Spurgeon, Charles Haddon - Christi Tod

Aber der Herr wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, so wird er Samen schauen und in die Länge leben; und des Herrn Wohlgefallen wird durch seine Hand fortgehen.
Jes. 53,10

Wie viele Myriaden Augen richten ihren Blick auf die Sonne! Welche unzählbare Menge von Menschen hebet die Augen und betrachtet die strahlenden Welten des Himmels! Tausende achten unaufhörlich darauf - aber ein großer Vorgang in der Weltgeschichte zieht weit mehr aufmerksame Blicke auf sich als jene Sonne, die heraus gehet wie ein Bräutigam aus seiner Kammer und sich freut wie ein Held, zu laufen den Weg (Ps. 19,6). Es ist ein großes Ereignis, das Tag für Tag eine größere Bewunderung erregt als Sonne, Mond und Sterne, wenn sie auf ihren Bahnen wandeln. Dies Ereignis ist der Tod unseres Herrn Jesu Christi. Auf ihn richten sich die Augen aller Heiligen, die noch vor Anfang der christlichen Zeitrechnung lebten; und rückwärts schaut durch Jahrtausende darauf zurück der Blick aller Heiligen der neueren Zeit. Auf Christus schauen ohne Aufhören die Augen aller Engel. „Welches auch die Engel gelüstet zu schauen.“ (1. Pet. 1,12) sagte der Apostel. Auf Christus sind die tausend mal tausend Augen der Erlösten unaufhörlich geheftet, und tausend Pilger dieser tränenvollen Erde haben kein höheres Ziel ihres Glaubens und keinen süßeren Wunsch für ihre Seele, als Christus zu sehen im Himmel und ihn zu schauen von Angesicht zu Angesicht. Geliebte, es werden heute viele mit uns das Antlitz nach dem Hügel Golgatha wenden. Wir werden keine einsamen Zuschauer des schrecklichen Schauspiels sein, wie unser Heiland stirbt; wir brauchen nur unsere Blicke nach dem Ort zu werfen, welcher der Brennpunkt der himmlischen Freude und Wonne ist, nach dem Kreuz unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi.

Indem wir unser Schriftwort zum Leitfaden wählen, wollen wir Golgatha besuchen, in der Hoffnung, der heilige Geist werde uns beistehen in der Betrachtung dessen, der am Kreuze starb. Ich möchte euch heute zuerst aufmerksam machen auf die Ursache des Todes Christi - „der Herr wollte ihn also zerschlagen“ „Jehova wollte ihn also zerschlagen“ heißts im Hebräischen, „mit Krankheit.“ Zweitens der Grund des Todes Christi, - „wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat.“ Christus starb, weil er ein Sühnopfer ward für die Sünde. Und dann drittens die Wirkungen und Folgen des Todes Christi. „Er wird Samen schauen und in die Länge leben, und des Herrn Wohlgefallen wird durch seine Hand fortgehen.“ Komm, heiliger Geist, und stehe uns bei, wenn wir versuchen, von diesen unvergleichlichen Gegenständen zu reden!

I.

Zum Ersten haben wir es hier zu tun mit dem Ursprung des Todes Christi. „Jehova wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit.“ Wer das Leben Christi liest als bloße Geschichte, schreibt seinen Tod der Feindschaft der Juden zu und dem schwachen Charakter des römischen Landpflegers. Darin hat er recht, denn das Verbrechen und die Sünde der Tötung unseres Heilandes muß der Menschheit beigemessen werden. Dies unser Geschlecht ward zum Gottesmörder und erschlug den Herrn und heftete seinen Heiland ans Kreuz. Wer aber mit dem Auge des Glaubens die Bibel liest und darin die verborgenen Geheimnisse zu entdecken sucht, sieht in des Heilands Tod etwas mehr als römische Grausamkeit und jüdische Bosheit; er sieht, wie der erhabene Ratschluß Gottes von Menschen erfüllt wird, welche die unbewußten oder schuldbeladenen Werkzeuge seiner Vollführung sind. Er sieht über den römischen Speer und die Kreuzesnägel hinaus, hinaus über den jüdischen Hohn und Spott, hinauf zum heiligen Urquell, aus dem alle Dinge entspringen, und schreibt die Kreuzigung Christi dem Willen der Gottheit zu. Er glaubt mit dem Apostel Petrus: „Denselbigen, da er aus vorbedachtem Rat und Vorsehung Gottes hingegeben war, habt ihr genommen und durch die Hände der Ungerechten geheftet und umgebracht.“ (Apg. 2,23). Wir dürfen Gott die Sünde nicht zuschreiben; doch aber die Tatsache selbst mit all ihren wunderbaren Folgen für die Versöhnung der Welt müssen wir stets aus dem heiligen Urquell der göttlichen Liebe ableiten. So der Prophet. Er spricht: „Aber der Herr wollte ihn also zerschlagen.“ Er übergeht Pilatus und Herodes und führt alles auf den himmlischen Vater, die erste Person in der göttlichen Dreieinigkeit, zurück. „Der Herr wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit.“

