Spurgeon, Charles Haddon - Die christliche Taufe

„In dem, daß ihr mit Ihm begraben seid durch die Taufe; in welchem ihr auch seid auferstanden durch den Glauben, den Gott wirket, welcher Ihn auferwecket hat von den Toten.“
Kol. 2,12

Es ist der feste Glaube fast aller Christen, daß unser Herr und Heiland Jesus Christus, ehe Er die Erde verließ, zwei Handlungen einsetzte, nämlich die Taufe und des Herrn Abendmahl - Handlungen, die von seinen Jüngern in jedem Zeitalter bis ans Ende der Welt vorgenommen werden sollten. Vielleicht sollte ich sagen, daß alle Christen ohne irgend welche Ausnahme die eben von mir genannten Bestimmungen anerkennen; denn die „Gesellschaft der Freunde“ (Quäker) glaubt, obwohl sie die äußerlichen und sichtbaren Zeichen verwirft, nichtsdestoweniger an jene großen Wahrheiten, welche durch diese Zeichen versinnbildlicht werden sollen, nämlich die Taufe des Heiligen Geistes und die Gemeinschaft der Seele mit Christo. Von fast allen Christen in jedem Zeitalter der Welt ist die Beobachtung des äußeren Zeichens sowohl, wie die Anerkennung der inneren Gnade als der Wille Jesu Christi betrachtet worden.

Bei dieser Gelegenheit haben wir es nur mit der Taufe zu tun, und auf diese möchte ich eure freimütige und sorgfältige Aufmerksamkeit lenken. Der Grund, auf dem diese Handlung ruht, ist das Gebot unsres Heilandes, das Er seinen Jüngern gab, kurz vor seiner Himmelfahrt, als Er sprach: „Gehet hin und lehret alle Völker, und taufet sie im Namen des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Nun, wenn dies ein Gebot Christi ist (und mir ist nicht bekannt, daß die Echtheit der Stelle, in welcher es sich findet, je in Frage gestellt worden wäre), dann ist es natürlich die Pflicht aller Christen, das Gebot gemäß ihrer Überzeugung von der Natur und Bedeutung desselben zu beobachten und aufrecht zu halten bis ans Ende der Zeiten. Ich meine auch, daß es behauptet werden kann, daß, mit Ausnahme der „Gesellschaft der Freunde“, alle Christen die Anordnung der Taufe als eine betrachten, in der Wasser auf die eine oder andre Weise zu gebrauchen ist; und mit Recht so, denn wenn die Taufe ganz und gar innerlich und geistlich ist - die Taufe des Heiligen Geistes - dann müssen wir glauben, daß die Taufe des Heiligen Geistes eine Taufe sei, die ein Mensch dem andern erteilen könnte. Die bloße Tatsache, daß die in der Schrift genannte Taufe eine ist, die ein Mensch dem andern erteilen kann, genügt, zu beweisen, daß in dieser Taufe eine äußerliche, sichtbare, materielle Zeremonie oder Anordnung ist, die Christen beobachten sollen.

So weit gehen wir alle oder fast alle zusammen, aber an diesem Punkt fühlt sich die christliche Gemeinschaft, zu der wir gehören, gezwungen, einen andren Weg zu verfolgen, als den, der von ihren Brüdern eingeschlagen ist. Schon der Name, den wir tragen, zeigt an, daß es in Verbindung mit der Taufe etwas gibt, worin wir mit der großen Mehrzahl der Christen nicht übereinstimmen können. Und zur Belehrung solcher, die über diesen Punkt nicht gründlich unterrichtet sein sollten (und ich werfe keineswegs auch nur den geringsten Makel oder Tadel auf die Kenntnisse eines Menschen, wenn ich ihn für ein wenig ununterrichtet in diesem Punkt halte; denn es herrscht darüber eine große Unwissenheit), will ich versuchen, in einigen Worten den Unterschied oder die Unterschiede zu erklären, die zwischen uns und andren Christen in dieser Sache existieren. Die Mehrzahl der Christen glaubt, daß, soweit es den äußeren Ritus betrifft, die Bedingungen der verordneten Handlung erfüllt sind, wenn Wasser, sei es auch in ganz geringer Quantität, über den Täufling gegossen oder gesprengt wird; wir dagegen glauben, daß die Bedingungen nicht erfüllt sind, wenn nicht der Täufling ganz in Wasser eingetaucht wird. Ferner (und dies ist der bei weitem wichtigste Punkt des Unterschiedes), die große Mehrzahl der Christen hält kleine Kinder für taugliche und geeignete Empfänger der Taufe; wir hingegen glauben, daß niemand tauglich und geeignet für die Taufe ist, außer solche, die wirklich an den Herrn Jesum Christum als ihren Heiland und ihren König glauben und Ihm vertrauen. Ihr werdet bemerken, daß der Unterschied sich in zwei Fragen auflöst - eine Frage über die Art der Vollziehung der Taufe, und eine Frage über die zu Taufenden. Diese zwei Fragen: „Wie sollte die Taufe vollzogen werden?“ und „An wem sollte die Taufe vollzogen werden?“ - dies sind die Fragen, auf die wir uns in unsrem Gewissen gedrungen fühlen, Antworten zu geben, die sehr wesentlich von denen abweichen, die andre Christen geben. Laßt mich noch einmal diese Sache erklären und sie in so einfachen Worten ausdrücken, wie nur möglich. Wir glauben, daß die Taufe niemals erteilt werden sollte ohne die völlige Eintauchung des Täuflings in Wasser, und wir glauben auch, daß niemand die Taufe empfangen sollte, außer denen, welche ihren Glauben an Christum bekennen. Und hier laßt mich bemerken, daß die sehr gewöhnliche Vorstellung, wir pflegten Erwachsene zu taufen, gänzlich ein Irrtum ist. Wir streiten nicht für die Taufe der Erwachsenen; wir streiten für die Taufe der Gläubigen. Zeigt uns ein Kind, wie jung es auch sei, das an Christum glaubt, und wir nehmen es gern auf; aber wenn ein Mann so alt wie Methusalah im Unglauben zu uns kommen sollte, so würden wir zu ihm sagen: „Mein Herr, Ihr Alter gibt Ihnen sicherlich ein Anrecht auf unsre Achtung, aber es gibt Ihnen durchaus keinen Anspruch auf die Taufe, wie sie von Jesu Christo verordnet ist.“

