärt und gereinigt werden, so wird die Kirche in ihrem Gange rein durch die mannigfache Weisheit ihres Herrn.

Studiert die Blätter der Kirchengeschichte und ihr werdet finden, daß Jesus Christus weislich getan hat in dem Erwecken passender Männer für alle Zeiten. Ich könnte mir keinen besseren Mann für Luthers Zeitalter denken, als Luther, doch würde Luther allein sehr ungenügend gewesen sein für allen Dienst, der nötig tat, wenn Calvin nicht gewesen, dessen ruhiger Verstand die Ergänzung zu Luthers Feuerseele bildete. Ihr könnt kein besseres Zeitalter finden, in dem Wiclif hätte geboren werden können, als die Zeit, wo er als Morgenstern der Reformation leuchtete. Gott macht den Mann für den Platz geeignet und den Platz für den Mann; es ist eine Stunde da für die Stimme und eine Stimme für die Stunde.

Unser Herr hat Alles wohlgemacht bis auf diesen Tag, aber wir werden jetzt vielleicht ein wenig müde; es sind beinahe zweitausend Jahre seit er starb, und es ist viel davon geredet, daß das Ende der sechstausend Jahr seit dem Schöpfungstage da sei und wir flüstern einander zu, daß der große Sabbat sicherlich sehr nahe sein müßte. Mir sagt diese chronologische Theorie nicht sonderlich zu, denn ich glaube, wir können nicht eben gewiß sein, daß wir nicht schon lange das siebente Jahrtausend überschritten. Mir steht es sehr zur Frage, ob wir die Zeitrechnung des Alten Testaments nicht ganz und gar mißverstehen; es gibt gewiß nichts, das uns mehr in Verwirrung bringt, als die alte hebräische Weise, zu zählen. Indessen, die Mehrheit nimmt es so an und möglicherweise ist es so. Ein Teil der Kirche erwartet nicht nur des Herrn zweite Zukunft, sondern gerät in einen fieberhaften Zustand über diese Sache. Gewiß, sagt man, er verzieht sehr lange: warum zögern seine feurigen Wagen so sehr? Ah, Brüder, der Meister weiß es am besten. Es mag ihm gefallen, den gegenwärtigen Zeitlauf heute zu beenden; wenn das, so wird er zweifelsohne weise tun, indem er so handelt: aber es kann sein, daß Myriaden Jahre noch verfließen bis zu seiner Erscheinung, und wenn das, so wird Weisheit in dem Aufschub sein. Laßt uns die Sache ruhen lassen, denn, obgleich die Tatsache, daß er kommen wird, im allgemeinen klar geoffenbart ist, um unsern Eifer zu beleben, so sind die Einzelheiten in Geheimnis eingehüllt, da sie nur unsere Neugierde befriedigen. Wenn ich wüßte, unser Herr würde heute Abend kommen, so würde ich predigen, gerade wie ich jetzt zu predigen gedenke; und wenn ich wüßte, er würde während dieser Predigt kommen, so würde ich fortfahren zu predigen, bis er käme. Christen sollten nicht mit offenem Munde stehen, zum Himmel aufblicken und warten, was wohl geschehen würde; sondern sollten bleiben, ihre Lenden gegürtet und ihre Lampen brennend, bereit für seine Erscheinung, wann immer er kommt. Geh geradenwegs an das Werk, das der Herr dir angewiesen hat und du brauchst keine Überrumpelung zu fürchten. Bei einer Gelegenheit besuchte ich eins unserer Gemeindeglieder und fand sie die Treppe scheuernd. Als sie mich sah, sprang sie auf und sagte errötend, „Oh, Herr, es tut mir leid, daß Sie mich so getroffen haben; ich wollte, ich hätte gewußt, daß Sie kämen:“ „Meine liebe Schwester,“ erwiderte ich, „ich hoffe, daß der Herr mich so finden wird bei seinem Kommen - mein Pflicht tuend.“ Ich möchte gern beim Scheuern der Treppe gefunden werden, wenn der Herr kommt, falls dies meine Pflicht wäre. Stetige Ausdauer in dem angewiesenen Dienst ist viel besser als prophetische Berechnungen, besonders wenn dieses Spekulieren uns zur Wohlgefälligkeit und Trägheit leitet. Wir können uns versichert halten, daß es um die Zukunft richtig steht, denn Jesus wird weislich tun und zur rechten Zeit kommen; deshalb können wir Alles in seinen Händen lassen. Wenn die Zeiten dunkel sind, so ist es recht, daß sie es sind; wenn die Zeiten hell sind, so ist es recht, daß sie es sind; ich wenigstens kann die Zeiten nicht ändern und deshalb ist es meine Pflicht, das Werk zu tun, das Gott mir zu tun aufgetragen, ob die Zeiten dunkel oder hell sind. Für alle praktischen Zwecke ist es genug für uns, daß die unendliche Weisheit das Steuer der Dinge hat; „mein Knecht wird weislich tun.“

