Binde, Fritz - Was bringt die Zukunft?

Diese Frage beschäftigt allezeit die Menschen. Heute aber, wo man in eine Neuordnung aller Lebensverhältnisse eingetreten zu sein glaubt, fesselt diese Frage um so mehr. Deswegen war man auch wohl nie in der Beantwortung dieser Frage geschäftiger als heute. Haben sich die Kulturvölker wohl je so selbstbewußt, so entschlossen und so umfassend mit der Regelung ihrer Zukunft beschäftigt wie heute? Hat man wohl je so viel davon geredet, wie alles kommen müsse und kommen werde? Ja, hat wohl je die Menschheit soviel von der Zukunft erwartet wie eben heute? Und sind wohl die Bemühungen, die Berechnungen und die Hoffnungen des Menschengeistes heute weniger trügerisch als früher? Und will etwa auch ich die Frage nach der Zukunft mit einer menschlichen ungewissen Meinung zu beantworten versuchen? O nein, keine eigene Antwort möchte ich auf unsere Frage geben, sondern Gott selbst möge zu uns reden mit den Worten, mit denen er einst über das zukünftige Geschehen geredet hat durch seinen Sohn Jesus Christus. Diese Gottesworte lauten:

„Und gleichwie es in den Tagen Noahs geschah, so wird es auch in den Tagen des Menschensohnes sein: sie aßen, sie tranken, sie ließen sich freien bis zu dem Tage, da Noah in die Arche ging und die Flut kam und alle vernichtete. Ebenso wie es geschah in den Tagen Lots: sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; an dem Tage aber, da Lot aus Sodom zog, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und vernichtete alle: gleicherweise wird es sein an dem Tage, da der Menschensohn sich offenbart.“
Luk. 17,26-30

Merkwürdig, wenn Jesus die Zukunft deuten will, so deutet er zurück in die Vergangenheit! „Wie es geschah, so wird es geschehen! Wie es war, so wird es sein!“ Der heilige Gott ist unwandelbar und das unheilige Menschengeschlecht ändert sich auch nicht. So kann Gott in der Zukunft mit den Menschen nur das tun, was er mit ihnen in der Vergangenheit tat; denn alle Zukunft ist und bleibt die Frucht aller Vergangenheit.

Wie anders klingt dies gleich als der Taumelschrei blinder Neuerer, die da meinen, über Nacht könne man von den Dornen Trauben und von den Disteln Feigen lesen. Gerade Jesus Christus, der einzig wahre Erneuerer der Menschheit, hat unerbittlich auf die Unveränderlichkeit des Gesetzes von Aussaat und Ernte hingewiesen. So zwingt er den Blick der Menschen zuerst unerbittlich zurück in die Vergangenheit, wenn er ihnen zeigen will, was die Zukunft am Ende dieses Zeitalters bringen wird.

Und wie weit, weit deutet Jesus zurück! Bis zu den Tagen Lots, ja Noahs. Also bis in Zeiten zurück, die der kluge Menschenverstand von heute gar zu gerne als „Märchenzeiten“, als Zeiten, die gar nie wirklich gewesen seien, abtun möchte. Aber für Jesus sind jene fernen Zeiten so sehr wahre und wirkliche Menschheitsgeschichte, daß er an ihren Geschehnissen jede zukünftige Geschichte unseres Geschlechtes mißt und mit ihnen in unzertrennlichen Zusammenhang bringt. Dabei hebt er aus jenen fernen Tagen Noahs und Lots aufs allerdeutlichste je einen Tag hervor. Es sind dies erstens der Tag, da Noah in die Arche ging, zweitens der Tag, da Lot aus Sodom zog. Und warum die Hervorhebung dieser beiden Tage? Um durch diese beiden ereignisreichen Entscheidungstage der Vergangenheit einen noch ereignisreicheren Entscheidungstag der Zukunft zu verdeutlichen und zu offenbaren, nämlich den Tag des Menschensohnes, den Tag Christi, den Tag seiner Wiederkunft.

So wird die Frage: Was bringt die Zukunft? durch den Hinweis Jesu auf drei außerordentlich kritische Tage der Menschheit beantwortet. Und wohl jedem Menschen, der diese Antwort annimmt!

Beachten wir den ersten göttlichen Hinweis, den Hinweis auf die Tage Noahs. Wie war es denn damals? Merkwürdig genug! Jesus schildert durchaus nicht die Bosheit der Menschen jener Tage, wie sie in ihrer Verirrung „Fleisch“ geworden waren, das sich vom Geiste Gottes nicht mehr strafen lassen wollte (1. Mose 6,3). Er malt nicht aus, wie sie ihren Weg auf Erden und die Erde selbst verderbt und mit Frevel erfüllt hatten. Nein, er sagt nur: „Sie aßen, sie tranken, sie freiten, sie ließen sich freien.“

