Spurgeon, Charles Haddon - Buße zum Leben

„So hat Gott auch den Heiden Buße gegeben zum Leben.“
Apg. 11,18

Eines der größten Hindernisse, das die christliche Religion je überwunden hat, war das Vorurteil, das in den Gemütern ihrer ersten Bekenner tief eingewurzelt war. Die jüdischen Gläubigen, die zwölf Apostel und die, die Jesus Christus aus dem zerstreuten Israel berufen hatte, hingen so sehr an der Vorstellung, daß das Heil von den Juden käme, und daß niemand als die Jünger Abrahams, oder jedenfalls nur die Beschnittenen, errettet werden könnten, daß sie sich schwer an den Gedanken zu gewöhnen vermochten, daß Jesus gekommen sei, um der Heiland aller Nationen zu werden, und daß in Ihm alle Völker der Erde gesegnet sein sollten. Nur sehr schwer gaben sie diese Voraussetzung zu; sie war ihrer ganzen jüdischen Erziehung und Anschauungsweise so entgegengesetzt, daß sie Petrus vor ein Konzil von Christen forderten und zu ihm sprachen: „Du bist zu den Männern gegangen, die nicht beschnitten sind, und hast mit ihnen gegessen.“ Und Petrus konnte sich von der Anschuldigung auch nicht reinigen, bis er die Sache völlig dargelegt und ihnen gesagt hatte, daß Gott ihm in einer Vision erschienen sei und erklärt habe: „Was Gott gereinigt hat, das mache du nicht unrein,“ und daß der Herr ihm befahl, das Evangelium dem Cornelius und seinem Haus zu verkündigen, da auch sie Gläubige seien. Danach war die Kraft der Gnade so mächtig, daß die Juden ihr nicht länger widerstehen konnten, und all ihrer früheren Erziehung zum Trotz nahmen sie sofort die weite Grundlage des Christentums an und lobten Gott und sprachen: „So hat Gott auch den Heiden Buße gegeben zum Leben!“ Laßt uns Gott danken, daß wir jetzt frei von den Fesseln des Judaismus sind und daß wir nicht unter denen einer Heidenkirche sind, die wieder ihrerseits den Juden ausgeschlossen hat, sondern daß wir so nahe der gesegneten Zeit leben, die kommen soll, wo Jude und Heide, Sklave und Freier, sich eins in Jesus Christus, unserem Haupt, fühlen werden.

Ich will mich heute morgen aber nicht weiter darüber auslassen, denn mein Thema ist: „Buße zum Leben.“ Möge Gott mir Gnade geben, so zu euch zu reden, daß sein Wort einem scharfen Schwert gleicht, das „durchdringt, bis es Seele und Geist und auch Mark und Bein scheidet.“

Unter „Buße zum Leben“, denke ich, haben wir jene Buße zu verstehen, die von dem geistlichen Leben in der Seele begleitet ist und jedem, der sie besitzt, das ewige Leben zusichert. „Buße zum Leben“, sage ich, bringt geistliches Leben mit sich oder ist eher noch die erste Folge davon. Es gibt manche Arten von Buße, die keine Zeichen des Lebens sind, ausgenommen des natürlichen Lebens, weil sie nur durch die Macht des Gewissens und die im Menschen redende Stimme der Natur bewirkt werden; aber die Buße, von der hier die Rede ist, wird von dem Urheber des Lebens erzeugt, und wenn sie kommt, erzeugt sie ein solches Leben in der Seele, daß der, der „tot in Übertretungen und Sünden“ war, mit Christus lebendig gemacht wird; der, der keine geistige Empfänglichkeit hatte, nimmt jetzt „mit Sanftmut das Wort an, das in ihn gepflanzt ist.“ Der, der im Mittelpunkt des Verderbens schlummerte, empfängt Kraft, eines der Kinder Gottes zu werden und seinem Thron nahe zu sein. Dies, denke ich, ist „Buße zum Leben“, die einem toten Geist das Leben gibt.

Ich habe auch gesagt, diese Buße sichert das ewige Leben zu; ihr aber könnt auch Menschen von Arten von Buße reden hören, die die Errettung der Seele nicht verbürgen. Einige Prediger wollen behaupten, daß die Menschen Buße tun und glauben, und doch abfallen und verloren gehen können. Wir wollen heute morgen nicht viel Zeit damit zubringen, daß wir ihren Irrtum aufdecken; wir haben ihn früher oft untersucht und alles widerlegt, was sie zur Verteidigung ihres Dogmas sagen konnten.

Laßt uns an eine unendlich viel bessere Buße denken. Die Buße unseres Textes ist nicht ihre Buße, sondern es ist eine „Buße zum Leben“; eine Buße, die ein wahres Zeichen ewigen Heils in Christus ist; eine Buße, die uns während dieses zeitweiligen Zustandes in Jesus bewahrt und uns, wenn wir in die Ewigkeit eingegangen sind, eine Seligkeit gibt, die nicht zerstört werden kann. „Buße zum Leben“ ist die tatsächliche Errettung der Seele, der Keim, der alles zur Errettung Wesentliche enthält, der uns dies zusichert und uns dafür vorbereitet. Wir wollen heute morgen mit viel Sorgfalt und Gebet unsere Aufmerksamkeit der „Buße“, die „zum Leben“ ist, zuwenden. Zuerst werde ich einige Minuten der Betrachtung der falschen Buße widmen; zweitens die Kennzeichen der wahren Buße ins Auge fassen; und danach werde ich die göttliche Güte preisen, von der geschrieben steht: „So hat Gott auch den Heiden Buße gegeben zum Leben.“

I.

