Spurgeon, Charles Haddon - Die Botschaft des Heils

„Der Herr ist wahrhaftig auferstanden.“

„Was suchet ihr den Lebendigen bei Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenket daran, wie er euch sagte, da er noch in Galiläa war.“
Lukas 24,5.6

Der erste Tag der Woche war der Tag der Auferstehung Christi, und dem Apostolischen Beispiele folgend, haben wir diesen Tag zu unserm Sabbat gemacht. Deutet uns dies nicht an, daß die Ruhe unsrer Seelen in der Auferstehung unsers Heilandes gefunden wird? Ist es nicht wahr, daß ein klares Verständnis derselben durch die Kraft des heiligen Geistes das sicherste Mittel ist, unsern Herzen Frieden zu bringen? Teil an der Auferstehung zu haben, das heißt: jenen Sabbat genießen, der noch vorhanden ist dem Volke Gottes. Wir, die wir an den auferstandenen Heiland glauben, gehen ein in die Ruhe, wie er selber ruht zu der rechten Hand des Vaters. In ihm ruhen wir, weil sein Werk vollendet ist, sein Auferstehen war das Pfand, daß er Alles vollbracht, was zum Heile seines Volkes notwendig war und daß wir n ihm vollkommen sind. Ich hoffe, daß heute Morgen durch die Macht des heiligen Geistes einige Friedensgedanken in die Seelen der Gläubigen gesät werden, während wir eine Pilgerfahrt nach dem neuen Grabe des Joseph von Arimathia machen und den Platz sehen, wo der Herr lag.

I.

Zuerst will ich heute Morgen mit euch reden über einige lehrreiche Erinnerungen, die sich an den Ort knüpfen, wo Jesus im Tode schlief „wie ein Reicher.“ Er ist nicht da, aber er war doch sicherlich da, denn er war „gekreuzigt, gestorben und begraben.“ Er war so tot, wie die Toten jetzt sind, denn, obgleich er die Verwesung nicht sehen, noch von den Banden des Todes über die bestimmte Zeit hinaus gehalten werden konnte, so war er doch unzweifelhaft wirklich gestorben. Kein Licht war in seinem Auge geblieben, kein Leben in seinem Herzen, der Gedanke war von seiner dorngekrönten Stirn entflohen und die Rede von seinem goldnen Munde; er war nicht bloß dem Anschein nach, sondern in Wirklich tot - der Stich des Speers hatte diese Frage ein für alle Mal entschieden; darum legten sie ihn in die Gruft, einen toten Mann, Einen, der für die schweigende Wohnung des Grabes paßte. Doch, da er jetzt nicht dort ist, sondern auferstanden, so gebührt es uns, nach den Erinnerungen an seinen Aufenthalt dort zu forschen. Nicht um „das heilige Grab“ wollen wir streiten mit abergläubischen Sektierern, sondern im Geiste wollen wir die kostbaren Reliquien unsers entstandenen Erlösers sammeln.

Zuerst hat er in dem Grabe die Spezereien zurückgelassen. als er auferstand, nahm er nicht die wertvollen Gewürze mit sich, in die sein Leib eingewickelt gewesen, sondern ließ sie da. Joseph brachte an hundert Pfund Myrrhen und Aloe und diese Wohlgerüche blieben dort. In dem lieblichsten geistlichen Sinne hat Jesus das Grab mit süßem Duft erfüllt. Es riecht nicht mehr nach Verwesung und Fäulnis, sondern wir können mit dem Dichter des Heiligtums singen:

„Wir legen unsern Leib nun gern
und ohne Zittern in die Gruft,
Da lag der teure Leib des Herrn
Und füllte sie mit süßem Duft.“

Jenes tiefe Bett in der Erde duftet nun nach köstlichen Spezereien und ist geschmückt mit lieblichen Blumen, denn auf sein Kissen legte der treueste Freund, den wir haben, einst sein heiliges Haupt. Wir wollen nicht mit Grauen vor den Kammern des Todes zurückbeben, denn der Herr selber ist durch sie gegangen und wo er gewandelt, da bleibt kein Schrecken.

Der Meister ließ auch seine Grabtücher dahinten. Er kam nicht aus dem Grabe, in ein Leichentuch eingehüllt; er trug das Totenkleid nicht als Gewand des Lebens; als Petrus ins Grab ging, sah er die Leinen sorgfältig bei Seite gelegt. Wie, wenn ich sage, er ließ sie zurück als Vorhänge vor der königlichen Schatzkammer, in der seine Heiligen einschlummern? Seht, wie er unser letztes Lager schmückt! Unser Schlafgemach ist nicht länger traurig und kahl, wie eine Gefängniszelle, sondern mit schönem weißem Linnen und anmutigen Teppichen behangen, ein passendes Zimmer, für die Ruhe der Fürsten von königlichem Stamme! Wir wollen in Frieden in unser letztes Kämmerlein gehen, weil Christus es für uns ausgestattet hat. Oder, wenn wir die Metapher ändern, können wir sagen, daß unser Herr uns diese Grabtücher gelassen als Pfänder seiner Gemeinschaft mit uns in unserm niedrigen Stande und als Erinnerungen, daß wie er die Leichentücher, bei Seite geworfen, auch wir es tun werden. Er ist von seinem Lager aufgestanden und hat seine Schlafgewänder dahinten gelassen, als Zeichen, daß bei unserm Erwachen andre Kleider auch für uns bereit sein werden. Wie, wenn ich wiederum das Bild ändre und sage, daß so wie wir alte zerrissene Fahnen in Kathedralen und anderen öffentlichen Gebäuden aufhängen sehen als Erinnerungen an überwundene Feinde und gewonnene Siege, wo wurden in der Krypta, wo Jesus den Tod besiegte, seine Grabgewänder aufgehangen als Trophäen seines Sieges über den Tod und als Zusicherungen an uns, daß alle die Seinen weit überwinden sollen durch ihn, der sie geliebet. „O Tod, wo ist dein Stachel? O Grab, wo ist dein Sieg?“

