Spurgeon, Charles Haddon - Das ganze Volk soll für Jesum arbeiten

Ich habe zwei Texte aus zwei aufeinander folgenden Kapiteln des Buches Josua genommen: der erste ist aus Jos. 7, 3. Die Kundschafter, die gen Ai gesandt waren, kehrten zu Josua zurück und sprachen zu ihm: „Laß nicht das ganze Volk hinauf ziehen; sondern bei zwei oder drei tausend Mann, daß sie hinauf ziehen und schlagen Ai.“ Diese Staatsklugheit führte zu einer traurigen Niederlage; und unser andrer Text gibt uns des Herrn Gebot betreffs des neuen Angriffs. Ihr findet ihn im 8. Kapitel, im ersten Verse: „Und der Herr sprach zu Josua: Fürchte dich nicht und zage nicht. Nimm mit dir alles Kriegsvolk und mache dich auf und ziehe gen Ai. Siehe da, ich habe den König Ai samt seinem Volk, seiner Stadt und seinem Land in deine Hände gegeben.

Die zwei Texte können zusammengezogen werden. Erstens, der Rat der Kundschafter, nur einen Teil des Volks bei dem Angriff auf Ai zu. gebrauchen: „Laß nicht das ganze Volk hinauf ziehen;“ und zweitens, das Gebot Gottes, jeden kampffähigen Mann in den Krieg ziehen zu lassen: „Nimm mit dir alles Kriegsvolk.“

Brüder, wir sind gleich Israel zum Krieg berufen, und wir haben einen Größeren als Josua an unsrer Spitze, in dessen Namen wir siegen. Es ist ein Erbteil da, das noch im Besitz des Gegners ist, und in dem Namen Gottes haben wir ihn auszutreiben. Wir werden wahrscheinlich Schwierigkeiten antreffen, die denen ähnlich sind, welche sich den zwölf Stämmen entgegen stellten; und ich zweifle nicht, daß ihre Geschichte (ist sie nicht für unsre Belehrung geschrieben?) sich als sehr interessant für uns erweisen wird, wenn wir sie betrachten wollen. Wir werden dieselben Niederlagen erleiden wie sie, wenn wir in dieselben Sünden fallen, und wir werden die gleichen Siege gewinnen, wenn wir den Geboten gehorchen, die Gott uns gegeben hat, und die ganz ähnlich sind wie die, welche Er dem alten Israel gab. Wie in einem Spiegel sehen wir uns selber in den zwölf Stämmen von dem ersten Tage an bis jetzt, und in den angeführten Versen ist eine Lehre für uns, die Gott uns durch seine Gnade instandsetzen möge, zu lernen. Ich bitte den Heiligen Geist, unsre Herzen zu erleuchten, während wir in dem Buch der Kriege des Herrn lesen und als Krieger Christi von den Kriegern der alten Zeit lernen.

I.

Laßt uns den Rat der Kundschafter betrachten, der zu solch schmachvoller Niederlage führte.

Und hier werden wir es mit dem Irrtum zu tun haben, daß ein Teil der Gemeinde schon hinreichend sei, die Arbeit der ganzen zu vollbringen; daß ein großer Teil derselben müßig sein kann und daß die übrigen durchaus genügend sein werden, die Kämpfe des Herrn zu führen. Ich fühle, daß dies ein Irrtum ist, der, wenn auch von keinem von uns vielleicht der Theorie nach behauptet, doch tatsächlich in unsren Gemeinden überall gesehen wird und dem entgegen getreten und ein Ende gemacht werden muß.

In Josuas Tagen kam dieser Irrtum unter den Israeliten auf, weil Gott um ihrer Sünden willen Mißfallen an ihnen hatte. Der Anfang des Kapitels sagt uns, daß der Zorn des Herrn über die Kinder Israel ergrimmte, weil sie sich an dem Verbannten vergriffen hatten: um der Sünde Achans willen entbrannte der Zorn des Herrn gegen das Volk. Dies war der wirkliche Grund ihrer Niederlage vor Ai; aber aus dieser geheimen Ursache entsprang die bekanntere Quelle ihrer Niederlage - diese, daß Gott, weil Er unzufrieden mit ihnen war, sie sich selbst überlassen hatte; deshalb hatten sie diese verhängnisvolle Politik eingeschlagen. Wenn Gott in der Mitte einer Gemeinde ist, so leitet Er ihre Beratungen und lenkt die Herzen der Menschen, daß sie sein Werk in der weisesten Art tun. Ist es nicht ein alter Spruch: „Wen die Götter verderben wollen, den machen sie zuerst wahnsinnig“? Und ist nicht dies heidnische Sprichwort der Schatten der Tatsache, daß die Menschen töricht werden, wenn sie die Gebote Gottes gebrochen haben und so für einen Fehler gezüchtigt werden, indem ihnen gestattet wird, in einen andern zu fallen? Sogar auf das Volk des Herrn kann ein Maß von Blindheit als Strafe fallen. Ihr könnt euch darauf verlassen, wenn es zur Lehre wird, daß nur besondere Klassen von Menschen in der Gemeinde zu arbeiten haben, so ist irgend ein großes Unrecht im Hintergrunde. In derjenigen Gemeinde, die mehr als alle andren in diesen Irrtum geraten ist und die schärfste Linie gezogen hat zwischen denen, welche die Geistlichkeit genannt werden, und den armen, unglücklichen Laien draußen, die vielleicht irgend etwas für Gott tun mögen, von denen man aber nicht erwarten oder in der Tat ihnen erlauben kann, etwas Besonderes zu tun: in dieser Gemeinde, sage ich, haben die tödlichsten Irrtümer eine Heimat gefunden. Auch wir können es als gewiß annehmen, daß wir, wenn wir beginnen, die christliche Arbeit allein dem Prediger zu überlassen, oder die Armenbesuche nur einem bezahlten Missionar, einen Achan im Lager haben, der einen köstlichen babylonischen Mantel in. seinem Zelt verborgen hat. Er muß irgendwo etwas Verbanntes sein, um deswillen wir einer so großen Torheit anheim gegeben sind: entweder Weltlichkeit oder Lauheit oder Bequemlichkeitsliebe oder tiefe Abweichung des Herzens von Gott muß die Wurzel dieser trägen und nachlässigen Handlungsweise sein. Es ist nicht Gottes Wille, daß es so sein soll; und Er hat uns offenbar uns selbst überlassen, wenn diese verhängnisvolle Methode angenommen wird. Wenn der Heilige Geist auf einer Gemeinde ruht, so wird diese Torheit vermieden, nein, es wird nicht einmal daran gedacht. Gott verleihe den Gemeinden, die heute hier vertreten sind, daß sie so gesunde Lehre und soviel geistliches Leben haben, daß sie voll der göttlichen Gegenwart sind und keinen Augenblick davon träumen, nur einen Teil ihrer Glieder in den Krieg zu senden, und die übrigen still sitzen zu lassen! Wir können nicht die Schlachten unsres Herrn durch gemietete Truppen schlagen lassen; das ganze Heer der Männer, das am Tage der Macht des Herrn willig gemacht ist, muß ausgehen unter dem Befehl unsres göttlichen Josua und dem Feinde gegenüber treten.