Eine andere Übersetzung der Stelle lautet. „mein Knecht wird gedeihlichen Erfolg haben.“ Laßt uns diese Bedeutung an die andere anfügen. Das Gedeihen wird das weise Tun unseres Herrn begleiten. „Des Herrn Vornehmen wird durch seine Hand fortgehen.“ Das Evangelium wird fortgehen in dem, wozu Gott es gesandt hat. Die Ratschläge Gottes werden ausgeführt werden; seine ewigen Ratschlüsse erfüllt werden. Wir mögen dies oder jenes wünschen, und unser Wunsch mag gewährt werden oder nicht gewährt werden, aber was der Herr in seiner unendlichen Weisheit bestimmt hat, das wird geschehen bis zu dem letzten Jota und Tittel. Das Blut Jesu Christi wird bei keinem Einzigen unter dem Himmel etwas von seinem vorhergesehenen Resultat verfehlen und kein Ziel, das in dem ewigen Plan der Erlösung bestimmt war, wird unerreicht bleiben. Längs der ganzen Linie wird „der Herzog unserer Seligkeit siegreich sein und in jedem Punkt und jeder Einzelheit des Ganzen wird der Wille des Herrn geschehen, und im Himmel und Erde sollen mit Lob erfüllt werden, wenn sie sehen, daß es so ist.

In Folge hiervon, sagt der Text uns, soll der Herr erhöhet und sehr hoch erhaben sein. Wie sehr verdient er es, erhöhet und hoch erhaben zu sein um seiner unvergleichlichen Weisheit willen! Zu hoch kann er nie geschätzt werden. In der gegenwärtigen Zeit, werdet ihr sagen, ist der Name Christi nicht geehrt, aber wartet eine Weile und er wird sehr hoch sein. Sein Name ist selbst jetzt mehr geehrt, als in früheren Tagen, wo er der Spott der Völker war. Die weisen Pläne, die der Herr entworfen hat, werden das Wachsen seines Reiches bewirken und werden es sicher dahin bringen, daß sein Name, seine Person und seine Lehre in den Vordergrund treten. Vielleicht denkt ihr, daß gewisse Lehren Hindernisse für die Förderung des Evangeliums sind: ihr wißt nicht, was ihr sagt. An dem Ende wird man sehen, daß jeder Teil seiner Lehre und seines Verfahrens und jede Handlung seines Lebens und alle Fügungen seiner Vorsehung so weislich geordnet waren, daß sie als ein Ganzes auf die beste und schnellste Art die Erhöhung seines heiligen Namens sicherten. Der Stern Jesu steigt mit jeder Stunde höher; das Zwielicht Golgathas erhellt sich zum tausendjährigen Tage. Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, aber jetzt beten ihn Zehntausende an; und nach der allmächtigen Verheißung des Vaters sollen alle Knie sich ihm beugen und alle Zungen bekennen, daß er der Herr sei. Der Geist Gottes wirkt dahin, Jesum zu verherrlichen und die Vorsehung richtet alle ihre Mächte auf dasselbe Ziel. Im Himmel ist Jesus erhöhet und sehr hoch erhaben und sogar in der Welt ist sein Name schon ein Machtwort! und ist bestimmt, in zukünftigen Zeiten der höchste zu sein. So viel denn über die Art, wie der Messias handelt.

II.

Nun laßt uns das Ärgernis, das unserm Herrn im Wege steht, betrachten. Es ist sein Kreuz, welches den Juden und Griechen immer ein Hindernis ist. Als ob der Prophet ihn in einem Gesichte sähe, ruft er aus: „Daß sich viele über dir ärgern werden, weil seine Gestalt häßlicher ist, denn andrer Leute, und sein Ansehen denn der Menschenkinder.“ Als er hienieden war, waren seine persönliche Stellung und Stand und Erscheinung der Ausbreitung seines Reiches hinderlich. Er war der Sohn eines Zimmermanns, er trug den Kittel eines Bauern, er verkehrte mit Zöllnern und Sündern. Ist er der Sohn Davids? Wir sahen nach einem großen Fürsten aus; wir hofften auf einen zweiten Salomon. Ist es dieser? Deshalb verwarfen die Juden den sanften und demütigen Fürsten aus dem Huse Davids, und ach, sie beharren auf ihrer Verwerfung seiner Ansprüche.

