Spurgeon, Charles Haddon - Das Blut des Passahlammes

Und Mose rief alle Ältesten Israels und sprach zu ihnen: Greifet und nehmet euch Kleinvieh nach euren Familien und schlachtet das Passah; und nehmet einen Büschel Ysop und tauchet ihn in das Blut, das in dem Becken ist, und streichet von dem Blute, das in dem Becken ist, an die Oberschwelle und an die beiden Pfosten; ihr aber, keiner von euch soll zur Türe seines Hauses hinausgehen bis an den Morgen. Und der HERR wird hindurchgehen, die Ägypter zu schlagen; und sieht er das Blut an der Oberschwelle und an den beiden Pfosten, so wird der HERR an der Tür vorübergehen und wird dem Verderber nicht erlauben, in eure Häuser zu kommen, um zu schlagen. Und ihr sollt dieses beobachten als eine Satzung für dich und deine Kinder ewiglich. Und es soll geschehen, wenn ihr in das Land kommet, das der HERR euch geben wird, so wie er geredet hat, so sollt ihr diesen Dienst beobachten. Und es soll geschehen, wenn eure Kinder zu euch sagen werden: Was soll euch dieser Dienst? so sollt ihr sagen: Es ist ein Passahopfer dem HERRN, der an den Häusern der Kinder Israel in Ägypten vorüberging, als er die Ägypter schlug und unsere Häuser rettete. Und das Volk neigte sich und betete an.
(2. Mose 12,21 - 27)

Das Passahlamm war ein besonderes Vorbild auf unseren Herrn Jesus Christus. Wir entnehmen das nicht allein der Tatsache, daß alle Opfer der alten Zeit Abschattungen des einen wahren und wirklichen Opfers waren, sondern es wird uns auch im Neuen Testament versichert, daß Christus unser Passahlamm ist.

Wie das Passahlamm ohne Fehl sein mußte, so war es unser Herr und das Töten und Rösten des Lammes bildete den Tod und das Leiden Christi vor. Selbst bezüglich der Zeit entsprach das Vorbild dem Christus, denn die Zeit seiner Kreuzigung war die des Passahfestes. Wie das Siegel dem Stempel, so entspricht der Herr in vielen Einzelheiten dem Passahzeremoniell. Wir sehen ihn, als er wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt wird. Wir sehen sein vergossenes und gesprengtes Blut, wir sehen ihn im Feuer der Leiden gemartert und im Glauben genießen wir ihn und würzen das Mahl mit den bitteren Kräutern der Buße. Wir sehen Jesus und das Heil, wo das fleischliche Auge nur ein geschlachtetes Lamm und ein vom Tod errettetes Volk sieht. In dem Passahzeremoniell legt der Heilige Geist besonderen Nachdruck auf die Sprengung des Blutes. Dasjenige, dem die Menschen sich so sehr widersetzen, stellt er mit Nachdruck als das Hauptsächliche der Offenbarung vor. Das Blut des erlesenen Lammes wurde in ein Becken aufgefangen und nicht nutzlos verschüttet, denn das Blut Christi ist wertvolles Blut. In dieses Becken wurde ein Büschel Ysop getaucht. Die Zweige dieses kleinen Strauches nehmen eine Menge Tropfen auf, die leicht gesprengt werden konnten. Dann ging der Vater der Familie hinaus und bestrich mit diesem Ysop die Oberschwelle und die beiden Seitenpfosten der Tür und so wurde das Haus durch drei blutrote Striche gekennzeichnet.

Die Unterschwelle wurde nicht mit Blut bestrichen. Wehe dem Menschen, der das Blut Christi mit Füßen tritt und es für etwas Unheiliges hält! Ach, ich fürchte, daß viele das tun - nicht nur Kinder der Welt, sondern selbst solche, die sich für Christen halten.

Der Wert des gesprengten Blutes

Ich betone zunächst, daß das Blut das nationale Kennzeichen war und blieb. Wenn ihr in der Nacht des Passahfestes durch die Straßen von Memphis oder Ramses hättet gehen können, hättet ihr durch ein sichtbares Zeichen erkennen können, wer zu den Israeliten und wer zu den Ägyptern gehörte. Es war nicht nötig, unter dem Fenster eines Hauses auf die Sprache derer zu lauschen, welche drinnen wohnten. Der Israelit hatte das Blutzeichen an seiner Tür und der Ägypter hatte es nicht. Beachtet, daß dies auch heute noch der große Unterschied zwischen den Kindern Gottes und den Kindern des Bösen ist. Es gibt eigentlich nur zwei Gemeinschaften auf dieser Erde: die Gemeinde und die Welt. Die, welche in Jesus Christus gerechtfertigt und die, welche in ihren Sünden verdammt sind. Wer an den Sohn Gottes als an das vollgültige Opfer für die Sünde glaubt, hat das Heil und wer nicht an ihn glaubt, wird in seinen Sünden sterben. Das wahre Israel vertraut dem Opfer, das einmal für die Sünde geopfert worden ist. Es ist seine Ruhe, sein Trost, seine Hoffnung.

