Spurgeon, Charles Haddon - Das Blut des ewigen Testamentes

„Das Blut des ewigen Testamentes“
Heb. 13,20

Die Beziehungen Gottes zu den Menschen haben immer einen Bundescharakter gehabt. Es hat ihm gefallen, es so zu halten, daß er nicht anders mit uns in Verkehr tritt als durch ein Testament, und wir können auch ihm auf keine andere Weise nahe kommen. Adam stand im Paradies in einem Bundesverhältnis mit Gott. Diesen Bund brach er bald. Das ist aber ein Bund, der in seiner furchtbaren Geltung noch heute fortbesteht - furchtbar, weil er von Seite des Menschen gebrochen wurde und deshalb Gott ganz gewiß seine feierlichen Drohungen und Eide erfüllen wird. Das ist das Testament der Gesetzeswerke. Auf Grundlage dieses Bundes verkehrte Gott mit Mose und in ihm mit dem ganzen Menschengeschlecht, das durch den ersten Adam vertreten wird. Später, als Gott mit Noah umging, war es wieder durch ein Testament, und als er in folgenden Zeiten Abraham heimsuchte, gefiel es ihm erneut, sich mit ihm durch ein Testament zu verbinden. Dieses Testament bewahrte und hielt er und erneuerte es immer wieder mit vielen seiner Nachkommen. Gott handelte selbst mit David, dem Mann nach seinem Herzen, nicht ohne Testament. Er machte einen Bund mit seinem Gesalbten; und, Geliebte, er handelt bis zur heutigen Zeit noch, mit euch und mit mir, durch Bund und Testament. Wenn er einst in all seiner schrecklichen Majestät zum Gericht der Verdammnis kommen wird, dann wird er züchtigen mit dem Testament, nämlich mit dem Schwerte des Bundes Sinai. Und wenn er kommt in all seiner Gnadenherrlichkeit, zur Erlösung, auch dann kommt er zu uns mit seinem Testament, nämlich mit dem Bunde Zion, mit dem Bunde, den er mit Jesus Christus aufgerichtet hat, unserem Herrn, dem Haupt und Vertreter seines Volkes. Und achtet wohl darauf: Wenn wir mit Gott in ein nahes und inniges Verhältnis treten, so geschieht es von unserer Seite wieder nur durch ein Testament. Wir machen mit Gott, nachdem wir bekehrt sind, einen Bund der Dankbarkeit; wir fühlen uns gerührt von alledem, was er uns getan hat, und wir übergeben uns ihm. Die Taufe, die wir als Siegel der Aufnahme in seine Kirche empfangen haben, ist ein Angeld und Pfand der Versiegelung dieses Bundes, den wir erneuern, so oft wir uns um den Tisch des Herrn versammeln, das Brot zu brechen; ja Tag für Tag erneuern wir das Gelübde des Testaments im persönlichen Umgang mit Gott. Ich kann zu Gott nicht beten ohne das Testament der Gnade, und ich weiß, daß ich nicht sein Kind sein kann, wenn ich ihm nicht durch das Testament angehöre, durch das Christus mich erkauft hat, und den Bund, durch den ich mich selber aufgegeben und mich mit allem, was ich bin und habe, ihm übergeben habe. Und weil der Bund, das Testament, die einzige Leiter ist, die von der Erde bis in den Himmel reicht, weil er der einzige Weg ist, auf dem Gott mit uns verkehrt, und auf dem wir ihm nahen dürfen, so ist es wichtig, daß wir zwischen Testament und Testament zu unterscheiden vermögen, daß wir nicht im Ungewissen oder im Irrtum schweben über das, was das Testament der Gnade ist oder nicht.

Ich will heute versuchen, so einfach und klar wie möglich das Wesen des Testamentes, von dem unser Text spricht, darzulegen. Daher rede ich zuerst vom Testament der Gnade, dann von seiner ewigen Geltung und drittens von seinem Beziehung auf das Blut - „das Blut des ewigen Testaments“.

I.

Ich habe heute zuerst von dem Testament zu reden, das unsere Textworte erwähnen; und ich will vor Allem bemerken, daß wir auf den ersten Blick entdecken können, was das Testament nicht ist. Wir sehen sofort, daß es nicht der Bund der Gesetzeswerke ist, einfach deshalb, weil es ein ewiger Bund ist. Nun war aber das Testament der Gesetzeswerke in keiner Beziehung ewig; es war nicht von Ewigkeit her; es wurde zuerst im Garten Eden aufgerichtet; es hatte einen Anfang; es wurde gebrochen; es wird beständig verletzt; es wird bald seine Geltung verloren haben und dahin fallen; darum ist es in keinerlei Weise ewig. Das Testament der Gesetzeswerke kann nicht den Titel „ewig“ tragen. Da aber das Testament in unserem Text ein ewiges Testament ist, so kann es niemals das Testament der Gesetzeswerke sein. Gott errichtete mit dem Menschengeschlecht zuerst ein Testament, das so lautete: „So du, o Mensch, wirst gehorchen, so sollst du leben und glücklich sein, bist du aber ungehorsam, so wirst du umkommen. Des Tages, da du mein Gebot übertrittst, wirst du umkommen. Des Tages, da du mein Gebot übertrittst sollst du des Todes sterben.“ Dieses Testament wurde in der Person des ersten Adams, des Vertreters unseres Geschlechts, mit uns allen aufgerichtet. Hätte Adam dieses Testament gehalten, so wären wir wohl alle bewahrt worden; weil er aber das Testament gebrochen hat, so seid ihr und ich, und mit uns alle unsere Angehörigen, in den Fall mitgerissen worden, und werden von nun an betrachtet als Kinder des Zorns, als Erben der Sünde, geneigt zu allem Bösen und dahingegeben in alles Verderben. Dieses Testament ist aufgehoben für das Volk Gottes; es ist aufgehoben durch das neue und bessere Testament, das das alte ganz und gar verdunkelt hat durch seinen herrlichen Gnadenreichtum.

