Luther, Martin - Warum des Papsts und seiner Bücher von Doktor Martino Luther verbrannt sind

Laß auch anzeigen, wer da will, warum sie Doktor Luthers Bücher verbrannt haben

Jesus

Allen Liebhabern christlicher Wahrheit sei gewünscht Gnad und Fried von Gott

Ich, Martinus Luther, genannt Doktor der Heiligen Schrift, Augustiner zu Wittenberg, verfüge männiglich zu wissen, daß durch mein Willen, Rat und Zutat auf Montag nach S. Nicolai im 1520. Jahr verbrennet sind die Bücher des Papstes von Rom und etlicher seiner Jünger. So jemand sich des verwundern und, wie ich mich wohl versehe, fragen würde, aus was Ursach und Befehl ich das getan habe, der lass sich hiermit geantwortet sein.

Zum ersten ist's ein althergekommener Brauch, giftige, böse Bücher zu verbrennen, wie wir lesen in der Apostelgeschichte (19,19), da sie für fünftausend Pfennig Bücher verbrannten nach der Lehre St. Pauli.

Zum andern, so bin ich - zwar unwürdig - ein getaufter Christ, dazu ein geschworener Doktor der Heiligen Schrift, über das ein täglicher Prediger, dem seines Namens, Stands, Eides und Amts halben gebührt, falsche, verführerische, unchristliche Lehre zu vertilgen oder doch abzuwehren. Und wiewohl viel mehr in gleicher Pflicht sind, die doch dasselbe nicht tun wollten oder mochten, vielleicht aus Unverstand oder gebrechlicher Furcht, wäre ich dennoch nicht damit entschuldigt, wenn mein Gewissen, genugsam verständigt, und mein Geist, mutig genug von Gottes Gnaden erweckt, durch jemandes Exempel sich aufhalten ließen.

Zum dritten hätt ich mich solchen Werks dennoch nicht unterwunden, wo ich nicht erfahren und gesehen hätte, daß der Papst und die päpstlichen Verführer nicht allein irreten und verführten, sondern nach vielen vergebens von mir geschehenen Unterrichtungen in ihrem unchristlichen Irrtum und Seelenverderben also gar verstockt und verhärtet sind, daß sie nicht allein nicht wollen sich weisen noch lehren lassen, sondern blindhin mit verstopften Ohren und Augen die evangelische Lehre verdammen und verbrennen, um ihre endchristliche, teuflische Lehre zu bestätigen und erhalten.

Zum vierten. Ich glaub auch nicht, daß sie den Befehl haben von dem Papst Leo dem Zehenten, so vieles an seiner Person liegt, ich erfahr es denn noch anders; ich hoffe auch, daß ihm solche von mir verbrannten (wiewohl seiner Vorfahren) Bücher selbst nicht gefallen, und wenn sie ihm gefielen, ist mir darum nichts dran gelegen. Ich weiß auch und hab des gewisse Kundschaft, daß die Kölner und Löwener, welche sich rühmen, sie haben Kaiserlicher Majestät Erlaubnis und Befehl, meine Büchlein zu verbrennen, von der Wahrheit abweichen; denn sie haben solch Vornehmen mit Geschenken, viele tausend Gulden wert, von etlichen Amtleuten erkauft.

Zum fünften. Dieweil denn durch solch ihr Bücherverbrennen der Wahrheit ein groß Nachteil und bei dem schlichten, gewöhnlichen Volk ein Wahn dadurch erfolgen möchte zu vieler Seelen Verderben, habe ich auf Anregung (wie ich hoffe) des Geistes, dieselben zu stärken und erhalten, der Widersacher Bücher wiederum verbrennet, da ihre Besserung nicht zu erhoffen ist.

Darum möge ein jeglicher sich nicht lassen bewegen durch die hohen Titel, Namen und Ansehen des päpstlichen Standes, des geistlichen Rechts, des langwährigen Gebrauchs dieser verbrannten Bücher, sondern hör zu und sehe zuvor an, was der Papst in seinen Büchern gelehret, und was in dem heiligen, geistlichen Recht für vergiftet und greulich Lehren stehn, und was wir bisher angebetet haben anstatt der Wahrheit, und richte alsdann frei, ob ich rechtlich oder unrechtlich diese Bücher verbrennet habe!