Zuerst also wollen wir einige Arten falscher Buße betrachten. Ich will mit der Bemerkung beginnen, daß Zittern unter der Verkündigung des Evangeliums nicht Buße ist. Es gibt viele Menschen, die, wenn sie eine treue evangelische Predigt hören, dadurch außerordentlich erregt und bewegt werden. Durch die Macht, die das Wort begleitet, bezeugt Gott, daß es sein Wort ist, und Er läßt die, die es hören, unwillkürlich zittern. Ich habe einige Männer gesehen, deren Knie während der Verkündigung von Schriftwahrheiten schlotterten, aus deren Augen die Tränen so reichlich flossen, als wenn sie Wasserquellen wären. Ich habe die tiefe Niedergeschlagenheit ihres Geistes gesehen, wenn sie - wie einige mir erzählt haben - erschüttert waren, bis sie nicht wußten, wie sie den Ton der Stimme aushalten sollten, denn sie schien ihnen wie die furchtbare Posaune des Sinai nur ihre Verdammnis zuzudonnern. Nun, meine Zuhörer, ihr mögt sehr beunruhigt sein unter der Predigt des Evangeliums, und dennoch nicht die „Buße zum Leben“ haben. Ihr mögt wissen, was es ist, sehr ernst und sehr feierlich gestimmt zu sein, wenn ihr zum Haus Gottes geht, und dennoch könnt ihr verhärtete Sünder sein. Laßt mich die Bemerkung durch ein Beispiel bekräftigen: Paulus stand vor Felix mit den Ketten an seinen Händen, und als er „von der Gerechtigkeit, von der Keuschheit und von dem zukünftigen Gericht“ predigte, da „zitterte Felix“, wie geschrieben steht, und doch ist Felix ins Verderben gegangen mit den übrigen, die gesprochen haben: „Gehe für heute; wenn ich Zeit habe, will ich dich herrufen lassen.“

Es gibt viele unter euch, die nicht das Haus Gottes besuchen können, ohne erschreckt zu werden; ihr wißt, wie es ist, oft entsetzt zu stehen bei dem Gedanken, daß Gott euch strafen wird; ihr mögt oft aufrichtige Bewegung unter dem Wort des Dieners Gottes empfunden haben; aber laßt mich euch sagen, ihr mögt dennoch Verworfene werden, weil ihr nicht Buße getan habt für eure Sünden und euch auch nicht zu Gott gekehrt habt.

Doch weiter. Es ist durchaus möglich, daß ihr nicht nur zittert vor dem Wort Gottes, sondern daß ihr eine Art liebenswürdiger Agrippa werdet, der „fast überredet“ ist, sich zu Jesus Christus zu wenden, und daß ihr dennoch keine „Buße“ habt; ihr mögt weiter gehen und sogar das Evangelium wünschen; ihr mögt sagen: „O, dieses Evangelium ist etwas so Gutes, ich wollte, ich hätte es. Es sichert uns so viel Glück hier und so viel Freude dort, ich wünschte, ich könnte es mein nennen.“ Es ist gut, so diese Stimme Gottes zu hören! Aber ihr mögt dasitzen und, während ein kräftiger Text gut behandelt wird, sogar sagen: „Ich glaube, er ist wahr;“ aber er muß ins Herz eindringen, ehe ihr Buße tun könnt. Du magst sogar auf deine Knie fallen im Gebet und mit erschrockenen Lippen beten, daß dies an deiner Seele gesegnet werden möge, und dennoch kein Kind Gottes sein. Du magst sprechen, wie Agrippa zu Paulus sprach: „Es fehlt nicht viel, du überredest mich, daß ich ein Christ würde;“ doch wie Agrippa magst du nie über dieses „nicht viel“ hinausgehen. Er war ,fast„ überredet, ein Christ zu sein, aber nicht „ganz“. Nun, wie viele von euch hier sind „fast überredet“, und doch nicht wirklich auf dem Weg des ewigen Lebens. Wie oft hat das Sündengefühl euch auf eure Knie gebracht und ihr habt „fast“ Buße getan, aber da seid ihr stehen geblieben, ohne wirkliche Buße zu tun. Seht ihr jenen Körper? Er ist noch nicht lange tot. Er hat noch nicht das Schreckliche des Todes, die Farbe ist noch dem Leben ähnlich. Die Hand ist noch warm; ihr mögt euch einbilden, daß er lebendig ist, er scheint fast zu atmen. Alles ist da - der Wurm hat ihn noch kaum berührt; die Auflösung hat sich kaum genähert; es ist kein Verwesungsgeruch da - aber das Leben ist geschwunden; das Leben ist nicht da. So ist es mit dir: du bist fast lebendig; du hast fast jedes äußere Organ der Religion, das der Christ hat; aber du hast kein Leben. Du magst Buße haben, aber keine aufrichtige Buße. Heuchler! Ich warne dich heute morgen, du magst nicht nur zittern, sondern sogar Gefallen an dem Wort Gottes haben, und doch magst du bei alledem keine „Buße zum Leben“ haben. Du magst hinunter in den bodenlosen Abgrund sinken und das Wort hören: „Geht von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engeln bestimmt ist!“

Aber mehr noch: Es ist für Menschen möglich, noch weiter zu gehen, sich unter die Hand Gottes zu demütigen, und dennoch ist ihnen die Buße völlig fremd. Ihre Güte ist nicht wie die Morgenwolke und der frühe Tau, der vergeht, sondern wenn die Predigt gehört ist, gehen sie nach Hause und beginnen, was sie für das Werk der Buße halten, sie entsagen gewissen Lastern und Torheiten, sie kleiden sich in einen Sack, ihre Tränen fließen reichlich über das, was sie getan haben; sie weinen vor Gott; und doch ist bei alledem ihre Buße nur eine zeitweilige, und sie gehen wieder zurück zu ihren Sünden. Leugnet ihr, daß es eine solche Buße geben könne? Laßt mich euch von einem Fall erzählen. Ein gewisser Mann, namens Ahab, begehrte den Weinberg seines Nachbars Naboth, der ihn nicht um Geld verkaufen und auch nicht umtauschen wollte. Er beriet sich mit seinem Weib Isebel, die es bewerkstelligte, Naboth töten zu lassen und so den Weinberg dem König zu sichern. Nachdem Naboth getötet war und Ahab den Weinberg in Besitz genommen hatte, ging der Diener des Herrn dem Ahab entgegen und sprach zu ihm: „Hast du totgeschlagen, dazu auch eingenommen? So spricht der Herr: An der Stätte, wo Hunde das Blut Naboths geleckt haben, sollen auch Hunde dein Blut lecken. Siehe, ich will Unglück über dich bringen und deine Nachkommen wegnehmen.“ Wir lesen, daß Ahab wegging und sich demütigte; und der Herr sprach: „Weil er sich nun vor mir bückt, will ich das Unglück nicht einführen, solange er lebt.“ Er hatte ihm eine Art Barmherzigkeit gewährt; aber wir lesen schon im nächsten Kapitel, daß Ahab sich empörte, und in einer Schlacht bei Ramoth in Gilead getötet wurde, wie es der Diener des Herrn gesagt hatte, “ so daß die Hunde sein Blut leckten in dem Weinberg Naboths. Auch ihr, das sage ich euch, mögt euch eine Zeitlang vor Gott demütigen, und doch die Sklaven eurer Übertretungen bleiben. Ihr fürchtet euch vor der Verdammnis, aber ihr fürchtet euch nicht vor der Sünde; ihr fürchtet euch vor der Hölle, aber ihr fürchtet euch nicht vor euren Missetaten; ihr fürchtet euch, in den Abgrund geworfen zu werden, aber nicht davor, euer Herz gegen Gottes Gebote zu verhärten.

