Spurgeon, Charles Haddon - Davids Raub

Dies ist die Beute Davids!
1. Samuel 30,20

Wir haben vor kurzem aus Davids Niederlage in Ziklag Beute für uns gesammelt, und wir wollen uns jetzt der anderen Seite dieses Blattes in seiner Geschichte zuwenden und aus der Zeit seiner Siege Belehrung schöpfen. Aber wir können es nicht, bevor wir nicht unser Gedächtnis aufgefrischt haben.

Als David nach Ziklag kam, fand er die Stadt mit Feuer verbrannt und seine und seiner Kameraden Habe geraubt und alle ihre Frauen und Kinder gefangen weggeführt. In seiner großen Trauer darüber wandte sich das Volk gegen seinen Führer, als ob er sie in diese Not hineingebracht hätte. Er war unter allen Männern der einzige, der Ruhe bewahrte, denn er „stärkte sich in dem Herrn, seinem Gott“. Mit gebührender Überlegung harrte er des Herrn und befragte ihn durch den Priester, und dann verfolgte er unter göttlicher Leitung die Banditen, überfiel sie, fand alle Güter seines Volkes wieder und machte eine reiche Beute, welche die Amalekiter anderswo gesammelt hatten.

David, gegen den sich das Volk empört hatte und der in der erfolgreichen Verfolgung der Räuber der Anführer gewesen war, erhielt, wie es sich gebührte, einen besonderen Anteil an der Beute und das Urteil war einstimmig: „Das ist Davids Beute.“

Wir wollen nun auf diesen Sieg Davids blicken, um darin geistliche Belehrung zu finden. David kann als ein besonderes Vorbild von unserem Herrn Jesus Christus angesehen werden. Unter den Vorbildern des Alten Testamentes nimmt er einen hervorragenden Platz ein, denn in vielen Punkten ist er das prophetische Vorbild von dem großen und herrlichen Sohn Davids. Wo David als der Mann nach Gottes Herzen handelt, da ist er das Bild und Emblem des Einen, welcher noch mehr nach Gottes Herzen ist, des Christus Gottes.

Unter göttlicher Leitung verfolgte David die Amalekiter, welche als Diebe gekommen waren, um zu töten, zu verbrennen und gefangen wegzuführen. Die Plünderer wurden überfallen und getötet, und eine große Beute war das Resultat. David brachte alles wieder, was die Amalekiter genommen hatten. Verschiedene Male wird uns in dem Kapitel erzählt, daß nichts fehlte: „David brachte alles wieder.“

Als unser Herr Jesus unsere Erlösung ausführte, brachte er alles wieder und ließ nichts in der Hand des Feindes. Alle Ehre sei seinem Namen. Aber darüber hinaus erbeutete David eine große Menge Vieh, Juwelen, Gold und Silber, das den Amalekitern gehört hatte, wovon ein beträchtlicher Teil als Davids Beute ausgesondert wurde. Davids Männer hatten in dem Augenblick ihrer Verzweiflung davon gesprochen, ihn zu steinigen; aber jetzt, am Tag des Sieges, stellten sie unter allgemeinem Freudengeschrei fest, daß David als seinen Anteil an der Beute, alles Vieh haben sollte, das den Amalekitern gehört hatte. Und so sagten sie, als sie es bei ihrer Rückkehr nach Ziklag vor sich hertrieben: „Das ist Davids Beute.“

Indem ich nun David als Vorbild von Christus gebrauche, möchte ich alle Männer Davids-alle Männer Christi-veranlassen, von ganzem Herzen zu jauchzen: „Das ist Davids Beute.“ Er ist es, von dem Gott sagt: „Ich will ihm die Menge zur Beute geben, und er soll die Starken zum Raub haben.“ Als das Resultat des großen Kampfes seines Lebens und seines Todes hat er einen großen Lohn bekommen.

Alles kommt von Christus

Wir beginnen mit der ersten Feststellung, daß an jenem Tag eigentlich die ganze Beute David gehörte, und in Wahrheit gehört all das Gute, das wir genießen, unserem Herrn Jesus. Er ist unser Herr und Gebieter und jeder Sieg, den wir erringen, ist auf ihn und auf ihn allein zurückzuführen. Ohne ihn können wir nichts tun und ohne ihn auch nichts erlangen. Alles, das wir einst von Natur und unter dem Gesetz besaßen, hat der Räuber weggenommen. Durch unsere eigenen Bemühungen können wir nie wieder gewinnen, was wir verloren haben. Nur durch unseren großen Anführer können wir wiederhergestellt und glücklich gemacht werden. Wir schreiben Jesus all unseren Gewinn zu, wie Davids Leute das bei ihrem Gebieter taten.

