Bengel, Johann Albrecht - Die sieben Sendschreiben der Offenbarung Johannes

Das erste Sendschreiben - Ephesus

Dem Engel der Gemeinde zu Ephesus schreibe: Das sagt, der da hält die sieben Sterne in seiner Rechten, der da wandelt unter den sieben goldenen Leuchtern (2, 1).

In dem Brief, der die Reihe der sieben Briefe anführt, werden alle sieben Sterne und zugleich alle sieben Leuchter zusammengenommen. Hiermit wird die unumschränkte Gewalt Jesu Christi über die Gemeinden und zugleich seine Gegenwart und Aufsicht angezeigt. Unbegreifliche Gegenwart des Herrn bei den Seinen auf Erden, an der ihn seine Himmelfahrt nicht hindert! Wenn wir diese Gegenwart und Gewalt allezeit bedächten, wie würden wir in der Einsamkeit und in der Gesellschaft, bei der Betrachtung des göttlichen Wortes und bei der Übung des Gebetes und besonders auch in den Versammlungen so ehrerbietig und wacker sein! Dies ist eine köstliche Übung für eine redliche Seele, wenn sie sich gewöhnt, an die Gegenwart des Herrn sich zu halten, so daß sie zu ihm sagen kann: „Du, Herr, bist bei mir; ich sehe dich nicht, du siehst mich. Ich darf dich aber anreden, als ob ich dich vor Augen hätte. Wandle immer mit mir und gib, daß ich mich im Glauben so an dich halte, als ob ich dich schon vor Augen hätte.

Ich weiß deine Werke und deine Arbeit und deine Geduld und daß. du die Bösen nicht ertragen kannst, und hast geprüft die, welche sagen, sie seien Apostel, und sind's nicht, und hast sie als Lügner erfunden (2, 2).

Ein feines Lob! Dieses „Ich weiß“ soll uns durchscheinen, durchdringen, durchläutern und, wo es etwas Gutes bei uns antrifft, ermuntern. Werke sind gut, wenn man sich die Mühe nicht verdrießen läßt; die Mühe wird ohne Verdruß unterhalten durch die Geduld, so daß man nicht erliegt. Bei der Geduld war eine löbliche Ungeduld. Es ist nicht fein, böse Leute, die in Untugenden stecken, mit Kaltsinnigkeit gegen das Gute tragen zu können. Es heißt nicht nur: Hanget dem Glauben an! sondern auch noch vorher: Hasset und verabscheuet das Arge! Da muß man es nicht als gleichgültig ansehen. Es gilt keine eigenwillige und mürrische Unverträglichkeit, sondern ein rechter Haß gegen das Böse, so daß einem auch die Bösen zur Last werden. Wo Liebe zu Gott ist und sie auf etwas Feindseliges stößt, da kommt der Eifer dazu. Als Jesus von der Verklärung auf dem Berg zurückkam und das ungläubige, verkehrte Geschlecht antraf, mit dem er sich abschleppen mußte, sprach er: Wie lang soll ich euch dulden?

Der Herr nimmt bei den Gemeinden eine Musterung und Reinigung vor, indem er in Ephesus die falschen Apostel, in Smyrna die Juden, in Pergamon und Thyatira das heidnische Unwesen hinaustrieb. Die falschen Apostel waren keine Unchristen, sondern dem Äußern nach sehr alte und vornehme Christen und Lehrer, sonst hätten sie sich nicht als Apostel ausgeben können, die Christus einst während seines Erdenwandels gesehen hatten. Sie waren bei all ihrem Ruhm und Schein falsche und lügenhafte Apostel, die die Lauterkeit des Zeugnisses von Christus verloren hatten. Es war gut und der Ehre des Herrn gemäß, daß nun der Gemeindeengel sie geprüft und als Lügner erfunden hatte; dadurch wurden die Seelen vor der Verführung bewahrt. Wir müssen nicht so blöde sein, daß wir alles, was einen schönen Namen führt, sogleich annehmen, weil wir uns andernfalls vor einer Versündigung fürchten. Wir müssen alles prüfen.

Die falschen Apostel haben beinahe sogar Paulus verdrängt. Wenn man betrachtet, wie ernstlich Paulus mit ihnen verfährt, dann möchten Leute, die alles für bekannt annehmen, meinen, er sei ein gar zu strenger Orthodoxer gewesen; aber eben solches Verhalten lobt hier der Herr an dem Gemeindeengel zu Ephesus. Es ist etwas Köstliches, wenn man das, was einen guten aber leeren Schein hat, mit rechter Gewißheit entleeren und entkräften kann. Es ist zwar nicht jedermanns Ding; die wenigen, die vor dem Riß stehen, sind um so besser daran. Man hat nicht danach zu fragen, ob die Menschen einen dafür loben und lieben oder nicht. Es ist genug, wann der Herr sein Wohlgefallen daran hat. Etwas Lauteres, wenn auch nicht allzuviel, ist besser als ein Haufen vermischten Zeugs. Paulus hatte früher gesagt, daß in Ephesus, wann er nicht mehr da sein werde, schädliche Wölfe daherkommen und aus ihren Reihen verkehrte Lehrer aufstehen werden; da hatte nun der Gemeindeengel genug zu tun und zu leiden. Daher heißt es noch einmal mit einem Zusatz: und hast Geduld und hast um meines Namens willen Last getragen und bist nicht müde geworden (2, 3). Nichts kann einen so müde machen als falsche Leute; aber dieser Gemeindeengel wurde dennoch nicht müde.

Aber ich habe wider dich, daß du die erste Liehe verlässest (2, 4).

