Spurgeon, Charles Haddon - Der gewaltige Arm

„Du hast einen gewaltigen Arm; stark ist Deine Hand und hoch ist Deine Rechte.“
Ps. 89,14

Wenn die Seele ganz mit Gott versöhnt ist und in Ihm sich freut, so ist sie froh über alle seine Eigenschaften. Zuerst verweilt sie vielleicht ausschließlich bei seiner Liebe und Gnade, aber nachher kommt sie dahin, sich an den strengeren Eigenschaften zu freuen und hat besondere Wonne an seiner Heiligkeit und Macht. Es ist ein Zeichen des Wachstums in christlicher Erkenntnis, wenn wir beginnen, die Eigenschaften zu unterscheiden und uns jeder einzelnen zu freuen. Es zeugt von Überlegung und Nachdenken, wenn wir imstande sind, so die göttlichen Dinge zu unterscheiden und dem Herrn einen Psalm des Preises für eine jede seiner Vollkommenheiten zu geben; und es zeigt auch eine wachsende Vertraulichkeit mit dem großen Vater an, wenn wir beginnen, sein anbetungswürdiges Wesen zu betrachten und uns so über alles zu freuen, was Er ist, daß wir die Eigenschaften im einzelnen vornehmen können und Ihn für jede loben, preisen und erheben.

Unter dem jüdischen Gesetze waren Opferformen der einfachsten Art, wie das Darbringen von Turteltauben oder jungen Tauben, die nur gespalten und auf dem Altar verbrannt wurden; aber es gab andere und ausführlichere Regeln für die Opfer, die von der Herde genommen wurden; diese wurden gehörig eingeteilt und die Teile an ihren Platz gelegt, der Kopf, das Fett, die Eingeweide, die Schenkel usw. wie um zu zeigen, daß, obwohl einige Gläubige das Versöhnungsopfer nur als ein Ganzes und in oberflächlicher Weise kennen, es doch andere gibt, die mehr unterrichtet sind, die tiefer in das göttliche Geheimnis hineinschauen und die verschiedenen Formen sehen, die die große Wahrheit annimmt. Wir sind errettet, wenn wir nur den Herrn mit dem Herzen kennen; aber ich wollte, Geliebte, ihr würdet alle die verschiedenen Strahlen seines reinen Lichtes kennen, ihr schautet alle die vielen Herrlichkeiten seiner Krone und könntet in jedem besonderen Vorzug seiner unendlichen Vollkommenheit euch freuen.

Mein Thema heute morgen ist: die Macht Gottes, der Gegenstand unsrer Anbetung. Hier, liebe Brüder, haben wir ein weites Gedankenfeld, denn die Macht Gottes ist offenbart in Verbindung mit all seinen anderen Eigenschaften; sie ist die Ursache all seiner Werke und die Grundlage und Triebkraft, wodurch sein Reich erhalten und Er selbst offenbart wird. Wie klar wird seine Macht in der Schöpfung gesehen; da hast Du, o Herr, in Wahrheit „einen gewaltigen Arm.“ Wir tun uns selbst Schaden und entehren unsren Schöpfer, wenn wir an seinen Werken vorübergehen, als wären sie der Beachtung geistlich Gesinnter nicht wert. Es ist verkehrt von uns, wenn wir die Ermahnung vergessen: „Was Gott gereinigt hat, das nenne du nicht unrein.“ Der Psalmist singt von der Schöpfungsmacht Gottes im 12. und 13. Verse des vorliegenden Psalms: „Himmel und Erde sind Dein, Du hast gegründet den Erdboden und was darinnen ist. Mitternacht und Mittag hast Du geschaffen; Tabor und Hermon jauchzen in Deinem Namen.“ David schied nicht Offenbarung und Natur; er liebte das Werk und sann darüber nach Tag und Nacht, aber zu gleicher Zeit frohlockte er in den Werken der Hände Gottes. Im 8. Psalm betrachtet er die Himmel und bricht in die Worte aus: „Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist Dein Name in allen Landen.“ Im 104. Psalm findet er Musik in Bergen und Brunnen, in Vögeln und Tannen und freut sich, daß die Ehre des Herrn ewig ist und daß der Herr Wohlgefallen an seinen Werken hat.

Mit demselben Gefühl ließ ich auch heute morgen ein Lied singen, in dem die Macht Gottes angebetet wird:

„Mein Auge sieht, wohin es blickt,
Die Wunder Deiner Werke,
Der Himmel, prächtig ausgeschmückt,
Preist Dich, Du Gott der Stärke.“

Der Herr ließ Hiob und seine Freunde an seine Macht denken, wie sie in der Schöpfung gesehen wird: in der Tat, es war die Offenbarung dieser einen Eigenschaft, wodurch Hiobs Freunde zum Schweigen gebracht wurden und der Patriarch selber dahin geführt, auszurufen: „Siehe, ich bin zu leichtfertig gewesen, was soll ich antworten?“ Wir sollten das nicht übersehen, was einen so heilsamen Einfluß auf andere hatte. Es ist zu bedauern, wenn die Leute so geistlich werden, daß sie gar kein Auge haben für des Herrn Macht in Flüssen und Bergen, in Meeren und Stürmen; denn Gott machte all dieses und ist wie in einem Spiegel darin zu sehen. „Groß sind die Werke des Herrn; wer ihrer achtet, der hat eitel Lust daran.“ Ich kann das Gefühl einiger verstehen, die sagen: „Ich ziehe geistliches Predigen vor und ich lese viel lieber die geistlichen Stellen des Wortes Gottes als die geschichtlichen Berichte und denke lieber an seine Gnade als an seine Weisheit in der Natur;“ aber es ist ein Fehler in diesem Vorziehen, so gut es auch in einer Weise ist. Es ist, als wenn du einen Freund hättest, der ein großer Künstler wäre und ein Meister in der Bildhauerei, fähig, den Marmor beinahe lebendig und sprechend zu machen mit seinem magischen Meißel. Du bist gewohnt, diesen großen Bildhauer zu besuchen, es macht dir viel Vergnügen, mit ihm zu sprechen, mit seinen Kindern zu verkehren, aber du bist nie in seine Werkstätte gegangen, denn seine Meisterwerke interessieren dich nicht. Nun, dies ist eine armselige Gemeinschaft und wenn du je vollkommene Sympathie mit deinem Freund empfindest, so wird dich das interessieren, wofür er sich interessiert und du wirst deine Freude haben an den verschiedenen Proben von deines Freundes Talent in Entwurf und Ausführung. Du wirst seine Werke um seinetwillen studieren und ihn um so mehr lieben wegen dieser Wunder von Schönheit und Freude, die seine Hand erschafft. Wenn es dem Herrn gefällt, seine Macht in dem sichtbaren Weltall zu entfalten, so würde es seinen Kindern schlecht anstehen, ihre Augen davor zu schließen. „Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist.“ Alle Deine Werke preisen Dich, Herr, aber Deine Heiligen werden Dich loben.

