Spurgeon, Charles Haddon - Davids erster Sieg

„Also überwand David den Philister mit der Schleuder, und mit dem Stein, und schlug ihn und tötete ihn. Und David hatte kein Schwert in der Hand.“
1. Samuel 17,50

Ein sorgfältiges Durchlesen des ganzen Kapitels wird eure Mühe reichlich lohnen. Ich habe einen Vers ausgewählt, aber eigentlich wird die ganze Erzählung mein Text sein. Da euch die Geschichte wohl bekannt ist, brauchen wir keine Vorrede und keinen Eingang. Wir können gleich dazu übergehen, David in seinem Kampfe mit Goliath und seinem Siege über ihn zu betrachten, erstens: als ein Vorbild unsers Herrn Jesu Christi und zweitens: als ein Beispiel für uns selber. Da dasjenige, was ein Vorbild des Hauptes ist, immer auch in Beziehung zu den Gliedern steht und da die Glieder des mystischen Leibes Christi ihm gleich sind, jetzt, und es noch völliger werden sollen, so ist es im Grunde nur Ein Gedanke, den wir in der Betrachtung, an die wir jetzt gehen, ausführen wollen.

I.

Beginnen wir damit, eure Aufmerksamkeit auf die Tatsache zu lenken, daß David in dieser Sache ein Vorbild unsers Herrn Jesu Christi war.

Die alten Kirchenväter waren sehr groß im Auffinden vorbildlicher Ähnlichkeiten. So vollständig waren sie in ihren Auslegungen und so genau in den Einzelheiten, daß sie am Ende zu weit gingen und diese ins Kleinliche ausarteten. Origenes, zum Beispiel, ging in der geistlichen Deutung buchstäblicher Berichte beträchtlich über das hinaus, was als weise Auslegung betrachtet werden kann. Und Andre, die versuchten, noch weiter zu gehen, als jener große Meister des Mystizismus, taten bald der Kirche Gottes vielen Schaden und brachten köstliche Wahrheiten in beklagenswerten Mißkredit. Das Studium der alttestamentlichen Vorbilder hat kaum noch den ihm gebührenden Platz in der Kirche wiedergewonnen seid den Tagen, wo jene frommen Männer es durch ihren unklugen Eifer verdarben. Wir können es indes nicht dahin bringen, zu glauben, daß ein gutes Ding aufhört, gut zu sein, weil es zu einer Zeit mißbraucht worden ist. Wir meinen, es könnte noch immer richtig und nützlich angewandt werden. Innerhalb gewisser Grenzen also, Grenzen, die zu überschreiten, man in diesen mechanischen, unpoetischen Zeiten, wie wir meinen, wenig Gefahr läuft - können die Vorbilder und Allegorien der heiligen Schrift als ein Handbuch der Unterweisung - ein vade mecum gesunder Lehre, gebraucht werden. Nun sind alle evangelischen Christen darüber einverstanden, daß David als ein ganz besonderes Vorbild unsers Herrn Jesu Christi anzusehen ist. Mit Bezug auf die vor uns liegende Begebenheit laßt uns gleich beim Beginn beachten, daß David, ehe er mit Goliath focht, von Gott gesalbt war. Samuel war hinab nach Bethlehem gegangen und hatte ein Horn mit Öl über sein Haupt ausgegossen. Der Vergleich wird sich euch schnell darbieten. So hatte der Herr sich Einen ausgesucht, den er aus dem Volk heraus erwählt hatte. Mit seinem heiligen Öl hatte er ihn gesalbet. Auf Sauls Haupt war ein Glas mit Öl gegossen - auf Davids Haupt ein ganzes Horn mit Öl. Dies mag vielleicht bestimmt gewesen sein, den Kontrast zwischen der Kürze und dem dürftigen Ruhm von Sauls Regierung und der Länge, der Macht und den Vorzügen von Davids Regierung zu veranschaulichen. Oder, geistlich gedeutet, kann es anzeigen, daß das Gesetz, der alte Judaismus, dessen Typus Saul ist, nur ein beschränktes Maß des Segens hatte, während der Segen des Evangeliums, dessen Repräsentant David ist, sich durch seine reichliche Fülle kennzeichnet. Jesus, das Gegenbild Davids ist, „gesalbet mit Freudenöl mehr denn seine Gesellen.“ Gnade und Wahrheit kamen durch Jesum Christum. Der Geist war ihm gegeben „nicht nach dem Maß.“ David ward mehrere Male gesalbt - er ward gesalbt, wie ihr in dem Kapitel, das unserm Text vorhergeht, leset „mitten unter seinen Brüdern“ - gesalbt, wie ihr 2. Sam 2,4 findet, von seinen Brüdern, den Männern Juda - und gesalbt wiederum, wir ihr 2 Sam. 5,3 sehet, von allen Ältesten in Israel. Wir wollen in diese Sache jetzt nicht weiter eingehen, es wird uns genügen, zu beachten, daß so unser Herr von Gott gesalbt war, von seinen Heiligen gesalbt wird und von der ganzen Kirche gesalbt werden wird. Der Geist des Herrn war auf ihm und in der Kraft dieses Geistes, mit dem er vom Vater gesalbet war, ging er aus, die großen Kämpfe seiner Kirche zu fechten. Als er bei seiner Taufe aus dem Jordan herausstieg, ward er mit dem Geist gesalbt, der aus dem Himmel herabfuhr gleich einer Taube; und darauf ging er, wie er geführet ward, in die Wüste und bestand jenen merkwürdigen 40tägigen Kampf mit dem Erzfeind, dem grimmigen Widerpart der Seelen. Seine Kämpfe waren im Geist und in der Kraft des Höchsten, denn die Macht und Majestät des ewigen Geistes war auf ihm.