Ist es nicht wahr, o Sünder, daß du vor der Hölle zitterst? Es ist nicht der Seele Zustand, der dich beunruhigt, sondern die Hölle. Wenn die Hölle ausgelöscht wäre, so würde deine Buße ausgelöscht sein; wenn die Schrecken, die auf dich warten, weggenommen würden, so würdest du frecher als vorher sündigen, und deine Seele würde verhärtet sein und sich gegen ihren König empören.

Täuscht euch hier nicht, meine Brüder; prüft euch, ob ihr im Glauben steht; fragt euch, ob ihr das habt, was „Buße zum Leben“ ist; denn ihr mögt euch zeitweise demütigen und doch niemals vor Gott Buße tun. Viele gehen noch über dies hinaus und haben doch noch keine Gnade. Es ist möglich, daß ihr eure Sünden bekennt und dennoch nicht Buße tut. Du magst dich Gott nähern und Ihm sagen, daß du in der Tat ein elender Mensch bist; du magst eine lange Liste deiner Übertretungen und der von dir begangenen Sünden aufzählen, ohne ein Gefühl der Abscheulichkeit deiner Schuld, ohne einen Funken wirklichen Hasses deiner Taten zu haben. Du magst deine Übertretungen bekennen und anerkennen und doch keinen Abscheu vor der Sünde haben; und wenn du nicht in der Kraft Gottes der Sünde widerstehst, wenn du dich nicht von ihr abwendest, so wird diese vermeintliche Buße nur die Vergoldung sein, die die Verzierung hervorhebt; nicht die Gnade, die in Gold verwandelt, das das Feuer erträgt. Du magst sogar, sage ich, deine Fehler bekennen, und doch keine Buße haben.

Noch eins, und dann bin ich zu dem wichtigeren Gedanken gekommen, den ich über diesen Punkt zu geben habe. Du magst irgendein „rechtschaffenes Werk der Buße“ tun, und dennoch unbußfertig sein. Laßt mich euch einen Beweis geben in einer Tatsache, die durch göttliche Eingebung beglaubigt ist. Judas verriet seinen Meister; und nachdem er das getan hatte, ergriff ihn ein überwältigendes Gefühl des furchtbaren Unrechts, das er begangen hat. Seine Schuld begrub alle Hoffnung der Buße, und in dem Elend der Verzweiflung, nicht in dem Schmerz wahrer Reue, bekannte er seine Sünde den Hohenpriestern und rief: „Ich habe übel getan, daß ich unschuldiges Blut verraten habe.“ Sie sprachen: „Was geht uns das an? Da siehe du zu.“ Darauf warf er die Silberlinge in den Tempel, um zu zeigen, daß er es nicht aushalten könne, den Preis der Schuld bei sich zu tragen, und ließ sie dort. Er ging davon und - war er errettet? Nein. „Er ging bin und erhängte sich selbst.“ Und sogar da folgte ihm die Rache Gottes: denn als er sich aufgehängt hatte, fiel er von der Höhe, an der er hing, und wurde in Stücke zerschmettert; er war verloren und seine Seele ging ins Verderben. Doch seht, was dieser Mann tat. Er hatte gesündigt, er bekannte sein Unrecht, er gab das Geld zurück; und nach all diesem war er ein Verworfener. Veranlaßt das uns nicht zu zittern? Ihr seht, wie es möglich ist, der Affe des Christen zu sein, so sehr, daß die Weisheit selber, wenn sie nur sterblich ist, getäuscht werden könnte.

II.

Nun, nachdem ich euch so gewarnt habe, daß es viele falsche Arten von Buße gibt, habe ich vor, einige Bemerkungen über wahre Buße zu machen, und über die Zeichen, an denen wir erkennen können, ob wir jene „Buße“ haben, die „zum Leben“ führt.

Zuerst laßt mich einige Irrtümer berichtigen, in denen die, die zu Jesus Christus kommen, sich häufig befinden. Einer ist, daß sie oft meinen, sie müßten tiefe, entsetzliche und furchtbare Gefühle vor den Schrecken des Gesetzes und der Hölle haben, ehe man sagen könnte, daß sie Buße getan haben. Mit wie vielen habe ich gesprochen, die mir gesagt haben, was ich euch nur so übersetzen kann: „Ich tue nicht Buße genug, ich fühle mich nicht genug als ein Sünder. Ich bin kein so grober und gottloser Sünder gewesen wie viele - ich könnte fast wünschen, daß ich es gewesen wäre; nicht weil ich die Sünde liebe, sondern weil ich denke, daß ich dann ein tieferes Bewußtsein meiner Schuld haben würde und sicherer fühlte, daß ich wirklich zu Christus gekommen sei.“

