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Luther, Martin - Gründonnerstag.

Luther, Martin - Gründonnerstag.

Epistel: 1. Kor. 11,23-26.

Das soll erstlich aller Christen höchster Trost sein, daß sie hören, des Herrn Christi Leib sei für sie gegeben und sein Blut für ihre Sünde vergossen. Denn wer solches glaubt, da ist's unmöglich, daß er Sünde oder andres sich sollte anfechten lassen. Ursache: er weiß, daß dieser Schatz, damit seine Sünde abgelegt1), weit mehr und größer sei, denn seine Sünde.

Aber bei dem Trost, der also im Wort öffentlich geht, läßt es Christus nicht bleiben; er gibt dir mit dem Brod seinen Leib zu essen und mit dem Wein sein Blut zu trinken, wie die Worte klar mit sich bringen, sollte es gleich dem Teufel leid sein: auf daß du für deine Person solches Leibes und Blutes dich annehmest2), daß es dir gelte und dein eigen sein soll; eben wie du es für dich mit deinem Munde empfängst und nicht für einen andern. Denn darum ist es auch vornehmlich zu thun, daß ein Jeder glaube, Christus habe für ihn, und nicht allein für S. Peter, S. Paul und andere Heiligen gelitten. Das hat Christus einem jeden Christen in seinem Testament wollen vergewissern, sintemal ein jeder für sich selbst solches Testament, das ist, den Leib Christi und sein Blut empfängt und genießt. Darum ist es nicht unrecht geredet, daß man in diesem Sacrament Vergebung der Sünden hole und empfange. Denn wo Christus ist, da ist Vergebung der Sünden. Hier ist sein Leib und Blut, laut seiner Worte. Wer es nun empfängt, ißt und trinkt, und glaubt, daß des Herrn Christi Leib für ihn gegeben und sein Blut ihm zur Vergebung der Sünden vergossen sei: sollte der nicht Vergebung der Sünden haben? Doch muß man hiervon die Leute auch recht unterrichten, daß man nicht durch das Werk, daß du zum Sacrament gehst, oder um deiner Nießung3) willen, Vergebung der Sünden erlange, wie die Papisten von ihrem Werk der Messe4) sagen; sondern daß sich der Mensch durch den Glauben an diese Worte halte und sich des tröste, so Christus sagt, daß er ihm da seinen Leib gebe, der für ihn gegeben ist, und sein Blut, das für ihn vergossen ist rc. Und also, daß die Nießung oder Empfangung des Sacraments zur Stärkung solchen Glaubens geschehe. Das ist nun eine Frucht, und die größte und beste, die wir hier in diesem Testament haben.

Die andere Frucht ist, daß es vonnöthen ist, daß die Christenheit soll einig bleiben, einerlei Glauben und Lehre haben. Daß es nun auf das gleichste zugehe unter den Christen, müssen sie nicht allein zusammen kommen in der Predigt, da sie einerlei Wort hören, dadurch zu einerlei Glauben berufen werden und alle zugleich sich an ein Haupt halten; sondern sie müssen auch zu Haufe kommen an einen Tisch, und mit einander essen und trinken.

Mit der Predigt Zuhören kann es wohl geschehen, daß einer jetzt mich hört, der mir doch von Herzen feind ist. Darum ob wohl das Evangelium die Christen auch zusammen hält und einerlei Sinnes macht, so thut's doch dieses Abendmahl noch mehr (wiewohl auch Heuchler sich dazu finden), da ein jeder Christ öffentlich und für sich selbst bekennt, was er glaube. Da sondern sich die Ungläubigen ab. Und die im Glauben gleich sind, mit einerlei Hoffnung und Herzen gegen den Herrn, die finden sich zusammen. Das ist ein sehr nöthiges Ding in der Kirche, daß sie also zusammen werden gezogen und im Glauben nicht Spaltung sei5).

Da wollte nun unser lieber Herr Christus gern das haben, daß, gleichwie dein Geizwanst dir sagt und predigt immerdar von Geld und Gut, von Gewalt und Ehre, du dich auch hierher ließest ziehen und führen in jenes Leben und gedächtest an deinen Erlöser, der für dich am Kreuz gestorben ist, und zündest dein Herz also an, daß du gern bei ihm wärst, dieses Lebens hier müde würdest, und sagtest: Ach Herr, ich sehe, daß ich nicht aufhören kann zu sündigen, ich kann des Bösen nicht müde werden. Darum bitte ich dich, hilf, daß ich der Welt feind werde und Lust und Liebe zu dir gewinnen möge rc. Diese Erinnerung ist uns täglich noth, wider den schädlichen Prediger, unsern alten Adam, der uns Tag und Nacht in den Ohren liegt.