Es gibt eine Liebe und auch eine erste Liebe zu Gott und Christus und auch zu Brüdern, Zuhörern und andern Menschen. Es ist um jene Liebe, besonders solange sie noch frisch und neu ist und die Seele durch das Wort der Gnade erstmals erweckt wird, etwas sehr Liebliches, Ruhiges, Süßes und Zartes, daß nichts in der Natur und im Erlebnis der Natur damit zu vergleichen ist. Wie diese Liebe sich gegen alles Widrige mächtig wehrt, so soll die Seele beflissen sein, sie unversehrt und ununterbrochen zu erhalten. Sie soll bedacht sein, sich je eher, je lieber wieder in sie hineinzufinden, wenn sie davon abgewichen wäre.

Hier ist die Rede von der Liebe der zweiten Gattung. Alle Arbeit an andern, die etwas taugen soll, muß aus der Liebe fließen; aber über der Arbeit vergißt man oft die Liebe. So gehört nun eine große Vorsicht dazu, daß man, wenn man das Gute um sich herum auszuüben und zu fördern trachtet, sich nicht an der Hauptsache eines Versäumnisses schuldig mache. Wir sollen unsern größten Fleiß daran wenden, daß wir in der Liebe bleiben. Sie soll das Regiment führen; hernach ist es gut, Arbeit, Geduld und Unverdrossenheit zu beweisen, die Bösen nicht zu ertragen, aber um des Namens Christi willen zu tragen, die Lügner zu entdecken usw. Es ist etwas Klägliches, den ersten Stand zu verlassen. Wenn man auch schon wieder zu etwas kommt, so ist es doch nicht das Vorige, es wäre denn, daß eine Seele, nachdem sie gewitzigt worden ist, sich um so eifriger bezeugte. Die himmlische Treue sucht zu diesem Zweck die Gefallenen wieder.

Gedenke, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke! (2, 5)

Es ist um die Liebe ein seliger Stand und um das Verlassen der Liebe ein kläglicher Fall. Solch ein Fall geschieht durch die leidige Vergessenheit. Wer nun zurückdenkt, wie gut es vorher um ihn stand, und dann nicht nur fortfährt, ein wenig Gutes zu wirken, wie es ihm vorkommt und wie es ihm gerade ist, sondern eine gründliche Überlegung anstellt, der kann sich wieder erholen. Von den Engeln der sieben Gemeinden waren zwei in einem guten Zustand, und von diesen wird keine Buße gefordert. Die übrigen waren teils in einem bösen, teils in einem vermischten Zustand wie der in Ephesus. Sie alle oder die so belasteten Leute in den Gemeinden sollen Buße tun. Wo eben etwas Unrichtiges ist, da muß es reumütig gebessert und die Lücke gebüßt, das ist: ausgefüllt werden. Buße ist nichts Fürchterliches, auch nicht, wenn man das deutsche Wort an sich betrachtet. Es bedeutet keine Strafe, sondern eine Besserung, wie etwa einer, der krank, verirrt oder gefallen ist, wieder gesund gemacht, zurechtgewiesen und aufgerichtet wird. Das sind lauter gute Sachen, doch wird der Mensch nicht dazu gezwungen

Wo aber nicht, werde ich über dich kommen und deinen Leuchter wegstoßen von seiner Stätte. wenn du nicht Buße tust (2, 5).

Dies ist eine ernsthafte Drohung. Es wird, wie wir hernach vernehmen werden, die Zukunft des Herrn nach und nach näher angekündigt, und hier heißt es zum ersten Mal: Ich komme über dich, daß du es fühlen wirst. Die Rede handelt von der herrlichen Zukunft Christi, wie sie eben hier in und mit der Offenbarung anbricht; denn es folgt: Ich werde deinen Leuchter wegstoßen, das ist, du wirst ein Engel ohne Gemeinde werden und allein bleiben, da die, die in der Liebe rechtschaffen sind, entweder in andere Orte geführt oder gar in das himmlische Vaterland versetzt werden.

Aber das hast du, daß du die Werke der Nikolaiten hassest, welche ich auch hasse (2, 6).

0 wie treu ist der Heiland! Wie genau merkt er das, wodurch eine Seele noch am besten zurechtzubringen ist! Wenn dein Bruder etwas wider dich hat, dann bringe es in Ordnung; aber dies gilt auch, wenn Jesus etwas wider dich hat, du magst sonst etwas Gutes haben oder nicht. Die Nikolaiten waren garstige Leute, die unter dem Bekennen des Namens Christi sich der Unzucht und fleischlichen Freiheit ergeben hatten. Jesus haßte ihre Werke, und dieser Engel der Gemeinde haßte sie auch. Der Herr Jesus wußte um diesen Haß. Er sieht das Gute und das Böse in uns und an uns; er unterscheidet alles und wiegt alles genau ab.

Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt: Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, der im Paradiese Gottes ist (2, 7)

„Was der Geist sagt“, ist hier das Verheißungswort Christi auf die Güter der zukünftigen Welt, für die der Geist das Pfand ist. Doch faßt es nicht jedermann; es ist etwas Geheimes und nur für den, der ein Ohr hat. Mit den Ohren hört man eine laute Stimme; in das Ohr sagt man etwas Besonderes. Die Verheißungen enthalten viele und große Dinge, die weit in das Zukünftige und in jene Welt hineinreichen, für die die Welt keine Ohren hat.