Ferner ließ unser Herr beiseits eingewickelt an einem besonderen Ort, das Schweißtuch, das um sein Haupt gebunden war. Dort liegt dies Schweißtuch nun. Der Herr brauchte es nicht, als er ins Leben wiederkehrte. Ihr, die ihr trauert, mögt es als ein Tuch gebrauchen, um eure Augen zu trocknen. Ihr Witwen und ihr vaterlosen Kinder - ihr trauernden Brüder und ihr weinenden Schwestern - und ihr, die wie Rahel, euch nicht trösten lassen wollt, weil es „aus mit euren Kindern“ ist; hier, nehmt dies, das eures Heilandes Antlitz einhüllte und wischt eure Tränen damit ab für immer. Der Herr ist wahrhaftig auferstanden, und darum spricht der Herr also: Laß dein Schreien und Weinen und die Tränen deiner Augen, denn sie sollen wiederkommen aus dem Lande des Feindes, „deine Toten sollen leben.“ O Trauernder - zusammen mit des Herrn totem Leibe werden sie auferstehen; darum trauert nicht wie die, welche keine Hoffnung haben, „denn so wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist, also wird Gott auch, die da entschlafen sind durch Jesum, mit ihm führen.“

Was hat der erstandene Heiland noch mehr dahinten gelassen? Unser Glaube hat gelernt, süße Andenken von der Stätte des ruhigen Schlummers unsers Herrn zu sammeln. Nun wohl, Geliebte, er ließ Engel darin und machte so das Grab zu einer Zelle,

„Wo Engel gehen und kommen
Mit froher Botschaft für die Frommen.“

Engel waren vorher nicht in der Gruft, aber bei seiner Auferstehung kamen sie herab; Einer wälzte des Stein weg und Andre saßen, wo Jesu Leib gelegen. Sie waren die Diener und die Leibwache des großen Fürsten und deshalb bedienten sie ihn bei seinem Auferstehen, hüteten den Eingang und beantworteten die Nachfragen seiner Freunde. Engel sind voller Leben und Kraft, aber sie standen nicht an, sich beim Grabe zu versammeln und die Auferstehung zu schmücken wie die Blumen den Frühling zieren. Ich lese nirgends, daß unser Herr die Engel von den Gräbern seiner Heiligen zurückgerufen hätte; wenn Gläubige sterben, so arm wie Lazarus und so krank und verachtet wie er, doch werden die Engel ihre Seelen in den Schoß ihres Herrn tragen und auch ihre Körper sollen von Schutzengeln bewacht werden so gewiß wie Michael den Leichnam Mosis behütete, und über ihn zankte mit dem Feinde. Die Engel sind beides, die Diener der lebenden Heiligen und die Hüter ihres Staubes.

Was mehr noch ließ der Freund unsrer Seelen zurück? Er ließ einen offenen Ausweg aus dem Grabe hinter sich, denn der Stein war abgewälzt; türenlos ist dieses Haus des Todes. Wir werden an unserm Teil, wenn der Herr nicht sehr bald kommt, in dieses Gefängnis des Grabes hinuntersteigen. Was sagte ich? - Ich nannte es ein „Gefängnis“, aber wie, ein Gefängnis, das keine Riegel oder Gitter hat? - wie, ein Gefängnis, das nicht einmal eine Tür hat, die sich hinter seinen Bewohnern schließt? Unser Simson hat die Pfosten ausgehoben und die Türen des Grabes mit all ihren Riegeln weggetragen. Der Schlüssel ist aus dem Gürtel des Todes genommen und die Hand des Lebensfürsten hält ihn. Das zerbrochene Siegel und die ohnmächtigen Hüter sind Zeichen, daß die Kerker des Todes ihre Gefangenen nicht länger halten können. Wie die Ketten von des Petrus Händen fielen, als der Engel zu ihm kam und die eiserne Tür sich von selbst auftat, so werden die Heiligen am Auferstehungsmorgen den Ausgang selbst offen finden. Sie werden eine Weile schlafen, Jeder an seinem Ruheplatze, aber sie werden rasch auferstehen, denn der Stein ist hinweggewälzt. Ein starker Engel wälzte ihn fort, denn er war sehr groß und als er es getan, setzte er sich darauf. Sein Kleid war weiß wie der Schnee und seine Gestalt wie der Blitz, und als er auf dem Steine saß, schien er zu Tod und Hölle zu sagen: „Wälzt ihn wieder davor, wenn ihr könnt.“

„Lebendig geht der Herr hervor,
Die Feind´ nimmt er gefangen,
Zerbricht der Höllen Schloß und Tor,
Trägt weg den Raub mit Prangen.“

Noch eins wage ich als von meinem Herrn in seinem Grabe zurückgelassen zu bezeichnen. Ich besuchte vor wenigen Monaten mehrere der großen Kolumbarien, die sich außerhalb der Tore Roms befinden. Ihr tretet in ein großes, viereckiges Gebäude unter der Erde und steigt viele Stufen hinab; im Hinabsteigen bemerkt ihr an den vier Seiten des großen Raumes unzählige kleine Taubenlöcher, in welche die Asche von viel Tausenden Verstorbener sich befindet. Gewöhnlich steht vor jedem Fache, das für die Aufnahme der Asche bereitet ist, eine Lampe. Ich habe Hunderte, wo nicht Tausende dieser Lampen gesehen, aber sie sind alle nicht angezündet und scheinen in der Tat niemals gebrannt zu haben: sie werfen keinen Strahl in die Finsternis des Todes. Aber nun unser Herr in das Grab gegangen ist und es mit seiner Gegenwart erhellt hat, „ist die Leuchte seiner Liebe unser Führer durch die Dunkelheit.“ Jesus hat Leben und Unsterblichkeit ans Licht gebracht durch das Evangelium; und nun ist Licht in den Taubenschlägen, wo die Christen ruhen; ja, auf jedem Kirchhof ist Licht, das die Wachen der Erdennacht hindurch brennen soll, bis der Tag anbricht und die Schatten weichen und der Auferstehungsmorgen tagt.

