Spurgeon, Charles Haddon - Epheserbrief (Andachten)

Spurgeon, Charles Haddon - Epheserbrief (Andachten)

Eph. 1,3

„Der uns gesegnet hat mit allerlei geistlichem Segen.“

Christus verleiht den Seinen alle Segensgaben der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. In den geheimnisvollen Zeiten vergangener Ewigkeiten war der Herr Jesus der Ersterkorene seines Vaters, und in seiner Erwählung hat Er uns ein Erbteil geschenkt, denn wir sind durch Ihn und in Ihm erwählt vor Grundlegung der Welt. Er hatte von aller Ewigkeit her das Vorrecht der Gotteskindschaft, als seines Vaters eingeborner Sohn, an dem Er Wohlgefallen hat, und hat auch uns in dem Reichtum seiner Gnade durch Erwählung und Wiedergeburt zur Gotteskindschaft erhoben, also dass Er uns, die wir Ihn aufnahmen, „Macht gab, Gottes Kinder zu werden.“ Das ewige Testament, gegründet auf seine Bürgschaft und durch einen Eid bekräftigt, ist unser eigen, auf dass wir einen starken Trost haben und eine Zuflucht. In dem ewigen Vorsatz der berufenden Gnade, wie im Allmachts-Wort der Weisheit war der liebende Blick unsers Herrn Jesu stets auf uns gerichtet; und wir dürfen uns fest darauf verlassen, dass im ganzen Schicksalsbuch auch nicht ein Buchstabe gegen das Wohl seiner Erlösten lautet. Die große Hochzeitsfreude des Königs der Herrlichkeit gilt uns, denn uns wurde Er vertrauet, und der Tag des Hochzeitsfestes ist nahe, der es dem ganzen Weltall verkündigen wird. Die wunderbare Menschwerdung des Gottes vom Himmel samt all der erstaunlichen Herablassung und Erniedrigung, die damit verbunden war, geschah um unsertwillen. Der blutige Schweiß, das verwundete Haupt, die Nägelmale: sie sind unser auf ewig. Alle Segensfrüchte, die aus seinem vollkommenen Gehorsam, aus seiner vollbrachten Versöhnung, aus seiner Auferstehung, Himmelfahrt und Fürbitte vor dem Throne entspringen, sind völlig unser eigen als seine freie Gnadengabe. Auf seinem Brustschildlein trägt Er unsre Namen; und in seiner alles vermögenden Fürsprache vor dem Throne gedenkt Er unser und unserer Anliegen. Seine Herrschaft über die Fürstentümer und Gewalten und seine unumschränkte Majestät im Himmel handhabt Er zum Frommen und Segen derer, die auf Ihn trauen. Er, der sich selbst für uns dahingegeben hat in den Abgrund der Schmerzen und des Todes, entzieht uns auch jetzt seine Liebe nicht, wo Er erhöht ist auf dem höchsten Himmelsthron.

Eph. 1,6

„Angenehm gemacht in dem Geliebten.“

Welch ein Stand der Gnade! Er begreift in sich unsre Rechtfertigung vor Gott, aber der Ausdruck „angenehm“ bedeutet im Gericht mehr, als nur das. Er bezeichnet, dass wir der Gegenstand des göttlichen Wohlgefallens sind, je viel mehr, ein Gegenstand der göttlichen Freude und Wonne. Wie wunderherrlich, dass wir arme Würmer, Sterbliche, Sünder, sollen Gegenstände der göttlichen Liebe sein! Aber das alles sind wir nur „in dem Geliebten!“ Manche Christen sehen danach aus, als wären sie angenehm gemacht in ihren innern Erfahrungen, so wenigstens verstehen sie‘s. Wenn ihr Geist lebendig, wenn ihre Hoffnung strahlend ist, dann, meinen sie, seien sie Gott angenehm, denn sie fühlen sich so gehoben, so himmlisch-gesinnt, so über alles Irdische empor getragen! Aber wenn ihre Seelen in den Staub gebeugt sind, übernimmt sie die Furcht, sie seien nicht mehr angenehm in des Ewigen Augen. O, wenn sie doch nur fühlen könnten, dass all ihre adlergleich aufrauschende Freude sie nicht erhöht, und all ihre niederbeugende Traurigkeit sie nicht wirklich erniedrigt vor ihres Vaters Antlitz, sondern dass sie stets gleich angenehm gemacht sind in dem Einigen, der sich nie und nimmer verändert, in dem Einigen, der ewiglich der Geliebte Gottes ist, der allezeit vollkommen ist, allezeit ohne Flecken oder Runzel oder des etwas; o, wie viel glücklicher wären sie, und wie viel mehr würden sie eben damit ihren Heiland ehren! So freue dich denn, liebe gläubige Seele, darüber, dass du bist „angenehm gemacht in dem Geliebten.“ Du schauest in dein Inneres und sprichst: „Hier ist nichts, was Gott könnte angenehm sein!“ Aber blicke empor zu Christo, und siehe, ob nicht in Ihm alles Gott Wohlgefällige wohne; Gott aber hat deine Sünden hinter sich geworfen, und du bist angenehm gemacht in dem Gerechten. Du musst mit der Sündenverderbnis ringen und gegen die Versuchung ankämpfen, aber du bist schon angenehm gemacht in Ihm, der alle Macht des Bösen überwunden hat. Der Teufel versucht dich; sei gutes Muts, er kann dich nicht verderben, denn du bist angenehm gemacht in Dem, der der Schlange den Kopf zertreten hat. Selbst die Verklärten sind Gott nicht wohlgefälliger als du. Der Unterschied besteht nur darin, dass sie im Himmel angenehm gemacht sind „in dem Geliebten,“ und dass du schon hienieden auf Erden in Christo angenehm gemacht bist nach derselben Gnade.