Die, welche ihr Vertrauen nicht auf das Versöhnungsopfer setzen, verwerfen Gottes Rat und offenbaren ihren wahren Charakter und ihren Zustand. Wer die von Gott gestiftete Versöhnung nicht annimmt, muß seine eigene Missetat tragen. Ich frage nicht danach, welcher Art eure angenommene Gerechtigkeit sein mag und wie ihr euch Gott angenehm machen wollt. Wenn ihr seinen Sohn verwerft, wird er euch verwerfen. Wenn ihr ohne das sühnende Blut vor Gott kommt, habt ihr keinen Teil an dem Bundeserbe, und ihr werdet dem Volk Gottes nicht zugezählt. Das Opfer ist das nationale Kennzeichen des geistlichen Israel, und wer es nicht hat, der ist ein Fremder. Er hat kein Erbe unter denen, die geheiligt werden, er wird den Herrn der Herrlichkeit nicht sehen.

Wie es das nationale Kennzeichen war, so war es damals auch ein rettendes Zeichen. In jener Nacht schlug der Todesengel hoch und niedrig, den Erstgeborenen der Fürsten und den Erstling des Viehs, so daß in jedem Haus und in jedem Stall ein Toter war. Wo er das Blutzeichen sah, kehrte er nicht ein, um zu töten. Sonst aber traf die Rache des Herrn überall die Rebellen.

Die Worte sind beachtenswert: „Der Herr wird an der Tür vorübergehen und wird dem Verderber nicht erlauben, in eure Häuser zu kommen, euch zu schlagen.“ Was hält das Schwert zurück? Nichts als der Blutfleck an der Tür. Das Lamm ist geschlachtet worden, und sie haben ihre Häuser mit dem Blut besprengt, darum sind sie sicher. Die Kinder Jakobs waren weder reicher, noch weiser, noch stärker, noch geschickter als die Kinder Hams, aber sie waren durch Blut erlöst, darum blieben sie am Leben, während jene anderen das erlösende Zeichen nicht kannten und deswegen starben.

Als Jericho fiel, war das eine Haus, das stehen blieb, dasjenige, aus dessen Fenster das rote Seil hing. Wenn der Herr die Menschen um der Sünde willen heimsucht, wird der bewahrt bleiben, welcher den Herrn Jesus kennt. „In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Vergehen, nach dem Reichtum seiner Gnade.“ Ich lenke eure besondere Aufmerksamkeit jetzt auf die Worte im Vers 23: „Und der Herr wird durch das Land gehen, um die Ägypter zu schlagen. Sieht er das Blut an der Oberschwelle und an den beiden Türpfosten, wird der Herr an der Tür vorübergehen.“

Welch ein inhaltsreicher Ausdruck: „Sieht er das Blut!“ Es ist für euch und für mich sehr tröstlich, das Sühnopfer zu sehen, denn so bekommen wir Frieden. Aber nach allem ist der große Grund unserer Seligkeit doch der, daß der Herr auf das Sühnopfer blickt und daran Gefallen hat um seiner Gerechtigkeit willen. Das heilige Auge Gottes ist dem zugewandt, der die Sünden der Welt trägt und zwar so, daß er an uns vorübergeht. Er nimmt uns mit diesem Opfer an.

Nicht, daß wir das gesprengte Blut sehen, ist die Grundlage der Seligkeit, sondern daß Gott es sieht. Daß Gott Christus annimmt, das ist die sichere Garantie für die Rettung derer, welche sein Opfer annehmen. Liebe Seele, wenn dein Glaubensauge trübe ist und deine Augen in Tränen schwimmen, wenn die Dunkelheit der Trauer deinem Gesicht viel verbirgt, dann sieht Gott das Blut seines Sohnes und verschont dich. Er wird nicht dulden, daß der Verderber dir nahe kommt und dir schadet, weil er in Christus das sieht, was seine Gerechtigkeit rechtfertigt. Das Blut ist das rettende Kennzeichen.

