Luther, Martin - Vom ehelichen Leben

Mir graut und ich predige nicht gern vom ehelichen Leben, deshalb, weil ich befürchte: wo ich’s einmal recht anrühre, wird’s mir und andern viel zu schaffen geben. Denn der Jammer ist durch das päpstliche verdammte Gesetz so schändlich verwirrt, dazu haben sich durch das nachlässige Regiment des geistlichen wie des weltlichen Schwerts so viel gräuliche Missbräuche und irrige Fälle darin begeben, dass ich nicht gern drein sehe, noch gern davon höre. Aber angesichts der Not hilft kein Scheuen, ich muss hinan, die elenden, verwirrten Gewissen zu unterrichten und frisch dreingreifen. Ich teile diese Predigt in drei Teile.

Der erste Teil

Aufs erste wollen wir sehen, welche Personen miteinander die Ehe schließen können. Und auf dass wir dazu einen passenden Eingang machen, nehmen wir uns den Spruch 1. Mose 1, 27 vor: »Gott schuf den Menschen, als Mann und Weib.« Auf Grund dieses Spruches sind wir sicher, dass Gott die Menschen in die zwei Teile geteilt hat: dass Mann und Weib oder ein Er und Sie sein soll. Und das hat ihm so gefallen, dass er’s selbst ein gutes Schöpfungswerk nennt (1. Mose 1, 31). Darum wie Gott seinen Leib einem jeden von uns geschaffen hat, so muss er ihn haben, und es steht nicht in unserer Gewalt, dass ich mich zu einem Weibsbild oder du dich zu einem Mannsbilde machest, sondern wie er mich und dich gemacht hat, so sind wir: ich ein Mann, du ein Weib. Und solch gutes Schöpfungswerk will er geehrt und als sein göttlich Werk unverachtet (gehalten) haben, dass der Mann das Weibsbild nicht verachte noch verspotte, und umgekehrt (auch) das Weib den Mann nicht, sondern dass ein jeglicher des andern Bild und Leib als ein göttlich gut Werk ehre, das Gott selbst wohl gefällt.

Zum zweiten. Da er Mann und Weib gemacht hatte, segnete er sie und sprach (1. Mose 1, 28) zu ihnen: »Seid fruchtbar und mehret euch.« Aus dem Spruch sind wir gewiss, dass Mann und Weib zusammen sollen und müssen, dass sie sich mehren. Und dies ist ja so ernst zu nehmen wie das erste, und noch weniger zu verachten noch zu verlachen als das erste, sintemal Gott hierzu seinen Segen gibt und etwas über die Schöpfung (hinaus) tut. Deshalb: so wenig wie es in meiner Macht steht, dass ich kein Mannsbild sei, ebenso wenig steht es auch bei mir, dass ich ohne Weib sei. Und umgekehrt: so wenig wie es in deiner Macht steht, dass du kein Weibsbild seiest, ebenso wenig steht es auch bei dir, dass du ohne Mann seiest.

Denn es ist nicht ein freies Ermessen oder Ratschluss, sondern ein notwendig, natürlich Ding, dass alles, was ein Mann ist, ein Weib haben muss, und was ein Weib ist, muss einen Mann haben. Denn dies Wort, da Gott spricht: »Seid fruchtbar und mehret euch«, ist nicht ein Gebot, sondern mehr als ein Gebot, nämlich ein göttlich Werk, das zu verhindern oder zu unterlassen nicht bei uns steht, sondern es ist ebenso notwendig, wie dass ich ein Mannsbild sei und notwendiger als Essen und Trinken, Reinigung des Leibes, Schlafen und Wachen. Es ist eine (dem Menschen) eingepflanzte Natur und Art ebenso wohl wie die Gliedmaßen, die dazu gehören. Darum gleichwie Gott niemand gebietet, dass er Mann oder Weib sei, sondern es schafft, dass sie so sein müssen, ebenso gebietet er auch nicht, sich zu mehren, sondern schafft es, dass sie sich mehren müssen. Und wo man dem wehren will, da ist’s dennoch ungewehrt und geht doch durch Hurerei, Ehebruch und stumme Sünde seinen Weg, denn es ist Natur und nicht freies Ermessen hierin.