Nun, Geliebte, es denken viele, Gott der Vater sei im besten Falle ein unbeteiligter Zuschauer bei der Erlösung gewesen. Andere verleumden ihn noch mehr. Sie schauen auf ihn als auf ein liebloses, strenges Wesen, das keine Liebe zum Menschengeschlechte besaß und nur durch das Leiden und den Tod unseres Heilandes zur Liebe konnte bewogen werden. Nun, das ist eine arge Verleumdung der herrlichen und reinen Gnade des himmlischen Vaters, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit; denn der Herr Jesus starb nicht, um Gott zur Liebe zu bewegen, sondern er starb, weil Gott die Liebe war.

Nicht um Jehova's Liebe
Den Seinen zu gewinnen,
Stieg Jesus von dem Throne
Und duldete so schwer.
Nicht sein erhab'nes Sterben
Noch all sein bittres Leiden
Gewann uns Gottes Liebe;
Denn Gott hat stets geliebt.

Christus ward vom Vater in die Welt gesandt in Folge der Liebe des Vaters zu seinem Volke. Ja, „also hat er die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Joh. 3,16) Es steht fest, daß der Vater ebensowohl die Erlösung beschloß, sie ins Werk setzte, sich über dieselbe freute wie Gott der Sohn oder Gott der heilige Geist. Und wenn wir vom Heiland der Welt reden, so müssen wir im weitern Sinn des Worts darunter allezeit Gott den Vater, Gott den Sohn und Gott den heiligen Geist verstehen, denn alle diese drei, als ein Gott, erlösen uns von unsern Sünden. Das Schriftwort beseitigt jeden harten Gedanken rücksichtlich des Vaters, indem es uns berichtet, daß Jehova Jesus Christus also zerschlagen wollte. Der Tod Christi kann Gott dem Vater zugeschrieben werden. Versuchen wir es so aufzufassen.

1) Zuerst können wirs nachweisen im Ratschluß. Gott, der einige Gott Himmels und der Erden, hat das Buch des Schicksals ganz in seinen Händen. In diesem Buche steht nichts von fremder Hand verzeichnet. Die Führung dieses erhabenen Buches der Vorherbestimmung ist von Anfang bis zu Ende durch und durch göttlich.

Es zeigt das Buch vor Gottes Thron
Der Menschen Leid und Lieben,
Und jedes Engels Amt und Kron'
Von ew'ger Hand beschrieben.

Keine untergeordnete Hand hat auch nur den kleinsten Teil der Vorsehung verzeichnet. Alles, vom Alpha bis zum Omega, ist bestimmt, entworfen, geordnet und entwickelt vom Verstande des allweisen, allwissenden Gottes. Darum war selbst Christi Tod nicht davon ausgenommen. Der die Engel beschwingt und die Sperlinge leitet, der die Haare auf unserm Haupte bewahret, daß deren nicht eines vor der Zeit herabfällt, konnte doch nicht wohl auf solche kleine Dinge acht haben und dabei das größte Wunder aller Erdenwunder in seinem ewigen Ratschluß vergessen: den Tod Christi. Nein; die blutbesprengte Seite des Buches, die Seite, welche beides, Vergangenheit und Zukünftiges, mit goldenen Worten herrlich macht - diese blutbemalte Seite, sage ich, war ebenso gut von Jehova geschrieben wie jede andere. Er bestimmte, daß Christus sollte geboren werden von Maria, der Jungfrau, daß er sollte leiden unter Pontius Pilatus, daß er hinabfahren sollte zu der Hölle und wieder auferstehen und das Gefängnis gefangen führen, und dann sollte er ewig regieren zur Rechten der Majestät in der Höhe. Nun weiß ich wohl, daß ich keine andere Bürgschaft habe als die heilige Schrift, wenn ich sage, daß dies der Kern aller Vorherbestimmung ist, daß der Tod Christi der wahre Mittelpunkt und Hauptgrund ist, nach welchem Gott alle anderen Ratschlüsse ordnete, indem er ihn zum Eck- und Grundstein machte, auf welchem der heilige Bau sollte auferbaut werden. Christus ward in den Tod gegeben durch die unumschränkte Vorsehung und den erhabenen Ratschluß Gottes des Vaters, und in diesem Sinne „wollte Gott ihn zerschlagen mit Krankheit.“