Ferner entstand diese böse Politik aus der durch den Erfolg erzeugten Vermessenheit. Nur eine kleine Weile vorher war das ganze Israel sieben Tage lang um Jericho gezogen,. und am siebenten Tage, als sie ein Feldgeschrei machten, fielen die Stadtmauern um. Vielleicht hoben sie an, zu sagen: „Fielen diese massiven Mauern um, als wir sie umzogen? O Israel, du bist ein großes Volk! Und fielen sie nur durch ein Feldgeschrei? Dann sollen die Hethiter und Heviter und alle andren Feinde vor uns wie die Spreu vor dem Winde fliehen! Wozu sollte es nötig sein, all unser Gepäck den Hügel nach Ai hinauf zu tragen? Weshalb sollten viele Leute gegen die Stadt marschieren? Zwei oder drei Tausend werden völlig genügend sein, diese kleine Stadt im Sturm zu nehmen. Wir können Wunder tun, und deshalb brauchen wir nicht alle unsre Macht anzuwenden!“

Brüder, viele Gefahren umgeben den Erfolg; keiner von uns kann viel davon ertragen. Das volle Segel braucht viel Ballast, sonst schlägt das Boot um. Wenn in diesem oder irgend einem andren Teile der Welt die Gemeinde viele Bekehrte als die Frucht ihrer Arbeiten sieht, wenn große Versammlungen da sind und sehr viel Feldgeschrei großes Interesse erregt und eine Menge von Bekehrungen stattfinden, so ist es sehr natürlich, anzunehmen, daß das Werk leicht getan ist und keiner schweren oder allgemeinen Anstrengung bedarf. Die Vorstellung wird genährt, daß jetzt keine Notwendigkeit mehr da ist für Fortsetzung der Besuche von Haus zu Haus, keine Notwendigkeit für mehr Missionare, für regelmäßig fortgehenden Dienst in den Schul- oder Wohnhausversammlungen, keine Notwendigkeit, unsre jungen Männer und Frauen bei dem Werk für Christum anzustellen. Die Einübung und Organisation des regelmäßigen Heeres ist in Gefahr, gering geschätzt zu werden. Blast die Posaunen, so werden die Mauern leicht genug umfallen. Jericho ist durch Feldgeschrei und Umziehen gefallen, so wollen wir uns versammeln und zeigen, daß wir ein mächtiges Volk sind, das nicht länger nötig hat, einmütig und mit Anstrengung in Reihe und Glied zum Kampf zu ziehen, wie unsre Väter es taten.

Ach, Brüder, dieser böse Geist muß ausgetrieben werden, denn er kommt vom Teufel. Gott wird uns nicht segnen, wenn wir diesen Geist dulden. Wie! Einige von uns sind viel zu groß, als daß der Herr Jesus uns in seiner Arbeit gebrauchen könnte. Wie Sauls Rüstung, taugen wir nicht für unsern David, wenn Goliath erschlagen werden soll. Wir müssen unsre Schwäche mehr fühlen, mehr daran denken, daß die Bekehrung der Seelen das Werk der Allmacht ist, sonst werden wir sehen, wie nur wenig getan wird. Wir müssen völliger an die Notwendigkeit ernster Arbeit für Gott glauben, und müssen all unsre Kraft für Ihn aufwenden und jede Sehne für Ihn anstrengen, indem wir wissen, daß es seine Kraft ist, die mächtig in uns wirkt, wenn wir von ganzem Herzen danach verlangen. Wir müssen lernen, daß unser großer Führer nicht will, daß wir bloß Feldgeschrei machen und Posaunen blasen, sondern daß die ganze Stärke jedes Mannes in unsern Reihen in seiner glorreichen Sache gebraucht wird. Mögen wir befreit werden von der Vermessenheit, die zu dem törichten Wege führt, den Israel einschlug.

Laßt uns nicht vergessen, daß diese Kinder Israel ihren Auftrag vergaßen und das Gebot Gottes brachen. Es ist eine furchtbare Wahrheit, daß die zwölf Stämme aus Ägypten herauf geführt wurden, damit sie die Vollzieher der göttlichen Gerechtigkeit an Völkern würden, die schwere Verbrechen begangen, wegen welcher der Herr sie verurteilt hatte, ausgerottet zu werden. Der Lohn der Diener der Gerechtigkeit sollte das Land sein, welches die Schändlichen verunreinigt hatten. Sie waren beauftragt, kein Bündnis mit ihnen zu schließen, keine Wechselheiraten mit ihnen einzugehen, sondern sie um ihrer Verbrechen willen hinzurichten; und der Auftrag war nicht einigen Israeliten gegeben, sondern allen, denn alle sollten durch ein Stück des Landes belohnt werden. Der Auftrag war nicht nur Josua und den Ältesten erteilt, sondern allen Stämmen. Wie sie alle erwarteten, eine Wohnstätte in Kanaan zu haben, so wurde von ihnen allen erwartet, daß sie das Land durch ihre eignen Anstrengungen eroberten. Sie bildeten alle ein für Gott angeworbenes Heer, und Er verordnete niemals, daß nur ein Teil ausziehen sollte in seinem großen Kampfe mit den verurteilten Kananitern.