Ebenso wird die Macht Gottes in der Vorsehung wahrgenommen; in der lenkenden Hand, die die gewöhnlichen Ereignisse leitet. Unser lieblicher Sänger schreibt im 10. Verse: „Du herrschst über das ungestüme Meer; Du stillst seine Wellen, wenn sie sich erheben.“ Gottes Macht wird in den großen Naturerscheinungen gesehen und selbst in den geringeren Dingen des täglichen Lebens. Seine Hand leitet das Fallen jedes dürren Blattes und schmückt jeden Grashalm mit seinem Tautropfen; aber besonders ist sein Weg in dem Wirbelwind, und die Wolken sind der Staub unser seinen Füßen. Die gewaltige Hand des Herrn wird in den Ereignissen der menschlichen Geschichte gesehen; seine Macht erweist sich an Fürsten und Herren, im Fall und Emporkommen der Reiche, im Wachsen der Völker oder in ihrem Sturz. Seht, wie Er Ägypten in Stücke brach wie einen Erschlagenen, und seine Feinde mit starkem Arm zerstreute. Sein Volk weigerte sich nicht, von seiner großen Macht zu singen, als Er große Könige schlug und berühmte Könige niederwarf, denn seine Güte gegen sein Volk währt ewiglich.

Es sollte ein Gegenstand großer Freude für alle gerechten Seelen sein, daß die Welt nicht sich selbst oder Tyrannen überlassen ist; die Macht ist im Grunde doch mit dem Recht, denn alle Gewalt gehört Gott. Er ist ein Lenker und Regent, der der Herr über alles ist und alle Macht ist in seiner Hand. Habt ihr nicht oft dem Arm Dessen, der Unverschämtheit und Grausamkeit angreift, mehr Kraft gewünscht?. Seid also froh, daß alle Macht in der Hand des Richters aller Welt ist, der recht tun muß und wird. Er wird Blutvergießen nicht ungerächt lassen und mutwillige Grausamkeit und entsetzliche Brutalität nicht ungestraft; und ob die Großen der Erde mit Gleichgültigkeit vorübergehen oder in gottloser Politik ein Auge zudrücken, es gibt ein Auge, das sieht, und eine Hand, die strenge und gerechte Rache zumessen wird. Faßt eure Seelen mit Geduld, o Kinder Gottes, „denn Gott ist König über die Heiden; Gott sitzt auf seinem heiligen Stuhl.“ Der Elende soll nicht immer vergessen werden und der Bedrängte nicht immer unter die Füße getreten, denn wahrlich, der Herr herrscht und seine Macht wird die Sache des Rechtes verteidigen.

Es ist ein anderes, weshalb wir auch Ursache haben, Gott anzubeten, daß seine Macht gesehen wird in dem Endgericht über die Gottlosen; ein furchtbarer Gegenstand, über den ich nicht viel reden will, aber einer, der uns in den Staub wirft vor seiner furchtbaren Majestät. Es sind zwei flammende Juwelen in Jahwes Krone, die furchtbar in der Hölle gesehen werden; sein Zorn und seine Macht. „Deshalb, da Gott Zorn zeigen und seine Macht kundtun wollte, hat Er mit großer Geduld getragen die Gefäße des Zorns, die da zugerichtet sind zur Verdammnis.“ Gerechter Unwille und Allmacht werden beide verherrlicht werden in jenem letzten furchtbaren Gerichtsakt, wo Er die Gerechten von den Gottlosen scheiden wird und den Ungläubigen ihr Teil zumessen. „Wer kennt die Macht Deines Zorns?“ Was muß die Kraft eines zornigen Gottes sein! Wer wird vor Ihm bestehen, wenn sein Unwille einmal aufwacht, wenn Er die Völker mit eiserner Knute zerbrechen wird und sie zerschmeißen wie des Töpfers Gefäße? „Hütet euch,“ sagt Er, „die ihr Gott vergeßt, daß ich nicht einmal hinreiche und sei kein Retter mehr da.“ Wer wird vor diesem großen und schrecklichen Gott bestehen am Tag seines Zorns? Wer wird es aushalten an jenem Tag, wenn die Zeit der Gnade vorüber ist und Gerechtigkeit allein auf ihrem brennenden Thron sitzt?. Aber keines von diesem ist das Thema des heutigen Morgens, obwohl wir die Sache nicht vollständig gesehen hätten, wenn wir nicht darauf hingewiesen hätten. Das Thema ist die Macht, die in Verbindung mit der Gnade Gottes entfaltet wird, denn Ethan beginnt diesen erhabenen Bundespsalm so: „Ich will singen von der Gnade des Herrn ewiglich, und seine Wahrheit verkündigen mit meinem Munde für und für.“ Macht im Bunde mit der Gnade ist unser alleiniges Thema.

Zuerst wollen wir die gewaltige Macht Gottes in seiner Gnade betrachten, wie sie in unsrer Erfahrung sich offenbart; zweitens, die göttliche Macht, wie sie in Christus Jesus entfaltet ist; und drittens wollen wir versuchen, über diese Macht nachzudenken und zu erkennen, wie sie tatsächlich anerkannt werden sollte. Wir müssen kurz bei jedem Punkte sein, denn unsere Zeit ist kärglich bemessen.