Jetzt ist er aus dem Grabe auferstanden und in seine Herrlichkeit eingegangen, aber das Ärgernis des Kreuzes hat nicht aufgehört, denn auf seinem Evangelium bleibt das Bild seiner niedrigen Gestalt und deshalb verachten die Menschen es. Die Predigt vom Kreuze ist Vielen eine Torheit. Die Hauptlehre des Evangeliums ist Christus der Gekreuzigte, - Jesus, der Sohn Gottes, der in einen schimpflichen Tod gegeben, weil „er um unsertwillen den Übeltätern gleich gerechnet ist und Vieler Sünde getragen hat.“ Die Menschen werden euch sagen, sie könnten dem Christentum glauben, wenn die Versöhnung nicht wäre; das heißt, wenn Jesus vom Kreuze herabsteigen will, so wollen die modernen Spötter an ihn glauben, gerade wie die alten es höhnend versprachen; aber von dem Evangelium können wir sagen, daß das Versöhnungsblut die Bürgschaft desselben ist und wenn ihr das stellvertretende Werk Christi daraus weglasset, so ist kein Evangelium übrig. Es ist ein Körper ohne Seele. Dies scheint also das Hindernis für die Ausbreitung des Reiches des Erlösers: - er selber mit seiner häßlichen Gestalt, und sein Evangelium in einer Gestalt, die ebenso häßlich ist in den Augen fleischlicher Menschen.

Der praktische Teil des Evangeliums ist ebenso sehr ein Ärgernis für die Ungöttlichen, denn wenn die Menschen fragen, was sie tun müssen, um selig zu werden, so wird ihnen gesagt, daß sie das Evangelium wie kleine Kinder annehmen, daß sie Buße tun und an den Herrn Jesum Christum glauben müssen. sehr demütigende Vorschriften für die menschliche Selbstgenügsamkeit! Und wenn sie errettet sind und fragen, was sie zu tun haben, sind die Vorschriften wieder nicht so, wie sie der stolzen, trotzigen Menschennatur sich empfehlen, - denn es sind solche, wie - „Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich, - und vertraget einer den andern, und vergebet euch untereinander, gleichwie Christus euch vergeben hat, also auch ihr.“ Für die Welt, die Eroberer liebt, und Posaunenschall und Lorbeerkränze, hat diese Art Lehre ein unschönes Gesicht und eine häßliche Gestalt.

Ferner, was sogar noch demütigender erscheint, bringt der Herr Jesus in seinem weislichen Tun uns nicht nur ein Evangelium vor Augen, das Ärgernis gibt durch die Versöhnungslehre und Ärgernis in seinen praktischen Vorschriften, sondern er sendet uns das Evangelium durch Männer, die weder groß noch edel sind, nicht einmal zu den Weisen dieser Welt gehören. Die Stolzen sagen: „wir wollten uns wohl den großen Geistern beugen, aber wir können diese Törichten nicht ertragen. Sendet uns Solche, die Philosophen und Redner zugleich sind, laßt sie uns durch zwingende Beweise überwinden, laßt sie uns besiegen durch Worte, deren blendender Glanz den Geist überwältigt.“ Statt dessen sendet der Herr einen Mann, der schlicht, geradeheraus und vielleicht sogar grob spricht. Sehr einfach ist, was er sagt: „Glaubet und lebet; Christus litt an eurer Statt für euch, trauet ihm:“ er sagt dies und wenig mehr. Ist dies nicht des Toren Evangelium? Ist es nicht wert, eine törichte Predigt genannt zu werden? Die Menschen mögen dies nicht, es ist eine Beleidigung ihrer Würde. Sie würden Cäsaren hören, wenn er in seinem feinen Purpur den Gottesdienst leitete, aber sie können Petrus nicht ertragen, der in seinem Fischerrock predigt. Sie hören einen Papst in seinen prachtvollen Gewändern, oder einen kardinal in seinem roten Hut, und sie haben nichts dawider, einen feingebildeten Dialektiker aus den Schulen oder einen Redner des Forums zu hören; aber sie sind empört über den Mann, der die Schönheit der Rede verachtet und die Weisheit dieser Welt Torheit nennt. Wie kann das Evangelium durch solche Mittel verbreitet werden? Wie, in der Tat, wenn nicht der Herr mit ihm ist und die menschliche Schwachheit braucht, um die Macht seiner Gnade zu zeigen?

