Spurgeon, Charles Haddon - Die dreifache Tätigkeit des Heiligen Geistes

„Und wenn derselbige kommt, der wird die Welt strafen, um die Sünde um die Gerechtigkeit und um das Gericht. Um die Sünde, daß sie nicht glauben an mich; um die Gerechtigkeit aber, daß ich zum Vater gehe, und ihr mich hinfort nicht seht; um das Gericht, daß der Fürst dieser Welt gerichtet ist.“
Joh. 16.8-11

Die Apostel hatten eine schwere Aufgabe vor sich. Sie sollten hingehen in alle Welt und das Evangelium aller Kreatur predigen, anfangend in Jerusalem. Erinnert euch, daß sie zwei oder drei Jahre vorher einfache Fischer waren, die auf dem Galiläischen Meere beschäftigt waren - Männer von wenig oder gar keiner Bildung, Männer ohne Rang und Stand. Im besten Falle waren sie nur Juden, und somit Angehörige einer Nation, die überall verachtet war, während diese ungebildeten Leute nicht einmal unter ihrem eignen Volke Männer von Ansehen waren. Doch sollten sie den ganzen Erdkreis erregen. Ihr Herr hatte ihnen gesagt, daß sie um seines Namens willen vor Könige und Fürsten gebracht werden müßten, und daß man sie verfolgen würde, wohin sie auch gingen. Sie sollten das Evangelium verkünden angesichts der römischen Kaisermacht, der alten griechischen Weisheit und der furchtbaren Grausamkeiten barbarischer Länder, und das Reich des Friedens und der Gerechtigkeit errichten. Zu derselben Zeit, wo sie ihren Auftrag erhielten, sollten sie auch die leibliche Gegenwart ihres großen Führers verlieren. Solange Er bei ihnen war, hatten sie keine Furcht gefühlt. Wenn die Schriftgelehrten und Pharisäer sie in Verwirrung setzten, so flüchteten sie sich zu Jesu und wurden aus ihrer Verlegenheit befreit. Nie hatte ein Mensch so geredet wie Er; nie hatte solche Weisheit und Klugheit in einem Geiste gewohnt, wie sie in dem Geiste Christi wohnte. Seine Gegenwart war ihr Schutz, der breite Schild, hinter dem sie sicher waren, was für Pfeile auch von ihren Gegnern auf sie geschossen wurden. Aber nun, da Er aus der Welt zum Vater ging, wurden sie ihrer Feste und ihrer Burg beraubt; sie sollten wie Kinder sein, die ihren Vater verloren, oder wenigstens wie Soldaten ohne General. Hier war ein trauriger Fall. Werk gegeben und Macht entzogen: eine Schlacht begann, und der siegreiche Anführer ging fort. Wie gut war es für diese Jünger, daß unser Herr ihnen sagen konnte, sein Fortgehen würde ihnen eher Gewinn als Verlust bringen; denn wenn Er gegangen sein werde, so sollte der Geist Gottes kommen, um ein Anwalt für sie und mit ihnen zu sein, und durch seine Kraft sollten sie fähig werden, alle. ihre Feinde zum Schweigen zu bringen und ihren Auftrag zu erfüllen. Der Heilige Geist sollte ihr Tröster sein, damit sie sich nicht fürchteten, und ihr Anwalt, damit sie nicht zu zuschanden würden. Wenn sie sprächen, sollte eine Macht in ihnen sein, die ihnen ihre Worte eingäbe; eine Macht würde ihre Worte begleiten, die die Hörer überzeugte, und eine Macht in ihren Hörern, die das gesprochene Wort ihren Herzen einprägte: diese Macht sollte göttlich sein, die Macht des Heiligen Geistes, der Ein Gott mit dem Vater und dem Sohne ist. Es ist ein Ding, wenn Menschen sprechen, und ein ganz andres, wenn Gott durch Menschen spricht. Das Werk der Verkündigung des Evangeliums an die Welt war viel zu groß für die Zwölfe; aber es war keineswegs zu groß für den Heiligen Geist. Wer kann seine Macht beschränken? Ist etwas zu schwer für den Herrn? Da der Heilige Geist ihr Helfer war, so waren diese schwachen Männer der Aufgabe gewachsen, die Gott ihnen anvertraut hatte. Die Gegenwart des Heiligen Geistes war besser für sie, als die leibliche Gegenwart des Herrn Jesu. Der Herr Jesus hätte mit seiner körperlichen Gegenwart nur an einem Ort sein können, aber der Heilige Geist konnte überall sein; der Anblick Jesu hätte nur auf die Sinne gewirkt, aber die Macht des Heiligen Geistes berührte das Herz und wirkte geistliches Leben und errettenden Glauben; so rüstete der Herr durch sein eignes Sich-zurückziehen und das Senden des Geistes seine Knechte für den Kampf aus. Wir wollen heute betrachten, was der Heilige Geist als Anwalt tut. Die Stelle kann nicht völlig verstanden werden, wenn wir sie nicht auf dreierlei Weise übersetzen; und ich behaupte nicht, daß wir selbst dann ans dieser auserlesenen Traube all den köstlichen Wein ihrer Bedeutung herauspressen werden. Nach meiner Meinung ist sie ein Inbegriff des ganzen Werkes des Geistes Gottes. Durch unsere drei Lesarten werden wir vieles sehen: erstens, der Geist Gottes begleitet die Predigt des Evangeliums, um die Menschen zu strafen wegen der Sünde, und sie so in der Gegenwart des Predigers der Gerechtigkeit zu beschämen; zweitens (und dies ist ein viel gesegneteres Resultat), um die Menschen von der Sünde zu überzeugen, und sie so zur „Buße zu Gott und dem Glauben an unsern Herrn Jesus Christus“ zu leiten; und drittens wird das endgültige Ergebnis von dem Werk des Heiligen Geistes das sein, die Menschen zu überführen vor allen vernunftbegabten Wesen, daß sie sich der gröbsten Sünde schuldig gemacht, der vollkommensten Gerechtigkeit widersetzt und dem glorreichsten Gericht getrotzt haben. Wir wollen versuchen, die Bedeutung der Stelle durch diese drei Fenster zu sehen.

I.