Aber jetzt wird vielleicht jemand ausrufen, vielleicht mit Hohn, vielleicht mit Überraschung: „Wer seid ihr, daß ihr euch anmaßt, von dem allgemeinen Ausspruch der christlichen Welt abzuweichen? Wer seid ihr, daß ihr so hartnäckig diese eure grillenhaften Ideen festhaltet, wenn die ganze Welt gegen euch ist, und wenn nicht nur die Entscheidung der römischen Kirche, gegen die wir selbst rebellieren würden, da ist, sondern auch die Stimme der englischen Kirche, die Stimme der schottischen Kirche, die Stimme der lutherischen Kirche, der Presbyterianer, der Methodisten und der Kongregationalisten, alle gegen euch, und die tüchtigsten Theologen der christlichen Welt alle bezeugen, daß ihr im Irrtum seid? Wer seid ihr, daß ihr so eure Meinungen gegen alle andren aufstellt? Ruft eine feierliche Versammlung zusammen; laßt die Christenheit abstimmen; und gewiß, für eine Hand, die zugunsten eurer Meinungen sich erhöbe, würden tausend aufgehoben zu ihrer entschiedenen und gänzlichen Verurteilung.“ Nun, wir wollen es nicht auf diese Weise zur Abstimmung bringen. Wir haben keinen so großen Glauben an die Unfehlbarkeit der Majoritäten, daß wir unsre religiösen Überzeugungen einem solchen Tribunal unterwerfen sollten. Wenn das kopernikanische System der Astronomie vor 250 Jahren zur Abstimmung gebracht worden wäre, so hätte es eine geringere Minorität gehabt, als unsre Ansichten haben würden, wenn jetzt darüber abgestimmt würde. Wenn man die Lehre von der Rechtfertigung durch den Glauben vor 400 Jahren zur Abstimmung gebracht hätte, so würde das „Nein“ den Sieg davon getragen haben. Wenn über die Wahrheit des Christentums jetzt von der ganzen Welt abgestimmt würde, so würden ungefähr 500 Millionen dagegen stimmen. Und ferner; laßt die Stimmenden alle Christen sein, laßt die Abstimmung sich auf die beschränken, die wirklich an Christum glauben, und dann, wenn du als ein Angehöriger der englischen Kirche, oder du als Methodist, oder du als Kongregationalist, oder du als ein Presbyterianer deine Ansichten über Gemeindeverfassung oder über einige andre Dinge ihnen unterbreitetest, verlaß dich darauf, du würdest so gewiß eine Niederlage erleiden, wie wir es würden, wenn wir die Taufe der Entscheidung eines solchen Konzils anheimgeben würden. Ich hoffe, niemand ist so albern, anzunehmen, daß wir notwendig im Irrtum sein müssen, weil wir in der Minderheit sind; denn möge sich jeder, besonders der Verehrer von Mehrheiten, daran erinnern, daß jede große Wahrheit zu einer Zeit von einer sehr kleinen Minorität geglaubt wurde, wenn sie in der Tat nicht jetzt noch von einer kleinen Minderheit geglaubt wird. Jede große Wahrheit, ob im Bereich der Religion, oder im Gebiete der Wissenschaft, oder in der Region der Politik, wird zuerst und sehr lange Zeit hindurch von wenigen geglaubt; und unter allen landläufigen Sprichwörtern ist kein verderblicheres, als das: „Was jedermann sagt, muß wahr sein.“

Aber natürlich werdet ihn nach den Gründen fragen, weshalb wir diese Ansicht verfechten. Ich denke, wir haben ein ebenso gutes Recht, nach den Gründen zu fragen, weshalb ihr die entgegengesetzte Meinung verfechtet. Galilei hatte ein ebenso gutes Recht, seine Gegner zu fragen, warum sie glaubten, daß die Erde sich nicht bewege, als sie, ihn zu fragen, warum er glaube, daß sie es täte. Indes, ihr fragt nach unsern Gründen, und ich will mich bemühen, diese Gründe so klar und kurz zu geben, als ich kann. Wir sollten gute Gründe haben, denn ich kann euch versichern, es ist nie sehr zu unserm weltlichen Nutzen und Vorteil gewesen, daß wir diese Ansichten haben. Diese Ansichten haben uns, in einem bloß irdischen oder weltlichen Sinne betrachtet, nie sehr viel Gutes gebracht. Wir sind nicht durch irgend eine goldene Kette an sie gebunden. Sie sind uns nicht durch reiche Pfründen und bequeme Pfarrstellen deutlich und klar und anziehend gemacht. Unsre Meinungen sind nicht begabt mit Prälaturen und Präbenden, mit Pfarrhäusern, Kirchenländereien und königlichen Spenden. Gott sei Dank, was immer die Leute von uns sagen mögen, sie können nicht sagen, daß wir Baptisten sind aus Liebe zu schmutzigem Gewinn. Eins ist gewiß, daß „die Wurzel alles Übels“ schwerlich viel Nahrung aus dem Boden der Baptistenprediger-Stipendien ziehen wird. Wir müssen natürlich unsre Gründe angeben, und ich sage, es sollten ziemlich starke Gründe sein.

Nun wohl, wir gehen von dem Grundsatz aus, merkt euch das, daß die einzige Berufung die auf das Wort Gottes ist. Dies ist ein Grundsatz, in dem jeder ehrliche und aufrichtige Protestant mit uns übereinstimmen muß; es ist sein Grundsatz sowohl wie der unsre, und es ist der einzige Grundsatz, der ihn von allem Irrtum und Aberglauben des Romanismus retten wird. So daß es für uns, da wir die Sache nur vor das Gericht des Wortes Gottes bringen, sehr wenig bedeutet, was von dem und dem Konzil gesagt sein mag, oder von der und der Kirche, oder von dem und dem ehrwürdigen Vater; es vereinfacht die Sache sehr, wenn es sich versteht, daß wir beabsichtigen, diese Sache dem Worte Gottes, und dem Worte Gottes allein, zu unterwerfen. Und ich sage zu jedem Protestanten hier, daß er diesen Grundsatz annehmen und danach handeln muß. Wenn er beginnt, sich auf Väter und Kirchen und Konzile zu berufen, so möge er sich in acht nehmen; er darf versichert sein, daß er nicht fähig sein wird, auf einem solchen Grundsatz auch nur einen Augenblick zu stehen. Wenn er denkt, uns mit solchen Waffen zu besiegen, dann darf er gewiß sein, daß er sehr bald selbst von ihnen besiegt sein wird. Es mag sein, daß die Ladung von solchem schwerem Geschütz uns vernichten wird, aber verlaßt euch darauf, der Rückstoß wird den Mann vernichten, der die Verwegenheit hatte, es abzufeuern. Mit diesem Grundsatz würden also alle Protestanten einverstanden sein, ausgenommen diejenigen, welche in diesen Tagen beginnen, gegen die Schrift selber zu protestieren, aber jeder Protestant, der gesunden Herzens und ehrlicher Gesinnung ist, wird mit uns darin übereinstimmen, daß das Wort Gottes der einzige Richterstuhl ist, vor den wir gehen können.