Darum hat unser lieber Herr Christus sein Abendmahl eingesetzt, daß wir dabei uns erinnern sollen, es werde etwas anders folgen nach diesem Leben. Darum nimmt er das Brod und Kelch, heißt seine Jünger essen und trinken und sagt, es sei sein „Leib und Blut für uns gegeben und für unsere Sünde vergossen“; auf daß wir sein nicht vergessen, sondern an ihn denken, nicht allein an Geld und Gut, wie wir doch leider gemeiniglich pflegen. Als wollte er sagen: Gebt mir doch in acht Tagen, in vier Wochen rc. auch einen Tag, daß ihr mein gedenkt. Solches dürft6) ihr wohl; meinethalben könnte ich's wohl entbehren.

Ja, wenn es Geld wäre und man Jedem nicht den Leib und das Blut Christi, sondern hundert ungarische Gulden, oder noch ein Geringeres gäbe, da sollte ein Zulaufen, Rennen und Drängen sein, und sollten wohl blinde Leute sich mitten durch die Elbe oder Rhein zu laufen unterstehen, daß sie die hundert Gulden kriegten.

Sollten wir uns doch anspeien, wir heillosen Leute, daß wir um eines geringen Geldes willen so laufen und rennen. Und hier sind nicht hundert Gülden, die bald verzehrt sind, sondern der Leib und das Blut Christi Jesu, dadurch wir erlöst sind. Den Schatz schenkt er uns zu eigen in seinem Testament, und damit das ewige Leben, daß wir desselben gewiß sind, daß wir uns desselben trösten und immer daran denken sollen. Aber davor flieht man dennoch, als wäre es Gift und Verdammnis.

Wer macht's nun, daß wir nach den hundert Gülden laufen können, und nicht nach diesem köstlichen edlen Schatz? Niemand denn der Teufel, der hat unsern alten Adam zuvor, welcher ohnedas faul und träge ist zu dem ewigen Gut, und nimmt sich lieber um das Zeitliche an. Dieser Undank und Verachtung ist eine größere Sünde, denn Jemand denken kann. Denn Jedermann schlägt's in Wind; sonst würden wir uns fleißiger hierher halten, und nicht so mit großem Ernst nach Geld und Gut, des wir doch keines Augenblicks sicher sind, trachten. Aber die es thun, mögen zusehen, wie es ihnen einmal gehen werde.

Darum will der Herr uns mit seinem Abendmahl vermahnen, wir wollen nicht so undankbar sein, sondern wissen, wenn wir zum hochwürdigen Sacrament gehen, und unsern Glauben da neben andern Christen bekennen, daß man ihn also diene, daß doch der größte Nutzen unser sei. Derhalben sollen wir sonderlich ihm danken und fröhlich darüber sein, daß wir nun einen gnädigen Bischof an ihm haben, der nicht allein sich selbst für uns opfert, sondern auch mit seinem Leib und Blut, das für uns geopfert ist, speist; begehrt dennoch nicht mehr dafür, denn daß wir sein gedenken sollen, uns also damit im Glauben und die Christenheit in Einigkeit zu erhalten7).

Evangelium: Joh. 13, 1-17.

Um das Fußwaschen, so mit Wasser geschieht, ist's nicht zu thun; sonst müßte man nicht allein Zwölfen, sondern Jedermann die Füße waschen, und wäre den Leuten viel besser gedient, so es allein um das Wasser und Waschen zu thun wäre, daß man ihnen ein gemeines Bad bestellte, und wüsche ihnen da nicht allein die Füße, sondern den ganzen Leib. Aber es hat die Meinung nicht. Willst du dem Exempel Christi folgen und deinem Nächsten die Füße waschen, so schaue zu, daß du von Herzen dich demüthigst, alle Gaben und Gnaden, die du hast, nicht zu deinem Nutz oder eigner Ehre brauchst, sondern deinem Nächsten zum Besten, daß du Niemand verachtest, ja Jedermann gern seine Schwachheit zu gute haltest, und helfest, daß er sich bessern möge.

