Spurgeon, Charles Haddon - Ährenlese - Die Erkenntnis der Liebe Christi

Es ist ein auszeichnendes Merkmal der Kinder Gottes, dass sie die Liebe Christi erkennen. Ein jeder ohne Ausnahme, der vom Tode zum Leben hindurchgedrungen ist, hat wenigstens dies eine gelernt, wüsste er auch sonst nichts. Und ebenso hat von allen, die nicht zum Heiland bekehrt sind, ohne Ausnahme keiner eine Ahnung von dieser Liebe, und wäre er sonst noch so reich an Erkenntnis. Denn die Liebe Christi erkennen, ihre Lieblichkeit schmecken, sie persönlich, lebendig, wirksam an sich erfahren, wie sie in unsere Herzen ausgegossen wird durch den Heiligen Geist, das ist das ausschließlich, selige Vorrecht der Kinder Gottes. Das ist die schützende Schranke, durch die kein Fremder zu dringen vermag. Das ist der Garten des Herrn, der mit Hecken und Mauern so wohl umzäunt ist, dass kein Wild des Waldes einbrechen kann. Nur die Erlösten des Herrn dürfen hier weilen und wandeln. Sie und nur sie allein dürfen seine Früchte brechen und sich mit ihrem süßen Saft erquicken. Wie wichtig muss uns also die Frage sein: Habe ich die Liebe Christi erkannt?

Habe ich sie empfunden? Bin ich dafür empfänglich? Ist sie in mein Herz ausgegossen? Weiß ich, dass mich Jesus liebt? Wird mein Herz erquickt, belebt, erwärmt und zu ihm hingezogen durch die große Wahrheit, die es erkennt und über die es sich freut: dass Christus mich wahrhaft geliebt und mich erwählt hat und mich auf seinem Herzen trägt? Aber so wahr es ist, dass jedes Gotteskind die Liebe Christi erkennt, ebenso wahr ist es, dass nicht alle Kinder Gottes diese Liebe in gleichem Maße erkennen. In der Familie der Angehörigen Jesu Christi gibt es Kindlein, Jünglinge, Männer und Väter. Und gleich wie ein Mensch wächst und zunimmt in allen anderen Dingen, so auch hierin. Gewiß, ein Wachstum in der Liebe Christi, ein vollkommeneres Verständnis dieser Liebe ist der beste und untrüglichste Maßstab, daran wir erkennen, ob wir gewachsen sind in der Gnade oder nicht. Wenn wir in der Gnade gewachsen sind, dann müssen wir unumgänglich notwendig in unserer Erkenntnis und Erwiderung der Liebe Christi zugenommen haben. Viele haben an Jesum geglaubt und etwas von Seiner Liebe erfahren; aber ach! Wie wenig ist doch das, was sie davon wissen, im Vergleich mit etlichen anderen, die Er geführet in den Weinkeller, da die Liebe Sein Panier ist über ihnen. Die Er erquicket mit Blumen und labet mit Äpfeln. Ihrer etliche haben angefangen, die Höhe zu ersteigen; und die Aussicht, die sich zu ihren Füßen ausbreitet, ist lieblich und mehr als schön, aber noch ist der Anblick der Landschaft nicht so entzückend, wie dort, wo die geförderten unter den Heiligen stehen, wo das Auge von Ost nach West und von Nord nach Süd hinüberschweift und überschaut die ganze Länge und Breite und Tiefe und Höhe der Liebe Christi, die alle Erkenntnis übersteigt.

(sprachlich bearbeitet durch Ute)

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