Es wird von uns behauptet, daß bei der Taufhandlung der Täufling ganz ins Wasser eingetaucht werden sollte. Und jetzt könnten wir, wenn wir dazu geneigt wären und wenn wir irgend eine andre Autorität als die der Schrift anerkennen, uns auf das Gesetz der englischen Kirche berufen, das ausdrücklich sagt, daß, ausgenommen in Fällen beglaubigter Schwäche, das Eintauchen die Weise sein solle, in der die Taufe vollzogen würde; und ein Mitglied der englischen Kirche hat jedenfalls nichts gegen diese Weise zu sagen; es ist seine Weise so gut wie die unsre; es ist sein Gesetz so sehr wie das unsre. Sein Gebetbuch (prayerbook) sagt ihm, daß wir recht haben; das große Taufbassin, drei Fuß im Durchmesser, das er in so vielen Pfarrkirchen sieht, sagt ihm, daß wir recht haben; und er weiß, daß wir in dieser Hinsicht die einzigen treuen Glieder der englischen Kirche in unsrem Lande sind. Wir könnten uns auch auf das Zeugnis der alten Kirche berufen, und die Praxis der alten Zeit, bezüglich welcher es mit vollkommener Sicherheit gesagt werden kann, daß in den ersten Jahrhunderten das Untertauchen die allgemein angenommene Weise war.

Aber wir berufen uns natürlich auf die Schrift, und bei dieser Berufung auf die Schrift finden wir, daß die Taufe, wie unser Text uns belehrt, ein Begräbnis und eine Auferstehung mit Christo ist, daß sie ein Zeichen und Sinnbild von der Teilnahme des Gläubigen an Christi Begräbnis und Auferstehung ist, und dies, denke ich, zeigt uns so deutlich wie möglich, welches die Art und Weise derselben in alten Zeiten war. Dies wird in der Tat allgemein von unbefangenen Theologen der verschiedensten Richtungen eingeräumt, die leider vielfach behaupten, daß diese Weise für die Christen jetziger Zeit nicht bindend sei; aber sicherlich, wenn die Taufe eine Darstellung des Begräbnisses und der Auferstehung sein soll, so muß etwas in der Handlung selbst sein, was auf solche Wahrheit hindeutet. Und dann wiederum berufen wir uns auf die Bedeutung des Wortes. Das griechische Wort ist an ein paar Stellen in unsrer (der englischen) Bibel mit „waschen“ übersetzt, und in diesen Fällen ist der Gedanke an Untertauchen, wenn nicht schlechthin erforderlich, doch jedenfalls durchaus zulässig; und wenn ihr die Schrift durchforscht, werdet ihr keine einzige Stelle finden, wo dies Wort, ob es in buchstäblichem oder bildlichem Sinne gebraucht wird, nicht den Gedanken an Untertauchen erweckt oder erwecken kann.

Wenn wir erwägen, daß Philippus und der Kämmerer beide „hinabstiegen in das Wasser“; daß unser Heiland „bald herauf aus dem Wasser stieg“, nachdem Johannes Ihn getauft hatte; daß Johannes nahe bei Salim taufte „,denn es war viel Wasser daselbst“, so meine ich, ist es sehr ersichtlich, daß etwas mehr als Besprengen oder Begießen mit Wasser darunter verstanden wird. Und wenn wir zuverlässige Autoritäten über den Sinn dieses Wortes befragen, so finden wir, daß es in allen Fällen die Vorstellung des Untertauchens einschließen muß oder kann. Ich las kürzlich einen sehr wertvollen Artikel von einem höchst gelehrten Theologen, der uns sagt, daß er jede Stelle, wo das Wort bei den Vätern oder bei den Klassikern vorkommt, sorgfältig geprüft habe. Er gibt uns über zweihundert Fälle, und in den allermeisten muß das Wort „untertauchen“ bedeuten, und in jedem der übrigen kann es diese Bedeutung haben und hat sie wahrscheinlich. In der Tat sind sich fast alle Gelehrten darüber einig, daß dies die Bedeutung des Wortes ist; und nicht nur das, sondern auch darüber, daß dies die Art war, wie die Taufe im apostolischen Zeitalter vollzogen ward. Diese Dinge werden nicht bestritten oder kaum bestritten. Die Menschen fragen, warum man bei dieser Weise bleiben müsse, und das ist eine Frage, die wir nachher erwägen wollen; aber sie bestreiten kaum irgendwo, daß diese Weise von Christo verordnet und im apostolischen Zeitalter im Gebrauch war; und deshalb sage ich, wenn ihr fragt: „Warum taucht ihr bei der Taufe unter?“ weil die Taufe der Natur der Sache nach eine bildliche Darstellung des Begräbnisses und der Auferstehung Christi sein muß, und weil die Bedeutung des griechischen Wortes „untertauchen“ und nur „untertauchen“ ist. Aber ferner, eine größere Verschiedenheit zwischen unsern christlichen Brüdern und uns ist die, daß wir keine andren zur Taufe zulassen, als die, welche ihren Glauben an den Herrn Jesum Christum bekennen.

