Spurgeon, Charles Haddon - Das bezauberte Land

„So laßt uns nun nicht schlafen, wie die andern, sondern laßt uns wachen und nüchtern sein.“
1 Th. 5,6

Es ist die Pflicht eines Dieners des Evangeliums, jede Wendung des Weges, der zum Himmel führt, zu zeigen, von den Gefahren oder Vorrechten dieses Weges zu reden und jeden zu warnen, von dem er weiß oder vermutet, daß es besonders gefährlich um ihm steht. Nun gibt es einen Teil der Straße, die von der Stadt des Verderbens in die himmlische Stadt führt, der vielleicht mehr Gefahren in sich birgt als irgendein anderer Teil des Weges. Zwar wimmelt er nicht von Löwen und Drachen; er hat keine finsteren Wälder, keine tiefen Fallgruben, und doch sind dem Anschein nach mehr Wanderer auf diesem Teil des Wegs vernichtet worden als an jeder anderen Stelle, und selbst die Zweifelburg mit all ihrem Heer von Beinen kann nicht so viele Erschlagene aufweisen. Dieser Teil des Weges heißt das bezauberte Land. Der große Erdbeschreiber Johann Bunyan hat in seiner Beschreibung des Himmelsweges dieses Land vortrefflich gezeichnet, wenn er sagte:

„Ich sah in meinem Traum, daß die christlichen Pilger ihren Weg fortsetzten, bis sie in eine bestimmte Gegend kamen, deren Luft den Fremden von Natur schläfrig machte, wenn er ihr nahekam. Und hier begann Hoffnungsvoll sehr matt zu werden und in einen Schlaf zu fallen: weshalb er zu Christian sagte: Ich fange jetzt an, so schläfrig zu werden, daß ich kaum meine Augen offen halten kann; laßt uns hier ruhen und ein Schläfchen halten. Christian erwiderte: Niemals, am Ende schlafen wir und wachen vielleicht nie mehr auf. Hoffnungsvoll entgegnete: warum nicht, mein Bruder? Der Schlaf ist süß für einen Arbeiter; wir werden durch ihn erquickt werden. Christian: Erinnerst du dich nicht, daß einer der Schafhirten uns vor dem bezauberten Land warnte? Er meinte, wir sollten uns vor dem Schlaf in Acht nehmen; darum laßt uns nicht schlafen, wie die anderen, sondern laßt uns wachen und nüchtern sein.“

Ich denke, ihr Lieben, manche von uns wandern gegenwärtig durch dieses Land; und ich fürchte, dies ist der Zustand der meisten Kirchen in unseren Tagen. Sie legen sich auf die Bänke der Lauheit und in die Gartenlauben des bezauberten Landes.

Ich will euch daher zeigen:

  1. Was unter dem Zustand der Schläfrigkeit zu verstehen ist, in welchen Christen bisweilen geraten;
  2. Will ich einige Betrachtungen anstellen, welche geeignet sind, die schläfrigen Christen aufzuwecken;
  3. Auf die eigentümlichen Zeiten hinweisen, in denen der Christ am meisten zum Schlaf versucht ist;
  4. Will ich dem Christen guten Rat geben, wie er sich verhalten soll, wenn er das bezauberte Land durchwandert, und wenn ihn Schläfrigkeit überkommt.

Was ist unter dem schläfrigen Zustand zu verstehen, in welchen ein Christ geraten kann?

Schlaf ist nicht der Tod, aber ein ihm ähnlicher Zustand. Ein Christ war einst tot, aber nun ist er lebendig in Jesu Christo, und deswegen soll er nie mehr sterben, obwohl er noch schläfrig werden kann und für einen toten, fleischlichen Sünder gehalten werden mag.

