Spurgeon, Charles Haddon - Eine Ansprache für traurige Zeiten

„Wenn mein Herz verschmachtet, du wirst mich auf einen Felsen leiten, der mir zu hoch ist.“
Psalm 61,2

Davids Gebet ist sehr weise und angemessen. Er steht unter großem Druck und bittet darum, daß es ihm gegeben wird, sich darüber erheben zu können. Er hat großen Glauben, und darum ist er gewiß, daß es eine sichere Zuflucht für ihn gibt. Er ist sich großer Schwäche bewußt, denn er spricht nicht davon, daß er selber den Felsen der Sicherheit erklimmen will, sondern fleht um göttliche Leitung, damit er dorthin kann. Sein Gebet paßt für Menschen, wie wir es sind, die wir da wohnen, wo die Trübsalswogen hoch gehen.

Das Herz kann von verschiedenen Mächten überwältigt werden. Es kann durch Schuldgefühle geschehen. Sorglosigkeit und Gleichgültigkeit verschwinden, wenn der Heilige Geist die Überzeugung von der Sünde im Gewissen wirkt, die Gerechtigkeit Gottes offenbart und einen Menschen zu der Erkenntnis bringt, daß er sich in der Gefahr des zukünftigen Zorns befindet; dann wird Herz und Fleisch matt, der Mut und die Hoffnung verlieren sich, und der Mensch verschmachtet. Eine solche Zeit ist geeignet zu beten: „Du wirst mich auf einen Felsen leiten, der mir zu hoch ist.“ Welche Sicherheit genießt du, wenn du in der Kluft des Felsens der Ewigkeiten Zuflucht finden kannst! Der Fels des Sühneopfers erhebt sich höher als deine Sünde und auf ihm ist auch der Schuldigste über die schäumenden Wogen der Rache weit erhoben. Von göttlicher Hand geführt, um den großen Erlöser und Stellvertreter umschlingen zu können, ist auch die schiffbrüchige Seele sicher gelandet und kann singen, weil sie dem Tod entgangen ist.

Obwohl die an Jesus Glaubenden vor dem göttlichen Zorn völlig sicher sind, können sie dennoch von Trübsalen überwältigt werden. Sie sollten es nicht, denn wenn ihr Glaube tätig wäre, wie er es sein sollte, würde sie keine Furcht ergreifen, aber wegen der Schwachheit des Fleisches und auch wegen der innewohnenden Sünde bricht der Unglaube wie eine Flut herein und überschwemmt das ängstliche Herz. Manchmal rollen auch wie ungeheuere atlantische Wogen die Prüfungen des Lebens daher und schlagen gegen unsere armselige Barke, daß wir hin und her schwanken und wie ein Betrunkener wanken. Das leckgewordene Schiff füllt sich mit Wasser und gehorcht dem Steuer der Vernunft nicht mehr. Es läßt sich von der Strömung treiben, wohin diese will, und der Schiffbruch scheint bevorzustehen. Dann ist es gut, wenn der Christ ruft: „Du wirst mich auf einen Felsen leiten, der mir zu hoch ist,“ denn wenn auch bei einem natürlichen Sturm ein Felsen vermieden werden muß, gibt es in unseren geistlichen Stürmen doch einen hohen Felsen, zu dem wir uns als Zuflucht und Hafen flüchten müssen. Wahrlich, dieser Felsen ist höher, als wir es sind, und gerade seine Höhe ist unser Trost. Gott, der unendlich Hohe und Herrliche, wird nicht beunruhigt noch verzagt. Seine Absichten sind viel höher als unsere Blicke, und sie sind auch weit über die Wirkung des Bösen erhaben. Deshalb lassen wir im Vertrauen auf Gott den Sturm weit unter uns und lächeln über den Tumult dort unten.