Nun hier, obwohl die Praxis der Christenheit sehr gegen uns ist, meine ich doch, daß sogar in dieser Praxis einige Punkte sind, die sehr stark zu unsern Gunsten sprechen. Z. B.: die Taufe wird ein Sakrament genannt. Dieser Ausdruck wird kaum unter uns anerkannt, wie ich glaube, aber laßt uns ihn dennoch prüfen. Was ist ein Sakrament? Ich nehme an, es ist ein Eid. Nun, würdet ihr einem ganz kleinen Kinde einen Eid zuschieben? Ist gesunder Verstand in einem solchen Verfahren? Ihr würdet ein Gelächter erregen, wenn ihr euer Kindchen vor den Friedensrichter bringen wolltet und ihm dort den Eid zuschieben, daß es bis zum Ende seiner Tage ein getreuer Untertan und Diener der Königin sein wolle; und ist es denn irgendwie vernünftiger, wenn ihr ein kleines Kindchen zu einem Diener des Wortes brächtet, damit ihm ein Eid zugeschoben würde, durch den es Treue gegen den Herzog unsrer Seligkeit schwören soll? Aber ihr sagt, es ist gar nicht das Kind, dem der Eid zugeschoben wird, sondern die Paten sind es. Nun, dann möchte ich wissen, wem das Sakrament erteilt wird. Der Eid wird den Paten zugeschoben; dann wird die Taufe den Paten erteilt, denn Taufe und Eid sind eins. Aber es will scheinen, als wenn die Handlung geteilt wäre. Das Wasser wird dem Kinde zugeteilt*) und der Eid den Paten. Es ist hier etwas, das wie Verwirrung aussieht. Wenn die Taufe ein Sakrament ist und ein Sakrament ein Eid, dann schiebt ihr dem Kinde einen Eid zu, indem ihr es tauft. Aber sicherlich sollte jeder Eid solchen zugeschoben werden, und nur solchen, welche die Natur eines Eides verstehen und auch den Voraussetzungen, die darin einbegriffen sind, ihre feierliche Zustimmung geben. Und wenn das Wort Sakrament überhaupt auf die Taufe angewandt werden soll, so nehme ich es an und behaupte, daß es protestiert und sehr stark protestiert gegen die Vornahme dieser Handlung an solchen, die die damit verbundenen Grundlehren nicht verstehen und annehmen. Obgleich wir uns auf die Schrift berufen, so müssen unsre kindertäuferischen Freunde doch wirklich nicht voraussetzen, daß das Zeugnis der Kirche ganz zu ihren Gunsten sei, denn gewiß, zwei oder drei Jahrhunderte lang, wenn nicht mehr, war die Kindertaufe nicht allgemein im Gebrauch in der christlichen Kirche. Tertullian war gegen dieselbe am letzten Ende des zweiten oder am Beginn des dritten Jahrhunderts, und in einer viel späteren Zeit noch finden wir die Taufe an Personen in reifem Alter vollzogen. Ich wünsche nicht, solche Fälle in unsern Dienst zu pressen, wie den von Constantin, der erst im späteren Leben getauft wurde. Er war als Heide geboren und scheint der Wirklichkeit nach ein Heide der allerschlimmsten Art bis zuletzt geblieben zu sein. Der Irrtum in seinem Falle war nicht, daß er so spät getauft wurde, sondern daß er überhaupt getauft wurde. Da er während seiner letzten Krankheit getauft ward, so vermute ich, daß seine Taufe auf dem Totenbett und deshalb durch Besprengung vollzogen wurde, und denen, welche für dieses Verfahren sind, wollen wir sehr gern diesen besprengten Heiden überlassen. Ich bin sehr froh, daß die Handlung in ihrer schriftgemäßen Form niemals verunglimpft wurde dadurch, daß sie an Constantin vollzogen ward. Aber wir finden, daß mehrere der ausgezeichnetsten und frömmsten Kirchenväter nicht getauft wurden, ehe sie ein reifes Alter erlangt und gründliche Christen waren. Im vierten Jahrhundert glänzten Gregor von Nazianz, Ambrosius von Mailand, Hieronymus, Chrysostomus und Augustinus; diese ausgezeichneten Männer, die nachher so große Theologen wurden, waren alle Söhne christlicher Eltern, wenigstens christlicher Mütter, und doch wurde keiner von ihnen getauft, ehe er ein reifes Alter erlangt und starke religiöse Überzeugungen hatte; in der Tat, niemand von ihnen wurde getauft, ehe er wahrhaft zu Jesu Christo bekehrt war. Der Fall des Gregor ist besonders hervorzuheben. Gregor von Nazianz war der Sohn eines christlichen Bischofs; seine fromme Mutter Nonna widmete ihn Gott schon von seiner Geburt an, und doch, wann ward er getauft? Als er dreißig Jahre alt war! Das Beispiel von Augustinus ist vielleicht noch merkwürdiger. Seine fromme Mutter hatte die größte Besorgnis für ihn; seine Bekehrung war das, was ihrem Herzen am nächsten lag und ihr liebster Wunsch, und dennoch ließ sie ihn nicht taufen. Als er ein erwachsener junger Mensch war, wurde er von einer gefährlichen Krankheit ergriffen und wünschte sehr die Taufe, und dennoch ward sie hinausgeschoben, und der große Augustinus wurde nicht getauft, bis er ein Mann von dreiunddreißig Jahren war und voll von der Kenntnis und dem Geiste des Evangeliums Christi. Nun merkt euch, ich sage nicht, diese Fälle beweisen, daß es keine Kindertaufe im vierten Jahrhundert gab, und ich führe sie nicht zu solchem Zwecke an; aber sie beweisen dies, daß christliche Mütter, so wie Nonna und Monika und Anthusa, die Mutter des Chrysostomus, christliche Frauen von der höchsten Intelligenz und Frömmigkeit, in diesem Zeitalter es nicht für nötig hielten, daß ihre kleinen Kinder getauft würden, sondern die Sache hinstehen ließen, bis sie eine des persönlichen Bekenntnisses würde, wenn ihre Kinder einen Glauben hätten, den sie bekennen könnten. Aber doch wollen wir uns auf die Schrift berufen, und wenn wir dahin kommen, das Wort Gottes zu befragen, sonderbar wie es scheinen mag, es ist nicht