Der Schlaf ist ein Zustand der Unempfindlichkeit, in den oft die edelsten Kinder Gottes geraten können. Wenn ein Mensch schläft, so ist er unempfindlich und gefühllos. Der Wächter ruft unter seinem Fenster, und er schläft weiter. Ein Feuer wütet in der Nachbarschaft, aber er weiß es nicht. Leute in seinem Haus mögen sterben, und er weint nicht um sie. Die Winde mögen heulen, die Donner rollen, und die Blitze leuchten, aber er kümmert sich nicht darum; er schläft und ist unempfindlich gegen alles. Mein Christ, siehe hier deinen Zustand. Bist du nicht schon öfters in einen Zustand der Unempfindlichkeit versetzt worden? Du wünschtest zu fühlen; aber alles, was du fühltest, war nur Pein, weil du nicht fühlen konntest. Du wünschtest beten zu können. Du fühltest dich zwar nicht gebetslos, aber du fühltest nichts im Gebet. Du vermochtest nicht zu seufzen; aber du würdest eine Welt dafür geben, wenn du jetzt seufzen könntest. Einst pflegtest Du zu stöhnen; jetzt wäre dies einen goldenen Stern wert, wenn du es kaufen könntest. Singen kannst du zwar, aber dein Herz erhebt sich nicht bei deinem Gesang. Beten konntest du, aber jetzt ist dein Gebet tot und leblos. Du bist wie einer, der schablonenhaft betet; du fühlst, daß kein Drang, kein Geschmack, keine Salbung mehr in deinem Gebet ist.

Du bist in einen schläfrigen Zustand geraten. Wenn du früher an jemanden dachtest, der verdammt werden könnte, so konntest du seinetwegen in Tränen zerfließen; aber jetzt könntest du am Rand der Hölle sitzen und unbewegt ihr Wehklagen anhören. Einst würde dich der Gedanke an die Rettung eines Sünders um Mitternacht aus dem Bett getrieben haben und du würdest die kalte Luft nicht gescheut haben, wenn du einen Sünder von seinen Sünden und dem Irrtum seiner Wege hättest bekehren können. Aber jetzt redet man mit dir über eine Menschenmenge, die dem Untergang entgegengeht, und du hörst die Sache an wie eine alte Sage. Du drückst zwar dein Bedauern aus und gibst wohl auch noch deinen Beitrag für ihre Rettung, aber dein Herz ist nicht bei der Sache. Siehe! du bist gefühllos - nicht ganz, aber doch in hohem Grade. Du willst wach werden, und du ächzt, denn du fühlst, daß du in einem schläfrigen Zustand bist.

Weiter: Wer schläft, ist verschiedenen Täuschungen unterworfen. Im Schlaf verläßt uns die Urteilskraft und die Phantasie beherrscht unser Gehirn. Träume entstehen und bringen sonderbare Dinge in unser Haupt. Bald sind wir auf dem stürmischen Meer, bald schwärmen wir in königlichen Palästen. Wir sammeln Gold und Silber, als wären es nur die Steine im Meer. Welche Täuschungen betrügen uns! Der Bettler in seinem Traum ist reicher als der reiche Mann; und der reiche Mann findet sich so arm wie Lazarus; der Kranke wähnt sich gesund; der Gesunde verliert ein Glied oder ist tot. Im Traum fahren wir in die Hölle oder in den Himmel. Ebenso, mein lieber Christ, bist du verschiedenen Täuschungen ausgesetzt, wenn du zur schläfrigen Bruderschaft gehörst. Manchmal zweifelst du an dem Dasein Gottes, ja an deinem eigenen Dasein. Du zitterst beim Gedanken, das Evangelium möchte nicht wahr sein; und du bist geneigt, die alte Lehre, die du einst mit kräftiger Hand festhieltst, fahren zu lassen. Elende Irrlehrer machen Angriff auf dich. Du denkst, der Herr, der dich erkauft hat, sei nicht der Sohn Gottes. Der Teufel sagt dir, du gehörst nicht mehr dem Herrn an, und du hältst dich vom Bund seiner Liebe ausgeschlossen. Manchmal sind deine Einbildungen von heiterer Natur, du hältst dich für etwas Großes und Mächtiges, für einen besonderen Günstling des Himmels; Stolz bläht dich auf; du hältst dich für reich, und bedarfst nichts, wo du doch bloß arm und jämmerlich bist. Ist dies dein Zustand, Christ, so möge Gott dich daraus erretten!