Zuerst: Wir glauben, hier ist den Dienern Christi eine Verheißung gegeben, daß, wenn sie ausgehen, das Evangelium zu predigen, der Heilige Geist mit ihnen sein wird, um die Menschen zu strafen. Hierunter wird nicht so sehr verstanden, um sie zu erretten, sondern um sie zum Stillschweigen zu bringen, Wenn der Prediger Christi auftritt, um seines Herrn Sache zu führen, so erscheint ein andrer Anwalt zugleich mit ihm, dessen Vertretung es den Menschen schwer macht, der Wahrheit zu widerstehen. Beachtet, wie die Sünde gestraft wird. Am Pfingsttage sprachen die Jünger in verschiedenen Zungen, „nachdem der Geist ihnen gab auszusprechen.“ Menschen von allen Ländern unter dem Himmel hörten, wie die Apostel sie in ihrer eignen Sprache anredeten. Dies war ein großes Wunder und erscholl in ganz Jerusalem; und als Petrus aufstand, der versammelten Menge predigte und den Juden sagte, daß sie den Heiligen und Gerechten gekreuzigt hätten, da waren die Zeichen und Wunder, die der Geist im Namen Jesu wirkte, ein Zeugnis, das sie nicht widerlegen konnten. Schon die Tatsache, daß der Geist Gottes diesen ungelehrten Männern die Gabe der Sprache gegeben hatte, war ein Beweis, daß Jesus von Nazareth, von dem sie redeten, kein Betrüger sei. Es war in dem alten jüdischen Gesetz vorgeschrieben, daß, wenn ein Mann weissagte und seine Weissagungen nicht erfüllt wurden, er als falscher Prophet verdammt werden sollte; wenn aber das, was er sagte, geschah, so war er ein wahrer Prophet. Nun hatte der Herr Jesus Christus die Ausgießung des Heiligen Geistes verheißen, die auch mit bezug auf den Messias von dem Propheten Joel vorhergesagt war; als deshalb dieses Zeichen des wahren Messias Jesu von Nazareth aufgedrückt wurde durch das Kommen des Heiligen Geistes und die Wunder, die geschahen, da wurden die Menschen gestraft, daß sie sich geweigert hatten, an Jesus zu glauben. Der Beweis wurde ihnen geführt, daß sie mit gottlosen Händen den Herrn der Herrlichkeit kreuzigten, und so standen sie gestraft da. Alle folgenden Wunder dienten zum Beweise der gleichen Sache; denn wenn die Apostel Wunder wirkten, so wurde die Welt wegen der Sünde gestraft, daß sie nicht an Christus geglaubt hatte. Nicht ein paar Jünger waren es, welche von der Sünde des Menschengeschlechts zeugten, sondern der Heilige Geist selbst machte die Menschen zittern, als er durch seine gewaltigen Taten Zeugnis- für den Herrn Jesus ablegte, und es klar machte, daß die Welt, indem sie Ihn kreuzigte, den menschgewordenen Sohn Gottes getötet hatte. Seht ihr nicht die furchtbare Macht, mit welcher die ersten Jünger dadurch bewaffnet waren? Dies war für sie mehr als der Stab in Moses Hand, durch den er Pharao mit Plagen schlug. Der ganze Eigenwille dieses halsstarrigen Geschlechts gehörte dazu, dem Heiligen Geist zu widerstehen und sich zu weigern, vor Ihm sich zu beugen, den sie durchbohrt hatten; sie waren voll Bosheit und Hartnäckigkeit, aber in ihrem innersten Herzen fühlten sie den Stachel und wußten, daß sie gegen Gott stritten. Seht ihr nicht auch, lieben Freunde, wie das Wirken des Heiligen Geistes mit den Aposteln und ihren unmittelbaren Nachfolgern ein wunderbares Strafen der Welt um die Gerechtigkeit war? Jesus war gegangen, und sein göttliches Beispiel stand nicht länger da wie ein klares Licht, das ihre Finsternis strafte, aber der Heilige Geist bezeugte diese Gerechtigkeit und zwang sie, zu fühlen, daß Jesus der Heilige sei und seine Sache gerecht. Die durch den Heiligen Geist versiegelte Lehre der Apostel ließ die Welt sehen, was Gerechtigkeit sei, wie sie es nie zuvor gesehen hatte. Ein neuer Maßstab der Sittlichkeit wurde der Welt gegeben, und ist nie zurückgenommen worden, er ist da, um zu strafen, wenn nicht zu bessern. Die Welt war damals in die äußerste Tiefe der Laster versunken, sogar ihre guten Männer waren ekelhaft; aber jetzt wurde eine Art von Gerechtigkeit in der Lehre des Herrn Jesu verkündet, und der Geist kam, um das Siegel des göttlichen Beifalls darauf zu drücken, so daß, wenn die Menschen fortfuhren zu sündigen, sie gegen Licht und Erkenntnis handelten, denn sie wußten jetzt, was Gerechtigkeit war, und konnten in diesem Punkte nicht länger irren. Gott war mit den Predigern der neuen Gerechtigkeit, und beglaubigte die Sache des Evangeliums durch mannigfache Zeichen und Wunder. Nun, Brüder, auch wir freuen uns dessen, da das Zeugnis der Wahrheit für alle Zeiten ist und wir sicher wissen, daß das Reich, welches unser Herr Jesus unter den Menschen aufgerichtet hat, göttlich bestätigt ist als das Reich der Gerechtigkeit, welches am Ende die Mächte des Bösen zermalmen soll. Wir sind die Diener eines Herrn, dessen Gerechtigkeit durch das persönliche Zeugnis Gottes des Heiligen Geistes den Menschen verkündet wurde. Seid ihr nicht froh, zu einem solchen Dienst angeworben zu sein? O Welt, bist du nicht gestraft, weil du solchem Reich widerstanden hast? Diese zwölf Fischer hätten nicht aus sich selbst heraus einen neuen Maßstab der Gerechtigkeit bei den Menschen anlegen können; sie hätten nicht auf eigne Hand vor allen Völkern ein höheres Ideal sittlicher Trefflichkeit aufstellen können; aber als die ewige Macht und Majestät der Gottheit für die Gerechtigkeit des Herrn Jesus Gewähr leistete, da wurde die Laufbahn der apostolischen Kirche wie die der Sonne am Himmel. „Ihre Schnur geht aus in alle Lande und ihre Rede an der Welt Ende.“ Niemand konnte gegen sie standhalten; denn wie die Finsternis flieht und die Fledermäuse und Nachteulen davoneilen, wenn der Morgen anbricht, so floh Heuchelei und Selbstruhm der Menschen, als die Boten der Gnade die Gerechtigkeit Gottes verkündeten. Auch mußten sie fühlen, daß ein Gericht gekommen war; daß irgendwie das Leben und der Tod Jesu von Nazareth eine Krise in der Weltgeschichte veranlaßt und die Wege und Sitten der Ungöttlichen verdammt hatte. Alle Geschichtsschreiber müssen bekennen, daß der Wendepunkt unseres Geschlechts das Kreuz Christi ist. Es würde unmöglich sein, irgend eine andre Angel, um welche die Geschichte sich dreht, aufzufinden. Von diesem Augenblick an empfing die Macht des Bösen ihre tödliche Wunde. Es stirbt schwer, aber von der Stunde an war es verurteilt. Mit dem Tode unsres Herrn verstummten die heidnischen Orakel. Es waren in der ganzen Welt Orakel gewesen, entweder das Erzeugnis böser Geister oder schlauer Priester; aber nach der christlichen Ära hörte die Welt auf, an diese Stimmen zu glauben, und sie wurden nicht mehr gehört. Falsche Götterlehren, so fest in Vorurteil und Sitte gewurzelt, daß es unmöglich schien, sie jemals zu stürzen, wurden von dem Hauch des Herrn mit den Wurzeln ausgerissen. Die Apostel hätten zu all diesen Lügensystemen sagen können: „Wie eine hängende Wand und eine zerrissene Mauer sollt ihr sein.“ Die Menschen konnten nicht umhin, zu bemerken, daß der Fürst der Finsternis seine ungeteilte Macht verloren hatte und hinfort mit verhaltenem Odem sprach. Der Weibessame war der alten Schlange gegenüber getreten und hatte in dem Zweikampf einen solchen Sieg davon getragen, daß die Sache des Bösen hinfort hoffnungslos war.