Eph. 1,7

„Die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade.“

Ist wohl in irgendeiner Sprache ein besseres Wort zu finden, als der Ausdruck „Vergebung“, wenn es in eines Sünders Ohr erklingt, wie die silberhellen Töne der Jubelposaune den Gefangenen aus Israel? Gelobt, ewig hochgelobt sei der teure Stern der Erlösung, der in die Gefängniszelle herniederstrahlt und dem Elenden inmitten der Mitternacht der Verzweiflung einen Hoffnungsschimmer gewährt. Ist es denn möglich, dass eine Sünde, so schwer wie die meinige, Vergebung empfangen kann, ganze Vergebung, ewige Vergebung? Die Hölle ist mein Teil, weil ich ein Sünder bin; es bleibt mir keine Möglichkeit, ihr zu entrinnen, weil die Sünde auf mir lastet. Kann die Schuldenlast erleichtert, die blutrote Befleckung abgewaschen werden? Können die diamantharten Steine meines Gefängnisses je aus ihrer Verbindung gerissen, oder die Tore je aus ihren Angeln gehoben werden? Aber der Herr Jesus verheißt mir, dass ich noch rein werden soll. Ewig hochgelobt sei die Offenbarung der versöhnenden Liebe, die mir nicht nur sagt, dass Vergebung möglich sei, sondern dass sie allen zugesichert sei, die sich auf den Herrn Jesum verlassen. Ich habe an die verordnete Versöhnung, an den gekreuzigten Jesum geglaubt, und darum sind mir meine Sünden in diesem Augenblick und auf immer vergeben, kraft seines stellvertretenden Leidens und Todes. Was ist doch das für eine Freude! Welch eine Seligkeit, wenn die Seele vollkommene Vergebung empfangen hat! Meine Seele weiht alle ihre Kräfte Dem, welcher aus eigener unverdienter Liebe mein Bürge wurde und durch sein Blut mir eine Erlösung zustande gebracht hat. Welche Reichtümer der Gnade offenbart doch diese freie Vergebung!

Ganze Vergebung, völlige Vergebung, freie Vergebung, ewige Vergebung! Hier ist eine Überfülle von Wundern; und wenn ich an die Größe meiner Sünden denke, an den unschätzbaren Wert der edlen Tropfen, die mich davon befreiten, an die Gnade, mit welcher mir die völlige Vergebung zugesichert und besiegelt wurde, dann versinke ich in staunender, bewundernder, anbetender Liebe. Ich beuge mich vor dem Throne, der mich entsündigt; ich umfasse das Kreuz, das mich befreit; von nun an will ich täglich meinem fleischgewordenen Gott dienen.

Eph. 1,11

„Durch welchen wir auch zum Erbteil gekommen sind.“

Als der Herr Jesus sich für uns hingab, schenkte Er uns alle Rechte und Gnaden, die in Ihm und mit Ihm vereinigt sind, und obgleich Er als der ewige Gott wesentliche Eigenschaften und Rechte besitzt, die kein Geschöpf sich anmaßen darf, so hat Er doch als Jesus kein Erbteil, wovon wir ausgeschlossen wären. All' der herrliche Lohn Seines Gehorsams bis zum Tode ist der gemeinsame Schatz aller derer, die in Ihm sind, und um derentwillen Er den göttlichen Ratschluss erfüllt hat. Sieh, Er geht ein zur Herrlichkeit, doch nicht für sich allein, denn es stehet geschrieben: „Dahin der Vorläufer für uns eingegangen,“ Hebr. 6,20. Stehet Er vor Gott? „Christus ist in den Himmel selbst eingegangen, um zu erscheinen vor dem Angesicht Gottes für uns“ Hebr. 9,24. Das betrachte, liebe gläubige Seele. Durch dich selbst hast du kein Recht an den Himmel: „Dein Recht steht in Christo. Hast du Vergebung deiner Sünden, so hast du sie durch Sein Blut; bist du gerechtfertigt, so bist dus durch Seine Gerechtigkeit; bist du geheiliget, so bist dus darum, dass er dir von Gott zur Heiligung gemacht ist; wirst du vor der Sünde behütet, so geschiehts, weil du in Christo Jesu bewahret bist; und wenn du zuletzt vollendet wirst, so wirst dus, weil du in Ihm vollkommen geworden bist. Also wird Jesus verherrlichet, denn alles ist in Ihm und durch Ihn erschaffen; das Erbteil wird uns gewiss zufallen, denn wir empfangen es in Ihm; und so wird jeder Segen köstlicher, und selbst der Himmel himmlischer für uns, weil es der Herr Jesus, unser Freund, ist, in welchem wir alles empfangen haben. Wo ist der Mensch, der unser himmlisches Erbteil ganz zu würdigen vermöchte? Wäget die Reichtümer Christi mit Gewichten und Seine Schätze in Schalen, so werdet ihr im Stande sein, den Lohn der Herrlichkeit zu überrechnen, der Seinen Heiligen zu Teil wird. Ergründet die Tiefe des Freudenmeeres in Christo, und dann erst hoffet, die Seligkeit zu begreifen, die Gott denen zubereitet hat, die Ihn lieben. Überspringet die Grenzen der Güter Christi, und dann träumet von einer Grenze des herrlichen Erbteils Seiner Auserwählten. „Alles ist euer, ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes.“ (Goldstrahlen, Januar 30)