Weiter bemerke ich, daß das Testament, von dem hier die Rede ist, nicht der Bund der Dankbarkeit ist, der zwischen dem liebenden Kind Gottes und seinem Heiland stattfindet. Solch ein Bund ist sehr schön und recht. Ich hoffe, daß jeder von uns, der den Heiland kennt, in seinem Herzen sprechen kann:

„Es ist gescheh'n, das Große ist gescheh'n!
Ich bin des Herrn und er ist mein!“

Wir haben um seinetwillen Alles dahingegeben. Aber dieses Testament ist nicht das, auf das unser Text hinweist, einfach darum, weil unsere Textesworte das Testament als ein ewiges bezeichnen. Nun schreibt sich aber unser Dankbund erst von wenigen Jahren her. Wir hätten es in den Zeiten unseres früheren Lebens verabscheut, und so kann es auch im günstigsten Fall nicht so alt sein wie wir selbst.

Haben wir nun gesehen, was dieses Testament nicht ist, so will ich nun zeigen, was dieses Testament ist. Und nun wird es notwendig sein, hier nochmals einiges von einander zu trennen, und wir sagen daher: Um ein Testament zu verstehen, muß man wissen, wer die beiden übereinkommenden Teile sind; zweitens, welches die Bestimmungen des Vertrages sind; drittens, um was es sich dabei handelt. Und wenn man noch weiter gehen will, so muß man die Beweggründe kennen, die die übereinkommenden Teile dazu bewegen, den Vertrag miteinander abzuschließen.

1) Wir müssen in diesem Testament der Gnade vor Allem die hohen, übereinkommenden Teile, zwischen denen es abgeschlossen wurde, in Betracht ziehen. Das Testament der Gnade wurde aufgerichtet vor Grundlegung der Welt zwischen Gott dem Vater und Gott dem Sohn, oder, um es schriftgemäßer auszudrücken, es wurde gegenseitig aufgerichtet zwischen den drei göttlichen Personen des anbetungswürdigen dreieinigen Gottes. Dieses Testament wurde nicht unmittelbar zwischen Gott und dem Menschen aufgerichtet. Der Mensch war damals noch nicht; Christus aber stand in dem Testament da als Vertreter des Menschen. Nur in diesem Sinne können wir sagen, daß es ein Testament war zwischen Gott und dem Menschen, aber nicht ein Testament zwischen Gott und irgend einem persönlichen und einzelnen Menschen. Es war ein Testament Gottes mit Christo, und durch Christus mittelbar mit all seinen bluterkauften Kindern, die Christus von Grundlegung der Welt her geliebt hat. Es ist ein großer und herrlicher Gedanke, gleichsam die Poesie unserer alten evangelischen Lehre, daß - lange bevor das Tagesgestirn seinen Ort kannte, bevor Gott das „Werde aus nichts“ gesprochen hatte, bevor eines Engels Flug durch den ungemessenen Äther rauschte, bevor ein Laut des Lobgesanges zum ersten Mal die feierliche Stille belebte, in der Gott hoch erhaben waltete - er mit sich selbst, mit seinem Sohn und mit seinem Geist Rat gehalten und in diesem Rat die Erlösung seines Volkes beschlossen, festgesetzt und vorherbestimmt hatte. Er hat im Testament auch die Mittel und Wege dazu verordnet und alles erwogen und so eingerichtet, daß es zur Erfüllung des Endzwecks und Beschlusses zusammenwirken mußte. Und meine Seele eilt nun auf den Schwingen der Ahnung und des Glaubens hin und schaut hinein in den geheimnisvollen Ratssaal, und im Glauben sehe ich, wie der Vater dem Sohn, und der Sohn dem Vater, und beiden wiederum der Geist den Ratschluß eidlich besiegelt, und so dieser Gottesvertrag, der lange im Dunkel verborgen bleiben sollte, vollendet und bestätigt wird - das Testament, das in diesen letzten Tagen im Lichte des Himmels verkündigt und die Freude und Hoffnung und Stärke aller Heiligen geworden ist.