Meinem Herzen, meine Brüder, kommen die bedrückenden Gedanken nicht von meiner persönlichen Sünde, denn ich weiß, daß sie vergeben ist, noch von weltlichen Trübsalen, da ich weiß, daß mir alle Dinge zum Besten dienen. Aber ich bin wegen dem gegenwärtigen Zustand der Gemeinde Gottes tief bekümmert. Männer, die von Gott berufen sind, für Seine Herde zu sorgen, fühlen sich niedergeworfen, wenn die Zeichen der Zeit dunkel und drohend sind. Mose trug in der Wüste das ganze Volk Israel auf seinem Herzen, und zuweilen waren sie ihm eine wahre Last, und so trägt jeder rechte Prediger die Gemeinde auf seinem Herzen und fühlt sich oft sehr beladen. Gegenwärtig kann ich schmerzerfüllt mit Jeremia ausrufen: „Es tobt in mir mein Herz! Ich kann nicht schweigen!“ (Jer 4:19)

Es ist erschütternd für mich, die zunehmende Verweltlichung der Gemeinde sehen zu müssen. Viele bekennende Christen - der Herr allein weiß, ob sie wahre Gläubige sind oder nicht - geben uns Ursache zu Befürchtungen. Wir sehen, wie Dinge geduldet werden, die ihre Väter nie geduldet hätten. Mein Blut erstarrt mir in meinen Adern, wenn ich daran denke, wie sehr manche Bekenner irre gehen. Es stehen Familien mit unseren Gemeinden in Verbindung, in denen keine Hausandachten gehalten werden, wo aber luxuriöses Essen und Trinken und sonstige Extravaganzen an der Tagesordnung sind. Ich bin selbst nicht fern von dem Verdacht, daß sich unter den Bekennern eine beträchtliche Anzahl befindet, die das Theater besucht, sich am Kartenspiel beteiligt, leichte und törichte Lektüre liest und doch zum Tisch des Herrn kommt. Wenn diese sich von der Welt unterscheiden, so ist es schwer zu sehen, wie oder wo das der Fall ist. Weder in ihrer Kleidung, noch in ihrer Sprache, noch in der Art ihres geschäftlichen Lebens, noch in ihren Gewohnheiten daheim unterscheiden sie sich von den Unbekehrten.

Ist das nicht ein großes Übel unter der Sonne? Wenn die Gemeinde auf das Niveau der Welt hinabsinkt, dann ist ihre Kraft dahin. Doch wir können dieses verdächtige Unkraut nicht ausjäten, weil wir fürchten, den Weizen mit auszureißen. Wenn falsche Bekenner offener in ihrem Verhalten wären, würden wir sie erkennen, aber ihre Übel sind geheim, und darum müssen wir sie mit dem Weizen zusammen wachsen lassen. Doch manchmal geht der bekümmerte Landmann zu dem großen Eigentümer und ruft: „Herr, hast Du nicht guten Samen auf den Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut?“ Die Antwort lautet: „Das hat der Feind getan,“ und wir werden niedergeschlagen, weil wir fürchten, daß wir dem Feind durch unsere Schläfrigkeit dazu Gelegenheit gegeben haben.

Ich schaue wieder aus und sehe, wie eine Anzahl Bekenner abfällt. Viele Personen, die auf dem Lande Mitglieder von Gemeinden waren, fallen ab, wenn sie in diese große Stadt kommen. Sie übernehmen die Gewohnheiten ihrer Nächsten und behandeln die Gottesdienste am Tag des Herrn, als ob es in ihrem freien Willen stünde, damit zu tun, wie es ihnen gefällt. Und wenn sie zum Gottesdienst gehen, dann laufen sie hierhin und dorthin und vergessen die Pflichten der christlichen Gemeinschaft. Andere sind damit zufrieden, berühmte Prediger zu hören, nicht weil sie das Evangelium predigen, sondern weil sie als vorzügliche Männer bekannt sind. Einst wurden Prediger wegen ihrer gesunden Lehre, Salbung und Erfahrung geschätzt, jetzt aber sucht man Männer, die populär und geistreich sind.