So läßt uns das leere Grab unsers Heilandes manche liebliche Betrachtung, die wir bewahren wollen zu unsrer Unterweisung.

II.

Unser Text spricht ausdrücklich von vergeblichem Suchen: „Was suchet ihr den Lebendigen bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“

Es gibt Orte, wo Die, welche Jesum suchen, nicht erwarten sollten, ihn zu finden, wie eifrig auch ihr Forschen, wie aufrichtig ihr Wunsch sein mag. Ihr könnt einen Mann nicht da finden, wo er nicht ist und es gibt Stellen, wo ihr Christum niemals entdecken werdet. Im gegenwärtigen Augenblick sehe ich Manche nach Christo suchen unter den Monumenten des Zeremonialismus, oder wie Paulus es nennt, „der schwachen und dürftigen Satzungen,“ denn sie „halten Tage und Monde und Feste und Jahreszeiten.“ Seit unser Herr auferstanden sind Judaismus und jede Form symbolischer Zeremonien nichts Besseres als Grabstätten. Die Vorbilder waren von Gott selbst verordnet, aber nun das Wesen gekommen ist, sind die Typen leere Gräber und nichts mehr. Seit jener zeit haben die Menschen andre Symbole erfunden, welche nicht einmal die Weihe göttlicher Autorität haben und nur Gräber für Tote sind. In jetziger Zeit läuft die Welt wie toll ihren Götzen nach, verführt und betrogen von denen, die „um Gott eifern, aber mit Unverstand.“ Gewiß, es gab nie eine Periode, selbst da Rom am meisten herrschte, wo die Menschen so die Zeremonien häuften, wie heutzutage. Sie haben das Christentum zu einem größeren Joch der Knechtschaft gemacht, als selbst das Judentum war; aber vergebens wird irgend eine aufrichtige und erweckte Seele hoffen, Jesum in diesen eitlen Zeremonien zu finden. Ihr mögt stolpern von einem heiligen Tage zu dem andern, und von einem heiligen Orte zu dem andern, und von einem Hokuspokus zu dem andern, aber ihr werdet in keinem den Heiland finden, denn so hat er selber erklärt: „Weder auf diesem Berge, noch zu Jerusalem werdet ihr den Vater anbeten. Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, daß die wahrhaftigen Anbeter werden den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit; denn der Vater will auch haben, die ihn also anbeten.“ Jesus hat den Vorhang zerrissen und den Zeremoniendienst abgetan, und doch suchen Menschen ihn wieder zu beleben und bauen die Grabmäler wiederum auf, die unser Herr niedergebrochen hat. Heute wiederholt er vor unsern Ohren die Warnung: „So bewahret nun eure Seelen wohl, denn ihr habt kein Gleichnis gesehen des Tages, da der Herr mit euch redete aus dem Feuer aus dem Berge Horeb, auf das ihr euch nicht verderbet, und machet euch irgend ein Bild, das gleich sei einem Manne oder Weibe.“ Doch gehen gewisse Männer unter uns darauf aus, die Altäre wieder aufzurichten, die unsre gottesfürchtigen Vorfahren niederbrachen, und das Werk der Reformatoren und Protestanten muß wiederum getan werden. Gott sende uns einen Knox oder einen Luther mit einem mächtigen Hammer, um die Götzen in Stücke zu brechen, welche die Baalspriester aufrichten! Sie suchen den Lebendigen unter den Toten. Jesus ist nicht in ihren Messen oder Prozessionen. Er hat sich erhoben, weit über solche fleischliche Verehrung hinaus. Wäre er ein toter Christus, so wäre vielleicht eine solche Verehrung ein passendes Schaugepränge über seinem Grabe, aber für Einen, der da ewiglich lebet, muß es beschimpfend sein, wenn ihm ein solch materialistischer Dienst dargebracht wird. Ach! es sind viele Andre, die Christum als ihren Heiland unter den Gräbern der moralischen Besserung suchen. Unser Herr verglich die Pharisäer mit übertünchten Gräbern; inwendig warn sie voller Totengebeine, aber auswendig schienen sie hübsch. O, über die Art, auf welche Menschen, wenn sie in Unruhe über ihre Seele geraten, sich zu übertünchen suchen! Irgend eine große Sünde wird aufgegeben, nicht im Herzen, sondern nur im Äußern und eine gewisse Tugend wird gehegt, nicht in der Seele, nur der äußern Tat nach, und so hoffen sie, selig zu werden, obgleich sie noch Feinde Gottes bleiben, Liebhaber der Sünde und gierige Sucher nach dem Lohn der Ungerechtigkeit. Sie hoffen, daß die reine Außenseite der Becher und Schüsseln den allerhöchsten befriedigen und daß er nicht so strenge sein wird, nach dem Inwendigen zu sehen und das Herz zu prüfen. O, Menschen, was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Manche haben in sittlicher Besserung Frieden für ihr Gewissen gesucht, aber wenn der heilige Geist sie wahrhaft von der Sünde überführte, fanden sie bald, daß sie einen lebendigen Christum unter den Gräbern gesucht. Er ist nicht hier, denn er ist auferstanden. Wenn Christus tot wäre, könnten wir euch wohl sagen: „Geht und tut euer Bestes, eure eignen Heilande zu sein,“ aber da Christus lebendig ist, braucht er eure Hülfe nicht, - er will euch retten von Kopf zu Fuß, oder gar nicht. Er will euch das A und das O sein, und wenn ihr eure Hand an sein Werk legt und denkt, daß ihr ihm auf irgend eine Weise helfen könnt, so habt ihr seinen heiligen Namen verunehrt und er will nichts mit euch zu tun haben. Sucht nicht ein lebendiges Heil unter den Grabmälern äußerer Formen.

