Scriver, Christian - Goldpredigten - Vorwort des Herausgebers.

Scriver, Christian - Goldpredigten - Vorwort des Herausgebers.

Einer Rechtfertigung bedarf wohl die Herausgabe der „Goldpredigten“ des sel. Scriver wenigstens bei Denen nicht, die ihn näher kennen.

Der Verfasser des „Seelenschatzes“ und der „Zufälligen Andachten“ ist seinen Freunden gewiß auch mit dieser anspruchlosen Gabe willkommen; und der Herausgeber hofft sich durch dieselbe ebensowohl auf den Dank aller Verehrer ihres Verfassers einen Anspruch erworben zu haben, wie er seinerseits sich freut, damit die Schuld dankbarer Verehrung, die er gegen Scriver fühlt, theilweise abtragen zu können. Wo aber diese Predigten nicht zum Voraus einer freundlichen Aufnahme gewiß sein dürfen, da mag getrost ihnen selbst die Rechtfertigung ihres Erscheinens überlassen bleiben.

Da Bearbeitungen des Katechismus in dieser Weise zu den selteneren gehören, so hofft der Herausgeber, daß die „Goldpredigten“ zu dem christlichen Publikum im Ganzen und besonders zu Geistlichen und Lehrern ihren Weg bald finden werden. Denn der sel. Scriver läßt uns darin schon hinlänglich die großen Gaben erkennen, die er in späterer Zeit so vielfach und in so reichem Maaße an den Tag gelegt hat; er hat durch sie „schon in jungen Jahren gezeigt, wie geschickt er sei, die göttlichen Lehren auf eine deutliche und anmuthige Weise auch den Einfältigsten beizubringen“ (Pritius).

Er hat, - das zeigen diese „Goldpredigten,“ die darum ihren Namen mit vollem Rechte tragen, - „die Kunst, mit Gold aus der Feder zu schreiben, im geistlichen Verstande, gewußt; denn er hat die heilsame Lehre so herrlich vorgetragen, daß man seine Arbeit allem vergänglichen Golde vorzuziehen hat.“

Er tritt uns, wie in seinen übrigen Schriften, so auch hier entgegen als der ebenso ansprechende, wie gewaltige und eindringliche, bei aller Einfachheit höchst geistvolle, sinn- und gedankenreiche, erfahrene und belesene, in den verschiedensten Zweigen menschlichen Wissens bewanderte, vor Allem aber in dem ganzen Gebiete der heil. Schrift in seltenem Grade heimische und über den reichen Stoff, den er sich zur Benützung und Verarbeitung ausgewählt hat, mit bewundernswerther Meisterschaft gebietende Verkündiger des göttlichen Wortes.

Ueberdieß wurde der Herausgeber in seinem Vorhaben ermuthigt durch die rühmende Anerkennung, welche den „Goldpredigten“ auch neuerdings schon mehrfach zu Theil geworden ist, neuestens in dem „Leben Scriver's von F. Brauns“ (Tholuck Sonntagsbibliothek II.. 1. 2.). Bei der Revision des Textes hat der Herausgeber eine noch zu Lebzeiten des Verfassers erschienene Ausgabe benützt, die eine - ihrem Hauptinhalte nach unten mitgetheilte Vorrede desselben enthält, und den Titel führt: „Chrysologia catechetica oder Goldpredigten, darinnen die Katechismuslehre mit der Betrachtung des Goldes erklärt und allem vergänglichen Gold und Schätzen der Welt fürgezogen wird rc. rc. von M. Christian Scriver, damals Prediger in Stendal. 1681.“

Die hiebei befolgten Grundsätze betreffend, so darf er versichern, daß er mit der größten Pietät gegen Scriver verfahren ist und es strenge vermieden hat, dessen altehrwürdiges Gewand durch willkührliche Veränderungen und Nachbesserungen zu modernisiren. Abgesehen von sprachlichen Incorrektheiten, die sich, neben einer im Ganzen nicht zu verkennenden, für ihre Zeit wenigstens musterhaften Anmuth und Feinheit der Scriver'schen Sprache, hin und wieder vorfanden, hat er nur in wenigen Fällen, wo es ohne allen Schaden für das Ganze geschehen konnte, solche Worte und Wendungen wegzulassen oder abzukürzen sich erlaubt, die durch allzugroße Ausführlichkeit, polemische Beziehungen u. dgl. ihr Interesse verloren haben.

Der HErr der Kirche, der bisher auf dem Worte Scriver's Seine Gnade hat in so reichem Maaße ruhen lassen, wolle nun diese theuren Goldpredigten auch auf ihrem neuen Wege mit Seinem Segen begleiten.

Der Herausgeber

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