Davids Männer schlugen die Amalekiter und nahmen ihre Beute, aber es geschah um Davids willen, daß Gott der Schar Erfolg gab. Gottes Auge ruhte auf seinem erwählten Knecht, dem Gesalbten des Herrn, und um seinetwillen führte Gott sie zu dem Heer der Amalekiter und gab sie gleich den Stoppeln ihrem Schwert. Wieviel mehr ist es bei uns wahr, daß jeder Segen, jede vergebende Barmherzigkeit, jede rettende Gnade uns durch ihn wird, der unser Schild und Gottes Gesalbter ist. Um Jesu willen werden wir begnadigt, gerechtfertigt, angenommen, bewahrt und geheiligt. Nur durch diesen Kanal fließt uns Gottes Barmherzigkeit zu. Gott sagt: „Ich tue es nicht um euretwillen, Haus Israel,“ und wir können darauf antworten: „Nicht uns, Herr, nicht uns, sondern dem Namen des Vielgeliebten gib Ehre und Preis und Ruhm, immer und ewiglich!“ Da uns alles um Christi willen zufließt, können wir von jeder Bundesgnade sagen: „Das ist Davids Beute.“ Sie alle sind die Früchte der Leiden unseres Erlösers, der Erwerb seines Blutes.

Ferner, Davids Leute gewannen den Sieg über Amalek wegen der Führerschaft Davids. Wenn er sie nicht in den Kampf geführt hätte-sie hätten in ihrer Verzagtheit allen Mut verloren und wären unter den rauchenden Trümmern von Ziklag sitzen geblieben. Aber David stärkte sich in dem Herrn, und so ermutigte er alle seine verzagten Nachfolger. Indem er sein Schwert zog und voranmarschierte, inspirierte er sie, und sie folgten seinen Schritten, weil er mutig voranzog. Das ist genau unser Fall, Geliebte, nur sind wir unserem Herrn Jesus mehr verpflichtet, als jene Männer es David waren. Der Herr Jesus ist hier unter uns gewesen und hat unseren Kampf für uns gekämpft und alles zurückerobert, was wir durch Adams Fall und durch unsere eignen Sünden verloren hatten. Ihr wißt, daß er sein Angesicht machte wie einen Kieselstein. Wie beherzt war er, das Werk unserer Erlösung auszuführen. Er ruhte nicht, bis er siegreich ausrufen konnte: „Es ist vollbracht!“ Ihm auf dem Fuß nachfolgend, kämpfen auch wir mit der Sünde. In seine Fußstapfen tretend, überwinden auch wir die Welt, das Fleisch und den Teufel. Habt ihr ihn nie sagen hören: „Seid getrost, ich habe die Welt überwunden“? Liebe Brüder und Schwestern, welchen Sieg ihr auch gewinnen, welche Beute ihr auch teilen mögt, ihr werdet anerkennen, daß ihr durch Jesus gesiegt habt. Jeder Sieg, den wir errungen haben, ist auf den großen Herzog unserer Seligkeit zurückzuführen. Laßt uns ihm schon auf dem Schlachtfeld die Krone aufs Haupt setzen und laßt uns von jeder Sünde, von jeder schlechten Gewohnheit, die wir überwunden haben, sagen: „Das ist Davids Beute.“ Wir hätten diesen Sieg nie gewonnen, wenn Jesus uns nicht angeführt hätte. Alle Heiligen auf Erden und im Himmel bekennen ohne Ausnahme, daß es so ist.

Ich will über diesen Punkt nicht mehr sagen, sondern euch nur daran erinnern, daß wir von Natur alles verloren hatten. Wir hatten den Garten mit allen Freuden des Paradieses verloren, wir hatten das Leben, die Hoffnung, den Frieden, die Gunst Gottes verloren. Aber Jesus hat alles wiedergebracht. Wir selbst waren verloren, aber Jesus hat uns aus der Hand des Feindes zurückgeholt. Er hat uns wiedergegeben, wenn ich so sagen darf, und nun sind wir, die wir tot waren, wieder lebendig geworden, das Verlorene ist gefunden worden. Einst wurde jede unserer Fähigkeiten zu unserem eigenen Verderben verwendet; aber jetzt wird alles durch die Gnade Gottes geheiligt, zu Gottes Ehre und zu unserer Besserung gebraucht. Jesus hat uns für uns selbst und für unseren Gott zurückerobert; dem Starken ist die Beute genommen, und die Gefangenen sind befreit worden.

