Spurgeon, Charles Haddon - Das große Haus und die Gefäße darin.

Gehalten am 8. April 1877.

„In einem großen Hause aber sind nicht allein goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene; und etliche zu Ehren, etliche zu Unehren. So nun jemand sich reiniget von solchen Leuten, der wird ein geheiligtes Fass sein, zu den Ehren, dem Hausherrn bräuchlich, und zu allem guten Werk bereitet.“ 2. Timotheus 2,20.21.

Eine der schwersten Trübsale, die über eine Kirche kommen können, ist es, wenn ihre eigenen Prediger Ketzerei lehren; doch ist dies nichts Neues, es ist von Anfang an geschehen. Paulus und Petrus, Jakobus und Johannes hatten in ihren Briefen von Verführern in den Kirchen zu reden, selbst in jenen ersten Tagen und seitdem sind stets recht in der Mitte des Hauses Gottes solche aufgestanden, welche den Glauben vieler verkehrt haben und sie von den Grundwahrheiten hinweg in Irrtümer ihrer eigenen Erfindung geleitet. Der Apostel vergleicht dies dem kalten Brand, der einst der gefährlichsten Leiden ist, die den Körper befallen können. Er ist im Innern des Körpers, frisst tiefer und tiefer ins Fleisch, eiternd und Fäulnis bringend, und wenn ihm nicht Einhalt getan wird, so setzt er sein Zerstörungswerk fort, bis das Leben durch „schwarze Ertötung“ ausgelöscht ist. Falsche Lehre und ein unchristlicher Geist in der Mitte der Kirche selbst muss als ein solcher kalter Brand angesehen werden, ein schweigender Wolf, der am Herzen nagt, der Geier des Prometheus, der die inwendigen Teile verzehrt, kein äußerer Feind ist halb so sehr zu fürchten. Doch hier ist unser Trost, wenn alle über die Übel der Gegenwart trauern, worunter dies eins der größten ist, dass die Wahrheit ewig dieselbe bleibet, „der feste Grund Gottes besteht“. Der kann nicht bewegt werden. Ob Zehntausend ihr widerstehen oder sie verkünden, die Wahrheit ist dieselbe in jedem Jota und Titel; wie die Sonne immerfort scheinet, ebensowohl wenn Wolken ihren Glanz verbergen, als wenn sie vom klaren Himmel eine Flut des Lichts ausströmt. Die Liebhaber weltlichen und eitlen Geschwätzes haben die ewigen Wahrheiten nicht von uns genommen und können sie uns nicht nehmen; der Herr lebt, obgleich sie gesagt haben: „Es ist kein Gott.“ Das teure Blut Jesu hat nichts von seiner Kraft verloren, obgleich Theologen die Versöhnungslehre verdunkelt haben; der Geist Gottes ist nicht weniger mächtig, lebendig zu machen und zu trösten, obwohl Menschen seine Persönlichkeit geleugnet haben; die Auferstehung ist so sicher, als wenn Hymenäus und Philetus niemals gesagt hätten, sie sei schon geschehen; und der ewige Gnadenbund bleibt auf ewig ungebrochen, obgleich Pharisäer und Sadduzäer sich vereinigen, ihn zu schwächen. Der feste Grund Gottes besteht und auch der feste Grund der Kirche besteht, denn, gelobt sei Gott, „der Herr kennet die Seinen“. Alles, was Gott auf den Grund gebaut hat, den er selbst gelegt hat, bleibt an seinem Platze, kein einziger lebendiger Stein, den er je auf den Grund gelegt hat, ist von seinem Ruheplatz weggenommen. Erdbeben des Irrtums mögen die Festigkeit des Gebäudes auf die Probe stellen und viel Herzensforschung veranlassen, aber eher sollen die Berge, welche um Jerusalem herum sind, von ihren Sitzen fallen als dass das Werk und Wort des Herrn vereitelt werden sollte. Die Dinge, welche nicht erschüttert werden können, bleiben unverändert in den schlimmsten Zeiten.

„Im Grunde“, sagt der Apostel, dem Wesen nach, obgleich in wenigen Worten, „ist es ein so sehr großes Wunder, dass es Leute in der Kirche gibt, die nicht aus dem echten Metall der Aufrichtigkeit sind, oder aus dem Gold und Silber der Wahrheit, die das Feuer aushält. Ihr müsst nicht auf Hymenäus und Philetus blicken, als wenn sie Wunder wären, sie haben vieles ihresgleichen und es werden noch viel mehr sein; dieses Unkraut wächst schnell in allen Zeitaltern vermehrt und vervielfältigt es sich.“ Wo, liebe Brüder, werden wir unter dem Himmel völlige Reinheit in irgend einer Gemeinschaft finden? Die allererste Familie hatte einen Kain in sich, und es war ein gottloser Ham selbst unter den wenigen Erwählten in der Arche. Im Haushalt des Vaters der Gläubigen war ein Israel; Isaak, mit all seinem stillen Wandel vor Gott, musste von einem Esau geplagt werden, und ihr wisst, wie im Haus des Jakob viele Söhne waren, die nicht so wandelten wie sie sollten. Als die Gemeinde Gottes in der Wüste war und eine Scheidewand der Wildnis zwischen ihr und der Außenwelt war, da wisst ihr, wie doch Korah, Dathan und Abiram da waren nebst manchen andern, die den Frieden störten; ja selbst in dem erwähltesten Teil der sichtbaren Kirche, in der Priesterschaft, wurden solche gefunden, die ihr Unehre machten. Nadab und Abihu wurden vom Feuer des Herrn verzehrt, und Hophet und Phineas fielen in der Schlacht, weil sie sich schändlich betragen, obgleich sie Gottes gesalbte Priester waren. Sogar, als unser göttlicher Meister sich gebildet