Überdies durchzuckte der Gedanke klarer als je zuvor die Menschheit, daß ein Tag des Gerichts kommen würde. Die Menschen hörten und fühlten die Wahrheit der Warnung, daß Gott am letzten Ende die Welt durch den Menschen- Jesus Christus richten würde. Die blassen Gestalten des Rhadamanthus auf einem wolkigen Richterstuhl und von der Versammlung vor seinem Throne und der Menge, die je nach ihrem Leben hienieden geschieden wurde, begannen jetzt eine andre und weit bestimmtere Form anzunehmen. Es wurde auf das Herz der Menschheit geschrieben, daß es ein kräftiges Gericht gibt! Die Menschen werden wiederum auferstehen; sie sollen vor dem Richterstuhl Christi stehen, um Rechenschaft abzulegen von dem, was sie bei Leibesleben getan, es sei gut oder böse. Die Welt hörte diese Botschaft, und sie ist niemals vergessen worden. Der Heilige Geist hat die Menschen gestraft durch den Hinblick auf das Gericht. Der Heilige Geist zeugte für das Leben Christi, für die Lehre der Apostel und all die großen Wahrheiten, die darin enthalten waren, durch die Wunder, die Er tat, und dadurch, daß Er die menschlichen Herzen erleuchtete, erweckte und unterwarf. Fortan wird der Mensch von dem großen Anwalt angeklagt und gestraft; und alle, die im Widerstand gegen den Herrn Jesus verharren, trotzen damit den klarsten Beweisen für seine Sendung. Der, welcher menschliches Zeugnis verwirft, wenn es wahr ist, ist töricht; aber der, welcher das Zeugnis des Heiligen Geistes verachtet, ist profan, denn er beschuldigt den Geist der Wahrheit der Lüge. Möge er sich hüten, daß er nicht so gegen den Heiligen Geist sündigt, daß er unter den schrecklichsten der Flüche kommt, denn es steht geschrieben von dem, der wider den Heiligen Geist redet, daß ihm nie vergeben werden könne. Brüder, versetzt dies die Apostel nicht in eine ganz andre Lage als die, in der sie zu sein schienen? Wenn wir nach den fünf Sinnen und der fleischlichen Vernunft urteilen, so war ihr Unternehmen abenteuerlich, ihr Erfolg unmöglich. Jedermann würde ihnen gesagt haben: „Geht zu euren Netzen und zu euren Booten zurück. Was könnt ihr gegen das vom Staat anerkannte System des Judaismus in eurem eignen Lande ausrichten? Und wenn das euch zu schwer ist, was werdet ihr in andren Ländern ausrichten können? Es gibt Völker, die seit Jahrtausenden in ihrer eignen Gelehrsamkeit unterrichtet werden, und die in allen Künsten und Wissenschaften wohl erfahren sind; sie haben alle Reize der Poesie, der Musik und Bildhauerkunst gebraucht, um ihre abgöttischen Systeme zu unterstützen: ihr seid Toren, zu wähnen, daß ihr ungelehrten und unwissenden Männer je imstande sein werdet, dies alles umzustürzen.“ Hätte nicht die Klugheit hiermit übereingestimmt?

Ja, aber wenn Gott in diesen Männern ist, wenn Er, der in dem Busch zu Horeb wohnte und ihn brennen machte, ohne daß er verzehrt wurde, in ihnen wohnen will, und jeder von ihnen mit einer feurigen Zunge begabt wird, dann ist es eine ganz andre Sache. Gewiß, Er, der die Welt machte, konnte sie von neuem machen. Er, der sprach: „Es werde Licht, und es wurde Licht,“ konnte dem Licht gebieten, in die sittliche und geistliche Nacht zu scheinen. So viel über die erste Lesart des Textes. Laßt uns zu dem übergehen, was euch mehr interessieren wird.

II.