Ja, unser Herr Jesus hat uns auch neue Hoffnung geschenkt. Unsere Aussichten waren in der Tat dunkel und traurig, bis Jesus kam. Aber wie leuchtend sind sie nun, nachdem er sein herrliches Werk vollbracht hat. Der Tod ist nicht mehr das gefürchtete Grab all unserer Hoffnungen. Die Hölle existiert für Gläubige nicht mehr. Der Himmel, dessen Tore verschlossen waren, ist nun jeder Seele, die glaubt, weit geöffnet. Wir haben Leben und unsterbliche Seligkeit wiedererlangt. Wir wurden gleich Brandscheiten aus dem Feuer gerissen und werden nun zubereitet, um als Lichter im Palast des großen Königs zu leuchten. Wir werden aufgestellt, um ewig Trophäen der überwindenden Macht Jesu, unseres herrlichen David, zu sein. Blickt auf alle Heiligen im Himmel in ihren zahllosen Reihen und sprecht von ihnen allen: „Das ist Davids Beute.“ Blickt auf die bluterkaufte Gemeinde Gottes auf Erden, auf die vielen Tausende, die bereits in seinem Blut gewaschen sind und ihm nachfolgen-und wir sagen von dieser erlösten Schar: „Das ist Davids Beute.“ Jeder einzelne von uns kann, indem er auf seine Vergangenheit und auf seine Zukunft blickt, sagen: „Dies ist auch Davids Beute.“

Christus brachte uns mehr, als was wir durch unsere Sünde verloren hatten

Aber der interessanteste Teil unserer Geschichte ist dieser: Alle Beute war tatsächlich Davids Beute; aber ein Teil derselben war nicht wiedererobert, sondern war ein reiner Gewinn. Sie brachten alles wieder, was sie verloren hatten, aber darüber hinaus war da ein „Mehr“ an Beute von dem geschlagenen Feind.

Nun, in dem großen Kampf Christi unseretwegen hat er uns nicht nur zurückgegeben, was wir verloren hatten, sondern er hat uns gegeben, was Adam in seiner Vollkommenheit niemals hatte, und ich wünsche, daß ihr darüber nachsinnt, weil dieser Teil insbesondere unseres Herrn Beute ist. Die guten Dinge, die wir über das hinaus besitzen, was wir durch die Sünde verloren hatten, werden uns durch den Herrn Jesus geschenkt. Er ist nicht mit der Wiederherstellung zufrieden, er verwandelt den Verlust in einen Gewinn, den tiefen Fall in eine große Erhöhung. Zuerst, liebe Freunde, bedenkt: In Christus Jesus ist die menschliche Natur dahin erhöht worden, wo sie vorher nie gewesen sein konnte. Der Mensch wurde geschaffen in seiner Unschuld, um eine sehr hohe Stellung einzunehmen. „Du machst ihn zum Herrscher über die Werke deiner Hände; alles hast du unter seine Füße gestellt.“ Der Mensch hätte diese Herrschaft ausgeübt, wenn er nie gefallen wäre, aber er hätte nie erlangen können, was er nun gewonnen hat, denn „wir sehen Jesus, der ein wenig unter die Engel erniedrigt war, wegen des Todesleidens mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt“. Wir sehen in Jesus die menschliche Natur in geheimnisvoller Verbindung mit der Gottheit. Ich weiß nie, wie ich über dieses Wunder der göttlichen Menschwerdung sprechen soll. Auch im besten Fall sind wir arme Geschöpfe, doch in Christus Jesus ist unsere Würde erstaunlich. Die Engel überragen uns an Stärke und Schönheit, aber kein Engel wurde jemals in eine solche Beziehung zu Gott gebracht, wie wir sie mit ihm haben dürfen.