Zu Viele auch mühen sich ab, den lebendigen Christum unter den Gräbern zu finden, die dicht um den Fuß des Sinai herumliegen; sie suchen das Leben bei dem Gesetz, dessen Amt der Tod ist. Die Menschen meinen, daß sie selig werden sollen dadurch, daß sie Gottes Gebote halten. Sie wollen ihr Bestes tun und denken, daß ihr aufrichtiges Streben angenommen wird und sie so sich selber selig machen werden. Diese selbstgerechte Idee läuft dem ganzen Geist des Evangeliums schnurstracks zuwider. Das Evangelium ist nicht für die, welche sich selber selig machen können, sondern für die, welche verloren sind. Wenn ihr euch selber retten könnt, geht und tut es und spottet nicht eures Heilandes mit euren heuchlerischen Gebeten. Geht und stolpert umher unter den Gräbern des alten Israel und kommt um, wie es ihnen erging in der Wüste, denn in die Ruhe kann Moses und das Gesetz euch nimmermehr führen. Das Evangelium ist für Sünder, die nicht das Gesetz halten können, die es gebrochen haben, straffällig geworden sind, und dieses wissen und bekennen. Für Solche ist ein lebender Heiland gekommen, um ihre Übertretungen zu tilgen. Sucht nicht die Seligkeit durch des Gesetzes Werke, denn durch dieselben wird kein Fleisch gerecht. Durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde und nichts mehr; aber Gerechtigkeit, Friede, Leben, Seligkeit kommen durch den Glauben an den lebendigen Herrn Jesum Christum und durch keine andern Mittel. „Glaube an den Herrn Jesum Christum, so wirst du selig werden.“ Aber wenn du damit umgehst, deine eigne Gerechtigkeit aufzurichten, so wirst du sicherlich umkommen, weil du die Gerechtigkeit Christi verworfen hast.

Noch Andre gibt's, die den lebendigen Jesum unter den Gräbern suchen, indem sie nach etwas Gutem in der menschlichen Natur forschen, in ihren eignen natürlichen Herzen und Neigungen. Ich kann euch jetzt sehen, denn ich habe euch lange gekannt und dies ist immer eure Torheit gewesen, ihr geht in das Leichenhaus eurer eignen Natur und sagt: „Ist Jesus hier?“ Geliebte, ihr seid traurig und gedrückt, und mich wundert es nicht. Blickt auf jene verdorrten Gebeine und bleichenden Skelette. Seht diesen Haufen Fäulnis, diese verwesende Masse, diesen Leib des Todes - könnt ihr es ertragen? „Ach,“ sagst du, „ich bin in der Tat ein elender Mensch, aber mich verlangt darnach, etwas Gutes in meinem Fleische zu finden.“ O Geliebte, ihr seufzet vergeblich, ihr könntet ebenso wohl die Hölle durchforschen, um den Himmel in ihr zu finden, als in eurer eignen fleischlichen Natur nach Trost suchen. Sehet heute, Gott hat die alte Natur aufgegeben und dem Tode überlassen. Unter dem alten Gesetz war die Beschneidung, das „Abtun des Unflats am Fleisch,“ als wenn nach dem Abtun dieses Unflats das Fleisch vielleicht besser würde, aber jetzt unter dem neuen Bunde haben wir ein viel tieferes Symbol, denn „wisset ihr nicht, daß alle, die wir in Jesum Christ getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir je mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf daß, gleichwie Christus ist auferwecket von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln.“ Der alte Mensch ist begraben, wie ein Leichnam aus dem nichts Gutes kommen kann. „Dieweil wir wissen, daß unser alter Mensch samt ihm gekreuzigt ist, auf daß der sündliche Leib aufhöre, daß wir hinfort der Sünde nicht dienen.“ Gott versucht nicht, den alten fleischlichen Leib zu erneuern, sondern uns neue Kreaturen in Christo Jesu zu machen. Wenn Jemand beständig in der Selbstbeschauung verharrt, in der Absicht, dadurch Trost zu finden, kann er ebenso wohl Eisblöcke von Wenham aufhäufen in der Absicht, eine Stadt niederzubrennen. Ihr könnt viel eher hoffen, Diamanten im Straßenkehricht zu finden, als etwas Tröstliches, wenn ihr eure Stimmungen und Gefühle, eure Gedanken und Einbildungen umblättert. „Er ist nicht hier,“ spricht eure ganze Natur. Er ist nicht hier, er ist auferstanden; und Trost müßt ihr allein bei ihm suchen, der über den Himmeln thronet.

Wiederum haben nur zu Viele versucht, Christum in den düstern Katakomben weltlicher Philosophie zu finden. Am Sonntag z.B. mögen sie gern eine Predigt haben voller Gedanken - Gedanke ist in der modernen Bedeutung des Worts etwas, das über die einfache Bibellehre hinaus, wo nicht ihr entgegengesetzt, ist. Wenn ein Mann seinen Hörern mitteilt, was er in der Schrift findet, so heißt es, er „bringt Plattheiten vor;“ aber wenn Jemand die Leute mit seinen eignen Träumereien amüsiert, wie immer diese auch den Gedanken Gottes zuwider laufen mögen, so ist er ein „denkender Mann,“ ein „höchst geistreicher Prediger.“ Es gibt Einige, die über Alles das Gemurmel der Tagträumer und die Roheiten der Skeptiker lieben. Wenn sie hören können, was ein ungläubiger Professor gegen die Inspiration gesagt hat, wenn man ihnen die neueste Blasphemie auftischt, so fühlen einige Hörer, daß sie Fortschritte machen in jener höhern Bildung, die heutzutage so gerühmt wird. Aber, glaubt mir, die Fledermaushöhlen einer falschen Philosophie und vergeblichen Wissenschaft sind wieder und wieder durchforscht, aber das Heil wohnt nicht in ihnen. In den Tagen des Paulus gab es Gnostiker, welche allen gewundenen Pfaden eitler Gelehrsamkeit nachgingen, aber sie entdeckten nur „ein anderes Evangelium, das kein anderes war.“ Die Welt lernte Gott nicht kennen durch ihre Weisheit. Nachdem wir in den traurigen Katakomben der Philosophie umher gewandert, kommen wir zurück, um die frische Luft des lebendigen Wortes zu atmen und in Betreff der Irrgänge der Wissenschaft stoßen wir nur das Wort heraus - „Er ist nicht da.“ Die Vernunft hat ihn nicht gefunden in ihren tiefsten Nachgrabungen, noch die Spekulation in ihrem höchsten Fluge, obgleich er in der Tat „nicht ferne von einem Jeglichen unter uns ist.“ Athen hatte seinen unbekannten Gott, aber im einfachen Evangelium ist Gott bekannt in der Person Jesu. Sokrates und Plato hielten ihre Lichter empor, aber Jesus ist die Sonne. Unsre Modernen mäkeln und disputieren, und doch ist ein lebendiger Christus unter uns, der Sünder bekehrt, Heilige tröstet und Gott verherrlicht. Wenn der Herr eine tote Frage für Debatten wäre, könnte die Philosophie uns helfen, aber da er eine lebendige Macht ist, so ist ein Sandkorn Glauben an ihn besser als Berge von Philosophie. O ihr, die ihr das innere Leben nicht kennt und den lebendigmachenden Geist, was habt ihr mit dem auferstandenen Herrn zu tun? Der Wurm der Verwesung könnte ebenso wohl Richter der Cherubim werden, wie ihr die Schiedsrichter der Wahrheit in Betreff Jesu unsers Herrn.