Der Heilige Geist sollte die Predigt des Wortes begleiten, um die Menschen zu überzeugen von drei Hauptwahrheiten. Dies sollte ein rettendes Wort sein; sie sollten so überzeugt werden, daß sie Buße täten für die Sünde, daß sie die Gerechtigkeit annähmen und sich dem Gericht des Herrn übergäben. Hier sehen wir, wie auf einer Karte, das Werk des Geistes an den Herzen derer, die zum ewigen Leben verordnet sind, gezeichnet. Diese drei Wirkungen sind alle notwendig, und jede ist im höchsten Grade wichtig für wahre Bekehrung. Zuerst: Der Heilige Geist ist gekommen, um die Menschen von der Sünde zu überzeugen. Es ist schlechthin notwendig, daß die Menschen von der Sünde überzeugt werden. Die moderne Theologie sagt: „Überzeugt die Menschen von der Güte Gottes; zeigt ihnen die allgemeine Vaterschaft Gottes und versichert sie unbeschränkter Barmherzigkeit. Gewinnt sie durch die Liebe Gottes, aber erwähnt nie seinen Zorn gegen die Sünde, oder die Notwendigkeit einer Versöhnung, oder die Möglichkeit, daß es einen Ort der Strafe gibt. Tadelt nicht arme Geschöpfe für ihre Mängel. Richtet und verurteilt nicht. Erforscht nicht das Herz und bringt nicht die Leute dahin, niedergeschlagen und traurig zu sein. Tröstet und ermutigt, aber klagt niemanden an und droht nie.“ Ja, das ist die Weise der Menschen; aber die Weise des Geistes Gottes ist eine ganz andre. Er kommt zu dem Zwecke, die Menschen von der Sünde zu überzeugen, sie fühlen zu lassen, daß sie schuldig sind, sehr schuldig - so schuldig, daß sie verloren, dem Untergang und dem Verderben verfallen sind. Er kommt, um sie nicht allein an Gottes Liebenswürdigkeit, sondern auch an ihre eigne Unliebenswürdigkeit, an ihre Feindschaft und an ihren Haß gegen diesen Gott und folglich auch an ihre furchtbare Sünde zu erinnern, der sie sich schuldig machen, indem sie den unendlich Gütigen so schlecht behandeln. Der Heilige Geist kommt nicht, um Sünder behaglich in ihren Sünden zu machen, sondern um ihnen ihre Sünden leidzumachen. Er hilft ihnen nicht, ihre Sünden zu vergessen, oder sie gering zu schätzen, sondern Er kommt, um sie von der furchtbaren Größe ihrer Missetat zu überzeugen. Es ist nicht die Aufgabe des Heiligen Geistes, zu pfeifen, während die Menschen tanzen; Er bringt nicht Flöte, Harfe, Geige und alle Art von Musikinstrumenten herbei, um die Ungläubigen in eine gute Meinung von sich selber hinein zu zaubern; sondern Er kommt, damit die Sünde als Sünde erscheine, und wir ihre fürchterlichen Folgen wahrnehmen. Er kommt, so zu verwunden, daß kein menschlicher Balsam heilen kann; so zu töten, daß keine irdische Macht uns lebendig machen kann. Die Blumen schmücken die Wiesen, wenn das Gras grün ist; aber siehe, ein sengender Wind kommt von der Wüste, und das Gras vertrocknet und die Blume fällt ab. Was ist es, das die Schönheit und Trefflichkeit der menschlichen Gerechtigkeit verdorren macht wie das grüne Gras? Jesaja sagt: „Denn des Herrn Geist bläst darein“ (40, 7). Es gibt ein versengendes Werk des Geistes, das wir erfahren müssen, sonst werden wir niemals seine belebende und wiederherstellende Macht kennen. Dies Verdorren ist eine sehr nötige Erfahrung, und gerade jetzt ist es sehr nötig, darauf zu bestehen. Heutzutage haben wir so viele, die aufgebaut sind, und nie herunter gerissen waren; so viele gefüllt, die nie geleert waren; so viele erhöht, die nie gedemütigt waren; daß ich euch um so ernstlicher daran erinnere, daß der Heilige Geist uns von der Sünde überzeugen muß, sonst können wir nicht errettet werden.

Dieses Werk ist sehr notwendig, weil man ohne dasselbe die Menschen nicht dahin bringen kann, das Evangelium von der Gnade Gottes anzunehmen. Wir können mit einigen Leuten nicht vorwärts kommen, weil sie sehr schnell zu glauben bekennen, aber von nichts überzeugt sind. „O ja, wir sind Sünder, ohne Zweifel, und Christus starb für Sünder.“ Das ist die leichte, oberflächliche Art, mit der sie die himmlischen Geheimnisse behandeln, als wenn es sinnlose Fibelverse oder Ammenmärchen wären. Dies ist alles Spott, und wir sind dessen müde. Aber kommt einem wirklichen Sünder nahe, so habt ihr einen Mann gefunden, mit dem ihr verhandeln könnt: ich meine den Mann, der ein Sünder ist, und sich nicht darüber täuscht, und in seiner innersten Seele trauert, daß er es ist. In solchem Mann findet ihr einen, der das Evangelium, die Gnade und einen Heiland willkommen heißt. Für ihn wird die Botschaft von der Vergebung wie Wasser für eine durstige Seele sein, und die Gnadenlehre wie Honig, der aus der Scheibe tröpfelt.

„Ein Sünder,“ sagt einer unsrer Dichter, „ist etwas Heiliges; der Heilige Geist hat ihn dazu gemacht.“ Ein Scheinsünder ist ein schreckliches Geschöpf; aber ein Mensch, der durch den Geist Gottes wahrhaft von der Sünde überzeugt ist, ist ein Wesen, nach dem man suchen muß, wie nach einem Kleinod, das die Krone des Erlösers zieren wird. Beachtet hier, daß der Geist Gottes kommt, um die Menschen von der Sünde zu überzeugen, weil sie niemals ohne seine göttliche Anwaltschaft davon überzeugt werden. Das Gewissen, welches der Mensch von Natur hat, mag, wenn es vom Geiste Gottes berührt wird, viel tun, ihm seine Fehler zu zeigen; es kann ihn unruhig machen, und kann eine Besserung des Lebens veranlassen; aber nur der Geist Gottes kann den Menschen völlig von der Sünde überzeugen, und Buße, Verzweifeln am eignen Selbst, und Glauben an Jesus hervorbringen. Denn was ist die Sünde, deren ihr und ich schuldig sind? Ah, Brüder, es wäre nicht leicht zu sagen; aber dies weiß ich, daß wir die Ausdehnung der Sünde niemals kennen, bis der Heilige Geist uns die geheimen Kammern der Greuel im Herzen offenbart. Wir tun tausend Dinge, ohne zu wissen, daß sie Sünde sind, bis der Geist Gottes uns erleuchtet, und ein Verlangen nach Heiligkeit in uns weckt. Welcher natürliche Mensch klagt z. B. je über schlechte Gedanken oder Wünsche oder über Vorstellungen, die seine Seele durchkreuzen? Doch sind dies Sünden, und Sünden, die einem begnadigten Herzen den größten Kummer verursachen. Wenn wir nie tatsächlich Böses begingen, aber wünschten es zu tun, so hätten wir schon gesündigt; und wenn wir Vergnügen bei dem Gedanken an Böses empfinden, so haben wir gesündigt. Dieses Gift ist in unsrer Natur und zeigt sich in tausend Weisen. Die Tatsache, daß wir nicht nur sündigen, sondern von Natur sündig sind, ist eine, wogegen unser Stolz sich bäumt, und wir werden sie nicht lernen, bis der Geist Gottes sie uns lehrt. Ebensowenig kennt ein Mensch die überaus große Sündigkeit der Sünde, bis der Heilige Geist Licht auf die dunkle Masse fallen läßt. Jede Sünde ist sozusagen ein Angriff auf den Thron, die Ehre und das Leben Gottes. Die Sünde würde den Höchsten entthronen und Ihn vernichten, wenn sie könnte; aber die Menschen sehen dies nicht. Sie reden sehr leicht von der Sünde, und wissen nicht, daß sie Feuerbrände und Tod verbreitet. Ich sage euch, wenn der Geist Gottes einen Menschen die Sünde sehen läßt in ihrer nackten Mißgestalt, so entsetzt er sich. Als ich die Gräßlichkeit der Sünde sah oder zu sehen meinte, da war sie unerträglich, und ich hatte keine Ruhe in meinem Geiste. Einen ähnlichen Anblick müssen wir alle haben, sonst werden wir uns nie an den Herrn Jesus wenden, daß Er unsre Sünden wegnimmt. Es ist nicht wahrscheinlich, daß andre, als die, deren Wunden schmerzen, um den himmlischen Balsam bitten werden. Der Heilige Geist verweilt bei einem Punkte besonders: „um die Sünde, daß sie nicht glauben an mich.“ Niemand sieht die Sünde des Unglaubens, ausgenommen bei seinem Lichte. Denn ein Mensch denkt: „Nun, wenn ich nicht an Christum geglaubt habe, so ist das vielleicht zu bedauern; aber ich war doch nie ein Dieb, oder ein Lügner, oder ein Trunkenbold, oder ein Unkeuscher.