Der Mensch ist Gott das nächste Wesen. Das höchste aller Wesen ist Gott und der Gott-Mensch Jesus Christus-in welchem die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt-ist mit ihm auf seinem Thron. Es ist eine große Ehre, daß wir in eine innige Beziehung zu Gott gebracht wurden. Durch Jesus Christus sind wir Kinder Gottes, was die Engel niemals waren. „Zu welchem der Engel hat er jemals gesagt: Du bist mein Sohn?“ Aber zu uns hat er es gesagt. Christus nimmt sich nicht der Engel an, sondern des Samens Abrahams nimmt er sich an, und diese hat er zu Kindern Gottes gemacht. Bedenke weiter: „Wenn aber Kinder, so auch Erben, Erben Gottes und Miterben Christi.“

Gottes Erben! Was ist das für ein Wort! Ich kann es aussprechen, weiß aber nicht, wie ich es erklären soll! Jeder Gläubige ist Gottes Erbe-der Erbe Gottes! Hätte das sein können, wenn es keinen Sündenfall und keine Erlösung gegeben hätte?

Nun sind wir eins mit Gott in Jesus Christus, denn es steht hinsichtlich unseres Herrn geschrieben: „Wir sind Glieder seines Leibes, von seinem Fleisch und von seinem Gebein.“ So innig auch die eheliche Verbindung ist, so erklärt Paulus doch, wenn er davon spricht: „Dieses Geheimnis ist groß, ich aber deute es auf Christus und die Gemeinde.“ Wir sind durch eine wirkliche Verbindung mit Jesus, dem Sohn des Allerhöchsten, dem wahren Gott vom wahren Gott vereinigt, und das ist eine so glänzende Erhebung, daß ich mich unter dieser gewaltigen Herrlichkeit, die uns geoffenbart ist, niedergebeugt fühle.

Was kann ich davon anders sagen als „Das ist Davids Beute“? Das ist es, was Jesus uns gebracht hat. Ihm sei ewig die Ehre dafür! Ein anderer Segen, der uns vor dem Sündenfall nicht gehörte und darum nie verloren ging, sondern uns als eine Zugabe wurde, ist die Tatsache, daß wir erlöst sind. Es ist klar, daß ihr die freie Gnade Gottes und die sterbende Liebe nie kennengelernt hättet, wenn Jesus nicht gekommen wäre, euch zu erlösen. Engel, die nie gefallen sind, werden in Ewigkeit sagen: „Seht ihr jene Wesen, die sich dem ewigen Thron am nächsten beugen? Seht ihr jene vielgeliebten Geschöpfe? Wer sind sie?“ Und ein Geist wird zum anderen sagen: „Es sind Wesen, welche Gott nicht nur erschaffen hat, wie er uns erschaffen hat, sondern welche der ewige Sohn Gottes mit seinem Blut erlöst hat. Sie wurden gerettet, weil der Sohn Gottes ihre Natur annahm und als Mensch starb.“ Geister werden uns verwundert betrachten und sagen: „Was sind das für seltsame Wesen! Andere sind das Werk der Hände Gottes, aber diese sind die Frucht der Arbeit seiner Seele. An anderen sehen wir die Markenzeichen göttlicher Geschicklichkeit und Macht, aber hier sehen wir die Zeichen eines göttlichen Opfers, eines göttlichen Blutvergießens.“ Wahrlich, wir können von unserer Erlösung sagen: „Das ist Davids Beute!“

Daß ihr und ich erlöste Wesen sind, ist in der Tat etwas, das uns von Jesus gegeben wurde und was über das hinausgeht, was Adam verloren hatte und durch alle Ewigkeit hindurch wird die ganze durch Blut erlöste Schar aus Fürsten am Hof Gottes, aus der Aristokratie des Himmels bestehen, denn „er hat uns Gott zu Königen und Priestern gemacht“. Wir erhalten Segnungen, die den Wesen unbekannt sind, welche nie gefallen sind.

Ich denke oft darüber nach-und es ist mir wie liebliche Musik gewesen, wenn ich so darüber nachgesonnen habe-wir sind die Erwählten Gottes. Die Erwählung ist ein hohes und köstliches Vorrecht, auch das ist Davids Beute. Wir sind auch aus den Menschen erlöst, und die Erlösung der Seele ist kostbar. „Das ist Davids Beute.“ Wir stehen mit Gott im Bund, und er hat uns Verheißungen gegeben und sich durch einen Eid verpflichtet, sein Wort zu halten. Auch das ist Davids Beute. Wo hättet ihr jemals von Erlösung, von Erwählung, vom Bund und derartigen Worten gehört, wenn nicht der Christus Gottes gewesen wäre, der uns mit seinem Blut erlöst hat? Singt denn, die ihr euer verlorenes Erbe zurückerhalten habt und singt noch schöner, die ihr gesegnet worden seid mit allen geistlichen Segnungen in den himmlischen Örtern, nachdem der Vater euch erwählt hat in Jesus Christus. Singt laut seinem heiligen Namen und sprecht von euren besonderen Vorrechten: „Das ist Davids Beute.“