In diesem Augenblick richte ich die dringende Frage an jeden, der diese Worte hört: Vertraust du der göttlichen Versöhnung, oder nicht? Bringe mir, was du willst, um deine persönliche Vortrefflichkeit zu beweisen. Ich glaube an keine Tugend, welche das Blut des Heilandes verachtet, das allein rein macht von aller Sünde. Bekenne lieber deine vielen Übertretungen und dein Zukurzkommen und dann fasse Mut und hoffe, denn auch für den größten der Sünder gibt es freie Vergebung durch ihn, der Frieden gemacht hat durch das Blut seines Kreuzes. Beachtet weiter, daß das Zeichen des Blutes so sichtbar wie möglich gemacht wurde. Auch wenn die Israeliten das Passahlamm im Kreis ihrer Familien aßen, so machten sie aus dem Opfer doch kein Geheimnis. Sie brachten das unterscheidende Zeichen nicht an die Wand eines inneren Gemaches an, oder an eine Stelle, die sie mit Vorhängen verdecken konnten, daß kein Mensch etwas davon sehen konnte, sondern sie brachten es deutlich sichtbar an der Oberschwelle und an den beiden Seitenpfosten der Außentür an, so daß alle Vorübergehenden sehen mußten, daß das Haus mit Blut gekennzeichnet war.

Das Volk des Herrn schämte sich nicht, das Blut an der „Stirn“ jeder Wohnung zu zeigen und die, welche gerettet sind durch das große Opfer, dürfen die Lehre von der Stellvertretung nicht als ein Winkelbekenntnis, als etwas Verstecktes behandeln, das sie nicht öffentlich anzuerkennen wagen. Der Tod Jesu an unserer Stelle ist nicht eine Erlösung, für die wir uns zu schämen hätten. So altmodisch und überlebt, wie sie unsere Kritiker bezeichnen möchten - wir schämen uns nicht, sie in alle vier Himmelsrichtungen zu bezeugen und unser Vertrauen darauf zu bekennen. Wer sich Christi vor diesem Geschlecht schämt, dessen wird sich Christus schämen, wenn er kommt in der Herrlichkeit seines Vaters und alle seine heiligen Engel mit ihm. Das Lamm muß mitten auf dem Thron sein. Das Versöhnungsopfer ist kein Geheimnis, von dem man nicht sprechen darf. Nein, es ist eine erhabene Einfachheit, eine Tatsache, die ein Kind kennen kann, eine Wahrheit, deren sich schlichte Leute freuen sollen. Wir müssen Christus, den Gekreuzigten, predigen, was wir sonst auch zu predigen unterlassen mögen.

Brüder, ich denke nicht, daß ein Mensch erst drei Predigten von einem Prediger hören sollte, um die Lehre vom Sühnopfer Christi kennenzulernen. An meiner Kanzel und an meinem Tabernakel soll das Zeichen des Blutes sichtbar sein. Es mag dem Feind mißfallen, aber der Gläubige wird seine Freude daran haben. Mir scheint die Stellvertretung Christi die Seele, das Leben und das Wesen des Evangeliums zu sein, darum muß sie immer gepredigt werden. Jesus, als das Lamm Gottes, ist das Alpha, und wir müssen ihn vor allem anderen hervorheben. Ich beschwöre euch, Christen, macht dies nicht zu einer untergeordneten Lehre. Das Zentrum des Christentums ist das Kreuz und die Bedeutung des Kreuzes ist Stellvertretung!

Das große Opfer ist der Treffpunkt für den erwählten Samen. Wir treffen beim Kreuz zusammen, wie jede Familie in Israel sich um das geschlachtete Lamm versammelte - in einem Haus, welches mit dem Blut gezeichnet war. In dem stellvertretenden Opfer finden wir das Zentrum der Gemeinde. Nein, mehr, es ist so sehr das Zentrum, daß man der Gemeinde das Herz ausreißen würde, wenn man es entfernen wollte. Eine Versammlung, welche das Opfer Christi verworfen hat, ist nicht eine Gemeinde, sondern eine Versammlung von Ungläubigen. Gleich der Lehre von der Rechtfertigung durch den Glauben ist die Lehre von dem stellvertretenden Opfer der Artikel, mit welchem jede Gemeinde steht oder fällt. Versöhnung durch das stellvertretende Opfer Christi bedeutet geistliches Leben, und die Verwerfung desselben ist das Gegenteil. Darum dürfen wir uns dieser höchst wichtigen Wahrheit nie schämen, sondern müssen sie so sichtbar wie möglich machen. „Das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die wir gerettet werden, ist es Gottes Kraft.“

Das gesprengte Blut war nicht nur möglichst sichtbar, sondern es wurde dem Volk selbst sehr wertvoll durch den Umstand, daß sie dem Blut völlig vertrauten. Nachdem die Türpfosten bestrichen worden waren, gingen die Leute in ihre Häuser und verschlossen die Tür, um sie vor dem nächsten Morgen nicht wieder zu öffnen. Sie waren innerhalb des Hauses beschäftigt. Es galt das Lamm zu rösten, die bitteren Kräuter zu bereiten, die Lenden zu umgürten, sich zum Marsch bereit zu machen und so weiter. Aber all dies geschah ohne Furcht vor Gefahr, obwohl sie wußten, daß der Verderber umherging.