Wenn wir jemals versäumen, als Gemeinde in der Sache Christi allgemeinen Dienst zu leisten, so versäumen wir das uns Anvertraute und erfüllen den uns gewordenen Auftrag nicht. Der Herr hat alle seine Jünger gesandt, von Ihm zu zeugen und gegen die Sünde zu kämpfen. Er hat uns alle gesandt, um überall, unsrer Fähigkeit gemäß, die frohe Botschaft seines Heils kund zu tun; ja, Er hat dieses Gebot nicht diesem oder jenem Mann gegeben und nicht dieser oder jener Körperschaft, sondern allen seinen Erwählten. Jedes Glied seines Leibes hat sein eignes Amt, und keinem Teil desselben kann es gestattet werden, schlummernd da zu liegen. Zu keinem hat Er gesprochen: „Geh' deines Weges, iß das Fette und trinke das Süße und tadle die, welche die Arbeit tun;“ aber zu allen Heiligen spricht unser Herr Jesus: „Wie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Jeder Christ wird in der Schrift als ein Licht beschrieben, ein Licht, das nicht verborgen, sondern von Menschen gesehen werden soll. Jedes Kind Gottes wird beschrieben als ein Teil jener „Stadt, die auf dem Berge liegt und nicht verborgen bleiben kann.“ Nicht nur die Prediger sind das Salz der Erde und das Licht der Welt; sondern: „ihr seid das Salz der Erde;“ „ihr seid das Licht der Welt;“ ihr alle ohne Ausnahme. Jeder in seinem Maße und an seinem Platz muß als ein Gefäß in dem großen Hause des Herrn gebraucht werden; und wir verlassen unsre wahre Stellung und unsern hohen Beruf, wenn wir uns oder unsre Brüder vom persönlichen Dienst ausnehmen und dann hingehen und an öffentlichen Versammlungen teilnehmen und Gott danken für das, was andre Leute an unsrer Statt getan haben.

Diese Israeliten verließen ihr eignes Vorbild in der neuen Art, die sie einzuführen versuchten. Dieses Vorbild war ohne Zweifel die Belagerung von Jericho. In dieser Belagerung war viel Vertrauen auf Gott, aber keine Vernachlässigung der Mittel; und obgleich alles, was sie taten, nur war, um die Stadt zu ziehen und ein Feldgeschrei zu machen, so erfüllten sie damit doch buchstäblich ihren Auftrag, und taten alles, was befohlen war. Ja, wenn dies die Mauer umwerfen konnte, so taten sie es gründlich; sie marschierten, wie es befohlen war, und machten das Feldgeschrei, wie sie geheißen waren. Sie zogen alle um Jericho herum; es saßen nicht einige von ihnen in ihren Zelten und sahen zu, während die andern marschierten, sondern sie zogen alle in Ordnung aus. Es hätte scheinen können, als wäre es eine vollkommen nutzlose Prozession, aber sie war von Gott befohlen und sie vereinigten sich alle darin. In kriegerischer Rüstung zogen sie um die Stadt und alle machten das Feldgeschrei, und nieder fielen die Mauern, und da und dann ging jeder Mann zur Beute, sprang über die zerstörten Wälle, um seinen Feind im Namen des Herrn zu erschlagen. Das war ihr Beispiel und Vorbild, und sie verließen es in trauriger Weise, als sie sprachen: „Laßt nicht das ganze Volk hier herauf ziehen.“

Was ist nun unser Vorbild als Gemeinde? Ist es nicht Pfingsten? Sind es nicht jene frühesten Tage, jene Morgendämmerung des Christentums, jenes goldene Zeitalter, zu dem wir stets als zu dem heroischen unsres heiligen Glaubens zurückblicken? Brachen sie nicht in jenen Tagen das Brot hin und wieder in den Häusern? Verkauften sie nicht ihre Ländereien und legten den Preis derselben zu der Apostel Füßen? War nicht ein brennender Enthusiasmus in der ganzen Gemeinschaft der Jünger? Wir wissen, daß es so war; und wenn wir wieder die Triumphe dieser ersten Zeiten sehen sollen, so müssen wir zurückgehen zu dieser ersten Tätigkeit, und jeder Mann, jedes Weib und jedes Kind in der Gemeinde muß zu heiligem Dienste geweiht sein. „Kind,“ sagte ich? Ja, wahrlich, denn „aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast Du Lob zugerichtet!“ Ich nehme an, es ist niemand hier anwesend, der die berühmte Predigt von Matthew Wilks gehört hat von dem allgemeinen Dienst, der von Götzendienern ihren falschen Göttern erwiesen wird, über den Text: „Die Kinder lesen Holz, so zünden ihre Väter das Feuer an, und die Weiber kneten den Teig, daß sie der Melecheth des Himmels Kuchen backen.“ Des Predigers Schlußfolgerung war bei dieser Gelegenheit die, welche ich euch jetzt einprägen möchte, daß alle teilnehmen sollten an dem Werke des Herrn. Verschiedene Ämter, aber vereinigte Ziele; mannigfaltige Wirkungen, aber derselbe Geist; viele und doch einer - so laßt es sein. Wollte Gott, daß die Gemeinde dies völliger anerkenne und so zurück käme zu den großen Anfängen ihrer Kriegführung.