Meiner Seele ist es eine selige Tatsache, daß wir teilhaben an einem Vorrecht, welches für Adam gewiß unnötig gewesen wäre und ihm auch nicht bekannt sein konnte, und das ist das Vorrecht der Auferstehung. Wir werden sterben, wenn der Herr nicht plötzlich erscheinen sollte. Ich möchte nicht, Brüder und Schwestern, daß ihr dem Tod mit einer Art von Schrecken entgegenseht. Ich weiß, daß der Tod mit Schmerz verbunden ist; aber im Tod ist kein Schmerz. Der Schmerz gehört dem Leben an, der Tod macht dem Schmerz ein Ende. Aber dem Gläubigen ist der Tod ein Entkleiden, das Ablegen von Kleidern, auf die wir nicht sehr versessen sein sollten, denn sie passen uns schlecht, und oft, wenn unser Geist willig ist, wird er durch diese Kleider von Erde aufgehalten, denn das Fleisch ist schwach.

Manche blicken mit großer Freude der Wiederkunft des Herrn entgegen, weil sie so dem Tod zu entgehen hoffen. Ich bekenne, daß ich nur wenig mit ihnen sympathisiere. Wenn ich zwischen beiden zu wählen hätte, würde ich wählen, zu sterben. Es geschehe, wie der Herr will, aber da ist ein Punkt der Gemeinschaft mit Christus im Tod, welcher denen entgeht, die nicht entschlafen werden, und es scheint mir einige Süßigkeit darin zu liegen, dem Lamm nachfolgen zu können, wohin es geht, selbst wenn es ins Grab hinabsteigt.

Warum sollten wir trauern, dahin zu gehen? Denn wir werden wieder herauskommen, wir werden von den Toten auferstehen. Wir gehen nicht in ein Gefängnis, sondern in ein Bad, in welchem der Leib-gleich der Esther-gereinigt wird, um den König zu sehen. Es ist unsere Freude, dessen gewiß sein zu dürfen, daß, wie der Herr auferstand, so auch alle seine Nachfolger auferstehen werden. Wir wissen nicht viel über die Auferstehung des Leibes, darum wollen wir es nicht versuchen, sie zu beschreiben; aber es ist sicher etwas Wunderbares, auf immer in einem Leib wohnen zu dürfen, der im Grabe war, und an dem das Urteil vollstreckt wurde: „Du bist Erde und sollst zur Erde werden,“ der aber wieder auferweckt wurde durch dieselbe Kraft, welche unseren Herrn Jesus Christus von den Toten auferweckt hat. Wir werden in einem Leib leben, welcher die Verwesung nicht sehen, noch der Schwachheit oder dem Schmerz oder dem Verfall unterworfen, sondern der verherrlichten Person unseres Herrn gleich sein wird.

Kinder der Auferstehung, fürchtet den Tod nicht. Eure Angesichter sind der Sonne zugewandt. Wenn ihr nicht über das Grab hinwegspringen könnt, so könnt ihr hindurchgehen. Es wird eure Freude sein, aufzuerstehen, wenn der Morgen anbricht, denn ihr werdet erwachen nach seinem Bild. Auch die Auferstehung ist Davids Beute, Christi Gabe und Geschenk. Die Auferstehung von den Toten ist die besondere Herrlichkeit des Christentums. Die Unsterblichkeit der Seele wurde schon vorher gelehrt und gekannt, denn daß ist eine Wahrheit, welche die Vernunft lehrt, aber die Auferstehung des Leibes kommt hinzu als der letzte und krönende Trost unserer Seele, und „das ist Davids Beute“.

Ich möchte euch nicht ermüden. Das Thema ist zu groß, um auf eine Betrachtung beschränkt zu werden. Unsere besondere Verwandtschaft mit Gott und doch mit der Materie ist eine andere seltene Gabe Jesu. Durch das Heil der Menschen und durch die Erhebung des Menschen zur Vereinigung mit ihm selbst, beabsichtigte Gott das Niedrigste und das Höchste - seine Schöpfung und sich selbst zu verbinden.