Noch schlimmer, falls es etwas Schlimmeres geben kann: die Leute, die bekehrt werden und dem Heiland folgen, gehören gewöhnlich der ärmeren Klasse an und sind wenig geachtet. „Glaubt auch irgend ein Oberster an ihn?“ es ist noch immer die Frage. Mit welcher Verachtung sprechen eure Literaten von denen, die sich zu Christo bekennen! Habt ihr je das höhnische Lächeln gesehen auf dem Gesichte eurer Herren des „fortgeschrittenen Denkens,“ und der weit vorgeschrittenen Schule der Ungläubigen, wenn sie von den alten Weibern und den halben Idioten sprechen, welche die frommen Plattheiten der evangelischen Lehre anhören? Sie wissen uns zu verachten, wenn sie nichts anders wissen! Aber ist solcher Hohn eines Mannes würdig? Es ist nur eine andre Version des alten Spottes der Pharisäer, wenn sie sagten: „Hörest du nicht, was diese sagen?“ und auf die Knaben und den Pöbel wiesen, die riefen: „Hosianna, gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn.“ Verachtung ist immer den Fußtapfen Christi gefolgt, und wird es immer bis zum Tage seiner Herrlichkeit. Wenn die Großen der Erde den Herrn Jesum verachten, so sei ihr Blut auf ihrem eigenen Haupt; für ihn ist es mehr eine Ehre als eine Schande, daß „den Armen das Evangelium gepredigt wird.“ Er ist der Christus des Volkes, von dem vor Alters geschrieben ward: „ich habe erhöhet einen Auserwählten aus dem Volk.“ Er freut sich, ein Führer und Befehlshaber des Volkes genannt zu werden und er ist froh, daß „das gemeine Volk ihn gerne höret.“ (Markus 12,37, engl. Übers.) Aber hier steht die erste und größte Schwierigkeit, - das Kreuz, welches die Seele des Christentums ist, ist auch sein Ärgernis.

Wenn Einige hier an Christo Anstoß nehmen um seines Kreuzes willen, so bitte ich sie, dieses Vorurteil aufzugeben. Sollte es irgend Jemand bewegen, an dem Heiland zu zweifeln oder sein Herz vor ihm zuzuschließen, weil er mit einem Gesicht kommt, das durch Leiden entstellt ist? Wenn er käme, um uns zu lehren, unglücklich zu sein, und wenn er Regeln vorschriebe, um unser Elend zu vergrößern, so könnte man uns entschuldigen, wenn wir seine Lehren scheuten; aber wenn er kommt und den Schmerz selber trägt, damit wir ihn nicht tragen möchten, und wenn jene Leidensfurchen in seinem Angesichte daher rühren, daß er unsere Angst und unsere Schmerzen trug, so sollten sie uns das Anziehendste von allem Schönen sein. Ich halte dafür, daß die Narbe in des Kriegers Antlitz, die er in der Verteidigung seines Vaterlandes empfing, ihn nicht entstellt; sie ist ein Schönheitsfleck. Wenn mein Bruder, indem er mein Leben rettete, einen Arm verloren oder eine häßliche Wunde erhalten hätte, so würde er in meinen Augen um so schöner sein; sicherlich würde ich ihn um deswillen nicht scheuen. Die Wunden Jesu sind köstliche Edelsteine, die unser Auge entzücken sollten, beredte Lippen, die unser Herz gewinnen sollten. Laßt euch von ihm anziehen, ihr Alle! Verbergt nicht eure Angesichter vor ihm! Blickt auf ihn und lebt und liebt. Jene Dornenkrone hat mehr wahre Herrlichkeit in sich, als irgend eine Krone von Gold; jene von Nägeln durchbohrten Hände solltet ihr mit Wonne küssen; vor jenem einst Leidensvollen solltet ihr mit freudiger Hast euch beugen. Jesus, du Entstellter, dein Kreuz, statt uns ein Ärgernis zu sein, ist die Herrlichkeit unseres Glaubens. Daß das Evangelium in schlichter Weise verkündigt wird und daß Gott sehr einfache Leute segnet, sollte Niemandem Anstoß geben. Sollte es uns nicht eher voll Hoffnung machen für die Bekehrung der Menschen, das Gott gewöhnliche Werkzeuge so reich segnen kann? sollte die Bekehrung der Armen und Ungebildeten irgend ein Ärgernis für uns sein? Das zeigt einen Mangel an Menschlichkeit; es sieht aus, als wenn Stolz die Milch der menschlichen Freundlichkeit in uns ausgetrocknet hätte, wenn wir denen, die so wenig von dieser Welt haben, die unschätzbaren Güter der andern Welt mißgönnen.

III.