2) Aber weiter war Christi Zukunft in die Welt zum Tode die Folge von des Vaters Willen und Wohlgefallen. Christus kam nicht ungesandt in diese Welt. Er lag vor Anbeginn der Welt in des Vaters Schoß, von Ewigkeit her sich wonniglich freuend an seinem Vater und selbst wieder seines Vaters ewige Freude und Wonne. „Als die Zeit erfüllet war,“ riß Gott seinen Sohn von seinem Busen, seinen eingebornen Sohn, und gab ihn freiwillig hin für uns alle. Darin lag unvergleichliche, über alles erhabene Liebe, wenn der gekränkte Richter zugeben konnte, daß sein ewiger Sohn die Leiden des Todes zur Versöhnung für ein abtrünniges Volk erdulden sollte. Führt euch für einen Augenblick ein Bild von alter Zeit vor die Seele. Ein alter, ehrwürdiger Patriarch steht in der Frühe des Morgens auf und weckt seinen Sohn, einen Jüngling in der Blüte seiner Kraft, und heißt ihn aufstehen und ihm folgen. Sie machen sich still und geräuschlos, ehe die Mutter noch erwacht ist, auf den Weg. Sie gehen mit ihren Leuten drei Tagreisen weit, bis sie zu dem Berge kommen, von dem der Herr gesprochen hat. Ihr kennt den Erzvater. Der Name Abraham bleibt unserm Gedächtnis stets frisch. Unterwegs spricht der Erzvater kein einiges Wort mit seinem Sohn. Sein Herz ist zu voll, um reden zu können. Er ist überwältigt vom Schmerz. Gott hat ihm befohlen, seinen Sohn zu nehmen, seinen einzigen lieben Sohn, und ihn auf dem Berge zu opfern. Sie gehen miteinander; und wer kann den unaussprechlichen Kampf in der Seele des Vaters schildern, wenn er so neben seinem inniggeliebten Sohne einherschreitet, dessen Henker er bald werden soll? Der dritte Tag ist angebrochen; den Knechten wird befohlen, am Fuße des Hügels zu warten, während sie hinaufgehen, Gott zu dienen. Nun, kann sich wohl jemand vorstellen, wie des Vaters Kummer alle Dämme seiner Seele überflutet, wenn beim Hinaufsteigen sein Sohn zu ihm spricht: „Siehe, hier ist Feuer und Holz; wo ist aber das Lamm zum Brandopfer?“ (1. Mo. 22,7). Könnt ihr begreifen, wie er seine Gemütsbewegung bekämpft und seufzend ausruft: „Gott wird sich ersehen ein Lamm zum Brandopfer, mein Sohn!“ (V. 8) Siehe, der Vater hat seinem Sohne erzählt, wie Gott sein Leben zum Opfer verlangt hat. Isaak hätte wohl mögen gekämpft uns sich vor seinem Vater voll Angst geflüchtet haben, aber er erklärt, er sterbe gerne, wenn Gott es befohlen habe. Der Vater nimmt seinen Sohn, bindet ihm die Hände auf dem Rücken zusammen, baut die Steine auf, macht einen Altar, legt das Holz darauf und hat das Feuer zur Hand. Und wo ist nun der Künstler, der die Angst in des Vaters Antlitz beschreiben könnte, wenn er das Messer aus der Scheide zieht und es aufhebt, seinen Sohn zu schlachten? Aber hier fällt der Vorhang. Das düstere Schauspiel verschwindet beim Klang einer himmlischen Stimme. Der Widder im Dornbusch wird an seines Sohnes Statt genommen und des Glaubens Gehorsam nicht weiter geprüft. Ach, teure Brüder, ich möchte euch nun von diesem Anblick zu einem weit großartigeren hinführen. Wozu Glaube und Gehorsam einen Menschen vermocht haben, das hat die Liebe Gott selbst zu tun gezwungen. Er hatte nur einen Sohn, dieser Sohn ist seines Herzens Wonne. Er verpflichtet sich, ihn hinzugeben für unsere Erlösung, und er hat seine Verheißung nicht gebrochen; denn als die Zeit erfüllet war, sandte Gott seinen Sohn, daß er geboren werde von der Jungfrau Maria und leide für die Sünden der Menschen. O könnt ihr diese Liebe ausreden, die den ewigen Gott nicht nur bewog, seinen Sohn auf den Altar zu legen, sondern ihn wirklich zu töten und das Opfermesser in seines Sohnes Herz zu versenken? Könnt ihr begreifen, wie überschwenglich die Liebe Gottes gegen das menschliche Geschlecht gewesen sein mußte, da er in Wahrheit vollendete, was Abraham nur tun wollte? Schauet hin und betrachtet den Ort, wo sein einiger Sohn am Kreuze hing, als blutiges Opfer der erweckten Gerechtigkeit! Ja, das ist Liebe, und hier sehen wir, was es war, wenn der Vater ihn wollte also zerschlagen.

