Spurgeon, Charles Haddon - Einlegung eines guten Wortes für die Frauen

Wir ließen die Pferde im letzten Kapitel beim Gasthof zur „Guten Frau“ anhalten, und da unter diesem Schilde gute Herberge für Mensch und Vieh zu finden ist, so wollen wir hier ein wenig verweilen und unsre Feder in superfeine Tinte eintauchen, die keine Galle enthält. Wenn Pflüger Hans über einen so schönen Gegenstand schreibt, muß er sich auch des besten Betragens befleißigen. Es ist zum Erstaunen, wie viele alte Sprichwörter gegen die Frauen vorhanden sind, gegen ein Dutzend andrer sind immer neunzehn ihnen gewidmet. Vorzeiten nahmen die Männer immer einen rauhen Ton an, wenn sie von ihren Gattinnen sprachen. Einige von diesen Redensarten sind geradezu entsetzlich, wie z.B. das sehr böse Wort: „Jeder Mann hat zwei gute Tage bei seiner Frau - nämlich ihren Hochzeitstag und ihren Sterbetag;“ sowie jenes andre: „Wer seine Frau und einen Pfennig verliert, hat sehr viel an dem Pfennig verloren.“

Ich erinnere mich eines alten Liedes, welches ein Leiermann über das Thema zu singen pflegte, daß es besser sei, aufgehängt zu werden als zu heiraten; es beweist, wie allgemein das Schmähen des ehelichen Lebens war. Es ist fast zu schlecht, um es abzudrucken; es lautete, soweit ich mich erinnern kann, etwa so:

Im Karren saß der Delinquent,
Zum Richtplatz sollt' es gehen;
Ein Gnadenbote kam behend'
Und hieß den Karren stehen.
„Frei sollst du sein, wenn du willst frei'n,“
So klang des Boten Stimme.
„Das wär' ja wahre Höllenpein!“
Rief jener drauf mit Grimme,
„Manch' Mädchen hier hat gute Weil;
Sollt' ich ihr Spiel verderben?
Ein Weib zu haben ist kein Heil.
Der Tausch brächt' mir den schlimm'ren Teil!
Fahrt zu - will lieber sterben.“

Solch schlechtes Zeug beweist übrigens nicht, daß die Freuen schlecht sind, sondern nur, daß ihre Männer nichts taugen, oder sie würden nicht solche abscheuliche Lästerungen über ihre Gefährtinnen aufbringen. Der faulste Zweig knackt am ersten; es scheint demnach, daß die männliche Seite des Hauses die schlechteste von beiden sein muß, denn sie hat ohne Zweifel die bissigsten Sprichwörter fabriziert. Es hat allerdings einige entsetzlich schlechte Frauen in der Welt gegeben, die einen Mann zu der Rede gereizt haben, daß, wenn die Größe der Frauen ihrer Güte entspräche, eine Erbsenschale schon hinreichen würde, um ihnen Kleid und Hut daraus zu machen. Aber wie viele Tausende wahrer Gehilfinnen hat es dagegen gegeben, die man nicht mit Geld aufwiegen könnte! Nur ein Hiobsweib und nur eine Isebel werden in der Schrift erwähnt, der Saras aber und der Rebekkas sind unzählige. Ich stimme mit Salomo überein, daß der allgemeinen Regel nach, derjenige, der ein Eheweib findet, etwas Gutes findet. Wenn ein schlechtes Geldstück beim Kaufmann ausgegeben wird, so bekommen alle Nachbarn davon zu hören, aber von den Hunderten guter erzählt die Geschichte nichts. Ein gutes Weib nacht keinen Lärm, und man macht keinen Lärm um sie, aber eine böse Sieben ist im ganzen Kirchspiel bekannt. Alles in allem genommen sind sie wahrhaft engelhafte Kreaturen und viel zu gut für die Hälfte sämtlicher Männer.