Solches Fußwaschen aber soll nicht allein auf den heutigen Tag, sondern unser Lebenlang geübt werden, mit allem, was wir können und haben, und gegen Jedermann, dem wir damit dienen können. Also will Christus, daß wir seinem Exempel nach auch unter einander die Füße waschen sollen; dazu hat er's auch befohlen, und anders nicht.

Sonderlich aber sollen die an das Fußwaschen denken und dasselbige fleißig üben, so von Gott mit sonderlichem Verstand und andern Gaben begnadet und zum Kirchenamt Berufen sind, auf daß sie solcher Gaben nicht mißbrauchen zu eigner Ehre, Nutz oder Gewalt, sondern damit ihrer Kirche treulich dienen. Denn so unser lieber Herr Jesus Christus, der wohl wußte, daß es nun Zeit war, daß er zum Vater gehen sollte und sein ewiges Gnadenreich anfangen, sich so tief gedemüthigt hat, daß er um unsertwillen dem Vater gehorsam ward bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz; wie vielmehr wird solches uns armen Leuten vonnöthen sein, welchen der Teufel sonderlich Tag und Nacht nachschleicht und legt uns allenthalben Stricke, ob er uns in Hoffart bringen und dahin bewegen möchte, daß wir mehr auf Ehre und Eigennutz, denn auf unser Amt sehen. Wo es da nach seinem Willen hinaus geht, daß die Kirchendiener solches Befehls Christi vergessen und nach Ehre und Gewalt trachten, da weiß er wohl, daß man ihm nicht viel mehr Schaden mit dem Predigen thun kann8).

Solchem Exempel und Demuth sollen darnach insgemein alle andern Christen, sie seien in was Stande sie wollen, auch folgen. Könige und Fürsten sind in einem weltlichen Stande, wie man's nennt; aber wollen sie Christen sein, so müssen sie auch ihren Unterthanen die Füße waschen. Denn Gott hat sie in solchen hohen Stand nicht gesetzt, daß sie allein ihre Pracht führen, ihre Wollust suchen und thun sollen, was sie gelüstet; sondern mit allen Gaben, die sie haben, sollen sie ihren Unterthanen dienen. Erstlich damit, daß ihre Unterthanen mit rechten Kirchendienern versorgt, ihnen Gottes Wort treulich und recht vorgesagt, aller Abgötterei gewehrt und rechter Gottesdienst angerichtet werde. Solches sind sie vor Gott schuldig; werden auch nimmermehr für ihre Person setzen noch Glück haben, sie halten denn treulich darob. Denn wie kann Gott bei denen sein, die sein Wort verachten und ihre Unterthanen zu öffentlicher Abgötterei und falschem Gottesdienst zwingen?

Darnach heißt das auch Fußwaschen, wo man in zeitlicher Regierung fleißig, ernst und emsig ist; wo man nicht Tag und Nacht schwelgt, spielt, jagt, sondern darnach trachtet, wie Einigkeit erhalten und gefördert, Land und Leute befriedet, dem Türken und andern Feinden gewehrt und Federmann gleichmäßig Recht verschafft werde. Wo nun Könige und Fürsten sich solches Fußwaschens mit Ernst wollten annehmen, da würden sie nicht allein den grünen Donnerstag, sondern das ganze Jahr, ja ihr ganzes Leben für und für, Tag und Nacht genug mit zu thun haben, und oft eben so halb des Nachte, wenn andere liegen und schlafen, als des Tags. Denn weil beide, die Kirche und das weltliche Regiment, ihnen auf dem Halse liegt, da wird nicht viel übriger Ruhe sein, wer beides recht bestellen und fleißig zusehen, und mit Ernst darob halten will9)

In niedern und geringen Ständen sollte es auch so zugehen. Herr und Frau im Hause waschen alsdann ihren Kindern und Gesinde die Füße, wenn sie sich nicht tyrannisch halten, sondern die Ihren zu Gottes Wort gewöhnen, ihnen treulich vorstehen und zu Gottes Furcht ziehen, daß sie fromm werden und thun, was ihnen befohlen ist. Also kann ein christlich Ehevolk10) eins dem andern täglich die Füße waschen, wenn eins dem andern seine Gebrechen zu gut hält, nicht immerdar zürnt, flucht und allen Ernst braucht. Das Gesinde kann der Herrschaft die Füße waschen, wenn sie fromm, treu, gehorsam und fleißig sind in ihrer Arbeit, nicht murren, wenn sie gestraft und vermahnt werden zu ihrem Besten.