3) Wir gehen nun hier einen Schritt weiter im Text. Geliebte, es ist nicht nur wahr, daß Gott den Tod Christi beabsichtige und willig zuließ; es ist auch wahr, daß die unaussprechlichen Leiden, die den Tod unseres Heilandes mit übermenschlichen Schrecken umgaben, deren Folge war, daß der Vater Christus wirklich und wahrhaftig wollte zerschlagen. Ein Märtyrer ist im Gefängnis; die Fesseln verwunden sein Fleisch, und dennoch siegt er. Man hat ihm angekündigt, daß er am anderen Tage lebendig verbrannt werden soll. Er faltet fröhlich die Hände und sagt lächelnd: „Es wird morgen harte Arbeit geben, ich werde wohl fasten unter der feurigen Heimsuchung, dann aber werde ich mit Christus das Abendmahl genießen. Morgen ist mein Ehrentag, der Tag, auf den ich lange geharrt habe, wenn ich werde das Zeugnis meines Lebens durch einen herrlichen Tod besiegeln.“ Die Zeit ist gekommen; die Hellebardenmänner schreiten vor ihm her durch die Straßen. Seht die Freudigkeit im Angesichte des Blutzeugen. Er wendet sich zu einigen, die ihm nachsehen, und ruft aus: „Ich schätze diese eisernen Fesseln höher als wenn sie von Gold wären: es ist süß, für Christus zu sterben. Einige der mutigsten Jünger Christi haben sich um den Scheiterhaufen gedrängt, und wie er sich entkleidet, um sein Urteil zu empfangen, erzählt er ihnen von der herrlichen Freude, ein Streiter Christi zu sein und den Leib dem Feuertode hingeben zu dürfen; und er drückt ihnen die Hände und ruft ihnen mit liebevoller Wärme sein „Lebewohl“ zu. Fast könnte man meinen, er gehe eher zu einer Hochzeit als zum Feuertode. Er steigt hinauf; die Kette wird ihm mitten um den Leib geschlungen, und nach einem kurzen Gebet und sobald das Feuer zu flackern beginnt, spricht er zu den Umstehenden mit männlicher Kraft. Aber hört, er singt, während die Fluten krachen und der Rauch aufwirbelt. Er singt, und wenn der untere Teil seines Leibes auch schon verbrannt ist, so singt er doch noch den lieblichen alten Psalm: „Gott ist unsre Zuversicht und Stärke; eine Hilfe in Nöten kräftig erfunden. Darum fürchten wir uns nicht, wenn gleich die Welt unterginge und die Berge sänken mitten ins Meer.“ (Ps. 46,1.2)

Und nun ein anderer Anblick. Dort geht der Herr zum Kreuz, ganz müde und matt vom Leiden; seine Seele ist matt und krank in ihm. Da ist keine göttliche Gestalt. So erschöpft ist er, daß er unterwegs ohnmächtig niederfällt. Der Sohn des Allerhöchsten fällt ohnmächtig nieder unter dem Kreuz der Schmach! Sie heften ihn ans Holz. Da ist kein Lobgesang. Er wird mit dem Holze aufgerichtet und da hängt er in Erwartung des Todes. Ihr hört kein Frohlocken der Freude. Ein ernster Ausdruck liegt auf seinem Gesicht, als ob unaussprechliche Pein sein Herz zerfleischt - als ob das Leiden in Gethsemane ihn abermals am Kreuze befallen hätte - als ob er im Herzen nochmals spräche: „Vater, ists möglich, so gehe dies Kreuz an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst.“ Hört! Er spricht. Wird er nun nicht liebreichere Lieder singen als sie je aus dem Munde eines Märtyrers hervorströmten? Ach nein! Es ist ein furchtbares Ach und Weh, das seinesgleichen nicht mehr hat: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“ Die Märtyrer sprachen nicht, Gott sei nicht bei ihnen; die treuen Bekenner der Vorzeit riefen nicht also, wenn es zum Sterben ging. Sie jauchzten mitten im Feuer und priesen Gott auf der Folter. Warum? Warum leidet der Heiland also? O, Geliebte, weil ihn der Vater also zerschlug. Jener Sonnenstrahl von Gottes Angesicht, der so manchen sterbenden Heiligen erquickte, war Christus vorenthalten. Das Bewußtsein des göttlichen Wohlgefallens, das manchen heiligen Menschen bewogen hatte, sich freudig dem Kreuze zu vermählen, ward unserem Erlöser nicht zuteil, und darum litt er in dichter Finsternis des Seelenleidens. Leset den 22. Psalm und erfahret daraus, was Jesus erduldete. Versenkt euch in die inhaltsschweren Worte des 2., 3., 7. und der folgenden Verse. Die Kirche ruht in den ewigen Armen; aber Christus fand keinen Arm, sondern seines Vaters Hand lag schwer auf ihm. Die gewaltigen Mühlsteine des göttlichen Zornes zermalmten und zerbrachen ihn. Und kein einziger Tropfen Freude oder Trost war ihm vergönnt. „Jehova wollte ihn also verschlagen mit Krankheit.“ Das, meine teuren Brüder, war der höchste Gipfel des Leidens unseres Heilandes, daß der Vater sich von ihm abwandte und ihn schlug mit Krankheit.