I. Der gewaltige Arm Gottes, in der Gnade sich zeigend, wie er sich in unserer Erfahrung kund tut.

Zuerst, Geliebte, denkt an die göttlichen Langmut. Was für ein gewaltiger Arm der Gnade muß es gewesen sein, der den Zorn Gottes zurückhielt, während wir im Zustand der Empörung und Unbußfertigkeit waren. Daß Gott das zornige Meer regiert, scheint mir nichts, verglichen mit der Macht, die Gott über sich selbst ausübt, wenn Er die Beleidigungen ungöttlicher Menschen erduldet, ihre Herzenshärtigkeit, ihr Verwerfen Christi und oft ihre lästerlichen Reden und unreinen Taten. O Sünder, wenn du sündigst mit hoher Hand und ausgestrecktem Arm, ist es nicht ein Wunder der Wunder, daß Gott dich nicht niederschlägt und deiner Unverschämtheit ein Ende macht? Er spricht: „Ich werde mich befreien von meinen Widersachern;“ ist es nicht ein Wunder, daß Er sich nicht von dir befreit hat und dich mit einem Schlag hinwegnimmt? Du weißt, wie es mit einigen Menschen ist, ein Wort und ein Schlag; aber es ist nicht so mit Gott gewesen. Da sind viele Liebesworte und viel freundliche Taten gewesen. Er hat lange gewartet und wartet jetzt und streckt seine Hände aus den ganzen Tag zu einem Volk, das sich nicht sagen läßt und widerspricht. Welche Macht ist dies, die ihre eigene Macht zurückhält, die Macht Gottes über seine Allmacht, so daß Er seinen Zorn nicht sogleich entflammen und die Gottlosen verzehren läßt und das Schwert der Gerechtigkeit nicht den Empörer in der Mitte seiner Sünden treffen? Ehre sei Deiner Freundlichkeit und Deiner Langmut, o Gott, denn darin sehen wir Deine gewaltige, sich selbst beschränkende Macht.

Aber dann sahen und erkannten wir zunächst die Macht Gottes, als der Herr uns durch seine mächtige Gnade unterwarf. Welche Allmacht tut sich in der Überwindung eines jeden aufrührerischen Sünders kund! Von Natur stellt sich der Sünder sehr trotzig Gott gegenüber und will seiner Stimme nicht gehorchen. Oft hat er sich mit einem Bollwerk von Vorurteilen umgeben; und ihr und ich, die ihn zu bekehren suchen, sind ganz unfähig, ihn zu erreichen. Vorurteil ist ein Erdwall, in den man mit den schwersten Kanonen feuern kann, aber ohne Erfolg, denn die Kugeln werden in der Erde begraben und kein Resultat entspringt daraus. Wenn Menschen nicht sehen wollen, so kann kein Licht ihnen helfen, denn sie schließen eigenwillig ihre Augen. Wenn sie nicht hören wollen, so vermögen die Töne des Evangeliums nichts, denn sie haben absichtlich ihre Ohren verschlossen. Es ist ein Wunder der Wunder, wenn Gott zuletzt das Vorurteil besiegt und der Mensch sich da findet, wo er geschworen hatte, nimmer zu sein, erweicht und reuig zu Jesu Füßen. Wenn ein Prophet ihm gesagt, es würde je so kommen, so hätte er gesagt: „Du bist wahnsinnig, dies kann nicht sein: ich verabscheue sogar den Namen davon.“ Du hast einen gewaltigen Arm, o Gott, wenn der vorurteilsvolle Saul von Tarsus Dir zu Füßen fällt und aufsteht, Dein Apostel zu werden.

Die Menschen sind oft mit einer Granitmauer von Hartnäckigkeit umgeben: sie wollen der Macht der göttlichen Liebe nicht nachgeben. Predigt wie ihr wollt, sie sind nicht zu bewegen, sondern bleiben wie eine uneinnehmbare Festung, die von ihrem unzugänglichen Felsen herabblickt und allen Angriffen trotzt. Ihr könnt keinen Weg finden, ihnen nahe zu kommen. Ihr wäret fast willig zu sterben, wenn ihr ihre Herzen für Christus gewinnen könntet, aber sie können weder durch Drohungen, noch durch sanftes Werben erreicht werden. Sie sind gleich dem Leviathan, dessen Stolz seine Schuppen sind, verschlossen wie mit einem festen Siegel. „Kannst du den Leviathan ziehen mit dem Haken und seine Zunge mit einem Strick fassen?“ Es scheinen keine Fugen an ihrem Panzer zu sein, durch die der Pfeil des Wortes dringen könnte; aber Du hast einen gewaltigen Arm, o Gott, und Deine Feinde fühlen Deine Pfeile; die, die sich sehr trotzig wider Dich erhoben, haben sich dennoch Dir zu Füßen geworfen und sind Deine Knechte geworden. Ehre sei Gott, das „Eisen und Erz von Mitternacht“ wird Wachs auf sein Geheiß.

Wir haben auch einige gesehen, bei denen sündige Gewohnheiten tief eingewurzelt waren und die sich doch von ihren alten Sünden trennten. Wunder der Wunder, der Mohr hat seine Haut gewandelt und der Pardel seine Flecken; denn der, der gewohnt war, Übel zu tun, hat gelernt, Gutes zu tun. Seht, ein Wunder mächtiger Gnade! Der Sünder ist alt in der Sünde geworden; wie eine alte Eiche ist er mit tausend Wurzeln in der Erde festgewurzelt. Sie zu verpflanzen, scheint unmöglich; es würde viel leichter sein, sie umzuhauen. Doch, die gewaltige Hand der Gnade hat diesen alten Baum ergriffen und ihn hin und her geschüttelt durch die Erkenntnis der Sünde und zuletzt hat sie ihn durch Bekehrung mit seinen Wurzeln aus seinem Platz gezogen, so daß der Ort, der einst ihn kannte, ihn nicht mehr kennt. Der Fels und der Boden, in dem er vielleicht ein halbes Jahrhundert lang stand, wichen vor der emporziehenden, entwurzelnden Kraft, und der Mensch, von einem früheren Leben getrennt, ist ein Beweis von dem geworden, was der Herr tun kann. Der Herr weiß die Berge zu spalten und das Meer zu teilen, und deshalb kann Er die Menschen von ihren Lieblingslüsten trennen und sie lehren, lieber den rechten Arm abzuhauen und das rechte Auge auszureißen, als in der Sünde zu verderben. Wahrlich, Herr, Du hast einen gewaltigen Arm..