Ein kräftiges Zeugnis zugunsten der Ehefrauen legt der Umstand ab, daß es so wenig alte Redensarten gegen die Ehemänner gibt, wiewohl in diesem Falle das Sprichwort an der Stelle wäre: „Was gut ist für die Gans, ist auch gut für den Gänserich,“ und: „Die Stute hat ebenso gut Gründe zum Ausschlagen wie der Hengst.“ Sie müssen viel Schonung und Geduld besitzen, oder sie würden den Männern ein Tit für jedes Tat gegeben haben. Sie sind freilich ein bißchen schnell mit ihrer Zunge; aber sind sie an Schönheit und Klang den Glocken ähnlich, so muß man sich auch nicht wundern, wenn sie, wie diese, Zungen haben, die sich leicht hin und her bewegen. Sie können bei alledem nicht so schlecht sein, oder sie würden sich längst gerächt haben für die vielen bitterbösen Dinge, die ihnen nachgeredet werden; und wenn sie ein wenig herrschsüchtig sind, so müssen ihre Männer doch nicht in allzu schwerer Sklaverei schmachten, oder sie würden gewiß so klug sein und den Mund darüber halten. Die Männer mögen's im allgemeinen nicht gern verlauten lassen, wenn sie gründlich unter dem Pantoffel sind; und ich bin mir ziemlich gewiß, daß die alten Sprichwörter nichts als Wind sind, denn wenn sie wahr wären, so würden die Männer nimmermehr den Mut gehabt haben, es einzugestehen.

Ein rechtes Weib ist ihres Mannes bessere Hälfte, seine Wonne, seine Blume, sein Schutzengel und seines Herzens Schatz. Er spricht zu ihr:

„Von dir entzückt,
Bin ich beglückt.
Du meine Wahl,
Endigst meine Qual.
Zufriedenheit und Ruh'
Verschaffst mir du.
Gott hat's gelenkt
Und dich mir geschenkt.“

In ihrer Gesellschaft findet er seinen Himmel hienieden; sie ist das Licht seines Hauses, der Trost seiner Seele und (für diese Welt) die Seele seines Trostes. Was für ein Schicksal ihm auch Gott bescheiden möge, so lange sie lebt, ist er reich. Seine Rippe ist das beste Glied seines Leibes.

„Der, dem ein liebend Weib gegeben,
Hebt wie's auch kommen mag im Leben,
Sein Haupt mit Freuden stets empor;
Doch wer ein böses Weib gefunden,
Trinkt bitt're Galle alle Stunden,
Kein Glück geht ein zu seinem Tor.“

Ist der Mann gut, so ist es das Weib auch. Einige Männer können weder ohne Weiber noch mit Weibern fertig werden; sie fühlen sich elend im gepriesenen Stande der Ledigkeit, und sie machen ihr Haus unglücklich, wenn sie sich verheiraten; sie sind Tomkins Hunde ähnlich, der es nicht aushalten konnte, frei zu sein, und der ein Geheul erhob, wenn er angebunden wurde. Wer glücklich war als Junggesell, wird meistens auch glücklich als Mann sein, und ein glücklicher Mann ist der glücklichste Mensch unter der Sonne. Zwei glücklich verheiratete Menschenkinder führen ein fröhliches Leben miteinander, wie die Kundschafter die Traube Eskols zwischen sich trugen. Sie sind ein Paar Paradiesvögel. Ihre geteilten Freuden sind doppelte Freuden, und ihre geteilten Schmerzen sind halbe Schmerzen. Das ist die hübsche Arithmetik, nach der sie rechnen. Der Wagen der Sorge rollt leicht dahin, indem sie ihn zusammenziehen, und wenn er einmal etwas schwer geht oder hier und da anstößt, so lieben sie sich darum nur um so mehr und erleichtern sich also die Last.

Wenn es Streit in der Ehe gibt, so liegen meistens Fehler auf beiden Seiten vor, und gewöhnlich ist auf der einen Seite ein Pfund und auf der andren 400 Gramm. Wenn es in einem Hause unglücklich zugeht, so ist der Mann ebenso oft Schuld daran wie die Frau. Karl ist ebenso sehr zu tadeln wie Johannes und bisweilen noch mehr. Will der Mann keinen Zucker im Schranke halten, so ist's kein Wunder, daß die Frau bitter wird. Mangel an Brot bringt Mangel an Liebe; magere Hunde beißen sich. Die Armut reitet meistens auf dem Rücken des Mannes nach Hause, denn es ist nicht oft die Sache der Frau, auszugehen und um Lohn zu arbeiten. In unsrer Gegend schenkte ein Mann seiner Frau einen Ring mit der Inschrift: „Wenn du nicht arbeitest, sollst du auch nicht essen.“ Das war ein Unmensch. Es ist nicht ihr Beruf, das Mahlkorn einzubringen - sie hat nur darauf zu sehen, daß es gut angewandt und nicht verwüstet wird; darum sage ich, es ist nicht ihre Schuld, wenn es schmale Kost gibt. Sie hat nicht das Brot zu verdienen, sondern zu bereiten. Sie verdient mehr daheim als irgend einen Lohn, den sie draußen bekommen kann.