Dies wollte ich euch in meinem ersten Teil darlegen, nämlich den Ursprung der unsäglichen Leiden unseres Heilandes; des Vaters Wohlgefallen.

II.

Unser zweiter Teil muß den ersten erläutern, anders wäre es ein unauflösbares Geheimnis, warum Gott seinen Sohn mit Krankheit zerschlagen sollte, seinen Sohn, die vollendete Unschuld, während arme, sündhafte Bekenner und Blutzeugen zur Zeit ihrer Verfolgung kein solches Zerschlagen mit Krankheit erfahren durften. Was war der Grund des Leidens unseres Heilandes? Es steht geschrieben: „Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat!“ Christus ward also heimgesucht, weil sein Leben ein Sündopfer war. Nun will ich so klar und deutlich sein wie möglich, wenn ich jetzt über die köstliche Lehre von der Versöhnung durch Jesus Christus, unseren Herrn, predige. Christus war ein Schuldopfer als Stellvertreter. Gott wollte selig machen; aber die Gerechtigkeit band ihm, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, die Hände. „Ich muß gerecht sein,“ sprach Gott; „es ist dies eine unumgängliche Eigenschaft meines Wesens. Unerschütterlich wie das Schicksal und fest wie die Unwandelbarkeit steht die Wahrheit da, daß ich Gerechtigkeit üben muß. Dennoch sehnt sich mein Herz, zu vergeben - vorüberzugehen vor der Menschen Übertretung und ihnen zu vergeben.“ Wie mag das zu Stande kommen? Da kam die Weisheit und sprach: „Es soll also geschehen,“ und die Liebe stimmte der Weisheit bei. „Christus Jesus, der Sohn Gottes, soll stehen an des Menschen Statt, und er soll geopfert werden auf dem Hügel Golgatha an des Menschen Statt.“

Nun achtet wohl: Wenn ihr Christus den Hügel der Richtstätte hinabschreiten seht, so sehet in ihm den Menschen; wenn ihr seht, wie Christus auf seinen Rücken niedergeworfen wird aufs hölzerne Kreuz, so seht ihr die ganze Schar seiner erwählten Heiligen; und wenn ihr seht, wie die Nägel ihm durch die heiligen Hände und Füße getrieben werden, so wird der ganze Leib seiner Kirche in ihrem Stellvertreter ans Holz geheftet. Und nun richten die Kriegsknechte das Kreuz auf und befestigen es in der Erde. Alle seine Gebeine sind auseinander gerissen und sein Körper wird dadurch mit unbeschreiblichen Martern gequält. Die Menschheit leidet hier, hier leidet die Kirche in ihrem Stellvertreter. Und wenn Christus stirbt. so müßt ihr den Tod Christi nicht bloß als seinen eigenen Tod betrachten, sondern als das Sterben all derer, für die er als Farren des Sündopfers und als Stellvertreter sich hingab. Es ist wahr, Christus starb wirklich selber; es ist ebenso wahr, daß er nicht um seiner selbst willen starb, sondern als Stellvertreter im Namen und an Stelle aller seiner Gläubigen. Wenn ihr durch die Pforten des Grades hindurchgeht, so geht ihr vereinzelt und allein; ihr seid nicht Stellvertreter einer menschlichen Körperschaft, sondern ihr geht als einzelne Person hindurch; bedenkt aber: da Christus die Todesleiden erduldete, war er das stellvertretende Haupt seines ganzen Volkes.

Beachtet daher den Sinn, in dem Christus zum Schuldopfer wurde. Hierin aber liegt das Herrliche der ganzen Sache. Es war eine Stellvertretung der Sünde, als er wirklich und buchstäblich die Strafe für die Sünden seiner Erwählten erduldete. Wenn ich so rede, so darf es nicht nur als sinnbildlicher Ausdruck aufgefaßt werden, sondern wirklich als das, was ich ausspreche. Der Mensch wurde für seine Sündenschuld zum ewigen Feuer verdammt; als Gott Christus zum Stellvertreter annahm, so wurde zwar Christus nicht ins ewige Feuer geworfen, aber er schüttete seinen Zorn über ihn aus, so schrecklich, daß es eine vollgenügende Bezahlung selbst für die Ewigkeit des höllischen Feuers war. Obwohl er Christus nicht die Höllenqualen schmecken ließ, die eigentlich die Gläubigen bedrohte, so ließ er ihn doch einen Ersatz dafür empfinden - etwas, was die Höllenpein aufwog. Er nahm den Kelch des Leidens Christi und tat hineine Schmerz, Elend und Angst, wie es nur Gott begreifen kann, und das wog vollständig alles Leiden auf und alles Weh und alle ewigen Qualen eines Jeglichen, der einst den Himmel ererben wird, und erkauft ist mit Christi teurem Blut. Und ihr fragt nun: „Trank Christus alles aus bis auf die Hefen? Erlitt er alles?“ Ja, liebe Brüder, er nahm den Becher und