Zum dritten. Aus dieser Schöpfungsordnung hat er dreierlei Menschen selbst ausgenommen: Matthäus 19, 12, da er sagt: »Etliche enthalten sich der Ehe, weil sie von Geburt an zur Ehe unfähig sind; etliche enthalten sich, weil sie von Menschen zur Ehe untauglich gemacht sind; und etliche enthalten sich, weil sie um des Himmelreichs willen auf die Ehe verzichten.« Über diese drei (Gruppen) hinaus vermesse sich kein Mensch, ohne ehelich Gemahl zu sein. Und wer sich nicht in dieser drei (Gruppen) Zahl befindet, der denke nur auf das eheliche Leben, denn da wird nichts anderes draus, du bleibst nicht rechtschaffen, es ist unmöglich. Sondern das Wort Gottes, das dich geschaffen und gesagt hat: Sei fruchtbar und mehre dich, das bleibt und regiert in dir, und du kannst dich ihm mitnichten entziehen, oder du wirst gräuliche Sünde ohne Aufhören tun müssen. Und darin soll dich nicht irremachen, wenn du (auch) zehn Eide, Gelübde, Bunde und lauter Eisen oder Diamantenverpflichtungen auf dich genommen hättest. Denn ebenso wenig, wie du geloben kannst, dass du kein Manns oder Weibsbild sein wolltest – und wenn du es gelobest, so wäre es eine Narrheit und gälte nichts, denn du kannst dich nicht anders machen – ebenso wenig kannst du auch geloben, dass du dich nicht samen oder mehren wolltest, wo du dich nicht in der drei (Gruppen) Zahl einer findest. Und wenn du es gelobtest, so wäre es auch eine Narrheit und gälte nichts, denn Samen und dich Mehren ist Gottes Schöpfung und nicht in deiner Macht. Daraus siehst du nun, wie weit und wie lange alle Klostergelübde gelten: dass keines Jünglings oder Mägdleins Gelübde vor Gott gilt, es sei denn aus der drei (angeführten Gruppen) Zahl eine, die Gott allein und selbst ausgenommen hat. So dass Pfaffen, Mönche und Nonnen schuldig sind, ihr Gelübde zu lassen, wo sie finden, dass Gottes Schöpfung, sich zu samen und zu mehren in ihnen kräftig und tüchtig ist, und sie keine Macht haben, durch irgendeine Gewalt, Gesetz, Gebot, Gelübde solche Schöpfung Gottes an sich selbst zu hindern. Hindern sie es aber, so sei du gewiss, dass sie nicht rein bleiben und sich mit stummen Sünden oder Hurerei besudeln müssen. Denn sie vermögen Gottes Wort und Schöpfung an sich nicht zu wehren, es geht, wie es Gott gemacht hat. Die ersten aber, die Christus »aus Mutter Leibe verschnitten geboren« nennt, das sind, die von Natur untüchtig sind, sich zu samen und zu mehren, die kalte und schwache Natur oder sonst einen Mangel am Leibe haben, durch den sie nicht fähig sind, ehelich zu leben, wie man sowohl Manns- wie Weibsbilder findet. Diese lasse man fahren, die hat Gott selbst ausgenommen und so geschaffen, dass der Segen nicht über sie gekommen ist, dass sie sich mehren könnten. Die geht das Wort nichts an: »Seid fruchtbar und mehret euch«, gleich als wenn Gott jemand lahm oder blind schafft, die sind frei, dass sie nicht gehen noch sehen können. Die andern, die Christus »mit Menschenhänden verschnitten« nennt, die Eunuchen, sind ein unselig Volk, denn obwohl sie zur Ehe untüchtig sind, so sind sie doch von böser Lust nicht frei und werden frauensüchtiger als vorher und ganz weibisch, und es geht ihnen nach dem Sprichwort: Wer nicht singen kann, will immer singen. So werden auch diese geplagt, dass sie desto lieber bei Weibern sind und doch nichts vermögen. Nun, die lassen wir auch fahren, die sind auch aus dem natürlichen Orden, zu wachsen und sich zu mehren, herausgenommen, wenn auch mit Gewalt und der Tat nach. Die dritten sind die hohen, reichen Geister, von Gottes Gnaden aufgezäumt, die von Natur und Beschaffenheit des Leibes zur Ehe tüchtig sind und doch freiwillig ohne Ehe bleiben. Diese sagen so: Ich möchte und könnte wohl ehelich werden, aber es gelüstet mich nicht. Ich will lieber am Himmelreich, das ist am Evangelium, schaffen und (die Zahl der) geistlichen Kinder mehren. Diese sind selten, und unter tausend Menschen ist nicht einer, denn sie sind Gottes besonderes Wunderwerk, dessen sich niemand unterwinden soll, Gott rufe ihn denn besonders wie Jeremia (Jeremia 1, 5; Jeremia 16, 2), oder er finde Gottes Gnade so mächtig in sich, dass jenes Wort Gottes »Seid fruchtbar und mehret euch« keine Stätte in ihm habe. Aber über diese drei Menschen(gruppen) hinaus hat der Teufel Gott durch Menschen scheinbar an Klugheit übertroffen und mehr Leute gefunden, die er aus der göttlichen und natürlichen Ordnung ausgenommen hat: nämlich die, deren Ordnung aus Spinnweben gemacht (das ist mit Menschengeboten und -gelübden) und (die) danach mit viel eisernen Schlössern und Gittern verschlossen sind. Das ist die vierte Weise, der Natur zu wehren, dass sie nicht sich same noch mehre, Gottes eingepflanztem Werk und Art entgegen, gerade als wäre es in unserer Hand und Macht, Jungfrauschaft zu haben wie Kleider und Schuhe. Aber wenn man mit eisernen Gittern und Schlössern Gottes Schöpfung und Wort wehren könnte, so hoffe ich, wir wollten auch so dicke und große eiserne Gitter davor setzen, dass aus Weibern Männer würden oder aus Menschen Stein und Holz. Es ist der Teufel, der mit der armen Kreatur so sein Affenspiel treibt und so seinen Zorn befriedigt.

Der zweite Teil

Aufs zweite wollen wir sehen, welche Personen man voneinander scheiden könne. Drei Ursachen weiß ich, die Mann und Weib voneinander scheiden.

Die erste, von der jetzt und oben geredet wird: wenn Mann oder Weib der Gliedmaßen oder der Natur halber untüchtig zur Ehe ist (wie das sein kann, davon ist genug geredet).

Die zweite ist der Ehebruch. Von dieser Ursache haben die Päpste geschwiegen, darum müssen wir Christus Matthäus 19, 3-12. hören. Als ihn die Juden fragten, ob ein Mann sein Weib aus irgendeiner Ursache verlassen könnte, antwortete er: »Habt ihr nicht gelesen, dass, der im Anfang den Menschen geschaffen hat, schuf sie als Mann und Weib und sprach: Darum wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und an seinem Weibe hangen und werden die zwei ein Fleisch sein? Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden. Da sprachen sie: Warum hat denn Mose geboten, einen Scheidebrief zu geben, wenn man sich scheidet? Er antwortete: das hat Mose euch erlaubt um eures Herzens Härtigkeit willen, dass ihr eure Weiber verlasset. Von Anbeginn aber ist’s nicht so gewesen. Ich aber sage euch: wer sich von seiner Frau scheidet, es sei denn um der Hurerei willen, und freit eine andere, der bricht die Ehe.«

Hier siehst du, dass Christus um des Ehebruchs willen Mann und Weib scheidet, von welchen der, welcher unschuldig ist, sich verändern kann. Denn damit, dass er sagt, es sei ein Ehebruch, wer eine andere nimmt und die erste verlässt, es sei denn um Hurerei willen, gibt er genügend (zu erkennen), dass der nicht Ehebruch tut, der eine andere nimmt und die erste um der Hurerei willen verlässt. Aber die Juden verließen ihre Weiber um aller möglichen Ursachen willen, wenn auch keine Hurerei da war, (und) wann sie nur wollten. Das ist so derb, dass sie es selbst zu viel dünkt, deshalb fragten sie ihn, ob’s auch recht wäre, und führten ihn in Versuchung, was er zu des Mose Gesetz sagen wollte. Denn im Gesetz des Mose gab Gott zweierlei Regimente und Gebote: Etliche geistliche, die vor Gott Frömmigkeit lehrten, wie es Liebe und Gehorsam ist. Welche diese Gesetze hielten, die stießen ihre Weiber nicht von sich und gebrauchten den Scheidebrief nimmer, sondern duldeten und ertrugen ihrer Weiber Sitten. (Darüber hinaus gab Gott) aber etliche weltliche um derer willen, die die geistlichen Gebote nicht hielten, damit denselben doch auch ein Maß gesteckt würde, dass sie in Schranken gehalten würden, nicht ganz nach ihrem Mutwillen zu handeln, und nicht Ärgeres täten. Deshalb gebot er ihnen, wenn sie ja ihre Weiber nicht leiden konnten, dass sie sie dennoch nicht töteten oder ihnen sonst zu viel Leids täten, sondern sie mit einem (Scheide)briefe von sich ließen. Darum gilt solch Gesetz bei den Christen nicht, welche im geistlichen Regiment leben sollen. Wo aber etliche mit ihren Weibern unchristlich leben, wäre es (immer) noch gut, dass man sie solch Gesetz brauchen ließe, sofern man sie (öffentlich) für keine Christen hielte, was sie doch in der Tat nicht sind. So haben wir nun, dass um des Ehebruchs willen eins das andere verlassen kann, wie auch Salomo Sprüche 18, 22 sagt: »Wer eine Ehebrecherin hält, der ist ein Narr.« Und dafür haben wir das Beispiel des Joseph, Matthäus 1, 19, welchen der Evangelist lobt, er sei gerecht gewesen, weil er sein Weib Maria nicht in schlechten Ruf bringen, sondern heimlich verlassen wollte, als er sah, dass sie schwanger war. Damit ist uns ja genügend gesagt, dass es lobenswert ist, wer eine Ehebrecherin verlässt. Obwohl der Mann, wenn der Ehebruch verborgen ist. Macht hat, beides zu tun: das erste, dass er sein Weib heimlich und brüderlich strafe und behalte, wenn sie sich bessern will; das andere, dass er sie verlasse, wie Joseph tun wollte, (umgekehrt das Weib auch ebenso). Diese zwei Strafen sind christliche Strafen und löblich. Aber sich öffentlich scheiden, so dass sich eins wieder verheiraten kann, das muss durch weltliche Verkündigung und Gewalt zugehen, dass der Ehebruch vor jedermann offenbar sei oder (wo die weltliche Gewalt nichts dazu tun will), dass man sich mit Wissen der Gemeinde voneinander scheide, so dass nicht ein jeglicher wieder einmal sich Ursache nehme, sich zu scheiden, wie er will.