Man überwindet, wann der Kampf wohl und völlig hinausgeführt wird; und das geschieht im Tode. Alles Sterben heißt für die Welt „überwinden“. Auch wann ein Gottloser nach einer harten Krankheit und nach langem Kampf gestorben ist, dann sagt man, er habe überwunden, und wenn er in seinem ganzen Leben wider Gott gestritten hätte. Wer den guten Kampf gekämpft hat, der überwindet erst, wie Christus überwunden hat. Es steht nicht dabei, was man zu überwinden habe. Man muß alles überwinden, was sich einem entgegenstellt, damit man jene Verheißungen erlangen kann; allermeist aber muß man den Hauptfeind, den Bösewicht, überwinden, in dem die Welt liegen bleibt. Die ganze Lebenszeit ist ein Kampf. Was man Gutes erfährt, wird nur einstweilen zur Ausrüstung eines guten Streiters dargereicht. Wer hier etwas nach Art einer göttlichen Belohnung sucht, ist nicht zum Besten daran. Nach dem Tod und Sieg fängt die Belohnung an, doch nicht erst nach dem Jüngsten Tag, sondern bei vielen auch noch vorher. Der Herr über alles, Jesus Christus, der große Überwinder, verheißt den Genuß großer Güter und die Freiheit von allem Bösen. Bei einem jeden von beiden Stücken wird allemal das andere mit angedeutet.

Lauter Leben verspricht Christus den Seinen: sie sollen die Krone des Lebens bekommen; sie sollen essen vom Holz des Lebens; sie sollen trinken vom Wasser des Lebens auf eine Weise, die in diesem Leben unbegreiflich ist. In diesem Betracht ist der Tod für nichts zu achten. Wer hat Lust und Liebe zu den Früchten des Paradieses? Der verzichte auf allen falschen Geschmack an irdischen Dingen. Er lasse sich davon entwöhnen und sich dagegen ermuntern zu tapferem Kampf durch die Begierde nach den himmlischen Erquickungen. In so kurzen Worten liegen große Dinge. Ein leichter Sinn schleift darüber hin; wer aber auf alles merkt und es sich auch selbst gesagt sein läßt, der kann zu großer Kraft kommen. Nun was der Geist sagt, das wollen auch wir uns durch das Ohr in das Herz gehen lassen.

Das zweite Sendschreiben - Smyrna

Dem Engel der Gemeinde zu Smyrna schreibe (2, 8).

Der Gemeindeengel zu Smyrna ist recht wohl daran. Es werden zwar keine so großen Dinge von ihm gemeldet wie von dem zu Ephesus; der zu Ephesus muß aber doch bei dem vielen Guten, das der Herr von ihm sagt, Buße tun, und der zu Smyrna, bei dem es kein so treffliches Ansehen hat, wird verschont mit der Ermahnung zur Buße. Es heißt bei ihm nur: Fürchte nichts, sei getreu! Es kommt eben nicht auf große Werke an, sondern auf die Treue.

Als Johannes den einen Brief geschrieben hatte, da wurde ihm der nächste diktiert, und der Herr Jesus gab ihm auch die Überschrift an. Wenn der Herr Jesus an einen Lehrer des göttlichen Wortes oder an einen anderen Christen heutzutage etwas in Gnaden schreiben oder wünschen ließe, welche Freude würde es bei ihnen erwecken! Nun haben wir auf so etwas nicht zu warten; aber was hier an einige oder an einen allein geschrieben worden ist, das dürfen und sollen wir, soviel wir in der gleichen Seelenverfassung sind, auf uns deuten gerade so, als ob es mit Namen an uns geschrieben worden wäre. Wenn ich wie jener zu Ephesus einen Mangel aufweise, dann muß ich das, was an ihn geschrieben worden ist, annehmen, als ob es an mich geschrieben worden wäre; wenn ich dagegen so stehe wie der zu Smyrna, dann darf ich auch das, was an ihn geschrieben worden ist, so annehmen, als ob es an mich ergangen wäre. Auch vom gesamten Buch der Heiligen Schrift kann ich sagen: Dies ist ein Brief, den mir mein Gott, mein Heiland hat schreiben lassen; dies ist meine Vorschrift, nach der ich mich richten soll und nach der mein Gott mich richten wird.

Aus der Beschreibung des Herrn Jesus, die Johannes vorher gegeben hat, und aus den Worten, die Christus zu Johannes gesprochen hat, werden seine Titel in den sieben Briefen genommen. Hier werden die beiden Titel „der Erste und der Letzte“ vorher in der Anrede Jesu an Johannes; sie sind also sehr eng verbunden.

Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden (2, 8).

Jesus Christus ist der Erste und der Letzte. „Vor ihm sollen wir nichts wissen, und nach ihm können wir nichts begehren; auf ihn soll unser Herz ganz und gar gerichtet sein. Er ward tot und ist lebendig geworden. Wer um seinetwillen getötet wird, der wird auch leben. Christus war das Leben vor seinem Tode; darum hat ihm der Tod nur so einen kurzen Stich geben können. Seine Lebenskraft ist dadurch nicht im geringsten versehrt worden, sondern als er dem Fleisch nach getötet ward, ist die verborgene Macht des Geistes von dem Nu seines Todes an desto freier durchgebrochen, als ob sie Luft bekommen hätte. Da hat sich Jesus als ein Toter an den Toten und als der Lebendige an denen, die er lebendig macht, bewiesen. Der Tod ist geschwind, vorlängst, überhin; aber das Leben ist unaufhörlich. Beides kommt uns in der Glaubensübung überschwenglich zustatten. Wir pflegen uns manchmal am Leiden und Sterben Christi an den Passionsbetrachtungen und Sterbegesängen zu weiden; aber man bleibt meist dabei stehen, während man doch die Auferstehung und das unvergängliche Leben des Herrn Jesu ebenso sehr und noch viel mehr sich zunutze machen sollte. Beides gehört zusammen.

Ich weiß deine Trübsal und deine Armut du bist aber reich und die Lästerung von denen, die da sagen, sie seien Juden, und sind's nicht, sondern sind des Satans Synagoge (2, 9).