„Ein Gärtlein, ringsum eingehegt,
Erwählt und sorgsamlich gepflegt,“

in dem nur zwölf auserlesene Bäume waren, trug doch einer von ihnen böse Frucht. „Ich habe euch Zwölfe erwählt und einer von euch ist der Teufel.“ In dem großen Feld, das Christus besät hat, schiesst das Unkraut unter dem Weizen auf, denn der Feind gibt sich Mühe, es zu säen, und es ist auch nicht möglich für uns, es auszuraufen. In des Königs Garten wächst Unkraut, Dornen und Disteln wird auch der geweihte Boden uns liefern. Selbst Christi Lilien wachsen unter Dornen. Ihr könnt die besten Kirchen nicht ganz rein halten, denn obgleich der Herr selber einen Weinberg zubereitet, eine Kelter gemacht und eine Mauer darum gebaut, doch kommen die Füchse und verderben die Weinstöcke; und obgleich unser großer Herr einen Obstgarten hat, der Ihm seltene Frucht liefert, so findet er doch, wenn Er kommt, ihn zu besuchen, einen unfruchtbaren Feigenbaum, bedüngt und umgraben zwar, aber dennoch unfruchtbar. Schaut auf die Herde Christi auf Erden, und sehet, es sind Wölfe in Schafskleidern da; blickt auf das Netz, welches seine Diener ans Ufer ziehen, es sind beides, gute und böse Fische darin. Ihr hebt eure Augen selbst zum Himmel auf, und obgleich da Myriaden Sterne sind, werdet ihr doch Irrsterne unter ihnen erblicken und Meteore, die sind und nicht sind, und in der Schwärze der Finsternis für immer erlöschen. Bis wir zu dem Himmel des Allerhöchsten kommen, müssen wir erwarten, Spreu unter den Weizen gemischt zu finden, Schlacken unter dem Gold, Böcke unter den Schafen und tote Fliegen in der Salbe; lasst uns nur zusehen, dass wir nicht dieser schlechten Art sind, sondern köstlich vor den Augen des Herrn. Wenn wir nun zu unserem Text kommen, so gibt der Apostel uns die Ermutigung, welches ich schon erwähnt, unter einem gewissen Bilde. Er sagt, dass in einem großen Hause natürlich sehr verschiedene Hausgerät sein wird, und Gefäße und Werkzeuge vieler Art; einige werden von Holz sein und andere irdene, für geringere Zwecke; und andere von Gold und Silber für festliche Gelegenheiten, wenn die Ehre und Herrlichkeit des großen Eigentümers entfaltet werden soll. Es sind Gefäße von kostbarem Metall in einem großen Hause, und diese sind die Ehre desselben und schmücken die Tische an hohen Festen, wenn der Herr zu Hause ist; aber es sind andere da aus niederem Stoff, im Hintergrund gehalten, niemals bei freudigen Gelegenheiten gezeigt, sondern zum gemeinen Gebrauch bestimmt. Es sind da Becher und Kelche aus solidem Silber, die als alte Erbstücke der Familie geschätzt werden und sorgfältig aufbewahrt, und Teller und Töpfe, die schon abgenutzt werden und nur für den zeitweiligen Gebrauch sind, da manche Reihen von ihnen in einer Familie zerbrochen werden. Das Gleiche findet statt in der Kirche Gottes, welche, da sie in der Welt ist, ihre niedere Seite und ihre niederen Gefäße hat, aber da sie auch ein himmlisches Haus ist, ihr edleres Hausgerät hat, viel kostbarer als das Gold, welches verdirbt, obgleich es durch Feuer geläutert ist.

Möge der Heilige Geist zu unserer Unterweisung uns helfen, während wir zuerst das große Haus betrachten; zweitens die geringeren Gefäße, indem wir auf die Spülbank blicken; drittens, auf die edleren Gefäße, indem wir in die Silberkammer gehen und das Gold und Silber betrachten; und dann, viertens, ehe wir das Haus verlassen, wollen wir um eine Zusammenkunft mit dem Herrn desselben bitten.

I.

Zuerst lasst uns das große Haus betrachten. Der Apostel vergleicht die Kirche mit einem großen Hause. Wir sind gewiss, dass er nicht von der Welt redet; es kam ihm nicht in den Sinn, von der Welt zu sprechen, und es wäre ganz und gar überflüssig gewesen, uns zu erzählen, dass es in der Welt alle Art von Leuten gibt – jedermann weiß das. Die Kirche ist ein großes Haus, das immer großen Persönlichkeiten gehört, denn die Kirche ist das Haus Gottes, nach der Verheißung: „Ich will in ihnen wohnen und in ihnen wandeln.“ Die Kirche ist der Tempel, in welchem der Herr verehrt wird, der Palast, in welchem er regiert; sie ist sein Schloss und der Verteidigungsplatz für seine Wahrheit, die Rüstkammer, aus der er sein Volk mit Waffen versieht. Die Kirche ist Gottes Wohnstätte, in der Er weilt. „Dies ist meine Ruhe ewiglich, hier will ich wohnen, denn es gefällt mir wohl.“ Hier ist es, wo er hier in seiner Liebe ruht und in unendlicher Herablassung sich offenbart, wie er es nicht der Welt tut. König Salomo baute sich ein Haus im Walde des Libanon und siehe, der Herr hat sich aus lebendigen Steinen ein weit herrliches Haus erbaut, darin er weilt. Es ist ein großes Haus, weil es das Haus des großen Gottes ist. Wer kann so groß sein, als Er?