Nun ist es ein großer Irrtum, sich einzubilden, daß diese schrecklichen und entsetzlichen Gedanken an ein künftiges Gericht irgend etwas mit der Gültigkeit der „Buße“ zu tun hätten. Sie sind sehr oft gar nicht die Gabe Gottes, sondern die Eingebungen des Teufels; und selbst wo das Gesetz wirkt und diese Gedanken hervorbringt, müßt ihr sie nicht als einen Teil der „Buße“ betrachten. Sie dringen nicht in das Wesen der Buße ein. „Buße“ ist ein Hassen der Sünde, es ist eine Abkehr von der Sünde und ein Entschluß, sie in der Kraft Gottes zu verlassen. Es ist möglich, daß ein Mensch Buße tut, ohne irgendein furchtbares Gefühl der Schrecken des Gesetzes; er mag Buße tun, ohne daß er die Posaunentöne des Sinai gehört hat, ohne mehr als ein fernes Rollen seines Donners vernommen zu haben. Ein Mensch kann Buße tun bloß durch die Macht der Stimme der Barmherzigkeit. Einige Herzen tut Gott dem Glauben auf, wie Er es bei der Lydia tat. An anderen arbeitet Er mit dem Schmiedehammer des zukünftigen Zorns; einige öffnet Er mit dem Dietrich der Gnade, und andere mit der Brechstange des Gesetzes. Es mögen verschiedene Wege sein, hinein zu kommen, aber die Frage ist die: Ist Er hineingekommen? Ist Er da? Es geschieht oft, daß der Herr nicht im Sturm oder im Erdbeben ist, sondern in dem „stillen, sanften Säuseln.“

Es gibt einen anderen Irrtum, in dem sich viele arme Leute befinden, wenn sie an Errettung denken, und das ist der - daß sie nicht Buße genug tun können; sie bilden sich ein, wenn sie bis zu einem gewissen Grad Buße tun könnten, so würden sie errettet werden. „Herr Pastor,“ sagen einige von euch, „ich habe nicht Reue genug.“ Geliebte, laßt mich euch sagen, daß nicht irgendein außerordentlicher Grad von Buße nötig ist zur Errettung. Ihr wißt, es gibt Grade des Glaubens, und doch errettet der geringste Glaube. So gibt es auch Grade der Buße, und der geringste Grad wird zur Errettung der Seele genügen, wenn sie aufrichtig ist. Die Bibel sagt: ,Wer da glaubt, der wird selig werden,„ und wenn sie das sagt, so schließt das das geringste Maß des Glaubens in sich. Das ist der Fall, wenn sie sagt: „Tut Buße und werdet errettet.“ Das schließt auch den geringsten Grad von Buße in sich, den ein Mensch haben kann. Es kommt alles darauf an, daß sie aufrichtig ist.

Die Buße ist überdies niemals in irgendeinem sterblichen Menschen vollkommen. Wir erlangen niemals vollkommen Glauben, so daß wir ganz frei vom Zweifel sind, und wir erlangen nie eine Buße, die ganz frei von Hartherzigkeit wäre. Der aufrichtigste Bußfertige, den ihr kennt, wird fühlen, daß er teilweise unbußfertig ist. Die Buße ist auch eine fortdauernde, lebenslängliche Handlung. Sie wird beständig wachsen. Ich glaube, ein Christ wird auf seinem Sterbebett eine tiefere Reue empfinden als je zuvor. Es ist etwas, was euer ganzes Leben lang getan werden muß. Sündigen und Buße tun machen das Leben eines Christen aus. Buße tun und an Jesus glauben machen das Maß seines Glückes voll. Ihr müßt nicht erwarten, daß ihr vollkommen in der „Buße“ sein werdet, ehe ihr bei Jesus seid. Kein Christ kann vollkommen sein. „Buße“ ist eine Gnadengabe. Einige Leute predigen sie als eine Bedingung der Errettung. Bedingung des Unsinns! Es gibt keine Bedingungen der Errettung. Gott gibt die Errettung selbst, und Er gibt sie nur denen, denen Er sie geben will. Er sagt: „Ich will mich erbarmen, dessen ich mich erbarmen will.“ Wenn Gott dir also nur die geringste Buße gegeben hat, wenn es aufrichtige Buße ist, so preise Ihn dafür und erwarte, daß die Buße immer tiefer und tiefer werden wird, je weiter du kommst. Diese Bemerkung sollte, wie ich meine, auf alle Christen angewandt werden.

Christliche Männer und Frauen, ihr fühlt, daß eure Buße nicht tief genug ist. Ihr fühlt, daß euer Glaube nicht groß genug ist. Was sollt ihr tun? Bittet um eine Vermehrung des Glaubens, so wird er wachsen. So ist es mit der Buße. Habt ihr je versucht, Reue zu empfinden? Meine Freunde, wenn es euch nicht gelungen ist, so vertraut immer noch auf Jesus und versucht jeden Tag, einen bußfertigeren Geist zu erlangen. Erwartet nicht, sage ich wieder, zuerst vollkommene Reue zu haben, aufrichtig muß sie sein, und dann werdet ihr unter der göttlichen Gnade von Kraft zu Kraft gehen, bis ihr zuletzt die Sünde hassen und verabscheuen werdet wie eine Schlange oder Natter, und dann werdet ihr der Vollkommenheit der Buße nahe, sehr nahe sein.

Diese paar Gedanken also zur Erklärung unseres Gegenstandes. Und jetzt fragt ihr: Was sind die Zeichen wahrer „Buße“ in den Augen Gottes?

Zuerst sage ich euch, es ist immer Schmerz dabei. Niemand tut je Buße für die Sünde, ohne daß er Schmerz dabei fühlt. Mehr oder weniger heftig mag er sein, je nach der Art, in der Gott ihn beruft und nach seinem früheren Lebenswandel; aber etwas Schmerz muß da sein. Wir fragen nicht danach, wann er kommt, aber zu der einen oder anderen Zeit muß er kommen, sonst ist es nicht die Buße des Christen. Ich kannte einen Mann, der einst behauptete, Buße getan zu haben, und es war sicherlich eine Veränderung mit ihm vorgegangen, soweit das Äußerliche in Betracht kam; aber ich konnte nie sehen, daß er einen wirklichen Schmerz über die Sünde hatte und ich sah auch keine Zeichen der Buße an ihm, als er bekannte, an Jesus zu glauben. Ich nahm an, daß es bei diesem Mann eine Art von ekstatischem Sprung in die Gnade gewesen sei; und ich fand später, daß er wieder einen ebensolchen ekstatischen Sprung in die Schuld getan hatte. Er war kein Schaf Gottes, denn er war nicht in der Buße gewaschen. Alle Kinder Gottes sind dort gewaschen, als sie von ihren Sünden bekehrt wurden. Niemand kann zu Christus kommen und wissen, daß ihm vergeben ist, ohne zu fühlen, daß die Sünde ein hassenswertes Ding ist, denn sie tötete Jesus.