Die Gewißheit, daß dieses Ärgernis gehoben werden wird und die Ausbreitung des Reiches Christi. „So gewiß sein Gesicht entstellt war, so gewiß wird er viele Heiden besprengen;“ was wir dahin verstehen, zuerst, daß die Lehren des Evangeliums in reichlichen Regen-Schauern auf alle Länder fallen sollen. Jesus wird durch seine Worte, die wie der Tau fallen und wie der Regen tröpfeln, nicht allein die Juden besprengen, sondern die heidnischen Völker überall. Deine Brüder verabscheuen dich, o Immanuel! Sie verachten dich, o Mann von Nazareth! aber alle Lande sollen von dir hören und dich kommen fühlen, wie Regenschauer auf das gemähte Gras. Die dunkeln Stämme in der weiten Ferne und die im Lande der niedergehenden Sonne wohnen, sollen deine Lehre hören und sollen sie eintrinken, wie das wollene Vlies den Tau einsaugt. Du wirst viele Nationen mit deinem Gnadenwort besprengen.

Dieses Besprengen müssen wir den Mosaischen Zeremonien gemäß deuten, und ihr wißt, es gab ein Besprengen mit Blut, um die Vergebung darzustellen und ein Besprengen mit Wasser, um die Reinigung von der Macht der Sünde zu veranschaulichen. Jesus Christus hat mit

„Dem Wasser und dem Blut,
Das aus seiner Seite floß,“

nicht allein viele Menschen besprengt, sondern auch viele Völker, und der Tag wird kommen, wo alle Nationen die Segenstropfen fühlen werden, die von seinen Händen ausgestreut werden und wissen, daß sie die „zweifache Heilung für die Sünde“ sind, indem sie die Übertreter sowohl von der Schuld als von der Macht derselben befreien.

Dr. Kitto erklärt die Stelle durch eine orientalische Sitte. Er sagt, daß Könige, wenn sie ihre Untertanen zu großen Festen einluden, Leute anstellten, welche Alle, die kamen, mit wohlriechenden Essenzen besprengten, während sie durch das Tor des Palastes gingen. ich glaube kaum, daß dies die Meinung des Textes ist, aber jedenfalls gibt es uns eine Anwendung desselben. Jesus ladet die Menschen aller Nationen ein, zum Gastmahl des Evangeliums zu kommen und so wie sie eintreten, läßt er den süßen Wohlgeruch seiner Liebe und Gnade auf sie fallen, so daß sie lieblich vor dem Herrn sind. Es gab keine Wohlgerüche für dich, o Jesus, auf Golgatha! Essig und Galle war alles, was sie für dich hatten; aber jetzt, seit du zum Himmel gegangen bist, bereitest du Wohlgerüche für die großen Mengen der Menschenkinder und die Völker im Norden und Süden, Osten und Westen werden erfrischt mit den köstlichen Schauern der Wohlgerüche, die durch das Evangelium auf sie fallen.

Der Text spricht ferner aus, daß der Einfluß seiner Gnade und die Kraft seines Werkes sich über viele Völker ausdehnen und Macht haben soll nicht bloß über das Volk, sondern auch über seine Führer und Regenten. „Könige werden ihren Mund gegen ihn zuhalten;“ sie sollen kein Wort gegen ihn zu sagen haben; sie sollen durch die Majestät seiner Macht so überwältigt werden, daß sie ihm stillschweigend Ehrfurcht beweisen und sich vor seinem Throne niederwerfen. Könige, merkt das. Ich bin immer froh, wenn ich von Adligen höre, die bekehrt sind, obgleich ich keineswegs geneigt bin, den Großen zu schmeicheln oder höher von der Seele eines Menschen als von der eines andern zu denken. Ich bin indessen froh, zu hören, daß Große des Reichs und Fürsten errettet sind, denn es zeigt die große Ausbreitung des Evangeliums an, wenn alle Klassen von demselben berührt werden, und wenn die, welche gewöhnlich ferne stehen, seiner Macht sich ergeben. „Könige werden ihren Mund gegen ihn zuhalten.“ Diese Verheißung ist noch nicht erfüllt. Es gibt Leute, die denken, die biblischen Weissagungen seien beinahe ganz erfüllt und wir gingen in ein andres Zeitalter nun hinüber. Nun, ich wage nicht, zu dogmatisieren, aber ich wage es, das meiste Gerede in Frage zu stellen, das ich heutzutage über die Zukunft höre. Eine Menge Weissagungen sind noch nicht erfüllt. Könige haben nicht ihren Mund gegen ihn zugehalten: sie haben meistens ihren Mund weit gegen ihn geöffnet und ihn geschmäht und gelästert und seine Heiligen verfolgt. Es müssen noch glänzendere Tage für diese arme Welt kommen, wenn selbst Fürsten dem Herrn demütig gehorchen sollen. Je mehr ich die Bibel studiere, desto gewisser werden mir zwei Dinge, die ich nicht vereinigen kann; zuerst, daß Christus zu einer Stunde kommen wird, da die Menschen ihn nicht erwarten, und eben jetzt vielleicht kommen kann; und zweitens, daß das Evangelium allen Völkern gepredigt werden muß und daß „aller Welt Ende gedacht werden soll, das sie sich zum Herrn bekehren.“ Ich weiß nicht, welches der beiden Dinge mir das Gewisseste ist; ebenso wenig weiß ich sie zu vereinen; aber sie sind beide im Wort und zu seiner Zeit wird die Geschichte selber sie vereinigen. Sicherlich wird der Tag kommen, wo der mächtigste Fürst es für seine höchste Ehre halten wird, seinen Namen als Mitglied der Kirche angezeichnet zu sehen. „Alle Könige werden ihn anbeten; alle Heiden werden ihm dienen.“ Die kleine Handvoll Korn in der Erde auf dem Gipfel der Berge soll noch wachsen, bis ihre Frucht mächtig wird gleich dem Libanon. „Und wird keiner den andern, noch ein Bruder den andern lehren, und sagen: Erkenne den Herrn: sondern sie sollen mich alle kennen, beide Klein und Groß.“