Seht, wie die Ähnlichkeit weiter geht. Unser Herr war von seinem Vater zu seinen Brüdern gesandt. Wie David von Isai zu seinen Brüdern mit angemessenen Geschenken und tröstlichen Worten gesandt ward, so wurde, als die Zeit erfüllet war, unserm Herrn der Auftrag zu Teil, zu seinen Brüdern zu gehen. Er blieb eine Zeitlang im Hause seines Pflegevaters verborgen, aber hernach trat er hervor und würde ausdrücklich anerkannt als der von Gott Gesendete, der zahllose Gaben in seiner Hand trug und mit einer Botschaft der Liebe und Barmherzigkeit von Gott zu denen kam, die er „sich nicht schämte, Brüder zu heißen.“ Wir haben eben gelesen, wie David behandelt ward. Seine Brüder nahmen in nicht mit Liebe auf. Sie erwiderten seine ungeheuchelte Freundlichkeit mit unbegründeter Härte; bitterer Dinge klagten sie ihn an. Wie sehr entspricht dieses der Art, in welcher unser Herr, der Sohn Davids, behandelt ward. Er kam in sein Eigentum und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Ob er gleich mit Worten der zärtlichsten Liebe zu ihnen kam, hatten sie nur Worte der Verachtung für ihn. Für seine Wohltaten gaben sie ihm Flüche; für das Brot des Himmels gaben sie ihm Steine; und für die Segnungen des Himmels gaben sie den Haß der Erde und die Verwünschungen der Hölle! Niemals ist ein Bruder, „der Erstgeborene unter vielen Brüdern,“ so mißhandelt worden von den übrigen Hausgenossen. Wahrlich, jenes Gleichnis von dem bösen Weingärtner ist an ihm erfüllt. Wir wissen, wie geschrieben steht, daß der Hausvater sprach: „Dies ist mein Sohn, sie werden sich vor meinem Sohne scheuen;“ aber sie sprachen im Gegenteil: „Das ist der Erbe; kommt, laßt uns ihn töten und sein Erbgut an uns bringen.“ Jesus wurde in rauher Weise von seinen Brüdern behandelt, die er zu segnen kam. David, wie ihr euch erinnern werdet, antwortete seinen Brüdern mit großer Sanftmut. Er schalt nicht wieder, da er gescholten ward, sondern ertrug ihre Härte mit großer Milde. Hierin gibt er uns ein schwaches Bild unsers geliebten Meisters, der „nicht wieder schalt, wenn er gescholten ward.“ Gedenket an den, der ein solches Widersprechen von den Sündern wider sich erduldet hat. Seine einzige Antwort, selbst auf die Schläge, die seinen Tod herbeiführen sollten, war: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ „Er war so verachtet, daß man das Angesicht vor ihm verbarg, darum haben wir ihn nichts geachtet.“ Dennoch, bei all diesem, kam kein Wort des Zornes über seine Lippen. Er könnte sonst wohl gesagt haben: „Ist´s mir nicht befohlen!“ (1. Sam. 17,29) Wenig sprach er indes zu seiner eignen Verteidigung; er ging vielmehr an seine Lebensaufgabe mit so viel Eifer, als wenn er den Beifall Aller, die ihn sahen, gehabt hätte. So wurde David ein Vorbild Christi, indem er von seinen Brüdern verworfen ward.

Wir gehen weiter, und bemerken, daß David von einer tiefen Liebe zu seinem Volke angetrieben ward. Er sah es verhöhnt von dem Philister. Als er gewahr ward, wie niedergedrückt Alle sich fühlten durch ihre furchtbaren Feinde, da regte sich ein heißer Unwille in seinem Herzen; aber als er die Worte der trotzigen Herausforderung hörte, fühlte er, daß die Ehre des Gottes Israels selber in dem Streit verflochten war. Der Name Jehovas war entehrt! Jener prahlerische Riese, der aus dem Lager hervortrat, sprach den Heeren des lebendigen Gottes Hohn. Kein Wunder, daß das warme und fromme Herz des tapfern, jungen Hirten von mächtigen Schlägen bewegt ward. Die Leidenschaft des Kriegers glühte auf in seiner Brust bei dem Tone jener profanen Stimme des unbeschnittenen Philisters, der da leichtsinnig sprechen konnte von der Ehre Jehovas, des Gottes Himmels und der Erden! Ein weiterer Beweggrund war vorhanden, der seinen patriotischen Ehrgeiz aufstachelte. Wie konnte es fehlen, daß Davids Busen von starker Bewegung erglühte, als er hörte, daß der König dem, welcher den Philister besiegen und schlagen würde, seine Tochter geben würde? Solch ein Preis mochte wohl seinen Eifer noch mehr beleben. Alle diese Beweggründe wirkten auf ihn ein, aber sein Entschluß, hinzugehen und mit dem Vorkämpfer der Philister zu streiten, war rasch und entschieden. In allen Diesem bildete er deutlich unsern Herrn Jesus Christus vor. Er liebte die Seinen, er war bereit, sein Leben für die Schafe zu lassen. Aber er liebte seinen Vater. „Wißt ihr nicht,“ sprach er einst, „daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist?“ „Der Eifer um dein Haus hat mich gefressen.“ Und dann war da „die Freude, die vor ihn gestellet war,“ (Heb. 12,2 engl. Übers.) daß er die Gemeinde als seine Braut haben sollte; daß er sie mit Gefahr, nicht zu sagen: um den Preis - seines Lebens erwerben sollte; „darum, daß seine Seele gearbeitet hat, wird er seine Lust sehen und die Fülle haben.“ Sie sollte zu seiner königlichen Würde erhoben werden und Krone und Thron mit ihm teilen. Das neue Jerusalem, unser Aller Mutter, sollte Jesus von Gott als seinen Lohn erhalten; dieses beseelte ihn, so daß er ausging und um unsertwillen den Streit aufnahm. Laßt uns hier einen Augenblick inne halten und seinen Namen loben, daß er sein Volk so geliebt hat und daß die Heiligen in seiner Hand sind. Laßt uns ihn loben, daß der Eifer um das Haus Gottes ihn verzehret hat, daß er sich so völlig dem großen Werke weihete. Und über Alles laßt uns demütig und dankbar ihn loben, daß er uns geliebet hat und sich selbst für uns gegeben. Als ein Teil der Gemeinde, mit der er sich „verlobet hat in Ewigkeit,“ haben wir Anteil an Allem, was er tat. Für uns hat er den Kampf gekämpft, für uns hat er den Sieg gewonnen, für uns ist er in die Herrlichkeit eingegangen. Und er wird in Kurzem kommen, um uns hinauf zu nehmen, seine Herrlichkeit zu sehen und bei ihm zu sein, wo er ist. Während wir das Vorbild in David sehen, laßt uns Sorge tragen, nicht zu vergessen, Jesum selber anzubeten, der hier unsern Seelen vorbildlich dargestellt wird, wie er uns das Heil erwirbt.