In Summa, hast du etwa eine Gnade oder Gabe, die der Nebenchrist nicht hat, du seist ein Regent oder gemeine Person, dieselbe brauche dazu, daß ihm damit gedient werde. Sei nicht darum hoffärtig, verachte auch den nicht, der solche Gaben nicht hat: so wächst du ihm die Füße recht, wie Christus befohlen hat11).

Evangelium: Luc. 22, 7-17.

Bei diesen hellen, klaren Worten sollen wir fest bleiben, da unser Herr Christus spricht: das dargereichte Brod sei sein Leib, und der dargereichte Kelch oder Wein sei sein Blut, oder das neue Testament in seinem Blut. Und sollen einfältig dahin gehen und ohne allen Zweifel glauben, es sei also, wie die einfältigen Kinder thun, sollen Christo für solche Gnade danken, fröhlich darüber sein und unser Herz stärken, und dahin sehen, warum es Christus gethan habe, und nicht disputieren und fragen: ob er's thun könne. Es sind vorwitzige Herzen, welche nichts darnach fragen, warum es Christus also gemacht habe, sondern fragen allein, ob er's also machen könne.

Kann doch unser keiner wissen, wie es zugeht, daß unsre Augen sehen. Niemand vermag mit seiner Vernunft auszuforschen, wie es zugeht, wenn er einschläft und wieder aufwacht. Wenn ich die Augen aufthue, so bin ich mit meinem Gesichte über zwei Meilen. Item, eines Predigers einige12) Stimme füllt viel tausend Ohren und Herzen. Solches sehe ich und höre es und kann es dennoch nicht verstehen, wie es zugehe, wenn ich mich auch schon zerrisse. So wir nun das nicht verstehen, darinnen wir leben und dessen wir täglich brauchen, warum wollen wir denn in Gottes hohen Werken, welche uns verborgen sind, Meister und Richter sein?13). Unsere Zunge klappert in unserm Munde und regt sich, und daraus wird eine verständliche Sprache; solches kann Niemand verstehen, wie es zugehe. Item, Niemand kann sagen, wie ein Härlein wächst auf dem Haupte. Rannst du nun dies nicht begreifen, wie es zugehe, das du noch14) täglich erfährst, lieber, so gib Christo die Ehre, daß es wahr sei, das er hier sagt: „Das ist mein Leib, das ist mein Blut“, ob du es gleich nicht verstehst, wie es möglich sei.

Es ist ein sehr verdrießliches Ding, wenn man in Gottes Werken so handeln will, daß sie sich reimen sollen nach unsrer Vernunft15). Denn so wir die Creaturen nicht können ausmessen, noch die Dinge begreifen, darinnen wir täglich leben und schweben; wie wollen wir denn ausmessen und begreifen das, so Gott allein in seinem Wort anzeigt, und darinnen wir nicht leben und schweben? Darum sollen wir Gott die Ehre geben und ihn lassen allmächtig und wahrhaftig sein, und glauben, was er sagt, daß er's auch thun könne. Daß eine Ruh Heu und Gras frißt, das kannst du richten, darüber hast du Vernunft. Item, über Gold, Silber, Stein, Holz, Korn rc. Was man daraus machen soll, kannst du urtheilen und richten; da sei so klug, als du kannst. Aber was Gott thut und schafft, wie die Augen sehen, die Ohren hören und des Menschen Zunge redet, da laß hertreten alle Gelehrten, Klugen und Weisen mit ihrer höchsten Vernunft und Kunst und laß sie es disputieren, fragen und forschen, so wird dir dennoch Niemand gründlich sagen können, wie das Allergeringste zugehe, was Gott thut.

Darum sollen wir Gottes Wort und Werk ungedisputiert16) und ungefragt lassen und allein darnach fragen, wer es geredet und gethan habe, ob es Gott geredet habe oder ein Mensch, ob es Gottes Werk oder eines Menschen Werk sei. Ist es Gottes Wort und Werk, so thue deine Augen zu, disputiere und frage nicht, wie es zugehe, sondern glaube, daß Gott allmächtig und wahrhaftig sei in seinen Worten und Werken. Ich soll mich taufen lassen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und glauben, daß ich durch dasselbige Bad im Wort rein werde von allen meinen Sünden, und soll nicht disputieren, wie es zugehe. Denn da steht Gottes Wort, Befehl und Verheißung: „Gehet hin, und lehret alle Heiden, und taufet sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig“.