Der Befehl des Herrn lautete: „Von euch darf keiner bis zum Morgen zur Tür seines Hauses hinausgehen.“ Was geht auf der Straße vor? Du darfst nicht gehen, um zuzusehen. Die Mitternachtsstunde ist da. Hast du es gehört? Horch, welch ein durchdringender Schrei! Was ist das? Die besorgte Mutter fragt: „Was kann das nur sein?“ „Und es entstand ein großes Geschrei in Ägypten.“ Manche zweifelnden Gemüter mögen während jener schrecklichen Nacht gesagt haben: „Es geht etwas Furchtbares vor. Hört nur das Geschrei! Hört das Getöse auf den Straßen, wie sie hin und her laufen! Es ist am Ende eine Verschwörung, die es auf uns abgesehen hat.“ „Von euch darf keiner bis zum Morgen zur Tür seines Hauses hinausgehen“ - das war genug für alle, welche wahrhaft glaubten. Sie waren sicher, und sie wußten es. So waren sie, gleich den Küken unter den Flügeln der Henne in Sicherheit. Geliebte, laßt uns dasselbe tun. Laßt uns das teure Blut Christi ehren, nicht nur dadurch, daß wir kühn zu anderen davon sprechen, sondern dadurch, daß wir für uns selbst ruhig und fest darauf vertrauen. Glaubst du, daß Jesus für dich gestorben ist? Dann sei zufrieden. Keinem Menschen, der weiß, daß Christus für unsere Sünden gestorben ist nach der Schrift, entfalle das Herz. Mache das Kreuz zum Pfeiler deines unerschütterlichen Vertrauens. Es steht alles wohl, seitdem das versöhnende Werk der Liebe geschehen ist. Laßt uns in heiligem Frieden unsere häusliche Arbeit verrichten, den alten Sauerteig ausfegen und das Fest halten, aber laßt euch keinen Augenblick durch Furcht oder Zweifel beunruhigen.

Wir bemitleiden diejenigen, welche ohne Christus sterben, aber wir können unter dem Vorwand, sie zu retten, unseren Herrn nicht aufgeben, das wäre Torheit. Ich weiß, es ist ein schreckliches Geschrei draußen auf den Straßen. Wer hätte es nicht gehört! Das Urteil über die Gottlosen durchschneidet unser Herz. Aber wie Noah seine Arche nicht verließ, noch Israel seine Wohnungen, so ist unsere Hoffnung nicht größer, als das Kreuz sie uns verbürgt. Alle, welche sich unter das Blut des Opfers bergen, sind sicher und wie wollen die entfliehen, welche eine solche Rettung verachten?

Es gibt in dieser langen Nacht große und betrübende Geheimnisse, aber am Morgen werden wir von Gottes Handeln gegen die Menschen so viel erfahren, wie zu wissen gut für uns ist. Bis dahin laßt uns daran arbeiten, unsere Mitmenschen in den Bereich der Sicherheit zu bringen aber laßt uns selber ruhig, zufrieden und freudig sein. „So ist nun keine Verdammnis für die, welche in Christus Jesus sind.“ „Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus.“ Fasset eure Seelen in Geduld. Seid stille dem Herrn und harrt auf ihn. Nähre dich von dem Lamm, denn sein Fleisch ist die rechte Speise. Derselbe Jesus, der dein Leben vom Verderben erlöst, will für immer die Erhaltung dieses Lebens sein. Sei glücklich unter dem rettenden Zeichen. Wenn draußen der Tod wütet, laß deine Freude drinnen ungetrübt bleiben.

Das Blut sollte in Erinnerung gehalten werden

„Und dieser Tag soll euch eine Erinnerung sein … als ewige Ordnung für eure Generationen sollt ihr ihn feiern.“ So lange Israel ein Volk blieb, sollte es das Passah halten und solange ein Christ auf Erden ist, muß der Opfertod des Herrn Jesus im Gedächtnis gehalten werden. Kein Fortschritt der Jahre und der Gedanken konnte Israel die Erinnerung an das Passahopfer nehmen. Es war in der Tat eine Nacht, welcher immer gedacht werden mußte, weil der Herr sein Volk aus dem eisernen Joch Ägyptens befreite.