Eph. 1,11

„Der alle Dinge wirket nach dem Rate seines Willens.“

Unser Glaube an Gottes Weisheit setzt als unbedingte Notwendigkeit voraus, dass Er einen Ratschluss und Plan festgestellt habe, wonach Er das Werk der Erlösung hinausführt. Was wäre aus seiner Schöpfung geworden ohne seine weisen Absichten fürs Ganze wie für‘s Einzelne? Ist auch ein Fisch im Meer, oder ein Vogel in der Luft, dessen Dasein dem Zufalle überlassen gewesen wäre? Selbst in jedem Knochen, Gelenk und Muskel, in jeder Sehne, Fiber und Ader erkennst du das Walten eines Gottes, der alle Dinge wirket nach dem Ratschluss seiner unendlichen Weisheit. Und sollte Gott bloß in der Schöpfung schalten und alles regieren und ordnen, und nicht auch im Reich der Gnade? Soll in der neuen, geistlichen Schöpfung das wankelmütige Wesen des freien Willens alles beherrschen, während der göttliche Ratschluss die alte Schöpfung überwacht? Schaue auf die Vorsehung! Wer weiß nicht, dass auch kein Sperling auf die Erde fällt ohne euren Vater? Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupte alle gezählet. Gott wiegt die Berge unserer Leiden mit einem Gewicht, und die Hügel unserer Trübsal mit einer Waage. Und soll Gott nur Gott sein in dem Walten der Vorsehung, und nicht auch im Wirken der Gnade? Nein, Er kennt das Ende schon im Anfang. Er schaut alles im voraus weise geordnet; nicht nur den Eckstein, den Er im Schmuck glänzender Farben festgelegt und gebettet hat in das Blut seines teuren Sohnes, sondern Er erblickt an dem zuvor versehenen Ort und an der richtigen Stelle einen jeden auserwählten Stein, den Er herausgebrochen hat aus dem Steinbruch der Natur und geglättet durch seine Gnade; Er überblickt alles vom Grundstein bis zum Giebel, vom Fuß bis zur First, von der Schwelle bis zur Spitze. Er hat in seinem Gemüt eine genaue Kenntnis von einem jeglichen Stein, der an seine bestimmte Stelle zu liegen kommen soll, und ein klares Bild von der Größe und Gestalt des Bauwerks, und eine untrügliche Gewissheit von dem Zeitpunkt, wo der Schlussstein eingesetzt werden wird unter dem lauten Jubelruf: „Heil! Heil! Heil!“ In der Vollendung wird sich‘s deutlich zeigen, dass Jehovah in einem jeglichen auserwählten Gefäß der Gnade mit seinem Eigentum gewaltet hat nach seinem Willen; und dass Er in jedem Teil des Gnadenwerks sein Ziel erreicht und seinen Namen verherrlicht hat.

Eph. 1,14

„Das Pfand unsers Erbes.“

O welch eine Klarheit, welch eine Freude, welch ein Trost, welch eine Wonne des Herzens erfährt der Mensch, der gelernt hat, sich nur an Jesu, ganz allein an Jesu zu sättigen. Und doch ist der Genuss, den wir von der Lieblichkeit und dem köstlichen Wesen Christi in diesem Leben empfangen, im besten Falle noch immer etwas Unvollkommenes. Wie ein alter Schriftsteller sagt: „Es ist nur ein Vorschmack!“ Wir haben geschmeckt, „dass der Herr freundlich ist,“ aber noch wissen wir nicht, wie gut und gnädig Er ist, obgleich das, was wir von seinem lieblichen Wesen erkannt haben, in uns die Sehnsucht nach einer noch innigern Gemeinschaft erweckt. Wir haben die Erstlingsfrüchte des Geistes gekostet, und sie haben uns hungrig und durstig gemacht nach der Fülle der himmlischen Ernte. Wir seufzen innerlich und sehnen uns nach Gotteskindschaft. Hienieden sind wir wie Israel in der Wüste, das nur eine einzige Traube von Eskol sah, dort werden wir im Weinberg selber wohnen. Hier sehen wir das Manna in kleinen Körnern vom Himmel fallen, wie Koriandersamen, dort aber werden wir Himmelsbrot und das Korn des Königreichs essen. Jetzt sind wir erst Neulinge in der geistlichen Erziehungsanstalt; denn obgleich wir die ersten Buchstaben des Alphabets gelernt haben, so können wir doch noch keine zusammenhängende Wörter lesen, noch weniger vermögen wir ganze Sätze zusammenzusetzen; aber „wer nur einmal fünf Minuten lang im Himmel gewesen ist,“ wie‘s einer ausdrückt, „der weiß schon mehr, als die Versammlung aller Gelehrten der Erde.“ Mancher unserer Wünsche muss hienieden noch unbefriedigt bleiben, aber bald wird jedes Verlangen erfüllt werden; und alle unsre Fähigkeiten werden in jener Welt der ewigen Wonne und Freude reichlich Arbeit bekommen. O Christ, versetze dich doch schon jetzt im Geiste in den Genuss des Himmels. Nach kurzer Zeit wirst du aller Trübsale und Leiden entledigt sein. Deine jetzt von Tränen getrübten Augen werden dann nicht mehr weinen. Du wirst in unaussprechlichem Entzücken den Glanz Dessen schauen, der auf dem Throne sitzt. Ja, noch mehr, du wirst selber mit ihm auf dem Throne sitzen. Du wirst mit teilhaben am Triumph seiner Herrlichkeit; seine Krone, seine Freude, sein Paradies wird dein sein, und du wirst sein Miterbe sein an der Herrschaft über alle Dinge und mit Ihm regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Eph. 1,19.20