Also sagt Christus auch hier mit klaren, deutlichen Worten: „Nehmet, esset, das ist mein Leib; trinket, das ist mein Blut, das thut zu meinem Gedächtnis“. Darum wird im Sacrament unter dem Brod und Wein sein Leib und Blut wahrhaftig und wesentlich dargereicht und empfangen. Denn es ist sein Wort, Befehl und Ordnung. Ein Mensch hat solches nicht geredet, sondern Christus hat's selber also geordnet, eingesetzt und befohlen. Denn gleichwie die Taufe keines Menschen Wort und Werk, sondern Christi Wort und Werk, also ist auch dies Sacrament keines Menschen Wort und Werk, sondern Christi Wort und Werk allein. Wie solches zugehe, werden wir mit unserer Vernunft nicht ausgründen17). Denn weil ich nicht weiß, noch wissen kann, wie es zugehe, daß ich sehe, höre, rede, ob ich schon solches fühle; so werde ich viel weniger wissen, wie dies zugeht, daß Christus seinen Leib und Blut im Sacrament also austheilt.

Wer nun will unverführt sein, der kehre sich nicht an der Schwärmer Zanken und subtile18), scharfe, hohe Fragen; sondern sehe auf die Frucht, Nutzen und Freude, so er von diesem Sacrament haben soll. Christus hat es auf das allerleichteste und lieblichste geordnet und eingesetzt. Ob. Christus mit seinen Jüngern dazu gestanden oder gesessen sei, daran liegt nichts; aber daran liegt's, daß man sein Wort, Einsetzung, Befehl und Ordnung halte.

Er nimmt nicht ein schweres Werk. Denn Essen und Trinken ist das allerleichteste Werk, da die Menschen nichts Liebers thun: ja, das allerfröhlichste Werk in der ganzen Welt ist Essen und Trinken, wie man zu sagen pflegt: „Vor Essen wird kein Tanz“. Item: „Auf einem vollen Bauch steht ein fröhlich Haupt“. Summa, Essen und Trinken ist ein liebliches nöthiges Werk, das hat man bald gelernt und die Leute dahin gewiesen. Dasselbe liebliche, nöthige Werk nimmt unser lieber Herr Christus und spricht: Ich habe eine fröhliche, süße und liebliche Mahlzeit zubereitet, ich will euch kein hartes, schweres Werk auflegen, ich lege euch nicht auf, daß ihr eine Mönchskappe anzieht, im Harnisch gen Jerusalem lauft, euch beschneiden laßt, Vieh schlachtet und opfert, Kleider wascht, wie im Gesetze Mosis geboten war; sondern ein Abendmahl setze ich ein: Wenn ihr in meinem Namen zusammen kommt, und wollt von mir predigen und Lehren, So nehmt Brod und Wein und sprecht diese meine Worte darüber, so soll mein Leib und Blut da sein, wahrhaftig und wesentlich.

Weil nun unser lieber Herr Christus solch liebliches, nöthiges Werk nimmt und solche süße, tröstliche Mahlzeit bereitet, ist's Wunder, daß die Leute so hart und schwer dazu sind und sich vor dem Sacrament scheuen. Wenn man vom Sacrament predigt, so ist's ihnen eine Last; vermahnt man sie dazu, so halten sie es für eine größere Last. Denn sie haben Sorge, sie müssen fromm werden und die Sünde lassen. Im Papstthum ist's kein Wunder gewesen, daß man sich davor gescheut und entsetzt hat, sintemal man die Leute so beschwert hat. Denn da hat man dies liebliche, tröstliche Sacrament mit Galle, Essig und Wermuth verderbt, und uns die Freude genommen, die wir vom Sacrament haben sollten. Denn also hat man uns gelehrt, wir müssen so gar rein sein, daß auch nicht ein Stäublein täglicher Sünde in uns übrig bleibe, und so gar heilig, daß unser Herr Gott uns vor großer Heiligkeit kaum ansehen könnte. Solches konnte ich an mir nicht ersehen; darum erschrak ich vor dem Sacrament. Und solche Schrecken, so ich im Papstthum gelernt habe und dessen ich gewohnt bin, hängt mir noch heutiges Tages an, so ich doch mit Fröhlichkeit dazu kommen sollte.