Nicht das Weib ist es, welches den Verdienst im „Braunen Bär“ oder in dem „Lustigen Kameraden“ verspielt oder vertrinkt. Man sieht dann und wann ein betrunkenes Weib, und es ist ein schrecklicher Anblick, aber in neunundneunzig Fällen unter hundert ist es der Mann, der benebelt nach Hause kommt und die Kinder mißhandelt - selten tut es das Weib. Dies arme, geplagte Geschöpf ist schon notgedrungen Mitglied des Enthaltsamkeitsvereins, ob es ihr gefällt oder nicht, und bekommt so wie so nur kaltes Wasser zu trinken und oft auch heißes dazu. Die Frauen tadelt man deswegen, daß sie oft vor dem Glase stehen und sich begucken, aber das ist noch immer kein so schlimmes Glas wie das, in dem die Männer ihren Verstand ertränken. Die Frauen sitzen nicht im Wirtshause auf der Ofenbank, um das Geld zu verzechen; sie, die Ärmsten, sitzen beim Kinde daheim und frieren, sehen auf die Uhr (wenn eine vorhanden ist) und wundern sich, wann wohl ihr Herr und Gebieter nach Hause kommen wird, und weinen bittere Tränen, während sie so warten müssen. Ich wundere mich, daß sie nicht Streik machen. Einige von ihnen sind in einer so jammervollen Lage wie ein Maikäfer auf einer Nadel oder eine Maus im Maul einer Katze. Sie müssen die kranke Tochter pflegen und den schmutzigen Jungen waschen und sich fortwährend das Geschrei und den Lärm der Kinder gefallen lassen, während der „Herr der Schöpfung“ seinen Hut aufsetzt, sich eine Pfeife anzündet und seinem Vergnügen nachgeht, oder, wenn es ihm gefällt, nach Hause kommt, um seine arme Ehehälfte auszuschelten, daß sie ihm kein besseres Abendbrot besorgt hat. Wie kann er erwarten, wie ein Kampfhahn gefüttert zu werden, wenn er Sonnabend-Abends so wenig Geld nach Haus bringt und so viele Trankopfer am Schrein des Gottes „Gerstensaft“ darbringt? Ich sage es und weiß es, daß es viele Häuser gibt, in denen kein scheltendes Weib vorhanden sein würde, wenn nicht ein Brummbär und Saufaus von Mann darin wäre. Kerls, die nicht einmal tauglich sind, um Wischlappen aus ihnen zu machen, trinken und trinken, bis sie ganz im Dusel sind, und schlagen dann auf ihre armen Droschkenpferde los, wenn sie ihnen nicht mehr Geld zum Vertrinken geben können. Widerspreche mir keiner, ich behaupte es und will es auch beweisen, daß eine Frau sich notwendigerweise ärgern muß, wenn sie mit all ihrem Stopfen und Sparen nicht haushalten kann, weil ihr Mann sie daran hindert. Wir alle würden unwillig werden, wenn wir Ziegel machen sollten ohne Stroh, den Topf kochend erhalten ohne Feuer und den Sackpfeifer bezahlen mit leerem Beutel. Was soll sie aus dem Ofen ziehen, wenn sie weder Mehl noch Teig hat? Ihr schlechten Männer, ihr seid ausgefeimte Halunken und solltet bei den Fersen aufgehängt werden, bis ihr euch gebessert habt!