„Der Unglaube ist etwas, was nicht viel zu bedeuten hat, ich kann das jederzeit in Ordnung bringen.“ Aber der Heilige Geist zeigt dem Menschen, daß er eine schwere, verdammende Sünde ist, denn wer nicht glaubt, der macht Gott zu einem Lügner; und was kann abscheulicher sein, als das? Wer nicht an Christus glaubt, der hat Gottes Barmherzigkeit verworfen, und der größten Erweisung der Liebe Gottes Trotz geboten; er hat Gottes unaussprechliche Gabe verachtet und das Blut Christi mit Füßen getreten. Hierin hat er Gottes Ehre an einem sehr zarten Punkt verletzt; hat Ihn in seinem eingeborenen Sohn beschimpft. Wie wünsche ich, daß der Geist Gottes auf die Ungläubigen hier kommen möge und sie sehen lasse, wer sie sind, und wo sie sind in bezug auf den einzigen und alleinigen Heiland. „Wie wollen sie entfliehen, so sie eine solche Seligkeit nicht achten?“ Es wird nichts ausmachen, wie schwach ich auch heute morgen rede, wenn der Geist Gottes nur durch die Wahrheit wirken will, so werdet ihr die Größe eures Verbrechens wahrnehmen und nimmer ruhen, bis ihr an den Herrn Jesum geglaubt und Vergebung für eure große Sünde gegen das blutende Lamm gefunden habt. So weit denn über das erste Werk des Heiligen Geistes.

Sein nächstes ist, die Menschen von der Gerechtigkeit zu überzeugen; das heißt mit evangelischen Worten: ihnen zu zeigen, daß sie keine eigne Gerechtigkeit haben, und keine Mittel, gerecht zu werden, und daß sie verdammt sein würden ohne die Gnade Gottes. So führt Er sie dahin, die Gerechtigkeit Gottes zu schätzen, die allen zuteil wird, die da glauben, eine Gerechtigkeit, welche ihre Sünde bedeckt und sie vor Gott angenehm macht. Leiht mir euer Ohr einen Augenblick, während ich eure Aufmerksamkeit auf ein großes Wunder lenke. Bei den Menschen ist, wenn jemand eines Unrechts überführt ist, der nächste Schritt das Gericht. Ein junger Mann z.B. hat im Dienste seines Prinzipals Geld veruntreut: er ist vor Gericht des Diebstahls überführt und schuldig gefunden. Was folgt nun? Das Urteil wird gesprochen, und er muß Strafe leiden. Aber beachtet, wie unser gnädiger Gott ein anderes Verfahren einschlägt. Wahrlich, seine Wege sind nicht unsre Wege! „Er wird überzeugen von der Sünde.“ Der nächste Schritt würde das Gericht sein; aber nein, der Herr schiebt einen bis dahin unbekannten Ausdruck ein, und überzeugt von der „Gerechtigkeit“. Staunt hierüber. Der Herr nimmt einen Menschen, selbst wenn er sündig und sich dieser Sünde bewußt ist, und macht ihn auf der Stelle gerecht, indem er seine Sünde hinwegtut, und ihn durch die Gerechtigkeit des Glaubens rechtfertigt, eine Gerechtigkeit, die ihm durch die Würdigkeit eines andern, der sie für ihn erworben hat, zuteil wird. Kann das sein? Brüder, dies scheint etwas so Unmögliches, daß es des Geistes Gottes bedarf, um die Menschen davon zu überzeugen. Jetzt kann ich euch den großen Plan darstellen, wodurch der Herr Jesus uns von Gott zur Gerechtigkeit gemacht ist; ich könnte euch zeigen, wie der Sohn Gottes Mensch wurde, damit Er vollständig für uns das Gesetz Gottes erfüllte, und daß Er, nachdem Er dieses getan und seinen leidenden Gehorsam mit seinem tätigen Dienst verbunden hatte, seinem Vater eine vollständige Genugtuung für die Verletzung des Gesetzes darbrachte, so daß jeder, der an Ihn glaubt, von der Verdammnis befreit und „angenehm in dem Geliebten“ gemacht werden soll. Ich könnte euch auch sagen, wie die Gerechtigkeit Christi auf unsre Rechnung gesetzt wird, so daß der Glaube uns zur Gerechtigkeit gerechnet wird, eben wie es bei dem gläubigen Abraham der Fall war. Dennoch wird all meine Arbeit vergeblich sein, bis der Geist es deutlich macht. Viele hören die frohe Botschaft; aber sie nehmen die Wahrheit nicht an, denn sie sind nicht davon überzeugt. Sie müssen überredet werden, ehe sie dieselbe aufnehmen, und diese Überredung steht nicht in meiner Macht. Hörte ich jemand bemerken: „Ich kann diesen Weg der Gerechtigkeit nicht sehen?“ Ich antworte: „Nein, und du wirst es nie, bis der Geist Gottes dich davon überzeugt.“ Beachtet wohl den wichtigen Punkt in der Beweisführung des Geistes: „Um die Gerechtigkeit aber, daß ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht sehet.“ Unser Herr war in die Welt gesandt, um eine Gerechtigkeit zu erwerben, und hier sagt Er: „Ich gehe;“ aber Er ging, nicht ehe Er sein Werk getan hatte. Er sagt auch: „Ich gehe zum Vater;“ aber Er ging nicht zurück zum Vater, ehe Er seine Bundesverpflichtungen erfüllt. „Ich gehe zum Vater;“ das heißt, ich gehe, einen Lohn zu erhalten und auf meines Vaters Thron zu sitzen. Er hätte nicht diese Herrlichkeit empfangen können, wenn Er nicht das Ihm zugewiesene Werk vollendet hätte. Seht also, Christus hat eine Gerechtigkeit vollendet, die allen Gläubigen freigegeben wird, und alle die, welche Christo vertrauen, werden um seinetwillen als gerecht vor Gott betrachtet und sind in der Tat gerecht, so daß Paulus sagt: „Wer will verdammen?“ Sein Grund, weshalb Er die Frage tut, ist derselbe, den der Geist in meinem Texte gebraucht. Er sagt: „Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferwecket ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns.“ Er führt, wie der Heilige Geist es tut, die Auferstehung, die Himmelfahrt und das Sitzen zur Rechten Gottes als einen bestimmten Beweis dafür an, daß eine vollkommene Gerechtigkeit für alle gläubigen Sünder da ist. Ich weiß, daß viele sagen werden: „Dies heißt Leute gerecht machen, die nicht gerecht sind,“ und deshalb werden sie viele Einwürfe erheben. Gerade so! Das ist der Ruhm Gottes, daß Er die Gottlosen gerecht macht und die Sünder durch Christus errettet. „Wohl dem Menschen, dem der Herr die Missetat nicht zurechnet.“ „Ich sehe das nicht ein,“ ruft einer. Und unsre Antwort ist: „Wir wissen, daß du das nicht tust: wir sind nicht im geringsten überrascht, daß du unser Zeugnis verwirfst, wir erwarteten nie, daß du es annehmen würdest, bis der Arm des Herrn offenbar würde und der Heilige Geist dich von der Gerechtigkeit überzeugte.“ Niemand kommt zu Christus, der nicht von dem Vater gezogen und von dem Heiligen Geist erleuchtet wird; aber wenn der Heilige Geist dich überzeugt, so werden wir dich bald singen hören:

„Christi Blut und Gerechtigkeit,
Das ist mein Schmuck und Ehrenkleid,
Damit will ich vor Gott bestehn,
Wenn ich zum Himmel werd' eingeh'n.“

Liebe Kinder Gottes, betet recht sehr, daß der Heilige Geist jetzt sofort Ungläubige überzeuge, daß die einzige wahre Gerechtigkeit für sterbliche Menschen diejenige ist, die nicht aus den Werken des Gesetzes kommt, sondern durch die Predigt vom Glauben.

Aber dann kommt ein dritter Punkt: Der Geist Gottes soll die Menschen vom Gericht überzeugen. Wem ist das Gericht übergeben? „Der Vater hat alles Gericht dem Sohne übergeben.“ Der wahrhaft Bußfertige fühlt, daß es ihm nichts nützen würde, wenn ihm auch alle seine Sünden vergeben wären, solange er sich noch in der Sünde wälzt. Er fühlt, daß der große Feind seiner Seele entthront sein muß, sonst wird die Vergebung selber ihm keine Ruhe des Herzens bringen. Er muß sowohl von der Macht der Sünde, als von ihrer Schuld errettet werden, sonst bleibt er in der Knechtschaft. Er muß sehen, wie die Macht des Bösen vor dem Herrn zerstört wird, wie Samuel vorzeiten den Agag in Stücke hieb. Höre zu, du Beunruhigter! Du sollst in Freiheit gesetzt werden, denn „der Fürst dieser Welt ist gerichtet.“ Jesus kam, die Werke des Teufels zu zerstören; und am Kreuze richtete unser Erlöser den Satan, überwand ihn und warf ihn nieder. Er ist jetzt ein verurteilter Verbrecher, ein besiegter Empörer. Seine Herrschaft über alle Gläubigen ist gebrochen. Er hat großen Zorn, weil er weiß, daß er wenig Zeit hat, aber dieser Zorn wird in Schranken gehalten durch seinen Überwinder. In seinem Leiden kämpfte unser Herr mit dem Satan Mann gegen Mann, und überwand ihn, und hat ausgezogen die Fürstentümer und die Gewaltigen und sie öffentlich zur Schau getragen, und einen Triumph aus ihnen gemacht durch sich selbst.“ Glaubst du dies? Möge der Geist Gottes dich davon überzeugen! O geprüfter Gläubiger, der Herr Jesus besiegte den Teufel für dich. Er zermalmte die Macht der Finsternis für dich; und wenn du an Ihn glaubst, wirst du die Macht des Bösen in dir entthront finden und alle Kräfte der Sünde aus ihren hohen Stellungen gestoßen sehen. Du sollst überwinden durch das Blut des Lammes. Wiederum frage ich, glaubst du dies? Christus ist uns von Gott zur Heiligung gemacht; Er errettet sein Volk von ihren Sünden; Er macht sie heilig und zermalmt so ihren Feind. Obgleich es dich manchen Kampf kosten und der perlige Schweiß in der Stunde der Versuchung auf deiner Stirne stehen mag, wenn du fürchtest, daß du von der Heiligkeit abfallen könntest, doch wird der Herr den Satan unter deine Füße zertreten in kurzem, denn Er hat ihn .schon unter seine eignen Füße für dich getreten. Der Geist Gottes ist nötig, um unsre ungläubigen Herzen zu überzeugen, daß es so ist. Die meisten wähnen, daß sie die Sünde durch ihre eigne Kraft überwinden müssen. Ach, der starke Gewappnete behauptet immer noch das Haus gegen unsre Schwäche. Du hast ein schönes Stück Arbeit vor dir, wenn du in eigner Kraft diesen Kampf wagst. Ich kann den Teufel eben jetzt über dich lachen hören. Dieser Leviathan kann nicht durch dich gezähmt werden. Hiob würde sagen: „Kannst du mit ihm spielen wie mit einem Vogel?“ Meinst du, der Teufel sei so leicht zu lenken, wie eine Frau ihren Lieblingsvogel auf dem Finger trägt und ihn an ihre Lippen bringt, um ein Samenkorn aufzupicken? Kannst du den Leviathan ziehen mit dem Hamen? Meinst du, daß er einen Bund mit dir machen werde, daß du ihn immer zum Knechte habest? Deine Pfeile werden ihn nicht verjagen, dein Schwert nicht verwunden. „Wenn du deine Hand an ihn legst, so gedenke, daß ein Streit sei, den du nicht ausführen wirst.“ Eine göttliche Macht ist nötig, und diese Macht ist bereit, sich zu betätigen, wenn sie demütig gesucht wird. Viele, die von der Gerechtigkeit Christi überzeugt sind, sind noch nicht völlig überzeugt, daß das Böse gerichtet, verurteilt und niedergeworfen ist. Sie werden von der Furcht verfolgt, daß sie doch noch umkommen werden von der Hand des Feindes. O, mein Bruder, sieh', wie notwendig der Heilige Geist ist, um in deinem Herzen die Sache Gottes und der Wahrheit zu vertreten, und dir den Glauben zu geben, daß der Herr Jesus die höchste Gewalt über jeden Feind hat. Ich treffe zuweilen einen christlichen Bruder an, der mir sagt, daß die Welt ganz schlecht, das