Es ist ein großes Haus, weil es nach einem großen Maßstab geplant und entworfen ist. Ich fürchte, einige, die in dem Haus leben, haben keine Idee davon, wie groß es ist. Sie haben einen sehr schwachen Begriff von seiner Länge und Breite. Die großen Gedanken sind weit über ihre höchsten Vorstellungen hinaus, so dass er zu ihm gesagt haben könnte wie zu andern: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und meine Wege sind nicht eure Wege, spricht der Herr. Der Palast des Königs ist „überaus herrlich“, und übertrifft weit alle Wohnungen irdischer Fürsten an Raum. Wir lesen von dem goldenen Palast des Nero, dass er von Hügel zu Hügel reichte, und Seen, Strom und Gärten unter seinem wundervollen Dache einschloss; aber siehe, der Herr hat die Linie seiner erwählenden Gnade über Völker und Stämme bis zu dem Ende der Erde gezogen; sein Haus nimmt einen mächtigen Teil der Menschheit ein. Viel sind der Zimmer in diesem Hause und es sind Bewohner eines Zimmers, die noch nie einen andern Teil des Hauses gesehen als die kleine Kammer, in der sie geboren wurden, niemals durch seine wunderbaren Korridore gegangen oder sich in den großen Sälen bewegt, die Gott in Zederpfeilen und Zederbalken und geschnitztem Holze von himmlischer Arbeitskunst aufgebaut. Einige gute Leute geben kaum etwas darum, die langen Reihen der polierten Säulen zu sehen, welche durch die Gnade aus der rohen Masse der Natur ausgehauen sind und nun glänzend scheinen, als Denkmäler göttlicher Liebe und Weisheit. Kolossal ist der Plan des Ewigen, die Kirche Gottes ist eines unendlichen Geistes würdig. Engel und Fürstentümer haben ihre Freude daran, den staunenswerten Ratschluss zu betrachten, und wohl mögen sie das; wenn der große Baumeister seine Zeichnungen Stück für Stück enthüllt, um sie den verschiedenen Abteilungen des vollständigen Planes sehen zu lassen, so sind sie hingerissen von Bewunderung und rufen aus: „O, welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes.“ Die Kirche ist keine enge Hütte, in welcher einige wenige in Bigotterie schwelgen können, sondern sie ist ein großes Herz, würdig des Herzens des unendlichen Jehova, würdig des Blutes Jesu, des menschgewordenen Gottes und würdig der Macht des hochgelobten Geistes.

Es ist ein großes Haus, weil es mit großen Kosten errichtet ist und mit großer Arbeit. Wer kann die Kosten dieses Gebäudes nennen? Es ist ein Preis über allen Preis, denn Gott hat Seinen eingeborenen Sohn gegeben – Er hat nur einen, und der Himmel ist ihm nicht zu vergleichen – dass Er sich ein Volk erlöste, das seine Wohnstätte auf ewig wäre. Salomos Tempel, nun man einen Teil seiner Grundlage ausgegraben, setzt alle, die ihn sehen, obgleich er ganz in Ruinen ist, in Staunen, wenn sie die ungeheure Größe und das genaue Aufeinanderpassen der Steine betrachten; was muss er in seiner Herrlichkeit gewesen sein? Welche Kosten wurden an dies herrliche Haus gewandt? Aber denkt an die Arbeit und Meisterschaft, die göttliche Kunst und Geschicklichkeit, mit der Jehova aus dem Felsen der sündigen Natur alle Steine ausgehauen hat, mit denen er sein geistliches Haus baut. Welche Tatkraft hat der Heilige Geist entfaltet? Welche Auferstehungsmacht! Härter als irgend ein Granit waren wir von Natur, doch hat Er uns abgetrennt von dem Felsen, von dem wir ein Teil waren, uns gestaltet und zu behauen und uns zusammengefügt zu einer Wohnung Gottes, durch den Geist. Sagt es zum Ruhm der Herrlichkeit seiner Gnade, dass des Herrn allmächtige Kraft und grenzenloser Reichtum an Liebe in seiner Kirche geoffenbart sind. Wenn unsere Augen die Kirche Gottes zuletzt in all ihrer Schönheit sehen werden, herniederfahren und dem Himmel von Gott mit der Herrlichkeit Gottes und ihr Licht gleich dem alleredelsten Stein, einem heiligen Jaspis; wenn wir sehen, wie die Länge und Breite und die Höhe der Stadt gleich sind; wenn wir ihre tiefen Gründe in den ewigen Ratschlüssen gelegt sehen und ihre Mauern auferbaut mit hohen Zinnen, hoch, wie die göttliche Person ihres Herrn; und wenn wir ihren wunderbaren Umfang sehen, weit genug, um den Ruhm und die Ehre der Völker aufzunehmen – dann werden wir jauchzen vor Freude, wenn wir die Reichtümer und die Macht und den Glanz des großen Königs der Könige sehen, der sich selber dies große Haus gebaut hat.

Es ist ein großes Haus wiederum auch, weil die Einrichtung des Haushalts in großem Maßstab gemacht ist. Ihr wisst, die Leute auf dem Lande, wenn irgend ein reicher, vornehmer Herr in ihrem Dorfe wohnt, sprechen immer von seinem Wohnsitz als „dem großen Hause“. Es ist das große Haus, für welches jene Ochsen gemästet werden, und jene Schafe und Lämmer sollen in dem großen Hause verzehrt werden, denn es sind viele in der Familie und niemand darf Mangel leiden. Salomo hielt Haus in großem Maßstab. Wenn ihr den Bericht über die täglichen Vorräte für seinen Tisch lest, seht ihr, dass es in der Tat ein großes Haus war, ein umfangreicher und wahrhaft königlicher Haushalt. Ja, aber weder in Qualität noch Quantität konnte Salomos Palast sich mit dem großen Hause Gottes in Fülle vergleichen. Sprecht von Seinem Mahl – siehe, Er hat uns Engelspeise gegeben; sprecht von königlichen Delikatessen – siehe, der Herr hat uns ein Mahl gemacht von Fett, von Mark, von Wein, darinnen keine Hefen sind. Was für ein beständiges Fest hält der Herr Jesus für alle seine Nachfolger. Wenn jemand von ihnen hungert, so ist das nicht, weil seine Ration knapp ist; wenn jemand klagt, so ist es nicht, weil des Herrn Ochsen und Mastvieh nicht reichlich vorhanden ist. Ach nein, an jeden wird ein Stück Fleisch und ein Rössel Wein ausgeteilt, wie David tat, als er die Bundeslade nach dem Berg Zion brachte. Ehre sei Gott, denn er hat gesprochen: „Esset, meine Lieben, und trinket, meine Freunde, und werdet trunken.“ Auf diesem Berge wird die Hand des Herrn ruhen und er wird allen Völkern ein fettes Mahl machen. Siehe, seine Ochsen und sein Mastvieh sind geschlachtet, es ist alles bereit. Es ist ein großes Haus, wo große Sünder mit großen Köstlichkeiten gespeist werden und mit der großen Güte des Herrn gefüllt.