ein e Stelle von Anfang bis zu Ende, welche die Taufe andrer andeutet, als solcher, die ihren Glauben an Christum bekannt. Es ist wahr, daß ganze Häuser getauft wurden, und man sagt, daß kleine Kinder in diesen Häusern gewesen sein mögen. Es genügt als Antwort hierauf zu sagen, daß keine kleinen Kinder in diesen Häusern gewesen sein mögen. Was den Kerkermeister zu Philippi betrifft, so lesen wir, daß er mit seinem ganzen Hause an Gott gläubig geworden war; von dem Hause Stephana lesen wir „,sie haben sich selbst verordnet zum Dienst der Heiligen;“ und von der Lydia ist nicht der geringste Beweis da, daß sie eine Gattin oder eine Mutter gewesen. Und in Wahrheit, so weit es die geschichtliche Erzählung betrifft, ist kein einziger Vorfall in der Schrift, der uns dahin leitet, anzunehmen, daß andre getauft wurden, als die, welche ihren Glauben an Christum bekannten. Es würde sehr seltsam sein, wenn ein solcher Fall irgendwo zum Vorschein gekommen wäre, da unseres Herrn Auftrag so lautet: „Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie; wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden.“ Und wir lesen, daß Petrus spricht: „Tut Buße und lasse sich ein jeglicher taufen;“ und wiederum sagt: „Mag auch jemand das Wasser wehren, daß diese nicht getauft werden, die den Heiligen Geist empfangen haben, gleichwie auch wir?“ Scheint es nicht, daß er einen Einwurf vorhergesehen und einen Einwurf gestattet haben würde, wenn kein Zeugnis einer Bekehrung zu Gott da gewesen wäre? Und Paulus sagt: „Wie viele euer getauft sind, die haben Christum angezogen.“ Ist dies nicht das Werk eines vernünftigen und gläubigen Menschen? Oder, um zu unserm Text zu kommen, Paulus sagt, daß „wir mit Ihm begraben sind durch die Taufe, in welchem wir auch sind auferstanden durch den Glauben, den Gott wirket, welcher Ihn auferwecket hat von den Toten.“ Der Sinn dieser Stelle scheint der zu sein: Wir sind mit Christo begraben und auferstanden durch den Glauben, den Gott wirket, durch den Glauben an das, was Gott wirket, Gottes Werk, Kraft und Macht, wie sie sich in der Auferstehung Christi von den Toten offenbaren; die Tatsache der Auferstehung Christi ist hier augenscheinlich mit der Taufe verknüpft. Und der Apostel Petrus sagt: „Welches nun auch uns selig macht in der Taufe, die durch jenes bedeutet ist, nicht das Abtun des Unflats am Fleisch, sondern der Bund eines guten Gewissens mit Gott durch die Auferstehung Jesu Christi;“ d. h. die, welche getauft sind, sind solche, die den Bund eines guten Gewissens mit Gott durch die Auferstehung Jesu Christi haben; durch den Glauben an die Auferstehung Christi haben sie jetzt das Bewußtsein der Vergebung der Sünden; und so wird der Glaube an die Auferstehung Christi als ein wesentlicher und in der Tat als der Hauptpunkt bei der christlichen Taufe dargestellt. Dieses sind also einige der Gründe für unsre Ansichten. Wenn ihr fragt, warum wir untertauchen, so sagen wir: „Weil dies die unbestrittene - oder fast unbestrittene - alleinige Bedeutung des Wortes ist und weil ohne Untertauchung kein Zeichen des Begräbnisses und der Auferstehung mit Christo da ist. Und wenn ihr fragt: „Warum tauft ihr nur die, welche glauben?“ so sagen wir: „Weil wir im Worte Gottes keine Spur von der Taufe irgend welch andrer entdecken können; und wir denken, weil die Taufe ein Bekenntnis des Glaubens an Christo ist, sollte dies Bekenntnis niemals von andern abgelegt werden als von solchen, die wirklich den Glauben haben, der so bekannt wird. Und nun, wenn irgend etwas vorgebracht werden kann, um zu zeigen, daß etwas andres als Untertauchen wirklich die Bedeutung des griechischen Wortes ist, und. wenn irgend ein Fall aus der Schrift entnommen werden kann, der direkt oder durch stillschweigende Folgerung zeigt, daß andre, als Gläubige getauft wurden, so geben wir die Sache auf. Wir haben kein Interesse zu fördern, als die Sache der Wahrheit. Natürlich werden viele Einwürfe erhoben gegen diese unsre Ansichten, und auf einige derselben (denn wir werden nicht die Zeit haben, auf alle einzugehen) werde ich nun kurz die Aufmerksamkeit lenken. Ich habe es von einigen sagen hören und darf wohl annehmen, auch ihr habt es gehört, daß die Vollziehung dieser Verordnung durch Untertauchen kaum mit dem Anstand sich vertrage. Mit dem Anstand! Es gibt einige Leute in der Welt, die, wie ich voraussetze, das Weglassen des ersten Kapitels des Römerbriefes befürworten würden; es gibt einige Leute, die denken müssen, es wäre sehr passend, das siebente Gebot aus dem Dekalog wegzulassen, denn es ist kaum anständig; und sie sollten nach einer gereinigten Ausgabe der Bergpredigt streben, und das, hoffe ich, würde sie befriedigen. Meine lieben Freunde, Christus gab diese Anordnung des Untertauchens, und seine Apostel führten dieselbe aus; ganz sicher taten sie das; es ist kein Streit darüber. Es ist ein Streit, ob die Anordnung in dieser Form gegenwärtig bindend ist, aber wirklich, es ist kein Streit darüber, daß dies befohlen wurde und daß es getan wurde. Meint ihr, unser Herr Jesus Christus würde je etwas gutgeheißen haben, was im geringsten an Unanständigkeit grenzte? Ich habe nur ein Wort denen zu sagen, die solche Einwürfe vorbringen, und das ist dies: „Den Reinen ist alles rein; den Unreinen aber und Ungläubigen ist nichts rein, sondern unrein ist beides, ihr Sinn und Gewissen.“