Von diesem Gemeindeengel wird nur berichtet, was er leidet, und nicht, was er tut. Das Leiden läutert viel mehr, und dessen war bei dem Gemeindeengel mancherlei. Er litt Trübsal von Juden und Heiden und hatte außerdem Mangel, etwa auch an zeitlichen Gütern. „Du bist aber reich“, sagt der Herr, nämlich an himmlischen Schätzen. Dieser Vorsteher wird wohl nicht daran gedacht haben, daß er so trefflich angeschrieben wäre; aber der Herr Jesus sagte es ihm, weil er es bei seiner Bescheidenheit wohl ertragen konnte. Je weniger einer sich einbildet, desto besser ist er daran. Hat man durch Gottes Erbarmen etwas zusammengebracht und errungen, dann zähle man seine geistlichen Pfennige nicht viel, sondern nehme lieber zu Herzen, was man noch nicht hat, als was man hat. Es befindet sich doch alles in des Herrn Jesu Verwahrung und kommt zu rechter Zeit hervor.

In Smyrna machten sich vornehmlich die Juden unnütze. Sie pochten auf ihre fleischliche Herkunft von den Erzvätern und meinten, sie könnten sich den Namen der Synagoge zueignen. Diesen Namen wendet Jesus um, nennt sie eine Versammlung des Satans und schneidet sie also von seiner heiligen Gemeinde ab. O wie viele gibt es, die da sagen, sie seien Christen und sind's nicht. Ein Christ heißt und ist ein Mitgenosse Jesu Christi, des Sohnes Gottes, einer, der im Glauben und im Bekenntnis des Namens Christi Gerechtigkeit und Seligkeit hat, in seinen Fußstapfen einhergeht und in jener Welt mit ihm herrschen wird. Die Menge solcher Christen ist eine Versammlung Gottes.

„Ich weiß…“ Der treue Heiland weiß auch von uns alles. Er sagt uns nichts, als was er weiß; aber er läßt uns nicht alles wissen, sondern was uns zu wissen gut ist. Es gehe eines nur immer dem himmlischen Beruf getreulich nach, ohne viel zu überlegen, was bereits zurückgelegt ist. Es ist ein durchdringendes Wort des Herrn Jesus: „Ich weiß!“ Wir gehen von einer Stunde zur andern dahin, von einem Tag und Jahr zum andern, und was in unserm Tun und Lassen und Leiden einmal vorbeigegangen ist, das achten wir fast nicht; es ist meistens wie ein Wasser, das vorbeigeflossen ist; aber in der Allwissenheit Christi ist alles aufgehoben. 0 wie viel liegt daran, daß das, was der Herr Jesus in seiner Allwissenheit von uns aufbewahrt, nicht einen bösen, sondern einen guten Vorrat abgeben möge! Dann ist es kein Schade sondern vielmehr ein Vorteil, wann man von falschen Leuten geplagt sein muß. In dieser elenden Zeit machen gewiß die meisten sogenannten Christen auch in der evangelischen Kirche einen falschen Haufen aus; doch soll dies die, die dem Herrn Jesus in der Wahrheit angehören, nicht kleinmütig machen. Wenn sich einer nur solcher Greuel nicht annimmt, dann ist solches Leiden ebenso viel wert wie ein Haufen guter Werke. Man kann sich sowohl im Leiden als im Tun bewährt finden lassen.

Fürchte dich vor keinem, was du leiden wirst! (2, 10)

Diesem Gemeindeengel stand um des Namens Christi willen ohne Zweifel ein gewaltsamer Tod bevor. Dieser Tod wird ihm hier in Gnaden angedeutet, weil in den sechs andern Briefen die Zukunft des Herrn angedeutet wird, die dieser Engel nicht erlebt hat. Es heißt sehr kräftig: „Fürchte dich nicht!“

Es hatte der Gemeindeengel mit andern, wie aus diesen Worten zu schließen ist, Gefangenschaft und andern voran den Tod vor sich. Das waren furchterregende Dinge; aber die Furcht vor dem allen wird ihm genommen.

Siehe, der Teufel wird etliche von euch ins Gefängnis werfen, auf daß ihr versucht werdet, und werdet Trübsal haben zehn Tage (2, 10).

Es wurden in Smyrna wie auch anderswo die Heiden durch die Juden gegen die Christen aufgehetzt; und man hätte nicht gemeint, daß ein Trieb aus dem Unsichtbaren dahinter wäre. Dies zeigt nun der Herr Jesus den Seinen an zum Trost, daß sie einen solchen Feind haben. Satan im Hebräischen und diabolos im Griechischen, das im Deutschen soviel als Teufel bedeutet, bezeichnen dasselbe, nämlich einen, der sich in den Weg wirft oder stellt, um hinderlich zu sein. Der Feind hat als Satan sein Werk bei den Juden und als Teufel bei den Heiden. Es kann sein, daß der Teufel eine geraume Zeit vorher mit seiner Hetze umgegangen ist, bis er den Sieg über die Heiligen gewonnen hat; es kann auch sein, daß er damals solche Tücke noch nicht vorgenommen hat. Es sei nun das eine oder das andere: der Herr Jesus sieht und sagt es vorher. Es ist etwas Gutes, in des Herrn Jesu Gnade, Aufsicht und Schutz zu stehen. Wann auch schon dem Teufel etwas zugelassen wird, so lenkt es der Herr Jesus zum Guten. Wenn es in des Feindes Macht gestanden hätte, so würde er ohne Zweifel auch die Gemeindeglieder nicht nur ins Gefängnis geworfen, sondern auch erwürgt haben; aber dies wurde ihm verwehrt. Durch das Gefängnis mußten die Heiligen jedoch versucht werden. Die Versuchung ist auf Seiten des Teufels etwas Böses und Gefährliches, aber auf Seiten des Herrn Jesus etwas Gutes und Heilsames. Ein alter, in Gefahren gewesener Kriegsmann ist viel mehr wert als ein eben angeworbener und noch nicht erprobter. Man muß sich nur in die Versuchung recht schicken, so daß man keinen Schaden, sondern vielmehr einen Nutzen davontrage.