Wir hoffen auf dies und kommen wird es. O dorngekrönter König von Golgatha, Könige sollen noch deine Hofleute werden!

IV.

Laßt uns die Weise, wie dies geschehen soll, betrachten. Wie wird dies herbeigeführt werden? Wird eine Maschinerie da sein? Wird die Welt bekehrt werden und die Könige dahin gebracht, ihren Mund zuzuhalten durch irgend eine neue Verfahrungsart? Werden die Heiligen eines Tages das Schwert nehmen? Wird es zu Stande gebracht werden durch jenes wundervolle Hilfsmittel der Zivilisation, das Kanonenboot? Werden wir die Hottentotten durch Schießpulver bekehren? Ich glaube nicht. Wir haben einen kleinen Versuch mit diesen fleischlichen Waffen gemacht, und Manche bewundern den Erfolg, aber sie werden ihn vielleicht noch beklagen. Der Friedefürst heißt uns das Schwert in die Scheide stecken: seine Waffen, wie sein Reich, sind nicht fleischlich. Nein, die Art, wie sie vom Beginn dieser Weltperiode gewesen ist, wird dieselbe bis zum Ende bleiben. Ich glaube, diese Schlacht muß auf der Linie ausgefochten werden, auf der sie begann. Es gefällt Gott, durch törichte Predigt die selig zu machen, welche glauben. Meinen, daß unser Herr die jetzige Art der Kriegsführung beenden wird, als wenn es zugestanden wäre, daß das Böse nicht durch den Gebrauch von Werkzeugen besiegt werden könnte, heißt nach meinem Gefühl, ihm großen Schimpf antun. Mir ist es klar, daß er, da es ihm gefallen, seine Macht durch den Gebrauch schwacher Werkzeuge zu verherrlichen, fortfahren wird, so zu tun, bis der Sieg gewonnen ist. Er hat noch niemals sein Werk im Stich gelassen, so daß er dem Feind Gelegenheit gegeben, sich eines Sieges zu rühmen. Die Waffen ändern, das heißt, sich der Beschuldigung preisgeben, daß man mit den zuerst gebrauchten nicht im Stande ist zu siegen; aber das ist mit dem Herrn nicht so. Dasselbe Senfkorn, das nun so klein ist, soll ein Baum mit weitreichenden Ästen werden, der Sauerteig soll noch den ganzen Teig durchsäuern. Die letzte Ernte wird das Resultat des Säens sein, das durch Menschen geschehen, nicht durch irgend eine Wunderwirkung. Die letzte Scheidung der Menschen wird aus dem Inhalt eines und desselben Evangelium-Netzes gemacht werden, das wir verpflichtet sind, zu brauchen, bis die Himmel nicht mehr sind.