Wiederum, dieser Irrtum, den wir sorgfältig zu vermeiden haben, war ohne Zweifel die Eingebung fleischlicher Weisheit. Kundschafter nützten Israel niemals viel - nur zwei von den ersten zwölf waren treu - was wollte Israel mit Kundschaftern? Weit besser wäre es gewesen, im Glauben zu wandeln. Nach Ai wollten sie durchaus Kundschafter senden, anstatt sogleich in Glaubenszuversicht hinauf zu ziehen: Böses kam danach, denn diese Kundschafter rieten, daß nur ein Teil des Volkes sich den Berg hinauf zu bemühen brauche. Und, Brüder, die besten Prediger Christi - alle Achtung vor ihnen - würden die Ursache großen Unheils sein, wenn ihre fleischliche Weisheit sie einmal denken ließe, daß sie die ersten Pläne durch weisere Erfindungen beiseite schieben könnten. Ich glaube wohl, daß die Krieger gesagt haben, die große Zahl Israels sei ein Hindernis für das rechte Kämpfen, und die gewöhnlichere Art Männer wären den ausgebildeten Kriegern im Wege und erschwerten die Schlacht. Ich weiß, einige fähige Brüder sind dieses Sinnes. Haben sie nicht durch Taten, wenn nicht gar mit Worten gesagt: „Dieser junge Mann predigt - wir wünschten, er wäre still, er macht so grobe Sprachfehler. Er hat sehr viel Eifer, aber es ist keine geringe Gefahr darin. Und diese guten Schwestern - wir wissen, sie tun recht viel Arbeit, die nie zuvor getan wurde, aber - “ und sie schütteln die Köpfe darüber. Das ist oft der Hauptbeitrag zum Dienste Gottes, den die Vorsichtigeren liefern. Sie verschwenden großmütig an die Jüngeren ihre ernsten Blicke und ihr Kopfschütteln über Neuerungen und Eifer. Dort ist die Sonntagsschule; nun, die ist ganz recht, weil sie eine anerkannte Sache ist, aber wenn sie heute zum erstenmal anfangen würde, so würden viele. auch den Kopf schütteln. Stadtmissionsarbeit ist ebenfalls eine geprüfte und erprobte Tätigkeit; aber in vergangenen Tagen hielt man dafür, daß Gefahr sei bei der Laienarbeit, besonders da die Männer keine Universitätsbildung hätten. Nun, meine Brüder, es werden noch manche Arten des Wirkens für den Herrn erfunden werden, und obgleich keine von ihnen vollkommen sein wird, so wird unsre Abkühlung mittels nasser Decken sie nicht verbessern. Weit besser ist es, dem Guten zu helfen, und was den kleinen Schaden, der aus unvollkommenen Mitteln entspringt, anbetrifft, da laßt die weisen Männer das Gegengift anwenden und die Schnitzer berichtigen. Alles ist besser als Schlafsucht und Tod. Dankt Gott, daß unsre Leute Lust haben, Gutes zu tun, und wenn ihr Eifer sich zu wildem Feuer neigt, so laßt uns ihn nicht auslöschen, sondern suchen, ihn für heilige Zwecke zu gebrauchen; denn im Grunde ist doch Feuer, wildes oder andres, das, was wir brauchen. Wenn wir das Feuer vom Himmel haben in der Form des Eifers für Gottes Ehre, so kann es leicht geregelt werden, aber das schrecklichste Unglück ist, gar kein Feuer zu haben.

„Aber,“ sagt einer „kann nicht die unwissende und unvorsichtige Verteidigung der Wahrheit durch unbefähigte Personen der Sache, die wir lieben, viel Schaden tun?“ Das kann sie; aber ist die Wahrheit, die du glaubst, so schwach, daß sie durch einen solchen Unfall in ernstliche Gefahr gerät? Ist nicht die Wahrheit unbesiegbar und völlig imstande, für sich selbst zu sorgen? Alles, was sie zu fürchten hat, ist die einengende und fesselnde Tätigkeit übermäßiger Klugheit. Wenn Schwachheit ihre Hüterin ist und Torheit ihre Verteidigerin, so ist sie darum doch noch sicher! Der Gott, der sie vor ihren Feinden beschützt, kann sie sicherlich auch von ihren Freunden erretten. Die Gefahr liegt in unsrer fleischlichen Weisheit, die das Licht mit einem Scheffel bedecken möchte, damit es nicht ausgeblasen wird, und das Pfund in ein Schweißtuch wickeln, weil es nur eins ist.

Wir hören häufig sagen, daß so viel Aufregung und Anstrengung nicht nötig sei, und auch dies kommt von unsern vorsichtigen Männern: Wir sollten es kühl nehmen, die Sache ging gut genug, in den Tagen unsrer Großväter; die großen Männer der Vergangenheit taten viel Gutes ohne all diese Erregung. Nun, wir haben bemerkt, daß noch ganze Eimer voll kalten Wassers zum Gebrauch bereit stehen, und zu en gros Preisen zu haben sind. Brüder, ich weiß nicht, wie ihr darüber denkt; ich meinesteils fühle, daß sehr viel Arbeit zu tun ist und sehr wenig Zeit, um sie zu tun. Wenn ich mich mit all meiner Kraft in die Arbeit hinein stürze, so werde ich nicht zu viel tun; aber jedenfalls verlangt eine solche Sache all meine geringe Kraft. Es gibt eine gesegnete Muße des Herzens, welches zu Jesu Füßen sitzt; aber ich bin gewiß, diese ist nicht unverträglich mit der Gewalt, die das Himmelreich leidet - „und die Gewalt tun, reißen es an sich.“ Es gab in den Tagen Wesleys und Whitefields Leute, die klagten, daß ihr Eifer viel Fanatismus erzeuge; aber, Gott sei Dank, der gesegnete Fanatismus verbreitete sich über das Land, und er ist noch jetzt nicht erloschen und soll durch Gottes Gnade auch nicht erlöschen, sondern wachsen, bis Christus kommt! Laßt uns unsre Männer heraufbringen, die ganzen Stämme, ob sie auch schwach sind und ob ihre Waffen nicht besser sind, als die Beile und Hacken, womit Israel gegen die Philister stritt. Laßt uns wie ein Mann uns auf unsern Feind stürzen, wie in alten Tagen. Laßt uns alle gen Ai hinaufziehen; und so gewiß wie Gott damals mit seinem Volke war, wird Er mit unsern verbundenen Heeren es heute sein, und die Welt wird wiederum lernen, daß es einen Gott in Israel gibt.

Nur noch eins über diesen Punkt: Diese Kinder Israel griffen in den göttlichen Plan ein, als sie nur einen Teil der Männer in den Krieg sandten. Der Herr beabsichtigte nie, zwei Völker zu haben, sondern eins; und deshalb lesen wir, daß die Stämme Ruben und Gad über den Jordan zum Krieg kamen, obgleich ihr Teil schon erobert war. Es war die göttliche Absicht, daß sie ein Heer des lebendigen Gottes sein sollten und daß jeder einzelne Sohn Abrahams zu diesem Heer gehören und darin kämpfen sollte; er wollte, daß nicht nur einige, sondern alle die mächtigen Werke seiner Hand sehen sollten, die mit ihnen wirkte, um ihre Gegner zu überwinden. Als Jericho fiel, sahen es alle; und wenn Ai von der göttlichen Macht fallen sollte, so mußten sie alle da sein, um mit ihren eignen Augen die Herrlichkeit des Herrn zu sehen.