Die Drangsal in Smyrna sollte zehn Tage währen. Es gibt unterschiedliche Tage in den Weissagungen; es gibt in ihnen gewöhnliche Tage mit 24 Stunden und es gibt außerdem prophetische Tage. An dieser Stelle, die eine vorbereitende Einführung in das Buch darstellt, werden wohl am einfachsten zehn gewöhnliche Tage darunter zu verstehen sein. Während der Verfolgung unter Trajan, die in den asiatischen Provinzen heftig war, konnte es wohl zehn besondere Tage geben. Da hat man also etliche von den Christen zu Smyrna genommen, sie ins Gefängnis gelegt und sie hernach, weil sie sich nicht einschüchtern, noch zur Verleugnung des Namens Christi bewegen ließen, wieder auf freien Fuß gesetzt. Dies wurde ihnen durch Johannes auf Patmos vorher genau angezeigt, und als es eintraf, konnten sie dadurch vortrefflich gestärkt werden. Sie konnten alsdann sagen: Der Herr Jesus weiß alles; er hat uns diese zehn Gefängnistage vorher angezeigt und zugemessen. Solange wollen wir ausharren, darüber wird es nicht hinausgehen. Wüßten es unsere Feinde, dann würden sie es seinem Wort zum Trotz anders machen; aber sie müssen ohne ihr Wissen sein Wort bekräftigen. Den Heiligen sind ihre Leidenstage bestimmt, wenn ihnen auch die Zahl derselben vorher nicht so genau angezeigt wird.

Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben! (2, 10)

Die Treue bedeutet nicht nur eine aufrichtige Willigkeit, sondern eine unbewegliche Standhaftigkeit bis ans Ende, so daß einer sich nicht läßt wankend machen weder von innen in seiner Erkenntnis und in seinem Vertrauen, noch von außen in seiner Herzhaftigkeit gegen die Feinde und somit dem Feind, der Welt und ihrem Fürsten, dem Teufel, nicht nachgibt, sondern sich an den Herrn Jesus und an sein Wort fest hält und darüber auch den Tod erleidet. Diese Treue kann ein Gläubiger beweisen, wann er eines natürlichen, vielmehr aber wann er um des Namens Christi willen eines gewaltsamen Todes stirbt. Was hat ein solcher zu erwarten? Das Leben, ja die Krone des Lebens! Eine große Verheißung, die ja die Furcht vor dem Tode vertreiben kann. Die Menschen töten den Leib; weiter reicht ihr grimmiges Vermögen nicht. Da ist dann ein Streiter Christi geschwind durch den Tod zum Leben gebracht. Paulus redet von einer Krone der Gerechtigkeit, welche der Herr geben werde ihm und allen, die seine Erscheinung liebhaben. Petrus vertröstet redliche Älteste auf die unverwelkliche Krone der Herrlichkeit, die sie empfangen werden an jenem Tage, da der Erzhirte erscheinen wird; Jakobus aber sagt, Gott habe die Lebenskrone denen verheißen, die ihn lieben.

Von der Lebenskrone redet auch Christus in dieser Bibelstelle. Diese Lebenskrone folgt ohne Zweifel alsbald auf den Sieg im Tode. Am Ende aber kommt die Krone der Gerechtigkeit und der Herrlichkeit noch dazu. Das ist ja der Treue wert!

Ihm allein ist gut dienen. Wem dabei das Herz gerührt wird, der lasse es bei sich recht eindringen und sei beflissen, sich dem Herrn Jesus von ganzem Herzen aufzuopfern, damit er uns möge recht in seinem Gehorsam einleiten und mit uns vornehmen, was ihm beliebt.

Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen von dem zweiten Tode (2, 11).

Es heißt: Wer ein Ohr hat, und nicht, wer Ohren hat (nach dem Grundtext). Was einer laut sagt, das hört man mit beiden Ohren; was man aber einem in ein Ohr hineinsagt, das ist geheim. Wann die Worte des Herrn Jesus manchmal öffentlich gesagt werden, so sind und bleiben sie dennoch ein Geheimnis. Der Geist redet hier von künftigen Dingen und ist selber das Pfand. Dennoch ist es der Herr Jesus, der da sagt: Der Überwindende wird nicht beleidigt werden von dem zweiten Tode. Die Heilige Schrift redet viel vom Tod; aber nur in diesem Buch redet sie vom zweiten Tode, eine Redeweise, die auch bei den alten Hebräern vorkommt, wann sie von der ewigen Qual reden. Dieser zweite Tod ist der Feuersee, in den die geworfen werden, die nicht im Buch des Lebens stehen und nicht in das himmlische Jerusalem kommen. Es ist um den Tod selbst, wie er gewöhnlich genannt wird und den man im Gegensatz zum zweiten Tod den ersten Tod nennen möchte, schon etwas Furchtbares. Es ist schrecklich, wann ein Mensch, der in seinem Leben so vielerlei muntere und anständige Dinge ausgerichtet hat, endlich dahinfällt, so daß der Leib starr, kalt und blaß daliegt ohne Sinne und ohne Bewegung wie ein Stück Holz oder Stein und noch dazu in die Verwesung übergeht, so daß über eine Weile nur Staub und Knochen übrigbleiben. Dies ist eine grausame Zerstörung; aber sie hält keinen Vergleich aus mit dem zweiten Tod, der ein unaussprechlicher Jammer ist ohne Leben, ohne Kraft, ohne Erquickung und dazu in einer schrecklichen Qual. Dieser zweite Tod wird ganz und gar von dem abgewendet, der da siegt. Dieser zweite Tod hat keine Macht über die Genossen der ersten Auferstehung. Er hat auch keine Macht über die, die hernach am Jüngsten Tage noch im Buch des Lebens geschrieben erfunden werden; aber bei diesen wird es viel später bekannt und bei jenen kommt ihre Befreiung vom zweiten Tode gar bald heraus. Mit der Befreiung von einem so großen Übel, da der zweite Tod dem Überwinder (wie es im Griechischen heißt) kein Unrecht antun soll, ist eine besondere Seligkeit, nämlich die erste Auferstehung verbunden. Es steckt also hinter den Worten des Herrn Jesus noch viel mehr, als man anfangs gewahr wird. Man folge nur; es findet sich alles zur rechten Zeit bei denen, die überwinden.