Evangelium vollständig überwunden wurde, und Christus in die Flucht geschlagen werde; der Teufel, sagt er, schwenkt die schwarze Fahne und ruft: Sieg! Ich weiß, wie schrecklich der Kampf ist, aber ich glaube, daß mein Herr Jesus das ganze Reich des Bösen gerichtet hat, und darum sehe ich Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen. Unser Herr muß herrschen. Seine Feinde müssen den Staub lecken. Wir sollen die gefallenen Engel an dem letzten großen Tage richten, und mittlerweile ist ein gläubiges Leben, ein Leben des Triumphs über den Erzfeind. In der Kraft des Geistes wird es sich erweisen, daß Wahrheit mächtiger ist als Irrtum, Liebe stärker als Haß, und Heiligkeit erhabener als Sünde; denn Er siegt mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm. Seht jetzt, wie der gen Himmel gefahrene Heiland das Gefängnis gefangen führt. Seht, wie Er von Edom kommt mit rötlichen Kleidern von Bazra, denn Er hat Sünde und Hölle in der Kelter getreten, und nun tritt Er einher in seiner großen Kraft, lehrt Gerechtigkeit und ist ein Meister zu helfen. Nach einer Predigt über die Sünde ruft das arme Gotteskind aus: „Ich wage nicht zu glauben. Ich fürchte, ich werde am Ende doch verloren gehen.“ Dieser Unglaube ist eine andre Sünde. Sonderbare Weise, der Sünde zu entfliehen, indem man sich in sie hinein stürzt! An dem Herrn zweifeln, heißt Sünde zu Sünde hinzufügen. Keine Sünde ist verderblicher, als die Sünde des Nichtglaubens. Jedesmal, wenn unser Herz dem Herrn mißtraut, betrüben wir seinen Geist; deshalb haben wir stets den Heiligen Geist nötig, um uns von dieser bösen und bitteren Sache zu. überzeugen, und uns dahin zu bringen, daß wir Ihm in kindlicher Weise vertrauen. Jedes Mißtrauen in die Verheißung Gottes, jede Furcht, daß Gott uns im Stiche lasse, jeder Gedanke an Untreue von seiner Seite ist ein Verbrechen gegen die Ehre der göttlichen Majestät. O, überzeugender Geist, wohne in mir von Tag zu Tag, überzeuge mich von der Sünde und laß mich besonders fühlen, daß das schlimmste aller Übel das ist, an meinem treuen Freunde zu zweifeln.

Möchte auch immer der Geist Gottes in euch wohnen und euch von der Gerechtigkeit überzeugen. Mögen diejenigen von euch, die in der Tat Gläubige sind, es nie in Frage stellen, daß sie vor Gott gerecht sind. Wir, die wir glauben, sind zur Gerechtigkeit Gottes in Christo Jesu gemacht; sind wir dessen gewiß? Wenn das, so denkt und redet nicht, als wenn ihr immer noch unter dem Fluch des Gesetzes wäret, denn ihr seid nicht mehr in dieser Lage. „Nun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum.“ „So ist nun nichts Verdammliches- an denen, die in Christo Jesu sind.“ O, möge der Geist Gottes euch jeden Tag davon überzeugen; und euch aus dem Grunde davon überzeugen, daß Jesus droben zu seines Vaters Rechten herrscht. Der Anteil jedes Gläubigen an seinem Herrn ist klar und sicher. Wenn Jesus da ist, bin ich da. Wenn der Vater Ihn angenommen hat, so hat Er mich angenommen. Versteht ihr diese Logik? Ihr seid in Christo, ihr seid eins mit Ihm; wie Er ist, so seid ihr in Ihm. Haltet die Tatsache fest, daß ihr nicht verdammt seid. Wie könnt ihr es sein? Ihr seid zur Rechten Gottes in Christo. Ihr verdammt? Wie? Ihr seid „angenommen in dem Geliebten,“ denn euer Vertreter ist von Gott angenommen und sitzt auf seinem Throne. Jesus ist erhöht, nicht für sich selbst allein, sondern für alle die, welche an Ihn glauben. Möge der Heilige Geist euch völlig von dieser großen Wahrheit überzeugen. Und danach, möge Er euch vom Gericht überzeugen - nämlich, daß ihr gerichtet worden seid, und euer Feind gerichtet und verurteilt ist. Der Tag des Gerichts ist nicht etwas, was ein Gläubiger fürchten sollte. Wir haben unser Verhör überstanden und sind freigesprochen. Unser Stellvertreter hat die Strafe der Sünde getragen. Unsere Strafe ist vorüber, denn Jesus hat sie getragen: Er wurde unter die Übeltäter gerechnet. Es gibt jetzt keinen Fluch für uns; es kann keinen geben; Himmel, Erde, Hölle können keinen Fluch für die finden, welche Gott gesegnet hat, da der Herr Jesus „für uns zum Fluch gemacht war.“ Möge der Geist Gottes von neuem auf euch kommen, meine Lieben, und euch zuversichtlich und freudig in Ihm machen, welcher „der Herr unsrer Gerechtigkeit“ ist, durch den das Böse ein für allemal gerichtet worden ist.