Ein weiteres: Der Schlaf ist ein Zustand der Untätigkeit. Ein Schläfer hört auf, sich sein tägliches Brot zu verdienen. Der Mensch, der sich auf sein Lager gelegt hat, bebaut weder sein Feld, noch geht er auf die See, noch schreibt er Bücher, noch tut er sonst etwas. Seine Hände läßt er herabhängen; sein Puls schlägt zwar und Leben ist noch in ihm, aber er ist tot in Beziehung auf irgend eine äußere Tätigkeit. Ihr Lieben, das ist der Zustand mancher Christen!

Einst war es ihre Freude, Kinder in der Sonntagsschule zu unterrichten, aber das ist jetzt aufgegeben. Einst gingen sie in einen Gebetsverein, aber jetzt nicht mehr. Einst wollten sie Holzhauer und Wasserträger in der Gemeinde Gottes sein, aber jetzt schlafen sie. Ist dies nicht im allgemeinen wahr? Liegen nicht die Kirchen im Schlaf? Wo sind die Prediger, die täglich den unausforschlichen Reichtum Christi verkündigen? Wie sehr sind die Gebetsversammlungen vernachlässigt! Wo ist der Gebetsgeist und wo das Leben in Andacht? Sind nicht viele Kirchen aus ihrem hohen Stand und ihrer Berufung gefallen? Gott wecke sie auf und sende ihnen mehr Männer des Gebets und der Kraft!

Ferner: Der Mensch, der schläft, ist in einem Zustand der Gefahr und Unsicherheit. Der Mörder erschlägt den Schläfer, und der Räuber plündert um Mitternacht das Haus dessen, der sorglos auf seinen Kissen liegt. Jael erschlägt den schlafenden Sisera. Abner nimmt den Spieß von dem Polster des schlummernden Saul. Ein schlafender Eutychus fällt vom dritten Stockwerk und wird tot aufgehoben. Einem schlafenden Simson werden seine Haarlocken abgeschnitten und die Philister sind über ihm.

O schlafender Christ, du bist in großer Gefahr. Dein Leben kann zwar nicht von dir genommen werden; es ist verborgen mit Christus in Gott. Aber du kannst deinen Spieß verlieren; du kannst viel von deinem Glauben einbüßen; und dein Wasserkrug, aus dem du deine Lippen befeuchtest, kann dir gestohlen werden von einem Dieb, der auf Raub ausgeht. O! du kennst deine Gefahr zu wenig. Gerade jetzt nimmt ein Engel mit schwarzen Flügeln seinen Spieß und steht bei deinem Haupt und spricht zu Jesus: „Soll ich ihn schlagen? Ich will ihn nur einmal schlagen!“ Aber Jesus spricht: „Du sollst ihn nicht schlagen. Nimm seinen Spieß und Wasserkrug, aber du sollst ihn nicht töten.“ So erwache denn, du Schläfer, stehe auf von dem Ort, wo du dich in großer Unsicherheit befindest. Dein Schlaf ist nicht der Schlaf Jakobs, in dem eine Leiter Himmel und Erde verband, und Engel auf- und abgestiegen sind; in deinem Schlaf ist eine Leiter von der Hölle aus aufgerichtet, und Teufel steigen auf aus dem Abgrund, um deinen Geist zu belästigen.

Dies bringt mich auf den zweiten Punkt, euch einige Betrachtungen vorzulegen, die wohl geeignet sind, die schlafenden Christen aufzuwecken.

Ich hatte einmal eine schlafende Zuhörerschaft, die bei ihrem Mittagessen zu viel gegessen hatte und so nachmittags schläfrig in die Kirche kam. Um sie aufzuwecken, schrie ich aus aller Macht: „Feuer! Feuer! Feuer!“ Von ihren Sitzen sich erhebend, fragten einige, wo es wäre; ich antwortete: Dort in der Hölle für schlafende Sünder, wie sie seien. So, Geliebte, möchte ich auch rufen: Feuer! Feuer! um die schläfrigen Christen aufzuwecken.