Fragst du dann: wo soll das andere bleiben, wenn er vielleicht auch nicht Keuschheit halten kann?

Antwort: Darum hat Gott im Gesetz geboten, die Ehebrecher zu steinigen, dass sie dieser Frage nicht bedürften. So soll auch (heute) noch das weltliche Schwert und die Obrigkeit die Ehebrecher töten. Denn wer seine Ehe bricht, der hat sich schon selbst geschieden und ist für einen toten Menschen zu achten. Darum kann sich das andere wieder verheiraten, gleich als wäre ihm sein Gemahl gestorben, wo er nach dem Recht verfahren und ihm nicht Gnade erzeigen will. Wo aber die Obrigkeit säumig und lässig ist und nicht tötet, mag sich der Ehebrecher in ein anderes fernes Land fortmachen und daselbst freien, wo er sich nicht enthalten kann, aber es wäre besser: Tot, tot mit ihm, um das böse Beispiel zu meiden. Wird dies aber jemand anfechten und wird er sagen: damit wird allen bösen Männern und Weibern Luft und Raum gegeben, voneinander wegzulaufen und sich in fremdem Land wieder zu verheiraten.

Antwort: was kann ich dafür? Es ist der Obrigkeit Schuld, warum tötet man die Ehebrecher nicht? Dann brauchte ich einen solchen Rat nicht zu geben. Es ist ja unter zwei bösen (Dingen) eins besser, nämlich dass nicht Hurerei geschehe, als einen Ehebrecher sich in andern Ländern wieder verheiraten und meinen lassen, er sei auch vor Gott sicher, weil ihm sein Leben gelassen wird und er sich doch nicht enthalten kann. Laufen aber nach diesem Beispiel auch andere voneinander, so lasse sie laufen, sie haben nicht Ursache wie dieser, denn sie werden nicht vertrieben noch gezwungen. Gott und ihr Gewissen wird sie zu seiner Zeit finden, wer kann aller Bosheit wehren? Doch wo die Obrigkeit nicht tötet, und ein Gemahl das andere behalten will, soll man es nach dem Evangelium öffentlich christlich strafen und büßen lassen, wie Matthäus 18, 15-18 alle anderen öffentlichen Sünden zu strafen eingesetzt ist. Denn es sind nicht mehr als diese drei Strafen auf Erden unter den Menschen: eine heimliche und brüderliche, und die evangelische öffentliche vor der Gemeinde getan und die von weltlicher Obrigkeit geschieht.

Die dritte Ursache (für eine Scheidung) ist, wenn sich eins dem andern selbst beraubt und entzieht, dass es die eheliche Pflicht nicht zahlen noch bei ihm sein will. Wie man wohl so ein halsstarriges Weib findet, das seinen Kopf aufsetzt, und sollte der Mann zehnmal in Unkeuschheit fallen, so fragt sie nicht danach. Hier ist es Zeit, dass der Mann sage: Willst du nicht, so will eine andere, will die Frau nicht, so komme die Magd. Aber doch so, dass der Mann es ihr zuvor zwei oder dreimal sage und sie warne und es vor andere Leute kommen lasse, dass man öffentlich ihre Halsstarrigkeit wisse und vor der Gemeinde strafe. Will sie dann nicht, so lass sie von dir und lass dir eine Esther geben und die Vasthi fahren, wie der König Ahasveros tat (Esther 1, 12-22). Hier sollst du dich auf des Paulus Wort 1. Korinther 7, 4-5 gründen: »Der Mann ist seines Leibes nicht mächtig, sondern die Frau, und die Frau ist ihres Leibes nicht mächtig, sondern der Mann. Entziehe sich nicht eins dem andern, es sei denn aus beider Bewilligung« usw. Siehe, da verbietet Paulus, sich einander zu entziehen, denn im (Ehe)verlöbnis gibt eins dem andern seinen Leib zum ehelichen Dienst. Wo nun eins sich sperrt und nicht will, da nimmt und raubt es seinen Leib, den es dem andern gegeben hat. Das ist dann eigentlich gegen die Ehe, und die Ehe ist zerrissen. Darum muss hier die weltliche Obrigkeit das Weib zwingen oder umbringen. Wo sie das nicht tut, muss der Mann so denken: sein Weib sei ihm von Räubern genommen und umgebracht und nach einer andern trachten. Müssen wir doch leiden, wenn jemand sein Leib genommen wird. Warum soll man denn nicht leiden, dass ein Weib sich selbst dem Manne raubte oder von andern geraubt würde?