Es ist ein großes Haus wegen der Zahl seiner Bewohner. Wie viele haben seit Jahrhunderten unter diesem Dache gewohnt. „Herr“, sagen sie alle wie ein großes Heer, „du bist unsere Zuversicht für und für.“ Gott ist die Heimat seines Volkes, und die Kirche ist die Heimat Gottes; und welche Mengen wohnen jetzt darin. Nicht nur die Gesellschaften, die wir kennen, und mit denen es unsre Freude ist, uns zu feierlichem Gottesdienst zu vereinigen, sondern in der ganzen Welt hat der Herr ein Volk; das in der Mitte seiner Kirche wohnt; und obgleich die Menschen ihres Herrn Haus entstellt haben, indem sie alle Zeichen über einige der Zimmer mit Kreide anschrieben und sie mit andern Namen als dem des Eigentümers nannten, so ist doch das ganze Volk eine Kirche, und zu welchem Teil oder welcher Partei sie zu gehören scheinen, wenn Christus in ihnen ist, so gehören sie Ihm, nach welchem die ganze Familie im Himmel und auf Erde benannt ist, und sie machen nur ein geistliches Haus aus. Was für ein Haufe von Gotteskindern ist da, und doch bleibt keiner der Familie ungespeist. Die Kirche ist ein großes Haus, worin Tausende wohnen, ja, eine Zahl, die niemand zählen kann.

Noch einmal, es ist ein großes Haus, wegen seiner Wichtigkeit. Die Leute sprechen von „dem großen Hause“ in unseren entfernten Provinzen, weil es zu der ganzen Nachbarschaft in besonderem Verhältnisse steht, da es mit einigen ihrer wichtigsten Interessen verknüpft ist; die Politik und Polizei, die Würden und der Reichtum der Provinz finden ihren Mittelpunkt in „dem großen Hause“. Die Kirche ist ein großes Haus, weil sie Gottes Gasthaus ist, wo für Wein und Brot verteilt, um den Müden zu erfrischen und Wanderer aufnimmt, die sich sonst im Sturm verirrt hätten. Sie ist Gottes Hospital, in welches er die Kranken hineinbringt und sie pflegt, bis sie wieder jung werden wie die Adler. Sie ist Gottes großer „Pharus“, dessen Laternen ihre Strahlen aussenden, so dass die Verirrten in weiter Ferne zum Friedenshafen gewiesen werden. „Aus Zion bricht der schöne Glanz Gottes.“ Sie ist der Sitz der Gerechtigkeit Gottes, denn da sind die Richterstühle gesetzt, die Stühle des Hauses David. Siehe, der Herr hat seinen König auf seinen heiligen Berg Zion gesetzt, und von da soll die Macht seines Zepters ausgehen bis an der Welt Enden. Das große Haus der Kirche ist die Universität für die Belehrung aller Volker, die Bibliothek, wo die heiligen Schriften aufbewahrt werden, die Schatzkammer, worin die Wahrheit niedergelegt ist, und das Register der neugeborenen Himmelserben. Sie ist wichtig für den Himmel sowohl wie für die Erde, denn die Spitzen ihrer Türme reichen bis in die Herrlichkeit, und es ist eine Leiter in ihr, deren Fuß auf der Erde ruht, aber ihre Spitze reicht in den Himmel und die Engel steigen beständig auf und ab. Sagte ich nicht mit Recht, dass der Apostel das Bild weislich gewählt, wenn er die Kirche ein großes Haus nennt?

II.

Wir wollen nun in das große Haus hineingehen, und wir bemerken sogleich, dass es gut ausgestattet ist. Unser Text indes fordert uns auf, zu beachten, dass es eine Anzahl geringerer Gefäße enthält, Artikel einer gröberen Art für den gewöhnlichen und gemeinen Gebrauch. Hier sind Teller und Eimer von Holz und Krüge und Töpfe und verschiedene Gefäße von grobem Ton. Einige haben gemeint, dass dieses Bild von den Gefäßen zu Unehren sich auf Christen eines niedern Grades bezögen, Leuten mit geringerem Maß von Gnade und weniger geheiligtem Wandel. Nun, obgleich Gläubige von einigen Gesichtspunkten aus irdenen Gefäßen vergleichbar sein mögen, so darf ich doch nicht auf irgendein Kind Gottes, wie niedrig es auch in der Gnade stehe, als auf ein Gefäß zu Unehren blicken. Außerdem geht das Wort „solchen“ auf die irdenen und hölzernen Gefäße, und gewiss, diese können nicht Heilige darstellen, sonst würde uns nie gesagt sein, dass wir uns von ihnen reinigen sollten. Wenn ein Mensch ein Kind Gottes ist, in welchem Zustande oder in welcher Lage er auch geraten mag, so ist es an uns, nach ihm zu sehen und zu versuchen, ihn wieder zurecht zu bringen und daran zu denken, dass auch wir versucht werden können; aber es kann nicht recht sein, uns selbst von den Geringsten unserer gläubigen Brüder zu reinigen. Außerdem ist das durchaus nicht der Gedankengang dieses Kapitels. Die eigentliche Meinung ist, dass es in der Kirche Gottes unwürdige Leute gibt, die untergeordneten und zeitweiligen Zwecken dienen, die Gefäße zu Unehren sind. Sie sind in der Kirche, aber sie sind gleich Gefäßen von Holz und Erde, sie sind nicht die Schätze des Hauses, sie werden nicht bei festlichen Gelegenheiten hervorgebracht und nicht hoch geachtet, denn sie sind nicht „köstlich vor den Augen des Herrn“. Der Apostel sagt uns nicht, wie sie dahin kamen, denn es war nicht seine Absicht, das zu tun, und kein Gleichnis oder Bild kann alles lehren; ebensowenig will ich dabei verweilen, wie einige Bekenner in die Kirche Gottes gekommen sind: Einige durch bestimmte Falschheit und durch das Ablegen eines Bekenntnisses, von dem sie wussten, dass es unwahr sei, andere durch Unwissenheit und andere durch Selbstbetrug, fortgerissen durch Aufregung. Das Gleichnis sagt nicht, wie sie dahin kamen, aber sie sind da und doch sind sie nur Gefäße von Holz und Erde. Es macht sie nicht wertvoller, dass sie sind, wo sie sich finden; denn sie sind nicht Gefäße zu Ehren, obgleich an einem ehrenvollen platz. Es ist keine Ehre für jemanden, ein Mitglied einer christlichen Kirche zu sein, wenn er selber innerlich wertlos ist; ob man gleich einen Prediger aus ihm macht oder ihn zum Diakonen wählt; so ist es keine Ehre für ihn, im Amte zu sein, wenn das Metall, woraus er gemacht ist, sich nicht für einen so ehrenvollen Zweck eignet. Er ist ein Eindringling in eine ehrenvolle Stelle und es ist ihm eine Unehre zu sein, wo er ist. Es ist keine Ehre für ein Unkraut, im besten Teil des Gartens zu wachsen, keine Ehre für einen unfruchtbaren Feigenbaum, den schönsten Boden im Weinberg einzunehmen. Ah, lieber Freund, wenn du in der Kirche Gottes bist, aber nicht wirklich einer aus dem Volke Gottes, so ist es ein unehrenhaftes Ding für dich, dass du hineingekommen bist, und es ist ebenso unehrenhaft für dich, da zu bleiben, ohne das große Erfordernis zu leisten, das von jedem gefordert wird, der den Namen Jesu nennet, nämlich, von der Ungerechtigkeit abzutreten.