Man sagt, ein Mann von Stroh sei so viel wert wie ein Weib von Gold, ich lasse mir's aber nicht weiß machen; ein Mann von Stroh ist nicht mehr wert als ein Weib von Stroh - mögen die alten Sprichwörter so viel lügen, wie sie wollen. Hans ist meist nicht besser als Grete. Wo Weisheit des Mannes Teil ist, da ist meistens Sanftmut des Weibes Teil, und geht bei ihnen der alte Hochzeitswunsch in Erfüllung: „Im ersten Jahr Freude, im zweiten Behaglichkeit, in allen übrigen Zufriedenheit.“ „Wo die Herzen sich einen, da wird Freude erscheinen.“ „Zwei, die sich leiden, kann der Tod nur scheiden.“ Man sagt zwar, der Ehestand sei nicht sehr oft ein Höhestand, sondern meistens ein Wehestand. Nun, wenn letzteres der Fall ist, so haben Rock und Weste ebensoviel dazu beigetragen, wie Kleid und Schürze. Der Honigmonat braucht gar nicht zu Ende zu gehen; und wenn es doch der Fall ist, so ist oft der Mann daran schuld, weil er allen Honig aufgegessen und nichts als Gefühlsschwärmerei übriggelassen hat; wenn sie aber beide darin eins sind, daß, was auch aus den Gefühlen werde, doch jeder seinen Teil zum Honig beitragen werde, so werden sie ein lustiges Leben haben. Wenn einer im Gasthofe „Zum Katzenfuß“ wohnt, da, wo es zerkratzte Gesichter gibt, so hat entweder seine Frau keinen Mann, oder er keine Frau geheiratet. Wenn ein Mann sich nicht seiner Haut erwehren kann, so muß sein Verstand so knapp sein wie die Wolle eines blauen Hundes. Ich bemitleide meistens die armen Männer nicht, die so viel von ihren Frauen zu leiden haben; ich spare mein Mitleid für die Frauen auf. Wenn der Dunmow-Schinken verloren ist, so wird keiner von beiden Eheleuten mehr Speck zu essen bekommen; aber die Frau wird wohl am meisten in Ermangelung desselben zu fasten haben. Jeder Hering muß an seinen eigenen Kiemen hängen, und jede Person muß für ihren eigenen Anteil am häuslichen Zwist Rechenschaft ablegen, aber Pflüger Hans kann es nicht leiden, wenn die ganze Schuld den Frauen aufgebürdet wird. Wenn eine Schüssel zerbricht, so hat es die Katze getan, und wenn ein Unheil geschieht, so ist eine Frau daran schuld. Hier haben wir zwei so hübsche Lügen, wie man sie nur im Laufe eines Monats zu hören bekommen kann. Es gibt ein Warum für jedes Darum, aber das Warum für häusliche Konflikte ist nicht immer bei der Hausfrau zu suchen. Seid nüchtern und habt Acht! Ich weiß, einige Frauen haben lange Zungen, dann ist es aber um so bedauerlicher, daß ihre Männer sie in Bewegung setzen; was aber das viele Sprechen betrifft, so blicke man nur eben in eine Schenke hinein, wenn die Unterkiefer der Männer gut mit Schnaps eingeölt sind, und wenn irgendeine Frau unter der Sonne schneller sprechen und mehr Unsinn schwatzen kann als diese Männer, so will ich nicht Hans Pflüger heißen.

Bis hierher war ich gekommen; da trat unser Prediger ein und sagte: „Hans, du kaust da an einem zähen Bissen, der Gegenstand ist dir ein wenig hoch; ich will dir ein altes, seltenes Buch leihen, mit dessen Hilfe du über den Berg kommen kannst.“ „Danke schön, lieber Herr,“ erwiderte ich, „eine kleine Hilfe ist besser als eine große Menge Tadel, ich bin Ihnen sehr zum Danke verpflichtet.“ Da übersandte er mir „Erzbischof Seckers Trauring“; und wahrlich, ein Erzkerl war dieser Bischof! Ich kann nichts Besseres tun als einige von seinen saft- und kraftvollen Bemerkungen hier wiedergeben; sie sind sehr wohlschmeckend und prägen sich leicht dem Gedächtnis ein.

Er sagt: „Hast du ein weiches Herz? Gott hat dir das harte genommen. Hast du ein sanftes Weib? Du hast es von Gott bekommen. Die Juden haben ein Sprichwort: „Das ist kein Mann, der keine Frau hat.“ Wiewohl der Mensch für sich allein gut sein kann, so ist es doch nicht gut, daß der Mensch allein sei. „Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab. Ein Weib, wenn sie auch keine vollkommene Gabe ist, ist doch eine gute Gabe, ein Strahl, ausgegangen von der Sonne der Barmherzigkeit. Wie glücklich sind die Ehen, wo Christus bei der Hochzeit zugegen ist! Laß nur die Frauen, die vor Gottes Augen Gnade gefunden haben, vor deinen Augen Gnade finden. Die Männer sollten den Mantel der Liebe über die Schwächen ihrer Frauen ausbreiten. Lösche die Kerze nicht aus, weil eine Schnuppe daran ist. Mann und Weib sollten einander reizen zur Liebe und einander lieben trotz der Reizungen. Der Baum der Liebe sollte inmitten der Familie aufwachsen, wie der Baum des Lebens im Garten Eden wuchs. Gute Dienstboten sind ein großer Segen; gute Kinder sind ein größerer Segen; aber ein gutes Weib ist der größte Segen; und nach einer solchen Gehilfin suche der, der eine braucht; um eine solche seufze der, der eine verloren hat; und an einer solchen erfreue sich der, der eine besitzt.“

Doch ich komme nun wieder vom Rinderbraten des Erzbischofs auf meinen Topf mit Gemüse zurück, und will noch etwas aus meiner eigenen Erfahrung über den vorliegenden Gegenstand mitteilen und damit schließen.