Über diese drei Ursachen ist noch eine, die Mann und Weib voneinander scheiden lässt, aber doch so, dass beide hinfort ohne Ehe bleiben oder sich wieder versöhnen müssen. Die ist, wenn Mann und Weib sich nicht wegen der ehelichen Pflicht, sondern um anderer Sachen willen nicht vertragen. Davon spricht Paulus 1. Korinther 7, 10-16: »Den Ehelichen aber gebiete nicht ich, sondern der Herr, dass die Frau sich nicht scheide von dem Manne, hat sie sich aber geschieden, soll sie ohne Ehe bleiben oder sich mit dem Manne versöhnen, und dass der Mann die Frau nicht von sich schicke.« Über solche Weiber klagt auch Salomo viel Prediger 7, 27-28 und sagt, er habe ein Weib gefunden, das sei bitterer als der Tod. Ebenso findet man (aber) auch manchen wüsten, wilden, unerträglichen Mann. Nun wenn hier eins von christlicher Stärke wäre und trüge des andern Bosheit, das wäre wohl ein fein seliges Kreuz und ein richtiger Weg zum Himmel. Denn ein solch Gemahl erfüllt wohl eines Teufels Amt und fegt den Menschen rein, der es anerkennen und tragen kann. Kann er’s aber nicht, so lass er sich lieber scheiden, ehe er denn Ärgeres tut, und bleibe ohne Ehe sein Leben lang. Dass er aber sagen wollte, es sei nicht seine Schuld, sondern die des andern und er wollte ein anderes eheliches Gemahl nehmen, das gilt nicht, denn er ist schuldig, Übel zu leiden, oder sich allein durch Gott vom Kreuz nehmen zu lassen, weil die Ehepflicht nicht versagt wird. Es gilt hier das Sprichwort: Wer das Feuer haben will, muss den Rauch auch leiden. Wie denn, wenn jemand ein krank Gemahl hat, das ihm zur ehelichen Pflicht unbrauchbar geworden ist, darf der nicht ein anderes nehmen? Beileibe nicht, sondern er diene Gott in dem Kranken und warte sein, denke, dass dir Gott an ihm etwas in dein Haus geschickt hat, womit du den Himmel erwerben sollst. Selig und aber selig bist du, wenn du solche Gabe und Gnade erkennst und deinem Gemahl so um Gottes willen dienst. Sagst du aber: ja, ich kann mich nicht enthalten? Da lügst du! Wirst du mit Ernst deinem kranken Gemahl dienen und anerkennen, dass dir’s Gott zugesandt hat, und ihm (dafür) danken, so lass ihn sorgen: gewiss wird er dir Gnade geben, dass du nicht mehr tragen musst als du kannst. Er ist viel zu treu dazu, dass er dich deines Gemahls so mit Krankheit berauben und dich nicht auch dafür aus des Fleisches Mutwillen herausnehmen sollte, sofern du deinem Kranken treulich dienst.

Der dritte Teil

Aufs dritte, dass wir auch etwas, was zur Seelen Seligkeit nützt, vom ehelichen Leben reden, wollen wir nun sehen, wie man den Stand christlich und göttlich führen soll. Ich will aber davon schweigen und die eheliche Pflicht liegen lassen, wie die zu reichen und zu verweigern sei, wie etliche Prediger bei diesem Stück den Widerwillen dagegen aufzurühren unverschämt genug sind. Etliche aber setzen auch eine besondere Zeit dafür fest und nehmen die heiligen Nächte und die Schwangerschaft aus. Ich lass es bleiben, wo es Paulus 1. Korinther 7, 9 gelassen hat, wo er sagt: »Es ist besser freien als von Begierde verzehrt werden«, ebenso 1. Korinther 7, 2: »Ein jeglicher habe seine eigene Frau und eine jegliche ihren eigenen Mann, um der Unkeuschheit willen.« Obwohl nun christliche Eheleute ihre Leiber nicht von der Sucht böser Lust regieren lassen sollen, wie Paulus 1. Thessalonicher 4, 5 den Thessalonichern schreibt, so muss sich doch ein jeglicher selbst prüfen, dass er sich nicht in die Gefahr der Hurerei oder anderer Sünde mit seinem Enthalten begebe, und nicht ansehen Feier- oder Werktage oder andere leibliche Ursachen. Aber davon wollen wir am meisten reden, dass der eheliche Stand so einen jämmerlichen Ruf bei jedermann hat. Es sind viel heidnische Bücher, die nichts als Weiberlaster und die Unlust des ehelichen Standes beschreiben, so dass etliche gemeint haben, wenn die Weisheit selbst ein Weib wäre, sollte man dennoch nicht freien. Es sollte einmal ein römischer Ratsherr die jungen Gesellen dazu anreizen, Weiber zu nehmen (denn die Stadt bedurfte vieler Menschen um des täglichen Krieges willen), da sagte er unter anderem:

Liebe Gesellen, wenn wir ohne Weiber leben könnten, so wären wir ja einer großen Unlust überhoben. Aber weil sich’s ohne sie nicht leben lässt, so nehmt Weiber usw. Solche Rede wurde von etlichen getadelt, als nicht nach der Kunst gehalten, und dass die Gesellen mehr abgeschreckt worden seien. Aber die andern sagten: Weil Metellus ein tapferer Mann wäre, hätte er recht geredet, denn ein redlicher Mann soll die Wahrheit ohne Scheu und Heuchelei sagen. So haben sie beschlossen, dass ein Weib ein nötiges Übel und kein Haus ohne solches Übel sei. Das sind nun blinder Heiden Worte, die nicht wissen, dass Mann und Weib Gottes Geschöpfe sind und ihm sein Werk verlästern, gerade als kämen Mann und Weib unversehens daher. Ich meine auch, wenn die Weiber Bücher schreiben sollten, so würden sie von den Männern auch dergleichen schreiben. Was sie aber nicht geschrieben haben, das richten sie doch mit Klagen und Schwätzen aus, wenn sie beieinander sind. Man findet auch noch täglich Eltern (die ihre Krankheit vergessen und des Mehls, wie die Maus, nun satt sind), die ihre Kinder vom ehelichen Stand zur Pfafferei und Nonnerei anhalten und anreizen, die Mühe und bösen Tage im ehelichen Leben vorgeben, und so ihre eigenen Kinder dem Teufel heimbringen, wie wir täglich sehen, und ihnen gute Tage dem Leibe nach, aber die Hölle an den Seelen verschaffen. Deshalb, weil Gott solche Lästerung seines Werks von den Heiden leiden musste, gab er ihnen auch ihren Lohn, wovon Paulus Römer 1, 24 schreibt, und ließ sie in Hurerei, unreinen Fluss hinfahren, bis sie hinfort keine Weiber, sondern Knaben und unvernünftige Tiere schändeten, umgekehrt die Weiber auch ebenso sich selbst und eine die andere. Und wie sie Gottes Werk verlästerten, gab er sie in verkehrten Sinn, wovon auch die heidnischen Bücher aufs allerunverschämteste voll sind. Auf dass wir nun nicht so blind einherfahren, sondern christlich wandeln, so halte aufs erste fest, dass Mann und Frau Gottes Werk sind und halte Dein Herz und Mund zu und schilt ihm sein Werk nicht und nenne das nicht böse, was er selbst gut nennt. Er weiß besser, was gut und Dir nützlich ist, als Du selbst, wie er 1. Mose 2, 18 sagt: »Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei, ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei.« Da siehst Du, dass er das Weib gut und eine Gehilfin nennt. Stellst Du es aber anders fest, so ist es bestimmt Deine Schuld, dass Du Gottes Wort und Werk nicht verstehst noch glaubst. Siehe, mit diesem Spruch Gottes stopft man allen das Maul, die über die Ehe klagen und schelten. Darum mögen die jungen Gesellen sich vorsehen, wenn sie die heidnischen Bücher lesen und die allgemeine Klage hören, dass sie nicht Gift schöpfen. Denn dem Teufel ist bei dem ehelichen Leben nicht wohl. Das macht, dass es Gottes Werk und guter Wille ist. Darum hat er in der Welt so viel dagegen schreien und schreiben lassen, dass er die Menschen von dem göttlichen Leben abschreckte und in den Stricken der Hurerei und stummen Sünde behielte. Dass mich dünkt, auch Salomo, obwohl er böse Weiber sehr schilt, habe doch gegen solche Gotteslästerer Sprüche 18, 22 gesagt: »Wer eine Ehefrau gefunden hat, der hat etwas Gutes gefunden und Wohlgefallen erlangt vom Herrn.« Was ist das Gute und das Wohlgefallen? Das wollen wir sehen. Die Welt sagt von der Ehe: Eine kurze Freude und eine lange Unlust. Aber lass sie sagen, was sie will: was Gott schafft und haben will, das muss ihr ein Spott sein. Was sie auch für Lust und Freud außerhalb der Ehe hat, meine ich, werde sie am besten im Gewissen gewahr. Es ist ein völlig anderes Ding: ehelich sein und (das Wesen des) ehelichen Lebens erkennen. Wer ehelich ist und (das Wesen des) ehelichen Lebens nicht erkennt, der kann nimmermehr ohne Unlust, Mühe und Jammer darinnen leben. Er muss klagen und lästern wie die Heiden und unvernünftigen, blinden Menschen. Wer es aber erkennt, der hat ohne Unterlass Lust, Liebe und Freude drinnen, wie Salomo Sprüche 18, 22 sagt, dass »wer eine Ehefrau gefunden hat, der hat etwas Gutes gefunden« usw. Die sind’s aber, die es erkennen, die fest glauben, dass Gott die Ehe selbst eingesetzt, Mann und Frau zusammengegeben, Kinderzeugen und -warten verordnet hat. Denn sie haben 1. Mose 1, 28 Gottes Wort darauf, so dass sie sicher sind, dass er nicht lügt. Deshalb sind sie auch sicher, dass ihm der Stand an sich mit allem seinem Wesen, seinen Werken und Leiden und was drinnen ist, gefällt. Nun sage mir: wie kann ein Herz größer Gut, Friede und Lust haben als in Gott, wenn es sicher ist, dass sein Stand, Wesen und Werk Gott gefällt?