Ich bin gewiß, es ist so mit der Gemeinde Gottes heutzutage. Unser Herr will alle seine Erwählten als ein Heer haben und sie alle wie eine Schar unterweisen. Und wann sind wir am deutlichsten eins? Wenn wir an die Arbeit gehen. Wenn ihr über die Punkte, in denen ihr verschieden seid, zu deklamieren anfangt, so wünsche ich euch einen guten Morgen; aber wenn ihr für Jesum arbeiten wollt, so gestattet mir, mit euch zu gehen. Ich habe die Geschichte von Organisationen verfolgt, die zu keinem praktischen Zwecke gebildet waren, sie haben stets ein Ende genommen, und mir ist nicht bekannt, daß wir darüber zu weinen brauchen; aber Arbeit, die für Jesum zu tun ist, ist ein mächtiges Band der Einheit. Unser Gott beabsichtigt nicht, daß seine Prediger allein alle Sterbebetten sehen und die einzigen Zuschauer der Todestriumphe der Seinen sein sollten. Nein, unsre Brüder und Schwestern müssen auch Kranke besuchen und ihren Glauben stärken und ihre Aussichten erhellen lassen. Er wünscht nicht, daß die Prediger allein alle Neubekehrten sehen und alle Verzagten ermutigen sollen. Nein, seine Weisheit nimmt wahr, daß es gut für alle seine Knechte ist, die Trophäen seiner Gnade zu schauen, und zu wissen, wie sie die Ermutigungen seiner Verheißungen gebrauchen sollen. Der Herr verordnet nicht, daß einer oder zwei über das Böse der Menschenherzen trauern und allein mit den Sündern kämpfen sollten. Nein, Er will, daß alle seine Knechte in ihrem Maße die Lehren lernen sollen, welche die heilige Kriegführung sie lehren wird. Nichts mit der Seelenführung zu tun haben, ist gefährlich für uns selber. Männer, die ihre Zeit damit zubringen, uns mit wunderschönen Artikeln und Aufsätzen in den Zeitschriften zu versorgen, sind meistens ungesund im Glauben; aber wenn sie hinausgingen in die Welt des wirklichen Lebens, um Menschen zu erretten, wenn sie persönlich mit harten Herzen und bösen Leidenschaften in tatsächlichem Bekehrungswerk zu kämpfen hätten, so würden sie ihre feingesponnenen Theorien unnütz finden; sie würden lernen, daß der puritanische Glaube unsrer Vorväter die härteste aller Waffen ist, und daß die alte Wahrheit das Schwert ist, mit dem allein man die Herzen der Menschen durchbohren kann. Arbeit für Jesum ist eine Erziehung für den Christen. Was für eine Erziehung würde es für den Philanthropen sein, zu sehen, was der Arbeiter auf dem Lande ißt oder vielmehr nicht ißt! Was für eine Lehre für den Sanitätsrat, wenn er mit eignen Augen sähe, wo die Leute wohnen! Was für eine Erziehung für den reichen Mann, wenn er ein oder zwei Nächte in den überfüllten Kammern zubrächte, in welchen unsre städtischen Arbeiter sich aufhalten! Und in derselben Weise ist heiliger Dienst eine Erziehung für uns. Um den Fall des Menschen und die Art der Erlösung wirklich zu kennen, müssen wir unter die Leute gehen und für ihre Bekehrung arbeiten. Darum will unser Herr uns nicht von dem Dienste in diesem Kriege freisprechen, weil es zu unserm großen Schaden sein würde, wenn wir demselben fern blieben; und zu unsrer Ermutigung und unserm Wachstum sollten wir teil daran nehmen.

Ich will diesen Teil meines Gegenstandes mit einem Gleichnis beschließen. In den Tagen des Rittertums hatte eine gewisse Schar Ritter niemals eine Niederlage erfahren. In allen Schlachten verursachte ihr Name dem Feinde Schrecken. Auf ihren Bannern war eine lange Liste von Siegen in Wappenbildern abgemalt; aber in einer bösen Stunde berief der Anführer die Ritter zusammen und sprach: „Meine Brüder, wir machen uns zu viel Mühe. Wir haben eine Schar geübter Krieger, die in allen Künsten der Schlacht erfahren sind, diese sind durchaus genügend für gewöhnliche Kämpfe, und es wird weise sein, wenn die Mehrzahl im Lager bleibt und sich ausruht oder ihre Waffen probiert für außergewöhnliche Gelegenheiten. Laßt die Vorkämpfer allein gehen. Jener Ritter kann mit seinem Schwert einen Mann mit einem einzigen Streiche in zwei Stücke spalten, und sein Gefährte kann eine eiserne Stange mit seiner Axt zerbrechen; andre von uns sind ebenso kräftig, jeder ist für sich allein ein Heer. Mit dem Schrecken unseres Namens hinter sich können die erwählten Kämpen den Krieg fortsetzen, während die übrigen die Beute teilen.“ Diese Worte gefielen den Kriegern gut, aber von der Stunde an war die Totenglocke ihres Ruhmes geläutet, und Niederlage befleckte ihre Fahne. Wenn sie zusammenkamen, klagten sie über die Vorkämpfer, weil sie nicht die Ehre des Ordens aufrechterhalten, und hießen sie, sich heldenmütiger benehmen. Sie taten es, aber mit geringem Erfolg. Lauter und immer lauter wurden die Töne der Unzufriedenheit und die Forderung nach neuen Vorkämpfern. Da sagte einer der ältesten Ritter: „Brüder, warum tadelt ihr uns? Der Irrtum liegt hier: In den alten Zeiten waren, wenn der Feind uns angriff, tausend Männer in Waffen, und der den Vortrab führte, wußte, daß eine tapfere Armee seinen Fersen folgte. Aber jetzt haben wir uns zu vereinzelten Kämpfern gemacht, und der Feind faßt Mut, uns zu trotzen, da er uns ohne Beistand findet. Kommt alle mit uns in die Schlacht, wie Vorzeiten, so wird niemand uns widerstehen können.“ Brüder, ihr habt nicht nötig, daß euch jemand dies Gleichnis auslegt.

II.