„Er trank mit einem Zug der Liebe
Siegreich die Höllenstrafen aus.“

Er erlitt alle Schrecken der Hölle; sie fielen in einem tobenden Strome des ehernen Zorns über ihn her, mit Hagel, schwer wie ein Zentner; und er hielt aus, bis die schwarze Wolke des Entsetzens sich ganz entfernt hatte. Das war unsere Schuld, schwer und ungeheuer; er bezahlte bis auf den letzten Heller die Schuld seines Volkes, und nun ist nichts mehr übrig an Strafschuld eines einzelnen Gläubigen für die Gerechtigkeit Gottes, und obwohl wir Gott Dank schuldig sind, obwohl wir seiner Liebe unendlich viel zu verdanken haben, so schulden wir doch seiner Gerechtigkeit nichts; denn damals nahm Christus alle unsere Sünden, die vergangenen, die jetzigen und die zukünftigen, und wurde dort zu jener Stunde dafür gezüchtigt, damit wir nicht gestraft würden, nachdem er an unserer Statt gelitten hat. Seht ihr nun, wie es kam, daß Gott der Vater ihn zerschlug? Hätte er es nicht getan, so hätten die Leiden Christi kein Ersatz sein können für unser verdientes Leiden; denn die Hölle besteht darin, daß Gott sein Angesicht vor den Sündern verbirgt, und wenn Gott nicht sein Angesicht vor Christus verborgen hätte, so hätte Christus keinerlei Leiden erdulden können, das der verdienten Pein und Strafe seines Volkes gleich gekommen wäre.

Ich meine, ich höre nun jemanden sagen: „Glauben sie, wir müssen nun diese Versöhnung, die sie jetzt verkündigt haben, als buchstäbliche Tatsache annehmen?“ Ich sage in vollem Ernst: „Ja! Es gibt in der Welt allerlei Ansichten über die Versöhnung; aber ich kann in keiner etwas von Versöhnung merken außer in dieser Lehre von der Stellvertretung. Viele Gottesgelehrte sagen, daß Christus durch seinen Tod etwas zu Stande brachte, was Gott in den Stand setzte, Gerechtigkeit zu üben und doch die Gottlosen gerecht zu machen. Was dieses „etwas“ ist, sagen sie uns nicht. Sie glauben an eine Versöhnung für jedermann, aber diese besteht nach ihrer Ansicht in Folgendem: Sie glauben, dem Judas sei ein gleiches Maß der Versöhnung zugute gekommen wie dem Petrus; sie glauben, daß die Verdammten in der Hölle ganz in eben dem Maße an der Sühne Teil hätten wie die Seligen im Himmel; und obwohl sie das nicht in nackten Worten ausdrücken, so müssen sie es doch glauben, denn es ist eine prächtige Voraussetzung, daß Christus für viele vergeblich gestorben sei, denn er starb für alle, wie sie sagen; und doch war sein Sterben so erfolglos für sie, daß, obwohl er für sie starb, sie dennoch hinterher verdammt wurden?