2) Und was sind nun die Bestimmungen dieses Testamentes? Sie waren ungefähr diese: Gott hatte vorausgesehen, daß der Mensch nach seiner Erschaffung das Testament der Gesetzeswerke brechen würde, daß, so mild und gütig auch die Verpflichtung war, auf die hin Adam das Paradies besaß, diese Pflichten ihm zu schwer fallen würden und er sie unfehlbar verletzen und sich dadurch ins Verderben stürzen würde. Gott hatte auch vorausgesehen, daß seine Erwählten, die er aus den Übrigen des Menschengeschlechtes erwählt hatte, durch die Sünde Adams in den Fall hineingerissen würden, da sie - genau wie die anderen - in Adam vertreten waren. Der Zweck des Testamentes war daher die Wiederherstellung des erwählten Volkes. Und nun können wir leicht begreifen, von welcher Art die Vertragsbestimmungen waren. Ich kann auch die herrliche himmlische Sprache, in der das Testament verfaßt war, nicht beschreiben; ich bin nur im Stande, sie in den unvollkommenen Lauten wiederzugeben, die dem Ohr des Leibes und dem Herzen eines Sterblichen verständlich sind. Das Testament lautete von Seiten des Vaters etwa so: „Ich, Jehovah, der Allerhöchste, übergebe hierdurch meinem eingeborenen und geliebten Sohn ein Volk, unzählbar wie das Heer der Sterne, das er von Sünden waschen, bewahren und erhalten und leiten und zuletzt vor meinem Throne von allen Flecken oder Runzeln oder ähnlichem rein darstellen wird. Ich bezeuge mit einem Eide und schwöre bei mir selbst, weil ich bei keinem Größeren schwören kann, daß diese, die ich hiermit Christus übergebe, in alle Gegenstände meiner ewigen Liebe sein sollen; ich will ihnen vergeben durch das Verdienst des Blutes; ihnen will ich eine vollkommene Gerechtigkeit schenken; ich will sie annehmen zu Söhnen und Töchtern, und sie sollen mit mir ewig regieren durch Christus.“ So lautete dieser herrliche Teil des Testaments. Und auch der heilige Geist gab als eine der hohen Vertragsparteien dieses Bundes seine Erklärung: „Hiermit bezeuge ich,“ spricht er, „daß ich alle, die der Vater dem Sohn übergibt, zur rechten Zeit lebendig machen will. Ich will ihnen ihre Erlösungsbedürftigkeit zeigen; ich will ihnen alle eitlen Hoffnungen rauben und ihre Zuflucht zur Lüge vereiteln; ich will sie zum Blut der Besprengung bringen; ich will ihnen Glauben schenken, durch den dieses Blut ihnen zu gute kommen soll; ich will alles Gnadenwerk in ihnen ausrichten; ich will ihren Glauben lebendig erhalten; ich will sie reinigen und alles Unrecht von ihnen austreiben, und sie sollen zuletzt dargestellt werden als ein reines und unbeflecktes Volk.“ Das ist der eine Teil des Testamentes, und der ist zu dieser Stunde erfüllt und bis ins Kleinste treu gehalten. Der andere Teil des Testaments wurde eingegangen und bezeugt von Christus; er erklärte und vereinigte sich mit seinem Vater dahin: „Mein Vater, ich meines Teils bezeuge hiermit, daß ich in der Fülle der Zeit Mensch werden will; ich will auf mich die Gestalt und Natur des gefallenen Geschlechts nehmen; ich will in ihrer verderbten Welt leben, und für mein Volk will ich das Gesetz vollkommen erfüllen; ich will eine unbefleckte Gerechtigkeit wirken, die allen Anforderungen deines gerechten und heiligen Gesetzes genügen soll. Zur gesetzten Zeit will ich die Sünden meines ganzen Volkes tragen. Du sollst ihre Schulden auf mich laden; die Strafe liege auf mir, auf daß sie Frieden haben, und durch meine Wunden werden sie geheilt. Mein Vater, ich bezeuge und gelobe, daß ich gehorsam sein will bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz. Ich will dein Gesetz verherrlichen und es sehr löblich machen; ich will erdulden, was sie verschulden; ich will die Strenge deines Gesetzes über mich ergehen lassen, und alle deine Zornschalen sollen auf mein Haupt ausgeschüttet werden - dann will ich wieder auferstehen. Ich will auffahren in den Himmel; ich will ihr Vertreter sein, dir zur Rechten; und ich will mich selbst verantwortlich machen für jeden unter ihnen, damit keiner von denen, die du mir gegeben hast, je verloren gehe, sondern ich will alle meine Schafe, die du meiner Hut anvertraut hast, endlich wohlbehalten zu dir führen.“ So lautete das Testament. Und nun denke ich, habt ihr eine deutliche Vorstellung, was es ist und wie es damit steht: ein Testament zwischen Gott und Christus, zwischen Gott dem Vater und dem heiligen Geist und Gott dem Sohn als dem Bundeshaupt und Stellvertreter der Erwählten Gottes.

Ich habe euch so kurz wie möglich die Bestimmungen angegeben. Merket nun wohl, meine teuren Freunde, daß das Testament auf der einen Seite vollkommen erfüllt ist. Gott der Sohn hat die Schulden der Erwählten bezahlt; er hat den ganzen göttlichen Zorn für uns Menschen und für unsere Erlösung ertragen. Es bleibt hier nichts mehr zu erfüllen, außer daß er uns fortwährend vertrete, damit er alle seine Versöhnten zur ewigen Herrlichkeit einbringe.

Von Seiten des Vaters ist das Bündnis erfüllt bis zu unzähligen Myriaden. Gott der Vater und Gott der Heilige Geist sind in Erfüllung ihres göttlichen Vertrages nicht lässig gewesen. Und sehet, dieser Teil des Vertrages wird so genau und vollständig vollendet und ausgeführt wie der andere. Christus kann von dem, wozu er sich verpflichtet hat, sagen: „Es ist vollbracht!“ Und so werden auch die anderen herrlichen Verbündeten sprechen. Alle, für die Christus starb, sollen Vergebung erlangen, alle gerechtfertigt, alle angenommen werden. Der Heilige Geist wird alle beleben, wird in allen Glauben wirken, wird alle in den Himmel bringen, und sie werden alle, ohne Anstand und ohne Hindernis, angenommen werden in dem Geliebten, am Tag, da das Volk gezählt und Jesus verherrlicht wird.