Die Gefäße in dem großen Hause sind indes von einigem Nutzen, selbst wenn sie aus Holz und Erde sind; und ebenso gibt es Personen in der Kirche Gottes, die der Herr Jesus nicht als seine Schätze anerkennen wird, aber er braucht sie nichtsdestoweniger zu zeitlichen Zwecken. Einige sind nützlich wie das Gerüst für ein Haus, aber die Stützbalken für ein Schiff oder die Hecken für ein Feld. Ich glaube, dass einige unwürdige Glieder der Kirche nützlich sind wie Wachhunde, um andere wach zu halten, oder Lanzetten, um Blut abzulassen, oder Lasten, um die Stärke zu prüfen. Einige zänkische Glieder der Kirche helfen die anderen Gefäße scheuern, damit sie nicht rosten, weil sie friedlich sind. Die Kirche besteht aus Menschen, die noch in dem Leibe sind, und sie hat mit der Außenwelt zu verkehren und manchmal dienen die weltlichen Menschen, die in ihrem Dienst sind, einem Zweck in Verbindung mit ihren niedrigsten Bedürfnissen. Judas gab einen guten Schatzmeister ab, denn seine Ökonomie ersparte mehr, als er stahl. Joab war ein guter Krieger für David, obgleich keineswegs ein Heiliger. Falsche Bekenner machen das Evangelium nicht unwahr, und manchmal hat Gott es gesegnet, wenn sie es gesprochen haben. Ihr könnt, wenn ihr heute die Kennington Parkstraße hinunter geht, eine Reihe junger Bäume sehen, die an der Seite des Weges gepflanzt sind; wie werden sie aufrechterhalten, solange sie jung sind? Nun, kleine Stöcke toten Holzes halten sie; ebenso kann ein toter Sonntagsschullehrer einem wirklich christlichen Kinde nützlich sein, und ein toter Diakon mag die finanzielle Stütze einer lebendigen Kirche sein. Ja, und es gibt auch tote Prediger, welche nichtsdestoweniger dienen, einen Platz ausfüllen, aber was für Gefäße zu Unehren sind sie? Es ist ein furchtbares Ding indes für die, welche gleich den Stöcken sind, deren ich eben erwähnte, denn je schneller die jungen Bäume wachsen, desto eher werden die Stöcke hinweggenommen, da sie keinen Teil an dem Leben haben, das sie erhalten helfen. Ihr seht also, dass die schlechten Bekenner, die in die Kirche hineinkommen, zu einigem Teil an dem Leben haben, das sie erhalten helfen. Ihr seht also, dass die schlechten Bekenner, die in die Kirche hineinkommen, zu einigem Nutzen verwand werden von unserm großen Herrn; die Diener des großen Hauses können die hölzerne und irdische Ware eine Zeitlang für die groben täglichen Arbeiten benutzen, eben wie die bloßen Namenchristen in irgend welchem niedern Werk angestellt werden können.

Eins ist bemerkenswert, nämlich, dass die hölzernen und irdenen Gefäße nicht für des Herrn Gebrauch sind. Wenn er hohe Feste hält, so sind seine Kelche alle von kostbarem Metall. „Alle Trinkgefäße König Salomos waren von Gold.“ Wollt ihr, dass der König der Könige einen irdenen Topf auf seinen königlichen Tisch setzen soll? Sollten die Gäste an seinem Tische aus hölzernen Schüsseln essen? So sind die falschen Bekenner nur den Dienern nützlich, nicht dem Herrn; sie dienen niedrigen Zwecken und werden nicht gesehen an den großen Tagen, wo er seine Herrlichkeit zeigt. Der große Meister lenkt alles, da er Herr der Diener ist und insofern dient ihm das, was den Zwecken seiner Diener entspricht, aber persönlich ist zwischen dem König an seiner Tafel und dem hölzernen Gefäße keine Gemeinschaft: es würde eine Beleidigung sein, ihm Wein in einem anderen als einem reichen Becher von köstlichem Metall zu bringen, oder Butter, auf einem anderen als prächtigen Teller. Wie traurig ist es, dass viele Christen der Kirche auf verschiedene Weise nützlich sind, aber an persönlichem Dienst, dem Herrn Jesu Christo selbst erwiesen, haben sie keinerlei Anteil und können es niemals haben, bis die Gnade sie aus Holz in Silber verwandelt und Erde in Gold.

