Spurgeon, Charles Haddon - Brief an Dr. Culross, den Präsidenten des Bundes der Baptisten, während der Downgrade-Debatte

Mentone, 26. November 1887

Mein lieber Dr. Culross,

das ist lieb, daß Sie mir geschrieben haben. Ihre Brüder haben ihre liebevollen Appelle und Ratschläge meist durch die Zeitungen gegen mich geschleudert. Darüber will ich nicht klagen, aber der Weg, den Sie gewählt haben, verdient eine Antwort. Leserbriefe aus Zeitungen sind Literatur, vielleicht wert, daß man sie beachtet, vielleicht auch nicht. Sie haben mir persönlich geschrieben, und so will ich erst einmal herzlich für Ihren Brief danken.

Ich brauche sicher nicht zu betonen, daß ich mit Ihnen und solchen Brüdern wie Dr. McLaren, Mr. Aldis und Dr. Angus keine Meinungsverschiedenheiten habe, außer der, daß Sie zum Bund gehören und ich nicht. Wir werden, jeder gemäß seiner Erkenntnis, für dieselbe Sache arbeiten. Wir alle sind Christen und Baptisten, und wir können viele Wege der Zusammenarbeit finden.

Die „Metropolitan-Leute“ fordern vom Bund, daß er einen Weg findet, damit ich und andere wieder in ihn eintreten können. Von ihnen aus gesehen ist das sehr richtig, aber ich möchte Ihnen als dem Präsidenten des Bundes gegenüber klarstellen, daß das nicht mein Wunsch ist. Ich bitte Sie nicht, zu tun, was Sie nicht tun können. Wenn ich gemeint hätte, Sie könnten im Falle meiner Pensionierung mir die Rückkehr ermöglichen, dann hätte ich Sie gebeten, es schon vor meiner Pensionierung zu tun.

Solange zu einem Bund, der kein Glaubensbekenntnis hat, keine Fremden gehören, wird niemand ein formloses Glaubensbekenntnis wünschen, weil ja der Geist da ist. Aber was kann man tun, jetzt, wo Kinder der Fremden in ihm sind? Was auch theoretisch in Ihrer Macht liegen mag, in der Praxis sind Sie völlig machtlos. Sie müssen so fortfahren. Und wenn Gottes Gnade die Irrenden nicht zurückruft, wird ihre Zahl zunehmen, und sie werden Mut haben, offener zu sprechen, zum Schmerz der Treuen, die jene in ihrer Mitte in der Hoffnung auf Besserung geduldig schützen.

Ich bin unserem Herrn gefolgt, indem ich mit dem Präsidenten und dem Sekretär des Bundes persönlich gesprochen habe, und meine schriftlichen Ermahnungen sind alle vergeblich gewesen. So mußte ich also aus dem Bund austreten. Niemand, der vernünftig ist, kann verlangen, daß ich eine Reise hätte machen sollen, um alle Irrenden zu besuchen. Ich habe keine Autorität über sie, und sie hätten solche Besuche zu Recht als aufdringlich empfunden. Ich habe Probleme mit dem Bund, und darum ist es immer gegangen.

Ihre klare Aussage, daß der Bund kein Glaubensbekenntnis haben kann, oder, wie ich es verstehe, seine Lehre nur durch die Praxis von Taufe und Abendmahl definieren kann, verschließt mir die Tür endgültig. Die guten Männer, die damals den Bund bildeten, hatten, so stelle ich mir vor, keine Ahnung, daß daraus das werden könnte, was jetzt ist, sonst hätten sie ihn anders organisiert. Durch die Zentralisation und durch die Absorbierung verschiedener Vereinigungen ist aus ihm nun etwas ganz anderes geworden. Das mag eine gute Sache sein, belastet aber die schwache Struktur, die für ihn so wenig geeignet ist. So denke ich, aber dafür wird die Zeit die besten Beweise liefern.

Gerne würde ich mit Ihnen in dieser Richtung zusammengearbeitet haben. Aber wenn ich das auch nicht tun kann, so gibt es doch tausend andere Weisen der Gemeinschaft. Sie fühlen sich mit Menschen verbunden, die öffentlich die Wiederbringung aller Dinge predigen. Ich nicht. Ich verstehe das so, daß Sie noch genug Gemeinschaft mit ihnen empfinden, um mit ihnen zum selben Bund zu gehören. Ich nicht. Genauso steht es mit anderen Irrtümern. Trotzdem stehe ich in Gemeinschaft mit Ihnen - Bund oder nicht. Wenn ich denke, daß Ihre Haltung falsch ist - und davon bin ich überzeugt - dann sage ich Ihnen das in dem gleichen Geist, in dem Sie mir geschrieben haben.

Von der Bundesleitung kann ich nichts erwarten, das mir wie die Stimme des Bundes vorkommen könnte. Die Bundesleitung ist von vornherein zu weitherzig, und so habe ich ihr keine Fragen zu stellen.

Ich bin glücklich, keinerlei Verantwortung zu haben für das, was die Bundesleitung tut, und ihr auch keinerlei Gehorsam zu schulden.

Seien Sie herzlich gegrüßt.

Ihr C.H. Spurgeon

Quelle: C.H. Spurgeon - Alles zur Ehre Gottes Oncken-Verlag Wuppertal und Kassel, 1984

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