Artikel und Irrtümer in des geistlichen Rechts und päpstlichen Büchern, darum sie mit Recht zu verbrennen und zu meiden sind.

Der erste

Der Papst und Seinen sind nicht schuldig, Gottes Geboten untertan und gehorsam zu sein.

Diese greuliche Lehre schreibt er klärlich in dem sechsten Kapitel des Buches von der Obrigkeit und vom Gehorsam, da er S. Peters Wort, der da sagt: „Ihr sollt aller Obrigkeit untertan sein“, also auslegt: S. Peter hab nicht sich noch seine Nachfolger, sondern seine Untertanen damit gemeinet.

Der zweite

Es ist nicht ein Gebot, sondern ein Rat S. Peters, da er lehret, alle Christen sollten den Königen untertan sein. Ebenda.

Der dritte

Die Sonne bedeute päpstliche, der Mond die weltliche Gewalt in der Christenheit. Ebenda.

Der vierte

Der Papst und sein Stuhl seien nicht schuldig, untertan zu sein christlichen Konzilien und Ordnungen. Kap. 4: „Von der Wahl.“

Der fünfte

Der Papst hab in seinem Herzen volle Gewalt über alle Rechte. In der Vorrede zum Liber Sextus.

Der sechste

Daraus folget, daß der Papst Macht habe, alle Konzilien und alle Ordnungen zu zerreißen, verwandeln und setzen, wie er denn täglich tut; damit bleibt keine Macht noch Nutzen den Konzilien und christlichen Ordnungen übrig.

Der siebente

Der Papst habe Recht, zu fordern Eid und Pflicht von den Bischöfen für ihre Mäntel, Kap. 4 . Dagegen heißt es im Evangelium: „Umsonst habet ihr's empfangen, umsonst gebet es auch.“

Der achte

Wenn der Papst so böse wäre, daß er unzählig Menschen mit großen Haufen zum Teufel führet, dürft ihn dennoch niemand darum strafen. Abschnitt 40, Kap. 6

Schon dieser Abschnitt allein sollte genug Ursach sein, alle Papstbücher zu verbrennen. Was sollten sie nicht Teuflisches, Unchristliches vornehmen, wenn sie solch greuliche Dinge unverschämt halten und lehren? Sieh da, Christenmensch, was dich geistliches Recht lehre

Der neunte

Nächst Gott liegt die Seligkeit der ganzen Christenheit an dem Papst. Ebenda. Dagegen heißt es: „Ich glaube an eine heilige Kirche usw.“ So müßten alle Christen verderben, so oft der Papst böse ist.

Der zehente

Den Papst kann niemand verurteilen auf Erden, auch niemand sein Urteil richten, sondern er soll alle Menschen richten auf Erden. 9. Abschnitt, 3. Frage, Kap. 17

Dieser Abschnitt ist der Hauptartikel, und damit er ja recht festsäße, ist er gar durch viel Kapitel und schier durchs ganze geistlich Recht immer wieder und wieder angeführt, so daß es wohl scheint, als ob das geistlich Recht nur darum erdichtet sei, daß der Papst frei tun und lassen könnte, was er wollte, Erlaubnis zu Sünden und Hindernis zum Guten geben. Besteht dieser Artikel, so liegt Christus und sein Wort darnieder. Besteht er aber nicht, so liegt das ganze geistlich Recht mit dem Papst und Stuhl darnieder.

Nun bestehet er aber nicht, denn S. Peter gebeut 1. Epistl (5,5): „Ihr sollet alle gegeneinander demütig sein“, und S. Paul Röm (10, 10): „Ein jeglicher halte den andern höher denn sich“, und Christus sagt vielmal: „Wer der Größte sein will, der sei der Geringste!“ Dermaßen strafet S. Paulus S. Petrum (Gal. 2,11), daß er nicht recht wandelte nach dem Evangelio, und (Apg. 8,14) ward S. Peter mit S. Johannes ausgesandt von den andern Aposteln als ein Untertäniger. Darum ist's und kann nicht wahr sein, daß der Papst niemand unterworfen noch von niemand zu richten sei, sondern er soll jedermann untertan und zu richten sein, während er der Oberste sein will. Und weil das geistlich Recht sein Grund und ganzes Wesen ist, strebt es in allen Stücken wider das Evangelium.