Wie sehnlich wünsche ich, daß ihr, die ihr das Heil in irgend einer dieser Richtungen gesucht habt, diese hoffnungslose Arbeit aufgeben möchtet und es verstehen, daß Christus euch nahe ist und wenn „ihr mit dem Herzen an ihn glaubet und mit dem Munde ihn bekennet, so werdet ihr selig.“ „Wendet euch zu mir, so werdet ihr selig, aller Welt Ende, denn ich bin Gott und keiner mehr;“ dies ist sein Ruf an euch. „Der Glaube kommt aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Gottes.“ „Glaube an den Herrn Jesum Christ, so wirst du selig.“ Jesus lebet noch und kann selig machen immerdar. Alles, was ihr zu tun habt, ist: einfach den Blick des Glaubens auf ihn zu richten: durch diesen Glauben wird er euer und ihr sein selig, aber o! sucht nicht den Lebendigen bei den Toten, denn er ist auferstanden.

III.

Wir wollen eine andre Saite anschlagen und drittens unpassende Wohnstätten betrachten. Die Engel sprachen zu den Weibern: „Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“ Als wollten sie sagen: - da er lebendig ist, weilt er hier nicht. Der lebende Christus hätte in dem Grabe niedersitzen können - er hätte die Grabstätte zu seinem Ruheplatz erwählen können, aber das wäre nicht angemessen gewesen; so lehrt er uns heute, daß Christen an Orten weilen sollen, die sich für sie schicken. Ihr seid mit Christo auferstanden, ihr solltet nicht in Gräbern wohnen. Ich werde nun zu denen reden, welche in den Grabstätten leben, obgleich sie von den Toten auferstanden sind.

Einige von diesen sind vortreffliche Leute, aber ihr Temperament, und vielleicht irrige Überzeugungen von ihrer Pflicht, bringen sie dahin, daß sie beständig trübe und verzagt sind. sie hoffen, daß sie an Christum glauben, aber sie sind des nicht gewiß; sie glauben, daß sie selig werden, aber sie wollen nicht so vermessen sein, es zu sagen. sie wagen nicht, glücklich zu sein in der Überzeugung, daß sie „angenehm gemacht sind in dem Geliebten.“ Sie lieben die klagende Saite der Harfe, sie trauern um einen abwesenden Gott. Sie hoffen, die Erfüllung der göttlichen Verheißungen; sie glauben, das sie vielleicht eines Tages ins Licht versetzt und ein wenig von dem Glanz der Liebe des Herrn schauen werden, aber jetzt sind sie „zu Leiden gemacht, (Ps. 38,18) sie sitzen im Schatten des Todes und ihre Seele trägt eine schwere Bürde.“ Lieber Freund, hältst du dies für die angemessene Gemütsverfassung eines Christen? Ich will keinen Augenblick dir dein Christentum absprechen, denn ich habe nicht halb so viel Zweifel daran, wie du; ich habe eine bessere Meinung von dir, als du selber. Der allerzitterndste Gläubige ist errettet und dein geringer Glaube wird dich selig machen; aber meinst du wirklich, Christus wolle, daß du bleibst, wo du bist und in dem kalten, schweigsamen Grabe unter Staub und Asche sitzest? Warum willst du unter der Erde bleiben? Warum nicht in deines Herrn Garten kommen, wo die Blumen Wohlgeruch ausduften? Warum dich nicht des frischen Lichtes der vollen Gewißheit erfreuen und des süßen Hauches der Tröstungen des Geistes? Es war ein Wahnsinniger, der in den Gräbern wohnte, ahme ihm nicht nach. Sage nicht, ich bin ein so großer Sünder gewesen, dies ist alles, was ich zu erhalten verdiene; denn wenn du von Verdienen sprichst, so hast du das Evangelium schon verlassen. Ich weiß, du glaubst an Jesum und du würdest nicht um die ganze Welt deine Hoffnung aufgeben: ihr fühlt trotz alledem, daß er euch ein köstlicher Christus ist; kommt denn, freuet euch in ihm, obgleich ihr euch nicht in euch selber freuen könnt. Kommt, Geliebte, kommt heraus aus diesem traurigen Gewölbe, verlaßt es jetzt gleich! Ob ihr gleich unter den Töpfen (Psalm 68,14 nach dem Englischen) gelegen habt, sollt ihr nun sein als der Tauben Flügel, die wie Silber und Gold schimmern. Euer Meister kommt jetzt zu euch und spricht: „Meine Taube in den Felslöchern, in den Steinritzen, zeige mir deine Gestalt, laß mich hören deine Stimme; denn deine Stimme ist süße und deine Gestalt lieblich.“ Glieder an dem Leibe eines auferstandenen Heilandes, wollt ihr noch im Grabe liegen? Steht auf und geht von dannen! Zweifelt nicht länger. O Gläubiger, was hast du für Ursache, an deinem Gott zu zweifeln? Hat er dir je gelogen? Stelle nicht länger die Kraft des kostbaren Blutes in Frage. Warum wolltest du daran zweifeln? Ist es nicht im Stande, dich von der Sünde zu reinigen? Frage nicht länger, ob du selig wirst oder werden kannst, - wenn du glaubest, so bist du so geborgen, wie Christus selbst. Du kannst ebenso wenig umkommen, als Christus, wenn du auf ihn dich verläßt - sein Wort hat es verbürgt, seine Ehre ist darin verflochten, er wird dich sicher zu der verheißenen Ruhe bringen; deshalb sei froh. Ich habe einen Bruder gekannt, der so lange in den Höhlen und Katakomben lebte, daß er seine Brüder verdammte, weil sie im Sonnenlicht leben und sagte: „Ich kann nicht verstehen, wie ein Mensch so zuversichtlich sprechen kann, ich versteh´ es nicht.“ Mein Bruder, deshalb, weil du es nicht verstehen kannst, ist es noch nicht unrecht. Es gibt sehr Vieles an den Adlern, was die Eulen nicht verstehen. Ihr, die ihr euch beständig in dieser Weise abmüht und quält, sündigt gegen Gott, ihr betrübt seinen Geist, ihr handelt nicht eurem christlichem Bekenntnis gemäß, und doch richtet ihr Andre, die glauben, daß Gott wahrhaftig ist und ihn beim Worte nehmen und deshalb Freude und Trost aus seinen Verheißungen erhalten. Tut das nie, es würde in der Tat gottlos von euch sein, euch zum Richter aufzuwerfen. Bittet statt dessen den Herrn, das Licht seines Angesichtes über euch zu erheben, euch Frieden und Freude im Glauben zu verleihen, denn er spricht: „Freuet euch des Herrn, ihr Gerechten, die Frommen sollen ihn schön preisen.“ Komm´ aus dem Grabe heraus, lieber Bruder, denn Jesus ist nicht hier und wenn er nicht hier ist, warum solltest du es sein? Er ist auferstanden. Erhebe auch du dich auf zum Trost in seines Geistes Kraft!