Satan lehrt die Menschen, sich gegen die Gnade durch die Bollwerke des Stolzes zu verteidigen. Sie sprechen: „Wer ist der Herr, dessen Stimme wir hören müssen?“ Sie pochen hoch auf ihre Gewalt und reden halsstarrig. Sie sind selbstgerecht, sie sind sicher, daß sie nichts Böses getan haben; das Evangelium ist machtlos an ihnen, weil sie so hochmütig in ihren Blicken und unverschämt in ihren Gedanken sind. Aber Du hast einen gewaltigen Arm, o Herr, Du wirfst stolze Sünder schwer nieder; Du machst sie hungrig und durstig, und dann schreien sie nach Dir in ihrer Not. Du hast einen gewaltigen Arm unter den Stolzen und beugst sie, daß sie niederfallen und niemand ist da, ihnen zu helfen. „Er stößt die Gewaltigen von ihrem Sitz.“ Nebukadnezar, nachdem er sagte: „Das ist die große Babel, die ich erbaut habe,“ lernte bekennen, daß der Herr die Stolzen erniedrigen kann.

Ebenso mächtig ist der Herr, die Verzweiflung zu überwinden, denn dies ist eine andere der Festungen, in der Sünder sich gegen die göttliche Gnade verschanzen. „Es ist keine Hoffnung da,“ sagen sie, „deshalb wollen wir uns unsren Sünden hingeben,“ und es ist beinahe vergeblich, zu versuchen, diejenigen zu bekehren, die eigenwillig verzweifeln. Sie nehmen die Tröstungen der Bibel übel auf und verwerfen die Verheißungen Gottes; und doch kann der Herr die eisernen Riegel brechen und die ehernen Tore in Stücke schmettern, und die Gefangenen aus dem Kerker der Verzweiflung bringen und sie auf einen Felsen stellen und ein neues Lied in ihren Mund geben und sie seinen Namen auf ewig preisen lassen. Aus dem eisernen Käfig kann der Heilige Geist, der Tröster, die Gefangenen befreien.

Ehre sei seinem Namen, wenn Gott beschließt, den Sünder zu retten, so wird Er seinen Willen haben, ohne dem Willen des Menschen Gewalt anzutun. In lieblicher, sanfter, milder Weise, bei der die Macht in der Sanftmut und die Kraft in der Milde liegt, kann der Herr die Hartnäckigsten überwinden. Er macht, daß der Löwe bei dem Lamm sich niederlegt, so daß ein kleines Kind ihn leiten kann. So wird die Macht Gottes in der Überwindung der Sünder gesehen.

Diese Gewalt wird ebenso sehr in ihrer Verwandlung gesehen; denn ist es nicht ein Wunder, daß Gott alte und verdorbene Empörer zu neuen Kreaturen in Christus Jesus macht? Jede Bekehrung ist ein Beweis der Allmacht. Die Erschaffung der Welt war nur ein halbes Wunder, verglichen mit dem Erschaffen eines neuen Geistes; denn es war nichts da, das hinderte, als Gott sprach und die Welt begann; aber wenn Gott zu den gottlosen Menschen spricht, so ist eine Kraft des Widerstandes da, die das Werk hindert und sogar dem großen Werkmeister trotzt. Es ist Finsternis und Tod da, eine Kraft des Bösen und Unfähigkeit zum Guten, die überwunden werden muß, doch macht der Herr alles neu und läßt die neue Schöpfung in dem Herzen der Seinen entstehen. Wahrlich, Er hat einen gewaltigen Arm. Ehre sei dem Herrn, der große Wunder tut mit hoher Hand und ausgestrecktem Arm!

Die Bekehrung wird auch eine Auferstehung genannt. Es wird ein großes Werk der Allmacht sein, wenn Leichname beim Ton der letzten Posaune lebendig werden, aber es ist ein gleiches Wunder, wenn die verdorrten Gebeine toter Sünder zum Leben kommen, wenn die, deren „Gebeine zerstreut sind bis zur Hölle,“ die ohne Hoffnung, ohne Gnade, ohne Christus sind, dennoch zum Leben erweckt werden beim Ton des Wortes Gottes durch die Macht seines Geistes. O, ihr, die ihr neu geschaffen seid und zu einem neuen Wandel erweckt, betet heute seine Macht an! Wer anders, als Gott, konnte euch zu dem machen, was ihr seid? Bedenkt, was ihr wart und denkt nach über den herrlichen Zustand, in den der Herr euch durch das Blut am Kreuz gebracht hat. Denkt, was für Empörer ihr wart und wie geneigt zum Bösen eure Natur war; und nun, „durch Gnade überwunden, seid ihr mit Christus eng verbunden,“ ihr strebt nach Heiligkeit und sucht sie in der Furcht Gottes vollkommen zu machen. Was für eine Umwälzung ist dies! Was für eine Umwandlung der Dinge! Die Wildnis in Wasserquellen zu wandeln und die Wüste in einen fließenden Strom ist nichts, verglichen mit der Wandlung des toten, kalten, trockenen Menschenherzens in eine mächtige Quelle der Liebe, die ins ewige Leben fließt, Ehre sei Deiner Macht, Du unendlich gewaltiger Jahwe, Du hast einen gewaltigen Arm.