Ihr, die ihr tränenlose Augen, ungebeugte Knie, ungebrochene Herzen habt, wie könnt ihr denken, daß ihr errettet seid? Das Evangelium verheißt das Heil nur denen, die wirklich Buße tun. Damit ich aber nicht einige von euch verletze und euch fühlen lasse, was ich nicht beabsichtige, laßt mich bemerken, daß ich nicht sogen will, ihr müßt wirkliche Tränen vergießen. Einige Menschen haben eine so harte Konstitution, daß sie nicht in der Lage sind, eine Träne zu vergießen. Ich habe einige gekannt, die fähig waren zu seufzen und zu ächzen, aber Tränen wollten nicht kommen. Nun, ich sage, daß, obwohl die Träne oft einen Beweis der Buße gewährt, ihr doch ,Buße zum Leben“ ohne sie haben könnt. Das, wovon ich wünsche, daß ihr es versteht, ist, daß wirkliches Leid wegen der Sünde da sein muß. Wenn das Gebet nicht laut ist, muß es im Verborgenen sein. Es muß ein Ächzen da sein, wenn kein Wort da ist, es muß ein Seufzen da sein, wenn keine Träne da ist, um die Buße zu zeigen, wenn es auch nur gering ist. Es muß in dieser Buße, denke ich, nicht nur Leid, sondern auch Tun sein - praktische Buße. Es ist nicht genug, zu sagen:

„Wir fühlen Leid und Reu'
Und täglich dann begehen
die alte Sünd' aufs neu'“.

Viele Leute sind sehr traurig und reumütig wegen ihrer vergangenen Sünden. Hört sie sprechen: „O!“ sagen sie, „es tut mir sehr leid, daß ich ein Trunkenbold gewesen bin, und ich betrauere aufrichtig, daß ich in diese Sünde gefallen bin; ich beklage tief, daß ich es getan habe.“ Dann gehen sie geradewegs nach Hause, und wenn es ein Uhr am Sonntag ist, werdet ihr sie wieder dabei finden. Und doch sagen solche Leute, daß sie Buße getan haben. Glaubt ihr ihnen, wenn sie sagen, daß sie Sünder sind, aber die Sünde nicht lieben? Sie mögen sie für den Augenblick nicht lieben, aber können sie aufrichtig bußfertig sein und dann hingehen, und unmittelbar darauf wieder in derselben Weise Gottes Gebote übertreten wie zuvor? Wie können wir euch glauben, wenn ihr immer wieder Gottes Gebote übertretet und eure Sünde nicht verlaßt? Wir erkennen einen Baum an seinen Früchten, und ihr, die ihr bußfertig seid, werdet Werke der Buße hervorbringen.

Ich habe oft gedacht, das Beispiel, das ein frommer Prediger einst erzählte, sei sehr schön und zeige die Macht der Buße. Er hatte über die Buße gepredigt und im Verlauf der Rede von der Sünde des Stehlens gesprochen. Auf dem Heimweg gesellte sich ein Arbeiter zu ihm, und der Prediger bemerkte, daß er etwas unter seinem Rock verborgen hielt. Er sagte ihm, er brauche ihn nicht weiter zu begleiten, aber der Mann bestand darauf. Endlich sagte er: „Ich habe einen Spaten unter dem Arm, den ich auf jenem Hofe stahl; ich hörte Sie über die Sünde des Stehlens predigen, und ich muß gehen und ihn wieder dahin bringen.“ Das war aufrichtige Buße, die ihn veranlaßte, zurückzugehen und das Gestohlene wieder zurückzubringen. Es war wie bei jenen Südsee-Insulanern, die der Missionare Kleidungsstücke und Hausgerät stahlen, doch als sie wirklich bekehrt waren, brachten sie sie alle zurück. Aber wie viele von euch sagen, daß sie Buße tun, und doch kommt nichts danach; eine solche Buße ist kein Fingerschnippen wert. Die Leute bereuen aufrichtig, so sagen sie, daß sie einen Diebstahl begingen oder daß sie eine Spielhölle gehalten haben; aber sie sorgen dafür, daß aller Gewinn zu ihrer Gemütlichkeit verwandt wird. Wahre „Buße“ wird „rechtschaffene Werke der Buße“ hervorbringen; sie wird tätige Buße sein.

Doch weiter. Ihr könnt an dieser Probe sehen, ob eure Buße echt ist. Ist sie beständig oder nicht? Manche Buße ist wie die hektische Röte auf der Wange des Schwindsüchtigen, die kein Zeichen der Gesundheit ist. Manches Mal habe ich einen jungen Mann in einer Flut von neu erlangter, aber ungesunder Frömmigkeit gesehen, und er hat gemeint, daß er im Begriff sei, Buße für seine Sünden zu tun. Einige Stunden lang war er tief zerknirscht vor Gott, und wochenlang gab er seine Torheiten auf. Er besucht das Gebetshaus und redet wie ein Kind Gottes. Aber er geht zurück zu seinen Sünden, wie der Hund zu dem, was er gespien hat. Der böse Geist ist wieder zurückgekehrt in sein Haus und hat „sieben Geister zu sich genommen, die ärger sind denn er selbst, und wird hernach mit diesem Menschen ärger denn vorhin.“