3) Und nun, nachdem wir gesehen haben, wer die hohen Vertragsparteien sind und wie das von ihnen beschlossene Testament lautet, wollen wir sehen, welches die Gegenstände dieses Testaments sind. Wurde dieses Testament für jeden Menschen vom Geschlecht Adams gemacht? Gewiß nicht. Wir entdecken das Verborgene aus dem, was sichtbar ist; was in dem Testament inbegriffen ist, werden wir zur vorbestimmten Zeit mit den Augen sehen und mit den Ohren hören. Ich sehe zahllose Menschen verlorengehen, die auf ihren gottlosen Wegen leichtfertig dahingehen, die das Opfer Jesu Christi verwerfen, das ihnen im Evangelium Tag für Tag vor Augen gestellt wird, die das Blut des Menschensohnes mit Füßen treten, die den Geist schmähen, der sie anfassen will. Ich sehe, wie diese Menschen immer tiefer in die Bosheit versinken und am Ende in ihren Sünden zu Grunde gehen. Ich bin nicht so töricht, zu glauben, daß sie irgend Teil haben am Bund der Gnade. Wer unbußfertig stirbt, die Vielen, die den Heiland verwerfen, die können, wie es sich deutlich zeigt, kein Teil und kein Erbe haben am heiligen Testament der göttlichen Gnade; denn wenn sie mit eingeschlossen wären, so würden gewiß Kennzeichen und Beweise vorhanden sein, die es uns bestätigen; wir würden finden, daß sie zu rechter Zeit in diesem Leben zur Reue geführt, und, gewaschen im Blut des Lammes, selig würden. Das Testament - um gleich zur Sache zu kommen, wie einschneidend auch die Wahrheit lauten mag - das Testament hat es nur mit den Erwählten zu tun, und mit keinen anderen. Tut euch das weh? Schmerzt euch das? Wie sprach Christus? „Ich bitte für sie, nicht bitte ich für die Welt, sondern für die, die du mir gegeben hast, denn sie sind dein.“ Wenn Christus für niemanden bittet als für seine Auserwählten, warum solltet ihr euch darum kümmern, daß euch das Wort Gottes lehrt, im Testament sei für eben dieselben Seelen Fürsorge getroffen, daß sie das ewige Leben erben sollen? So viele, wie glauben, so viele, wie auf Christus vertrauen, so viele, wie bis ans Ende beharren, so viele, wie zur ewigen Ruhe eingehen, so viele sind eingeschlossen im Testament der göttlichen Gnade, und keiner mehr.

4) Weiter haben wir zu betrachten, aus welchen Beweggründen dieses Testament aufgerichtet wurde. Warum wurde das Testament überhaupt aufgerichtet? Gott war nicht dazu gezwungen und genötigt; auch war noch keine Kreatur vorhanden. Hätten die Geschöpfe auf den Schöpfer auch einen Einfluß ausüben können, so gab es zur Zeit, als das Testament gemacht wurde, noch kein Geschöpf. Wir können nirgends im Testament einen Beweggrund Gottes finden, es sei denn, derselbe liege in ihm selbst; denn Gott konnte in jenen Tagen buchstäblich von sich sagen: „Ich bin, und außer mir ist keiner!“ Warum also machte er das Testament? Ich antworte: Die unumschränkte Allmacht wollte es. Aber warum wurden gewisse Menschen darin eingeschlossen, und warum andere nicht? Ich antworte: Die unumschränkte Gnade führte die Feder. Es war kein Verdienst des Menschen, nichts von dem, was Gott in uns vorhersah, was ihn veranlaßte, manche zu erwählen und andere in ihren Sünden dahingehen zu lassen. Es war nichts in ihnen, es war die verbundene Allmacht und Gnade, die die Erwählung festmachte. Wenn ihr, meine lieben Brüder und Schwestern, eine gute Hoffnung habt, im Testament der Gnade zu stehen, so müßt ihr sagen: „Was ist in mir, das Achtung verdiente und mir des Schöpfers Gefallen erränge? Es war eben so, muß immer ich singen, denn also schien es, Vater, dir gut.“ Wem er gnädig ist, dem ist er gnädig, denn es liegt nun nicht an deinem Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen. Seine Unumschränktheit wählte, seine Gnade sonderte aus und sein unwandelbarer Wille bestätigte. Kein Beweggrund verlangte die Erwählung der Einzelnen, außer der Grund der ewigen Liebe und göttlichen Allmacht, den er in ihm selbst hat. Ohne Zweifel war die Absicht Gottes bei Aufrichtung des Testaments seine Verherrlichung überhaupt, und ein geringerer Grund wäre unter seiner Würde. Gott muß seinen Beweggrund in sich selbst haben; er braucht nicht auf Motten und Maden zu schauen, wenn er für seine taten Gründe sucht; er ist „Jehova, ich bin, der ich bin.“ Er tut, was er will, unter den himmlischen Heeren. Wer darf seine Hand halten und zu ihm sagen: „Was tust du?“ Darf auch der Ton den Töpfer fragen, warum er ihn zum Gefäß gestaltet? Darf auch das Gebilde seinem Schöpfer befehlen, da es noch nicht erschaffen ist? Nein, Gott sei Gott, und der Mensch schrumpfe in seine angeborene Nichtigkeit zusammen, und wenn ihn Gott erhöht, so rühme er sich nicht, als ob dennoch Gott im Menschen einen Grund für seine Tat gefunden hätte; er findet seine Gründe in sich; er ist sich selbst genug und findet nichts Höheres, noch bedarf er irgend etwas außer ihm. Das ist in aller Kürze das Erbe, was das Testament betrifft. Der Heilige Geist aber leite uns in alle Wahrheit!