Aber gerade diese scheinbar inhaltslose Angabe, die nur Selbstverständliches nennt, kennzeichnet alles. Denn gerade sie bezeichnet aufs Umfassendste die allzu gewöhnlichen tierisch-sinnlichen Geschäfte des Fleisches, und zwar Essen und Trinken als Ausdruck des niedersten Selbsterhaltungstriebes und Freien und Sichfreienlassen als Ausdruck des fleischlichen Fortpflanzungstriebes. Jesus will sagen: Das gottentfremdete Leben jener Esser und Trinker, Freier und Gefreiten in den Tagen Noahs war nur noch ein tierisch selbstsüchtiges Gebaren in den fleischlichen Begierden und Lüsten der gefallenen Menschenart. Da galt einzig noch: Lasset uns essen und trinken, freien und uns freien lassen, denn morgen sind wir tot! So wollte man gewiß auch gut essen, gut trinken, gut freien und sich freien lassen. Also wird die höchste Lebensfrage jener Verirrten gewesen sein: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Wen werden wir freien? Wer wird uns freien? Ein durchtrieben selbstsüchtiges Besitzen-, Genießen- und Schwelgenwollen war wohl der einzige Lebensinhalt jener Menschen geworden.

Und so sollte das am liebsten immerzu gehen; denn „alle Lust will Ewigkeit“, wie ein Philosoph der Selbstsucht von heute sagt. Aber Gott hatte jenem selbstsicheren fleischlichen Treiben eine unüberschreitbare Grenze gesetzt. Die Esser aßen und die Trinker tranken und die Freier freiten nicht länger als bis zu einem Tag. Das war der Tag Noahs, der Tag, da Noah in die Arche ging.

Wie mögen jene Esser, Trinker, Freier und Gefreiten über diesen Sonderling von Noah gelacht haben. Während sie schwelgten, schwitzte er mit seinen Söhnen beim Bau eines riesigen Kastens, in dem er sich und die Seinen vor einer kommenden Wasserflut retten wollte. „Noah, du Narr“, werden sie gesagt haben, „wenn du wenigstens Räder an deinen Kasten gemacht hättest, daß er auf dem Sand laufen könnte; denn nie wird ein Gewässer dein Haus zum schwimmen bringen! Du unaufgeklärter, rückständiger Tor, bist du denn noch immer so dumm, daß du an einen Gott und seine Gerichte glaubst? Komm iß und trink mit uns, und laß deinen unnützen Kasten verderben!“ Noah aber baute betend weiter, und an seinem Tage ging er auf das Geheiß Gottes mit allein hinein in die Arche, und der Herr schloß hinter ihm zu.

Von Stund‘ an war es vorbei mit dem Essen, Trinken, Freien und Spotten der Aufgeklärten. Die Quellen der großen Tiefe brachen auf. Die Fenster des Himmels öffneten sich. Im Nu bedeckte die Flut die niederen Wohnsitze der Menschen. Welch eine Flucht der Überlebenden auf die nächsten Berggipfel! Aber die Flut stieg ihnen nach. Auf den höchsten Höhen welch ein letzter Kampf der Menschen und Tiere! Dann ein weites wüstes Wassergrab, in dem alles erstorben lag, was auf dem trocknen Lande einen lebendigen Odem in seiner Nase gehabt hatte. Auf dem Wasserspiegel aber fuhr die Arche dahin. Noah mit allem war gerettet an seinem Tage.

Dies also ist das eine Geschehnis, auf welches Jesus zurückweist, wenn er auf ein zukünftiges Geschehnis hinweisen will. An einen außerordentlichen Gerichtstag Gottes hat er erinnert, der aller Fleischesaussaat die Ernte des Verderbens und dem Gott Gehorsamen die rettende Gottestat brachte. Denn ein Gotteswort heiliger Warnung und Angebot göttlicher Rettung will Jesu Erinnerungs- und Zukunftswort sein. Aus gerichtsschwerer Vergangenheit prophezeit der Mund Gottes eine gerichtsschwere Zukunft, und aus einer einstigen Errettung aus Gottes Gericht will er eine gegenwärtige und zukünftige verdeutlichen. Die schauerliche Unveränderlichkeit der sündigen Menschennatur und die unwandelbare, gerichtsernste Heiligkeit Gottes, aber auch das langmütige rettende Erbarmen Gottes will er warnend und helfend den Herzen einprägen.

Deshalb läßt es Jesus nicht bei dem Hinweis auf den einen großen Gerichts- und Rettungstag der Vergangenheit bewenden, sondern reiht noch ein zweites Beispiel an. In feierlich trauriger Deutung weist er auch hin auf die Tage Lots. Aus zweier vergangener Zeiten Mund soll ein Zeugnis über die Zukunft verdeutlicht und bestätigt werden.

Wie war es denn in den Tagen Lots? War mittlerweile aus Noahs gerettetem Häuflein eine bessere Menschheit erwachsen? Das Leben und Treiben in der Doppelstadt Sodom und Gomorra ist die Antwort auf diese Frage. Keine zehn gerechten Seelen waren an dieser Menschenstätte zu finden. Das Geschrei über Sodom und Gomorra war groß und ihre Sünde sehr schwer (1. Mose 18,20). So hatte Gott beide Städte durch Einäscherung zur Vernichtung verurteilt. Es sollte den Gottlosen ein neues Beispiel aufgestellt werden. Es sollte aber auch der eine gerechte Lot, der von dem ausschweifenden Wandel der Zuchtlosen schwer zu leiden hatte und mit Ansehen und Anhören ihrer frevelhaften Werke tagaus tagein gequält wurde, aus der Versuchung erlöst werden (1. Petr. 2,6–8).