Siehe, das bedeutet: »ein Weib finden«. Viele haben Weiber, aber wenige »finden Weiber«. Warum? Sie sind blind, können nicht merken, dass es Gottes Werk ist und Gott wohl gefalle, was sie mit einer Frau leben und tun. Wenn sie das fänden, so würde ihnen keine Frau so hässlich, so böse, so unartig, so arm, so krank sein, daran sie nicht die Lust (ihres) Herzens fänden deshalb, weil sie immerdar Gott sein Werk und Geschöpf und Willen vorhalten könnten. Und weil sie sehen, dass es ihres lieben Gottes Wohlgefallen ist, könnten sie Friede in Leid und Lust mitten in der Unlust, Freude mitten in der Trübsal, wie die Märtyrer im Leiden haben. Unser Fehler ist nur, dass wir Gottes Werk nach unserem Fühlen richten und nicht auf seinen Willen sehen, sondern auf das, was wir suchen. Deshalb können wir seine Werke nicht erkennen und müssen uns das böse machen, was gut ist, und Unlust empfangen, wo Lust ist. Nichts ist so böse, auch der Tod selbst (nicht), was nicht süß und erträglich werde, wenn ich nur weiß und sicher bin, dass es Gott wohl gefällt. Dann folgt alsbald, wovon Salomo Sprüche 18, 22 spricht: »Er erlangt Wohlgefallen vom Herrn.« Nun siehe zu, wenn die kluge Hure, die natürliche Vernunft (welcher die Heiden gefolgt sind, wo sie am klügsten sein wollten), das eheliche Leben ansieht, so rümpft sie die Nase und spricht: Ach, sollt ich das Kind wiegen, die Windeln waschen, Betten machen, Gestank riechen, die Nächte durchwachen, auf sein Schreien achten, seinen Grind und Blattern heilen, danach die Frau pflegen, sie ernähren, mich abmühen, hier sorgen, da sorgen, hier tun, da tun, das leiden und dies leiden, und was denn der Ehestand mehr Unlust und Mühe lernt? Ei, sollt ich so gefangen sein? O du elender, armer Mann, hast du eine Frau genommen, pfui, pfui des Jammers und der Unlust! Es ist besser, frei bleiben und ohne Sorge ein ruhiges Leben geführt. Ich will ein Pfaff oder eine Nonne werden, meine Kinder auch dazu anhalten. Was sagt aber der christliche Glaube hierzu? Er tut seine Augen auf und sieht alle diese geringen, unlustigen, verachteten Werke im Geist an und wird gewahr, dass sie alle mit göttlichem Wohlgefallen wie mit dem köstlichsten Gold und Edelsteinen geschmückt sind und spricht: Ach Gott, weil ich gewiss bin, dass du mich als einen Mann geschaffen und von meinem Leib das Kind gezeugt hast, deshalb weiß ich auch sicher, dass es dir aufs allerbeste gefällt, und bekenne dir, dass ich nicht würdig bin, dass ich das Kindlein wiegen noch seine Windeln waschen noch es oder seine Mutter pflegen sollte. Wie bin ich ohne Verdienst in die Würdigkeit gekommen, dass ich deiner Kreatur und deinem liebsten Willen zu dienen gewiss geworden bin? Ach wie gerne will ich solches tun, und wenn’s noch geringer und verachteter wäre. Nun soll mich weder Frost noch Hitze, weder Mühe noch Arbeit verdrießen, weil ich sicher bin, dass dies so gut gefällt! So soll auch das Weib bei seinen Werken denken: wenn sie das Kind säugt, wiegt, badet und andere Werke mit ihm tut, und wenn sie sonst arbeitet und ihrem Mann hilft und gehorsam ist. Es sind alles lauter goldene, edle Werke. So soll man auch ein Weib in Kindesnöten trösten und stärken, nicht mit Legenden und andern närrischen Weiberwerken umgeben, sondern so zu ihr sprechen: Denke daran, liebe Greta, dass du ein Weib bist und Gott dies Werk an dir gefällt, getröste dich fröhlich seines Willens und lass ihm sein Recht an dir. Gib das Kind her und tue (das Deine) mit aller Macht dazu; stirbst du drüber, so fahr hin: wohl dir, denn du stirbst bestimmt bei einem edlen Werk und im Gehorsam Gottes. Ja, wenn du nicht ein Weib wärest, so solltest du dir jetzt allein um dieses Werkes willen wünschen, dass du ein Weib wärest, (damit du) so köstlich in Gottes Werk und Willen Not leiden und sterben (könntest). Denn hier ist Gottes Wort, das dich so geschaffen, dir solche Not eingepflanzt hat. Sage mir, ist das nicht auch (wie Salomo Sprüche 18, 22 sagt) Wohlgefallen von Gott her erhalten, auch mitten in solcher Not? Nun sage mir: Wenn ein Mann herginge und wüsche die Windeln oder täte sonst am Kinde ein verachtet Werk, und jedermann spottete seiner und hielte ihn für einen Maulaffen und Frauenmann, obwohl er’s doch in solcher oben gesagter Meinung und christlichem Glauben täte. Lieber sage, wer spottet hier des andern am feinsten? Gott lacht mit allen Engeln und Kreaturen, nicht weil er die Windeln wäscht, sondern weil er’s im Glauben tut. Jener Spötter aber, die nur das Werk sehen und den Glauben nicht sehen, spottet Gott mit aller Kreatur als der größten Narren auf Erden, ja sie spotten nur ihrer selbst und sind des Teufels Maulaffen mit ihrer Klugheit. So tat Cyprian, der treffliche große Mann und heilige Märtyrer, und schreibt, man sollte ein Kindlein, wenn es geboren und noch ungetauft ist, den hier auf frischer Tat begriffenen göttlichen Händen zu Ehren küssen. Was meinst du, würde er von einem getauften Kindlein sagen? Das ist ein rechter Christenmann gewesen, der Gottes Werk und Kreaturen recht erkannt und angesehen hat. Darum sage ich, dass alle Nonnen und Mönche, die ohne Glauben sind und sich ihrer Keuschheit und ihres Ordens trösten, nicht wert sind, dass sie ein getauftes Kind wiegen oder ihm einen Brei machen sollten, wenn’s gleich ein Hurenkind wäre. Ursache: ihr Orden und Leben hat kein Wort Gottes für sich, sie können sich auch nicht rühmen, dass es Gott gefalle, was sie tun, wie ein Weib tun kann, wenn’s gleich ein uneheliches Kind trägt. Das sage ich darum, dass wir lernen, wie ein gar edel Ding es ist, wer in dem Stand ist, den Gott eingesetzt hat, und da Gottes Wort und Wohlgefallen drinnen ist, wodurch alle Werke, Wesen und Leiden solchen Standes heilig, göttlich und kostbar werden, so dass Salomo mit Recht einem solchen Mann Glück wünscht und Sprüche 5, 18 sagt: »Freue dich des Weibes deiner Jugend«, und Prediger 9, 9: »Genieße das Leben mit deinem Weibe, das du lieb hast, solange du das eitle Leben hast.