Aber es ist ein starker Punkt oder gilt für einen solchen, daß am Pfingsttage Dreitausend getauft wurden, und wie konnten sie alle untergetaucht werden? Nun, warum nicht? Die einzigen Hindernisse, die ich mir vorstellen kann - ein Mangel an Wasser und ein Mangel an Zeit. Aber angenommen, daß ein unzureichender Vorrat an Wasser dagewesen - dies anzunehmen nach allem, was wir von dem alten Jerusalem wissen, und besonders nach allem, was wir nicht davon wissen, scheint mir eine große Abgeschmacktheit. Und was den Mangel an Zeit anbelangt - wenn die Apostel allein alle diese Dreitausend getauft hätten, so würde sicherlich etwas Zwingendes in dem Einwurf sein; aber es scheint, als wenn die Apostel nicht die Gewohnheit gehabt, viele zu taufen, und daß sie oft diese Arbeit andern übergaben; und bei dieser Gelegenheit mögen Hundert dagewesen sein, welche die Handlung vollziehen konnten; die, welche zuerst getauft waren, konnten andre taufen, und auf diese Weise konnten sehr leicht alle Dreitausend getauft werden, ehe die Sonne am Pfingsttage unterging.

„Ah! aber,“ sagen einige “,es ist eine Stelle im ersten Korintherbriefe, über die ihr nicht hinweg kommen könnt. Es wird gesagt, daß die Israeliten alle unter Mose getauft waren mit der Wolke und mit dem Meer. Wie kann das ein Untertauchen gewesen sein?“ Nun, ich möchte euch fragen, wie könnte es etwas andres gewesen sein? Unzweifelhaft war es ein Untertauchen. Wenn ihr an die Wolke denkt, so müßt ihr nicht an eine kleine Wolkensäule denken, die hoch über dem Volke hing und stets vor ihm her ging. Es steht in einem der Psalmen geschrieben: „Er breitete eine Wolke aus zur Decke.“ Und sie gingen unter der Wolke durch; der Kanal des Roten Meeres mit den Wassern, die auf jeder Seite aufgehäuft waren, - dies bildete das große Taufbassin für das Volk und die Wolke war das Element, in das sie untergetaucht wurden; so klar wie möglich war dies ein Untertauchen in die Wolke. Aber ferner gibt es viele, die sagen: „Nun, was macht es im Grunde aus, wenn ein Mensch von dem Geiste Gott es getauft ist und wirklich wiedergeboren und seine Sünden durch das Blut Christi hinweggewaschen sind, so ist das äußere und sichtbare Zeichen eine Sache von wenig Belang.“ Nun, wenn es eine so gleichgültige Sache ist, ob ihr diese oder jene Weise annehmt, so würde ich sagen, daß es ebensogut wäre, der „Gesellschaft der Freunde“ zu folgen und weder die eine noch die andre anzunehmen. Aber ihr glaubt, daß ein äußerlicher Ritus da ist. Nun, dann sollte gewiß der äußerliche Ritus der sein, der bildlich die Wahrheit darstellt, die durch die Handlung beabsichtigt wird. In der Sprache der Sinnbilder sind die Formen alles: Formen geben diesen Sinnbildern all ihre Bedeutung, und deshalb ist es keine ganz und gar unwichtige Sache, daß die Taufe, die das Begräbnis und die Auferstehung mit Christo bedeutet, dies auch in ihrer Form und Weise anzeige.

Aber es gibt auch Einwürfe dagegen, daß wir nur Gläubige taufen.

Kindlein, wird gesagt, sollten getauft werden; nicht, daß ein bestimmter und direkter Beweis dafür im Worte Gottes wäre, aber es kann gefolgert werden. Zum Beispiel: „Sie brachten Kindlein zu Ihm.“ Wozu brachten sie diese? Daß Er seine Hand auf sie lege und für sie bete. Doch schließen viele, daß unser Heiland die Gewohnheit hatte, Kinder zu taufen, weil sie Kindlein zu Ihm brachten, daß Er sie anrühre und segne! Der entgegengesetzte Schluß ist der, den ich daraus ziehen würde, denn, wenn unser Heiland die Gewohnheit gehabt, Kinder zu taufen, so hätten die Jünger sicherlich nicht diejenigen angefahren, welche die Kinder zu Jesu brachten, weil eine solche Handlung etwas ganz Natürliches gewesen wäre. Über diesen Vorfall bemerkt Jeremias Taylor sehr gut: „Aus einer solchen Stelle zu schließen, daß Kinder getauft werden sollten, beweist nur, daß ein großer Mangel an besseren Argumenten da ist.“

Aber wiederum wird gesagt, daß die Taufe an die Stelle der Beschneidung getreten, und da Kinder beschnitten wurden, sollten Kinder getauft werden. Nun scheint es mir eine bloße Annahme, daß die Taufe an Stelle der Beschneidung getreten. Es ist nichts in dem Worte Gottes, das diese Behauptung rechtfertigte. Und laßt mich besonders eure Aufmerksamkeit auf diese Tatsache lenken: es ist jedem Leser der Apostelgeschichte und der Episteln wohl bekannt, daß in der alten Kirche ein großer Streit entstand über diese Sache der Beschneidung; gewisse Männer gingen hinab nach Antiochien und sprachen zu den dortigen Christen: „Wo ihr euch nicht beschneiden laßt, so könnt ihr nicht selig werden;“ die Gemeinde zu Jerusalem versammelte sich, um diese Sache zu erwägen und sandte ihre Entscheidung. Nun, wenn die Taufe an die Stelle der Beschneidung getreten, so wäre die Art, wie der gesunde Verstand die Frage entscheiden würde, natürlich die: „Nein, ihr braucht nicht beschnitten zu werden, weil ihr getauft seid und die Taufe an die Stelle der Beschneidung getreten ist;“ aber in der Entscheidung, welche die Gemeinde zu Jerusalem der Gemeinde zu Antiochien sandte, ist nicht die geringste Anspielung auf eine solche Stellvertretung. Dann ferner, Paulus stritt fortwährend gegen die, welche auf die Wichtigkeit der Beschneidung bestanden.

Wenn die Taufe an die Stelle jener Anordnung getreten, so würde die kurze und leichte Art, jeden Gegner zum Stillschweigen zu bringen, diese gewesen sein: „Nein, diese Leute sind getauft worden, und das ist die christliche Beschneidung;“ aber was sagt Paulus? Wir lesen, was er in dem unserm Texte vorhergehenden Verse sagt, nämlich: „In welchem“ - das ist, in Christo - „In welchem ihr auch beschnitten seid mit der Beschneidung ohne Hände, durch Ablegen des sündlichen Leibes im Fleisch, nämlich mit der Beschneidung Christi.“ Die Beschneidung Christi ist die christliche Beschneidung, ist die, welche an die Stelle der alten Beschneidung getreten ist, und diese christliche Beschneidung ist eine, welche „ohne Hände“ gemacht ist. Will irgend jemand, der bei Sinnen ist, sagen, dies sei die Taufe? Die christliche Beschneidung ist etwas, das ohne menschliches Tun geschieht. Die Taufe ist nicht eine Anordnung, die „ohne Hände“ ausgeführt wird. Überdies sagt er in bezug auf diese Sache, daß wir beschnitten sind „durch Ablegen des sündlichen Leibes im Fleisch“, was sicherlich das Werk eines intelligenten, gewissenhaften, gläubigen und gottesfürchtigen Menschen ist. Mit einem Wort, wenn ihr wissen wollt, was in der neutestamentlichen Zeit an Stelle der Beschneidung tritt, es ist die Bekehrung zu Gott. Es ist dies, und es ist nichts andres.