„Die überschwängliche Größe seiner Kraft an uns, die wir glauben, nach der Wirkung seiner mächtigen Stärke, welche Er gewirkt hat in Christo, da Er Ihn von den Toten auferwecket hat.“

In der Auferstehung Christi wurde nicht weniger als in unserer Erlösung eine göttliche Machtvollkommenheit offenbar. Was sollen wir von denen denken, die da meinen, die Bekehrung sei das Werk des freien Willens eines Menschen und das Verdienst selbstgewirkter Besserung der Gesinnung und des Wandels? Wenn wir einmal die Toten aus eigener Macht sich aus ihrem Grabe erheben sehen, dann mögen wir erwarten, dass gottlose Sünder sich aus freiem Antrieb zu Christo bekehren. Nicht vom gesprochenen Wort der Verkündigung, noch vom gelesenen Inhalt der Heiligen Schrift geht die Neubelebung aus, sondern vom Heiligen Geist. Diese Macht ist unwiderstehlich. Alle Kriegsknechte und Hohepriester konnten den Leib Christi nicht im Grabe zurückhalten, der Tod selbst konnte Jesum nicht in seinen Fesseln gefangen führen; und gerade so können weder die Teufel in der Hölle, noch die Gottlosen auf Erden die Gnadenhand Gottes hindern, wenn sie einen Menschen bekehrt. Wenn der allmächtige Gott spricht: „Du musst“, so kann der Mensch nicht sagen: „Ich will nicht.“ Beachte, dass die Kraft, die Christum von den Toten auferweckte, sich herrlich offenbarte. Sie brachte Gott Ehre, aber Schmach den Heerscharen der Bosheit. So wird Gott auch durch die Bekehrung eines jeden Sünders sehr verherrlicht. Es war eine ewige Kraft. „Wir wissen, dass Christus, von den Toten erweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod wird hinfort über Ihn nicht herrschen.“ Und wenn wir auferweckt sind von den Toten, so wenden wir uns nicht wieder zu den toten Werken und alten Sünden, sondern leben Gott. „Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ „Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott.“ „Gleichwie Christus ist auferwecket von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln.“ Endlich tritt uns in unserer Schriftstelle der Zusammenhang unsers neuen Lebens mit Jesu entgegen. Dieselbe Kraft, die das Haupt auferweckt hat, wirkt auch das Leben in den Gliedern. Welch ein Segen, dass wir mit und in Christo lebendig gemacht werden!

Eph. 2,19

„Bürger mit den Heiligen.“

Was ist damit gemeint, dass wir sollen Bürger sein im Himmel? Es bedeutet, dass wir unter dem himmlischen Regiment stehen. Christus, d er König des Himmels, herrscht in unsern Herzen; wir beten täglich: „Dein Wille geschehe auf Erden, wie im Himmel.“ Die Verheißungen und Verordnungen, die vom Thron der Herrlichkeit ausgehen, werden von uns willig und freudig angenommen; wir gehorchen mit Frohlocken den Befehlen des großen Königs. Dann aber haben wir als Bürger des Neuen Jerusalems auch teil an den Ehren und Würden des Himmels. Die Herrlichkeit, die den verklärten Heiligen zuteil wird, gehört auch uns zu, denn wir sind jetzt schon Kinder Gottes, jetzt schon Prinzen vom höchsten Geblüt; jetzt schon tragen wir das unbefleckte Kleid der Gerechtigkeit Christi; jetzt schon stehen Engel zu unserem Dienst bereit, Heilige sind unsre Gefährten, Christus ist unser Bruder, Gott ist unser Vater, und eine Krone der Unsterblichkeit ist unser Lohn. Wir haben teil an den Ehrenrechten der Himmelsbürgerschaft, denn wir sind gekommen zu der Versammlung und Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel angeschrieben sind. Als Bürger haben wir auch Miteigentumsrechte an alle Güter des Himmels. Uns gehören seine Perlentore und seine Jaspismauern; uns das himmelblaue Licht der Stadt, die keiner Leuchte oder des Lichts der Sonne bedarf; unser ist der lautere Strom des lebendigen Wassers und die zwölferlei Früchte, die am Holz des Lebens wachsen auf beiden Seiten des Stroms; es ist nichts im Himmel, was nicht uns gehört. „Gegenwärtiges und Zukünftiges,“ alles ist unser. So auch genießen wir als Himmelsbürger des Himmels Freuden. Freut man sich dort über einen Sünder, der Buße tut, über einen verlornen Sohn, der heimkommt, so freuen auch wir uns dessen. Preist und verherrlicht man dort die Größe der siegreichen Gnade, so tun auch wir‘s. Werfen sie dort die Kronen vor Jesu nieder? Auch wir legen Ihm all unsre Ehre zu Füßen. Fühlt man sich dort von seinem Lächeln entzückt? Er ist auch uns, die wir hienieden wohnen, nicht weniger lieblich. Harret man dort seiner zweiten Zukunft entgegen? Auch wir verlangen und sehnen uns nach seiner Erscheinung. Wenn wir denn Bürger mit den Heiligen sind, so sei auch unser Wandel und unser Wirken im Einklang mit unserer erhabenen Bestimmung.