Ich könnte noch viele Einzelheiten anführen, in welchen David ein Vorbild unsers Herrn war. Da die ganze Erzählung voll genauer Einzelheiten ist, bietet sie uns sehr viele Vergleichungspunkte. Aber Eins ist da, was ich besonders von euch beachtet wünsche.

Goliath ist im Hebräischen nicht „ein Riese“ genannt, wie wir es in unsrer Bibel haben, sondern der Mittel-Mann, der Mittler. Wenn ihr euch die Sache recht vergegenwärtigt, werdet ihr bald gewahr, wie passend dies gebrauchte Wort ist. Hier ist das Heer der Philister auf der einen Seite und dort das Heer Israels auf der andern Seite. Ein Tal liegt zwischen beiden. Goliath sagt: „Ich will Philistäa repräsentieren. Ich will der Mittel-Mann sein. Anstatt alle Reihen und Glieder persönlich am Kampfe teilnehmen zu lassen, will ich als der Repräsentant meines Volkes, der Mittler, erscheinen. Wählt ihr einen Mittler, der kommt und mit mir kämpft. Anstatt einer Schlacht zwischen den Einzelnen, aus denen die beiderseitigen Armeen zusammengesetzt sind, laßt zwei Repräsentanten in furchtbarem Zweikampfe die Streitfrage entscheiden.“ Nun, genau in derselben Weise focht der Herr Jesus den Kampf seines Volkes aus. Wir fielen Alle in dem ersten Adam, unserm Repräsentanten, und unser Heil ist nun erworben durch einen andern Repräsentanten, - den zweiten Adam. Er ist der Mittelsmann, der „Eine Mittler zwischen Gott und den Menschen.“ In seiner Liebe für uns und seinem Eifer für die Ehre Gottes, sehen wir ihn, als wenn er hervortritt auf den Kampfplatz, der die Lager des Guten und des Bösen schneidet und da dem trotzigen Gegner ins Angesicht blickt. Er steht da, in unserm Namen und um unsertwillen zu streiten, wenn wir in Wahrheit sein Volk sind, auf daß er für uns den Kampf ausfechte, den wir niemals hätten ausfechten können. Wir persönlich würden ohne allen Zweifel eine Niederlage erlitten haben. Aber dieser Eine Arm allein ist hinreichend, den Sieg für uns zu gewinnen, und für allezeit den Streit zwischen Himmel und Hölle zu endigen.

Beachtet unsern kriegerischen Helden wohl, wie er zum Kampfe geht. Der Sohn Isais wies alle fleischlichen Waffen zurück. Er hätte sie haben können - sie setzten ihm einen Helm auf sein Haupt, legten ihm einen Panzer an und waren im Begriff, das Schwert um seine Lenden zu gürten, aber er sprach: „Ich kann nicht also gehen, denn ich bin es nicht gewohnt.“ In derselben Weise entsagte der Sohn Davids allen irdischen Waffen. Sie wollten unsern Herrn mit Gewalt nehmen und ihn zum König machen, aber er sprach: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Schwerter genug würden auf sein Geheiß aus der Scheide geflogen sein. Es war nicht allein Petrus, dessen zu hastiges Schwert das Ohr des Malchus abhieb, sondern es gab auch viele Zeloten, die dem Sterne Jesu von Nazareth gefolgt sein würden, wie in früheren und noch mehr in späteren Tagen die Juden den Betrügern folgten, die erklärten, daß sie von dem Allerhöchsten den Befehl erhalten, sie zu befreien. Aber Jesus sprach: „Stecke dein Schwert an seinen Ort; denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen.“ Ohne Zweifel war eine der Versuchungen in der Wüste nicht nur die, daß er die Reiche der Welt haben sollte, sondern auch daß er sie durch den Gebrauch solcher Mittel erwerben sollte, wie Satan sie ihm eingab. Er sollte niederfallen und Satan anbeten: er sollte fleischliche Waffen brauchen, was eben dasselbe war, als ihn anbeten. Jesus wollte diese nicht haben. Bis auf den heutigen Tag wird der große Streit Jesu Christi mit den Mächten der Finsternis nicht mit Schwert und Helm geführt, sondern mit den glatten Steinen des Baches. Die einfache Predigt des Evangeliums mit dem Hirtenstab des großen Hauptes der Kirche in unsrer Mitte, die ist's, welche Goliath darnieder wirft und ihn darnieder werfen wird bis an den jüngsten Tag. Vergeblich ist's für die Kirche, nur daran zu denken, daß sie den Sieg durch Reichtum, Rang oder die bürgerliche Obrigkeit gewinnen werde. Keine Regierung wird ihr beistehen. Auf Gottes Macht allein muß sie blicken, „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.“ Ein Glück wird es für die Kirche sein, wenn sie diese Lehre lernt. Die Predigt des Kreuzes; „die eine Torheit ist denen, die verloren werden,“ ist nichtsdestoweniger denen, die an Christum glauben, „göttliche Kraft und göttliche Weisheit.“