Aber wiederum merkwürdig: Jesus zählt auch hier keine Freveltaten auf, sondern gewissermaßen nur rühmliche Kulturtaten. Aber gerade damit zeichnet er die gottlose Art am deutlichsten. So beginnt er die Schilderung der Tage Lots genau wie die der Tage Noahs: „Sie aßen, sie tranken“. Der Menschen Tun und Trachten war das gleiche geblieben. Essen und Trinken ging weiter, aber Hunger und Durst nach Gott kannten sie nicht. Vom selbstverständlichen Freien schweigt er. Fleisch hing sich weiter an Fleisch, aber mit Gott wollte sich niemand verloben. Statt dies zu erwähnen, führt Jesus bedeutsamere Kennzeichen an: „Sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten.“

Wie friedlich das klingt! Betriebsamer Gewerbefleiß, nutzbringende Landwirtschaft, rege Bautätigkeit! Siehe da, die Kultur Sodoms und Gomorras! O ja, wie gut reimen sich üppige, himmelschreiende Sünde und üppige, großartige Kultur zusammen! Je weniger man die himmlischen Güter schätzt und begehrt, desto mehr ist man an das Kaufen und Verkaufen der irdischen Güter versklavt. Wer Gott verschmäht, muß Götzen haben. Die gottlose Selbstsucht kann nur sinnen auf das, was auf Erden ist. Die Lust dieser Welt braucht Gewinn, Besitz, Geld und Gut. Kaufen, an sich bringen, Güter sammeln und besitzen, o, wie füllt dies das irdisch gesinnte Herz und Leben aus! Ebenso verkaufen, Kulturgüter auf den Markt bringen und feilbieten, schachern, handeln, Geschäfte machen, seinem Vorteil nachgehen und Gewinne einheimsen, o, wie nimmt das die irdisch gesinnten Herzen und Leben hin! Und nebenher dem bunten Krammarkt Lebensmittel pflanzen und Häuser bauen! Ach, wie hat da Jesus mit wenigen Worten und scheinbar vorwurfslos jedwelchen Kulturbetrieb veranschaulicht und gekennzeichnet! Und gerade eben damit gerichtet.

Denn eben auf all dem flotten, selbstsicheren, ruhmredigen Gang dieses Kulturbetriebes lastet unheimlich, schauerlich die Sünde. Aus Kauf und Verkauf, Land- und Hausbau schreit sie Gericht fordernd zum Himmel. Im Handel und Wandel, draußen und in den Häusern, überall gottloser Eigenwille, überall frevelnde Übertretung der Gebote des verhöhnten Gottes. Herzen voll Bosheit und Betrug, Kammern voll Unzucht, Fluchen und schandbares, schamloses Reden in Straßen und Stuben, ja Schand- und Gewalttat, Greuel und Lästerung allerwegen: eine Luft voller Teufel. Dies alles durchpulste in fiebernder Gerichtsreife das Kaufen und Verkaufen, Pflanzen und Bauen von Sodom und Gomorra.

Lot, die einzige gerechte und darum sehr gequälte Seele in diesem schwelenden Sündenpfuhl, war gewarnt worden und hatte gewarnt; aber es war den gewarnten Verwandten, als scherze er nur. Da brach an der Tag Lots.

Boten Gottes, Engel des Verderbens, die er aufgenommen hatte, drängten Lot und die Seinen, da die Morgenröte aufging, zur Stadt hinaus. Lot zog aus Sodom. In gewohnter selbstsicherer Weise wollten die betriebsamen Einwohner der scheinbar so blühenden Doppelstadt wieder einen Tag hinbringen mit Essen und Trinken, Kaufen und Verkaufen, Pflanzen und Bauen, Freveln und Lästern. Da ließ der Herr Schwefel und Feuer regnen auf Sodom und Gomorra von Jahwe, vom Himmel herab, und kehrte die Städte um und die ganze Umgebung und alle Einwohner der Städte und was auf dem Lande gewachsen war (l. Mose 19,22–26). Lots Weib aber sah hinter sich und erstarrte zur Schwefelsalzsäule.

Schauerlich hatte sich zu Gottes Stunde Gottes Gericht erfüllt. Die Kultur- und Sündenstätte mit dem wimmelnden frechen Menschenhaufen war eingeäschert, gerichtet und vernichtet. Abraham sah ihren Rauch aufsteigen von ferne. Lot war hinausgeleitet aus dem Verderben.

Dies sind die beiden großen Gerichtstage Gottes in der Vergangenheit, auf die Jesus warnend zurückdeutet.

Nun wendet er gleichsam sein Angesicht nach der andern Seite, deutet in die Zukunft hinaus und verkündigt: „Gleicherweise wird es sein an dem Tage, da der Menschensohn sich offenbart.“

Also ein dritter großer Gerichtstag Gottes in Sicht. Ein Tag, der in der gleichen Weise kommen, da sein und in schauerlichem Verderben verlaufen wird, wie jene Tage kamen und verliefen. Warnend wurden sie angekündigt, höhnend wurde die Warnung abgelehnt, unerwartet brachen sie herein, unbeschreiblich schrecklich war ihr Verlauf. Wie es geschah, so wird es geschehen. Schrecken und Verderben über gottfeindliche, gerichtsreife Geschlechter in der Vergangenheit, deren Untergang Entsetzen und Buße wirken sollte, und Schrecken und Verderben über ein zum Gericht ausreifendes, gottfeindliches Geschlecht der Zukunft!