Bemerkt, dass bei diesen Gefäßen, von denen der Apostel spricht, das Material schlecht ist. Sie sind Holz, aber sie sind Erde, nichts mehr. So sind wir alle von Natur aus schlechtem Stoff und die Gnade muss uns zu silbernen oder goldenen Gefäßen machen, sonst kann der Meister selbst uns nicht brauchen ebensowenig kann unser Nutzen in der Kirche zu Ehren sein. Die hölzernen Gefäße in der Kirche sind leicht verdorben, man kann daran schnitzen und schneiden; wenn jemand Lust hat, Schaden zu tun, kann er sein Messer nehmen und große Kerben darin schneiden, sie verderben und ganz wertlos machen. Schlaue Lehrer können bald von bloßen Namenchristen hinwegnehmen, was sie zu glauben behaupten, denn sie sind rasch zerschnitzt und verdorben von denen, die sich auf solches Spiel verstehen. Und die irdenen Gefäße, wie schnell sind die zerbrochen! Bei jedem großen Hause liegen draußen irgendwo die Scherben zerbrochener Töpfe, die zu Boden fielen und in Stücke brachen; und es tut mir leid, zu sagen, wir können auch genug solche Überbleibsel finden, um uns alle traurig zu machen. es waren einige hier einst in diesem Hause, die gut von Ansehen waren, aber es kam eine Versuchung und fegte sie vom Tische herab und sie waren in einem Augenblick zertrümmert. Andere von edlem Metall haben viel stärkere Stöße und Proben bestanden, aber die, welche nur von Erde waren, brachen sogleich entzwei. Haufen von Scherben liegen außerhalb jedes großen Hauses und gewiss außerhalb des großen Hauses Christi.

Diese Gefäße zu Unehren, obgleich von einigem Nutzen, erfordern sehr viel Sorgfalt von Seiten der Diener. Als unsere Vorfahren von hölzernen Tellern zu essen pflegten, brauchten die guten Frauen entsetzlich viel Zeit, um sie zu scheuern und zu reinigen, so dass man nur überhaupt davon essen konnte, und es gibt Mitglieder der Kirche, die den Pastoren und Ältesten sehr viel Zeit kosten, um sie nur in anständigem Zustand zu erhalten; wir bemühen uns beständig, sie zu Recht zu ersetzen oder sie recht zu erhalten in den gewöhnlichen Verhältnissen des Lebens. Es sind Streitigkeiten in ihren Familien, die beigelegt werden müssen, sonst werden sie Skandale und diese erfordern die sorgfältige Überlegung ihrer Mitchristen, die über ihr Wohl zu wachen haben; oder sie werden lax in der Lehre oder töricht in ihren Gewohnheiten oder nachlässig im Geschäftsverkehr, und wir haben sie zahllose Male zu scheuern und zu reinigen. Gewisse Arten irdener Gefäße muss man sehr sorgsam anfassen. Wie Eierschalen-Porzellan darf man sie kaum anblicken. Gott sei Dank, ich habe nicht viele in dieser Kirche, vielleicht keine von dieser Art, soweit es mein Anfassen betrifft, aber anderer Leute Berührung, obgleich ebenso weise, ist nicht so willkommen. Gewisse irdene Gefäße werden sehr verletzt, wenn man sie nicht ungemein zart anfasst. Wenn ein Bruder nicht in sehr demütigender Weise den Hut vor ihnen abzieht und sehr ehrfurchtsvoll sich beträgt, so sind sie sogleich beleidigt. Sie fühlen sich vernachlässigt und geringgeschätzt, wenn nichts dergleichen beabsichtigt ist; sie steifen sich auf ihre Würde und erwarten die volle Anerkennung derselben. Sie sind wirkliche irdene Töpfe, leicht verletzt, vielleicht schon nicht ganz richtig mehr, und bedürfen viel Sorge und Mühe von Seiten der Diener des Herrn, damit sie nicht in Stücke gehen und alles verschütten, was in sie hineingetan ist.

Es gibt solche in allen großen Häusern und in des Herrn großem Hause, fürchte ich, nicht wenige. Sie sind nützlich bis zu einem gewissen Grade, aber sie bringen dem Hause keine Ehre, denn es sind ganz eben ja gute in andern Häusern, jede Hülle kann gemeine irdene Krüge enthalten. Sie sind Gefäße, an denen man keine Freude hat, sie sind nicht eigentümlich oder kostbar; niemand bereitet je des Herrn Ruhm aus, weil er so viele tausend hölzerne Schüsseln oder irdene Töpfe hat. Nein, des Königs Ehre kommt von dem Silbergerät, den goldenen und silbernen Gefäßen, dem besonderen Schatz der Könige. Die Leute sprechen von diesen reichen Gütern und sagen: „Ihr solltet diese Gesimse sehen, die mit massivem Gold und Silber beladen sind; diese Tische, die unter dem Glanz des königlichen Festes ächzen, wenn der Herrscher seine Schätze aufstellt.“ Wahre Christen sind der Ruhm Christi, aber falsche Bekenner sind im besten Fall zu Unehren. Besser das kleinste Silbergefäß als das größte irdene; besser der Geringste aller Heiligen als der Größte eitler Bekenner. So viel von den Gefäßen zu Unehren.

III.

Wir gehen nun in das Schatzhaus oder die Silberkammer und wollen an die edleren Gefäße denken.

Diese sind, zuallererst, aus solidem Metall. Gefäße von Silber und Gefäße von Gold. Sie sind nicht alle von gleichem Wert, aber sie sind alle kostbar. Hier ist Gewicht; hier ist etwas, das des Aufbewahrens würdig ist, etwas, das Jahrhunderte dauern wird und zu jeder Zeit das Feuer aushalten. Nun, in wirklichen Christen, denjenigen, welche wirklich den Herrn liebhaben, ist etwas Solides und Gewichtiges und wenn ihr sie anfasst, so wisst ihr den Unterschied zwischen ihnen und dem hölzernen Namenchristen. Sogar die, welche sie nicht mögen – sonderbarer Geschmack, der Silber und Gold nicht würdigt - sind dennoch gezwungen zu sagen: „Das ist ein echter Artikel, sehr viel wert, von solidem Gewicht.“ Nun, niemand von uns wird je ein Gefäß von Gold oder Silber sein, wenn der Herr uns nicht durch göttliche Gnade dazu macht. Irdene Gefäße sind natürliche Dinge, jeder Töpfer kann sie machen; hölzerne Gefäße sind gemein genug, der Böttcher macht leicht einen Eimer; aber ein Gefäß von Silber oder Gold ist etwas Seltenes; es kostet Graben und Suchen, Schmelzen und Bilden, Arbeit und Kunst. An jedes Gefäß zu Ehren hat Jesus selber seine Hand gelegt, es zu bilden und zu formen, und es „zur Herrlichkeit bereit“ zu machen. Hörtet ihr je, wie Gefäße golden werden? Höret dies und ihr werdet es wissen. Eine mir teure Hand hat es im Rhythmus gebracht:

O, wäre ich ein gold’ner Kelch,
Zum Nutzen meines Herrn,
Gefüllt und zitternd mit dem Freudentrank,
(Der Liebe seiner Freunde und Erkauften)
Der sein Herz voller Wolle macht. So sprach ein arm, gering und irden Ding,
Das wertlos weggeworfen war.
Der Meister hört’s und im Vorübergeh’n
Berührt ER es mit der durchbohrten Hand\\, Und siehe! die Armseligkeit verschwand,
Ein gold’ner Kelch stand herrlich da und schön,
Bis an den Rand gefüllt mit Lieb’ für IHN,
ER hob ihn an den gnadenreichen Mund und trank
„Den Wein, der Gottes Herz erfreut,“
Und nahm den Kelch zum Himmel.