III.

Zuletzt laßt uns unsern Text lesen, indem wir ihn mit „überführen“ wiedergeben. „Der Geist Gottes wird die Welt überführen von der Sünde, von der Gerechtigkeit und von dem Gericht“. Hier ist die Welt, sie steht als Gefangene vor den Schranken des Gerichts, und die Anklage lautet, daß sie voller Sünde ist und gewesen ist. Vor Gericht werdet ihr oft überrascht von dem, was heraus kommt. Ihr blickt auf den Gefangenen, und er scheint ein ruhiger, respektabler Mann, und ihr sagt: „Ich kann kaum glauben, daß der schuldig ist.“ Aber der Anwalt, der die Sache der Gerechtigkeit zu führen hat, steht auf und führt die Anklagepunkte der Reihe nach an; und ihr ändert rasch eure Ansicht, bis ihr zuletzt beim weiteren Fortgang der Rede zu euch sagt: „Das ist ein Schurke, wenn es je einen gab.“ Nun hört den Geist Gottes. Der Geist kam in die Welt, damit alle Menschen wissen möchten, daß Jesus der Christ ist, und Er bezeugte dies durch Wunder, die nicht bezweifelt werden konnten, Wunder ohne Zahl; Er hat außerdem die Wahrheit des Evangeliums durch die Bekehrung von Myriaden bezeugt, deren glückliches und heiliges Leben ein Beweis gewesen ist, daß Jesus Christus in Wahrheit von Gott gesandt war. Aber was tat diese gottlose Welt mit Christus? Sie gab Ihm den Tod eines Verbrechers: sie nagelte Ihn ans Kreuz. Hierdurch ist die Welt verurteilt! Wir brauchen keinen ferneren Beweis. Die Welt ist überführt, selbst-verurteilt durch das Töten Dessen, der die menschgewordene Güte und grenzenlose Liebe war. Die Welt ist schlecht genug, um zu wünschen, daß sie ihren Gott töten könnte, selbst wenn Er mit einer Botschaft der Liebe kommt. Führt die Angeklagten hinweg! Die Schuld der Welt ist zweifellos bewiesen. Der Zorn Gottes bleibt über ihr. Was folgt hierauf? Die Sache wird von einem andern Gesichtspunkt angesehen. Die Welt hat erklärt, daß das Evangelium nicht gerecht ist, daß die Lehre, die unser Herr gebracht, nicht wahr ist. Bis auf diesen Tag erhebt die Welt beständig Einwürfe, versucht die Gläubigen in Verwirrung zu bringen, und womöglich, unsrer heiligen Sache eine Niederlage zu bereiten. Aber der Geist Gottes beweist durch seine Lehren, daß das Evangelium voll Gerechtigkeit ist; und alle seine Wirkungen durch das Wort beweisen, daß das Evangelium heilig, gerecht und gut ist, und darauf abzielt, die Menschen rein, gottesfürchtig, friedlich und heilig zu machen. Indem Er die Menschen durch das Evangelium heiligt, so daß sie ein frommes Leben führen, beweist der Heilige Geist, daß das Evangelium gerecht ist. Dieser Beweis wird immer vollständiger im Verlauf der Zeit. Wäre die Welt nicht ungerecht, so würde sie schon lange der heiligen Botschaft und ihrem heiligen Boten Gehör gegeben haben. Aber sie wird eines Tages die Wahrheit anerkennen müssen. Der Heilige Geist läßt die Welt wissen, daß Christus gerecht ist, indem Er ihr die Wahrheit ins Angesicht blitzen läßt, daß Jesus gegangen ist - in die Herrlichkeit hinauf, zur Rechten Gottes - und dies hätte Er nicht können, wäre Er nicht der Gerechte gewesen. Wenn die Welt am letzten Ende Jesus auf dem Thron erblicken, und die ganze Menschheit den Menschensohn in den Wolken des Himmels kommen sehen wird, welche Überzeugung wird sich jeder Seele bemächtigen! Da werden dann keine Agnostiker sein! Kein Skeptiker wird an jenem Tage gefunden werden! Christus zur Rechten des Vaters gesehen „das wird allem Unglauben ein Ende machen! Und dann wird der Geist Gottes die Menschen das Gericht sehen lassen. Ehe der Tag wirklich kommt, werden sie wahrnehmen, daß Christus, da Er den Teufel gerichtet, ihn von seinem hohem Platze heruntergeworfen, und seine Macht über die Welt schon gebrochen hat, sicherlich alle schlagen wird, die im Reiche des Satans sind, und nicht einem gestatten, zu entrinnen. Die Sache des Bösen ist gerichtet und ist hoffnungslos. O, wie wird der Geist Gottes die Menschen am jüngsten Tage überführen, wenn sie den Richter sagen hören: „Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters,“ oder: „Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer.“ Männer und Brüder, wollt ihr jetzt von dem Heiligen Geist überzeugt werden, oder wollt ihr warten bis dahin? Soll es die Überzeugung der Gnade oder die Überzeugung des Zornes sein? Der Geist zeugt stets noch mit uns, die wir das Evangelium predigen, und wollt ihr diesem Evangelium Gehör geben und es jetzt glauben? oder wollt ihr warten bis zu den Flammen des letzten furchtbaren Tages? Was soll es sein? Mir ist, ich höre euch sagen: „Das Evangelium ist wahr.“ Warum glaubt ihr es denn nicht? Wenn ihr „die Sünde“ bekennt, warum laßt ihr euch denn nicht davon waschen? Wenn es „Gerechtigkeit“ gibt, warum sucht ihr sie nicht? Wenn es ein „Gericht“ gibt, warum sucht ihr nicht so gereinigt zu werden, daß ihr euch nicht davor zu fürchten braucht? O, die meisten Menschen handeln, als wenn sie geborene Narren wären. Wenn sie krank wären, und wir eine sichere Arznei für sie hätten, so würden sie sich zu uns drängen. Wenn sie arm wären und wir ihnen Geld brächten, so würden sie uns niedertreten in ihrer Hast, den Reichtum zu ergreifen. Aber wenn Christus, das göttliche Heilmittel für die Sünde, zu haben ist, Christus als die vollkommene Gerechtigkeit, Christus, in dem sie an dem letzten furchtbaren Tage gesichert sein werden, dann wenden sie dem himmlischen Gut den Rücken zu. O Geist Gottes, gewinne diese Wahnwitzigen; bringe diese Narren zurück, und mache sie vernünftig und weise, um Christi Jesu willen. Amen.

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