Seht nun, wie unser glorreicher Vorkämpfer in den Streit gehet mit den Waffen seiner eignen Wahl und solchen, welche die menschliche Weisheit verachtet, weil sie für das Werk nicht passend erscheinen. Mit großer Kraft und Stärke trat er des ungeachtet hervor, denn er kam im Namen Gottes. „Du kommst zu mir,“ sagte David, „mit Schwert, Spieß und Schild; ich aber komme zu dir im Namen des Herrn Zebaoth.“ Dies ist auch der überwiegende Einfluß, der das Evangelium allmächtig macht. Christus ist die von Gott gewollte Versöhnung. „Gott hat ihn vorgestellet zu einem Gnadenstuhl.“ Christus ist von Gott bestimmt, von Gott gesalbt, von Gott gesandt. Und das Evangelium ist Gottes Botschaft, von Gottes Geist begleitet. Wenn es das nicht ist, so ist es schwach wie Wasser - es muß seinen Zweck verfehlen. Aber da der Herr es gesandt hat, da er versprochen hat, es zu segnen, können wir sicher sein, daß es den Zweck erfüllen wird, zu dem es bestimmt war. „Ich komme zu dir im Namen des Herrn Zebaoth.“ Dieses Wort mag allen denen zum Wahlspruch dienen, die von Christo gesandt sind und an seiner Statt stehen in dem furchtbaren Kampf um wertvolle Seelen. Dies war die Losung Christi, als er kam, um unsertwillen und für uns mit der Sünde zu fechten, den Zorn Gottes zu tragen und Tod und Hölle zu besiegen! Er kam im Namen Gottes.

Bemerkt wohl, daß David den Goliath schlug und ihn kräftig schlug - nicht in den Lenden oder an der Hand oder am Fuße - er richtete auf einen zum Leben notwendigen Teil den Streich, der ihn darnieder warf. Er traf ihn an der Stirne seiner Anmaßung, an den Brauen seines Stolzes. Ich denke mir, daß er sein Visier aufgezogen hatte, um einen Blick auf seinen verächtlichen Gegner zu werfen, als der Stein sich hinein bohrte und auf immer diese prahlerische Seele hinaus trieb. So schleuderte unser Herr, als er sich erhob, gegen die Sünde zu streiten, sein versöhnendes Opfer als einen Stein, der die Sünde und alle ihre Mächte an der Stirne traf. So ist, Gott sei Dank, die Sünde erschlagen. Sie ist nicht nur verwundet, sondern durch die Macht Jesu Christi erschlagen.

Gedenkt auch daran, daß David Goliaths Haupt mit seinem eignen Schwerte abhieb. Augustinus führt in seinem Kommentar zu dieser Stelle sehr schön den Gedanken aus, daß hier der Sieg unsers Heilandes Jesu Christi in der Geschichte Davids vorgebildet ist. „Er vernichtete durch den Tod ihn, der die Macht des Todes hatte, das heißt: den Teufel.“ „Er schlug den Tod durch Tod“ - hieb des Riesen Haupt mit seinem eignen Schwerte ab. Das Kreuz, welches der Tod des Heilandes sein sollte, ward der Tod der Sünde. Die Kreuzigung Jesu, die als der Sieg Satans erschien, war die Vollendung seines Sieges über Satan. Siehe, noch jetzt sehe ich in unsers siegreichen Helden Hand das grausige Haupt des Ungeheuers: Sünde, von dem die blutigen Tropfen träufeln. Blickt es an, ihr die ihr einst unter ihrer Tyrannei waret. Schauet die furchtbaren Züge des Hassenswerten und gigantischen Tyrannen. Euer Herr hat euren Feind erschlagen. Eure Sünden sind tot; er hat sie zerstört. Sein eigner Arm, allein und ohne Hilfe hat euren riesenhaften Feind vernichtet. „Der Stachel des Todes ist die Sünde; die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesum Christum.“ Gelobt und gepriesen sei sein heiliger Name. Als David so die Tötung Goliaths vollbracht, kamen ihm die Weiber Israels entgegen, die im Wechselgesang sangen, begleitet von der Musik ihrer Pauken und ihres freudigen Reigens: „Saul hat tausend geschlagen, aber David zehntausend.“ So hatte er seinen Triumph. Mittlerweile hatten Israels Heere, da sie sahen, daß der Philister-Riese tot war, Mut gefaßt und sich auf den Gegner gestürzt. Die Philister waren erschreckt und flohen und jeder Israelit ward an diesem Tage ein Sieger durch den Sieg Davids. Sie überwanden weit um deswillen, der sie geliebt und für sie den Sieg gewonnen hatte. So laßt uns nun daran gedenken, daß wir Sieger sind. Unser Herr hat den Sieg gewonnen. Er ist zu seiner Herrlichkeit gegangen. Die Engel sind ihm auf dem Wege entgegen gekommen. Sie haben gesagt. „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, daß der König der Ehren einziehe.“ Und die, welche mit ihm gewesen sind, haben auf die Frage: „Wer ist derselbe König der Ehren?“ geantwortet. Sie haben gesagt: „Es ist der Herr, stark und mächtig, der Herr mächtig im Streit. Es ist der Herr Zebaoth; er ist der König der Ehren.“ Und jetzt triumphiert der schwächste Gläubige in Christo. Obgleich wir uns selber überlassen, geschlagen sein würden und nicht auf Sieg hätten hoffen können, - dennoch verjagen wir unsre Feinde durch unsern Herrn Christum; wir treten die Sünde unter unsre Füße; und wir gehen von Kraft zu Kraft durch seinen vollendeten Sieg. Hier ist viel Raum zum Nachdenken. Wollt ihr für euch darüber nachsinnen? Ihr werdet den Vergleich noch viel weiterer Ausdehnung fähig finden. Ich habe euch nur, so zu sagen, einen Umriß mit der Kohle gegeben, - eine rohe Skizze. Macht ein Gemälde daraus nach eurer Muße und möge es euch eine wohltätige Stunde und eine nützliche Betrachtung werden.

II.

In großer Kürze laßt uns nun zu David zurückkehren als zu einem Beispiel für jeden Gläubigen in Christo.