Auf den Gefäßen zu Ehren könnt ihr das Wahrzeichen sehen. Was ist das Wahrzeichen, das die Reinheit der goldenen Gefäße des Herrn bezeichnet? Wohl, er hat nur einen Stempel für alles. Als er den Grund legte, was war das Siegel, was er darauf setzte? „Der Herr kennt die Seinen; und es trete ab von der Ungerechtigkeit, wer den Namen Christi nennt.“ Das war Gottes Siegel, der Stempel des großen Königs auf dem Grundstein. Finden wir ihn hier? Ja wohl. So nun jemand sich reinigt von solchen Leuten, der wird ein geheiligtes Fass sein.“ Ihr seht, der Mann, welcher das goldene oder silberne Gefäß ist, tritt ab von aller Ungerechtigkeit, und das ist das Zeichen seiner Echtheit. Der, welcher wirklich des Herrn ist, sucht rein zu werden nicht nur von der offenen Sünde der Welt, sondern von der gewöhnlichen Sünde der bloßen Namenschristen; er strebt danach, rein zu werden von dem, woran die hölzernen und irdenen Gefäße ihre Freude haben; er wünscht, rein zu sein von innen und außen, er verlangt Vollkommenheit, er arbeitet täglich, die Sünde zu überwinden und strebt, dem Herrn mit all seiner Kraft zu dienen. Er ist nicht zufrieden, ein gutes Ansehen zu haben, wie Holz und Erde haben mögen – er wünscht, solides, gewichtiges Metall zu sein, gereinigt und geläutert bis zum äußersten Grad und geeignet für die höchsten Zwecke. Nun, dieses Streben nach Reinheit ist das Wahrzeichen der goldenen und silbernen Gefäße des Königs.

Bemerkt ferner, sie sind gereinigt, denn der Herr will keine schmutzigen Gefäße brauchen, seien sie wer sie wollen. Er will nur diejenigen brauchen, welche rein sind und er will sein Volk gereinigt sehen, wie ich vorhin sagte, nicht nur von groben Sünden, sondern auch von Irrtum in der Lehre und von der Gemeinschaft mit denen, die verkehrten Sinnes sind. Wir sollen von Hymenäus und Philetus gereinigt werden und von den ungeistlichen, losen Geschwätz, wovon der Apostel in dem Vorhergehenden gesprochen. Ich fürchte, christliche Männer richten sehr viel Unheil an durch die Verbindung mit denen, die lehren, was geradezu falsch ist. Wenn wir dem Herrn dienen sollen in der Förderung seiner Wahrheit, so müssen wir selber wahr gegen die Wahrheit sein; aber wenn wir Hand in Hand mit andern gehen und einen Bund schließen, wenn die Säulen des Tempels von rohen Händen niedergerissen werden, dann mag es sein, dass wir uns fremder Sünden teilhaftig machen. Wir müssen reine Hände haben in dieser Sache.

Und dann bemerkt, dass diese goldenen und silbernen Gefäße abgesondert werden ebensowohl als gereinigt. Sie werden zum Gebrauche des Herrn bereitet. Niemand soll aus ihnen trinken als der König selber. Dies ist die Seligkeit eines Gotteskindes, wenn es dahin kommt, zu sein, was es sein sollte, dass es singen kann, wie wir eben sangen:

„Einer ist es, dem ich lebe,
Den ich liebe früh und spät,
Jesus ist es, dem ich gebe,
Was ER mir gegeben hat.“

Wie Josef einen Becher hatte, aus dem er alleine trank, so nimmt der Herr sein Volk als seinen besonderen Schatz, Gefäße für seinen eigenen Gebrauch. Brüder, ich rechne es für eine Ehre, dem geringsten Kinde Gottes nützlich zu sein, aber ich bekenne, dass die Ehre hauptsächlich in der Tatsache liegt, dass ich dadurch dem Meister selber diene. O, von Gott gebraucht zu werden! Das heißt, dem Zweck unseres Daseins entsprechen. Wenn du fühlen kannst, dass Gott dich gebraucht hat, dann kannst du in der Tat fröhlich sein. Es gibt einige Christen, die der Herr nicht viel gebrauchen kann, weil, zuallererst, sie nicht von Selbstsucht gereinigt sind, sie haben ihre eigene Ehre und Erhebung im Auge. Der Herr will nicht die Mitschuld haben an selbstsüchtigen Zwecken. Einige sind selbstvertrauend; es ist zu viel von dem „Ich“ an ihnen; und der Meister will sie nicht gebrauchen. Er will unsere Schwachheit haben, aber nicht unsere Stärke, und wenn wir ein großes Etwas sind, wird er an uns vorübergehen und irgend ein Nichts nehmen und es gebrauchen. Der Herr kann einige Leute nicht brauchen, weil sie zu geneigt sind, stolz zu werden; wenn er ihnen ein wenig Erfolg gäbe, würde es ihrem Christentum gefährlich werden; ihr armes Herz würde zu schwindeln beginnen und sie würden denken, der Herr könnte kaum ohne sie fertig werden; in der Tat, wenn sie ein wenig Ermutigung haben, so schwellen sie zu so wunderbaren Lauten auf, dass sie erwarten, jedermann solle niederfallen und sie anbeten. Gott will sie nicht brauchen und es wird auch nicht auf seinen Tisch Gefäße setzen, die in irgendeiner Weise verunreinigt sind. Es muss Reinheit da sein, ein Mann kann sich abarbeiten im Predigtamt oder in der Sonntagsschule, aber wenn er in geheimer Sünde lebt, kann es ihm nicht gelingen; es ist nicht möglich, dass Gott ihn ehren sollte. Es mag ein Maß scheinbaren Erfolges eine Zeitlang da sein, aber er selber wird dem Herrn nicht nützlich sein. Geringes Maß der Gnade und Zufriedenheit mit dieser geistlichen Armut setzt auch Menschen an die Seite. Wir müssen voll sein, wenn Gott uns auf die Durstigen ausgießen soll, wir müssen voll sein von seinem Lichte, wenn wir die Finsternis anderer erhellen sollen; wir können nicht der Welt offenbaren, was Gott uns nicht geoffenbart hat.