Wie lange hat deine Buße angedauert? Währte sie monatelang oder kam und ging sie plötzlich? Du sagtest: „Ich will mich der Gemeinde anschließen - ich will dies tun, jenes und etwas anderes für Gottes Sache.“ Führst Du diese Werke fort? Glaubst du, daß deine Buße sechs Monate dauern wird? Wird sie zwölf Monate anhalten? Wird sie anhalten, bis du in dein Leichentuch gehüllt wirst? Aber ich muß noch eine Frage tun. Denkst du, daß du deine Sünden bereuen würdest, wenn dir keine Strafe vor Augen gestellt würde? Oder bereust du, weil du weißt, daß du auf ewig bestraft werden wirst, wenn du in deinen Sünden bleibst? Angenommen, ich sage dir, daß es gar keine Hölle gibt, daß du, wenn es dir gefällt, fluchen darfst, und daß du, wenn du willst, ohne Gott leben kannst. Angenommen, es gäbe keinen Lohn für die Tugend und keine Strafe für die Sünde, was würdest du wählen? Kannst du heute ehrlich sagen: „Ich weiß, daß ich durch Gottes Gnade die Gerechtigkeit wählen würde, wenn kein Lohn dafür in Aussicht wäre, wenn nichts durch die Gerechtigkeit zu gewinnen und nichts durch die Sünde zu verlieren wäre.“ Jeder Sünder haßt seine Sünde, wenn er dem Höllenrachen nahe kommt, jeder Mörder haßt sein Verbrechen, wenn er an den Galgen kommt; ich fand nie, daß ein Kind seinen Fehler so sehr haßte, wie wenn es dafür bestraft werden sollte. Wenn du keine Ursache hättest, den Höllenschlund zu fürchten, - wenn du wüßtest, daß du dein Leben der Sünde hingeben könntest und doch straflos bleibst, würdest du immer noch fühlen, daß du die Sünde haßt und daß du keine Sünde begehen könntest, wolltest, ausgenommen aus Schwachheit des Fleisches? Würdest du immer noch Heiligkeit wünschen? Würdest du immer noch wünschen, wie Christus zu leben? Wenn ja, - wenn du dies in Aufrichtigkeit sagen kannst - wenn du dich so zu Gott bekehrst und deine Sünde mit einem ewigen Haß haßt, dann brauchst du nicht zu fürchten, daß du keine „Buße zum Leben“ hättest.

III.

Nun kommt der dritte und letzte Punkt, und der ist, daß wir die Güte Gottes preisen wollen, die den Menschen „Buße zum Leben“ verleiht. ,Buße„, meine lieben Freunde, ist die Gabe Gottes. Es ist eine jener geistlichen Gnaden, die das ewige Leben sichern. Es ist das Wunder der göttlichen Barmherzigkeit, daß sie nicht nur den Weg des Heils bereitet, daß sie nicht nur die Menschen einlädt, Gnade zu empfangen, sondern daß sie sogar die Menschen willig macht, errettet zu werden. Gott bestrafte seinen Sohn Jesus Christus für unsere Sünden, und damit bereitete Er das Heil für alle seine verlorenen Kinder. Er sandte seinen Prediger; der Prediger lehrt die Menschen Buße tun und glauben und arbeitet dahin, sie zu Gott zu bringen. Sie wollen nicht auf den Ruf hören und verachten den Prediger. Aber dann wird ein anderer Bote gesandt, ein himmlischer Bote, dem es nicht mißlingen kann. Er fordert die Menschen auf, Buße zu tun und sich zu Gott zu bekehren. Ihre Gedanken sind etwas wunderlich, aber nachdem Er, der göttliche Geist, an ihnen gearbeitet hat, da vergessen sie, wie sie früher waren und tun Buße und kehren um.

Nun, was würden wir tun, wenn wir behandelt würden, wie Gott behandelt worden ist? Wenn wir ein Abendessen oder ein Fest bereitet und Boten ausgesandt hätten, um die Gäste einzuladen, was würden wir tun? Meint ihr, wir würden uns die Mühe machen, herumzugehen, alle zu besuchen und sie zum Kommen bewegen? Und wenn sie säßen und sagten, sie könnten nicht essen, würden wir ihnen den Mund auftun? Wenn sie immer noch erklärten, sie könnten nicht essen, würden wir fortfahren, sie zu nötigen, es doch zu tun? Ah, Geliebte, ich glaube, ihr würdet es nicht tun. Wenn ihr die Einladungsbriefe unterzeichnet hättet, und die Eingeladenen nicht zu eurem Fest kommen wollten, würdet ihr nicht sagen: „Ihr sollt es nicht haben.“

Aber was tut Gott? Er sagt: „Nun will ich ein Fest machen, ich will die Leute einladen, und wenn sie nicht hereinkommen, so sollen meine Diener ausgehen und sie hereinholen. Ich will meinen Knechten sagen: Geht hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötigt sie, hereinzukommen, damit sie Teilnehmer an dem Fest sein mögen, das ich bereitet habe.“

Ist es nicht eine erstaunliche Tat göttlicher Barmherzigkeit, daß Er sie tatsächlich willig macht zu kommen? Er tut es nicht durch Zwang, sondern gebraucht eine sanfte, gütliche Überredung. Sie sind zuerst so wenig bereit, errettet zu werden, wie sie nur sein können; ,Aber,“ spricht Gott, „das ist nichts, ich habe die Macht, sie zu mir zu bekehren, und ich will es tun.“

Der Heilige Geist prägt dann das Wort Gottes dem Gewissen seiner Kinder in einer so gesegneten Weise ein, daß sie sich nicht länger weigern können, Jesus zu lieben. Merkt euch, nicht durch irgendwelchen Zwang gegen den Willen, sondern durch einen sanften, geistlichen Einfluß, der den Willen ändert. O, ihr verlorenen und zu Grunde gerichteten Sünder, steht hier still und bewundert meines Meisters Barmherzigkeit. Er setzt nicht nur ein Mahl von guten Dingen vor die Menschen hin, sondern Er bewegt sie zu kommen und daran teilzunehmen und zwingt sie, beim Festmahl zu bleiben, bis Er sie in die ewigen Wohnungen trägt. Und wenn Er sie hinaufträgt, sagt Er zu jedem: „Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte. Nun, liebst du mich?“ ,O Herr!„ rufen sie, „Deine Gnade die uns hierher bringt, beweist, daß Du uns liebst, denn wir waren nicht willig, zu gehen. Du sagtest, ihr sollt gehen, wir sagten, wir wollten nicht, aber Du hast gemacht, daß wir gingen. Und nun, Herr, wir preisen Dich und lieben Dich für diese Macht. Es war ein süßer Zwang. Ich war ein widerstrebender Gefangener, aber jetzt bin ich willig gemacht.“