Eph. 3,8

„Mir, dem allergeringsten unter allen Heiligen, ist gegeben diese Gnade, unter den Heiden zu verkündigen den unausforschlichen Reichtum Christi.“

Der Apostel Paulus fühlte, dass es ein großes Vorrecht sei, das Evangelium verkündigen zu dürfen. Er gab sich seinem Beruf mit inniger Freude hin. Aber obgleich Paulus für diesen seinen Dienst am Worte dankbar war, so diente ihm der Erfolg seiner Arbeit sehr zur Demütigung. Je voller ein Schiff beladen wird, umso tiefer geht es im Wasser. Müßiggänger hegen oft einen hohen Begriff von ihrer Geschicklichkeit, weil sie unerfahren sind; aber wer ernstlich arbeitet, erfährt bald, wie schwach er ist. Wenn ihr nach der Demut trachtet, so unterzieht euch schwerer Arbeit; wollt ihr über eure Nichtigkeit ins Klare kommen, so versucht, etwas Großes für Jesum auszurichten. Wenn ihr empfinden wollt, wie so gar ohnmächtig ihr seid ohne den Beistand des lebendigen Gottes, so versucht es besonders mit der Verkündigung der unausforschlichen Reichtümer Christi, so werdet ihr erfahren, wie ihr es vorher nie erfahren habt, was für ein schwaches und elendes Gemächte ihr seid. Obgleich der Apostel solcherweise seine Schwachheit erkannte und bekannte, so war er dennoch nie im Zweifel über den Gegenstand seiner Verkündigung. Von seiner ersten bis zu seiner letzten Predigt verkündigte Paulus Christum, und nichts als Christum. Er verherrlichte das Kreuz und erhöhte Den, der daran Sein Blut vergossen hatte. Folge seinem Beispiel in allen deinen persönlichen Bemühungen, die frohe Botschaft des Heils zu verbreiten, und lass den beständig wiederkehrenden Gegenstand deines Wortes „Christum, den Gekreuzigten“ sein. Der Christ sollte den lieblichen Frühlingsblumen gleichen, welche dem Sonnenschein ihre goldenen Kelche öffnen, wie wenn sie sagen wollten: „Erfülle uns mit deinen Strahlen,“ die aber, wenn die Sonne sich hinter Wolken verbirgt, ihre Kelche schließen, und traurig ihr Haupt neigen. So sollte der Christ den lieblichen Einfluss seines Jesu empfinden; Jesus muss seine Sonne sein, und er die Blume, die sich zur Sonne der Gerechtigkeit hinneigt. Ach! von Jesu reden, und nur von Ihm, das ist der Gegenstand, der „Samen gibt zu säen und Brot zu essen.“ Das ist die glühende Kohle für die Lippen des Redenden und der Hauptschlüssel zum Herzen der Hörer. (Goldstrahlen März 2)

Eph. 3,8

„Der unausforschliche Reichtum Christi.“

Mein Meister besitzt Reichtümer, die über alle Zahlenbegriffe hinausgehen, über alles Maß der Vernunft, über alle Träume der Einbildung, über alle Beredtsamkeit der Schilderung. Sie sind ganz und gar unausforschlich. Mein Herr ist noch schneller bereit zur Vergebung, als ihr zur Sünde; Er ist williger zur Verzeihung, als ihr zur Übertretung. Mein Meister ist weit geneigter, euren Bedürfnissen zu genügen, als ihr, Ihm dieselben zu bekennen. Duldet nie in eurem Sinne kärgliche Gedanken von meinem Herrn Jesu. Wenn ihr Sein Haupt mit einer Krone schmückt, so setzt ihr Ihm nur eine Krone von Silber auf, während er doch einer goldenen würdig wäre. Mein Meister besitzt Reichtümer der Seligkeit, die Er euch schon jetzt schenken will. Er will euch weiden auf einer grünen Aue und führt euch zum frischen Wasser. Kein Gesang gleicht dem lieblichen Gesang Seiner Flöte, wenn er der Hirte ist, und ihr die Schafe Seiner Weide, und ihr euch lagert zu Seinen Füßen. Keine Liebe gleicht der Seinen, weder Himmel noch Erde besitzen etwas, was ihr von ferne gleich käme. Christum zu erkennen und in Ihm erfunden zu werden, o! das ist Leben, das ist Freude, das ist Mark und Fett, das ist Wein, in welchem keine Hefen sind. Mein Meister ist nicht karg gegen die, die in Seinem Dienste stehen; Er beschenkt sie, wie ein König Könige beschenkt; Er gibt ihnen zwei Himmel, einen Himmel hienieden, wo sie Ihm dienen dürfen, und einen Himmel droben, wo sie sich in Ihm freuen mit ungetrübter Freude ewiglich. Sein unausforschlicher Reichtum wird erst in der Ewigkeit nach seiner ganzen Größe erkannt. Auf dem Wege zum Himmel schenkt Er euch alles, was ihr bedürft; Felsen werden eure Veste und Schutz sein; euer Brot wird euch gegeben, euer Wasser habt ihr gewiss; aber dort erst, dort werdet ihr den Lobgesang derer vernehmen, die da triumphieren; das Jauchzen derer, die fröhlich sind, und werdet schauen von Angesicht zu Angesicht den Herrlichen und Einzigen, euren Geliebten. Der unausforschliche Reichtum Christi! das ist die Weise für die Sorgen der Erde und das Lied für die Harfenspieler im Himmel. Herr, unser Vater, lehre uns immer mehr und tiefer den Heiland kennen, so wollen wir die köstliche Botschaft auch Andern mitteilen. (Goldstrahlen August 22)