Nun, solch eine Versöhnung verabscheue ich - ich verwerfe sie. Man mag mich einen Antinomer oder Calvinisten nennen, weil ich solch eine beschränkte Versöhnung predige; aber lieber glaube ich an eine begrenzte Versöhnung, die wirksam ist an allen Menschen, für die sie vollbracht wurde, als an eine allgemeine Versöhnung, die sich nicht an jedermann bewährt, ohne daß des Menschen Wille damit verbunden sei. Ja, liebe Brüder, wenn wir nur so weit versöhnt wären durch den Tod Christi, daß sich einer hinterher selber selig machen könnte, so wäre Christi Versöhnung keinen Heller wert, denn es gibt keinen einzigen Menschen, der sich selber selig machen könnte - nein, auch nicht unter dem Evangelium; denn wenn ich durch den Glauben selig werden soll, wenn dieser Glaube meine eigene Tat ist, ohne Beistand des heiligen Geistes gewirkt, so bin ich ebensowenig im Stande, mich durch den Glauben selber selig zu machen wie durch die Werke. Und zuletzt, wenn auch die Menschen dies eine beschränkte Versöhnung nennen, so ist sie mindestens eben so wirksam wie ihre eigenen trügerischen und faulen Versöhnungen nur immer sein wollen. Aber kennt ihr denn die Grenze? Christus hat sich eine „große Schar, die niemand zählen konnte“ (Off. 7,9) erkauft. Die Grenze liegt darin: Er ist gestorben für die Sünder; wer nun in dieser Versammlung sich innerlich als einen Sünder erkennt und darüber betrübt ist, für den ist Christus gestorben; wer Christus sucht, wird erfahren, daß Christus für ihn starb, denn unser Gefühl des Heilandsbedürfnisses und unsere Sehnsucht nach dem Heiland sind unfehlbare Beweise, daß Christus für uns starb. Und siehe, darin liegt eine wirkliche Kraft. Der Arminianer sagt, Christus sei für ihn gestorben; doch hat der arme Mensch nur wenig Trost davon, denn er spricht: „Ach wohl! Christus starb für mich; doch das tut nicht viel zur Sache. Es zeigt nur, daß ich selig werden kann, wenn ich später danach strebe. Aber ich kann mich vielleicht selbst versäumen; ich kann in Sünden fallen und muß dann zu Grunde gehen. Christus hat sehr viel für mich getan, aber doch nicht genug, wenn ich nicht auch etwas tue.“ Wer aber das Wort Gottes so nimmt, wie es ist, spricht: „Christus starb für mich, so ist mein ewiges Leben gewiß.“ „Ich weiß,“ sagt er, „daß Christus nicht an eines Menschen Statt gestraft werden konnte, und dieser Mensch mußte nachher doch die Strafe erdulden.“ „Nein,“ spricht er, „ich glaube an einen gerechten Gott, und wenn Gott gerecht ist, so kann er nicht zuerst Christus strafen und dann auch noch den Menschen. Nein; mein Heiland starb, und nun bin ich frei von jeder Schuld der Rache Gottes, und ich gehe sicher durch diese Welt; kein Blitzstrahl darf mich treffen, und ich kann sterben, dessen unerschütterlich gewiß, daß es für mich kein höllisches Feuer gibt und keine äußerste Finsternis; denn Christus bezahlte mein Lösegeld für mich, und darum bin ich ganz befreit.“ O herrliche Lehre! Ich wünschte, so predigend zu sterben! Welch ein besseres Zeugnis können wir der Liebe und Treue Gottes darbringen als das Zeugnis der vollgenügenden Vertretung für alle, die an Christus glauben? Ich will hier das Zeugnis eines vorzüglich tief gegründeten Gottesgelehrten anführen, des Dr. John Owen: „Versöhnung ist die Befreiung eines Menschen vom Elend durch den Einstand eines Bürgen. Wenn nun das festgesetzte Lösegeld für die Freiheit eines Gefangenen bezahlt wird, verlangt dann nicht die Gerechtigkeit, daß er die also erkaufte Freiheit haben und genießen soll? Wenn ich zehntausend Taler bezahlte für die Befreiung eines Menschen aus der Haft dessen, der ihn gefangen hält und Macht hat, ihn loszulassen, und wenn derselbe mit dem Lösegeld, das ich biete, zufrieden ist, wäre es nicht ein schreiendes Unrecht an mir und dem armen Gefangenen, wenn seine Loslassung nicht stattfände? Kann es möglicherweise zu begreifen sein, daß es eine Erlösung der Menschen gebe und diese Menschen nicht erlöst werden? Daß ein Preis bezahlt werden sollte und der Loskauf unwirksam bleibt? Und doch müßten diese und noch viele andere Widersinnigkeiten wahr sein, wenn eine allgemeine Versöhnung versichert wird. Ein Preis wird für alle bezahlt, aber nur wenige werden befreit; die Versöhnung wird für alle vollbracht, aber ihrer wenige versöhnt; der Gerechtigkeit wird genug getan, der Stockmeister wird überwunden, und doch werden die Gefangenen zu Sklaven gemacht! Wenn es eine allgemeine Versöhnung für alle gibt, so sind sie alle versöhnt. Sind sie versöhnt, so sind sie von allem Übel befreit, unter dem sie geknechtet waren, und zwar durch das Lösegeld. Werden sie nun alle selig? Mit einem Wort, die durch Christus gewirkte Versöhnung ist die völlige Erlösung derjenigen, die von allem Elend befreit werden, worin sie verstrickt waren, durch das Lösegeld seines Blutes, und darum ist es unmöglich,, einzusehen, wie diese Versöhnung allgemein sein kann, wenn nicht auch alle selig werden.

Hier halte ich erneut inne, denn ich höre eine zaghafte Seele sagen: „Ich fürchte aber, ich bin nicht erwählt, und wenn dem also ist, so ist Christus nicht für mich gestorben.“ Halt inne! Bist du ein Sünder? Fühlst du das? Hat dir Gott der heilige Geist ins Herz gegeben, daß du ein elender, verlorener Sünder seiest? Möchtest du selig werden? Und wenn du das auch nicht möchtest, so hindert das doch noch nicht, daß dir die Seligkeit doch vielleicht bestimmt sei; wenn du aber wirklich fühlst, daß du selig werden möchtest, so bist du ein Erwählter Gottes. Wenn du das Verlangen hast, gerettet zu werden, ein Verlangen, das dir der heilige Geist geschenkt hat, so ist dieses Verlangen ein gutes Zeichen. Wenn du angefangen hast, gläubig um Erlösung zu flehen, so hast du darin einen sicheren Beweis, daß du erlöst bist. Christus hat für dich die Strafe erlitten. Und wenn du nun sagen kannst:

Gar nichts, gar nichts bringe ich,
Nur das Kreuz umschlinge ich“

dann magst du deiner göttlichen Erwählung ebenso versichert sein, wie du von deinem leiblichen Dasein überzeugt bist; denn das ist der untrügliche Beweis der Erwählung - ein Gefühl der Hilfsbedürftigkeit und ein Verlangen nach Christus.