O Christ, erwache von deinem Schlummer, denn der Herr kommt. Dies ist der Hauptgrund in unserem Text. Der Apostel sagt: „Ihr seid alle Kinder des Lichts und Kinder des Tages.“ Ihr selbst wißt, daß der Tag des Herrn kommt, wie ein Dieb in der Nacht. Ihr seid nicht in der Finsternis, daß jener Tag euch nicht überfalle wie ein Dieb.

O Christen, wißt ihr nicht, daß der Herr kommt? In einer Stunde, wo ihr es nicht vermutet, wird der kommen, der einst auf Golgatha bebend hing; das Haupt, das einst mit Dornen gekrönt wurde, wird halb mit einem Kopfschmuck von schimmernden Kleinodien gekrönt werden. Er wird in den Wolken des Himmels kommen zu seiner Kirche. Willst du schlafend gefunden werden, wenn dein Herr kommt? Willst du den törichten Jungfrauen gleichen, die schliefen, während der Bräutigam auf sich warten ließ? Wenn unser Meister heute käme, würden nicht die meisten von uns sich fürchten müssen, Ihn zu sehen? Wenn ein großer Mann uns besuchen will, wie putzen und reinigen wir uns und unser Haus. In jeder Ecke des Zimmers werden Spinnweben weggeschafft; jeder Teppich wird umgekehrt; und man bemüht sich ernsthaft, das Haus rein zu haben für den Gast. Und du willst das Haus deines Herzens nicht reinigen, ehe dein Herr kommt? So seid wach, damit der Herr, wenn Er kommt, euch bereit finde. Ihr fleischlichen Christen, die ihr Spiele und Bälle besucht, wollt ihr, daß euch Christus bei eurem Tanz antrifft? Ihr fleischlichen Handelsleute, wollt ihr, daß Christus euch in eurem betrügerischen Sinn antrifft? Die ihr die Armen unterdrückt, und sie ihres Lohnes beraubt, wie schrecklich wird euch die Zukunft des Herrn sein! Wir haben von einem Matrosen gehört, der beim Sinken seines Schiffes in die Kajüte rannte, um einen Beutel mit Gold zu rauben. Er wurde zwar gewarnt, daß er mit dieser Last nicht schwimmen könne, aber er band sich den Beutel um die Hüften, sprang in die See und versank für immer. Und so fürchte ich, werden manche Reiche, die ihr Geld nicht recht anzuwenden wissen, zur Hölle sinken, erdrosselt durch ihr Gold, das wie ein Mühlstein um ihren Hals hängt. Darum erwache, o Christ, von deinem Schlaf, denn dein Herr kommt. Du willst schlafen, während dein Herr im Anzug ist - du willst schlafen, während Myriaden von Seelen verlorengehen und die Hölle bevölkert wird - du willst schlafen, während Christus entehrt wird, schlafen willst du, während der Teufel dein schläfriges Angesicht angrinst - schlafen willst du, während die Dämonen um deine schlummernden Trümmer umhertanzen und in der Hölle die Nachricht geben, daß ein Christ eingeschlafen ist. Du wirst den Teufel nie im Schlaf fangen, aber er wird dich erhaschen im Schlaf. Wache deshalb und sei nüchtern, daß du immer in dem bist, was deines Gottes und seines Reiches ist.

Mag man fragen: Wann ist der Christ am meisten zum Schlafen geneigt?

Antwort: Er ist dem Schlaf am meisten ausgesetzt, wenn seine zeitlichen Verhältnisse alle gut stehen. Dann sagt mancher: „Du hast jetzt viele Güter auf viele Jahre aufgehäuft; ruhe jetzt, liebe Seele, iß und trink und sei guten Mutes.“ Sagt mir, ob ihr nicht damals, als ihr in Nöten wart und ihr euch stündlich auf die Vorsorge Gottes verlassen mußtet, als euch die Not zum Gnadenthron trieb - sagt mir, ob ihr nicht damals wachsamer gewesen seid als jetzt. Der Müller, dessen Rad ein immer fließender Strom treibt, geht schlafen, während der, welcher vom Wind abhängig ist, der bald stark, bald schwach weht, nicht schlafen darf, damit nicht etwa der starke Wind die Segel zerreiße oder nicht genug Wind da ist, die Räder zu drehen. Wenige Menschen schlafen im Sturm; viele dagegen schlafen bei ruhiger Nacht. Gäbe es noch allgemeine Verfolgungen, würden noch Scheiterhaufen unter den Christen angezündet, so würden alle wach sein. Aber da jeder ohne Furcht unter seinem Weinstock und Feigenbaum sitzen darf, so schläft fast die ganze Christenheit.