Vor allem Andern geziemt es uns, teure Brüder und Schwestern, zu erwägen, daß wir mit heiligem Öle gesalbt sein müssen, wenn wir jemals etwas für Gott und seine Kirche tun sollen. O, wie vergeblich würde es für uns sein, Eifer zu beweisen in einer Art von natürlichen, fleischlichem Fanatismus und große Dinge zu unternehmen in bloßem Dünkel, die nur auf gänzliches Mißlingen hinauslaufen können. Wenn nicht der Geist Gottes auf uns ruht, haben wir keine Macht in uns und keine Mittel außer uns, auf die wir bauen können. Harret auf den Herrn, Geliebte, und suchet Kraft in seinem Beistand. Was nicht in euch gelegt ist, kann nicht aus euch herauskommen. Ihr müßt empfangen und dann ausgeben. Denkt daran, wie Jesus es beschreibt: „Das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillet.“ Und wiederum, an einer andern Stelle: „Wer an mich glaubt, wie die Schrift saget, von des Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fließen.“

Ihr könnt nicht Davids Werk tun, wenn ihr nicht Davids Salbung habt. Wenn ihr bedenkt, daß euer göttlicher Meister auf die himmlische Salbung wartete, so könnt ihr schwerlich erwarten, ohne diese auszukommen. Seid nicht so töricht. Christus trat sein öffentliches Amt nicht an, bis der Geist Gottes auf ihm ruhte. Die Apostel blieben zu Jerusalem, und gingen nicht aus zu predigen, bis ihnen Kraft aus der Höhe gegeben war. Der Hauptpunkt, das erste Erfordernis, das sine qua non für uns ist, diese Kraft zu haben. O, in dieser Kraft zu predigen - in dieser Kraft zu beten - irrende Seelen zu suchen in dieser Kraft! Euer Werk in der Sonntagsschule, euer Werk in der innern Mission, jede Art eurer Arbeit für Christum muß in dieser Kraft getan werden. Werft euch auf eure Knie. Geht zu dem kreuze. Kommt zu den Füßen eures Herrn. Sitzt still in Glauben und Hoffnung, bis er euch die Stärke geben wird, die euch befähigt, des Meisters Werk zu tun, auf des Meisters Weise, zu des Meisters Ruhme.

David steht ferner vor uns als ein Beispiel davon, daß unsre Gelegenheit kommen wird, wenn uns Kraft verliehen ist, ohne daß wir besonders darnach suchen. David geriet wie zufällig in diese Lage. Er war von der Vorsehung berufen, den Platz auszufüllen, für den er befähigt war, ein großer Mann in Israel zu sein. Wenig ahnte er, als er mit der Ladung Käse auf seinen Schultern wegging, daß er in Kurzem vor allen andern Männern in Palästina sich hervortun würde. Doch war es so. Geliebte, eilt nicht so, nach einer Wirkungssphäre umherzusuchen. Seid bereit für eure Sphäre; eure Sphäre wird zu euch kommen. Ich spreche zu manchen lieben jungen Brüdern, die sich zum Predigtamt vorbereiten. Seid lieber bereitet für jedes Werk, als daß ihr nach einem besondern Werke aussehet. Gott hat seine Nische für euch. Ihr werdet sonst zu Boden fallen: verlaßt euch darauf. Seid bereit. Eure Aufgabe ist, bereit zu sein. Habt eure Werkzeuge gut geschliffen und wißt sie zu gebrauchen. Der Platz wird zu euch kommen, der beste Platz für euch, wenn ihr nicht sowohl nach dem sucht, was eurem Geschmack zusagt, als nach dem, worin ihr euch beweist als ein Gefäß, das der Meister gebrauchen kann. David findet seine Gelegenheit. Er hat zuerst den Geist empfangen, was die Hauptsache ist und dann findet er die Gelegenheit, seine Beglaubigung aufzuweisen. Dieses ist klar, aber ferner entnehme ich aus Davids Beispiel, daß wir, wenn wir einen Beruf von Gott fühlen, etwas für ihn und seine Kirche zu tun, nicht nötig haben, zu warten, bis die, welche wir achten und ehren, mit uns übereinstimmen in Betreff der Angemessenheit unsers Beginnens. Hätte David gesagt: „Gut, ich will warten, bis Eliab und Abinadab und Samma, meine älteren Brüder, alle vollkommen damit einverstanden sind, daß ich der Mann bin, Goliath zu fechten,“ so vermute ich, er würde nimmer mit Goliath gefochten haben. Große Ehrerbietung sind wir dem Urteil älterer Leute schuldig, aber größere Ehrfurcht gebührt den Antrieben des Geistes Gottes in unserm Herzen. Ich wollte zu Gott, Christen merkten mehr auf diese innern Regungen als es in unsern Zeiten der Fall ist. Wenn dir ein Gedanke ins Herz gegeben wird oder eine Mahnung dir ins Gewissen klingt, gehorche ihr, Mann! handle darnach, obgleich Niemand anders es bemerkt oder dich ermutigt. Wenn Gott dir seinen Willen gezeigt hat, verbirg auf deine eigne Gefahr hin die Kenntnis oder bebe vor der Erfüllung desselben zurück! Was! Mit der Furcht Gottes in unserm Herzen und einem Auftrage Gottes in unsrer Hand, sollen wir hinken und zaudern und Knechte der Menschen werden? Ich wollte eher sterben, als daß ich auf diese Kanzel treten müßte, und um eure Erlaubnis bitten oder um irgendeines Menschen Einwilligung in Betreff dessen, was ich sprechen soll. Gott weiß, ich will sprechen - was er mir zu sagen hat und mit der Hülfe seines guten Geistes will ich es euch geben, wie ich es von ihm selber höre. Möge diese Zunge eher verstummen, als daß sie die Dienerin der Menschen wird! David war von dieser Sinnesart. Er fühlte, er hatte etwas zu tun und obgleich er dem zuhören konnte, was Andre zu sagen hatten, so waren sie doch nicht seine Herren. Er diente dem lebendigen Gott und er ging an das Werk, das ihm anvertraut war, ohne vor den Urteilen zu erschrecken, die sie über ihn fällen mochten. Wer für Gott spricht, sollte ehrlich sprechen. Laßt Andre kritisieren und die Spreu von dem Weizen sichten. Er muß das erwarten. Aber, was ihn selbst betrifft, laßt ihn geben, was er für reinen Weizen hält und keinen Menschen fürchten, damit er nicht unter das Verdammungsurteil des Gottes im Himmel falle. Geh, mein Bruder, an dein Werk, wenn Gott es dir auferlegt. Wenn ich dich schelte, was ist das? Ich bin nur ein Mensch. Oder, wenn alle die, deren Achtung du gerne hättest, nur harte Verdächtigungen und schneidenden Tadel für dich haben - sie sind nur Menschen und Gott allein bist du Gehorsam schuldig. Geh du an deines Meisters Werk, wie David, mit unerschrockenem Mut, aber bescheidner Miene. Das wäre ein böser Knecht, der, nachdem er einmal seines Herrn Befehle empfangen, sie unausgeführt lassen wollte und sich damit entschuldigen, daß er sagte: „Ich traf einen meiner Mitknechte, und dieser meinte, ich wäre zu kühn in meinem Wagnis, es wäre besser, ich versuchte es nicht.“ Eurem Herrn werdet ihr stehen oder fallen. Habt Acht, daß ihr wohl mit ihm steht.