Manche, die sich Christen nennen, verlangen schönen Gesang und gute Musik. Wenn sie diese Befriedigung suchen, warum geben sie sich dann nicht damit zufrieden, ein Wochenkonzert an einem geeigneten Ort zu besuchen? Gottes Haus ist nie dazu bestimmt gewesen, in eine Halle umgewandelt zu werden, wo Musikgruppen miteinander wetteifern, um den Ohren der Menschen zu gefallen. Nicht wenige wählen ihre Kirche, weil sie ein imposantes Bauwerk ist und die Versammlung sich aus respektablen Leuten zusammensetzt. Mögen sie doch, wenn sie nur Gesellschaft suchen, dahin gehen, wo sich die Elite der Gesellschaft zusammenfindet und sich selbst auswählt. Doch bei der Anbetung Gottes begegnen Reiche und Arme einander, der Herr hat sie alle gemacht. Es ist ein schlimmes Zeichen, wenn in unserer Zeit Gottes arme Heilige verachtet werden. Wenn Geschäftsleute etwas Geld erspart haben, werden sie zu groß für die Versammlung, in welcher sie sich einst zu Hause fühlten und müssen unbedingt Mitglied einer vornehmeren Kirche werden. Diese Dinge machen mir auch viel Kummer, nicht weil es in einzelnen Fällen auch Glieder meiner Gemeinde trifft, sondern weil der Umstand vielen auffällt.

Ebenso schmerzlich wird mein Herz berührt, wenn ich die Verbreitung des Aberglaubens wahrnehmen muß. Ihr könnt kaum eine Straße hinabgehen, ohne eine sogenannte Episkopalkirche anzutreffen, wo „Priester“ - so nennen sie sich selbst - törichte Frauen zur Beichte locken und sie mit Messen und Prozessionen zu amüsieren suchen. Eitle Betrüger! Geistliche einer anerkannten protestantischen Kirche gehen eifrig darauf aus, dem Protestantismus das Leben zu nehmen. Es gibt Narren genug, die an diese Priester glauben und sich vor ihren Kruzifixen und Kreuzstationen und dergleichen beugen, und die Greuel verbreiten sich offensichtlich wie der Sauerteig im Mehl. Gott allein weiß, wo unser Land hinsteuert, und wer sein Land liebt, fühlt, wie er von solchen Dingen überwältigt wird.

Doch halte ich dies nicht für das schlimmste Zeichen der Zeit. Rings um uns her wächst das böse Unkraut der „neuen Ideen“ auf, das nichts anderes ist als ein Unglaube, der zu feige ist, seinen eigenen Namen zu tragen. Es gibt Prediger auf christlichen Kanzeln, welche die Autorität verschiedener Bücher der Bibel leugnen und die wörtliche Inspiration ganz verwerfen. Es gibt nicht eine Lehre des Evangeliums, welche nicht von dem einen oder anderen „Denker“ geleugnet würde und selbst die Existenz eines persönlichen Gottes wird als ein strittiger Punkt betrachtet. Doch die Gemeinden dulden sie und gestatten ihnen, die Kanzeln zu betreten, die einst von gottseligen Predigern Christi besetzt waren. Nachdem sie den Glauben verleugnet und so gut sie es nur vermochten, ihre Dolche in das Herz der wichtigsten Lehren gebohrt haben, beanspruchen sie noch, Prediger des Evangeliums zu sein, und dabei wünschen sie, Glaubensbekenntnisse und Glaubensartikel abzuschaffen, weil diese beständige Zeugen wider ihre Schurkenstreiche sind. Ich würde mich nicht darum kümmern, was aus dem Kehricht werden mag, wenn nur die Gemeinden von dem Irrtum errettet würden. Ich sehe diesen Sauerteig des Unglaubens nach allen Richtungen hin wirken und viele sind in dem einen oder anderen Punkt angesteckt. Er frißt sich wie ein Krebs in die Seele der Gemeinden ein. Gott erlöse uns davon!