Welch unsagbar trauriges und unermeßlich schwer belastendes Zeugnis über die Unveränderlichkeit und Unergiebigkeit der sündigen Menschennatur!

O heillos verblendetes Träumen vom „Kulturfortschritt“! Nie rühmt ihn Jesus; denn nichts erwartete er von ihm für Gott. O irrseliges Geschwätz von einer „Höherentwicklung“ der Menschheit, durch die noch alles Gute im Menschen zu einer weltverklärenden Ausreife gelange, man müsse nur mit recht langen Zeiträumen rechnen lernen! Nichts spricht Jesus von solcher Aufwärtsentwicklung und sicheren allgemeinen Ausreife zum Guten. Nie verheißt er, daß lange Zeiträume die Menschennatur ändern werden. Wurden nicht inzwischen Jahrhunderte zu Jahrtausenden, aber erneuerten diese Zeitläufe das Menschenherz? Wohl ward ein Reichtum von Langmut und Gütigkeit Gottes seitdem neu den Menschen geschenkt, aber ihr fleischlicher, gottfeindlicher Sinn blieb der gleiche.

Sie essen, sie trinken, sie freien, sie lassen sich freien, sie kaufen, sie verkaufen, sie pflanzen, sie bauen, sie suchen das Ihre, sie neiden und hassen, lügen und betrügen, huren und ehebrechen, höhnen und spotten, fluchen und lästern, morden und kriegen, und rühmen dabei ihr zunehmendes Wissen und Können, zählen die Sterne am Himmel und die Erdbeben auf Erden, und verlachen vergangene und zukünftige Gottesgerichte!

Mithin muß es gehen von Gericht zu Gericht. Aber zwischen den vergangenen Gerichtstagen Gottes und dem kommenden Gerichtstage steht Jesus Christus als Erretter aus beiderlei Gericht.

Siehe, er ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde hinwegnimmt!

Strafe und Fluch mußten dem Sündenfall folgen. Gottes Schreckensgerichte in den Tagen Noahs und Lots mußten kommen. Das Fluch tragende und Zorn anrichtende Gesetz vom Sinai mußte gegeben werden. Die Heiligkeit Gottes und Abscheulichkeit der Sünde mußte erwiesen werden.

Aber da die Zeit erfüllt war, mußte uns auch um Gottes herzlicher Barmherzigkeit willen der Aufgang aus der Höhe besuchen, zu erscheinen denen, die in der Finsternis und im Schatten des Todes saßen, daß er ihre Füße auf den Weg des Friedens richte (Luk. 1,78-79). „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er den eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern ewiges Leben haben. Denn Gott hat den Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn errettet werde. Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, der ist schon gerichtet, weil er nicht zum Glauben an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes gekommen ist. Darin aber besteht das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist und die Menschen die Finsternis mehr liebten als das Licht; denn ihre Werke waren böse“ (Joh. 3,16–19).

Jedermann höre es: Nie war Gott der verführten und verirrten Menschheit Feind! Nie war sein letztes Ziel mit den Abgewichenen Gericht und Verderben! Immer nur wollte er die Errettung der Verirrten aus ihrem Verderben! Trotz der schauerlichen Gerichte, auf die Jesus zurückdeutet, und die sich im einzelnen und kleinen bis heute wiederholen, will Gott nicht den Tod des Sünders, sondern daß er umkehre und lebe! Richten und strafen muß Gottes Heiligkeit die Sünde, aber retten will Gottes Barmherzigkeit den Sünder! Vergeben will Gottes Liebe die Schuld und brechen seine Gnade die Macht der Sünde! Aber vergeben kann seine Barmherzigkeit nicht, ohne daß seine Heiligkeit die Sünde richtet und verurteilt! Wollte aber Gottes Heiligkeit die Sünde völlig an uns richten, so müßte er uns gänzlich vernichten; denn der volle Sold der Sünde ist der Tod! Weil aber Gottes Barmherzigkeit nicht den Tod des Sünders will und Gottes Heiligkeit doch das volle Gericht über die Sünde fordert, so gab Gottes weise und erbarmungsreiche Liebe Jesus Christus an unserer Statt zum Schuldopfer, und Gottes heilige Gerechtigkeit richtete unser aller Sünde an Ihm!

Ihm, dem „Menschensohn“, das heißt dem berufenen Stellvertreter der Menschheit, Gericht und Strafe, uns, den sündigen Menschenkindern, Vergebung und Frieden!

So ist Jesus Christus als das zum Sühneopfer gegebene Gotteslamm, das durch Gottes Gnade für uns alle den Tod geschmeckt hat, als der Erretter der Menschen aus Gottes Gerichten erschienen. Sein gottgehorsames, sündloses, unentwertetes, vollgültiges Leben hat er als der einzig Zahlungsfähige für die in Sünden überschuldete und bankrotte Menschheit zum Lösegeld aus Gericht, Tod und Verdammnis gegeben. O ewig gepriesen sei das vor Grundlegung der Welt für unsere zuvorgesehene Sünde zuvorersehene Gotteslamm!