II.

Nun aber haben wir zweitens seine ewige Geltung zu betrachten. Es wird ein ewiges Testament genannt. Und daran erkennt ihr sogleich sein Alter. Das Testament der Gnade ist das erste aller Dinge. Es ist oft ein Anlaß großer Freude für mich, zu denken, das das Testament der Gnade älter ist als das Testament der Gesetzeswerke. Das Testament der Werke hat einen Anfang, aber das Testament der Gnade hat keinen; und gelobt sei Gott, daß das Testament der Werke ein Ende hat, daß aber das Testament der Gnade fest und unbeweglich steht, wenn Erd' und Himmel untergeht. Das hohe Alter des Testaments der Gnade fordert uns zur dankbaren Betrachtung auf. Es ist eine Wahrheit, die den Geist erhebt. Ich kenne keine gewaltigere Lehre; sie ist die ganze Seele und Kraft aller Poesie, und wenn ich sitze und darüber nachdenke, so wird mein Geist, ich bekenne es, oft mit Entzücken davon erfüllt. Könntet ihr den Gedanken fassen, daß, ehe etwas war, Gott euer gedachte? Daß, als er die Berge noch nicht erschaffen hatte, er deiner gedacht hat, du armer, schwacher Wurm? Daß, ehe die prächtigen Gestirne zu glänzen begannen und ehe der große Schwerpunkt des Weltalls befestigt war, und all die mächtigen Planeten und ihre Monde, und die seltsamen Kometen ihren harmonischen Reigen begannen, Gott den Schwerpunkt seines Testaments befestigt und die Zahl der kleineren Sterne geordnet hatte, die um diese Segens-Mitte kreisen und davon ihr Licht erhalten sollten. Wie, wenn einer den großen Plan des unendlichen Weltalls erfaßt, wenn wir mit den Sternkundigen den Raum durcheilen, wenn wir ihn endlos finden und die Heere der Sterne zahllos, erscheint es nicht wunderbar, daß Gott den armen, unbedeutenden Menschen dem ganzen übrigen Universum vorziehen sollte? Das darf uns nicht stolz machen; weil es eine göttliche Wahrheit ist; aber es muß und glücklich machen. O gläubiger Christ, du glaubst, nichts zu sein, Gott aber denkt nicht so von dir. Die Menschen verspotten dich, aber Gott gedachte dein, ehe er etwas erschuf. Das Testament der Liebe, das er deinetwegen mit dem Sohn machte, ist älter als das graue Altertum, und wenn du zurückfliegst bis dahin, wo die Zeit selbst noch nicht angefangen hatte, bevor noch jene starren Felsen, die die Spuren der grauen alten Vorzeit an ihrer Stirn tragen, gegründet waren, hatte er dich geliebt und erwählt und deinetwegen ein Testament aufgerichtet. Gedenke wohl dieser ewigen Dinge der ewigen Höhen.

Dann wiederum ist es ein ewiges Testament durch seine Gewißheit. Nichts ist ewig, was nicht gewiß ist. Der Mensch mag seine Gebäude errichten und meinen, sie werden ewig stehen, aber der Turm zu Babel ist zerfallen und selbst die Pyramiden zeigen Spuren des Untergangs. Nichts, was der Mensch zu Stande gebracht hat, ist ewig, weil er es nicht gegen den Verfall zu sichern vermag. Aber von dem Bund der Gnade hat David gesagt: „Er ist wohl geordnet in allem und bewahret.“ Er ist