Wie soll ich euch das recht klar machen? Diese armseligen Substanzen Erde, Wasser und dergleichen-sie sind sehr niedrig und gering. Gott schafft ein Wesen, das, wie ein alter Puritaner zu sagen pflegte, halb Seele und halb Erde ist, nämlich den Menschen, welcher beides ist: Geist und Erdenstaub. Wir finden in ihm Wasser, Salze, Säuren-alle Arten Substanzen vereinigt, um einen Leib auszumachen, und mit demselben vermählt ist eine Seele, die mit der Gottheit verwandt ist. Die Materie ist etwas erhöht dadurch, daß sie überhaupt mit Geist verbunden ist. Wenn der Geist mit Gott und die geläuterte Materie durch die Auferstehung von den Toten mit einem gereinigten Geist verbunden wird, dann kommt die Erhebung des Staubes und seine Vereinigung mit dem Himmlischen zustande.

Die Quäker, welche ich hoch schätze, haben sich von den beiden Vorschriften losgesagt, indem sie leugnen, daß sie von dauernder Verpflichtung seien. Sie verbannen die Taufe und setzen das Abendmahl beiseite. Zuweilen habe ich gewünscht, mit ihnen übereinstimmen zu können, da meine ganze Richtung mehr dem Geistlichen als dem Rituellen zugewandt ist. Aber, wenn mir irgend etwas in der Schrift klar ist, dann dieses, daß Christus uns befohlen hat, im Wasser in den dreieinigen Namen getauft zu werden und daß Er geboten hat, im Brotbrechen seiner zu gedenken. Es geschah, denke ich, weil Gott uns wissen lassen wollte, daß selbst das Materielle, obgleich es nur den Vorhof betreten kann, Ihm geheiligt ist. Darum werden Wasser, Brot und Wein-alles materielle Substanzen-nicht nur als Symbole, sondern als Zeichen davon gebraucht, daß alles Erschaffene veredelt und geheilt sein soll. „Denn die Schöpfung ist der Niedrigkeit unterworfen worden-nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat-auf Hoffnung hin.“ Durch die Sünde des Menschen wurde diese äußere Welt verdunkelt, befleckt und degradiert. Aber Gott beabsichtigt, die niedrigsten Dinge seiner Schöpfung durch den Menschen zu einer großen Nähe zu sich zu erheben, als diese je durch andere Mittel hätte erreicht werden können. Ich wünsche, daß ihr, anstatt mir zuzuhören, es versucht, über die wundervolle Stellung nachzudenken, welche erlöste Menschen schon jetzt einnehmen und ewig einnehmen werden. Ich möchte mit dem Engel Gabriel nicht tauschen, selbst wenn er mir seine mächtigen Schwingen anböte, denn ich glaube, daß den Geringsten unter den Kindern Gottes eine unendlich größere Ehre gehört, als den Höchsten unter den Dienern Gottes. Ein Kind Gottes sein-o Seligkeit! -es gibt keine Herrlichkeit, die diese übertreffen könnte. Aber alles das ist eine besondere Gabe an unsere Menschheit durch unseren Herrn Jesus. „Das ist Davids Beute.“

Die Offenbarung der Herrlichkeit Gottes an uns ist eine andere der köstlichsten Gaben, welche die durchgrabenen Hände Jesu allein verabreichen können. Fürstentümer und Gewalten werden in dem geheimnisvollen Leib Christi mehr von Gott erblicken, als sonst in dem ganzen Universum. Sie werden in den Heiligen die ewigen Absichten Gottes studieren und darin seine Liebe, seine Weisheit, seine Kraft, seine Gerechtigkeit, seine Barmherzigkeit in erstaunlicher Weise verschmolzen finden. Sie werden ewig die bewundern, welche Gott liebt, an welchen er Wohlgefallen hat, welche er wie seinen Augapfel behütet und von denen er gesagt hat, daß er sich über sie mit Jubel freuen wird. Wahrlich, es ist in keines Menschen Herz gekommen, die Herrlichkeit Gottes in seinen Heiligen auch nur zu vermuten, die durch Jesus Christus, unseren Herrn, an uns geoffenbart werden soll. „Das ist Davids Beute!“ Kommt, laßt uns dem Herrn singen! Laßt uns miteinander den Namen Jesu Christi erhöhen!

Was geben wir Jesus?