Wer nun an Jesus glaubt, wird nicht gerichtet, sondern hat durch den Glauben Vergebung seiner Sünden und Versöhnung mit Gott empfangen. Klar bezeugt Jesus: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: wer mein Wort hört und glaubt, dem, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen“ (Joh. 5,24).

Doch was heißt in dieser errettenden Weise an Jesus glauben? Heißt das etwa nur seine Worte für wahr halten und der am Kreuz vollbrachten Rettungstat zustimmen? Nein, solch eine billige Befreiung vom Gericht gibt es nicht; denn die wäre sowohl der Heiligkeit wie der Liebe Gottes unwürdig. Sondern errettend an den Erretter glauben, heißt, sich von Jesu Geist erfassen, von Jesu Liebe beugen und von Jesu Leben erneuern lassen.

Das aber bedeutet Selbstgericht über unser angeborenes selbstsüchtiges, eigenwilliges Wesen bis hinab in die Tiefe der Selbstverwerfung in biblischer Buße, so daß wir aufhören, an unsere Selbsterrettung und Selbsterlösung zu glauben. Wer Jesus wahrhaft erkennt, sieht sich selbst gerichtet. Und nur wer sich selbst durch ihn gerichtet sieht, der sieht sich auch selbst durch ihn gerettet. Denn nur, wer sich vor Jesus schuldig spricht, den spricht Gott durch Jesus frei. Also nur die alle, die sich vor Jesus gerichtet haben, die kommen nicht mehr ins Gericht. Und nur die, in die Jesu Leben eingedrungen ist, die sind vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.

Teure kostbare Seele, hast du in solchem Selbstgericht vor deinem Erretter deine Errettung vor dem kommenden Gericht erlebt? Denn siehe, die Frage nach der Zukunft soll dir werden zur Frage nach der Errettung deiner Seele.

Was hilft dir die selbstweise politische und soziale Ausdeutung der Zukunft der Menschheit, wenn du Jesus Christus, den „Menschensohn“, das Licht der Welt, den berufenen Mittler und Versöhner mit Gott, den stellvertretenden Träger unserer Sünde, den Erretter aus Gottes Gerichten, den alleinigen Bringer neuen Lebens, den herrlichen Erlöser der Welt und wahrhaftigen Fürsten des Friedens nicht im Glauben erkannt und in dein Herz und Leben aufgenommen hast?

O lerne einsehen, daß alle deine und der Menschen Zukunftsträume nichts als irrseliger Betrug sind, nichts als ein eitler Wahn der ruhmredigen, unbußfertigen Menschengröße, die in starrem Gottestrotz sich selber den Himmel bauen und selbst Gott sein möchte! Lerne erkennen, daß alle menschlichen Erlösungspläne stets aufs neue an der gefallenen, sündigen, selbstsüchtigen Natur des Menschenherzens scheitern werden und nur den nächsten großen Gerichtstag Gottes herbeiführen helfen!

Denn zukünftiges Gericht hat der erschienene Erretter verkündigt, und Er selbst, der jetzige Retter, wird dann als der Richter erscheinen; denn Gott hat das nächste Gericht ganz in die Hand seines Sohnes gelegt (Joh. 5,22; 9,39; Apg. 17,31; Jud. 15; Offb. 19,11–21).

So lautet also die Antwort auf unsere Frage: Was bringt die Zukunft? Die Zukunft bringt die Wiederkunft Christi als Tag des Menschensohnes zum Gericht über seine Feinde.

Es wird der Tag sein, da sich der gekreuzigte, auferstandene und erhöhte Christus den Seinen zur Erlösung aus Not und Verfolgung und seinen dann lebenden Feinden sichtbar zum Gericht offenbaren wird. Es wird der Tag sein, da Christus als Herr in Herrlichkeit erscheinen, die Zügel der Weltregierung in die Hand nehmen und unter furchtbarem Gericht das gegenwärtige Zeitalter beenden und sein Friedensreich auf Erden aufrichten wird.

Wie haben Jesu Nachfolger diesen Tag herbeigesehnt und warten noch täglich auf ihn! Und wie haben alle Halb- und Ungläubigen die Erwartung dieses Tages bekrittelt und verlacht!

Aber so gewiß wie der Tag Noahs kam, da Noah in die Arche ging, und der Tag Lots kam, da Lot aus Sodom zog, und kein Hohn der Aufgeklärten ihn aufhalten konnte, so gewiß wird der Tag des Menschensohnes kommen zu der Stunde, die Gott festgesetzt hat, mag frommer Glaube noch so oft sich verrechnet, mag frecher Unglaube noch so oft sich spottend vermessen haben.

Denn so gewiß Gott Christus als Retter sandte, so gewiß wird er ihn als Richter senden. So gewiß Gottes Langmut beides, Weizen und Unkraut, auf dem Ackerfelde der Welt miteinander ausreifen läßt, so gewiß wird ein Tag der Scheidung zur Erlösung für die Kinder des Reiches und zum Gericht über die Kinder und Reiche dieser Welt kommen. Keineswegs wird dieser nächste Gerichtstag etwa schon der Tag des Endgerichtes, der sogenannte „Jüngste Tag“ sein. Nein, aber er wird der Tag sein, mit dem Christus das gegenwärtige Zeitalter, das sich immer antichristlicher gestalten wird, richtend abschließen und die antichristliche Herrschaft der Weltreiche zertrümmern wird.