Lernt auch von David, denen ruhige Antworten zu geben, die euch in rauher Weise von eurem Werk verdrängen wollen. Im Allgemeinen ist's besser, gar keine Erwiderung zu geben. Mich deucht, David sprach nicht so gut mit seinem Wort, als mit seiner Tat. Sein Handeln war beredter, als seine Sprache. Als er vom Kampfe zurückkehrte und des Riesen Haupt empor hielt, hoffe ich, daß Eliab ihn sah und daß Abinadab und Samma ihm entgegen kamen. Wenn sie es taten, konnte er einfach die Trophäe in die Höhe halten und es dem grausigen Antlitz überlassen, für ihn zu antworten. „Es ist denn doch nicht,“ werden sie gedacht haben, „Vermessenheit oder Bosheit des Herzens oder eitle Neugier, die Schlacht zu sehen, weshalb er gekommen ist.“ Sie werden eingesehen haben, daß er gekommen war, Gottes Werk auf seine Art zu tun: daß Gott ihm geholfen, den Sieg zu gewinnen, den Feind zu verwirren und Israel von Furcht zu befreien; und daß durch den Mann, den sie verachtet, Gott seinen Namen verherrlicht hatte.

Lernt wiederum an Davids Beispiel, die Klugheit, bei den erprobten Waffen zu bleiben. Ich habe es oft unwahrscheinlich nennen hören, daß David den Riesen mit einem Stein getötet haben sollte. Ich glaube, die, welche so sprechen, verfehlen den rechten Punkt. Welches Wurfgeschoß konnte bequemer oder den Umständen angemessener sein? Wenn der Geselle groß war, konnte die Schleuder einen Stein hoch genug heben, um ihn zu treffen; und wenn er stark war, sehr stark, konnte die Schleuder dem Stein solche Kraft geben, daß David seinen Gegner angreifen konnte, ohne innerhalb seines Bereiches zu kommen. Es war die beste Waffe, die er brauchen konnte. Orientalische Hirten, wenn die der alten Zeit denen in neueren Tagen gleich waren, hatten Übung genug, um große Fertigkeit im Schleudern zu erlangen. Sie verbringen manche Stunde, sowohl allein, als mit ihren Kameraden in der Übung dieser Kunst. Es ist gewöhnlich ihre beste Waffe, um ihre Schafe in den weiten Einöden zu verteidigen. Ich bezweifele nicht, daß David gelernt hatte, einen Stein auf eines Haares Breite zu werfen und nicht zu fehlen. Was das Schwert betrifft, so hatte er nie in seinem Leben eins gehabt, denn „es ward weder Schwert noch Spieß gefunden in des ganzen Volkes Hand, das mit Saul und Jonathan war; ohne Saul und sein Sohn hatten Waffen.“ So wird uns im 13. Kapitel berichtet. Die Philister hatten die ganze Bevölkerung so vollständig entwaffnet, daß sie gar keine solche Waffen besaßen. Mit ihrem Gebrauch konnte David deshalb nicht vertraut sein. Und was den Panzer anlangt - ein lästiges, schweres, unbequemes Stück der Rüstung - ich wundere mich nur, wie die alten Ritter überhaupt irgend etwas in solchem Anzuge tun konnten. Kein Wunder, daß David das Ding ablegte. Er fühlte sich am wohlsten in seinem Hirtenkleide. Natürlich wollen wir hieraus nicht schließen, daß unangemessene Instrumente wünschenswert sind. Wir lehren nichts so Romantisches oder Absurdes. Es geziemt uns, die passendsten Werkzeuge zu brauchen, die wir finden können. Diese Steine aus dem Bach griff David auch nicht auf, wie sie ihm in die Hand kamen; er wählte sie sorgfältig, suchte glatte Steine aus, die genau in seine Schleuder paßten - solche, wie er sie am besten für seinen Zweck geeignet hielt. Er vertraute nicht auf seine Schleuder. Er sagt uns, daß er auf Gott vertraute, aber er verfuhr mit seiner Schleuder, als ruhte die Verantwortlichkeit ganz auf ihm. Das Ziel zu verfehlen, hätte seine Ungeschicklichkeit bewiesen; das Ziel zu treffen, dazu mußte Gott ihn fähig machen. Das, meine Brüder, ist die wahre Philosophie eines Christenlebens. Ihr sollt gute Werke tun, so eifrig, als wenn ihr durch eure guten Werke selig zu werden hättet und ihr sollt auf das Verdienst Christi vertrauen, als ob ihr gar nichts getan hättet. So auch im Dienste Gottes: obgleich ihr für Gott arbeiten sollt, als wenn die Erfüllung eurer Aufgabe allein von euch abhinge, doch müßt ihr klar verstehen und fest glauben, daß die ganze Sache doch vom Ersten bis zum Letzten von Gott abhängt. Ohne ihn ist Alles, was ihr je geplant oder vollführt habt, nutzlos. Es war gesunde Philosophie von Mohammed, als er, da ein Mann ihm sagte: „Ich habe mein Kamel losgemacht und auf die Vorsehung vertraut,“ demselben antwortete: „Nein, binde dein Kamel fest und dann traue auf die Vorsehung.