„Hilf, o Herr Jesus, hilf Du mir,
Daß ich noch heute komm zu Dir,
Und Buße tu' den Augenblick,
Eh' mich der schnelle Tod hinrück';
Auf daß ich heut' und jederzeit
Zu meiner Heimfahrt sei bereit.“

Nun wohl, was sagt ihr? Einige von euch werden sagen: „Herr Pastor, ich habe lange Zeit versucht, Buße zu tun. In Leiden und Schmerzen habe ich gebetet und versucht zu glauben und alles zu tun, was ich kann.“ Ich will dir noch etwas anderes sagen: Du magst lange Zeit versuchen, ehe du imstande bist, es zu tun. Das ist nicht der Weg, dahin zu gelangen. Ich hörte von zwei Herren, die reisten. Der eine sagte zu dem anderen: „Ich weiß nicht, wie es ist, aber Sie scheinen immer an Ihre Frau und Kinder zu denken und an alles, was zu Hause geschieht, und es scheint, als wenn Sie alles in Ihrer Umgebung damit verbinden; aber ich versuche, mir die Meinigen beständig in Erinnerung zu bringen, und doch kann ich es nie.“ ,Nein, sagte der andere, „das ist gerade der Grund - weil Sie es versuchen. Wenn Sie ihre Familie mit jedem kleinen Umstand, der uns begegnet, verbinden könnten, so würden Sie sich leicht an sie erinnern. Ich denke zu der und der Zeit: nun stehen sie auf; zu der und der Zeit - nun sind sie bei der Morgenandacht; zu der und der Zeit - nun sind sie beim Frühstück. In dieser Art habe ich sie stets vor mir.“

Ich denke, mit der „Buße“ verhält es sich ebenso. Wenn jemand sagt: „Ich will glauben,“ und versucht sich durch irgendwelche mechanische Mittel in die Buße hineinzuarbeiten, so ist das eine Abgeschmacktheit, und er wird es nie zustande bringen. Die Weise, wie er zur Buße kommen muß, ist, durch Gottes Gnade zu glauben und an Jesus zu denken. Wenn er sich die verwundete, blutende Seite vorstellt, die Dornenkrone, die Schmerzenstränen - wenn er sich alles vormalt, was Christus gelitten hat, so will ich mich dafür verpflichten, daß er sich bußfertig zu Ihm wenden wird. Ich möchte, was ich an Ruf in geistlichen Dingen habe, einsetzen, daß ein Mensch unter Gottes Heiligem Geist das Kreuz Christi nicht ohne ein gebrochenes Herz betrachten kann. Wenn es nicht so ist, so ist mein Herz verschieden von dem jedes anderen Menschen. Ich habe nie einen Menschen gekannt, der über das Kreuz nachgedacht und es betrachtet hat, der nicht gefunden hätte, daß es „Buße“ und Glauben erzeugte.

Wir blicken auf Jesus Christus, wenn wir errettet werden wollen, und sagen dann: „Erstaunliches Opfer! daß Jesus so starb, um Sünder zu erretten!“ Wenn du Glauben willst, erinnere dich, daß Er ihn gibt; wenn du Buße willst, Er gibt sie; wenn du das ewige Leben willst, Er gibt es reichlich. Er kann dich zwingen, deine große Sünde zu fühlen und dich Buße tun lassen beim Anblick des Kreuzes auf Golgatha und beim Ton des größten, tiefsten Todesschreies: „Eli, Eli, lama sabachthani!“ „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen!“ Das wird „Buße“ erzeugen, es wird dich zum Weinen bringen, so daß du sprichst:

„Ach, blutete mein teurer Heiland
Und starb mein Herr für mich?“

Also Geliebte, wenn ihr Buße haben wollt, so ist dies mein bester Rat für euch - blickt auf Jesus. Und möge der Geber aller „Buße zur Seligkeit“ euch bewahren vor den falschen Arten der Buße, die ich beschrieben, und euch jene „Buße“ geben, die zum Leben ist.

„Erwach' o Mensch, erwache,
Steh' auf vom Sündenschlaf.
Es kommt des Höchsten Rache
Und seine schwere Straf'.
Mit Schrecken und mit Ungestüm
Und sucht die Sünder heim im Grimm,
Die auf der Erde wohnen;
Der Herr wird zornig lohnen
Und nur der Frommen schonen.
Bekehre Du uns, Herre,
So werden wir bekehrt.
Ach, führ' uns aus der Irre
Zu Deiner frommen Herd'!
Verzeih', was wir bisher getan,
Nimm uns durch Christus wieder an;
Laß Deinen Geist uns leiten,
Daß wir zu allen Zeiten
Dein heilig' Lob ausbreiten.“

Charles Haddon Spurgeon - Gründe, weshalb oft die vornehmsten unter den Sündern selig werden.

Ein Grund ist der, daß dadurch die unumschränkte Macht der göttlichen Gnade ins Licht gestellt werden soll. Auf kein Juwel in seiner Krone ist Gott so eifersüchtig wie auf seine unumschränkte Macht. „Welchem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, des erbarme ich mich.“ (Röm. 9,15). Wenn Er nun den Ehebrecher, wenn Er den Verfolger seiner Auserwählten errettet und selig macht, so müssen alle Menschen sehen, daß es Gottes Finger ist und daß Er seine Güte und Liebe walten läßt nach dem Vorsatz seines unumschränkten und unerforschlichen Willens. Er erwählt den vornehmsten unter den Sündern, damit Er allen Menschen zeige: „Das Unedle vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, und das da nichts ist, daß Er zunichte mache, was etwas ist; auf daß sich vor Ihm kein Fleisch rühme.“ (1 Kor. 1,28.29)