Das Passah war im Vergleich zu den Plagen, die ihm vorangingen und des Wunders am Roten Meer, das ihm folgte, eine so wunderbare Errettung, daß dieses Ereignis von keinem anderen übertroffen werden konnte. Es war solch ein Triumph Gottes über den Stolz Pharaos und solche Offenbarung der Liebe Gottes zu seinem Volk, daß sie sich nicht nur eine Nacht, nicht nur ein Jahr, nicht nur ein Jahrhundert darüber freuen konnten, sondern daß sie ewig daran denken sollten. Konnte nicht irgendein größeres Ereignis die Herrlichkeit der Überwindung Ägyptens verdunkeln? Niemals! Der Tod der Erstgeburt Ägyptens und das Lied Moses am Roten Meer mußte auf immer mit der hebräischen Geschichte verbunden bleiben. „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus der Sklaverei Ägyptens heraus geführt hat.“

Geliebte, der Tod unseres Herrn Jesus Christus muß von uns verkündigt werden, bis er kommt. Keine Wahrheit kann jemals entdeckt werden, welche seinen Opfertod in den Schatten stellen könnte. Was auch geschehen mag, ob er auch selbst kommt in den Wolken des Himmels - unser Gesang wird ewig bleiben: „Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden gewaschen hat in seinem Blut.“ Mitten im Glanz seiner Herrschaft wird er das Lamm auf dem Thron sein. Christus als das Opfer für die Sünde bleibt immer der Gegenstand unseres Lobpreises. „Denn du bist geschlachtet…“

Gewisse ehrgeizige Gemüter schreiten vorwärts - vom Felsen hin zum Abgrund. Sie machen Fortschritte von der Wahrheit zur Falschheit. Sie sind Denker, aber ihre Gedanken sind nicht Gottes Gedanken, und ihre Wege sind nicht seine Wege. Sie verlassen das Evangelium und gehen von Christus weg und wissen nicht, wohin. Indem sie das stellvertretende Opfer aufgeben, geben sie die ganze Hoffnung des Menschen auf. Was uns betrifft, so hören wir den Herrn zu uns sagen: „Als ewige Ordnung für eure Generationen sollt ihr es feiern,“ und das wollen wir tun. „Jesus Christus gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit“ ist unser Ruhm und unsere Herrlichkeit. Mögen andere umherirren, wie sie wollen - wir bleiben bei ihm, „der unsere Sünden getragen hat an seinem Leibe auf dem Holz“.

Beachtet auch, liebe Freunde, daß - als das Volk in das Land kam, das kein Ägypter betrat - sie dieser Nacht gedenken sollten. „Und wenn ihr in das Land kommt, das euch der Herr geben wird, wie er geredet hat, so haltet diesen Dienst.“ Auch in dem Land, in dem Milch und Honig floß, sollte des Passahlammes gedacht werden. Unser Herr Jesus ist nicht nur für den ersten Tag unserer Buße, sondern für alle Tage unseres Lebens unser Mittelpunkt. Wir gedenken seiner sowohl inmitten unserer höchsten geistlichen Freunden, als auch in unseren tiefsten geistlichen Kümmernissen. Ihr und ich werden nie solchen Stand der Gnade erreichen, wo wir ohne das Blut fertig werden können, welches rein macht von aller Sünde. Wenn wir jemals die Vollkommenheit erreichen sollten, würde uns Christus doch köstlicher sein, als er uns heute ist. Denn wenn es nicht so wäre, können wir sicher sein, daß unsere angemaßte Vollkommenheit ein elender Betrug war. Wenn wir im Licht wandeln, wie Gott im Licht ist und beständig Gemeinschaft mit ihm haben, so wird uns doch das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, von aller Sünde reinigen.

Brüder, ich wünsche, daß ihr sorgfältig beachtet, daß die Besprengung des Blutes immer in Erinnerung bleiben sollte. Die Kinder Israels konnten ihre Häuser nicht verlassen oder wieder betreten, ohne des gesprengten Blutes zu gedenken. Es war über ihrem Haupt, es war zur ihrer Rechten und Linken, sie waren vom Blut umgeben. Ob sie auf ihre eigenen Türen oder auf die ihrer Nachbarn blickten - sie sahen den dreifachen Strich.