Dieselbe Macht, liebe Freunde, wird in den verschiedenen Befreiungen gesehen, die der Herr den Seinen am Anfang zuteil werden läßt, wenn ihre Feinde so grimmig auf sie eindringen. Seht, meine Brüder, wie stark war die Hand Gottes, die uns aus der Knechtschaft unserer ersten Zweifel und Befürchtungen befreite, als das Gewissen anklagte und das Gesetz verdammte, als wir nur auf das Todesurteil und dessen Vollstreckung zu warten glaubten. Seht, der Herr hat unsere Verzweiflung gehoben, Er hat uns von Furcht befreit und uns die Freiheit gebracht, mit der Christus die Menschen frei macht. Wir waren Sklaven der Sünde, und o, wie sandte die Sünde zuerst alle ihre Heere gegen uns, um womöglich, unsere frühesten Hoffnungen abzuschneiden. Aber mächtig war jener Christus Gottes, der alle unsere Sünden in die Flucht schlug und sie in dem roten Meer seines Blutes ertränkte. „Da zerbrach Er die Pfeile des Bogens, den Schild, das Schwert und die Streitaxt.“

Dann kam Satan heran mit den schrecklichsten Versuchungen und brüllte wider uns wie ein Löwe, denn er will nicht gern seine Untertanen verlieren. Er suchte, um uns alle seine Netze zu werfen, damit er uns gefangen hielte und uns hinderte, Zuflucht bei Gott zu suchen. Aber seht, der Raub ist von dem Gewaltigen genommen und der rechtmäßig Gefangene befreit, und wir sind heute von der Macht der Sünde und des Satans befreit. Selbst das Gesetz hat nun keine Macht, uns zu verdammen, denn Christus hat ihm Genüge getan, und wir sind frei. Mächtig ist Dein Arm, o Gott! Deine Rechte und Dein heiliger Arm haben den Sieg davongetragen.

Und seit der Zeit, Geliebte, wieviel von der Macht Gottes ist da geschehen in der beständigen Aufrechterhaltung der Heiligen, in der Bewahrung bis ans Ende, die ihnen bestimmt ist. Ihr seid durch viele Leiden gegangen, einige von euch durch sehr schwere, schmerzliche Leiden, aber sie haben euch nicht überwunden und zu Boden geworfen. „Der Gerechte muß viel leiden, aber der Herr hilft ihm aus dem allen.“ Grimmig waren die Feinde, die sich manchmal wider uns versammelten, und wenn der Herr nicht auf unserer Seite gewesen wäre, so hätten sie uns bald verschlungen, aber Du, o Herr, hast einen gewaltigen Arm und in Deinem Namen haben wir Zuflucht gefunden. „Sie umgaben uns wie Bienen, sie dampften wie ein Feuer in Dornen, aber im Namen des Herrn haben wir sie zerhauen.“ Aus welchen Sünden und Versuchungen sind wir siegreich hervorgegangen! Bei einigen von euch ist der Pfad durch die Wüste gewesen und fortwährende Kriegführung daneben. Schlingen und Fallen waren dicht gelegt den ganzen Pfad entlang; Trübsal und Entmutigungen sind wie ein Hagelschauer beständig niedergefallen, und doch seid ihr nicht besiegt. Er bewahrt die Füße seiner Heiligen. Das Leben jedes Christen ist eine Welt voll Wunder, aber die Erfahrung einiger Gläubigen besteht aus einer Reihenfolge großer Wundertaten. „O, meine Seele, du hast auf die Starken getreten.“ Wie ist unsere Seele entkommen, wie ein Vogel der Schlinge des Vogelstellers. „Die mächtigen Gegner sind von Ihm besiegt, der mächtiger als sie alle ist.“ Die göttliche Kraft ist in unserer Schwachheit offenbar geworden.

Mein Bruder, ist es nicht ein Wunder, daß du, der du solch armer Wurm bist, doch nie zertreten bist? Ist es nicht ein Wunder, daß, obwohl dein Glaube wie ein zerstoßenes Rohr war, er nie zerbrochen ist, und deine Frömmigkeit, die wie ein glimmender Docht war, doch nie ausgelöscht ist. Am Leben erhalten, wenn der Tod so nahe war, behütet, wenn die Feinde so grimmig waren, sollen wir nicht in der Tat sagen: „Du hast einen gewaltigen Arm, stark ist Deine rechte Hand!“.

Brüder, das Ende kommt, aber es wird alles gut auch dann sein; falls. der Herr nicht vorher kommt, so werden wir alle den letzten schrecklichen Feind zu besiegen haben, aber wir fürchten uns nicht, denn unsere Brüder, die vorangegangen sind, haben uns ein Beispiel hinterlassen, wie wir triumphierend sterben können. Wie herrlich haben sie in ihren letzten Stunden triumphiert! Wir haben an ihrer Seite gestanden, den Glanz ihres Auges gesehen, wenn alles umher Todesschatten war, und ihre Loblieder gehört, wenn alle, die sie sahen, beim Gedanken an ihren Abschied weinten. Ihre Wangen bleich? Weit entfernt! Sie sind so jubilierend in ihrer Todesstunde wie der Krieger, wenn er die Beute verteilt. Wie sich die Braut auf das Hochzeitsfest freut, so haben sie auf das Kommen ihres großen Herrn sich gefreut und auf ihre Seligkeit in seinen Armen. Wir sind bereit gewesen, mit ihnen auszurufen: „O Tod, wo ist dein Stachel! O Grab, wo ist dein Sieg!“ Wahrlich, Herr, wenn Deine armen, schwachen, leidenden Kinder triumphierend sterben, dann sehen wir, daß Du einen gewaltigen Arm hast. Wenn Fleisch und Herz ermatten, wenn Freunde nicht helfen können, wenn jeder Erdentrost verschwindet und dann das Herz stets noch sich freut und triumphiert - das heißt „den Arm des Herrn entblößt“ zu sehen und dies läßt uns seinen heiligen Namen preisen und erheben.

Ich wollte zu Gott, daß ich mehr Fähigkeit hätte, diesen majestätischen Gegenstand darzustellen; aber ich habe mein Bestes getan und bitte durch eure Betrachtungen in der Stille des Nachmittags mir beizustehen, damit ihr wirklich die Macht anbetet und preist, die so sichtbar in jedem Gefäß der Barmherzigkeit ist, wie sie an euch selber geoffenbart wird, wenn ihr wirklich Kinder Gottes seid. O, Heiliger Geist, laß uns die überschwengliche Größe seiner gewaltigen Kraft erkennen in uns, die wir glauben.