Ich schließe mit dem praktischsten Teil meiner Predigt: Was wir würdigen Herzens Jesus geben, kann seine Beute genannt werden. Es gibt eine Beute für Christus, welche jeder seiner aufrichtigen Nachfolger ihm begeistert zuspricht. Wir haben bereits gesehen, daß alles, was wir haben, von Christus herrührt und daß es gewisse Gaben gibt, welche besonders von Christus kommen. Und nun, was soll Davids Beute von euch und von mir sein?

Erstens, unsere Herzen gehören ihm auf ewig. Von jedem gläubigen Herzen kann gesagt werden: „Das ist Davids Beute.“ Wir müssen morgen wieder daran gehen, unser täglich Brot zu verdienen, und zu diesem Zweck müssen unsere Gedanken zum großen Teil irdischen Dingen nachgehen. Aber unsere Herzen, unsere Herzen sind gleich versiegelten Brunnen für unseren Vielgeliebten. Mammon, du sollst sie nicht haben! Vergnügen, dir sollen sie nicht gehören! Sie sind Davids Beute. Unsere Herzen gehören Jesus allein. „Gib mir, mein Sohn, dein Herz,“ ist ein alttestamentlicher Befehl, aber unter der neutestamentlichen Offenbarung der Liebe befolgen wir ihn. „Denn die Liebe Christi drängt uns, da wir zu diesem Urteil gekommen sind, daß einer für alle gestorben ist und somit alle gestorben sind. Und er ist für alle gestorben, damit die, welche leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferweckt worden ist.“ Sei es denn so, daß unser ganzes Herz das alleinige Eigentum Jesu ist! „Das ist Davids Beute.“

Da ist ein anderer Besitz, den unser König Jesus haben sollte: unsere besonderen Gaben. Ich kenne jemand, welcher vor seiner Bekehrung gewohnt war zu singen, und er entzückte oft die Ohren der Menschen mit seiner herrlichen Stimme. Aber nachdem er bekehrt war, sagte er: „Ab jetzt soll meine Zunge nur Gottes Lob besingen.“ Er weihte sich durch seinen Gesang der Verkündigung des Evangeliums, denn er sagte: „Das ist Davids Beute.“ Hast du nicht die eine oder andere Gabe, eine besondere Fähigkeit, die man nicht allgemein hat, wovon du sagen könntest: „Von nun an soll sie meinem geliebten Herrn gehören“? Sprich von den besten Gaben, die du besitzest: „Das ist Davids Beute.“ Wäre es nicht gut, irgendeinen Teil des Tages abzusondern und zu sagen: „Diese Stunde gehört Christus. Ich habe meine Arbeit zu tun und auf mein Geschäft zu achten. Aber ich will dennoch eine bestimmte Zeit reservieren und sie gleich einem Privatgarten absondern zum Gebet und Lob und zur Betrachtung. Ich will mich mit meinem Herrn beschäftigen oder in praktischen Diensten seinen Namen ehren.“ Sprich: „Das ist Davids Beute.“

Was gedenkst du ihm zu geben? Gewiß hast du irgendeine besondere Begabung, die du ihm zu Füßen legen kannst.

Während unser ganzes Leben dem Herrn Jesus gegeben werden sollte, ist da noch etwas, das allezeit Christus gehören sollte, und das ist unsere christliche Huldigung als Gemeinde. Jesus Christus ist das Haupt der Gemeinde über alles und niemand anders, kein König und kein Papst kann diese Stelle einnehmen. Niemand darf es wagen, den Titel „Haupt der Gemeinde“ ohne rechtswidrigen Eingriff in die Kronenrechte unseres Herrn anzunehmen. Gewisse Kirchenlehrer beanspruchen Autorität über die Gewissen und behaupten, daß sie unfehlbar sind. Ich habe sagen hören, daß sie die hervorragendsten Führer seien, aber ich glaube es nicht. Wir haben einen unfehlbaren Lehrer, und das ist Jesus Christus, unser Heiland. Wir zollen jedem seiner Worte Gehorsam und fordern, daß andere dasselbe tun. Was er uns durch seinen Geist im Wort Gottes sagt, ist uns untrügliche Wahrheit, und wenn Jesus spricht, hören wir auf zu diskutieren. Aber kein Mensch außer ihm darf uns Lehren diktieren, denn „das ist Davids Beute“. Er muß inmitten seiner Gemeinde der einzige Rabbi sein. Wir nennen Ihn Meister und Herr, und das ist er auch. Ich möchte, daß ihr euer Gewissen allein für Christus bewahrt. Tragt Sorge, daß kein Buch jemals die Bibel zurückdrängt, daß kein Glaubensbekenntnis je dem Wort Gottes Wort widerspricht und daß kein Einfluß eines Predigers oder Schriftstellers jemals die Leitung des Heiligen Geistes ersetzt. Der Glaube und Gehorsam eurer Seele gehört ihm allein: „Das ist Davids Beute.“ Schließlich, habt ihr nicht etwas von eurer eigenen Habe, das jetzt Davids Beute sein sollte? Es war eine gute Tat, als jene Frau das Köstlichste, was sie hatte-ihre wertvolle Flasche-zerbrach und die duftende Narde auf den Heiland träufeln ließ, den sie zu seinem Begräbnis salbte. Sie fühlte, daß das köstliche Parfüm „Davids Beute“ war. Es war keine Verschwendung. In Wirklichkeit diente keine andere Gabe so vollständig ihrem Zweck, denn Jesus erhielt alles. Huldvoll beobachtete er die liebende Ehre, die sie ihm zollte. Was wäre geschehen, wenn sie die Salbe verkauft und den Erlös den Armen gegeben hätte? Doch der Erlös hätte nie so ökonomisch angewandt werden können, als da alles ihm geweiht wurde.