« Diese Worte redet Salomo ohne Zweifel nicht um fleischlicher Freude willen, denn der heilige Geist redet durch ihn, sondern er tröstet die in Gott, welche da viel Mühe im ehelichen Leben haben, gegen die Lästerer göttlicher Ordnung, die nicht mehr als die Heiden fleischliche und zeitliche Wollust drinnen suchen und nicht finden. Umgekehrt lernen wir, wie unselig der geistliche Mönchs- und Nonnenstand an sich ist, wo kein Gotteswort noch Wohlgefallen ist, wo alle Werke, Wesen und Leiden unchristlich, vergeblich und schändlich sind, so dass Christus Matthäus 15, 9 mit Recht sagt und schreckt: »Vergeblich dienen sie mir in Menschengeboten. « Darum ist ja kein Vergleich zwischen einem Eheweib und einer Klosterfrau, sofern jene ihres Standes in Erkenntnis und Glauben und diese ihres geistlichen Standes ohne Glauben in Vermessenheit lebt, gleich wie Gottes Wege und der Menschen Wege keinen Vergleich miteinander haben, wie er Jesaja 55, 9 sagt: »So viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege.« Es ist eine große Gnade für den, der Gottes Wort für sich hat, dass er mit Gott reden, es ihm vorhalten und sagen kann: »Siehe, das hast du gesagt, das ist dein Wohlgefallen.« Was liegt einem solchen Menschen dran, ob’s aller Welt übel gefalle und ein Spott sei? Dass aber auch die Eheleute zum größeren Teil nichts als Unlust und Jammer haben, ist kein Wunder, denn sie haben keine Kenntnis von Gottes Wort und Willen über ihren Stand, darum sind sie eben so unselig wie Mönche und Nonnen, auf beiden Seiten ohne Trost und Zuversicht göttlichen Wohlgefallens. Deshalb ist es unmöglich, dass sie die äußerliche Widerwärtigkeit und Mühe recht tragen sollten, denn es ist dem Menschen zu viel, inwendig und auswendig Unlust haben. Wenn sie inwendig ihren Stand nicht erkennen, dass er Gott gefällt, so ist schon Unlust da. Wenn sie die äußerliche Lust drinnen suchen, so geht es ihnen fehl, und so trifft Unlust mit Unlust zusammen, daher denn das Zetergeschrei und Schreiben über Weiber und ehelichen Stand kommen muss. Denn Gottes Ordnung und Werk will und muss auf Gottes Wort und Zuversicht angenommen und getragen werden oder es tut Schaden und wird unerträglich. Darum mäßigt Paulus 1. Korinther 7, 28 seine Worte fein, wenn er sagt: »Die Ehelichen werden leibliche Trübsal haben«, d.h. äußerliche Unlust. Aber er schweigt von der geistlichen, innerlichen Lust deshalb, weil äußerliche Unlust beiden. Gläubigen und Ungläubigen, gemeinsam ist, dazu auch (zu) des ehelichen Standes Art und Eigenschaft (gehört). Aber rechte Lust drinnen kann niemand haben, der nicht im Glauben fest erkennt, dass solcher Stand Gott gefalle und vor ihm mit allen seinen Werken teuer geachtet sei, wie gering sie auch seien. Gering sind sie und verächtlich, aber wir kommen alle daher und haben ihrer alle bedurft, und es wäre kein Mensch, wo sie nicht wären. Darum gefallen sie Gott, der sie verordnet hat und unser damit pflegt wie eine Mutter in aller Güte. Nun siehe, bisher habe ich vom ehelichen Leben nichts (weiter) erzählt als eben das, welches die blinde Welt und Vernunft als ein böses und unlustiges, unerfreuliches Wesen scheut und lästert. Wir haben gesehen, wie das alles so viel edle Tugend und rechte Lust in sich hat, sofern man auf Gottes Wort und Willen acht hat und das Wesen (der Ehe) dadurch erkennt. Denn ich will davon schweigen, was an Nutzen und Lust mehr drinnen sei, wenn ein solcher Stand gut gerät, dass Mann und Weib sich lieb haben, eines sind, eins das andere versorgt, und was mehr Gutes daran ist, auf dass mir nicht jemand das Maul stopfe und sage, ich redete von dem, was ich nicht erfahren habe, und es sei mehr Galle als Honig drinnen. Ich rede davon nach der Schrift, die mir zuverlässiger ist als alle Erfahrung und mir nicht lügt. Hat jemand darüber hinaus (noch) mehr Gutes daran, der hat soviel mehr Gewinn und danke Gott dafür. Es muss ja gut sein, was Gott gut nennt, es sei denn, dass man es nicht erkenne oder es verkehrt missbrauche. Darum lass ich anstehen, was die Erfahrung Gutes und Böses gibt, und folge weiter der Schrift und Wahrheit nach, was die ihm für Gutes zuschreibt. Und ist das etwas nicht geringes Gutes, dass durch solches Leben die Hurerei und Unkeuschheit unterbleibt und verwehrt wird, welches ein so großes Gut ist, dass es allein genug wäre dazu anzureizen, aufs allereiligste aus vielen Ursachen ehelich zu werden. Die erste, dass Hurerei nicht allein die Seele, sondern auch Leib, Gut, Ehre und Freundschaft verdirbt, denn wir sehen, wie das hurerische und unzüchtige Leben nicht allein eine große Schande, sondern auch ein unredliches Leben ist und mehr kostet als ein eheliches Leben, dazu auch eins mehr vom andern leiden muss, als eheliche Leute miteinander leiden. Über das hinaus