Ein anderer Grund ist: daß Er seine große Macht beweist. O, wie wird doch die Hölle so wütend, wenn einer ihrer Helden gefällt wird! Wenn ihre Goliathe zu Boden sinken, wie fliehen da die Philister so wild davon! Wie widerhallt der Himmel von Triumphgesang, wenn ein großer Sünder ein Siegeszeichen der göttlichen Allmacht wird! Und wie reden die Menschen mit so eifriger Zunge von den großen und gewaltigen Taten Gottes, wenn der Säufer, der Flucher, der Dieb abgewaschen und zu Heiligen werden! Was gab es für ein Aufsehen zu Elstow, als man sich öffentlich im Wirtshaus fragte: „Ihr kennt doch den John Bunyan?“ „Sicher kennen wir ihn; du meinst den Burschen, der beim Kegelspiel immer der erste war, und der es beim Trinken immer am längsten aushielt?“ „Gut, wißt ihr auch, daß er gestern in Bedford gepredigt hat?“ „Was!“ ruft einer, „der hat in Bedford gepredigt? Eher hätte ich gedacht, daß der Teufel predigt als John Bunyan! Was muß es doch etwas Wunderbares ums Evangelium sein, daß es einen Menschen so ganz und gar umwandeln kann!“ Und doch war es wahr, und John Bunyan, der Bierhausbesitzer, wußte mehr vom Abgrund des Verderbens und mehr von der himmlischen Stadt, die jenseits des dunklen Stromes glänzt, als die meisten seiner Zeitgenossen. Es zeigt die Macht und die Unumschränktheit Gottes, wenn solche Menschen errettet und selig werden.

Und dann: wie sehr beweist es Gottes Gnade! Wenn ich zuweilen von Menschen, die das Heil suchten, Besuche empfing, so sah ich manchmal mehrere nacheinander zu mir kommen, die in frommen Kreisen geboren und erzogen wurden, und ich mußte Gott um ihretwillen preisen; aber es kam wohl etwa auch einmal einer, dessen Mitteilungen haarsträubend waren; und es wollte mit dem Erzählen nicht recht voran, sondern es gab Seufzer und Tränen und Schluchzen; und doch, wenn es zu Ende war und alles aufgedeckt, saßen zwei da und weinten miteinander - ich könnte kaum sagen, wer dabei heftiger geweint hat - der eine weinte, weil ihm Gnade widerfahren war, und der andere, weil er in ihm dieselbe Gnade erkannte, die er an sich selbst hatte erfahren dürfen. O, wenn große Sünder ihre Erfahrungen erzählen, dann sind sie so gerade und unumwunden, so deutlich! Da wird nichts vertuscht; da wird nicht lange gegrübelt, wann oder wie sie bekehrt wurden, sondern sie sind eben da. Sie sagen: O Herr, das muß von Gott sein; es ist eine solche Veränderung in mir vorgegangen, daß nichts einen Löwen so in ein Lamm hätte verwandeln können, nichts den Raben in die Taube, als allein die göttliche Gnade!“ In großen Sündern offenbart sich die Gnade Gottes.

Manchmal werden große Sünder deshalb von Gott berufen, damit auch andere herbeigelockt werden. Ihr wißt, daß, wenn irgendein großer Sünder Gnade findet, manche Seelen geradezu sagen: „O, dann ist auch für mich noch Gnade zu hoffen.“ Ich freue mich, ja, von ganzem Herzen freue ich mich, daß es einen Manasse, einen David, einen Saulus von Tarsus gegeben hat, und ich freue mich besonders, daß sie in der Bibel stehen. Die Gottlosen suchen sich diese Sündengeschichten heraus und lachen über uns und sprechen: ,Seht, das sind eure Heiligen!„ - Ach! das können wir schon ertragen, weil wir sagen können: „Nein, dort steht, was sie als natürliche Menschen gewesen sind; aber sie sind trotzdem selig geworden durch die erwählende Gnade Gottes, der die Menschen selig macht durch den Glauben und nicht wegen ihrer Werke.“ (Vgl. Eph. 2,8.9)

Ich glaube freilich, daß der Fall Davids unter Tausenden, ja, unter Millionen von Sündenfällen ganz einzig dasteht. Der Anstoß, den er bei seinen Lebzeiten gegeben hat, war jedenfalls sehr groß, aber der unberechenbare Segen, der der großen Gemeinschaft aller Gläubigen aller Zeiten und Völker aus seinen Bußpsalmen zuströmte, stellt den Schaden, den Davids Fall der Gemeinde Gottes seiner Zeit tat, weit in den Schatten. Nicht, daß daraus für den Sünder eine Minderung seiner Schande entspränge, sondern es erwächst daraus dem Heiland um so größere Ehre, wo die Sünde zuerst so mächtig war und dann die Gnade noch weit mächtiger wurde. Wir können diesen Flecken schon ertragen um des Lichtes willen, das aus dieser Sonne zu uns strahlt.

Ihr Sünder, ihr alle, zählt euch meinetwegen zu den geringen Sündern, wenn euer Leben nie von groben Sünden befleckt wurde (und es sollte mich freuen, wenn das der Fall wäre), aber laßt euch wenigstens herbeilocken durch die Tatsache, daß der große Sünder zu Jesus kommt und abgewaschen und selig wird. Ich habe vom Elefanten erzählen hören, daß er oft, ehe er eine Brücke betritt, mit dem Rüssel oder mit einem Fuß zuerst untersucht, wie fest sie sei. Er will sich überzeugen, ob sie stark genug sei, denn er vertraut die große Last seines Körpers keinem Bauwerk an, das nur für Pferde und Fußgänger berechnet ist. Dann erst, wenn er die Brücke geprüft hat und sie stark genug findet, setzt er seinen Weg fort, und sein gewaltiger Riesenleib schreitet über den tiefen Strom hinweg. Nun stellt euch vor, wir ständen am anderen Ufer und sprächen unsere Befürchtung aus, die Brücke könne uns nicht tragen! Da wäre doch unser Unglaube unbegreiflich. Und so ist es, wenn ihr einen großen Sünderelefant wie den Apostel Paulus, über die Brücke der Gnade einherstampfen seht und dabei kein Brett knarrt und die Brücke unter der Last nicht einmal zittert, dann, denke ich, dürft ihr haufenweise kommen und sagen: „Sie trägt uns, denn ihn hat sie auch getragen; wir können auch hinüber, denn der vornehmste unter den Sündern hat in den Himmel kommen können!“

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