O welch gewaltiges Gericht Gottes ist auf diesen Tag aufgespart! Der Tag Noahs war grausig in der gewaltigen Größe der Vernichtung, aber nur acht Menschenseelen wurden aus ihr gerettet. Der Tag Lots war schauerlich in der urplötzlich niederstürzenden Gewalt des Verderbens, aber nur eine gerechte Seele blieb Gott übrig. Dem Tage des Menschensohnes aber wird eine Reihe mannigfaltigster Gerichtszeiten vorhergehen, die sich aufs Ungeheuerlichste steigern und eine abgrundtiefe Bosheit und Unbußfertigkeit des Menschenherzens offenbaren werden, wie sie nie zuvor auf Erden gesehen ward. Danach wird aber auch ein Sieg des Lichts- und Friedefürsten über Satans Finsternisreich erstritten werden, wie ihn Gottes Verheißungen für Christus, Menschheit und Erde von altersher rühmten und wie ihn die Herrlichkeit der Herrschaft Christi auf Erden verwirklichen wird.

Wie wird es also an jenem Tage sein?

O genau so, wie es Jesus vorher gesagt hat. Zunächst werden auffallende Zeichen der Zeit die Nähe jenes Tages ankündigen. Es werden die Kräfte des Himmels erschüttert werden. Störungen in dem Lauf der Gestirne werden eintreten. Sonne und Mond werden an Lichtstärke verlieren. Aber auch die Erde wird in Unruhe geraten. Gewaltige Erdbeben werden geschehen. Ebenso wird die Menschheit in Wallung geraten. Ein Volk wird sich wider das andere erheben, ein Reich wider das andere aufstehen. Kriegsgerüchte werden schrecken, mörderische Kriege Völker und Länder verwüsten, Seuchen, Hungersnot, Teuerung werden folgen, Bedrückung und Ungerechtigkeit werden überhand nehmen. Dazu wird eine religiöse Verwirrung anschwellen. Falsche Christusse und falsche Propheten werden aufstehen und große Zeichen und Wunder tun und werden viele verführen. Blinder Haß wird die Liebe in vielen erkalten lassen. Angst, Furcht und Ratlosigkeit wird über die einzelnen Menschen und über die Völker kommen. Ja, es werden Menschen vor Furcht und Erwartung des, das über den Erdkreis kommt, den Geist aufgeben (Matth. 24; Luk. 21).

Scheinen nicht alle diese Kennzeichen der bevorstehenden Wiederkunft Christi heute vor unseren Augen erfüllt? Dennoch vermag kein Mensch mit unfehlbarer Sicherheit Tag und Stunde der Offenbarung des Menschensohnes zu nennen. Darauf kommt es auch gar nicht an. Die warnenden Zeichen der Zeit sollen zuerst und zuletzt der Bereitschaft und nicht der Berechnung dienen. Denn Jesus Christus wird wiederkommen zur Stunde, da es niemand meint (Matth. 24,44). Unvermutet wie ein Dieb in der Nacht wird er einbrechen. Wie ein Fallstrick wird er über die Menschen kommen. Wie der Geburtsschmerz die Schwangere urplötzlich überfällt, so wird das Verderben des Gerichtes hereinbrechen.

Darum bleibt es dabei: wie in den Tagen Noahs und Lots werden sie essen und trinken, freien und sich freien lassen, kaufen und verkaufen, pflanzen und bauen. Ach, sie haben die Zeichen der Zeit nicht verstanden! Die Erschütterungen des Himmels und der Erde hat man rein naturwissenschaftlich gedeutet. Die Kriege hat man als ganz natürlich bedingte „geschichtliche Gewitter“ bezeichnet oder der Willkür einzelner Menschen oder gar dem grausam ungerechten Gott zugeschoben. Bei verheerenden Seuchen hat man anstatt Gott den Bazillus gesucht. Gegen Hungersnot sollten Rationierung und ruhmredige Wohltätigkeit helfen. Die Entscheidung der Teuerung schob man wechselseitig den Kriegsgewinnlern, Wucherern und Schiebern oder den streikenden Arbeitern zu. Für die überhandnehmende Ungerechtigkeit machte eine Rasse die andere und eine Klasse die andere verantwortlich. Jeder Haß wurde entschuldigt mit dem Schrei nach Gerechtigkeit, jede Hetzarbeit rühmte sich, einem kommenden herrlichen Frieden zu dienen. Jede Gewalttat gebärdete sich als Bringerin der Freiheit. Jede Verführung und Verwirrung arbeitete im Namen der Wahrheit und Klarheit. O grenzenloser Betrug Satans!