Nach dieser Stelle sollen Könige und Völker zu allererst hören. „Der Glaube kommt aus dem Hören.“ (Römer 10,17, engl. Übers.) Sie sollen etwas Neues hören. Wohlan, Brüder, wenn sie hören sollen, so müssen wir predigen und lehren, so daß es unsre klar vorliegende Pflicht ist, mit der Verbreitung des Evangeliums fortzufahren. Jesus Christus will, daß seine Diener das Evangelium predigen und lehren sollen. Tut ihr das? Fahre fort, Bruder, es zu tun in der Kraft des heiligen Geistes, was auch kommen mag. Hast du es nicht getan? Fange an, es jetzt zu tun, als einer von Christi Dienern, und bitte um die göttliche Hilfe. Sagst du, du könnest es nicht? Du kannst. Du behältst dein Pfund im Schweißtuch; nimm es heraus, du ungetreuer Knecht, damit dein Herr nicht komme und dich richte! Aber du kannst nicht Viele lehren. Wer hat gesagt, du könnest das? Lehren Einen. O, aber du kannst nicht predigen. Wer sprach von predigen? Lehre, lehre irgendwie. Laß die Leute die Geschichte vom Kreuze wissen. Aber du kannst nicht Könige lehren, sagst du. Warum hast du das nötig? Lehre Dienstboten und Kinder; nur breite das Evangelium aus. Die Welt muß für Christum gewonnen werden, wenn sie überhaupt gewonnen werden soll, durch das Hören der frohen Botschaft von der Liebe des sterbenden Heilandes, und wie können sie hören ohne einen Prediger, und wie können sie predigen, wenn sie nicht gesandt werden? Christus sendet euch, denn er sagt: „Wer es höret, der spreche: Komm.“ In der Kraft dieses Auftrages sprecht jetzt:

„Nun will ich allen Sündern sagen,
Welch teuren Heiland ich gefunden;
Will sprechen: Seht, was er getragen
Und weisen sie zu seinen Wunden.“

Die Leute im Text scheinen nicht bloß gehört zu haben, sondern auch gesehen. „Welchen nichts davon verkündiget ist, dieselben werden es mit Lust sehen.“ Dieses Sehen ist nicht mit leiblichen Augen, sondern mit der Wahrnehmungskraft der Seele. Der Glaube kommt dadurch, daß die Seele wahrnimmt, was das Evangelium bedeutet. Wir können nicht glauben an das, was wir nicht wahrnehmen. Darum müssen wir fortfahren, den Leuten das Evangelium zu verkünden, bis sie sehen, was das Evangelium ist. Viele Menschen werden nie das Evangelium verstehen lernen, bis es ihnen tausend Mal verkündet ist, und ihr müßt dabei bleiben, es zu verkünden, bis ihr zu diesem tausendsten Male kommt. „Was meinst du damit?“ sagt ihr. Ich meine dies, daß es Zeile für Zeile und Vorschrift für Vorschrift sein muß, beinahe bis zum Erschöpfen der Geduld, einer Mutter Gebete, eines Lehrers Angst, Schickungen, Krankheiten, Gewissensbisse, mannigfache Verkündigung des Wortes und vieles Bitten, und erst beim letzten Streiche wird das Werk vollendet, obgleich alle andern Anstrengungen dazu beigetragen haben. Fahr fort, lieber Bruder, fahr fort, und lehre Jesum Christum, bis die Leute ihn sehen. Dieses Sehen wird plötzlich kommen. Wie viele Male habe ich einen Neubekehrten sagen hören: „Ich wußte all dies früher schon, ich habe es oft gehört, aber ich konnte es nicht sehen; jetzt sehe ich es.“ O, wie hält ein Mensch seinen Mund gegen Christum zu in demütigem Schweigen, wenn er zuletzt gewahrt, daß sein entstelltes Gesicht und seine leidende Gestalt die Zeichen göttlicher Liebe waren und daß durch diese Schmerzen die Sünde hinweg getan ist. Wollte Gott, ihr alle sähet ihn jetzt.

Nachdem sie es gesehen, scheint es, daß sie es erwogen. „Die nichts davon gehört haben, die werden´s erwägen.“ (engl. Übers.) Das ist die Art, wie Menschen selig werden: sie hören das Evangelium, sie erfassen den Sinn desselben, und dann erwägen sie ihn. Laßt uns beten, lieben Freunde, daß Gott die Unbekehrten dahin bringt, zu erwägen. Wenn wir sie nur so weit bringen können, zu denken, so haben wir große Hoffnung für sie. Wenn Einer von euch hier sich noch Christo nicht ergeben hat, möchte ich ihn bitten, von ihm zu hören oder zu lesen; leset heute Nachmittag sorgfältig eins der Evangelien, nehmt Matthäus oder Markus oder Lukas oder Johannes, und leset die Leidensgeschichte, und bittet Gott, euch sehen zu lassen, was all dieses bedeutet; und wenn ihr sehet, erwägt es in eurer Seele. Denkt darüber nach. Seht, ob es vernünftig ist, dem Heiland nicht zu glauben oder ihn nicht zu lieben. Es gibt tausend Gründe, warum ihr in seine Arme eilen solltet und sagen: „Menschgewordene Gottheit, wie kann ich dir widerstehen? Blutende Allmacht, wie darf ich wagen, an dir zu zweifeln? Unsterbliche Liebe, für meine Sünden gekreuzigt, ich ergebe mich dir, ich will dein Diener sein auf immer.