II. Zweitens, laßt uns den gewaltigen Arm Gottes sehen, wie er besonders in der Person Jesu Christi sich erweist.

Wollt ihr mir hierbei freundlich in dem Psalm selber folgen, denn da werdet ihr sehen, daß die Macht Gottes sich erweist in Jesus Christus, in seiner Wahl und seiner Erhöhung, um ein Fürst und Heiland zu sein. Seht Vers 20: „Ich habe einen Held erweckt, der helfen soll; ich habe erhöht einen Auserwählten aus dem Volk.'' Christus ist die fleischgewordene Macht der göttlichen Gnade; in Ihm wohnt die Macht Gottes, die Menschenkinder zu retten; und doch, in welcher Schwachheit weilte Er hier! Er war ein verachteter und verworfener Mann, schwach und niedrig, arm und ohne weltliche Ehre. Sein war die Schwachheit der Schande und des Leidens, der Armut und Unehre; aber die Kraft Gottes war auf Ihm und ist noch immer auf Ihm. Es ist ein Großes, zu wissen, daß Gott durch die Schwachheit des Menschen, indem Er sie in Verbindung mit seiner eigenen Natur aufnahm, Sünde, Satan, Hölle und Tod besiegt hat. Der Kampf in der Wüste war zwischen Satan und einem Menschen, der gleich uns versucht war; aber, o, wie herrlich warf dieser unvergleichliche Mensch den Versucher nieder und behielt die Oberhand. Die Todesangst im Garten Gethsemane war die eines Menschen; es war ein Mensch, obwohl er Gott war, der große Blutstropfen schwitzte und starkes Geschrei und Tränen opferte, und den Sieg gewann, durch den das Böse entthront war; und Er, der mit jenen Mächten des Bösen am Kreuz kämpfte und allein stand und die Weinkelter trat, bis keine Traube unzertreten blieb, war ein Mensch. Es ist seine Kraft, eben die Kraft des Mannes von Nazareth, die alle Mächte des Bösen auf immer gebrochen und geschlagen hat, so daß, obwohl sie sich noch empören, es doch nur ein kämpfendes Schnappen nach Leben ist. So gewiß Gott auf seinem Throne sitzt, soll der Fuß des Christus auf dem Kopf der Schlange sein, um ihn auf ewig zu zertreten; denn, so mächtig auch die Heere des Bösen waren, Gott hat einen Auserwählten aus dem Volk erhöht, der helfen soll und für immer alle Heere der Finsternis besiegen. Stark ist Deine rechte Hand, o Heiland, denn durch Deine Schwachheit, Dein Leiden und Deinen Tod hast Du alle Feinde Deines Volkes gestürzt.

Seine Macht wird ferner in der Salbung unseres Herrn gesehen. „Ich habe gefunden meinen Knecht David; ich habe ihn gesalbt mit meinem heiligen Öle.“ Ihr wißt, wie in seiner Predigt ein scharfes zweischneidiges Schwert aus seinem Mund ging, womit Er die Sünde schlug, weil der Geist Gottes auf Ihm war. Am Pfingsttag zeugte der Geist in dem ganzen Leibe Christi und ließ alle seine Diener das Wort des Evangeliums mit feurigen Zungen sprechen. Der Geist Gottes ist mit Christus noch immer auf der Erde in seiner Kirche, so daß, wenn die Rede seiner Prediger auch schwach ist, doch eine geheime Kraft sie begleitet und unwiderstehlich die Mächte des Bösen unterwirft. Freut euch heute, Geliebte, denn die Salbung ist noch in der Kirche Gottes und der gesalbte Erlöser muß überall siegreich sein. Gott sei Dank, der sein Wort überall durch die Macht des Geistes siegen läßt. Wir sollten deshalb Jesus Christus anbeten als den, der die Macht Gottes hat, weil der Heilige Geist immer mit Ihm und seinem Wort ist und Er deshalb mächtig ist, zu erretten.

Wir müssen ebenso sehr die Macht Gottes erhöhen wegen des Bestandes des Reiches Christi in der Welt. Wie der Psalmist spricht: „Meine Hand soll Ihn erhalten und mein Arm soll Ihn stärken. Die Feinde sollen Ihn nicht überwältigen, und die Ungerechten sollen Ihn nicht dämpfen, sondern ich will seine Widersacher schlagen vor Ihm her und die Ihn hassen, will ich plagen.“ 1800 Jahre ist jede Anstrengung versucht worden, die Kirche Christi auszurotten. Der Teufel und alle seine Diener auf Erden haben sich verschworen, das wachsende Reich unsres Herrn zu zerstören; aber es ist ihnen nicht gelungen. Denkt darüber nach, meine Brüder, was die Macht Gottes sein muß, die die Kirche unter diesen heftigen Verfolgungen am Leben erhalten hat, sie aus den Klauen der Inquisition errettet, vor dem Gift der Ketzerei bewahrt und vor der Pest des Unglaubens und sie in den Stand gesetzt, den noch schlimmeren Drachen des Papsttums zu überleben, der drohte, die Kirche ganz fortzuschwemmen mit den Fluten, die er aus seinem Mund ergoß. Doch lebt der erwählte Same fort und wird vermehrt im Lande, so wie es im 37. Verse unsres Psalms verheißen ist: „Sein Same soll ewig sein und sein Stuhl vor mir wie die Sonne.“