Wahr ist's, wir sollen fromm sein und die Sünde lassen. Denn so du die Sünde mehr liebst, denn Gottes Gnade, so sollst du dich mehr davon halten, denn dazu. Aber doch soll man die Leute vom Sacrament nicht abschrecken; denn es ist eine liebliche, tröstliche Speise. Christus hat nicht ein solches Abendmahl eingesetzt, da er uns Gift und Tod gebe. Denn weil wir vorhin in Sünden ersoffen und todt sind, ist's nicht vonnöthen, daß Gift zu Gift gegeben werde. Merke auf seine Worte, so wirst du hören, daß er spricht, er habe seinen Leib „für dich“ gegeben und sein Blut „für dich“ vergossen. Er spricht nicht, daß er seinen Leib wider dich gegeben und sein Blut wider dich vergossen habe; sondern, „für dich“, dir zu gut, Trost und Stärke19), deiner armen Seele zur Erlösung, auf daß du den Sünden je länger je mehr feind und je stärker und stärker Christ werdest; darum Christus gibt dir das Sacrament seines Leibes und Blutes, nicht, daß es dein Gift und Tod sein solle. Gleichwie er dich tauft und in's Wasser steckt, daß du ersaufest und im Wasser verderbest, sondern daß du durch dasselbige selige Bad von Sünden erlöst und wiedergeboren werdest, auf daß du seiest ein neuer Mensch in Gnaden geboren: also gibt er dir in diesem Sacrament seinen Leib und Blut zu essen und zu trinken, nicht, daß er dich erwürge und umbringe, sondern daß er sich erquicke und lebendig mache.

Darum soll man mit allem Fleiß lernen, was dieses Sacramentes Nutz und Ende sei, und warum es Christus eingelegt habe, nämlich, für mich und dich und für uns alle. Wenn ich meine Sünde fühle, ich bin ein böser Bube gewesen und ungehorsames Kind, der Teufel hat mich gefangen, ich habe nicht gethan, was ich tun soll, da soll ich zu diesem Tisch kommen, das Sacrament empfangen, auf daß ich von meinen Sünden los und erquickt werde. Mit solchen Leuten, die ihre Sünde fühlen und derselben gern los wären, soll man reden, daß sie das Sacrament empfangen und dasselbe nicht ansehen, als ein schreckliches Gericht, davor man sich scheuen soll, sondern als eine liebliche, tröstliche Speise für die armen betrübten Seelen. Es kann wohl kommen aus alter Gewohnheit her des Papstthums, daß wir uns vor diesem Sacrament scheuen. Aber man soll die Christen unterrichten, daß sie mit Freuden, sicher und getrost hinzugehen und sagen: Ich bin ein armer Sünder, ich darf20) Hülfe und Trost, ich will hingehen zu des Herrn Abendmahl und mich mit meines lieben Herrn Jesu Christi Leib und Blut speisen. Denn er hat dies Sacrament darum eingesetzt, daß alle hungrigen und durstigen Seelen gespeist und erquickt würden. Er wird mich nicht schelten, viel weniger erwürgen, wenn ich nur in dem Namen21) komme, daß ich will gesegnet sein, Hülfe und Trost haben22).

1)
abgethan ist
2)
Daß du es (seinen Genuß) dir angelegen sein lassest
3)
Um des willen, daß du es äußerlich genießest.
4)
Daß dasselbe äußerlich, einfach dadurch, daß es vollbracht werde, wirke.
5)
1534. E. A. 1,306 f.
6)
bedürft, braucht
7)
E. A. 310 ff.
8)
E. A. 1, 324 f.
9)
Ebenda, S. 328 f.
10)
Eheleute
11)
E. A. 1,329.
12)
einzige
13)
Gott meistern und beurteilen
14)
doch, dennoch
15)
Daß sie unsrer Vernunft gemäß zusammenstimmen, zusammenpassen sollten (vgl. „reimen“ Luc. 5,36).
16)
Darüber nicht mit unserm Verstand streiten.
17)
ergründen
18)
spitzfindige
19)
dir zu Trost und Stärke
20)
bedarf, brauche
21)
in der Absicht
22)
1534, E. A. 4, 491 ff.
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