Es ist wohl wahr, daß weltlich Gewalt ihren Unteren nicht untertan sein soll. Aber Christus kehret und wandelt das um und spricht: „Ihr sollt nicht sein wie die weltlichen Oberherren“, und will, daß seines Volks Obersten jedermann untertan sein und von ihnen Gericht leiden sollen. Wie er sagt (Luk. 22,25): „Die Fürsten der Heiden sind gewaltig über sie, ihr sollet aber nicht so sein, sondern wer unter euch der Oberste sein will, soll der Unterste sein.“ Wie kann er aber Unterer sein, wenn er niemand über sich richten lassen will?

Will man Christus' Worte verdrehen (wie etliche tun), daß er nämlich im Herzen sich den Untersten gleich achten , nicht äußerlich also erzeigen soll, so muß man auch sagen, daß er im Herzen sich den Obersten gleich halten und nicht äußerlich sich also erzeigen soll und also entweder beides geistlich im Herzen halten oder beides äußerlich erzeigen soll, damit Christus' Worte bestehen können.

Das ist der Artikel, daraus alles Unglück gekommen ist in alle Welt. Darum ist das geistlich Recht als ein vergiftet Ding billig zu vertilgen und zu meiden. Denn daraus erfolget, wie denn erfolget ist offenbar für jedermann, daß man keinem Bösen wehren, kein Gutes fordern kann und wir zusehends das Evangelium und Glauben untergehn lassen müssen.

Der elfte

Der römisch Stuhl gibt wohl Macht und Kraft allen Rechten, aber er ist ihrer keinem untertan. 25. Abschnitt, Frage 1, Kap. 16.

Das ist soviel gesagt als: Was er will, das ist recht, doch ist er nicht verpflichtet, derer eines zu halten. Eben wie Christus (Mat. 23,4) sagt von den jüdischen Pharisäern: „Sie laden schwere Bürden auf der Menschen Rücken, aber sie wollen's nicht mit einem Finger anrühren.“ Dawider sagt S. Paul (Gal. 5,1): „Steht in eurer Freiheit und seid nicht untertan Menschengesetzen.“

Der zwölfte

Der Fels, darauf Christus (Mat. 16,18) seine Kirche bauet, heißet der römische Stuhl. Abschnitt 9ff.; während doch allein Christus eben dieser Fels ist (1.Kor. 10,4).

Der dreizehente

Daß die Schlüssel seien allein S. Petro gegeben; während doch (Mat. 18,18) Christus sie der ganzen Gemeine gibt.

Der vierzehente

Daß Christus' Priestertum sei von ihm auf S. Petrum übergegangen. Verordnung von der Übertragung. Dawider sagt David (Ps. 110) und Paulus zu den Hebräern, daß Christus ein einziger, ewiger Priester sei, welches Priestertum nimmermehr übertragen werde.

Der fünfzehente

Daß der Papst Gewalt hab, Gesetze zu machen über die christliche Kirche. 25. Abschn., Frage 1, Kap. 16. Dawider S. Paulus sagt (Gal. 5.13): „Ihr seid in eine Freiheit von Gott berufen.“

Der sechzehente

Daß er den Spruch „Was du binden wirst usw.“ dahin deutet, daß er Gewalt hab, die ganze Christenheit mit seinen mutwilligen Gesetzen zu beschweren, während doch Christum damit nichts anderes will, denn die Sünder zur Strafe und Buße treiben und gar nicht die andern Unschuldigen mit Gesetzen beladen, wie die Worte klar lauten.