Das war noch nicht alles. Wenn sich zwei aus Israel miteinander verheirateten und der Grund zu einer Familie gelegt wurde, gab es ein anderes Erinnerungszeichen. Das junge Paar hatte die Freude, auf das erstgeborene Kind zu blicken und beide erinnerten sich, daß der Herr gesagt hatte: „Heilige mir alle Erstgeburt.“ Als Israelit erklärte der Vater dies seinem Sohn und sagte: „Der Herr führte uns mit starker Hand aus Ägypten, dem Diensthause, und als Pharao uns nicht ziehen lassen wollte, geschah es, daß der Herr alle Erstgeburt Ägyptens schlug, darum heilige ich dem Herrn alles Männliche, das die Mutter bricht, aber das Erstgeborene meiner Kinder löse ich.“ Der Anfang jeder Familie, die die israelische Nation vermehrte, war somit eine Zeit besonderer Erinnerungen an die Besprengung des Blutes, denn dann mußte das Lösegeld gezahlt und anerkannt werden, daß sie dem Herrn gehörten, der sie teuer erkauft hatte. In vielfacher Weise wurde so das Volk an die Notwendigkeit des Opfers erinnert. Den Nachdenkenden erinnerte jeder Sonnenuntergang an die denkwürdige Nacht, während der Anfang eines jeden Jahres im Monat Abib ihm die Tatsache nahelegte, daß der Anfang seiner Nation von dem Zeitpunkt datierte, wo das Lamm geschlachtet wurde.

In Kapitel 13 Vers 9 lesen wir: „Und es sei dir ein Zeichen auf deiner Hand und ein Gedenkzeichen zwischen deinen Augen.“ Und Vers 16: „Das sei dir ein Zeichen auf deiner Hand und ein Merkzeichen zwischen deinen Augen, denn mit starker Hand hat uns der Herr aus Ägypten heraus geführt.“ Damit ist gesagt, daß sie von nun an alles im Blick auf die Erlösung tun und alles in Verbindung mit der Erlösung ansehen sollten. Die Erlösung durch das Blut sollte die Hand jedes Mannes weihen, so daß er sie nicht zum Bösen gebrauchen, sondern sie für den Herrn einsetzen würde. Er konnte nicht seine Nahrung, noch sein Werkzeug in die Hand nehmen, ohne des gesprengten Blutes zu gedenken, welches seine Nahrung und seine Arbeit zum Segen gemacht hatte. Alle seine Taten sollten unter den Einfluß des Versöhnungsblutes gebracht werden.

Welche Dienste würden wir leisten, wenn wir stets erlöste Arbeit täten, welche Wirkung würde das auf unser Leben haben! Manche von euch würden nicht wagen, zu tun, was ihr tut, wenn ihr daran denken würdet, daß Jesus für euch gestorben ist. Manches, das ihr unterlassen habt, würde euch in den Sinn kommen, wenn ihr ein klares Bewußtsein von der erlösenden Liebe hättet. Die Juden wurden abergläubisch und waren mit dem Buchstaben ihres Gesetzes zufrieden und so schrieben sie gewisse Verse auf kleine Pergamentstreifen und taten sie in Kästchen und banden dasselbe an ihre Handgelenke und an ihre Stirn. Der wahre Sinn der Stelle lag in solch irdischer Handlungsweise nicht, sondern lehrte vielmehr, daß sie mit heiligen Händen arbeiten und handeln sollten wie Menschen, die für die erlösende Gnade des Herrn unter überwältigenden Verpflichtungen stehen und daß sie alles in Verbindung mit der Erlösung durch das Blut ansehen sollten.

Brüder, wir sollten alles in dieser Welt im Licht der Erlösung anschauen, dann werden wir es richtig beurteilen. Es ist ein großer Unterschied, ob ihr die Vorsehung vom Standpunkt des menschlichen Verdienstes oder von dem Fuß des Kreuzes aus betrachtet. Wir sehen nichts richtig, bis Jesus unser Licht ist; aber alles wird in seiner Wirklichkeit erkannt, wenn ihr es durch das rote Glas des Versöhnungsopfers anseht. Gebraucht dieses Teleskop des Kreuzes, und ihr werdet weit und klar sehen. Schaut durch das Kreuz auf Sünder und auf Heilige, schaut durch das Kreuz auf die Sünde und auf die Freuden und Leiden der Welt, schaut durch das Kreuz auf den Himmel und auf die Hölle. Seht, wie sichtbar das Blut des Passahlammes sein sollte, und dann lernt daraus, das Opfer Jesu über alles zu schätzen.

Wir lesen in 5. Mose 6,8 bezüglich der Gebote des Herrn: „Und du sollst sie als Zeichen auf deine Hand binden, und sie sollen als Merkzeichen zwischen deinen Augen sein, und du sollst sie auf die Pfosten deines Hauses und an deine Tore schreiben.“ Seht also, daß das Gesetz dicht neben das Gedächtnis des Blutes geschrieben werden sollte. Beachtet aber, daß der Jude, wenn er eine Verheißung oder eine Vorschrift oder eine Lehre auf seinen Türpfosten zu schreiben hatte, er auf eine mit Blut bestrichene Fläche schreiben mußte und wenn das Passahfest des nächsten Jahres wiederkehrte, hatte er mit dem Ysop das Blut über das Geschriebene zu sprengen.