Eine andre Art Leute scheint unter den Gräbern zu wohnen: ich meine, Christen - und ich glaube, wirkliche Christen - welche sehr, sehr weltlich sind. Es ist keine Sünde für einen Mann, eifrig in seinem Geschäft zu sein, aber es ist ein betrübender Fehler, wenn der Eifer im Geschäft die Inbrunst im Geiste zerstört, und wenn man Gott im täglichen Leben nicht dient. Ein Christ sollte fleißig sein, so daß er sich redlich ernährt, aber es gibt Einige, welche damit nicht zufrieden sind. Sie haben genug, aber sie begehren mehr und wenn sie mehr haben, so strecken sie noch ihre Arme aus wie das Meer, um das ganze Ufer hineinzuziehen, und ihr Hauptgedanke ist nicht Gott, sondern Gold; nicht Christus, sondern Reichtum. O Brüder, Brüder, erlaubt mir, euch ernstlich zu strafen, damit euch nicht eine strenge Strafe von der Vorsehung zuteil wird. Christus ist nicht hier. Er wohnt nicht in Silberhaufen. Ihr mögt sehr reich sein und doch in dem allen Christum nicht finden; ihr mögt arm sein und doch, wenn Christus mit euch ist, glücklich wie die Engel. Er ist nicht hier, er ist auferstanden! Ein Marmorgrab konnte ihn nicht einschließen, und ein goldnes Grab hätte ihn nicht zurückhalten können. Last es euch nicht halten. Löst die Leichentücher eures Herzens ab; werfet alle Sorge auf Gott, denn er sorget für euch. Laßt euren Wandel im Himmel sein! Trachtet nicht nach dem, was auf Erden ist, sondern nach dem, das droben ist, da Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.„

Noch Eins über diesen Punkt, eine Sache, die noch betrübender ist, es gibt einige Bekenner des Christentums, die in dem Leichenhause der Sünde leben. Doch sagen sie, daß sie zum Volke Christi gehören. Nein, ich will nicht sagen, daß sie darin leben, aber sie tun, was vielleicht schlimmer ist, - sie gehen zur Sünde, um ihr Vergnügen da zu finden. Ich glaube, wir können einen Menschen mehr nach dem beurteilen, worin er sein Vergnügen findet, als vielleicht nach irgend etwas Anderem. Jemand mag sagen: „Ich nehme nicht regelmäßig an den Lustbarkeiten der Welt Teil; man findet mich nicht stets da, wo Sünde mit der Freude gemischt ist und wo die Weltlinge am Rande der Hölle tanzen, aber ich gehe dann und wann hin zu einem besondern Vergnügen.“ Ich kann nicht umhin, die Bemerkung von Rowland Hill zu zitieren, der, als er einem Mitglied seiner Kirche begegnete, der ins Theater ging, zu ihm sagte: „Ich höre, Sie besuchen das Theater.“ „Nein,“ sagte dieser, „ich gehe nur dann und wann zum besondern Vergnügen hin.“ „Ach,“ sagte Hill, „das macht es um so schlimmer. Denken Sie sich: Jemand sagt: `Hill ist ein sonderbares Wesen, er ißt verfaultes Fleisch!´ Ich werde gefragt, `Ist es wahr, daß Sie sich von faulem Fleisch nähren?´ `Nein, ich esse für gewöhnlich kein Aas, nur dann und wann zum besondern Vergnügen!´ Nun, da würden Sie doch denken, daß ich ekelhafter wäre, als wenn ich es regelmäßig äße.“ Es ist viel Schlagendes in der Bemerkung. Wenn irgend etwas, das ans Unreine und Wollüstige grenzt, ein Vergnügen für euch ist, nun, dann ist euer Herz selbst unrein, und ich sucht euren Trost und eure Freude unter den Toten. Es gibt Einiges, worin heutzutage Menschen ihr Vergnügen finden, das nur geeignet ist, Idioten zum Lachen zu bringen oder Engel zum Weinen. Seid wählerisch, christliche Männer und Frauen in eurer Gesellschaft. Ihr seid Christi Brüder, wollt ihr euch mit den Söhnen Belials verbinden? Ihr seid Erben der Vollkommenheit in Christo, ihr seid schon jetzt mit fleckenlosem Linnen bekleidet und schön und lieblich in den Augen Gottes; ihr seid ein königliches Priestertum, ihr seid die Erwählten der Menschheit; wollt ihr eure Kleider durch den Schmutz schleifen und euch zum Spott der Philister machen? Wollt ihr euch zu den armseligen Kindern der Welt gesellen? Nein, handelt eurer Abkunft gemäß und eurer neugebornen Natur, such niemals den Lebenden unter den Toten. Jesus war nie dort, gehet ihr nicht dorthin. Er leibte nicht den Lärm und den Tumult der weltlichen Vergnügungen; er hatte Speise einer andern Art. Gott gebe euch, das Auferstehungsleben stark in euren Seelen zu fühlen.