Ich denke, es ehrt Gott, wenn ihr Jesus Christus zuweilen eine Gabe von dem gebt, was ihr vermissen werdet. Es ist gut, den Armen zu geben, aber es liegt etwas Köstlicheres darin, etwas Bestimmtes zur Ausbreitung seiner Herrlichkeit und zur Vermehrung seines Ruhmes für ihn zu tun. Arme habt ihr allezeit bei euch und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun. Aber widmet zu besonderen Zeiten eurem Herrn eine köstliche Gabe und sprecht: „Das ist Davids Beute.“

Da war einst eine arme Frau, die ihr kleines Einkommen zwischen ihrem Finger und ihrem Daumen wegtragen konnte. Zwei Scherflein, das war alles. Sie nahm alles, was sie besaß und legte es in den Gotteskasten, denn dies war „Davids Beute“. Es gehörte dem Herrn, ihrem Gott, und sie gab es freudig. Ich weiß nicht, ob seit den Tagen der Apostel irgend jemand so viel gegeben hat, wie diese Frau. Ich habe es nicht getan. Habt ihr es getan? Sie gab alles, nicht nur ihr Erspartes, sondern ihren ganzen Unterhalt. Es blieb ihr nichts, als sie diesen Heller gab. Sie liebte so sehr, daß sie ihre einzige Notdurft opferte.

Da war ein Mann, welcher durch Gottes Vorsehung in Stand gesetzt wurde, viele Tausende beiseite zu legen. Er war ein reicher und geachteter Mann. Ich hörte, daß er mindestens zehn Millionen Mark besitze. Bei einer Kollekte, die gerade gehalten wurde, als er sich besonders dankbar und freigebig fühlte, fand er in der Tasche ein abgenutztes Fünfzigpfennigstück, welches er auf den Teller legte. Das war das Maß seiner Dankbarkeit! Beurteile danach, wieviel er Gott verdankte, oder doch wenigstens, wieviel er zu zollen wünschte. Gibt es nicht viele Personen, welche nach diesem verächtlichen Maßstab den Heiland für die Arbeit seiner Seele belohnen? Ich will ihnen keine Vorwürfe machen. Ich werde nicht in sie drängen, mehr zu tun, damit ich die Freiwilligkeit der großen Gaben, die sie zu bringen glauben, nicht beeinträchtige. Ein Wink möge genügen.

Uns, die wir dem Erlöser tief verschuldet sind, denen so viel vergeben ist, die wir jeden Tag bankrotte Schuldner der unermeßlichen Barmherzigkeit, der unendlichen Liebe sind, uns genügt keine Erbärmlichkeit. Wir müssen etwas geben, das, wenn es seiner nicht würdig ist, mindestens die Wirklichkeit und Wärme der Dankbarkeit ausdrückt, die wir empfinden. Gott helfe uns, recht oft dieses und jenes köstliche Gut abzusondern und zu sagen: „Das ist Davids Beute und es macht meinem Herzen große Freude, es zu geben.“ Wir werden viel Freude darin finden, unseren Herrn mit dem Fett unserer Opfer zu ehren. Es ist einem aufrichtigen Herzen Seligkeit, Jesus reichlich geben zu können. Amen.

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