“ Tue dein Bestes, und vertraue auf Gott. Gott wollte niemals, daß Glaube an ihn gleich bedeutend mit Trägheit sein sollte. Dann wäre ja, falls Alles Gottes Werk wäre und nur dieses in Betracht zu ziehen, für David keine Notwendigkeit vorhanden gewesen, eine Schleuder zu haben. Nein, David täte überhaupt nicht Not. Er könnte zurückgehen, auf seinem Rücken in der Mitte des Feldes liegen und sagen: „Gott wird sein Werk tun: er braucht mich nicht.“ So würden Fatalisten schwatzen, aber die, welche an Gott glauben, handeln nicht so. Sie sagen: „Gott will es, darum will ich es tun,“ - nicht: „Gott tut es und deshalb ist nichts für mich zu tun.“ Nein, „Weil Gott durch mich wirkt, deshalb will ich unter seiner gnädigen Hand wirken. Er gibt seinem schwachen Knechte Stärke und braucht mich als sein Werkzeug, obgleich ich ohne ihn zu Nichts taugte. Nun will ich mit Freudigkeit in den Kampf gehen und meine Schleuder brauchen so geschickt ich nur kann und ruhig, stille und überlegt nach des Ungeheuers Stirne zielen, da ich glaube, daß Gott den Stein leiten wird und seine Absicht ausführen.“ Wenn ihr Gott zu dienen sucht, gebt euer Bestes; haltet nicht irgend etwas an Nerven oder Muskeln, irgend etwas an Geschick oder Überlegung zurück, was ihr dem Unternehmen widmen könnt. Sagt nicht: „Es wird schon gut genug sein, Gott kann meinen Mangel ebenso wohl segnen, als meine Sorgfalt.“ Ohne Zweifel kann er das, aber unzweifelhaft will er es nicht. Sei so sorgsam, als du nur kannst. David wollte in seinem Alter und seiner reiferen Erfahrung Gott nicht das opfern, was ihn nichts kostete. Versucht es nicht, Gott in träger Weise zu dienen und euch damit zu schmeicheln, daß er den Dienst segnen wird. Er kann ihn segnen, aber das ist nicht die Art, in welcher es ihm gewöhnlich zu wirken gefällt. Obgleich er oft rohe Werkzeuge nimmt, so formt und poliert er sie für seinen Gebraucht. Er kann ungelehrte Männer in tüchtige Prediger des neuen Bundes wandeln. Meint indessen nicht, daß seine Gnade eurer Anmaßung als Entschuldigung dienen wird, sondern geht mit den Werkzeugen, die ihr erprobt habt. Wenn einige von euch aus der arbeitenden Klasse das Evangelium Christi zu predigen unternehmen, versucht es nicht mit gelehrten Beweisen, die oft gebraucht werden, um Ungläubige zu bekämpfen. Ihr werdet diese nie handhaben. Sie werden euch sicher hinderlich sein. Sagt euren Nachbarn und Kameraden, was ihr von dem Wort des Lebens gefühlt und erfahren habt. Verkündet ihnen das, was in der Schrift geschrieben steht. Diese Worte sind die glatten Steine, welche für eure Schleuder passen. Bleibt dabei. Man sagt uns heutzutage, daß wir die Argumente nehmen sollen, welche die neueren Philosophen erfunden haben, sie prüfen, sie studieren und dann am Sabbat und zu anderen Zeiten vortreten sollen und darauf antworten; daß wir historische Untersuchungen und logischen Scharfsinn brauchen müssen, um ungläubige Verleumdungen zu widerlegen. Ach, Sauls Waffenrüstung paßt uns nicht. Die, welchen sie gefällt, mögen sie tragen; aber, Christum, den Gekreuzigten, zu predigen, - zu verkünden die alte, alte Geschichte von der ewigen Liebe und von dem Blute, welche sie besiegelte, die Art der Erlösung und die Wahrheit von Gottes unwandelbarer Gnade - das heißt: jene Steine und jene Schleuder gebrauchen, welche sicher die Stirne des Feindes treffen werden.