IV.

Aber ich gehe weiter. Viertens will ich euch vor unvernünftigem Gottesdienst warnen. Diese guten Weiber, zu denen die Engel sprachen: „Er ist nicht hier, sondern auferstanden,“ kamen beladen, und was trugen sie? Was tragen Johanna und ihre Mägde und Maria, was tragen sie? Nun, weißes Leinen, und was mehr? Ganze Pfunde Spezereien, die kostbarsten, die sie kaufen konnten. Was wollen sie tun? Ah, wenn ein Engel lachen könnte, so dächte ich, er müßte gelächelt haben, als er fand, daß sie kamen, um Christum einzubalsamieren. „Nun, er ist nicht hier; und was mehr ist, er ist nicht tot, er braucht kein Einbalsamieren, er ist lebendig.“ Ihr hättet überall in England am Stillfreitag und auch an diesem Ostersonntag eine Menge Leute, ich zweifle nicht, sehr aufrichtig meinende Leute, sehen können, die kamen, um Christum einzubalsamieren. Sie läuteten die Totenglocke, weil er tot war, und sie hingen Krepp über das, was sie ihre Altäre nennen, weil er tot war und sie fasteten und sangen Trauer-Lieder über ihrem toten Heilande. Ich lobe den Herrn, mein Erlöser ist nicht tot, und ich habe auch keine Trauerglocken für ihn zu läuten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier! Hier kommen sie, Haufen von ihnen mit ihrem weißen Leinen und ihren kostbaren Spezereien, einen toten Christus darin einzuwickeln. Sie die Menschen wahnsinnig? Aber, sagen sie, wir haben es nur wieder dargestellt. O, war es das? Aufgeführte Charaden waren es? Die erhabene Versöhnung auf Golgatha als ein Drama spielen! Dann klage ich die Spieler der Lästerung an vor dem Throne des ewigen Gottes, der meine Worte hört; ich beschuldige sie der Profanierung, da sie es wagen, das mimisch darzustellen, was einst getan ward und für immer getan ward und niemals wiederholt werden soll. Nein, ich kann nicht glauben, daß sie das große Opfer nachäffen wollten und deshalb schließe ich, daß sie ihren Heiland für tot hielten und darum sagten: „Läutet die Glocke für ihn! Kniet nieder und weint vor seinem Bilde an einem Kreuze.“ Wenn ich glaube, daß Christus am Stillfreitag gestorben wäre, so würde ich den ganzen Tag ein Fest halten, weil sein Tod vorüber ist; da er das hohe Fest des Abendmahls zu seinem Gedächtnis verordnet hat, so würde ich seinem Geheiß folgen und kein Fasten halten. Wer würde niedersitzen und über einen Freund weinen, der einst tot war, wenn er ihn dem Leben wiedergegeben und zur Macht erhöht wüßte? Warum die Glocke für einen lebenden Freund läuten? Indes, ich verdamme diese guten Leute nicht mehr, als die Engel jene heiligen Weiber verdammten, nur mögen sie ihre Spezereien nach Hause nehmen und ihr weißes Leinen auch, denn Jesus lebt und braucht dessen nicht. In einer andern Weise tun viele geschäftige Leute dasselbe. Seht, wie sie herankommen zur Verteidigung des Evangeliums. die Geologie und Arithmetik haben die Entdeckung gemacht, daß Moses sich geirrt hat. Sogleich gehen Viele aus, um Jesum Christum zu verteidigen. Sie bringen Beweise für das Evangelium und entschuldigen es, als wenn es ein wenig veraltet wäre und wir es etwas ausbessern müßten, damit es zu den neueren Entdeckungen und den Philosophien der gegenwärtigen Periode paßte. Das scheint mir gerade, als wenn man mit Leinwand und köstlichen Spezereien käme, um ihn darin einzuwickeln. Nehmt sie hinweg. Mir steht es zur Frage, ob nicht solche Beweise mehr Ungläubige gemacht, als geheilt haben und ob nicht die meisten Verteidigungen des Evangeliums schiere Impertinenzen sind. Das Evangelium braucht keine Verteidigung. Wenn Jesus Christus nicht lebt und nicht seine eignen Schlachten kämpfen kann, dann steht´s schlimm um das Christentum. Aber er ist da und wir haben nur das Evangelium in all´ seiner nackten Einfachheit zu predigen, so wird die Kraft, welche dasselbe begleitet, der Beweis seiner Göttlichkeit sein. Kein anderer Beweis wird jemals die Menschheit überzeugen. Apologien und Verteidigungen sind ohne Zweifel gut gemeint, das Einbalsamieren war auch gut gemeint von diesen heiligen Weibern, aber sie haben geringen Wert. Gebt Christo Raum, gebt seinen Predigern Raum und Gelegenheit, das Evangelium zu predigen und laßt die Wahrheit in einfacher Sprache verkündet werden und ihr werdet bald den Meister sagen hören: „Nehmt die Spezereien weg, nehmt das Leinen weg! Ich bin lebendig, ich brauche dies nicht.“