„Signiert, versiegelt und bestätigt,
In allem wohlbestellt.“

Da ist kein „Wenn“ und kein „Aber“ im Ganzen, von Anfang bis zum Ende. Der Eigenwille haßt Gottes „Soll“ und „Will“ und liebt die „Wenn“ und „Aber“ der Menschen; aber es gibt kein „Wenn“ und „Aber“ im Testament der Gnade. So lautet der Vertrag: „Ich will“ und „sie werden“. Jehova schwört es und der Sohn erfüllt es. Es ist wahr, es muß wahr sein, es muß gewiß sein, denn „Ich bin, der ich bin“ gebietet es. „Sollte er etwas sagen und nicht tun? Sollte er etwas reden und nicht halten?“ Es ist ein sicheres Testament. Ich habe manchmal gesagt, wenn jemand eine Brücke oder ein Haus bauen wollte und wollte mir nur erlauben, einen einzigen Stein oder Balken einzufügen, wo ich wollte, so könnte ich machen, daß das ganze Haus zusammenfiele. Wenn einer eine Brücke zu bauen anfinge, so laßt mich gerade nur einen einzigen Stein auflegen - ich will wählen, welchen Stein - und ich will verhindern, daß seine Brücke halte. Ich würde einfach den Schlußstein wählen, so könnte er bauen, was er wollte, es würde bald zusammenstürzen. Nun, Arminians Glaubensbekenntnis kann nicht bestehen, denn es sind in ihm zwei oder drei Steine (und das ist noch sehr milde gesagt, denn ich hätte sagen können „jeder Stein“, er würde die Sache besser getroffen haben), die vom Willen des Menschen abhängen. Es ist dem Willen des Geschöpfes überlassen, ob es selig werden will oder nicht. Wenn er nicht will, gibt es keine zwingende Kraft, die seinen Willen meistern und überwinden kann. Es gibt keine Verheißung, daß irgend ein Einfluß mächtig genug sei, ihn zu überwinden (nach Arminian). So wäre die Sache dem Menschen in die Hand gelegt, und Gott, der allmächtige Baumeister, würde doch von seinen Geschöpfen zu Schanden gemacht, selbst wenn er Stein auf Stein türmte, mächtig wie das Weltall. Weg mit solcher Gotteslästerung! Der ganze Bau liegt von Anfang bis Ende in der Hand Gottes. Sogar die Satzungen und Bedingungen dieses Testamentes sind ihm zu einem Siegel und zur Bekräftigung geworden, weil Jesus alles vollbracht hat. Seine vollkommene Erfüllung in jedem Jota und Titel ist gewiß und muß von Jesus Christus vollendet werden, ob der Mensch will oder nicht. Es ist nicht des Menschen Testament, sondern Gottes; es ist nicht des Menschen Testament, sondern der Bund des Allmächtigen, und er wird es ausführen und vollenden, trotz des Menschen Willen; denn gerade das ist die Herrlichkeit der Gnade, daß der Mensch seine Erlösung haßt, daß er Feindschaft gegen sich selber hegt und Gott ihn doch erlösen will, daß Gottes Testament ist: „du wirst“ und des Menschen Absicht: „ich will nicht“ und Gottes „wirst“ des Menschen „Ich will nicht“ unterwirft. Die allmächtige Gnade schreitet siegreich über den Nacken des Eigenwillens hinweg und führt ihn in herrlichen Fesseln gefangen zur alles besiegenden Macht und unwiderstehlichen Gnade und Liebe. Es ist ein gewisses Testament und verdient daher den Namen „ewig“.

Weiter ist das Testament nicht nur gewiß, sondern unwandelbar. Wenn es nicht so wäre, so könnte es nicht ewig sein. Was der Veränderung unterworfen ist, geht dahin. Wir dürfen ganz sicher darauf zählen, daß alles, woran das Wort „Veränderung“ haftet, früher oder später stirbt und vergeht und als nichtig hinweggetan wird. Aber im Testament bleibt alles unwandelbar. Was Gott geredet hat, muß geschehen, und es darf kein Wort, kein Zug, kein Pünktlein daran verändert werden. Was der Heilige Geist zusagt, das tut er, und was Gott der Sohn verheißen hat, hat er erfüllt, und er wird es vollenden am Tag seiner Erscheinung. Wenn wir glauben müßten, die heiligen Worte Gottes könnten ausgetilgt, das Testament null und nichtig gemacht werden, ja dann, meine teuren Freunde, müßten wir uns wohl verzweifelnd am Boden winden. Ich habe manchen Prediger sagen hören, daß, wenn der Christ ein heiliges Leben führte, er im Testament sei; wenn er sündige, werde er hinausgestoßen; wenn er dann bereue, so werde er wieder angenommen; und wenn er abermals falle, er noch einmal ausgestoßen werde; und also ginge er aus und ein zur Tür der Seligkeit, wie er ein- und ausgeht in sein eigenes Haus. Er ginge zur einen Türe hinein, zur anderen hinaus. Bald wäre er ein Kind Gottes und bald des Satans Kind, jetzt ein Erbe des Himmels und dann ein Erbe der Verdammnis; und ich kenne jemanden, der gesagt hat, obwohl ein Mensch sechzig Jahre lang durch die Gnade ausgeharrt hätte, könnte er doch noch im letzten dahinfallen; wenn er sündigen würde und dann sterben, würde er ewig verloren gehen, und all sein Glaube und all die Liebe, die Gott ihm in vergangenen Tagen erzeigt hätte, würden sein, als wäre es nie gewesen. Ich freue mich doch, daß ich sagen kann, solch eine Ansicht von Gott ist die gleiche, die ich vom Satan habe. An solch einen Gott könnte ich nicht glauben und könnte mich vor ihm nicht beugen. Ein Gott, der heute liebt und morgen haßt; ein Gott, der Verheißungen gibt und doch zuletzt voraussieht, daß der Mensch die Erfüllung nicht an sich erfahren werde; ein Gott, der Verheißungen gibt und doch straft, der gerecht macht und nachher doch verdammt - ist ein Gott, den ich nicht fassen, nicht ertragen kann. Das weiß ich gewiß, solch ein Gott ist nicht der Gott heiliger Schrift, denn der ist unwandelbar und hat die Seinen geliebt, er wird sie lieben bis ans Ende, und wenn er einem Menschen eine Verheißung gegeben hat, so wird die Verheißung erfüllt werden, und wer einmal in der Gnade steht, steht in der Gnade für immer, und wird unfehlbar nach und nach eingehen zur Herrlichkeit.