Zweitens enthält mein Text das Gebot, daß das ganze Israel zum Kampfe ausziehen sollte. „Nimm mit dir alles Kriegsvolk.“ Ich will mich hauptsächlich an meine Brüder in Christo wenden; und was ich ihnen zu sagen habe, sage ich demütig und vornehmlich zu mir selber. Brüder, alle unsre Gemeindeglieder müssen in den Krieg ziehen. Ich weiß, dies ist unsre Theorie, aber in der Praxis führen wir sie nicht aus. Das Gepäck unsrer Armee ist zu schwer; der Marketender und der Troßleute sind zu viele. Wir müssen die Drohnen hinausjagen und bedürfen eines Zuwachses an Arbeitsbienen. Wie ist dies zu tun? Wir müssen das Übel, das träge Christen sich durch ihre Trägheit zuziehen, selber tief fühlen, und das Übel, das sie den übrigen Gliedern der Gemeinde zufügen. Setzt einmal voraus, ein Christ führt ein träges Leben - ich will dies als bloße Voraussetzung behandeln - gebt ihm nichts zu tun, so wird er entweder stets kränkliche Selbstprüfung halten oder er wird streitsüchtig werden und mit allen zanken, deren Meinungen den seinigen entgegengesetzt sind; oder er wird dem Namen Christi durch Sünde Unehre antun. Ihr wißt, wann es war, als David mit Bathseba fiel; es war zu der Zeit, da die Könige auszogen zur Schlacht und er in Jerusalem zurückblieb. Er wäre nicht in diese Sünde gefallen, wenn er nicht als Müßiggänger zu Hause geblieben. Wo war seine Pflicht als Oberbefehlshaber? War sie nicht in dem Lager? Trägheit ist Versuchung. Einige unsrer Gemeinden leiden durch ungesunde Lehre, aber sie leiden ebensoviel durch Mangel an Arbeit. Das Moos wächst auf ihnen, der Rost verzehrt sie; das Gold wird trübe, das Silber verliert seinen Glanz, und alles aus Mangel an Gebrauch. Ach, daß wir Gemeindeglieder haben, deren sittlicher Charakter allerdings ihrem Bekenntnis nicht zuwiderläuft, sondern in vieler Hinsicht trefflich ist, die aber doch das Land hindern! Es gibt viel Liebe einer bösen Art, die nicht in aufrichtigem Verlangen nach dem Wohl der Menschen der Wahrheit ins Gesicht sieht. Laßt uns zu wahrhaft liebevoll sein, um solch gefährlicher Liebe nachzugeben. Laßt uns seufzen und weinen, wenn wir an unsre unnützen Gemeindeglieder als Reben an dem Weinstock denken, die keine Frucht tragen, von denen der Herr gesagt hat, daß sie hinweggenommen werden sollen. - „Eine jegliche Reben an mir, die nicht Frucht bringt, wird Er wegnehmen;“ und: „Man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und muß brennen.“ Was für Schmerz wird unser Herz ergreifen, wenn wir hierüber nachdenken! Wenn wir unfruchtbare Christen in diesem Lichte ansehen, so wird uns das mehr als alles andre helfen, um unsre Brüder zu tätigem Dienste anzuregen.

Wir müssen den Schaden fühlen, den Müßiggänger andern verursachen. Ein kränkliches Schaf steckt die Herde an; ein Glied, das nichts tut, bringt den ganzen Körper auf eine niedrigere Stufe herab. Die Gleichgültigkeit hervorragender Mitglieder ist nicht nur der Verlust ihrer Arbeit, sondern der vieler andrer. Leitende Männer werden als eine Art Muster für alle andern betrachtet; und wenn Herr So-und-so zufrieden ist, nur seinen Platz im Kirchenstuhl auszufüllen und so und so viel (oder vielmehr so und so wenig) jährlich beizutragen, dann werden andre sagen: „Wir werden genug leisten, wenn wir ebensoviel tun.“ Jeder Mann in einem Heer, der nicht tüchtig und wirklich nützlich ist, ist auf des Feindes Seite. Was kann der Feind mehr wünschen, als daß das gegnerische Heer durch Kranke gehindert wird? Was für Nachrichten können ihm angenehmer sein, als zu hören, daß die Lazarette überfüllt sind, denn dann weiß er, daß eine große Zahl Männer mit den Kranken beschäftigt und vom Kampf abgehalten sind. Der Feind klatscht in die Hände und ruft: „Diese Kranken sind manchen Flintenschuß für mich wert.“ O, unnützer Christ, du kannst dem Teufel nicht besser dienen, als wenn du in eine Gemeinde eintrittst und nichts tust.

Ich möchte, daß meine Brüder all dieses sehr tief fühlten. Ich zweifle nicht, daß sie es fühlen, aber ich selber möchte es lebhafter fühlen; denn wenn wir es wirklich tief empfinden - wenn wir Prediger es lebhaft fühlen - so werden wir das Volk Gottes, das ganze Volk, anregen, und dann werden wir Größeres denn das sehen.

Überdies, Brüder, wir müssen die Sünde aufstöbern, die zu dem von uns bekämpften Übel führt, und ich glaube, es ist in vielen Fällen Mangel an lebendiger Gottseligkeit. Ich kenne Prediger, die sagen, sie hätten sehr achtbare Gemeindeglieder, aber nichts könne mit ihnen getan werden. In manchen Fällen werden die Gebetsversammlungen aufgegeben, weil die reichen Mitglieder aus der Stadt heimkehren und zu der Stunde, die gewöhnlich für die Versammlung gewählt wird, zu Mittag essen, und deshalb nicht kommen können. Zu Mittag essen ist ein sehr wichtiges Geschäft, es scheint fast, wichtiger als Beten. Geschäftsleute sind so ermüdet. Es ist wahr, wir finden, daß Zimmerleute, Maurer und andre Arbeiter Freude an unsren Gebetsversammlungen haben. Ist dies, weil sie nicht so schwer arbeiten wie Kaufleute? An manchen Stellen findet man es unmöglich, die Gemeinde-Arbeit kräftig zu betreiben, weil gerade die Personen, welche Arbeitende und Beamte sein sollten, entschlossen sind, daß ihre ansehnlichen Beiträge und der sonntägliche Besuch des Gottesdienstes alles sein sollen, was sie für die Sache Christi tun. Sich selbst anstrengen in heiliger Arbeit! - was das betrifft, so sehen sie euch verwundert an, als wenn sie dächten, ihr hättet den Verstand verloren, wenn ihr ihnen irgend einen mühsamen Dienst vorschlagt. Nun, dieses Vermeiden des Gebetes und des Dienstes muß in aller Treue bloßgestellt und angeklagt werden. Es ist häufig diejenige Sünde, die aus zu viel Gemächlichkeit, Verzärtelung und Luxus hervorwächst. Es scheint, als wäre der Mensch, je mehr Gott ihm gibt, um so weniger geneigt, Ihm etwas als Vergeltung darzubringen.