Eph. 3,17

„Und Christum zu wohnen durch den Glauben in euren Herzen.“

Es ist über Alles wünschenswert, dass wir als Gläubige die Person des Herrn Jesu stets vor Augen haben, um dadurch unsere Liebe gegen Ihn anzufachen, und unsere Erkenntnis Seines Wesens zu fördern. Wollte Gott, dass wir alle, die wir Sein Wort lesen, als fleißige Zuhörer die Hochschule Jesu besuchten, als Beflissene des Gesetzbuchs Christi, alle Mitglieder der Fakultät Seiner Gemeinschaft, entschlossen in der Wissenschaft des Kreuzes, den Doktorgrad zu erlangen. Wenn wir aber den Herrn Jesum stets in unserer Nähe haben wollen, so muss unser Herz von Ihm erfüllt sein, wallen von Seiner Liebe bis zum Überströmen; darum bittet der Apostel: „Christum zu wohnen in euren Herzen.“ Seht, wie nahe er wünschte, dass Jesus euch sein sollte! Ihr könnt einen Gegenstand nicht näher haben, als wenn ihrs in euer Herz selber einschließen könnt. „Christum zu wohnen“; nicht dass Er euch von Zeit zu Zeit besuche, wie ein Freund gelegentlich in ein Haus eintritt und über Nacht bleibt; sondern dass Er möge wohnen bleiben; dass Jesus der Herr und Eigentümer eures innersten Wesens werde ewiglich.

Achtet auf die Worte: zu wohnen in eurem Herzen, diesen vorzüglichsten Aufenthaltsort im Hause des menschlichen Wesens; nicht bloß in euern Gedanken, sondern in eurer Liebe; nicht bloß im beschaulichen Leben euers Gemüts, sondern in dem Leben und Bewegen des Herzens. Wir sollten uns nach einer Liebe zu Christo vom allerbeständigsten Charakter sehnen, nicht nach einer Liebe, die aufflackert und bald wieder erstirbt in die Dunkelheit etlicher verlorner Funken, sondern nach einer stetigen Flamme, genährt von heiligem Brennstoff, wie das Feuer auf dem Altar, das nie erlöschen durfte. Das kann nur durch den Glauben zu Stande kommen. Der Glaube muss stark sein, sonst ist die Liebe nicht brünstig; die Wurzel der Blume muss gesund sein, sonst dürfen wir nicht erwarten, dass sie lieblich blühe. Der Glaube ist die Wurzel der Liebe, und die Liebe ist ihre Blüthe. Nun, liebe Seele, der Herr Jesus kann nicht in der Liebe deines Herzens wohnen, wenn du Ihm nicht mächtig festhältst durch deines Herzens Glauben; und darum bitte, dass du allezeit auf Christum vertrauen mögest, auf dass deine Liebe zu Ihm beständig sei. (Goldstrahlen August 23)

Eph. 3,19

„Die Liebe Christi, die alle Erkenntnis übertrifft.“

Die Liebe Christi übertrifft in ihrer Zartheit, in ihrem Reichtum, in ihrer Größe und Treue alle menschliche Fassungskraft. Wo fände man Worte und Ausdrücke, die seine unvergleichliche, seine unerreichbare Liebe gegen die Menschenkinder beschreiben könnten? Sie ist so weit und unabsehbar groß! Gleichwie die Schwalbe das Wasser nur mit den Spitzen ihrer Flügel berührt und sich nicht in seine Tiefen taucht, so berührt jedes Wort der Schilderung nur die Oberfläche, und die unermesslichen Tiefen liegen darunter. Wohl singt mit Recht der Dichter:

„Unergründlich Meer der Liebe!
Abgrund aller Liebeswonne!
Du, der Liebe Lebens-Sonne!“

Denn diese Liebe Christi ist in Wahrheit unermesslich und unergründlich. Wer kann sie fassen? Ehe wir uns von der Liebe Jesu einen rechten Begriff machen könnten, müssten wir seine frühere Herrlichkeit in seiner erhabenen Majestät kennen lernen und müssten verstehen lernen die ganze tiefe der Erniedrigung in seiner Menschwerdung auf Erden. Aber wer kann uns unterweisen von der Hoheit Christi? Als Er auf dem Stuhl saß im höchsten Himmel, da war Er wahrer Gott aus wahrem Gott; durch Ihn sind alle Himmel gemacht mit allen ihren Heerscharen. Sein allmächtiger Arm erhielt den Weltkreis; das Lob der Cherubim und Seraphim umwogte Ihn ohne Aufhören; das volle Jubelgetöne des Halleluja-Gesanges aller Himmelsräume ergoss sich ununterbrochen vor seinem Thron; Er herrschte hoch erhaben über allen seinen Geschöpfen, Gott über alles, hochgelobt in Ewigkeit. Wer kann die Höhe seines Ruhms aussagen? Aber wer vermag auch die Tiefe zu beschreiben, in die Er hinabstieg? Ein Mensch zu werden, das war schon viel, ein Mann der Schmerzen zu werden, weit mehr; zu bluten, zu leiden und zu sterben, das war viel für Den, der Gottes Sohn genannt war, aber so unaussprechliche Angst ertragen, solch einen Tod der Schmach und des Verrats erleiden zu müssen, das ist ein Tiefe der erbarmenden Liebe, welche auch das begeistertste Gemüt in Ewigkeit nie zu ergründen vermag. Das ist Liebe! und wahrlich eine Liebe, „die alle Erkenntnis übertrifft.“ O, dass doch diese Liebe unsre Herzen erfüllte mit anbetendem Dank, und uns zu lebendigen Zeugnissen ihrer Allmacht erhöbe!