Es ist schwer zu sagen, was geschehen soll, weil niemand seinen Nächsten verdächtigen möchte und doch scheint eine Pest in der Luft zu liegen, so daß sie auch in die bestbehüteten Kammern eindringt. Wir hören bald von dem einen, bald von dem anderen, daß er seltsame Ideen erörtert, und die, welche man für Säulen hielt, werden plötzlich rollende Steine. Wer wird demnächst abgehen? Und was wird sich dann ereignen? Inmitten dieser Verwirrung droht unser Herz zu verzagen. Ist keine Ursache dazu vorhanden? Es ist nicht unser eigenes Haus, nicht unser Vermögen, nicht unsere leibliche Gesundheit, welche in Gefahr ist; wenn das wäre, würden wir uns stillschweigend beugen und es tragen. Nein, es ist die Haushaltung Gottes, das Reich Christi, es ist die Gemeinde Gottes auf Erden, welche so leidet, und wohl mögen die, welche den Herrn und Seinen Christus und Seine Wahrheit lieben, um die Lade zittern und eine heilige Eifersucht in sich brennen fühlen. Zu einer solchen Zeit ist das Gebet Davids unschätzbar: „Du wirst mich auf einen Felsen leiten, der mir zu hoch ist.“ Laßt uns sehen, wie diese Bitte der Lage entspricht.

Zuerst wollen wir uns dessen erinnern, daß Gott lebt. Herrlicher Gedanke! „Der Herr ist König ewiglich; des freue sich das Erdreich!“ Er führt Seine Pläne aus und setzt Seinen Willen durch. Es wäre sehr kindisch, wenn wir für den Mond fürchten wollten, weil, während er in seinem Glanz dahinzieht, die Hunde ihn anbellen. Es wäre absurd, für die ewigen Berge zu fürchten, weil der Wind deren Granitspitzen umweht und es wäre ebenso töricht, für die Wahrheit Gottes zu zittern. Feste Dinge werden bestehen und die nicht bestehen können, mögen fallen. Gott lebt, und alles, was von Gott ist, bleibt in Ewigkeit. Auf diesem Felsen laßt uns ruhen.

Auch wollen wir uns daran erinnern, daß Gottes Wahrheit dieselbe ist. Es tut nichts, ob fünfzigtausend oder nur fünf oder nur einer sie zu seiner Sache macht. Die Wahrheit herrscht nicht durch die Wahlurne oder durch die Berechnung der Köpfe; sie bleibt ewiglich. Alle Zungen der Menschen und Engel können die Wahrheit nicht wahrer machen, und alles Heulen der Teufel und Zweifler kann sie nicht in eine Lüge umwandeln. Gott sei Preis und Ehre dafür! Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Die ewigen Wahrheiten sind erhaben über ihren Leugnern, denn diese sind wie Spreu, die der Wind verweht. „Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt zur Torheit gemacht?“

Ein anderer Fels kann uns auch Schutz gewähren, nämlich die hohe Lehre, daß der Herr die Seinen erretten wird. Die viel verachtete Wahrheit von der Erwählung steht für uns in unruhiger Zeit fest. Wir seufzen und schreien, weil so viele die Götter dieser Zeit anbeten, aber der Herr antwortet: „Ich habe mir übriggelassen siebentausend Mann, welche dem Baal das Knie nicht gebeugt haben. Also ist nun auch in der jetzigen Zeit ein Überrest nach Wahl der Gnade.“ Die Worte des Apostels sind jetzt wahr: „Die Auserwählten haben es erlangt, die übrigen aber sind verstockt worden, wie geschrieben steht: Gott hat ihnen einen Geist der Schlafsucht gegeben, Augen, um nicht zu sehen, und Ohren, um nicht zu hören, bis auf den heutigen Tag.“ Ich beuge mich vor der erhabenen Souveränität Gottes und das Geschrei der Leute dringt nicht in meine Ohren. Der Rat des Herrn besteht und Er tut alles, was Ihm wohlgefällt. Von dem sühnenden Blut soll kein Tropfen vergeblich geflossen sein, keine Zeile des ewigen Bundes wird durchgestrichen, und kein Beschluß des Ewigen wird zurückgezogen werden. Das ärgert den Widersacher, aber während die Heiden toben und die Leute Eitles ersinnen, finden wir in dieser göttlichen Wahrheit unseren Trost.