Dennoch wird es die menschliche Selbsthilfe zu einer Art Sieg über die Folgen ihrer Sünde und die Gerichtswehen ihrer Zeit bringen. Der entsetzliche Weltkrieg hat den Schrei nach dem Weltfrieden ausgelöst. In Zukunft soll kein Völkermorden den kostbaren Kulturaufschwung erschüttern und schädigen. Durch Rechtsbündnisse umfassendster Art soll der politischen Vernunft zum Siege verholfen werden. Durch den Ausbau der sozialen Kampforganisationen soll ein Ausgleich der Interessen und Gegensätze und damit eine höhere soziale Gerechtigkeit herbeigeführt werden. Durch die allernatürlichsten Erziehungsmethoden soll eine allerfreieste und zugleich allertüchtigste Jugend herangebildet werden. So soll die neue Kultur als Friedens-, Sozial- und Jugendarbeit Nie dagewesenes erreichen und leisten. Gekrönt aber soll dies erdumspannende Menschheitsstreben durch die Schaffung einer weltweiten Einheits-Kulturreligion werden, in der Überliefertes und Allerneuestes, Wissen und Glauben, Sinnliches und Übersinnliches im erlösenden Einklang vereint erscheinen werden.

Und vielleicht gerade vor dem Tage, da der Menschensohn sich offenbaren wird, werden die Menschen jauchzend rühmen, wie weit sie es gebracht haben. Alle letzten schweren Erschütterungen der Kultur durch Kriege und Revolutionen werden sie als ausgeglichen und überwunden betrachten. Siehe da, eine Welt, in der man vergnügter als je kann essen und trinken, freien und sich freien lassen, kaufen und verkaufen, pflanzen und bauen!

Die Erzeugung, Preisbewertung und Verteilung von Lebensmitteln ist endlich allgemeinbefriedigend geregelt. Eine soziale Frage als Magenfrage gibt es nicht mehr. Man ißt und trinkt besser und kulturbewußter als je zuvor. Ebenso lustig freit man und läßt sich freien. Man kann ja beides, so oft es einem gefällt; denn der „unnatürliche Zwang“ der Einehe ist längst abgeschafft. Auch hemmen keine Eltern- und Familiensorgen mehr; denn die Kinder erzieht die Gesellschaft. Und wie ist Kaufen und Verkaufen im flotten Schwange! In weltweit geordneter Produktion wird eine nie dagewesene Menge von Kulturgütern erzeugt und in ebenso übersichtlicher Konsumtion gegen Arbeitsbons abgegeben. Welch ein bequemes Kaufen und Verkaufen, ohne Mangel und Störung, ja scheinbar ohne jedes Anrecht und ohne jeden Betrug! Auch gibt’s kein brachliegendes oder unfruchtbares Land und keinen Wohnungsmangel und kein ungesundes und unschönes Wohnen mehr! Alles Land ein bebauter Garten, ein bewohnter Park! Ist nicht der Himmel auf Erden entstanden?

Denn auch die politische Vernunft triumphiert. Tatsächlich ist die ganze Menschheit nach gewaltigen Kämpfen ein einziger „Völkerbund“ geworden. Der „Weltfrieden“ scheint endlich gesichert. Die „Einheits-Kulturreligion“ erfüllt und vereint alle neuzeitlichen Seelen. Und in allen ihren Tempeln wird gepredigt von „Friede und Sicherheit!“

Und alles nennt in grenzenloser Verehrung den Namen eines Mannes, der der ganzen Menschheit solchen Frieden und solche Sicherheit verschafft hat. In alles überragender und umfassender Geistesgröße hat er mit unvergleichlicher, ungeheuerer Macht und Gewalt dem grenzenlos gewordenen Wirrwarr der politischen und sozialen Verhältnisse ein Ende gemacht, alle Gegensätze ausgeglichen und alles Widerstreben unter seiner Faust ertötet. Nie zuvor hat die Menschheit einen solchen Riesengeist geschaut.

Derselbe Mann steht aber auch da als eine alles bannende religiöse Größe. Er verkörpert die denkbar höchstentwickelte Religion, die „Religion des reinen Menschentums“ in sich. In ihm ist die Menschheit nun endlich gleichsam Gott geworden. Darum findet man es auch ganz in der Ordnung, daß dieser Mensch sich in den prachtvollsten Tempel auf Erden setzt und göttliche Verehrung verlangt, ja, daß er von sich sagt, er sei Gott. Sie sagen, wer sich diesem Gott beuge, der beuge sich anbetend der ruhmvollen Größe der Menschheit, die in ihm majestätische Gestalt gewonnen habe.

Darum bejubelt man auch die kulturgewaltige Entschiedenheit dieses hohen Gebieters, mit der er einen Rest von rückständigen Menschen, sogenannte Kreuzesjünger Jesu, von jedem Kaufen und Verkaufen auszuschließen befohlen hat. Diese widerspenstigen Toren, die aller Kulturherrlichkeit zuwider noch immer vom „Armensündertum“, von Christi erlösendem Sühneblut, von einem persönlichen übernatürlichen Gott, von Umkehr und Buße und von einer Wiederkunft Christi zum Gericht faseln, sollen nun allesamt des Hungertodes sterben. Der Allgewaltige, dessen Malzeichen sie sich weigerten an Hand und Stirn zu tragen, der wird sie morgen …

Morgen?

Morgen wird ein Blitz ausfahren und wird scheinen vom Osten bis zum Westen!

Morgen wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen. Morgen werden wehklagen alle Volksstämme der Erde. Morgen werden sie sehen den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels in großer Kraft und Macht und vieler Herrlichkeit (Matth. 24,27.30).