Der siebenzehente

Daß er bei Bann und Sünd gebeut, etliche Tag nicht Fleisch, Eier, Butter, dies und das zu essen, obgleich er doch darüber keine Gewalt hat und nur freundlich dazu ermahnen, aber eines jeglichen Willen frei und unbedrungen lassen sollte.

Der achtzehente

Daß er dem ganzen Priesterstand die Ehe verboten hat, dadurch viel Sünd und Schand ohne Ursach gemehret, wider Gottes Gebot und christliche Freiheit.

Der neunzehente

Daß der Papst Nikolaus der Dritte oder Vierte in seiner endchristlichen Verordnung unter vielen bösen Stücken festsetzt: Christus hab mit den Schlüsseln S. Petro und seinen Nachkommen Gewalt über das himmlische und irdische Reich gegeben; obwohl jedermann wohl weiß, wie Christus das irdische Reich floh und alle Priester, die Schlüssel haben, doch nicht alle über himmlisches und irdisches Reich Kaiser sind.

Der zwanzigste

Daß er die große unchristliche Lüge, daß Kaiser Constantinus ihm Rom, Land, Reich und Gewalt gegeben hab auf Erden, für wahr hält und fordert; dawider Christus sagt (Mat. 6,19): „Ihr sollet nicht Schätze sammeln auf Erden“; ebenso (V. 24): „Ihr könnt nicht zugleich dem Gut und Gott dienen.“

Der einundzwanzigste

Daß er sich rühmet, er sei des Römischen Reiches Erbe, obgleich es jedermann wohl weiß, daß geistlich Amt und weltlich Regiment sich miteinander nicht vertragen, und S. Paulus gebeut, ein Bischof solle des Wortes Gottes warten.

Der zweiundzwanzigste

Daß er lehret, es sei billig, daß sich ein Christ mit Gewalt gegen Gewalt schütze, wider und über Christum (Mat. 5,40): „Wer dir den Rock nimmt, dem laß auch den Mantel.“

Der dreiundzwanzigste

Daß die Unteren ungehorsam sein können ihren Oberherrn und die Könige er entsetzen könne, wie er das an vielen Orten schreibt und oft getan hat wider und über Gott.

Der vierundzwanzigste

Daß er auch alle Eide, Bünde und Pflichten, zwischen hohen und niedern Ständen geschehen, zu zerreißen Macht haben will, wider und über Gott, der gebeut, jedermann solle dem andern Treue halten.

Der fünfundzwanzigste

Der Papst habe Macht, die Gelübde, welche Gott getan sind, zu erlassen und umzuwandeln; das auch wider und über Gott ist.

Der sechsundzwanzigste

Wer seine Gelübde zu erfüllen auf des Papstes Gebot vorzieht, der ist nicht schuldig an des Gelübdes Brechen. Das ist soviel gesagt als: Der Papst ist über Gott.

Der siebenundzwanzigste

Es könne keiner Gott dienen, der ehelich ist; obgleich doch Abraham und viel Heilige ehelich gewesen, und Gott die Ehe selbst eingesetzt ohne Zweifel. Also steigt der Endchrist abermals über Gott.

Der achtundzwanzigste

Daß er seine unnützen Gesetze gleich macht den Evangelien und Heiliger Schrift, wie er das im Dekret vielmal beweist.

Der neunundzwanzigste

Daß der Papst Macht habe, die Heilige Schrift nach seinem eigenen Willen zu deuten und führen, und niemandem erlaube, dieselbe anders, als er will, zu deuten; damit er sich über Gottes Wort setzt und dasselbe zerreißt und vertilget. So doch S. Paul (1.Kor. 14,30) sagt: „Der Obere soll des Unteren Erleuchtung weichen.“

Der dreißigste

Daß nicht der Papst von der Schrift, sondern die Schrift von ihm glaubwürdigen Bestand, Kraft und Ehre habe; welches der Hauptartikel einer ist, darum er, als ein rechter Endchrist, verdient, daß ihn Christus vom Himmel selbst mit seinem Regiment zerstöre, wie Paulus verkündigt hat.