Meine Erfahrung mit meiner ersten Frau, die, wie ich hoffe, auch meine letzte sein wird, ist etwa folgende gewesen: Die Ehe stammt vom Paradies her und führt wieder dahin zurück. Ehe ich verheiratet war, bin ich nie halb so glücklich gewesen, als ich jetzt bin. Erst wenn man verheiratet ist, fängt das Glück des Lebens an. Ich zweifle nicht daran, daß, wo viel Liebe ist, auch viel Liebenswertes sein wird, und daß, wo es mit der Liebe schwach bestellt ist, sich eine große Menge Fehler einstellen werden. Gibt es nur ein gutes Weib unter der Sonne, so bin ich der Glückliche, der ihr den Ring an den Finger gesteckt hat, und mein Wunsch ist der, daß sie ihn noch recht lange tragen möge! Gott segne die gute Seele! Kann sie sich nur in mich schicken, ich werde sie sicherlich nicht wegschicken!

Wenn ich heute nicht verheiratet wäre und eine treffliche Gefährtin wüßte, so würde ich mich schon morgen früh vor dem Frühstück mit ihr verheiratet haben. Wie kommt euch das vor? „Ich glaube,“ spricht da vielleicht einer, „Pflüger Hans würde sich wieder verheiraten, wenn er Witwer geworden wäre!“ Nun, und wenn es so wäre, wie könnte er es besser beweisen, daß er mit seiner ersten Frau glücklich gewesen ist? Ich bekenne frei und offen, daß ich nicht sprechen würde wie einige, die da sagen, sie müßten sich wieder verheiraten, um eine zu haben, die nach den Kindern sieht; nein, ich würde wieder heiraten, um eine zu haben, die nach mir selber sieht, Pflüger Hans liebt die Geselligkeit und würde nicht wissen, was er allein in seinem Hause anfangen sollte. Ein Mann, als er sein viertes Weib nahm, ließ die Worte in den Trauring gravieren:

„Überleb' ich dich,
Nehm' die Fünfte ich.“

Nun, das war allerdings ein alter Blaubart! Ehen werden im Himmel geschlossen; der Ehestand ist an und für sich gut, aber es gibt Narren, die Speise in Gift verwandeln und aus einem Segen einen Fluch machen. „Das ist ein guter Strick,“ spricht der Narr, „damit kann man sich gut aufhängen.“ Wer sich seine Frau von Gott erbeten hat und sie um ihres Charakters willen, nicht bloß wegen ihrer hübschen Figur, geheiratet hat, darf wohl erwarten, daß Gottes Segen seine Wahl besiegeln wird. Diejenigen, deren Liebe sich in Gott vereinigt, die Ihn um Liebe bitten und Ihn zu bitten lieben, die brauchen nicht darum besorgt zu sein, daß Liebe und Freude je von ihnen scheide.

Derjenige, der seine Frau achtet, wird finden, daß sie ihn auch achtet. Mit dem Maß, mit dem er mißt, wird ihm wieder gemessen werden, und zwar mit einem vollen, gedrückten und geschüttelten Maß. Derjenige, der seine Gattin zu Rate zieht, wird eine gute Ratgeberin haben. Ich habe unseren Prediger sagen hören: „Die Frauen fühlen die Wahrheit instinktmäßig viel schneller heraus, als die Männer mit ihrer Vernunft.“ Sie treffen das Rechte im Nu und sind weise aus dem Stegreif. Sage, was du willst, gegen den Rat, den dir deine Frau gegeben hat, es wird dir höchstwahrscheinlich leid tun, daß du ihn nicht befolgt hast. Wer schlecht von den Frauen spricht, sollte der Brust eingedenk sein, die ihn gesäugt hat - und sich seiner selbst schämen. Wer seine Frau mißhandelt, sollte öffentlich ausgeprügelt werden, und ich hätte Lust, ihm auch einen ordentlichen Hieb zu versetzen! Ich würde ihm schon ein paar ordentliche überziehen, das könnt ihr mir glauben! Und hiermit genug für diesmal, wie der Strohdecker sagte, nachdem er alle Schüsseln, die auf dem Tische standen, geleert hatte.

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