Laßt uns recht nach dem Sieg trachten, dann wird sich das Übrige von selbst ergeben. Wann ein Mensch an einer Krankheit hart und lang darniedergelegen hat und nach ängstlichem Todeskampf endlich stirbt, dann pflegt es zu heißen: Nun hat er überwunden! Dann ist zwar die Krankheit und das Ungemach des sterblichen Leibes dahin; aber darum ist noch nicht alles überwunden, sondern wer sich früher vom Argen immer hat überwinden und gefesselt halten lassen, bei dem ist der Tod des Leibes ein schrecklicher Übergang zum zweiten Tode. Wer in diesem Leben die Gnadenzeit versäumt hat, im Unglauben, in der Heuchelei und in der Sünde dahingefahren ist und also keinen Sieg erlangt hat, der hat von der Stunde seines Todes an noch weniger Leben als vorher. Er fällt aus einem Tod in den andern. In der Schrift gibt es eine Sprache Gottes des Allmächtigen. Er redet ohne Gepränge von den allerwichtigsten Dingen. Es ist bald gesagt: Lebenskrone und auch zweiter Tod; aber an beiden ist über die Maßen viel gelegen. Darum sollen wir auf die Worte Gottes achtgeben, damit wir uns nicht versäumen. Solange wir in diesem Leben sind, ist noch ein beständiger Kampf, und dabei gibt es noch mancherlei Püffe. Christus hat selber überwunden, als er sagte: Es ist vollbracht! Wann ein gläubiger Streiter am Ende auf Grund eines inwendigen guten Zeugnisses sagen kann: Ich habe überwunden, dann ist das besser, als wenn andere blindlings einem nachrufen: Er hat überwunden! Eine solche gewöhnliche Formel wird endlich ganz kraftlos. Was meinen wir, wie es vor Gottes Augen herauskomme, wann wir von einem Menschen sagen: Er hat überwanden, von einem Menschen, der sich sein Leben lang gegen den Herrn Jesus gewehrt und nie rechtschaffen in seine Gemeinschaft hat eintreten wollen, sondern alle gute Warnung und Rührung in sich erstickt, dem Herrn Jesus Widerstand geleistet hat und nun mitten in seinem bösen Wesen vom Tode hinweggerafft wird. Wenn man ihm auch Sträuße, Kränze und Kronen bis an das Grab oder in das Grab mitgibt, so ist das doch keine Lebenskrone, sondern mit dem wächsernen Zierat ist er auf ewig abgefertigt.

Wer aber in der Wahrheit vor dem Herrn Jesus als ein Überwindet erfunden wird, wenn es auch nur auf Grund eines verborgenen Herzensglaubens wäre ohne große Taten nach außen hin, der ist wohl daran. Wie machen solche Überwinder, obwohl sie dünn gesät sind und obwohl so viele andere sich haben vom Satan überwinden lassen, zusammen eine so feine und große Schar aus! Sie werden dann sagen können: In der alten Welt waren wir zerstreut, es war viel falsches Zeugnis unter uns, der Feind hatte so viel Unkraut dazwischengesät. Auf dem Kirchhof sind Überwinder und Überwundene haufenweise durcheinander gelegen, so daß natürliche Augen keinen Unterschied feststellen konnten. Jetzt aber ist alles auseinandergelesen, und nur das, was zusammengehört, ist beisammen. Jetzt denke ein jeder über sich selbst nach: Wenn ich bei meiner gegenwärtigen Seelenverfassung meinen Lauf beschließen oder in diesem Augenblick den Tod erleiden sollte, was hätte ich vor mir, den zweiten Tod oder die Freiheit von ihm? Jetzt haben wir noch unsern freien Gang, jetzt können wir unsere Sache noch zum Guten wenden. 0 lasse es keiner bei der Leichtsinnigkeit und Falschheit bewenden, sondern reiße sich davon los und befleißige sich einer völligen Treue! Wir können einander wohl Anleitung und Aufmunterung dazu geben; aber wo unser Zuspruch aufhört, da fängt das rechte Werk an, daß sich ein jedes in seiner Seele zum Herrn Jesus wende. Wenn man meint, damit sei es ausgemacht, daß man jetzt so eine Weile sich bequemt habe, etwas zu hören, und man dann fortlebt so, wie es einem gefällt, daß man sieh von offenbaren Weltkindern, die Gottes Wort verachten, durch nichts unterscheidet, als daß man ihnen noch dazu ärgerlich ist, da kommt es übel heraus. Das heißt nicht überwinden. Wenn sich aber eines bisher allezeit hätte überwinden lassen, dann soll es darum seine Sache nicht verloren geben, sondern sich doch noch aufraffen. Man hat im Krieg schon erlebt, daß einer, der schon am Boden lag, einen bewaffneten, selbstsicheren Mann noch getötet hat. Wenn also vom Bösen einer bisher noch so stark überwunden worden wäre, dann ermuntere und ermanne er sich desto mehr. Es ist noch nichts verloren, wann einer sich nur nicht selber verloren gibt. Es läßt sich noch Ehre einlegen; aber man muß dazu tun. Wir wissen nicht, wann der Tod kommt, da es dann zu spät wäre. Es heißt: Sei getreu bis an den Tod! Wer bis dahin getreu ist, der hat's gewonnen, der hat überwunden. Über den Tod hinaus braucht es nichts weiter. Wer bis in den Tod untreu geblieben ist und in der Untreue vom Tode ereilt wird, der fällt bei seiner Untreue der anderen Welt und in ihr dem anderen Tod anheim; wer aber einmal bis in den Tod treu gewesen ist, mit dem hat's hernach keine Gefahr mehr, daß er untreu werden möchte. Wie einer im Tode gewesen ist, gut oder böse, treu oder untreu, so bleibt er.