Heute sagen sie: Friede und Sicherheit! aber morgen überfällt sie plötzlich Verderben wie der Geburtsschmerz die Schwangere; und sie werden nicht entrinnen (1. Thess. 5,3).

Denn morgen wird der Allgewaltige, der „Antichrist“, der „Mensch der Sünde“, der „Sohn des Verderbens“, der sich widersetzt und über alles erhebt, was Gott oder Gegenstand der Anbetung heißt, der sich in den Tempel Gottes setzt und vorgibt, er sei Gott, morgen wird er, der Gesetzlose, offenbar werden, den der Herr Jesus mit dem Hauch seines Mundes wegraffen und mit der Erscheinung seiner Ankunft vernichten wird (2. Thess. 2,3.4.8).

Ja, morgen wird der Himmel aufgetan sein; und siehe, ein weißes Roß, und der darauf sitzt, ist treu und wahrhaftig, und mit Gerechtigkeit richtet er und führt er Krieg. Aber seine Augen sind des Feuers Flamme, und auf seinem Haupte sind viele Stirnbänder; und er hat einen Namen aufgeschrieben, den niemand kennt als er selbst; und er ist angetan mit einem Mantel, der in Blut getaucht worden war, und sein Name heißt „das Wort Gottes“. Und die Heerscharen im Himmel folgen ihm auf weißen Rossen und sind mit weißem, reinem, feinem Linnen bekleidet. Und aus seinem Munde geht ein scharfes Schwert, daß er damit die Heiden niederschlage. Und er wird sie weiden mit eisernem Stabe. Und er tritt die Kelter des Glutweins des Zornes Gottes, des Allmächtigen. Und er hat auf seinem Mantel, und zwar auf seiner Hüfte, einen Namen geschrieben: König der Könige und Herr der Herren (Offb. 19,11–16).

Und morgen wird ein Engel in der Sonne stehen und die Vögel, die am Scheitel des Himmels fliegen, auffordern, sich zu versammeln zum großen Mahle Gottes, auf daß sie das Fleisch der Gerichteten und Getöteten essen und satt werden von dem Fleische derer, die getötet wurden durch das Schwert, das aus dem Munde dessen ging, der auf dem Rosse saß. Und in den Feuersee, der mit Schwefel brennt, werden geworfen der dämonische Anführer und Verführer der Gerichteten. Und von einem Engel ergriffen wird der Drache, die alte Schlange, die der Teufel und der Satan ist, und wird gebunden auf tausend Jahre, und in den Abgrund geworfen, und wird verschlossen und versiegelt über ihm, daß er nicht mehr die Völker verführen könnte, bis die tausend Jahre vollendet sind.

Aber Throne und Gericht werden gegeben denen, die um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen irgendwie gelitten, und denen, die das antichristliche Malzeichen nicht angenommen hatten. Sie werden lebendig werden in der ersten Auferstehung und mit allen zu ihrem erschienenen Haupt entrückten Gläubigen Priester Gottes und des Christus sein und mit ihm königlich herrschen die tausend Jahre (Offb. 19,17–21; 20,1–6).

Dann wird verstummt sein für ewig das Spötteln und Höhnen der „Gebildeten“ über die „chiliastischen Träumereien“ der Gläubigen, als Hoffnung der Heilsbotschaft auf ein geschichtlich kommendes tausendjähriges Friedensreich Christi. Wohl vermag jetzt noch niemand zu unterscheiden, was Bild und Wirklichkeit im prophetischen Hinweis auf den Tag des Menschensohnes und die Aufrichtung seines Reiches ist. Aber grause Wirklichkeit wird sein Tag und herrliche Wirklichkeit sein Reich sein.

Nicht zuschanden werden, die an Ihn glauben und auf Seine sieghafte Wiederkunft warten; denn es ist kein Betrug in Seinem Munde erfunden worden. Aber zuschanden werden alle, die Ihn und sein Wort verwerfen und im satanischen Betruge der törichten Menschheitsvergötterung und närrischen Ichvergötterung und wahnwitzigen Kulturvergötterung weiterleben. Zuschanden werden alle, die eine Erlösung der Menschheit, ohne die Annahme des gottgesandten Erlösers erstreben. Ja, zuschanden müssen alle werden, die nicht im Selbstgericht der biblischen Buße den Bankrott ihrer Selbstweisheit, Selbstgerechtigkeit und Selbstherrlichkeit erlebt haben! Der Zorn Gottes bleibt über ihnen (Joh. 3,36).

So, nun hast auch du die Geschichte und das Wesen der Menschheit im Bilde dreier Gerichtstage Gottes gesehen. Du hast gehört und gesehen: so wie es geschah, so wird es geschehen. Du weißt nun, was die Zukunft bringt. Damit hat Jesus auch dich durch Sein Wort gewarnt und durch mein Wort warnen lassen. Nun ist es an dir, dem richtenden Zorne des Lammes Gottes zu entfliehen, indem du dich der rettenden Liebe des Gotteslammes ergibst. Retter oder Richter, was soll dir der Christus Gottes sein?

Eile, laß dich zu deiner Errettung ergreifen von Jesus, der dich erlöst vom kommenden Zorn! (1. Thess. 1,10).

autoren/b/binde/binde_-_was_bringt_die_zukunft.txt · Zuletzt geändert: von aj