Ein Felsen, der zu hoch für mich ist, kann mir nicht nur zum Schutz, sondern auch zur Erhebung dienen. Wenn du einen hohen Platz einnimmst, kannst du, selbst wenn du ein Zwerg wärst, weiter sehen als der größte Mensch, der unten steht. Wenn wir nun auf dem hohen Felsen des Wortes Gottes stehen, was sehen wir da? Reinigt eure Augen von Zweifel und Staub und schaut. Vergeßt einen Augenblick die Gegenwart und seht durch das Teleskop des Glaubens. Was sehen wir? Wir sehen, wie die Systeme des Irrtums zerbröckeln und der Aberglaube den Maulwürfen und Fledermäusen zum Raube wird, wie die Wolken sich zerteilen, die Finsternis der Nacht verschwindet und die Tiere sich in ihre Höhlen zurückziehen, weil die Sonne der Gerechtigkeit aufgeht mit Heil unter ihren Flügeln. Der Tag des Triumphes der Wahrheit muß anbrechen.

Wenn dies vor der Wiederkunft unseres Herrn nicht geschieht, so wird es zur Verwirrung Seiner Widersacher und zur Wonne Seiner Heiligen danach geschehen und es wird „einen neuen Himmel und eine neue Erde geben, in denen Gerechtigkeit wohnt“. Wenn diese alte Erde die Wahrheit noch verwerfen und der alte Himmel noch auf eine Herrschaft des Irrtums herabsehen muß, so werden sie doch vom Feuer verzehrt werden und auf dieser Erde, auf welcher wir stehen, wird, nachdem sie erneuert und gereinigt ist, ein so herrlicher und schrecklicher Thron errichtet werden, wie das Kreuz Christi schimpflich und schmachvoll war. Das Blut Jesu ist auf diese Erde getropft und hat die Garantie für ihre Erlösung von dem Fluch übernommen, und eines Tages wird unser Herr, nachdem Er die unterworfene Kreatur freigemacht hat, hier wohnen und in Herrlichkeit herrschen.

Wir sind imstande zu warten, denn die Ewigkeit ist für uns. Wir können es ertragen mitanzusehen, daß die Reihen der Armee des Herrn eine Weile zurückgedrängt werden. Wir können es mitansehen, daß das Banner von rauhen Winden hin und her bewegt wird. Wir können selbst das „Aha!“ der Philister mitanhören, denn wenn der Fürst kommt, werden sie Seinen Namen und die Macht Seiner Stärke erkennen. Wenn sie sich Ihm hier nicht ergeben und Sein silbernes Liebeszepter nicht küssen wollen, so werden sie sich beugen müssen, wenn sie sehen, daß Sein eisernes Zepter sie wie ein Tongefäß zerschlägt. Es kommt alles darauf an zu wissen, daß wir auf der Seite Gottes sind. Wenn ein Mensch weiß, daß sein Herz und seine Seele der Sache Gottes und Seiner Wahrheit ergeben ist, so ist er in einer uneinnehmbaren Festung verschanzt, und er wird in den ewigen Wahrheiten reiche Munition von dem wunderbaren Felsen finden.

Was haben wir denn nun zu tun? Wir haben allen Fleiß anzuwenden. Achtet darauf, denn wenn auch manche diese heilige Sorge als Selbstsucht bezeichnen mögen, so weiß unser Herr es doch am besten, und Er sagte Seinen Knechten, daß sie sich nicht so sehr über ihre Macht über den Teufel, sondern vielmehr darüber freuen sollten, daß ihre Namen im Himmel angeschrieben sind. Wacht über euer eigenes Herz und werft euer Vertrauen nicht weg.