Das dritte Sendschreiben - Pergamon

Und dem Engel der Gemeinde zu Pergamon schreibe: Das sagt, der da hat das scharfe, zweischneidige Schwert (2, 12).

Das sagt, der hat das zweischneidige, spitzige Schwert. Dieses Schlachtschwert geht aus dem Munde Christi, der es deswegen das Schwert seines Mundes nennt. Ein Schwert, wie es Menschen machen, ist ein Schwert von Stahl und Eisen für die Hand, heutzutage richtet man im Krieg mit dem Schwert nicht so viel aus als mit einem kleinen oder großen Gewehr, mit Kanonen, mit Bomben u. a. Aber alles, was die weltlichen Machthaber in ihren Zeughäusern haben, ist für nichts zu achten gegen Christi Schwert seines Mundes. Es ist dies sein Wort, das zwar auch schon jetzt seine Kraft an den Seelen der Gläubigen und der Ungläubigen auf verschiedene Weise beweist; aber die wenigsten erkennen es recht. Der Herr Jesus wird es selber zu seiner Zeit mit noch viel größerem Nachdruck führen, wenn er zustechen und nach beiden Seiten dreinschlagen wird. Er sagt, er habe schon jetzt das Schwert, und er werde künftig mit ihm den Streit führen. Es schneidet, es scheidet Böses und Gutes voneinander. Bist du gut, dann scheidet es das Böse von dir ab; bist du selber böse und bleibst so, dann wird es dich von der Gemeinschaft der Guten scheiden. Je schneller du dich diesem Schwert unterwirfst, desto erträglicher und seliger wird dir die Erfahrung seiner Schärfe sein.

Ich weiß, wo du wohnst: da des Satans Thron ist, und hältst au meinem Namen und hast den Glauben an mich nicht verleugnet auch in, den Tagen, in denen Antipas, mein treuer Zeuge, bei euch getötet wurde, wo der Satan wohnt (2, 13).

Der Satan hatte nicht nur seine Wohnung, sondern auch seinen Thron in Pergamon, einem Hauptsitz des heidnischen Götzendienstes, der mit einem grausamen Haß gegen das Christentum verbunden war. Dort wohnte der Gemeindeengel. Das brachte ihm viel Schmerzen ein; doch hielt er fest an dem Namen Christi. In der Kraft dieses herrlichen Namens stärkte er sich, und diesen Namen bekannte er unerschrocken trotz alles Widerstandes und aller Gefahr.

In Pergamon war Antipas getötet worden, und zwar in einem Teil der Stadt, wo das Christentum blühte und zugleich das Heidentum auf das ärgste tobte. Es mag wohl der Gemeindeengel der Amtsnachfolger dieses Antipas gewesen sein; wenigstens hat er mit ihm redlich ausgehalten und in jenen Tagen der Drangsal die Treue gegen Christus nicht verleugnet, wiewohl es viele zu der Zeit taten.

In guten und sicheren Zeiten ist es etwas Leichtes, den Namen Christi zu bekennen. Wenn einer jetzt mitten in der Christenheit den Namen verleugnen oder inmitten der evangelischen Kirche das Evangelium schmähen wollte, so würde es ihm nicht so ohne weiteres hingehen. Es ist aber etwas anderes, nicht Christus, sondern sich selbst zu verleugnen, wann es Gefahr des Leibes und des Lebens mit sich bringt oder wann es einen harten Kampf kostet. Wer in Wahrheit zu Christus sagen kann: „In meines Herzens Grunde
dein Nam' und Kreuz allein funkelt
all' Zeit und Stunde“

der kann auch in solchen Tagen, wie sie Antipas erlebte, einen treuen Zeugen abgeben.

Aber ich habe ein Kleines wider dich, daß du daselbst hast, die an der Lehre Bileams halten, welcher den Balak lehrte, zu verführen die Kinder Israel, daß sie Götzenopfer aßen und Unzucht trieben. So hast du auch solche, die in gleicher Weise an der Lehre der Nikolaiten halten (2, 14.15).

Bileam, der dem moabitischen König Balak zu Gefallen sein wollte, hatte gezeigt, wie man die Söhne Israels in ärgernisserregender Weise in Götzendienst und Hurerei stürzen kann. Es gab solche Leute auch in Pergamon, die den vornehmen Heiden zulieb keine Bedenken trugen, Christen und Heiden nicht nur in Verbindung und gesellschaftlichen Umgang zu bringen, sondern auch in gemeinschaftliche christliche und heidnische Gottesdienste zusammenzuführen, wobei doch mit dem heidnischen häufig leibliche Hurerei verbunden war. Obwohl sich die Nikolaiten nicht so mit dem Heidentum vermengten, waren sie doch an und für sich unsaubere Leute. Da der Gemeindeengel in Pergamon den Bileamiten dies nachsah, so konnte er den Nikolaiten um so weniger Einhalt tun.