Eine andere gefährliche Zeit ist, wenn im Geistlichen alles gut steht. Man liest nie in Bunyan's Pilgerreise, daß Christian geschlafen habe, dort wo Löwen zu fürchten waren; er schlief nie, wenn er durch den Todesbach ging oder wenn er in der Burg des Riesen Verzweiflung war oder wenn er mit Apollion stritt. Aber als er halbwegs den Hügel Schwierigkeit überstiegen hatte und als er an eine schöne kleine Gartenlaube kam, da ging er hinein, setzte sich und las seine Rolle; er zog seine Schuhe aus und rieb seine müden Füße. Sehr bald war sein Mund offen, seine Arme hingen herab und er fiel bald in einen Schlaf; die bezauberte Gegend war ein sehr ruhiger, angenehmer Ort, der Pilger bald in Schlaf brachte. Die Gartenlaube, die dort war, hieß des Trägen Freund, dazu bestimmt, die müden Fremden anzulocken und in Schlaf zu versetzen. Gewiß, an angenehmen Orten schließen die Menschen bald ihre Augen und wandern in das Traumland der Vergessenheit. Es sagte daher ein alter Verfasser: „Ich liebe den brüllenden Löwen mehr als den schlafenden.“ Eine Versuchung ist nicht halb so schlimm, als wenn man gar nicht versucht wird. Eine betrübte Seele schläft nicht; nur eine sich selbst vertrauende und sichere Seele ist in Gefahr einzuschlafen. Sei daher auf deiner Hut, wenn du voll Freude bist. Die Jünger wollten schlafen, nachdem sie Christi Verklärung auf dem Berg gesehen hatten. Selige Zustände, o freudiger Christ, sind oft sehr gefährlich; sie versetzen dich in einen tiefen Schlaf.

Christen geraten gerne in Schlaf, wenn sie dem Ende ihrer Wallfahrt nahe kommen. Die, die jahrelang in der Gnade gestanden haben, sind oft am meisten in Gefahr einzuschlafen. Nach und nach kommen wir in die Übung der Sache: es wird uns zur Gewohnheit, in Gottes Haus zu gehen und uns an diese oder jene Kirche zu halten. Und indem wir so immer ein- und denselben Weg gehen, werden wir sehr geneigt, einzuschlafen. Wenn Moab sicher lag und nicht von einem Gefäß ins andere geleert wurde, so schlief er fort, denn er erfuhr keine Veränderung.

Nun wollen wir dem schlafenden Christen einen guten Rat geben.

Stehe auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten. Gehe zu der Ameise, du Fauler, und siehe ihre Weise an. Und nun, welches ist der beste Plan, wach zu bleiben, wenn man durch die bezauberte Gegend wandert? Bunyan in seinem Buch sagt uns, daß es am zweckmäßigsten ist, in christlicher Gesellschaft zu reisen, und von des Herrn Wegen zu reden. Christian und Hoffnungsvoll sagten zueinander: „Laßt uns miteinander wandeln, so werden wir nicht in Schlaf geraten.“ Christian sagte: „Bruder, wo sollen wir anfangen?“ Hoffnungsvoll antwortete: „Wir wollen da anfangen, wo Gott mit uns angefangen hat.“ Dieser Gegenstand hielt sie wach. Wenn Christen miteinander reden, so werden sie nicht schlafen. Bleibe in Verbindung mit Christen, und du wirst nicht so leicht einschlafen. Christen, welche sich absondern und allein stehen, sind geneigt, sich niederzulegen und auf einem sanften Ruhebett zu ruhen und zu schlafen; aber wenn du viel mit anderen im Umgang bist, so wird es für dich sehr nützlich sein. Zwei Christen, die von den Wegen des Herrn reden, gehen viel schneller himmelwärts, als wenn einer allein ist.