III.

Und nun will ich schließen, indem ich auf die gesegneten Wirkungen des Todes Christi aufmerksam mache. Wir fassen uns darüber kurz.

Die erste Wirkung ist: „Er wird Samen schauen.“ Die Menschen sollen durch Christus selig werden. Die Menschen haben Nachkommen im Leben; Christus hat Nachkommen im Tode. Die Menschen sterben und hinterlassen Kinder und sehen deren Nachkommen nicht mehr; Christus lebt und sieht täglich seine Nachkommen herzugebracht zur Gemeinschaft des Glaubens. Eine Wirkung des Todes Christi ist die Erlösung vieler. Beachte wohl, nicht eine ungewisse Erlösung. Als Christus starb, sprachen die Engel nicht, wie sichs einige vorstellen: „Nun können durch seinen Tod viele selig werden;“ das Wort der Weissagung hat alle „Wenn“ und „Aber“ ausgetilgt. „Durch seine Erkenntnis wird er, der Gerechte, mein Knecht für viele, gerecht machen; denn er trägt ihre Sünden“ (Jes. 53,11). Es war auch keines Stäubleins groß Ungewisses bei des Heilands Tode. Christus wußte, was er erkaufte, als er starb und was er erkauft hat, will er haben - nicht mehr, nicht weniger. Keine einzige Wirkung des Todes Christi bleibt dem Ungewissen anheimgestellt. Das „Soll“ und das „Will“ bekräftigte das Testament: Christi blutiger Tod wird seinen herrlichen Zweck erreichen. Jeder Erbe der Gnade wird sich um den Thron versammeln.

„Wird seine Gnadenwunder preisen,
Und seinen Ruhm verherrlichen.“

Die zweite Wirkung des Todes Christi ist: „Er wird in die Länge leben.“ Ja, hochgelobt sei sein Name, denn da er starb, nahm sein Leben kein Ende. Er durfte nicht lange des Grades Gefangener bleiben. Der dritte Morgen brach an, und der Sieger erwachte aus dem Schlummer, zerriß die eisernen Fesseln des Todes und ging hervor aus seinem Gefängnis, um niemals zu sterben. Er blieb noch vierzig Tage, dann erhob er sich unter dem Frohlocken heiliger Chöre und „führte das Gefängnis gefangen und ist aufgefahren in die Höhe“ (Eph. 4,8). „Denn das er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben zu einem Mal, das er aber lebet, das lebet er Gott.“ (Röm. 6,10), um niemals zu sterben.

„Zur rechten Gottes sitzt er nun
Und herrscht als Sieger dort!“,

als Überwinder des Todes und der Hölle.

Und drittens: durch Christi Tod wurde des Vaters Wohlgefallen erfüllt und erhöht. Gottes Wohlgefallen ist es, daß diese Welt einmal gänzlich von Sünden erlöst werden soll; Gottes Wohlgefallen ist es, daß dieser kleine Weltkörper, die Erde, die so lange in Finstenis getaucht war, in Bälde soll in neuem Glanze strahlen gleich einer neugeborenen Sonne. Das hat Christi Tod gewirkt. Der Strom, der auf Golgatha aus seiner Seite hervorquoll, wird die Welt von all ihrer Schwärze reinigen. Jene Stunde mittäglicher Finsternis war der Aufgang einer neuen Sonne der Gerechtigkeit, die niemals aufhören wird, die Erde zu erleuchten. Ja, die Stunde kommt, wo Schwert und Speer vergessene Dinge sein werden - wo die Kriegsharnische und heidnische Pracht bei Seite getan werden, den Motten und dem Rost zur Speise oder zur Befriedigung neugieriger Zuschauer. Es naht die Stunde, wo das alte Rom auf seinen sieben Hügeln erbeben wird, wo Mohammeds Halbmond abnehmen wird, um niemals zu wachsen, wo alle Götter der Heiden ihre Throne verlieren und hinausgeworfen werden zu den Maulwürfen und Fledermäusen; und dann, wenn vom Eismeer bis zu den Tropen Christus verehrt wird als der allerhöchste Herr der Erde, wenn von Land zu Land und vom Meer bis zu den Enden der Erde ein König herrschen wird, dann wird ein Jubel erschallen: „Halleluja, Halleluja, der Herr, der allmächtige Gott regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ Dann, liebe Brüder, wird offenbar werden, was der Tod Christi gewirkt hat, denn: „des Herrn Wohlgefallen wird durch seine Hand fortgehen.“. Amen.

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