Was immer die geheime Sünde der Gemeinde sein mag, laßt uns versuchen, sie zu entdecken und alsdann mit Hilfe des Heiligen Geistes uns bemühen, alle unsre Gemeindeglieder zur Arbeit für den Herrn zu erziehen. Es muß ein beständiges Einschärfen der persönlichen Verpflichtungen der Christen stattfinden. Wir, die wir als Baptisten bekannt sind, sind der Meinung, daß die Taufe als die persönliche Tat eines Gläubigen eine gute Lehre in betreff der persönlichen Verantwortlichkeit unsrer Gemeindeglieder ist; aber ich will keinen Augenblick annehmen, daß unsre Brüder, welche an der Kindertaufe festhalten, weniger eifrig beim Einschärfen derselben Wahrheit sind. Ihr glaubt ebenfalls fest an. das Persönliche wahrer Religion, ihr lehrt die Notwendigkeit persönlichen Glaubens und persönlicher Hingabe. Dann. stimmen wir darin überein, daß es sehr gut ist, jedem Menschen die Pflicht persönlicher Arbeit für Christum einzuschärfen. „Was tust du für Christum?“ ist eine Frage, die an alle gestellt werden muß. Wir müssen jeden Gläubigen dahin bringen, zu fühlen, daß er nicht sein eigen ist, sondern teuer erkauft; daß nichts, was er gibt, für persönliche Arbeit in seines Herrn Sache entschädigen kann; daß selbst der, welcher krankheits- und schwachheitshalber nicht wirklich arbeiten kann, seinen Beitrag zu dem allgemeinen Werk durch beständiges Gebet liefern sollte. Niemand darf leer vor dem Herrn erscheinen, sondern muß durch tätigen oder leidenden Dienst seine Dankbarkeit gegen Gott beweisen. Und dann ist, weil jeder verantwortlich ist, Nachlässigkeit des einen dem gemeinsamen Dienste aller schädlich. Ich sah heute morgen auf der Straße einen Karren stehen, dessen eines Rad angekettet war; es stand nicht zu fürchten, daß er sich bewege'. wenn ein Rad befestigt war. Zuweilen hindert ein angekettetes Rad in einer Gemeinde alle. Wir sind alle Teile einer großen Maschine, und das Stillstehen eines Teils bedeutet nicht allein diesen einen Stillstand, sondern die Hemmung der ganzen Einrichtung. Wenn ein Stück Knochen im Körper abstirbt, so ist es nicht nur unnütz, sondern es wird die Brutstätte vieles Unheils, die Ursache vieler Schmerzen. Es beginnt zu faulen, eine Krankheit bildet sich und ernstlicher Schaden erwächst daraus dem ganzen Körper. Ein toter Bekenner, der zufrieden ist, die Lehren des Evangeliums anzunehmen, ohne dessen Vorschriften zu erfüllen, wird eine Quelle ernstlicher Gefahr in der Gemeinde Jesu Christi, und wir wissen, daß es in der Tat so ist.

Meine Brüder, verweilt bei der Wichtigkeit des Unternehmens, mit dem wir beschäftigt sind, und handelt so, daß andre die Wichtigkeit desselben verspüren. Warum sich all die Mühe nehmen, einen zweifelhaften Punkt in der Theologie aufzuklären, der zu nichts in der Welt nützt, wenn er aufgeklärt ist? Warum den ganzen Sonntagmorgen damit zubringen, weithergeholte Glaubenspunkte zu erörtern? Was ist dies anders als schieres Tändeln? Einige lieben das, was sie „Denken“ nennen, sehr - „Träumen“ ist das richtigere Wort. Weit besser, das alte Schwert des Evangeliums sofort in der Menschen Herzen zu stoßen, und ihre Sünden im Namen des Herrn zu töten, als dastehen und spitzfindige Bemerkungen über einige Schriftzeichen am Heft zu machen. Ein e Predigt über nichts tut mehr Schaden, als all eure Spekulationen Gutes tun. Die Menschen kommen dahin, zu vergessen, daß das Evangelium dazu bestimmt ist, Seelen zu erretten, und betrachten es als eine Menge interessanter Gegenstände. Gewisse Predigten sollen „geistige Genüsse“ sein - ich meine, so habe ich sie nennen hören. Unsre Religion beabsichtigt das nicht, sie beabsichtigt Kämpfe mit der Sünde; sie ist, wenn überhaupt etwas, eine der wirklichen, handgreiflichen, praktischen Arbeiten für Jesum Christum; und wir müssen zeigen, daß sie das ist. Wenn wir in schön ausgearbeiteten Worten nichts lehren, so werden die Leute denken, daß praktische Gottseligkeit etwas Geringes ist und daß Verstand besser ist als Frömmigkeit. Wir müssen die Menschen fühlen machen, daß eine Seele retten besser ist, als alle Kenntnis besitzen oder selbst als die ganze Welt gewinnen! Während andre ein neues Evangelium machen, laßt uns arbeiten, Seelen durch das alte zu erretten.

Vor allem, laßt uns um mehr Gnade beten. Wir müssen nie die Geschichte alter Zeiten lesen und sagen: „Wie herrlich ist unsre Denomination gewesen, können wir nicht auf unsern Lorbeeren ruhen?“ Unmöglich. Ihr müßt neue gewinnen. Napoleon pflegte zu sagen: „Eroberung hat mich zu dem gemacht, was ich bin, und Eroberung muß mich aufrecht halten;“ und ebenso ist es mit Christen. Ihr müßt vorrücken; ihr müßt die Helden der Vergangenheit übertreffen und die Taten eurer Vorväter verdunkeln, sonst werdet ihr euch ihrer unwürdig zeigen. Die Schlacht wird heftiger, und wie sollen wir den zunehmenden Forderungen an uns genügen, wenn wir nicht um siebenfache Gnade bitten? Unsre geistliche Lebenskraft muß vermehrt werden. Wenn wir eine Anzahl keuchender und hustender Männer, nur tauglich für das Hospital für Schwindsüchtige, auswählten und sie anstellten, eine Eisenbahn zu bauen, so könnten wir sie vielleicht um ihres Fleißes willen loben, aber sie würden nie viel zustandebringen. Andrerseits, ruft eine Gesellschaft robuster, kräftiger Männer zusammen, und sie werden sagen: „Wer bist du, o starker Berg?“ und ehe er antworten kann, wird er in eine Ebene verwandelt sein! Seht, wie sie Axt und Schaufel gebrauchen! Lebenskraft ist das, was sie in Bewegung setzt. O Gott, stärke uns! Wir sind willig, einige von uns, aber unsre Streiche sind schwach! Verleihe uns, wir bitten Dich, mehr von Deinem Heiligen Geist, so werden wir große Dinge vollbringen! Stärke hat Freude an Arbeit, Schwäche fürchtet sich davor.