Und nun, um diesen Gegenstand zu Ende zu bringen, ist das Testament ewig, weil es nie abläuft. Es wird erfüllt, und es bleibt fest. Wenn Christus alles vollendet und jeden Gläubigen zu sich in den Himmel genommen hat, wenn der Vater sein Volk versammelt sieht, dann wird zwar das Testament vollendet sein, aber nicht abgetan, denn so lautet der Bund: „Die Erben der Gnade sollen gesegnet sein ewiglich“; und so lange dieses „ewiglich“ währt, so lange wird dieses ewige Testament die Seligkeit, Bewahrung, Verherrlichung jedes darin Eingeschlossenen fordern.

III.

Wir haben im Vorigen die ewige Gültigkeit des Testaments erkannt und schließen nun mit dem lieblichsten und köstlichsten Teil des Textes, mit seiner Beziehung auf das Blut - das Blut des ewigen Testamentes. Das Blut Jesu Christi steht in einer vierfachen Beziehung zum Testament. Im Hinblick auf Christus ist sein kostbares, in Gethsemane, auf Gabbatha und Golgatha vergossenes Blut die Erfüllung des Testaments. Durch dieses Blut wird die Sünde getilgt; durch Jesu Angst und Schmerzen wird der Gerechtigkeit genug getan; durch seinen Tod wird das Gesetz geehrt; und durch dieses Blut mit seiner ganzen versöhnenden Macht und seiner ganzen reinigenden Kraft erfüllt Christus alles, was er Gott gelobte zu tun für sein Volk. O liebe gläubige Seele, schaue an das Blut Christi, und bedenke, daß darin Christi Anteil am Testament vollendet ist. Und nun bleibt nichts mehr zu erfüllen als allein Gottes Anteil; für dich ist hier nichts zu tun; Jesus hat es alles auch für dich getan; der freie Wille des Menschen kann hier nichts ergänzen; alles, was Gott verlangen darf und kann, hat Christus ganz getan. Das Blut ist die Erfüllung von Seiten des Schuldners im Testament, und nun ist Gott mit seinem eigenen feierlichen Eid verbunden, Gnade und Erbarmen zu erzeigen allen, die Christus versöhnt hat mit seinem Blut.

Das Blut ist in einer anderen Beziehung für Gott den Vater eine Verpflichtung auf das Testament. Wenn ich Christus am Kreuz sterben sehe, so sehe ich den ewigen Gott von dieser zeit an; wenn ich von ihm, dem Ewig-Freien, so sagen darf, gebunden von seinem eigenen Eid und Bund, jede Vertragsbestimmung auszuführen; wenn das Testament sagt: „Ein neues Herz will ich dir geben und einen richtigen Geist will ich in dich pflanzen“ - so muß es geschehen, denn Jesus ist gestorben und Jesu Tod ist das Siegel des Testamentes. Wenn es spricht: „Ich will reines Wasser über sie sprengen, daß sie rein werden, von aller Unreinigkeit will ich sie reinigen“ dann muß es geschehen, denn Christus hat das Seine getan; und darum können wir das Testament nicht mehr als etwas Zweifelhaftes darstellen, sondern als unsere Berufung auf Gott durch Christus; und wenn wir demütig flehen und uns auf das Testament berufen, so kann unser himmlischer Vater die darin gegebenen Verheißungen nicht vorenthalten, sondern es wird alles Ja und Amen sein für uns durch das Blut Jesu Christi.

Danach wiederum hat das Blut des Testaments Beziehung auf uns als die Gegenstände des Testaments, und das ist der dritte Punkt. Es ist nicht allein eine Erfüllung durch Christus und eine Verpflichtung für den Vater , sondern es ist ein Beweis und Pfand für uns. Und nun, teure Brüder und Schwestern, laßt mich hier ein Wort der Liebe euch ans Herz legen: Verlaßt ihr euch ganz und gar auf das Blut? Ist sein Blut, das kostbare Blut Jesu Christi, auf eure Gewissen gesprengt worden? Habt ihr in seinem Blut die Versöhnung für eure Sünden gesehen? Habt ihr Vergebung eurer Sünden erlangt durch das Blut Jesu? Ruht ihr in seinem Sühnopfer und ist unter seinem Kreuz eure alleinige Hoffnung und Zuflucht? Dann seid ihr im Testament. Viele Menschen wollen wissen, ob sie erwählt sind. Wir können es ihnen nicht sagen, bis sie auf Eines antworten: Glaubst du? Ist dein Glaube gegründet auf das teure Blut? Dann stehst du im Testament. Und auch, du armer Sünder, wenn du nichts hast, das dich empfiehlt, wenn du entfernt stehst wie der Zöllner und sprichst: „Ich darf nicht kommen; ich habe große Furcht; ich bin nicht im Testament!“ - dennoch bittet Christus dich: Komm! „Komme zu mir!“ spricht er; „kannst du nicht zum Bundes-Vater kommen, so komme zur Bundes-Versiegelung; komme zu mir, und ich will dir Ruhe geben!“ Und wenn du zu ihm gekommen bist, und wenn du mit seinem Blut besprengt bist, o so zweifle nicht, daß dein Name geschrieben steht im purpurnen Buch der Erwählung. Kannst du deinen Namen lesen, geschrieben mit den blutigen Zügen der Versöhnung des Heilandes? Dann kannst du ihn einst lesen in der strahlenden Goldschrift der Erwählung des Vaters. Wer da glaubt, ist erwählt. Das Blut ist das Sinnbild, das Zeichen, der Ernst, die Gewißheit, das Siegel des Bundes der Gnade für dich; es muß stets das Fernglas sein, durch das du auf das fern Liegende hinblickst. Mit bloßen Augen kannst du deine Erwählung nicht sehen, aber durch das Blut Jesu Christi erblickst du sie klar genug. Vertraue du auf das Blut, du armer Sünder, und dann ist das Blut des ewigen Testamentes dir eine gewisse Versicherung, daß du ein Erbe des Himmels bist.