Es ist klar, daß diese Leute, nachdem sie gesehen und schweigend erwogen hatten, den Herrn als ihren Herrn annahmen, denn sie hielten ihren Mund gegen ihn zu; sie hörten mit allem Widerstand auf; sie gaben ruhig ihren eignen Willen auf und leisteten dem König der Könige Gehorsam. Brüder und Schwestern, wir wünschten Hunderte zu sehen, die dies jetzt täten. Es ist gegenwärtig eine große religiöse Erregung und wir möchten, daß diese Kirche und alle Kirchen rund umher den günstigen Wind benutzen möchten. Ihr wißt, wie zur Erntezeit der Landmann so viele Leute, wie er nur kann, an die Arbeit sendet und sie arbeiten schwer, viele Stunden lang. Ich habe sie beim hellen Mondschein rüstig arbeiten sehen, um den Weizen einzubringen. Dies ist unsre Erntezeit und wir müssen unsre Garben einbringen. Der Herr hat viel Korn und es muß in die Scheuern gebracht werden; ich bitte, macht den Arbeitstag lang und wirkt emsig für Jesum und laßt die Sache, die wir heut Morgen betrachtet, euch darin anfeuern. Der Erfolg des Evangeliums ist durchaus in keiner Gefahr. Jesus muß herrschen, bis daß er alle seine Feinde unter seine Füße lege. Wenn der Teufel euch überreden kann, daß Christus im Begriff ist, den Krieg aufzugeben oder ihn auf einer andern Linie ausfechten will und eure Anstrengungen entbehren kann, so werdet ihr bald träge werden. Ihr werdet eine Entschuldigung für Faulheit finden in einer geträumten Bekehrung der Welt durch ein Wunder, oder irgend ein anders übernatürliches Ereignis. Ihr werdet sagen, der Herr kommt und dann wird der Kampf auf einmal vorüber sein und es tut nicht nötig, daß ihr ihn jetzt ausfechtet. Glaubt dies nicht. Unser Heerführer ist im Stande, ihn auf dieser Linie auszufechten; im Namen Jesu von Nazareth, bei der Kraft des ewigen Geistes sind wir verbunden, stetig fortzufahren, bis diese Welt sich Gott unterwirft. Ihr erinnert euch des Amerikanischen Generals, der sagte, als das Volk nach schnellem Siege verlangte, er wüßte nicht, wann der kommen würde, aber daß er fortfahren wolle, „einen Pflock nach dem andern einzuschlagen.“ Das ist´s, wozu wir verpflichtet sind; „einen Pflock nach dem andern einzuschlagen.“ Kein Kanonier darf seine Kanone verlassen, kein Unteroffizier seine Schar auflösen, kein Offizier zum Rückzug raten. Brüder, das Papsttum muß fallen, der Mohammedanismus niedergeworfen werden und alle Götzen müssen zerbrochen und in die „Löcher der Maulwürfe und Fledermäuse geworfen werden.“ Es scheint eine zu riesenhafte Aufgabe, aber der „entblößte Arm Gottes“ (Jesaja 52,10, engl. Übers.) - denkt nur daran - sein Ärmel aufgerollt, die Allmacht selber entblößt, was kann sie nicht vollbringen? Steht zurück, ihr Teufel! wenn Gottes entblößter Arm zum Kampf kommt, werden ihr alle laufen wie die Hunde, denn ihr kennt euren Meister. Steht zurück, Ketzereien und Spaltungen, Übel und Täuschungen: ihr werdet alle verschwinden, denn der Christ Gottes ist mächtiger, als ihr. O, glaubt es. Seid nicht niedergeschlagen und entmutigt, lauft nicht zu neuen Plänen und Einbildungen und Deutungen der Weissagung. Geht und predigt Jesum Christum allen Völkern. Geht und breitet des Heilandes hochgelobten Namen aus, denn er ist der Welt einzige Hoffnung. Das Kreuz ist unser Siegespanier. Gott helfe uns, daß wir selber zu diesem aufblicken und es dann Andern vor die Augen halten, bis unser Herr auf seinem Throne erscheinen wird. Amen.

autoren/s/spurgeon/g/spurgeon-der_gewisse_sieg_des_gekreuzigten.txt · Zuletzt geändert: von aj