Es erscheint mir wunderbar, an das Gesetzes Gottes in Verbindung mit dem Versöhnungsopfer zu denken. Gottes Gebote gelten mir als einem erlösten Menschen und seine Verheißungen werden mir als einem bluterkauften Menschen gegeben. Seine Lehren unterweisen mich als einen, der mit Gott versöhnt ist. Das Gesetz in der Hand Christi ist kein Schwert, um uns zu töten, sondern ein Juwel, um uns reich zu machen. Jede Wahrheit, die in Verbindung mit dem Kreuz gebracht wird, gewinnt an Wert. Selbst die Heilige Schrift wird uns siebenmal so teuer, wenn wir sehen, daß sie uns als den Erlösten des Herrn gegeben ist und überall die Kennzeichen der teuren Hände trägt, die für uns an das Holz genagelt worden sind.

Geliebte, ihr seht, wie alles nur Denkbare getan wurde, um dem Volk, das der Herr aus Ägypten geführt hatte, den Wert des Passahlammes bewußt zu machen. Ihr und ich, wir müssen alles nur Denkbare tun, um unseren Mitmenschen beständig die kostbare Lehre von dem Versöhnungsopfer Christi zu bezeugen. Er, der keine Sünde kannte, wurde für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir Gottes Gerechtigkeit in ihm würden.

Und nun will ich kurz auf die Anordnung hinweisen, die mit der Erinnerung des Passah in Verbindung stand. „Wenn euch eure Kinder Fragen: was bedeutet dieser Dienst für euch?, dann sollt ihr sagen: Es ist ein Passahopfer für den Herrn.“

In den Gemütern unserer Kinder sollte das Fragen angeregt werden. O, daß wir sie dazu bringen könnten, Fragen über göttliche Dinge zu stellen! Manche fragen sehr früh, andere scheinen auch an der Gleichgültigkeit älterer Leute zu kränkeln. Wir haben mit beiden Klassen zu rechnen. Es ist gut, den Kindern die Vorschrift des Abendmahls zu erklären, denn es verkündigt im Symbol den Tod Christi. Ich bedauere, daß Kinder nicht öfter dieser Vorschrift zusehen. Die Taufe und das Abendmahl sollten dem aufwachsenden Geschlecht vor Augen geführt werden, damit sie uns fragen können: „Was meint ihr damit?“ Nun, das Abendmahl ist eine fortdauernde Evangeliumspredigt und es handelt hauptsächlich von dem Opfer für die Sünde. Ihr mögt die Lehre von dem Sühnopfer von der Kanzel verbannen, aber sie wird durch das Abendmahl in der Gemeinde stets weiter leben. Ihr könnt „die Gemeinschaft des Leibes Christi“ nicht erklären, ohne irgendwie den Tod Jesu an unserer Stelle hervorzuheben. Laßt eure Kleinen dann das Abendmahl sehen und sagt ihnen sehr deutlich, was es bedeutet. Und wenn es das Abendmahl nicht ist - denn das ist ja nur der Schatten der herrlichen Tatsache - so unterhaltet euch oft in ihrer Gegenwart von den Leiden und von dem Tod unsers Erlösers. Laßt sie an Gethsemane, an Gabbatha und Golgatha denken und lehrt sie, in einfachen Weisen den zu besingen, der sein Leben für uns gelassen hat.

Und wenn die Aufmerksamkeit auf das wichtigste Thema gerichtet wurde, dann laßt uns bereit sein, die große Wahrheit zu erklären, nach welcher Gott gerecht ist und Sünder dennoch gerechtfertigt werden können. Kinder können die Lehre von dem Sühnopfer wohl verstehen. Sie sollte auch ein Evangelium für die Jüngsten sein. Wir wollen nicht zufrieden sein, bis unsere Kleinen das vollendete Opfer kennen und ihm vertrauen. Dies ist die wesentliche Erkenntnis und der Schlüssel zu allem weiteren geistlichen Unterricht. Mögen unsere Kinder das Kreuz kennenlernen! Dann haben sie einen guten Anfang gemacht. Es wird nötig sein, daß ihr dem Kind zeigt, daß es einen Heiland nötig hat. Ihr dürft mit dieser notwendigen Arbeit nicht zurückhalten. Schmeichelt dem Kind nicht mit der trügerischen Meinung, daß es von Natur aus gut ist und nur der Entwicklung bedarf. Sagt ihm, daß es wiedergeboren werden muß. Bläht es nicht auf mit der Einbildung von seiner Unschuld, sondern zeigt ihm seine Sünde. Erwähnt die Sünden, zu denen es neigt und bittet den Heiligen Geist, Überzeugung in seinem Herzen und Gewissen zu wirken. Handelt mit den Kleinen ebenso, wie ihr gegen die Großen verfahren würdet. Seid gründlich und ehrlich gegen sie. Jene Jungen und Mädchen bedürfen ebenso der Vergebung durch das teure Blut, wie nur einer von uns. Zögert nicht, dem Kind sein Verderben zu zeigen, denn es wird sonst kein Verlangen nach dem Heilmittel haben. Sagt ihm auch von der Bestrafung und dem Schrecken der Sünde. Seid zart, aber seid wahr. Verbergt vor dem jugendlichen Sünder die Wahrheit nicht, wie schrecklich sie auch sein mag. Haltet ihm den Richterthron vor und erinnert es daran, daß es Rechenschaft von seinem Tun geben muß. Bemüht euch, das Gewissen zu wecken, und bittet Gott, den Heiligen Geist, durch euch zu wirken, bis das Herz weich wird und das Bedürfnis des großen Heils fühlt.