O, dass wir Heiligkeit und heilige Gemeinschaft mit Gott hätten; dann werden wir goldene Gefäße, geeignet für des Herrn Gebrauch sein, und so werden wir nach dem Text zu allem guten Werk bereitet sein, bereitet zu dem Werk, wenn es kommt, und bereitet bei dem Werk, wenn es gekommen ist, weil wir ganz Gott geweiht und seiner Hand unterworfen sind. In dieser Bereitschaft für alles, was kommt, sollen wir geehrt werden. Menschen mögen uns verachten, wie sie wollen, aber was tust du, wenn Gott uns ehret? Diese Höhe der Gnade mag uns bittere Erfahrungen kosten, aber muss nicht das Gold im Feuer geläutert werden? Wie Diebe nicht die Töpfe und hölzernen Gefäße, sondern das Gold und Silber zu stehlen wünschen, so können wir erwarten, größeren Versuchungen und Verfolgungen ausgesetzt zu werden als andere. Mehr Gnade schließt mehr Leiden ein, aber dann sollen wir die Freude haben, Gott mehr zu verherrlichen. O, dass wir Gefäße der Ehren wären! Geliebte Mitglieder dieser Kirche, strebt danach. Ihr habt eure Namen als Christen einschreiben lassen, ihr seid in dem Namen der göttlichen Dreieinigkeit getauft, ihr habt bisher einen dem entsprechenden sittlichen Charakter bewahrt, aber, o, seht darauf, dass dies innere Wesen das echte Metall, Gold und Silber ist. Achtet darauf, dass ihr abgesondert seid für des Herrn speziellen Gebrauch. Seid ihm geweiht, wie die Schalen vor dem Altar es waren. Lasst die Welt niemals aus euch trinken wie Belsazar aus den in Jerusalem genommenen Gefäßen trank. Gebe Gott, dass ihr nie verunreinigt werden möget, sondern durch seine Gnade rein und ihm geweiht bleibet.

IV.

Viertens, einen Augenblick müssen wir von dem Herrn reden. Er wird dargestellt hier so, dass er gewisse Gefäße hat, die für seinen Gebrauch bereit sind und dies zeigt, dass er in dem Hause ist. Es würde nicht nötig sein, Gefäße für seinen Gebrauch abzusondern, wenn er nicht da wäre, aber er ist in der Mitte seiner Kirche durch seinen innewohnenden Geist. Wie sollte dies uns wünschen lassen, gereinigt, geheiligt und bereitet für IHN zu werden. Euer Herr ist nicht weit weg. Seine Gegenwart in der Kirche ist verheißen: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Was für ein Volk sollten wir deshalb sein?

Zweitens, der Meister kennt das ganze Haus und kennt den Wert aller Gefäße. Man kann Ihn nicht mit dem hölzernen Teller betrügen, Er weiß, er ist nicht golden: und wenn der irdene Becher auch über und über vergoldet ist, so weiß Er, dass er nicht golden ist. Er liest das Herz von jedem hier Gegenwärtigen; Holz oder Erde, Silber oder Gold, der Herr versteht uns.

Und dann bedenkt, dass der Meister uns alle brauchen wird, soweit wir zum Gebrauch geeignet sind. Wir sind in Gottes Hause und wenn wir Holz sind, wird Er uns als Holz gebrauchen. Es gibt viele Prediger von Holz. Wenn wir Erde sind und irdisch gesinnt, mag Er uns als Erde brauchen, wie Er es mit Judas tat, der den Beutel trug, aber keine Gnade hatte. Wenn ihr Silber seid, wird Er euch als Silber brauchen, und wenn ihr Gold seid, wird Er euch goldenen Dienst geben, in dem ihr glücklich, geehrt und gesegnet sein werdet.

Was folgt hieraus denn zuletzt? Nun, Brüder, lasst uns uns ermuntern, damit wir gereinigt werden, denn der Text sagt: „So sich nun jemand reinigt.“ Er legt dies Geschäft einem jeden persönlich auf: ein Mensch muss sich von böser Gesellschaft reinigen; aber wenn wir die Verantwortlichkeit bekannt haben, lasst uns uns zu Gott im Gebet wenden und fühlen, dass gründliche Reinigung ein Werk ist, das wir nicht vollbringen können und deshalb rufen wir: „Reinige mich, o Gott, heilige mich; mache mich geeignet zu deinem Dienst und bereit zu allem guten Werk.“

Geliebte, schließet mit ernstem Gebet. Bittet Gott, dass ihr nicht Heuchler sein möget; flehet den Herrn, euch zu erforschen und zu prüfen, damit ihr nicht als Betrüger erfunden werdet, und wenn ihr gewiss seid, dass ihr sein eigen seid, so bittet Ihn, euch nicht bloß zum Silber zu machen, denn dies verliert leicht den Glanz, sondern zum kostbaren Golde, das selbst, wenn es den schlimmsten Einflüssen ausgesetzt ist, kaum eine Spur von Mattheit zeigt. Mögen wir reines, unvermischtes Gold sein und dann möge der Meister uns beides, öffentlich und verborgen, zu seiner eigenen Freude brauchen. Möge er sich an unserer Liebe und unserm Glauben erquicken, ja, möge seine Freude in uns erfüllt werden, dass unsere Freude völlig sei. Gott gebe, dass es so sein möge um Christi willen. Amen.

Sprachlich überarbeitet durch Fritz

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