Endlich steht das Blut in Beziehung zu allen Dreien, und hier will ich beifügen, daß das Blut die Herrlichkeit aller ist. Für den Sohn ist es die Erfüllung, für den Vater die Verpflichtung, für den Sünder die Versicherung, und für alle - Vater, Sohn und Sünder - ist es die gemeinsame Herrlichkeit, der gemeinsame Ruhm. An ihm hat der Vater sein Wohlgefallen; es sieht auch der Sohn voll Freude darauf herab und schauet an den Preis seiner Schmerzen; und in ihm findet der Sünder allezeit seinen Trost und seine ewige Freude.

„Jesu, dein Blut und Gerechtigkeit,
Das ist mein Schmuck und Ehrenkleid,
Mein Lobgesang in Ewigkeit.“

Und nun, meine teuren Zuhörer, habe ich eine Frage zu stellen, und dann bin ich fertig: Habt ihr die frohe Hoffnung, daß ihr im Testament seid? Habt ihr eure Hoffnung gesetzt auf das Blut? Und wenn ihr vielleicht meint, daß ich mit dem, was ich gesagt habe, das Evangelium verkümmere, so wisset, daß das Evangelium frei gepredigt wird für jedermann. der Bund ist abgegrenzt, aber die gute Botschaft ist weit wie das Weltall. Ich verkündige sie aller Kreatur unter dem Himmel, denn es ist mir so befohlen worden. Das Geheimnis Gottes, das die Besprengung seiner Auserwählten ist, ist beschränkt auf diese; nicht aber die Botschaft, denn diese muß verkündigt werden allen Völkern und Sprachen. Du hast aber das Evangelium oft und viel vernommen dein Leben lang; er lautet so: „Das ist gewißlich wahr und ein teures wertes Wort, daß Christus Jesus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen.“ Glaubst du das? Und ist das deine Hoffnung, wie etwa: „Ich bin ein Sünder, ich glaube, daß Christus für mich gestorben ist, ich baue meine Hoffnung auf das Verdienst seines Blutes, und ob ich unterginge oder oben bleibe, so habe ich außer ihm keine andere Hoffnung“?

„Gar nichts, gar nichts bringe ich,
Nur das Kreuz umschlinge ich!“

Du hast es gehört - hast du es zu Herzen genommen und dich daran festgeklammert? Dann zweifle nicht, du bist ein Bundesglied des ewigen Testamentes. Und warum sollte dich die Erwählung ängstigen und schrecken? Wenn du Christus erwählt hast, so verlasse dich darauf - er hat dich erwählt. Wenn dein tränenvolles Auge zu ihm aufblickt, dann hat schon längst sein allwissender Blick auf dich herabgeschaut; wenn dein Herz ihn liebt, so liebt sein Herz dich inniger, als du ihn je zu lieben vermagst; und wenn du jetzt sprichst: „Mein Vater, du sollst der Leiter meiner Jugend sein“, so will ich dir ein Geheimnis sagen: Er ist es, der dich geleitet und zu dem gemacht hat, was du jetzt bist, zu einem Demütigen, Heilsbegierigen, und er wird dich ferner leiten und dich endlich in Ehren annehmen. Bist du aber stolz, hochmütig, eigenwillig und sprichst: „Ich will Buße tun und glauben, wenn es mir gefällt; ich habe eben so gut das Recht, selig zu werden, wie andere, und ich werde ohne Zweifel meinen Lohn empfangen.“; wenn du auf eine allumfassende Versöhnung pochst, die nach des Menschen freier Wahl empfangen werde, so gehe und poche, und du wirst mit deinem Pochen verworfen werden; du wirst erfahren, daß Gott nicht mit dir handelt auf solchem Fuß, sondern er wird sprechen: „Hebe dich von hinnen, ich habe dich nie erkannt; wer nicht zu mir kommt durch den Sohn, kann niemals zu mir kommen.“ Ich glaube, ein Mensch, der sich nicht dazu versteht, sich der erwählenden Liebe und unumschränkten Gnade Gottes zu ergeben, hat alle Ursache zu fragen, ob er überhaupt ein Christ sei; denn der Geist, der sich dagegen auflehnt, ist der Geist der Hölle, der Geist des ungebeugten, unerneuerten Herzens. Möge Gott dein Herz von solcher Feindseligkeit frei machen und empfänglich für seine köstliche Gnade, und dich damit aussöhnen, und dich dann mit ihm selbst versöhnen durch das Blut seines Sohnes, welches ist das Band und Siegel des ewigen Testamentes. Amen.

autoren/s/spurgeon/b/spurgeon-das_blut_des_ewigen_testamentes.txt · Zuletzt geändert: von aj