In diesen und dergleichen Artikeln, derer unzählig viel mehr sind, doch alle dahin gerichtet, daß der Papst über Gott und Menschen sei und er allein niemand, sondern jedermann ihm, auch Gott und die Engel, untertan sei, daß auch sie selbst, seine Jünger, sagen, der Papst sei ein wunderlich Ding, er sei nicht Gott, sei auch nicht Mensch (vielleicht der Teufel selbst), wird nun erfüllet der Spruch S. Pauli, da er sagt: „Es wird hervorkommen ein Mensch der Sünden und ein Kind des Verderbens, der wird widerstreben und sich erheben über alles, was ein Gott geehret und geheißen wird, durch Wirkung des bösen Geistes usw.“ Wenn er ihn nennet einen Menschen der Sünd und Kind des Verderbens, meinet er nicht seine Person allein - denn das wäre kleiner Schaden - sondern daß sein Regiment nichts anders sei als Sünde und Verderben, und er nur regieren wird, alle Welt zu Sünd und Hölle zu führen. Wie denn aus solchen Artikeln wohl zu merken und am Tag ist, daß von dem Papst nichts als Sünd und Verderben in die Welt gekommen ist und noch täglich mehr kommt.

Es haben sie selbst, die das geistliche Recht halten, wiewohl versteckt, bekannt, daß es stinke nach eitel Geiz und Gewalt. Das ist auch wahr, und wer nicht lügen will, muß das bekennen. Denn, willst du wissen mit kurzen Worten, was im geistlichen Recht steht, so höre zu. Es ist summa summarum:

Der Papst ist ein Gott auf Erden über alle Himmlischen, Irdischen, Geistlichen und Weltlichen, und alles ist sein eigen.. Ihm darf niemand sagen: Was tust du?

Das ist der Greuel und Stank, davon Christus sagt (Mat. 24,15): „Wenn ihr werdet sehen den stinkenden Greuel, der alle Ding wüst macht, daß er steht in der heiligen Stätte, davon Daniel gesagt hat (9,27) - wer da lieset, der verstehe es wohl usw.“ und S. Paulus (2. Th. 2,4): „ er wird sitzen in dem Tempel Gottes (das ist in der Christenheit) und sich dort geben, als sei er ein Gott.“

Daß nun dem Papst niemand oder wenig Leute solchen seinen Greuel haben sagen dürfen, ist nicht wunderbar, denn es ist verkündigt, er werd alle die verbrennen lassen, die ihm widerstreben, und werd Anhang aller Könige und Fürsten haben. Wenn des Endchrists Verführung so grob wäre, daß sie jedermann merken könnte, oder so gering, daß die Könige und großen Hansen nicht die Vornehmsten drin wären, hätten die Propheten und Apostel vergebens soviel und so ernsthaftig davon geschrien und geschrieben.

Da Christus auf Erden ging, sprachen viele Leute, die sein Wort höreten und seine Werke sahen, wider die, die ihn nicht Christum sein lassen wollten: „Wenn Christus erst kommt, wie kann er mehr Wunder tun, als dieser tut?“ Also murmelt man jetzt auch: „Wenn der Endchrist erst kommt, wie kann er mehr Böses tun, als des Papstes Regiment getan hat und täglich tut?“ Ist es doch nicht glaublich, daß er, wenn sein Regiment aus Gott wäre, also viel Verderben und Sünd daraus kommen und den bösen Geist so gar gewaltig drinnen regieren lassen sollte. Dennoch glauben wir's nicht, bis daß wir verloren sind und allzu langsam den Endchrist erkennen.