Und dann steht in der Abhängigkeit von Gott und bemüht euch eifrig, das wenige zu tun, was ihr tun könnt. Tut es gut und tut es beharrlich. Wir sind nicht dazu berufen, die Welt zu verbessern, noch das wütende Meer der menschlichen Sünde aufzuhalten. Laßt uns nicht versuchen, das göttliche Zepter zu schwingen, es steht uns nicht zu. Natürlich möchtet ihr gerne alle Menschen zurechtbringen und alle Prediger bibeltreu machen. Aber, mein Bruder, das geht über dein Vermögen hinaus. Sei darauf bedacht, in deinem eigenen Leben richtig zu stehen und sei entschlossen, von jeder Wahrheit, die du erkennst, ein vollständiges, ehrliches und gehorsames Zeugnis abzulegen und laß es dabei bewenden, denn du bist nicht verantwortlich für das, was über deine Möglichkeiten hinausgeht.

Keiner von uns ist viel mehr als eine Ameise auf ihrem kleinen Hügel. Wenn jene winzige Ameise sich in ernsten Erwägungen über Staatsgeschäfte erginge und dabei vergäße, die Arbeiten des Ameisenhaufens zu erledigen, so wäre sie ein törichtes Geschöpf. Wenn sie aber die großen Dinge anderen überläßt und ihre Arbeit als Ameise tut, füllt sie ihren kleinen Wirkungskreis aus und entspricht der Absicht ihres Schöpfers. Eine Mutter, die ihre Kleinen lehrt und alles tut, was sie kann, um sie in der Furcht Gottes zu erziehen; ein Prediger mit wenigen Menschen um sich her; eine Lehrerin mit ihrem Dutzend Kindern; eine stille christliche Frau in ihrem häuslichen Kreis, die ihr gottseliges Zeugnis ablegt; ein junger Mann, der zu anderen jungen Männern von Jesus spricht - es liegt in diesen Aufgabenbereichen nichts Ehrgeiziges, aber ein jeder handelt weise vor dem Herrn. Überlaß die Zügel des Universums den Händen seines Schöpfers und dann tue, was Er dir zu tun gegeben hat, in Seiner Furcht und durch Seinen Geist und es wird mehr dazu kommen, als du zu hoffen wagst.

Wir gleichen jenen Korallentierchen, von denen jedes in den verborgenen Tiefen sein kleines Teilchen an dem Aufbau des Korallenfelsens liefert. Wir können mit den mächtigen Schlachtschiffen, die den Ozean durchqueren, den Kampf nicht aufnehmen und doch, wer weiß? - wir können bauen und bauen, bis ein Riff entsteht, an dem die stolzesten Seefahrer Schiffbruch erleiden werden. Durch den beständigen, einfachen und redlichen Aufbau der Heiligkeit und der Wahrheit können wir - ohne jemand herauszufordern oder anzugreifen - eine Situation schaffen, welche der prahlerischen List der Falschheit und der Zweifelsucht des Unglaubens äußerst gefährlich wird. Eine heilige, ernste Gemeinde ist eine große Zerstörerin des Aberglaubens und Unglaubens. Das Leben Gottes im Menschen, die Geduld im Leiden, das Ausharren im Wohltun, die Treue gegen die Wahrheit, das Gebet im Heiligen Geist, der Eifer um die Verherrlichung Gottes und der unerschütterliche Glaube an den Unsichtbaren - das sind unsere Streitäxte und Kriegswaffen und durch die Hilfe des Heiligen Geistes werden wir den Sieg erringen, ehe der Tag zu Ende geht. Bis dahin führe uns, o Herr, wenn unser Herz verschmachtet, zu dem Felsen, der uns zu hoch ist. Amen. 

autoren/s/spurgeon/a/spurgeon-eine_ansprache_fuer_traurige_zeiten.txt · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)