Die Gründung und Erhaltung der Kirche ist ein außerordentlicher Beweis göttlicher Macht. Dasselbe sind alle Eroberungen Christi, von denen wir einige gesehen haben und mehr werden folgen. „Ich will seine Widersacher schlagen vor Ihm her und die Ihn hassen, will ich plagen,“ ist die göttliche Verheißung. „Ich will Ihn zum ersten Sohn machen, allerhöchst unter den Königen auf Erden. Ich will seine Hand ins Meer stellen und seine Rechte in die Wasser.“ Ehre sei Gott, Christus triumphiert noch immer. In der Predigt seiner Wahrheit zieht Er noch immer aus, „siegend und daß Er siegte.“ Das Evangelium hat seine alte Kraft noch nicht verloren, sondern, wo es im Glauben gepredigt wird, gewinnt es noch immer die Schlacht. Seht, was für Macht es hat, große Mengen anzuziehen und sie in atemloser Aufmerksamkeit zu erhalten: ein Mann hat nichts zu tun, als einfach und mit all seiner Kraft Christus zu predigen, und die Leute werden es hören. Wir brauchen keine Einkünfte vom Staat, wir suchen keine Beschlüsse des Parlaments, um uns zu helfen. Gebt uns freies Feld und keine Gunst, eine offene Bibel und eine ernste Zunge, und das Volk wird noch erregt werden und die Menge wird sich vor dem König des Volkes beugen. Jesus Christus ist noch immer der mächtigste Name, der von sterblicher Zunge ausgesprochen werden kann; seine alles unterwerfende Macht soll noch in den entferntesten Regionen der Erde gefühlt werden.

Geliebte, ich habe nicht Zeit, mehr zu tun, als zu sagen, daß die große Macht der Gnade Gottes in Christi mächtiger Fürbitte verkörpert ist. Seht den 27. Vers: „Er wird mich nennen also, Du bist mein Vater, mein Gott und Hort, der mir hilft.“ Dies macht Ihn mächtig, zu erretten: „Er kann selig machen immerdar, die durch Ihn zu Gott kommen und lebt immerdar und bittet für sie.“ Ich möchte gern eine Stunde haben, um bei der gnädigen Macht Gottes zu verweilen, wie sie in der Fürbitte Christi gesehen wird. Allmacht wohnt in jeder Bitte, die von jenen teuren Lippen fällt, wenn der ewige Sohn sein eigenes Verdienst bei dem ewigen Vater geltend macht.

Geliebte, die Macht Christi ist vielen von euch wohl bekannt. Rief sie euch nicht von den Toten? Hat sie euch nicht abgehalten, hinunter in den Pfuhl der Verdammnis zu gehen? Ist nicht solche Kraft in seinem Namen, daß sie euer Herz hüpfen macht'? Wenn wir von irgend etwas anderem sprechen, so hört ihr es an und sinkt in Schlummer; aber wenn ihr von Ihm hört, regt es nicht euer tiefstes Inneres auf? Seid ihr nicht oft, wenn ihr schwach und müde wart, mit Jauchzen auf eure Füße gesprungen bei dem bloßen Gedanken an Ihn? Hat nicht seine Gegenwart euer Krankenlager sanft gemacht, und was ihr für euer Sterbebett hieltet, gleich einem Thron, auf dem ihr saßet und herrschtet wie an himmlischen Plätzen?

„Schon Deines Namens Süßigkeit,
Gibt Freude, Trost und Seligkeit.“

Ihr wißt, es ist so. Die Macht des Namens Jesu, wer kann sie messen? und was wird eure Empfindung seiner Macht sein, wenn ihr jene Welt erreicht; wenn Er euch in seine Ruhe eingeführt hat, selbst euch, die ihr so unwürdig wart; wenn Er in euch alle Majestät seiner Güte offenbaren wird; wenn der Himmel euer sein wird, und all seine unbegrenzten Gefilde und goldenen Gassen - und wenn ihr beim Umherblicken dort alle eure christlichen Brüder finden werdet ohne Ausnahme, so viele den Herrn hier liebten, alle sicher in die Herde eingebracht? Was für ein Jubel wird durch den Himmel hallen, wenn die Heere des lebendigen Gottes sich versammeln und kein Krieger vermißt wird; wenn die Musterrolle gelesen wird und, „Herr Lahm“ wird da sein und ohne seine Krücken, und „Frau Furchtsam“ wird da sein und „Frau Verzagtheit“ wird da sein, jedes imstande, auf seinen oder ihren Namen zu antworten und zu sagen: „Hier bin ich.“ Satan hat kein einziges Lamm der ganzen Herde verschlungen, und keinen einzigen Mann des ganzen Heeres erschlagen. Die ganze Linie entlang ist Jesus siegreich gewesen!

Wenn ihr das ganze Heer versammelt sehen werdet und an die Kämpfe denken, die jeder von ihnen zu bestehen hatte, die viele Trübsal, durch die sie zu ihrer Krone hindurchgedrungen sind, so werdet ihr mit Entzücken ausrufen: „Du hast einen gewaltigen Arm, stark ist Deine Hand und hoch ist Deine rechte Hand. Ehre sei Jahwe Jesu, unsrem allmächtigen Heiland!“

III. Nun, dies bringt mich zum Schluß, und hier haben wir die Frage zu beantworten: Wie soll diese Macht tatsächlich anerkannt werden?

Wenn ihr tatsächlich ausführen wollt, was ich sage, so werden ein paar Worte genügen.

Zuerst, wenn die Macht Gottes so groß ist, ergebt euch ihr. Mensch, hoffst du, Gott zu widerstehen? Hast du einen Arm wie Gott, und kannst du donnern mit einer Stimme gleich seiner? Wirf diese Sachen nieder und höre auf, einen hoffnungslosen Krieg zu führen. Kapituliere sogleich, ergib dich auf Gnade und Ungnade. O, wenn hier einer ist, der Gottes Feind ist, so bitte ich ihn, die Kosten zu überschlagen, ehe er den Krieg fortsetzt, und so zu sehen, ob er imstande ist, Gott Trotz zu bieten. Soll Wachs mit Feuer kämpfen oder Hanf mit der Flamme streiten? Er würde ein Heer solcher wie du, o Mensch, vernichten, wie das Feuer die Stoppeln verbrennt, und ehe du Zeit daran zu denken hast, wirst du ganz ins Verderben gestürzt sein. „Küßt den Sohn, daß. Er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Wege, denn sein Zorn wird bald anbrennen.“