verzehrt es den Leib, verdirbt Fleisch und Blut, Natur und Körperzustand. Und Gott stellt sich mit solchen mancherlei bösen (Krankheits) Anfällen, als wollte er die Menschen schlechterdings von der Hurerei zum ehelichen Leben treiben, obwohl sich wenige daran kehren. Doch haben’s etliche überdacht und sind aus eigener Erfahrung inne geworden, so dass sie ein fein, edel Sprichwort darauf gemacht und gesagt haben: Frühe aufstehen und frühe freien, das soll niemand gereuen. Warum? Ei, da werden doch Menschen draus, die gesunden Leib, gutes Gewissen, Gut und Ehre und Freunde behalten, welches alles sich durch Hurerei zerrüttet und zerstreut, so dass es gar schwerlich wieder zusammengebracht wird und unter Hundert nicht einem gelingt. Diesen Nutzen hat Paulus 1. Korinther 7, 2 angeführt: »Um der Unkeuschheit willen habe ein jeglicher seine eigene Frau und eine jegliche habe ihren eigenen Mann.« Nicht allein aber dient der eheliche Stand einem jeglichen zu seines Leibes, Gutes, Ehre und Seele Nutzen, sondern auch ganzen Städten und Ländern, dass sie vor Gottes Plagen bewahrt bleiben. Denn wir wissen wohl, dass fast die gräulichsten Plagen der Hurerei halber über Land und Leute ergangen sind. Denn diese Sünde wird 1. Mose 6, 4 ff. (als Grund dafür) angeführt, weshalb die Welt mit der Sintflut ersäuft und Sodom und Gomorra mit Feuer verbrannt wurde (1. Mose 19, 4 ff.), und wie viele andere Plagen die Schrift mehr anzeigt, auch bei heiligen Leuten wie David, Salomo, Simson, und dass Gott noch täglich neue und mehr Plagen sendet, wie wir vor Augen sehen. Es meinen viele, damit dem ehelichen Stand zu entlaufen, dass sie eine Zeitlang die Unkeuschheit austoben und danach rechtschaffen werden wollen. Ja, mein Lieber, wenn (dadurch) unter Tausend einer gerettet wird, so ist’s viel. Was keusch leben soll, das wird zeitig angefangen und nicht mit Hurerei erlangt, sondern ohne Hurerei aus Gottes Gnade oder durch die Ehe. Wir sehen auch wohl, wie sie täglich geraten. Es mag wohl mehr eingetobt denn ausgetobt heißen. Der Teufel hat solches aufgebracht und solch verfluchtes Sprichwort erdichtet: Einmal muss man ein Narr sein, ferner: Wer’s nicht in der Jugend tut, der tut’s im Alter, und: ein junger Engel, ein alter Teufel. In dieser Richtung schreiben auch der Poet Terenz und mehr Heiden: Heiden sind’s, heidnisch, ja teuflisch reden sie. Freilich ist’s wahr, dass der huren muss, der nicht ehelich wird. Wie sollt’s anders zugehen, sintemal Gott Mann und Weib, sich zu besamen und zu mehren geschaffen hat? Warum kommt man aber der Hurerei nicht mit der Ehe zuvor? Denn wo eine besondere Gnade sie nicht davon ausnimmt, da will und muss die Natur sich samen und mehren. Geschieht’s nicht in der Ehe, wo sollt’s anders als in der Hurerei oder ärgeren Sünden geschehen? Wie denn, sagen sie, wenn ich weder ehelich noch unzüchtig würde und mich mit Gewalt enthielte? Hörst du nicht, dass ohne die besondere Gnade das nicht möglich ist? Denn Gottes Wort lässt sich nicht aufhalten, lügt auch nicht, da er 1. Mose 1, 28 sagt: »Seid fruchtbar und mehret euch.« Das Fruchtbarsein und sich Mehren kannst du weder abwehren noch aufhalten, es ist Gottes Werk und geht seinen Weg. Daher reden auch die Ärzte nicht übel, dass sie sagen, wo man mit Gewalt dieses Werk der Natur aufhält, da muss es in das Fleisch und Blut schlagen und zu Gift werden, woraus dann ungesunde, schwache, schwindsüchtige und stinkende Leiber werden, denn was zur Frucht und Mehrung kommen sollte, das muss der Leib in sich selbst verzehren. Wo denn nicht ungeheurer Hunger oder schwere Arbeit oder die hohe Gnade da ist, da wird’s dem Leib zu viel, und er muss ungesund und siech davon werden. Daher sieht man auch, wie schwach und ungesund die unfruchtbaren Weiber sind, die aber fruchtbar sind, sind gesünder, reinlicher und lustiger. Wenn sie sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts, lass sie sich nur tot tragen, sie sind dazu da. Es ist besser kurz gesund als lange ungesund leben. Das allerbeste aber im ehelichen Leben, um dessentwillen auch alles zu leiden und zu tun wäre, ist, dass Gott (in ihm) Frucht gibt und sie zu Gottes Dienst aufzuziehen befiehlt. Das ist auf Erden das alleredelste, teuerste Werk, weil Gott nichts Lieberes geschehen kann als Seelen zu erlösen. Da wir nun alle schuldig sind, wo es not wäre, zu sterben, auf dass wir eine Seele zu Gott bringen möchten, so siehst du, wie reich der eheliche Stand an guten Werken ist, dem Gott die Seelen, von eigenem Leibe erzeugt, in den Schoß gibt, an welchen sie alle christliche Werke üben können. Denn Vater und Mutter sind gewiss der Kinder Apostel, Bischöfe, Pfarrer, indem sie ihnen das Evangelium kundmachen. Und in Kürze: auf Erden ist keine größere, edlere Gewalt als die der Eltern über ihre Kinder, sintemal sie die geistliche und weltliche Gewalt über sie haben. Wer den andern das Evangelium lehrt, der ist wahrlich sein Apostel und Bischof. Hüte und Stäbe und große Länder machen wohl Götzen, aber das Evangelium lehren macht Apostel und Bischöfe. Darum siehe, wie gut und reich es sei, was Gottes Werk und Ordnung ist. Ich will’s hierbei lassen und andern anbefehlen, weiter zu suchen, was der eheliche Stand mehr Gutes und Nutzen habe, denn ich will nur den aufgezählt haben, den ein christlicher Mensch haben kann, seine Ehe christlich zu führen, dass er, wie Salomo Sprüche 