Wenn die Taufe an die Stelle der Beschneidung getreten, aus welchem Grunde beschnitt Paulus denn den Timotheus? Wenn diese Idee, die Taufe an Stelle der Beschneidung zu setzen, richtig ist, hätte Paulus dann nicht sagen sollen: „In Christo Jesu gilt weder Beschneidung noch Vorhaut etwas, sondern die Taufe?“ Hätte er nicht sagen sollen: „Wir sind die Beschneidung, die wir getauft sind?“ Aber was sagt er: „In Christo Jesu gilt weder Beschneidung noch Vorhaut etwas, sondern Gottes Gebote halten,“ und: „Wir sind die Beschneidung, die wir Gott im Geist dienen und rühmen uns von Christo Jesu und verlassen uns nicht auf Fleisch.“ Augenscheinlich sind also die, welche die christliche Beschneidung empfangen haben, diejenigen, die Gottes Gebote halten, die Gott im Geist dienen und sich von Christo Jesu rühmen, und diese Bezeichnungen sind nur auf die anwendbar, die an den Herrn Jesum Christum glauben. Deshalb möchte ich sagen, es scheint nicht billig, von der einen Anordnung auf die andre zu schließen. Nur erwägt die Tatsache, daß in einem Streite, den diese angenommene Vorstellung, daß die Taufe an die Stelle der Beschneidung getreten, im Augenblick beigelegt hätte, keine Anspielung auf eine solche Entscheidung der Frage ist, und ich denke, wir mögen daraus mit absoluter Gewißheit schließen, daß es eine ganz und gar unbegründete Annahme ist, die Beschneidung sei durch die Taufe vertreten. Nein, wenn in dem christlichen Zeitalter etwas ist, was der Beschneidung des alten Bundes gleichkommt, an ihre Stelle tritt, so ist es Bekehrung zu Gott, - es ist die Beschneidung des Herzens, es ist die Ablegen des sündlichen Leibes im Fleisch. Das ist die christliche Beschneidung. Aber von einigen wird gesagt werden: „Ihr macht viel zu viel aus der Anordnung der Taufe.“ Wohl, ich kann frei bekennen, daß hier und da ein guter Bruder sein mag, der zu viel aus dieser Anordnung macht.

Doch kann ich mit Gewißheit sagen durch eine ziemlich ausgedehnte Kenntnis unsrer Gemeinden, daß ihr in fast jedem Falle finden werdet, daß wir der Taufe einen niedrigeren Rang anweisen als der Gottheit des Herrn Jesu Christi, dem Werk der Versöhnung durch sein Opfer und seinen Tod, dem Einfluß und der Einwohnung des Heiligen Geistes, der Notwendigkeit der Buße und des Glaubens, der Wichtigkeit eines Lebens persönlicher Heiligkeit und jeder andern großen Grundlehre des heiligen Glaubens, den wir bekennen. Ich glaube nicht, daß man uns billigerweise vorwerfen kann, wir machten zu viel aus dieser Handlung. Wenn wir von dieser Handlung sagen, daß sie die Seele wiedergebärt, - wenn wir sagen, daß Menschen darin zu „Gliedern Christi, Kindern Gottes und Erben des Himmelreichs“ gemacht werden, - wenn wir schleunigst eilen, die Kranken und Sterbenden zu taufen, und wenn wir denen, die ungetauft sterben, den Ritus, den Anstand und die christliche Liebe eines christlichen Begräbnisses verweigern, dann sagt es uns, denn wir werden es in der Tat verdienen, daß man es uns sagt, daß wir die Wichtigkeit dieser Handlung ins Ungeheuerliche übertreiben; aber ihr könnt durch die ganze Länge und Breite dieses Landes gehen und ihr könnt alle Baptistengemeinden in den Vereinigten Staaten und auf dem Festlande Europas besuchen, und ihr werdet nirgends solche Meinungen und solche Praxis unter den Baptisten herrschend finden. Ich hoffe, wir machen nicht mehr aus dieser Handlung und nicht weniger, als in Gottes Wort daraus gemacht ist. Wir taufen unsre eignen kleinen Kinder nicht, und dies, denke ich, ist Zeugnis genug, daß wir die Wichtigkeit dieser Handlung nicht grob übertreiben.

Doch sagt ihr: „Ihr seht sie nicht als notwendig zur Seligkeit an, und warum macht ihr sie denn zu einem Grunde der Trennung von euren Brüdern?“ Mein lieber Freund, bist du ein Kongregationalist? Du glaubst nicht, daß deine Gemeindeverfassung notwendig zur Seligkeit ist - warum trittst du denn nicht zur bischöflichen Kirche über? Bist du ein Methodist? Du denkst nicht, daß die Konferenz deine Seele retten soll; warum kehrst du nicht in den Schoß der Staatskirche zurück? Bist du ein Angehöriger der „Freien Kirche Schottlands“? Du wirst zugeben, daß die Leute in der alten Kirche noch selig werden können; warum machtest du denn so viel Lärm wegen jener Trennung? Ich tadle dich nicht für die Trennung, keineswegs; vielleicht tatest du, was vollkommen recht war. Eine Sache mag nicht notwendig sein, und doch weit davon entfernt, unwichtig zu sein. Wir können nicht umhin, die Kindertaufe als die Hauptwurzel des abergläubischen und verderblichen Dogmas der Wiedergeburt durch die Taufe zu betrachten, dem wir als Protestanten entgegen sind; wir können nicht umhin, die Kindertaufe als den Haupt-Eckstein des Staatskirchentums zu betrachten, dem wir als Dissidenten entgegen sind; wir können nicht umhin, die Kindertaufe für unbiblisch zu halten, und allem, was unbiblisch ist, müssen wir als Jünger Christi entgegen sein; und wird hoffen, daß alle, die von uns verschieden sind, wie weit verschieden sie auch sein mögen, doch zugeben werden, daß wir nur das tun, was recht ist, wenn wir das verfechten, wovon wir glauben, daß es in Hinsicht auf diese Sache die Wahrheit Gottes ist. Bisher sind diese Grundsätze behauptet worden unter Schmach und Hohn und Verspottung, und oft unter Verfolgung. Bisher sind wir eine Sekte gewesen, der an allen Enden widersprochen ward. Wahrscheinlich war der erste Märtyrer, der in England der Religion wegen verbrannt wurde, ein Baptist, und sicherlich war der letzte einer; und andre haben „Spott und Geißeln erlitten, dazu Bande und Gefängnis; und hatten Mangel, Trübsal und Ungemach.“ Wir können uns nicht unsrer Zahl rühmen, wir können uns nicht unsrer Macht rühmen, wir können uns nicht unseres Reichtums rühmen; aber wir können uns rühmen des Glaubens und der Standhaftigkeit, durch welche die, so uns vorangegangen, durch göttliche Gnade fähig wurden, die schwersten Unbilden zu tragen - Unbilden, die um so tiefer gefühlt wurden, weil sie von Mitchristen, Mitprotestanten und sogar Mitpuritanern zugefügt wurden. Bisher sind wir gering an der Zahl gewesen und haben oft heftigen und bitteren Widerstand erfahren; und ich denke auch nicht, daß jetzt glänzende Aussicht da ist, daß unsre Denomination groß wird und sich sonne im Sonnenschein der Volksgunst. Und in der Tat, wenn ich sehe, welche Wirkung solche Größe und Gunst auf einige christliche Gemeinden gehabt hat, so bin ich geneigt, zu sagen: „Gott schütze uns vor Macht und Volksgunst, denn dies sind gefährlichere Feinde, als aller Hohn, alle Verfolgung und aller Mangel, womit wir in vergangenen Zeiten zu kämpfen gehabt haben.“ Ich hoffe und glaube wirklich, daß wir ein reineres Ziel im Auge haben, als bloße Vergrößerung unsrer Denomination, und daß wir zufrieden sein werden, wie wir bisher zufrieden gewesen sind „,durch böse Gerüchte und gute Gerüchte.“ Das Zeugnis eines reines Gewissens zu haben, daß wir unsrer besten Kenntnis gemäß und bis zum Äußersten unsrer Kraft treu versucht haben, Gottes Wahrheit zu verteidigen gegen die Gebote und Überlieferungen der Menschen.