Die nächste praktische Anwendung ist dies - ist Gott so stark? Dann vertraut auf Ihn, daß Er euch erretten wird. Sagt niemals wieder, daß Er euch nicht dem Verderben entreißen kann: zweifelt niemals an seiner Macht, selig zu machen, selbst in der äußersten Not. Ich habe euch gesagt, daß Er seine gnädige Macht in die Person Jesu Christi gelegt hat, darum schaut auf Jesus Christus und seid errettet. Alle Macht ist bei Ihm, Er kann alle Sünde vergeben und Er kann auch alle sündigen Neigungen besiegen, das verdorbenste Herz umwandeln und jede Gnade in die Seele einpflanzen. „Traut auf den Herrn ewiglich, denn Gott der Herr ist ein Fels ewiglich.“ Weiter, wenn Er so stark ist, dann vertraut in allen Dingen auf Ihn. O, ihr, die ihr sein Volk seid, wagt es nie, Ihm zu mißtrauen. Ist sein Arm verkürzt? Kann der Herr euch nicht befreien? Bringt eure Bürden, eure Nöten, eure Mängel, euren Kummer, gießt sie alle wie ein Wasser vor Ihm aus; laßt es vor den Fuß des Allmächtigen hinfließen und sie werden vergehen und ihr werdet singen: „Bei Gott ist mein Heil, meine Ehre, der Fels meiner Stärke, meine Zuversicht ist auf Gott.“

Ist Gott so stark, dann werft alle Menschenfurcht ab. Wer bist du, daß du einen Menschen fürchtest, der sterben wird? Der Mensch ist nur Gras, in einer Stunde verwelkt, warum solltest du bei seinem Stirnrunzeln zittern? Er wird zertreten, noch ehe die Motte es wird; warum denn ihn fürchten? Laßt das Antlitz stolzer Menschen euch nicht verwirren. Traut auf Gott und fürchtet nichts, denn der mächtige Gott Jakobs ist mit uns, und der, der mit uns ist, ist größer, als alle, die gegen uns sein können.

Und nun zu deinem Dienst, zu dem du von dem Herrn berufen bist. Wenn Er so stark ist, denke nicht mehr an deine eigne Schwachheit, ausgenommen, wenn du sie als Schauplatz für seine Kraft betrachtest. Hast du nur ein Talent? Gottes Heiliger Geist ist in seiner Macht nicht beschränkt. Er kann dein eines Talent ebenso fruchtbar machen, wie die zehn eines anderen. Bist du so schwach wie Wasser? Dann freue dich jetzt und rühme dich deiner Schwachheit, weil die Kraft Gottes auf dir ruhen wird. Denke nicht daran, was du tun kannst, - das ist von wenig Bedeutung, sondern erwäge, was Er durch dich tun kann. Er kann den Schwachen gegen den Mächtigen stärken. Siehe, heute spricht Er zu dir: „Siehe, ich habe dich zum scharfen neuen Dreschwagen gemacht, der Zacken hat, daß du sollst Berge zerdreschen und zermalmen, und die Hügel wie Spreu machen. Du sollst sie zerstreuen, daß sie der Wind wegführe, und der Wirbel verwehe.“

Zuletzt, mit bezug auf die ganze Zukunft, die vor dir liegt, - ist Gott so stark? Dann befiehl sie in seine Hände. Du hast einer großen Schwierigkeit morgen entgegenzutreten, du erwartest eine noch größere am Ende der Woche. Nun, sei nicht bange, denn der Herr lebt, dich zu befreien. Was! Fürchtest du dich? Ist dein Ratgeber umgekommen? Hat dein Helfer dich in Stich gelassen? Wie kannst du in den tiefen Wassern sinken, wenn unter dir ewigen Arme sind? Der mächtige Gott ist deine Zuflucht, wie kannst du in Gefahr sein? Warum blickst du überhaupt in die Zukunft? Es ist genug, daß jeder Tag seine Plage habe. Gott ist der Gott des morgigen Tages wie er der Gott des heutigen ist. Höre auf mit Sorgen, denn es schwächt dich und kann dir nicht helfen; es entehrt deinen Gott, deinen Heiland und ist deshalb böse. In Geduld und Stille erwarte die Erfüllung seiner Verheißung: ruhe in Ihm und sei in Frieden. Stehe still und siehe das Heil Gottes. O Herr, verherrliche Dich heute morgen, in beiden, Heiligen und Sündern, indem Du die Größe Deiner Macht offenbarst, denn Du hast einen gewaltigen Arm, stark ist Deine Hand und hoch ist Deine Rechte! Amen.

Preis der Allmacht Gottes.

Du, der im höchsten Himmel thront.
Schufst durch Dein mächtig „Werde“
Das Sternenheer, den sanften Mond.
Den Himmel und die Erde,
Die Sonne, die aus ihrem Zelt
Noch täglich gehet, Deiner Welt
Mit Segensglut zu leuchten.

Wie groß, o Gott, ist Deine Macht!
Du sprichst, und Berge zittern!
Du ruft dem Morgen und der Nacht;
Du willst: Die Wolken wittern!
Der Morgen- und der Mittagswind,
Der Regen und die Dürre sind
Uns Zeugen Deiner Größe.

Die Erd' ist Deiner Güte voll!
Nach treuer Väter Weise
Tust Du mildtätig allen wohl,
Gibst allem Fleisch die Speise.
Auch mir, o Vater, trieft Dein Fuß
Von Segen und von Überfluß,
Von Glück und von Gedeihen.

Wie groß ist Deine Freundlichkeit,
Nach der Du mein gedenkest!
Wie groß ist Deine Gütigkeit,
Daß Du so viel mir schenkest!
Durch Dich werd' ich erfreut und satt;
Drum soll, so lang' er Odem hat,
Mein Mund Dir, Gott, lobsingen!

Kommt, Menschen, kommt,
und schmeckt und seht
Des großen Gottes Werke!
Erhebet seine Majestät!
Singt: Preis und Kraft und Stärke
Sei Dir, Du Gott in Ewigkeit,
Der uns erhält, erquickt, erfreut!
Gelobet sei Dein Name! 

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