Ich bin fertig, wenn ich einen Augenblick in die Zukunft geschaut habe. Wenn es sich je begeben sollte, daß der Prediger und seine ganze Gemeinde in den Krieg für den König Jesus zögen, was würde geschehen? Es ist mir, als wäre ich im Paradiese, wenn ich daran denke. Wenn alle ohne Ausnahme, die den Namen Jesu nennen, ernstlich in seinen Weinberg gingen, was für Leben würde da sein und was für Einigkeit in allen Gemeinden! Es würde nicht länger der Name da sein, daß sie leben, sondern wirkliches Leben. Es würde keine Trennungen geben, wenn alle gleich eifrig für die Ehre ihres gemeinsamen Herrn wären. Ihr würdet nicht von Gemeindeversammlungen hören, wo störende Auftritte vorkommen, und von Gemeinden, wo die Prediger unglücklich sind; solche Dinge würden wie die ausgestorbenen Tierarten vergangener Zeitalter betrachtet werden.

Dann würden wir keine Klagen mehr hören, daß wir nicht stark genug seien, die Arbeit in unsern großen Städten und zerstreuten Hütten zu tun. Die allerschwächste Gemeinde würde, wenn jeder seinen Teil täte, stark genug für ihre Stellung sein. Überdies würde kein Mangel an Geld für heilige Unternehmungen da sein. Aber der Reichtum, der Christo und seinem Dienst gehört und Ihm vorenthalten wird, rostet in allen Koffern, und die Summe, deren der Herr beraubt wird, ist fast über die Berechnung hinaus. Die Missionsgesellschaften, die im ganzen sehr gut unterstützt werden, empfangen nicht mehr als den zehnten oder hundertsten Teil von dem, was Gottes Kinder zu einem so göttlichen Werke geben sollten. Wenn der fürstliche Kaufmann, der beisteuert, was man für eine hübsche Summe hält, nur in demselben Verhältnis gäbe, wie manches fromme Mädchen, die ihr Brot zu verdienen hat durch so und so viel Stiche für einen Pfennig, und wenn alle gäben, wie die wenigen geben, so würden wir bald alle Völker mit Missionaren versorgen.

Und wenn dies der Fall wäre, was für Unternehmungen würden angefangen werden? Was für ein Überfließen von christlichem Eifer würden wir wahrnehmen? Wir würden Boten aussenden, um jede Gegend zu entdecken, die noch nicht unterworfen ist, und wir würden sogleich ans Werk gehen. Dann würde das Missionsfeld mit Männern der edelsten Tüchtigkeit besetzt sein. Ich weiß nicht, wie ihr darüber denkt, aber mir scheint es seltsam, daß wir hier so eng zusammen gepackt sind, und nur wenige in das Missionsfeld gehen. „Einige von uns haben hier große Wirkungskreise, und von uns kann nicht erwartet werden, daß wir gehen, nicht wahr?“ Ich antworte, der tüchtigste Prediger, der je gelebt, ist nicht zu gut für das Missionswerk; der, welcher daheim am nützlichsten ist, ist wahrscheinlich der Tauglichste für das auswärtige Feld. Wir wollen jeder unser eignes Herz über die Ansprüche der Heiden befragen: ich meinesteils, ich wage nicht zu schlafen, bis ich ehrlich die Frage beantwortet habe, ob ich gehen sollte oder nicht. Wir sagen unsern jungen Männern im Seminar, sie müßten beweisen, daß sie nicht zu gehen haben, sonst sei ihre Pflicht klar. Wenn einige der Männer Israels zu Josua gesagt hätten: „Wir können nicht gen Ai ziehen,“ so würde Josua erwidert haben: „Ihr müßt beweisen, daß ihr nicht gehen könnt, sonst könnt ihr nicht davon befreit werden.“ Falls nichts Besonderes im Wege steht, sollten Prediger es für ausgemacht ansehen, daß es ihre Pflicht ist, in ein neues Gebiet einzudringen, wenn sie nicht das Gegenteil beweisen können. Wenn ich an die Anzahl junger Männer denke, die gute Bildung haben und in dem Institut für Handwerker einen trefflichen Vortrag halten können, und die behaupten, durch den Heiligen Geist wiedergeboren zu sein, so betrübt es mich, so häufig ihre Talente geringeren Zwecken gewidmet zu sehen!

Frankreich hat das Evangelium nötig. Seht, was ein geliebter Bruder in Paris imstande gewesen ist zu tun - sind keine da, die das Gleiche für andre Städte in diesem Nachbarlande tun können? Hier und da ist ein frommer Mann imstande, zu sagen: „Ich habe mir ein hinlängliches Vermögen erworben“ - warum nicht da wohnen und es an dem Ort gebrauchen, wo du es persönlich zur Ausbreitung des Reiches Gottes verwenden kannst? Dergleichen wird von einigen Wenigen getan, es ist deshalb nicht unmöglich, und ihr, die ihr dem großen Beispiel folgt, werdet euren Lohn haben. Seht, was Pastor Harms in dem Dorfe Hermannsburg tat, wie er alle Leute anspornte, bis sie sich selber und ihr Eigentum dem Herrn hingaben und ein Missionsschiff bauten und, Gesellschaft auf Gesellschaft, nach Afrika gingen, um zu evangelisieren. Sollte es nicht das Streben eines Predigers sein, zu fühlen, daß er, wenn er daheim bleibt, wenigstens sehr viele zu Missionaren macht in dem Dorfe, wo er arbeitet? Ich wollte, der Tag käme, wo derjenige für den Glücklichsten gehalten wird, der am meisten für Christum litt und arbeitete. Laßt uns alle für Christum und seine erlöste Gemeinde arbeiten! Alle ans Werk, zu allen Zeiten und zu allen Weisen für Christum! Das ist es, warum ich bitte und mahne, und dann wollen wir einen andern Wahlspruch nehmen, und sagen: Die Welt für Christum, und Christus für jedes Volk unter dem Himmel! O, Heiliger Geist, bekehre die Gemeinde, und sie wird die Welt bekehren!

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