Spurgeon über Mk. 10, 13-16.

Jesus hat die Kinder nicht getauft. Der Evangelist berichtet uns nicht, daß Er ausgerufen hätte: „Wo ist der Pate und die Patin?“ Es wird nicht berichtet, daß Er sich habe die Agende und das Taufbecken bringen lassen. Nein: Er „nahm sie auf seine Arme, legte die Hände auf sie und segnete sie“ und entließ sie, ohne einen Tropfen des reinigenden Elementes auf sie gesprengt zu haben. Hätte aber diese Handlung in irgend welcher Verbindung zur Taufe gestanden, so wäre hier die geeignetste Gelegenheit gewesen, die Kindertaufe zu üben. Damit wäre denn der Streit ein für allemal zu Gunsten unsrer Gegner entschieden gewesen. Es mag wohl Leute in der Welt geben, die gegen eine solche Einpflanzung der Kinder in den Leib Christi durch die Taufe streiten, aber ich bin überzeugt, daß in dem Falle kein ehrlicher Mann, der in Ehrfurcht Jesum als seinen geistlichen Führer angesehen hat, solches tun wird. Ich, meine Brüder, wollte lieber stumm sein, als ein einziges Wort gegen eine Verordnung reden, welche Christus selbst eingesetzt und geübt hat. Und hätte Jesus nur ein einziges dieser Kindlein besprengt, hätte Er ihm einen Namen gegeben, es mit einem Kreuze bezeichnet, das Gelübde der Paten entgegen genommen und Gott für die Wiedergeburt des Kindes gedankt, dann wäre die Frage auf immer entschieden gewesen. Manche von uns wären vielen Beleidigungen entgangen und zahllosen Irrtümern ausgewichen, die wir so, nach dem Urteil vieler frommer Leute, uns haben zu schulden kommen lassen, welche ich persönlich hoch achte, obschon ich keinen Respekt habe über ihr Urteil hinsichtlich der Taufe.

Ich will euch an einem Beispiel die Schwäche der Stellung meiner Gegner zeigen. Gesetzt der Fall, es würde eine Sekte auftauchen, welche lehrte, daß Säuglingen das Abendmahl gereicht werden sollte. Solch eine Lehre könnte ein hohes Alter für sich in Anspruch nehmen, denn es wird euch bewußt sein, daß zu einer Zeit Kinder-Kommunion geübt wurde, und wäre dieses gleichfalls aus dem Text zu begründen. Wenn ein Säugling ein Recht auf die Taufe hat, dann darf er auch vom Tische des Herrn nicht fern gehalten werden. Jahrelang hat man die Kinder zum Tische des Herrn gebracht, aber allerlei Umstände traten ein, und infolge dessen hat man die Kinder-Kommunion fallen lassen. Sollte aber jemand heute den Irrtum erneuern und zu beweisen suchen, daß die Säuglinge zugelassen werden sollten, dann könnte er es mit demselben Recht und mit ebensoviel logischen Gründen wie die Verteidiger der Säuglingstaufe aus unsrer Stelle tun. Ob die Taufe der Kinder aus andren Stellen der Schrift erwiesen werden kann oder nicht, ist jetzt nicht die Zeit zu untersuchen. Wenn dies aber mit andern Texten auch getan werden könnte, so viel steht fest, daß durch unsern Text nicht dargetan werden kann, daß die Bestellung von Paten, ihr Gelübde und die Behauptung, Kinder würden in der Taufe zu „Gliedern am Leibe Christi, Gottes Kindern und Erben des Reiches Gottes“ gemacht, biblisch sind. Ich könnte ebenso leicht die Impfung der Kinder mit obiger Stelle beweisen, als die Zeremonie, welche das „Gebetbuch“ der anglikanischen Kirche „Kindertaufe“ nennt. Ich zögere nicht, zu behaupten, daß ich irgend etwas beweisen kann, wenn mir solch eine Beweisführung gestattet würde, wie die, welche darzutun sucht, in unsrem Texte sei die Kindertaufe enthalten. Es ist durchaus keine Verbindung zwischen Kindertaufe und unsrem Text. Die Lehre der Stelle ist sehr einfach und sehr klar, und der Gedanke von der Taufe ist hineingelegt, nicht aber darin gefunden worden. Ein etwas eigner Schriftsteller sagt: „Diese Lehren sind aus dem Text gepreßt worden, etwa wie Steuerbeamte mit bankrotten Leuten verfahren, indem sie die Steuern auf dem Zwangswege einziehen, wo doch eigentlich nichts zu haben ist.“ Nie hat man jemand so geplagt, daß er zahle, was er nie schuldete; nie ist ein Mensch so gefoltert worden, zu bekennen, was ihm nie in den Sinn kam, wie man diesen Text geplagt und gefoltert hat, doch von der Kindertaufe zu zeugen. Und doch schreien Hunderte immer wieder: „Hat nicht Jesus gesagt: „Lasset die Kindlein zu mir kommen.““ Solchen entgegnen wir: Sehet doch zu, daß ihr das Wort lest, wie es geschrieben steht, und ihr werdet kein Wasser darin finden, sondern Jesum allein.

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