Wir sehen dasselbe in andern guten Leuten, die Kämpfer für das Altmodische, Stereotype sind. Sie wollen Alles genau so haben, wie es vor hundert oder zweihundert Jahren war. Die puritanische Regel muß aufrecht gehalten werden, es darf keine Abweichung davon stattfinden und die Weise, das Evangelium zu verkünden, muß genau dieselbe Weise sein, in welcher der gute, alte Doktor Sound es getan, und auf der Kanzel muß die furchtbarste Trockenheit herrschen, die nur möglicherweise erreicht werden kann und der Prediger muß andächtig langweilig sein und der ganze Gottesdienst so, wie es „sich gehört“ - Massen von Spezereien und feiner Leinwand, um einen toten Christus darin einzuwickeln. Mir macht´s Freude, konventionelles Herkommen nieder zu brechen. Es ist etwas Großes, seinen Fuß mitten durch bloß menschliche Ordnungen zu setzen, weil das leben nicht niedergehalten werden kann durch Regulierungen, die nur für die Toten passen. Der Tod liegt eingewickelt wie eine Mumie im Museum - er wird immer tun, was „sich gehört,“ oder vielmehr, er wird überhaupt nichts tun; aber das Leben, das wirkliche Leben wird sich in unerwarteter Weise zeigen. Das Leben wird sagen, was der Tod nicht sagen konnte, es wird ausbrechen, wo man es nicht erwartete und all´ eure Gesetze und Ordnungen in tausend Stücke brechen. Aber noch immer sehe ich die guten Leute ihre Hände in Entsetzen aufheben und ausrufen: „Bringt das Arabische Gummi her, die Myrrhen und Aloe, bringt die Leinwand her: wir müssen für unsern lieben toten Meister Sorge tragen.“ Laß ihn in Ruh´, laß ihn in Ruh´, Mann, er lebt, und hat dein Einwickeln nicht nötig. Ich stehe nicht an, zu sagen, daß ein großer Teil der Kirchenordnungen unter Dissentern, Episkopalen, Presbyterianern und allen Arten Sekten und ein großer Teil des Herkommens und Dekorums, der Regulierungen und das: „Wie es am Anfange war, jetzt ist und immer sein soll,“ - nur ebenso viele Spezereien und leinen für einen toten Christus sind, und Christus ist lebendig und was Not tut, das ist: ihm Raum zu geben! Ich sage dies nicht um meinetwillen - bin ich nicht immer, wie „es sich gehört?“ - aber ich sage es um ernster Evangelistenbrüder willen, welche, wenn sie den Armen predigen, in der Sprache und vielleicht in Handlungen extravagant sind. Laßt sie so sein. Die Tadler sagen, sie sind theatralisch. War jemals irgend Jemand halb so theatralisch als Hesekiel? Taten nicht alle Propheten sonderbare Dinge, um die Aufmerksamkeit des Volkes zu erregen? Und wie? dieselbe Klage wurde gegen Whitfield und Wesley vorgebracht - „diese Leute durchbrechen alle Regeln“ usw. Welch´ ein Segen ist es, wenn Menschen das tun können“ Hill ging nach Schottland, um das Evangelium zu predigen und man sagte, er ritte auf dem Rücken aller Ordnung und alles Dekorums. Da sagte er: „Ich will meine beiden Pferde mit diesen Namen benennen und so es wahr machen.“ Es war wahr; ohne Zweifel, er ritt auf dem Rücken der Ordnung und des Dekorums, aber er zog Seelen zu Christo mit diesen seltsamen zwei Rossen und sein Durchbrechen der Regeln befähigte ihn, Männer und Frauen zu erreichen, die in andrer Weise nie erreicht wären. Seid bereit, Christum in Freiheit zu setzen und gebt seinen Dienern Freiheit, ihm zu dienen, wie der Geist Gottes sie führt.

V.

Ich wollte zuletzt noch sprechen von den wunderbaren Nachrichten, welche diese guten Frauen erhielten: - „Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“ Das waren staunen erregende Nachrichten für seine Feinde. Sie sprachen: „Wir haben ihn getötet - wir haben ihn ins Grab gelegt; es ist Alles vorbei mit ihm.“ Aha! Schriftgelehrte, Pharisäer, Priester, was habt ihr getan? Euer Werk ist vernichtet, denn er ist auferstanden! Es war eine staunen erregende Nachricht für Satan. Er träumte ohne jeden Zweifel, daß er dem Heiland Verderben gebracht, aber er ist auferstanden! Was für ein Erbeben ging durch alle Regionen der Hölle! Welche Nachricht war es für das Grab! Nun war es zerstört und der Tod hatte seinen Stachel verloren! Welche Nachricht war es für zitternde Heilige! „Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Sie faßten Mut und sprachen: Die gute Sache ist noch immer die rechte und wird siegen, denn unser Christus steht lebendig an ihrer Spitze. Es war eine gute Nachricht für Sünder. Ja, es ist eine gute Nachricht für jeden Sünder hier. Christus lebt; wenn ihr ihn sucht, werdet ihr ihn finden. Es ist kein toter Christus, zu dem ich euch heute weise. Er ist auferstanden; und er kann selig machen immerdar, die durch ihn zu Gott kommen. Es gibt keine bessere Nachricht für Traurige, für Elende, Verzagte und Verzweifelnde, als diese: - der Heiland lebt, ist im Stande, selig zu machen und willig, euch in sein liebevolles Herz aufzunehmen. Dies war eine frohe Nachricht, Geliebte, für alle Engel und alle Geister im Himmel: frohe Nachrichten in der Tat für sie. Und heute soll es uns eine frohe Nachricht sein und wir wollen in der Kraft derselben leben mit Hilfe seines Geistes, wir wollen es unsern Brüdern sagen, daß sie sich mit uns freuen und wir wollen nicht länger verzagen. Wir wollen nicht mehr den Zweifeln und Befürchtungen Raum geben, sondern Einer zum Andern sagen: „Er ist wahrhaftig auferstanden, darum laßt unsre Herzen froh sein.“ Der Herr segne euch und wenn wir zu seinem Tische kommen, was, wie ich hoffe, viele von den Seinen tun werden, laßt uns unserm auferstandenen Meister begegnen. Amen.

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