Kinder müssen die Lehre von dem Kreuz lernen, damit sie bald das Heil finden können. Ich danke Gott dafür, daß wir in unserer Sonntagsschule an die Rettung der Kinder als Kinder glauben. Wie oft ist es meine Freude gewesen, Jungen und Mädchen hervortreten zu sehen, um ihren Glauben an Christus zu bekennen! Und ich wünsche es wieder zu sagen, daß die besten und klarsten und verständigsten Bekehrten, die wir je gehabt haben, die jungen Menschen gewesen sind. Viele dieser Kinder sind imstande gewesen, mit großer Herzensfreude und mit klarem Verstand von göttlichen Dingen zu sprechen. Fahrt fort, liebe Lehrer und glaubt, daß Gott eure Kinder retten wird. Erwartet Frucht in euren Kindern, solange sie noch Kinder sind.

Über eins bin ich mir klar: wenn wir den Kindern die Lehre von dem Versöhnungsopfer in unzweideutigen Worten beibringen, dann erweisen wir uns selber Gutes. Wenn der Herr uns hilft, die Kinder zu lehren, werden wir uns selbst belehren. Es gibt keinen besseren Weg zu lernen, als durch Lehren, und ihr kennt eine Sache nicht, bis ihr sie anderen erklären könnt. Indem ihr versucht, dem kleinen Kind die Lehre von dem Versöhnungsopfer verständlich zu machen, werdet ihr selbst klarere Anschauungen davon bekommen, und darum empfehle ich euch diese heilige Übung.

Welche Gnade, wenn unsere Kinder gründlich in der Lehre von der Erlösung durch Christus unterrichtet worden sind. Wenn sie vor den falschen Evangelien dieser bösen Zeit gewarnt und gelehrt werden, sich auf den ewigen Felsen des vollendeten Werkes Christi zu verlassen, dürfen wir hoffen, daß uns ein Geschlecht folgen wird, das den Glauben festhält und treuer ist als seine Väter. Eure Sonntagsschulen sind herrlich, aber welchen Sinn haben sie, wenn ihr darin nicht das Evangelium lehrt? Ihr bekommt Kinder zusammen, haltet sie auf ein oder anderthalb Stunden zusammen, und sendet sie wieder heim. Welchen Nutzen hat das? Es mag ihren Eltern einige Ruhe verschaffen, und vielleicht senden sie sie deshalb zur Sonntagsschule. Aber der wirkliche Nutzen liegt in dem, was ihr die Kinder gelehrt habt. Die größte Fundamentalwahrheit sollte den ersten Platz einnehmen.

Manche sagen den Kindern, daß sie artige Jungen und Mädchen sein müssen und dergleichen, das heißt, sie predigen den Kindern das Gesetz, während sie den Erwachsenen das Evangelium predigen möchten. Ist das ehrlich? Ist das weise? Kinder haben das Evangelium nötig, das ganze, unverfälschte Evangelium. Und wenn sie vom Geist Gottes gelehrt werden, sind sie ebenso fähig, es aufzunehmen, als Personen in reiferen Jahren. Sagt den Kleinen, daß Jesus gestorben ist, der Gerechte für die Ungerechten, um uns zu Gott zu bringen. Vertrauensvoll überlasse ich dies Werk den Händen der Lehrer dieser Schule. Ich kenne kaum eine edlere Schar christlicher Männer und Frauen, denn sie meinen es mit ihrem Festhalten des alten Evangeliums ebenso ernst, wie mit dem Gewinnen von Seelen.

Faßt Mut, meine Brüder und Schwestern! Der Gott, welcher viele eurer Kinder gerettet hat, wird noch viele retten, und wir werden in diesem Tabernakel noch große Freude haben, wenn wir sehen, daß Hunderte von ihnen zu Christus geführt werden. Gott schenke es um seines Namens willen! Amen.

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