Eph. 4,15

„Wachsen in allen Stücken an Dem, der das Haupt ist, Christus.“

Manche Christen bleiben unentwickelt und zwerghaft in geistlichen Dingen, so dass sie Jahr um Jahr denselben Zustand wahrnehmen lassen. Sie bleiben an Dem, doch sie „wachsen“ nicht „in allen Stücken an Dem, der das Haupt ist.“ Aber sollten wir beim „Gras“ stehen bleiben, wo wir könnten in „die Ähren“ treiben, und vielleicht gar zum „vollen Weizen in den Ähren“ heranreifen? Sollten wir‘s dabei bewenden lassen, dass wir an Christum glauben und sagen: „Ich bin geborgen,“ und nicht viel mehr wünschen, aus eigener Erfahrung mehr von der Fülle kennen zu lernen, die sich in Ihm vorfindet? Es soll allerdings nicht so sein, wir sollen als kluge Kaufleute auf dem himmlischen Markt danach streben, reich zu werden in der Erkenntnis Jesu Christi. Es ist ganz recht und gut, wenn man anderer Leute Weinberg hütet, aber nur dürfen wir darüber nicht unser eigenes geistiges Wachstum und die Förderung unserer Reife vernachlässigen. Warum sollte es denn in unseren Herzen stets öder Winter bleiben? Wir müssen eine Saatzeit haben, das ist wohl wahr; aber, o, dass doch ein Frühling käme, ja, noch mehr, ein fruchtbarer Sommer, der uns eine reichliche und frühe Ernte verheißt! Wenn wir unter der Gnade reif werden wollen, so müssen wir zu Jesu kommen, in seine Gegenwart, müssen zeitigen in dem Sonnenschein seines milden Lächelns. Wir müssen liebliche Gemeinschaft mit Ihm pflegen. Wir müssen den Anblick seines Angesichts aus der Ferne aufgeben und nahe herzutreten, und wie Johannes das Haupt an seinen Busen schmiegen; alsdann werden wir erfahren, dass wir zunehmen in der Heiligung, in der Liebe, im Glauben, in der Hoffnung, ja, in jeder köstlichen Gabe. Gleichwie die Sonne zuerst nur den Gipfeln hoher Berge aufgeht, und sie mit ihren Strahlen vergoldet, und so dem Auge des Wanderers einen unvergleichlichen Anblick bereitet: so ist es eine der wonnevollsten Erfahrungen in der Welt, wenn man die feurige Glut vom Lichte des Geistes das Haupt eines Heiligen verklären sieht, der in geistlicher Gestalt, einem Paulus gleich, alle seine Genossen überragt, bis dass er gleich einem mächtigen, schneebedeckten Alpenriesen vor seinen Miterwählten die Strahlen der Sonne der Gerechtigkeit wiederstrahlt, und den Schimmer seines Glanzes hoch aufleuchten lässt, dass alle es sehen und ihren Vater im Himmel preisen können.

Eph. 4,30

„Betrübet nicht den Heiligen Geist.“

Alles, was der Gläubige Gutes hat, stammt von Christo und ist seine Gabe, aber es kommt ihm einzig und allein durch die Vermittelung des Geistes aller Gnade zu. Und weil also alle Segnungen dir durch den Heiligen Geist zufließen, so kann auch kein Gutes an heiligen Gedanken, an inbrünstiger Andacht, an Werken der Liebe von dir ausgehen, ohne dass es in dir gewirkt würde durch die heiligende Kraft desselben Geistes. Selbst wenn der gute Same in dich ist gelegt worden, so bleibt derselbe dennoch schlummernd liegen, wenn Er nicht in dir wirket beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen. Möchtest du gern für Jesum Christum Zeugnis ablegen, wie ist das anders möglich als dadurch, dass der Heilige Geist deine Zunge berührt? Möchtest du gern beten? Ach, was ist doch unser Beten so matt und träge, wenn nicht der Heilige Geist für uns ins Mittel tritt! Möchtest du gern der Sünde absterben? Möchtest du geheiligt werden? Möchtest du deinem Herrn und Meister nachfolgen? Möchtest du gern erhoben werden ins höhere Wesen des geistlichen Lebens? Sehnst du dich danach, den Engeln Gottes gleich zu werden und erfüllt zu sein mit Eifer und Feuer für deines Herrn Sache? Das alles vermagst du nicht ohne den Heiligen Geist: „Ohne mich könnt ihr nichts tun.“ O Rebe, du kannst keine Frucht bringen ohne den Saft vom Weinstock! O Kind Gottes, du hast kein Leben in dir, wenn du ferne bist von dem Leben, das Gott dir schenkt durch seinen Heiligen Geist! Darum wollen wir Ihn nicht betrüben, wir wollen Ihn nicht zum Zorn reizen mit unserer Sünde. Wir wollen seine zartesten Regungen und Bewegungen in unserer Seele nicht auslöschen; wir wollen jeder seiner Eingebungen Gehör geben, und bereitwillig jeder seiner Forderungen folgen. Wenn der Heilige Geist in Wahrheit solche Macht hat, so wollen wir nichts unternehmen ohne Ihn; wir wollen uns in kein Vorhaben einlassen, an kein Unternehmen Hand anlegen, und kein Werk zu Ende bringen, ohne Ihn um seinen Segen anzuflehen. Bringen wir Ihm die gebührende Huldigung dar, indem wir unsre gänzliche Ohnmacht ohne Ihn offen bekennen und aufrichtig fühlen, und uns allein auf Ihn verlassen; und unser Gebet sei: „Tue Du mein Herz und mein ganzes Wesen Dir auf, und mache Wohnung in mir, und Dein freudiger Geist erhalte mich, nachdem ich denselbigen Geist empfangen habe in meinem inwendigen Menschen.“