Ferner laß mich dir sagen, daß du nicht so leicht einschläfst, wenn du wichtige Sachen in's Auge fassen wirst; und wie kannst du in der bezauberten Gegend besser wach bleiben, als wenn du dir deinen Heiland vor die Augen stellst? Ich habe nie einen Christen am Fuß des Kreuzes schlafen sehen. Halte dich deshalb nahe zum Kreuz Christi, und der Schlaf wird dir aus den Augen kommen.

Ferner rate ich dir, dich vom Wind anwehen zu lassen; laß den Hauch des heiligen Geistes dir beständig die Schläfe fächeln, so wirst du nicht schlafen. Suche stets unter dem Einfluß des heiligen Geistes zu stehen; empfange alle Kraft von ihm, und du wirst nicht schlafen können. Endlich: bestrebe dich, einen tiefen Eindruck von dem Wert und der Wichtigkeit des Ortes zu erlangen, wohin du gehst. Wenn du dich erinnerst, daß du nach dem Himmel wanderst, so wirst du auf dem Weg nicht schlafen können. Wenn du bedenkst, daß die Hölle hinter dir ist, und der Teufel dich verfolgt, so wirst du gewiß keine Neigung zum Schlaf haben. Würde derjenige, der einen Menschen erschlagen hat, schlafen, wenn der Bluträcher hinter ihm ist und die Zufluchtsstätte noch vor ihm? Christ, willst du schlafen, wenn die Perlentore offen sind, und die Engel dich erwarten, zum Anschluß an ihren Gesang?

Den Schlafenden habe ich jetzt gepredigt, aber für die Toten habe ich nichts in meinem Text. Es sind manche hier, welche nicht schlafen, sondern völlig tot sind. Diese kann nur die Stimme Gottes aufwecken. Doch will ich auch zu ihnen ein Wort reden. O du toter Mensch! weißt du nicht, daß dein Leib und deine Seele ein wertloses Aas ist; daß bald die Geier der Pein kommen und deine leblose Seele verzehren; und obwohl du jetzt noch lachst über den Vogel, der in der Luft schwebt, so wird er doch bald über dich herabfahren, und dein Totenbett wird widerhallen von Geschrei, Heulen, Jammern und Angstrufen? Weißt du nicht, daß danach deine tote Seele in das Tophet geworfen wird, und daß, wie man im Morgenland die Leiber verbrennt, so dein Leib und deine Seele zusammen in der Hölle verbrannt werden sollen? Das ist keine bloße Dichtung, kein Bild, sondern ernste, bestimmte Wahrheit. Die Hölle ist eine Flamme - ein Feuer, das den Leib verzehrt und noch dazu die Seele verbrennt. Dort ist physisches Feuer für den Leib und geistliches Feuer für die Seele. Siehe! o Mensch, das wird dein Los sein. Gerade in diesem Augenblick wird dein Scheiterhaufen aufgerichtet, deine Jahre in Sünde haben ungeheure Baumstämme übereinander gelegt, und siehe, ein Engel fliegt vom Himmel herab mit einem bereits angezündeten Feuerbrand; du liegst tot auf dem Scheiterhaufen, er zündet diesen an und deine Krankheit zeigt, daß deine Unterteile schon im Feuer sind. Es wird dich alter Mann bald erreichen - du bist dem Tode nahe - und wenn es dich erreicht, so wirst du verstehen, was das Feuer heißt, das nicht verlischt, und der Wurm, der nicht stirbt. Doch weil noch Hoffnung da ist, will ich dir das Evangelium verkündigen: „Wer da glaubt und getauft wird, der soll selig werden, und wer nicht glaubt, soll verdammt werden.“ Wer da glaubt an den Herrn Jesus, d.h. wer mit einem kindlichen Glauben zu Jesus kommt, auf Ihn sein Vertrauen setzt, der soll selig werden; wer aber nicht glaubt, soll ohne Schonung und ganz gewiß verdammt werden. Höret es, ihr Menschen, und erzittert. Amen.

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