18, 22 sagt, vor Gott sein Weib finde und von Gott her Wohlgefallen erhalte. Denn ich will damit den ehelosen Stand nicht verwerfen, noch davon weg zum ehelichen Leben reizen. Ein jeglicher fahre, wie er kann und sich fühlt, dass ihm von Gott gegeben ist. Allein den Lästermäulern habe ich wehren wollen, die den ehelichen Stand so weit unter den ehelosen stellen, dass sie sagen können, wenn die Kinder gleich heilig werden sollten, so wäre dennoch Keuschheit besser. Man soll keinen Stand vor Gott besser sein lassen als den ehelichen. Der Keuschheit Stand ist auf Erden wohl besser, weil er weniger Sorge und Mühe hat, und (zwar) nicht um seiner selbst willen, sondern weil er besser predigen und Gottes Wort wahrnehmen kann, wie Paulus 1. Korinther 7, 35 sagt. Gottes Wort und Predigen macht den Stand der Keuschheit besser als der eheliche ist, so wie ihn Christus und Paulus geführt haben. Von sich aus ist er aber viel geringer. Am Ende haben wir vor uns eine große starke Einrede zu beantworten. Ja, sagen sie, es wäre gut, ehelich zu werden, wie will ich mich aber ernähren? Ich habe nicht: »nimm ein Weib und iss davon« usw. Das ist freilich das größte Hindernis, das am allermeisten die Ehe hindert und zerreißt und Ursache aller Hurerei ist. Aber was soll ich dazu sagen? Es ist Unglaube und Zweifel an Gottes Güte und Wahrheit. Darum ist’s auch nicht wunder, wo der ist, dass lauter Hurerei folge und alles Unglück. Es fehlt ihnen daran, sie wollen zuvor des Gutes sicher sein, wo sie Essen, Trinken und Kleider hernehmen. Ja, sie wollen den Kopf aus der Schlinge ziehen 1. Mose 3, 19: »Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen«, faule, gefräßige Schelme wollen sie sein, die nicht arbeiten müssen. Darum wollen sie freien, wenn sie reiche, hübsche, fromme, freundliche Weiber haben können; ja warte, wir wollen sie dir malen lassen. Aber lass solche Heiden fahren, wir reden mit ihnen nicht, und wenn’s ihnen gelänge, dass sie das ihnen Passende bekämen, würde es doch eine ungläubige und unchristliche Ehe bleiben. Sie trauen Gott, solange sie wissen, dass sie seiner nicht bedürfen und Vorrat haben. Wer aber auf christliche Weise ehelich sein will, der darf sich nicht schämen, arm und verachtet zu sein, geringe Werke zu tun. Er muss sich daran genügen lassen: aufs erste, dass Gott sein Stand und Werk wohl gefalle; aufs zweite, dass ihn Gott bestimmt ernähren wird, wenn er sich nur abmüht und schafft, soviel er kann, und wenn er nicht ein Junker und Fürst sein kann, dass er ein Dienstknecht und -magd sei. Denn Gott hat Matthäus 6, 31+33 verheißen: »Sorget nicht, was ihr essen, trinken und anziehen sollt, sucht zuvor Gottes Reich und sein Recht, so soll euch das alles zufallen«, ebenso Psalm 37, 25: »Ich bin jung gewesen und alt geworden und habe noch nie den Gerechten verlassen gesehen und seine Kinder um Brot betteln.« Wer nun nicht glaubt, was ist’s Wunder, dass er Hunger, Durst und Frost leide und nach Brot gehe. Siehe Jakob, den heiligen Erzvater an, der hatte noch gar nichts in Syrien (1. Mose 29) und hütete nur die Schafe und bekam Güter, dass er vier Weiber mit großem Gesinde und Kindern ernährte und dennoch genug hatte. Ebenso wurden Abraham und Isaak und Lot auch reich und viele Heilige mehr im Alten Testament. Und zwar hat Gott genug bewiesen, wie er für uns sorge, da er 1. Mose 1 alle Dinge im Himmel und auf Erden mit allen Tieren und Gewächsen zuvor schuf und bereitete, ehe er den Menschen schuf. Damit zeigt er, wie er für uns allezeit Nahrung und Bekleidung übergenug im Vorrat bestellt habe, ehe wir ihn darum bitten. Es ist nur darum zu tun, dass wir arbeiten und nicht müßig gehen, ernährt und bekleidet sind wir gewiss. Aber der leidige Unglaube lässt es nicht zu und sieht, begreift und fühlt doch: wenn er sich gleich zu Tod sorgt, dass er nicht ein Körnlein auf dem Feld machen noch behalten kann; dazu: wenn schon alle seine Gemächer ganz voll wären, dass er dennoch nicht einen Bissen noch Faden davon gebrauchen kann, Gott behalte ihn denn gesund und lebendig und bewahre ihm seine Habe. Dennoch hilft’s nichts. Deshalb (um diese Schrift) zu beschließen: Wer sich nicht zur Keuschheit geschickt findet, der tue beizeiten (etwas) dazu, dass er etwas schaffe und zu arbeiten habe, und wage es danach in Gottes Namen und greife zur Ehe (ein Jüngling aufs späteste, wenn er zwanzig, ein Mägdlein, wenn es gegen fünfzehn oder achtzehn Jahre alt ist, so sind sie noch gesund und geschickt) und lasse Gott sorgen, wie sie mit ihren Kindern ernährt werden. Gott macht Kinder, der wird sie auch wohl ernähren. Hebt er dich und sie nicht hoch auf Erden, so lass dir daran genügen, dass er dir eine christliche Ehe gegeben und dich hat erkennen lassen, dass er dich dort hoch erhebe, und sei ihm dankbar für solch seine Güter und Gaben. Aber mit all diesem Preis des ehelichen Lebens will ich nicht der Natur zugegeben haben, dass dort keine Sünde sei, sondern ich sage, dass Fleisch und Blut, durch Adam verderbt, in Sünden empfangen und geboren wird, wie Psalm 51, 7 lautet, und dass keine Ehepflicht ohne Sünde geschieht. Aber Gott verschont sie aus Gnade deshalb, weil die eheliche Ordnung sein Werk ist, und behält auch mitten und durch die Sünde hindurch all das Gute, das er darein gepflanzt und gesegnet hat.

Quelle: WA 10, 2, 275–304

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