Eph. 5,25

„Ihr Männer, liebt eure Frauen, gleichwie Christus auch geliebt hat die Gemeinde.“

Welches, köstliche Vorbild gibt doch Christus. Seinen Jüngern! Wenige Lehrer dürften wohl sagen: „Wollet ihr tun nach meiner Lehre, so folget meinem Wandel nach.“ Weil aber das Leben Jesu eine genaue Ausprägung aller vollkommenen Tugend ist, so darf Er auf Sein eigenes Leben hinweisen als auf das Urbild der Heiligkeit, während Er zugleich als Lehrer der Tugend ein Muster der Vollkommenheit ist. Der Christ sollte sich kein geringeres Vorbild zur Nachahmung wählen als Christum selber. Als Haupt seines Weibes und seiner Familie hat der Christ sein Augenmerk auf das Vorbild Jesu Christi zu richten, und dasselbe getreu nachzumalen. Der wahrhafte Christ soll seinem Weibe das sein, was Christus Seiner Gemeine. Die Liebe des Mannes ist der Art, dass er sein Weib allen Andern vorzieht. Der Herr Jesus hegt für Seine Gemeine eine ganz besondere Zuneigung, die Er ihr vor der übrigen Menschheit zuwendet: „Ich bitte für sie, und bitte nicht für die Welt.“ Die auserwählte Gemeine ist der Liebling des Himmels, der Schatz Christi, die Krone Seines Hauptes, die goldene Spange um Seinen Arm, das Brustschildlein auf Seinem Herzen, der Mittelpunkt und das Herzblatt Seiner Liebe. Der Mann soll sein Weib lieben mit einer beständigen Liebe, denn also liebt auch der Herr Jesus Seine Gemeine. Er ist nicht wandelbar in Seiner Zuneigung; Er äußert wohl dieses Wohlwollen auf verschiedene Weise, aber die Liebe selber bleibt unverwandt dieselbe. Der Mann soll sein Weib lieben mit einer dauernden Liebe, denn nichts „mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn.“ Ein treuer Ehemann liebt sein Weib mit einer herzlichen, inbrünstigen und starken Liebe. Die Liebe darf kein bloßer Lippendienst sein. O, Geliebte, was hätte Christus wohl mehr tun können, um Seine Liebe zu beweisen, als was Er getan hat? Der Herr Jesus hat eine wonnigliche Liebe gegen Seine Schwester - Braut; Er schätzt ihre Liebe hoch, und freut sich darob mit liebendem Wohlgefallen. Gläubige Seele, bewunderst du die Liebe Jesu? Herrscht in deinem Hause das Gesetz der liebe nach dem Wort: „Gleich wie Christus auch geliebt hat die Gemeine“? (Goldstrahlen März 20)

Eph. 6,18

„Und betet stets.“

Wie viel Gebete haben wir hinaufgeschickt seit dem ersten Augenblick, wo wir zu beten anfingen! Unser erstes Gebet war ein Gebet für uns; wir flehten zu Gott, Er wolle uns gnädig sein und tilgen unsre Sünde. Er erhörte uns. Nachdem Er unsre Missetat vertilgt hatte wie eine Wolke, kamen wir mit andern Anliegen vor Ihn. Wir beten um die Gnade der Heiligung, um die Gnade der Führung und Bewahrung; es drängt uns, Ihn anzuflehen um eine neue Versicherung des Glaubens, um die trostreiche Aneignung der Verheißung, um Erlösung in der Stunde der Anfechtung, um Stärkung in unserem Beruf und um Hilfe zur Zeit der Trübsal. Wir fühlen uns genötigt, bei Gott beständig anzuklopfen in allerlei Anliegen unsers Herzens, wie unabtreibliche Bettler, deren Bedürfnisse nie ein Ende nehmen. Bezeugt‘s nur, ihr Kinder Gottes: ihr seid nie imstande gewesen, von anderswo her etwas für eure Seelen zu erlangen. All das Brot, das eure Seele gegessen hat, ist vom Himmel herabgekommen, und all das Wasser, das sie getrunken hat, ist dem lebendigen Fels entquollen, dem Fels Christus Jesus, unserem Herrn. Eure Seele ist nie durch sich selber reich geworden; sie war ein Gast der täglichen Güte Gottes; und darum sind eure Gebete um eine unabsehbare Reihe geistlicher Gnaden-Güter zum Himmel aufgestiegen. Eure Bedürfnisse waren endlos, und darum sind auch die Gnadengeschenke unendlich groß geworden; und eure Bitten waren so mannigfaltig als die Erhörungen unzählbar. Hast du also nicht Ursache, zu bekennen: „Gelobt sei der Herr, denn Er hat erhört die Stimme meines Flehens?“ Denn so viele deiner Gebete waren, so viel ist dir von Gott Erhörung geworden. Er hat dich erhört zur Zeit der Trübsal, Er hat dich gestärkt, und ist dir beigestanden, auch da, wo du Ihn verunehrt hast durch dein Zagen und Zweifeln vor dem Gnadenthron. Bedenke dies und lass dein Herz erfüllt werden mit Dank gegen Gott, der dein armes, schwaches Flehen so gnädiglich erhört hat. „Lobe der Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was Er dir Gutes getan hat.“

„Wenn am stärksten geh‘n die Wogen,
Wenn, von stiller Macht gezogen,
Deine Seele aufwärts dringt,
Nach dem einen Höchsten ringt:
Bete nur! Bete nur!“

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