Denn vom Anbeginn aller Kreaturen ist das größt Übel allzeit gekommen von dem Besten. Denn in dem obersten Chor der Engel, da Gott am größten gewirkt hatte, sündigte Lucifer und tat großen Schaden. Im Paradeis an dem ersten, besten Menschen geschah die größte Sünd und Schaden. Danach (1. Mos. 6,4) wuchsen die Riesen und Tyrannen von niemand als von den heiligen Gotteskindern. Und Christus, Gottes Sohn, ward nicht anderswo gekreuzigt als in der heiligen Stadt Jerusalem, wo er am allermeisten geehret war und viel Wunder getan hatte, und von niemand denn von den Fürsten und obersten Priestern und Allergelehrtesten, Allerheiligsten, und Judas mußte auch keinen geringen, sondern den Apostelstand schänden. Also hat auch Gott keine Stadt auf Erden mit so viel Gnaden und Heiligen gebenedeiet als Rom und ihr mehr getan als einer andern. Drum muß sie auch ihm zum Dank, wie Jerusalem, den größten Schaden tun und der Welt den rechten schädlichsten Endchrist geben, der mehr Schaden tu, als Christus vorher Gutes getan hat. Und also geht auch gewißlich, und das muß alles unter dem Namen und Schein Christi und Gottes zugehen, daß es niemand glaube, bis daß er selbst komme und solche Finsternis mit dem Licht seiner Ankunft erleuchte, wie S. Paulus sagt.

Der Artikel sei diesmal genug. Ist aber jemand von des Papstes Anhängern willens und unterwindet sich, dieselben zu schützen und verfechten, so will ich sie ihm wohl klarer ausmalen und derselben vielmehr aufbringen. Es sollen diese ein Anfang des Ernsts sein; denn bisher habe ich doch nur gescherzt und gespielt mit des Papsts Sach. Ich hab's in Gottes Namen angefangen, hoffe, es sei an der Zeit, daß es auch in demselben ohne mich sich selbst vollende. Hiebei will ich alle Artikel, die durch des Endchrists Boten jetzt von Rom in der letzten Bullen verdammt und verbrennet sind, als christlich und wahr einbegriffen und soviel Artikel, die da endchristlich und unchristlich sind, dem Papst aufgerechnet haben, als von meinen Artikeln verdammt sind, Dürfen sie meine Artikel, in denen mehr Evangelium und wahrer Heiliger Schrift innen ist (das ich ohne Ruhm mit Wahrheit sagen und beweisen will) als in allen Papstbüchern, verbrennen, so verbrenn ich mit viel mehr Recht ihre unchristlichen Rechtsbücher, darinnen nichts Gutes ist. Und wenn auch etwas Gutes drinnen wäre, wie denn ich von dem Dekret bekennen muß, so ist's doch alles dahin gezogen, daß es Schaden tun und den Papst stärken soll in seinem endchristlichen Regiment; auch wird desselben keines gehalten vor allzugroßem Fleiß, nur was böse und schädlich darin ist, wird gehalten.

Ich laß einem jeglichen sein Gutdünken, mich bewegt das am meisten, daß der Papst noch nie einmal mit Schrift oder Vernunft einen widerlegt hat, der wider ihn geredet, geschrieben oder getan hat, sondern allzeit mit Gewalt, Bannen, durch Könige, Fürsten und sonst Anhänger oder mit Listen und falschen Worten unterdrückt, verjagt, verbrannt oder sonst erwürgt, des ich ihn mit allen Historien überzeugen will; hat auch darum noch nie ein Gericht noch Urteil leiden wollen, sondern allzeit geplerrt, er stehe über aller Schrift, Gericht und Gewalt. Nun ist's von jeher wahr, daß die Wahrheit und Gerechtigkeit nicht das Gericht scheut, ja nichts Liebers hat denn Licht und Gericht, sich gern ansehen und probieren läßt. Die Apostel gaben (Apg. 4,19) das Urteil ihren Feinden und sprachen: „Richtet ihr selbst, ob es billig sei, euch mehr als Gott gehorsam zu sein“; so gewiß war die Wahrheit. Aber der Papst will jedermann die Augen blenden, niemand richten lassen, sondern allein jedermann richten, so gar ungewiß und furchtsam ist er seiner Sach und Händel. Und dies sein Gemenge im Finstern und Scheu des Lichtes macht, daß, wenn der Papst eitel Engel wäre, ich ihm dennoch nichts glauben könnte. Ein jedermann haßt billig das finster Geschäft und liebt das Licht.

Amen.

In diesem allen erbiete ich mich, Rede zu stehen jedermann.

Simson, Richter 15,14:
„Wie sie mir getan haben, so hab ich ihnen wieder getan.“

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