Beachtet ferner, daß David von dem Werke, das er begonnen, nicht abließ, ehe er es beendet. Er hatte den Riesen zu Boden gestreckt, aber er war nicht zufrieden, bis er ihm den Kopf abgehauen. Ich möchte, Einige, die für Christum arbeiten, gingen so gründlich zu Werk, wie dieser junge Freiwillige. Habt ihr einem Kinde den Heilsweg gewiesen? Laßt nicht ab, bis das Kind in die Gemeinschaft der Gläubigen eingeschrieben ist. Habt ihr das Evangelium irgendeiner Gemeinde treulich gepredigt? Fahrt fort, zu belehren, zu beraten und zu ermutigen, bis ihr sie im Glauben befestigt seht. Habt ihr eine Ketzerei widerlegt oder ein Laster angegriffen, verfolgt den Kampf, bis das Übel ausgerottet ist. Tötet nicht nur den Riesen, sondern schlagt ihm das Haupt ab! Tut nie das Werk des Herrn lässig! Schont nie mitleidsvoll einen Anschlag des Teufels. Schlechte Gewohnheiten und herrschende Sünden sollten mit einem entscheidenden Schlage niedergestreckt werden. Aber laßt das nicht genug sein. Laßt ihnen keine Möglichkeit, ihre Stärke wiederzugewinnen. Mit demütiger Buße und ernstem Entschluß, im Vertrauen auf Gott und im Abscheu vor dem Feind, haut der Sünde den Kopf ebenso wohl ab, als ihr die Stirn mit dem Steine trefft. Wenn ihr so tut, könnt ihr Hilfe erwarten, auf die ihr nicht gerechnet habt. Ihr habt kein Schwert: ihr habt euch nicht mit einem solchen beschweren wollen, eben wie David nicht nötig hatte, ein Schwert in seiner Hand zu tragen, denn Goliath hatte eins mit sich, das gut zu seiner eignen Tötung dienen konnte. Wenn immer ihr Gott dienet, so kämpft ihr gegen Irrtum; erinnert euch, daß jeder Irrtum das Schwert mit sich führt, mit welchem er geschlagen wird. Wenn wir für die Sache der Wahrheit fechten, brauchen wir uns nicht zu wundern, daß der Kampf lang ist; aber wir können stets darauf zählen, daß der Stolz des Gegners zu seinem Schaden ausschlagen wird. Der Streit wird durch ihn selber verkürzt werden. Wenn die Feinde am meisten auf die Bündnisse trauten, die sie geformt hatten, dann behielt Israel oft das Feld, weil die Moabiter und Assyrer sich entzweiten. Häufig hat Gott es so gelenkt, daß die Gegner sich gegeneinander wandten und den Streit so zu Gunsten seiner Diener endeten. Sehet da des Riesen Haupt mit seinem eignen Schwerte abgeschlagen. Laßt dies als ein Zeichen vor euren Augen sein. Es macht nichts aus, Brüder, wenn wir auch in gewissen wichtigen Dingen in der Minorität sind, wie es unzweifelhaft der Fall ist. Die Frage ist für euch die: Habt ihr Recht? Habt ihr Recht? Das Recht wird sicherlich gewinnen. Habt ihr die Wahrheit auf eurer Seite? Habt ihr die Bibel auf eurer Seite? Habt ihr Christum auf eurer Seite? Nun, dann mögt ihr zu einer verachteten Gemeinschaft gehören; ihr mögt mit nur sehr wenigen und sehr armen Leuten vergesellschaftet sein. Weicht nicht - laßt euer Herz nicht zagen. Hättet ihr keine Kraft, den Gegner zu besiegen, als die, welche Gott euch verheißen hat, so hättet ihr doch völlig genug. Aber hier liegt ein Hinterhalt, im Lager eures Gegners, ein Beistand und eine Hilfe der Wahrheit, an die ihr vielleicht nie gedacht habt. Der alte Drache sticht sich selbst zu Tode. Wie das Laster die Lebenskraft des Menschen verzehrt, der sich ihm ergibt, so wird der Irrtum am Ende sein eigener Zerstörer. Sehr oft scheint eine Wahrheit nur um so glänzender, weil ein Irrtum die Welt mit seinem dichten Schatten verdunkelt hat. Geht vorwärts, denn! Streitet mit Kaltblütigkeit und mit Mut! Erschreckt nicht vor dem strengen Gesicht, der fürstlichen Figur, der Schlachtrüstung eures Widersachers! Laßt seine prahlenden Worte euch nicht mutlos machen. Ruft den Namen Jehovas an, des Herrn der Heerscharen und braucht, selbst in Gottes Kämpfen die Waffen, die ihr versucht und erprobt habt. Aber nehmt euch in Acht, daß ihr Gottes Werk vollständig tut; tut es ganz, aufsehend auf Jesum, den Anfänger und Vollender eures Glaubens; so, Geliebte, könnt ihr erwarten, von Kraft zu Kraft zu gehen und Gottes Sache Ruhm zu bringe.

Ich wollte, wir wären Alle auf des Herrn Seite, wir wären Alle Streiter Christi. Bekennen Einige hier, daß sie es nicht sind? Sind hier Einige, die fühlen, daß die Sünde sie schwer drückt und sie doch gern Frieden mit Gott in der Gemeinschaft Jesu hätten? Geliebte, Jesus hat nie Einen verworfen, der zu ihm kam. Es ist noch nie gesagt, daß sein Blut nicht fähig gewesen wäre, auch die verdorbenste Seele zu reinigen. Geh zu ihm. Du kannst ihm keine größere Freude machen, als wenn du zu ihm gehst, deine Sünde bekennst und seine Barmherzigkeit suchst. Er wartet nur darauf, gnädig zu sein. Er schlägt die Sünde, aber er hat Mitleid mit den Sündern. Er ist bereit, ihnen zu vergeben. Er ist der Feind Goliaths, aber er sitzet auf dem Berge Zion, froh, die Ärmsten der Armen, die zu ihm kommen, willkommen zu heißen. Wenn du der ärgste Sünder bist, der jemals gelebt hat, so ist er doch fähig, zu erretten bis zu dem Äußersten. Wenn du keine Hoffnung und kein Vertrauen hast, - wenn du fühlst, als wenn der Urteilsspruch ergangen wäre, daß du auf ewig sterben solltest, deine Befürchtungen sind kein Leitfaden für Gottes Ratschluß. Er hat nicht die bittern Dinge gegen dich gesprochen, die du dir eingebildet hast. Höre, was er gesprochen hat - „Der Gottlose lasse von seinem Wege und der Übeltäter seine Gedanken, und bekehre sich zum Herrn, so wird er sich seiner erbarmen und zu unserm Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung.“ O! auf Christi Seite sein, das erhält das Herz in Ruhe und entflammt die Seele mit Freude, ungeachtet des Schmerzes, der jetzt eure Nerven quält oder der Scham, die eure Wangen deckt! Aber, ach! Auf der andern Seite zu sein, - ein Feind Jesu zu sein - ist ein Wehe, das alle Freude der Gegenwart verdirbt und ein Vorbote, der alles Verderben der Zukunft ankündet. Die Zukunft! die Zukunft! die Zukunft! Das ist das Schlimmste von Allem, was zu fürchten ist. „Küsset den Sohn, daß er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Wege, denn sein Zorn wird bald anbrennen. Aber wohl allen, die auf ihn trauen!“ Der Herr gebe euch, einem Jeden von euch, noch zeitig genug weise zu werden, um seines Namens willen. Amen.

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