Zu Ephesus waren die Werke der Nikolaiten ebenfalls eingedrungen; weil aber der Gemeindeengel sie haßte, darum konnten sie mit ihrer Lehre nicht aufkommen. Zu Pergamon dagegen hielt eine ganze Anzahl an der Lehre der Nikolaiten; das war noch ärger, und dem Gemeindeengel wird es auf die Rechnung geschrieben. Solange die Lehre gut bleibt, kann man böse Werke als böse erkennen und ihnen desto eher steuern; wann aber etwas Böses zur Lehre wird, dann werden böse Werke gutgeheißen, und ein böses Werk zieht das andere nach sich und eine böse Lehre die andere. Es ist ein schädlich Ding um die Vermischung in Sachen des Gottesdienstes. Unter solchen Umständen, die nicht viel auf sich zu haben scheinen, wird man oft durch eine falsche Freiheit und eine zur verkehrten Zeit angewandte Verträglichkeit in das größte Verderben gestürzt. Wo man die Weltleute zu gewinnen meint, da wird oft das Christentum darüber verloren. Der Gemeindeengel zu Sardes hatte etliche, die ihre Kleider nicht besudelt hatten, wiewohl er selber tot war; der in Pergamon, der selber so tapfer war, hatte Leute mit verschiedener falscher Lehre. So kann es unter einem heillosen Vorsteher gute und unter einem feinen Vorsteher verdorbene Seelen geben. Wann ein Vorsteher heutzutage bedenkt, was er für Leute hat, so sollte er erschrecken. In jener vergangenen Zeit hat sich ein Vorsteher wohl auch besser wehren können als heutzutage. Bei welchen die Schuld liegt, von denen wird es eben gefordert werden. Wenn heute unser evangelischer Gottesdienst mit ärgerlicher Lehre vermischt werden sollte, welch eine Menge würde darüber zu Fall kommen! Wie manche unter uns sind den Nikolaiten gleich! Welch große Ursache haben wir, die Kraft des Evangeliums in unsern Herzen walten zu lassen, damit wir wohl verwahrt sein mögen, wann der falsche Prophet alles durcheinander rühren wird!

Tue Buße; wo aber nicht, so werde ich bald über dich kommen und mit ihnen streiten durch das Schwert meines Mundes! (2, 16)

Wie der Gemeindeengel zu Ephesus Buße tun mußte, so auch der zu Pergamon. Ein jeder, bei dem etwas fehlt, muß Buße tun; er ist nicht darüber erhaben. Der Herr Jesus sucht es hervor und ahndet es.

Wenn die Menschen, besonders die Vorsteher, das Böse bestrafen, dann ersparen sie es dem Herrn Jesus, daß er straft; wenn aber die Menschen lässig und kaltsinnig sind, dann kommt der Herr Jesus um so schärfer. Sein Schwert genügt; er braucht sonst kein Gewehr. Jetzt sollen wir uns dem Wort Gottes unterwerfen und es nicht darauf ankommen lassen, daß wir zur Zeit der Rache das Schlachtschwert schmecken müssen. Es ist zwischen einer Gemeinde und ihrem Vorsteher ein enges Band. Je nachdem dieser Buße tut oder nicht, entgehen die Gemeindeglieder dem Schwert, oder es streitet wider sie.

Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt: Wer überwindet, dem will ich geben von dem verborgenen Manna und will ihm geben einen weißen Stein; auf dem Stein aber steht ein neuer Name geschrieben, welchen niemand kennt, als der ihn empfängt (2, 17).

Diese Verheißung hat zwei Teile. Zum ersten wird verheißen das verborgene Manna. Gott der Herr hat die Kinder Israel vor Zeiten in der Wüste mit dem Manna oder Himmelsbrot gespeist, bis sie in das Land Kanaan kamen. Das war aber kein verborgenes Manna; und viele, die es aßen, kamen in der Wüste dennoch um. Hier wird von dem verborgenen Manna geredet, dessen Geschmack nur der kennt, der es zu essen bekommt. Es wird dabei auch eines geheimen Namens gedacht.

In der Welt sind die Menschen auf mancherlei Weise vorwitzig, daß sie auch dieses und jenes versuchen und erfahren möchten; wer aber durch Verleugnung seiner selbst der Weide des Fleisches entsagt, der bekommt dagegen in geistlichen, himmlischen und übernatürlichen Dingen vieles zu kosten, bei denen hernach andere zurückstehen müssen. Der Mensch hat überall nur fünf äußere Sinne, mit denen er Vergnügen und Wollust wahrnehmen kann. Wenn er aber hundert solcher Sinne hätte und sich durch sie auf alle erdenkliche Weise ergötzen könnte, so wäre es doch nichts gegen das, was in geistlichen Schätzen verborgen liegt. Da sollten wir fein unsre Begierde hinwenden, wenn wir schon noch nicht eigentlich wissen, was dahinter ist.

Zweitens wird ein geheimer neuer Name verheißen. In alten Zeiten war der Gebrauch des Papiers noch nicht allgemein üblich: Man schrieb auf breite Knochen, auf Ziegelplatten oder auf glatte Steinlein, die besonders bei Gerichten üblich waren, wobei dann die schwarze Farbe Ablehnung anzeigte, die weißen Steine aber ein Zeichen der Gnade waren. Als Jakob mit Gott und Menschen gerungen hatte und obgelegen war, wurde ihm ein neuer Name, Israel, gegeben. Hier verspricht Christus dem Überwinder auch einen neuen, auf einem weißen Stein geschriebenen Namen. Die Gläubigen empfangen schon in diesem Leben so schöne Namen, was muß dann der neue Name sein, der entweder allen Überwindern zugleich oder einem jeden nach der Art seines besonderen Sieges gegeben wird? Der den Namen empfängt, der kennt ihn und sonst niemand. Es hat kein Auge gesehen, kein Ohr ,gehört, kein Gaumen gekostet und kein Herz vernommen, was den Meinigen bereitet ist Den neuen Namen weiß niemand, als der ihn hat, und auch er selber kennt ihn nicht, bis er ihn bekommt. Je geheimer etwas ist, desto zarter ist es.

In der Welt gibt es viele Namen, die man so von ungefähr bekommt, ohne daß es etwas bedeutet; aber die Namen, die im Himmel verliehen werden, sind niemals leer, sondern allezeit der Wirklichkeit entsprechend. Wenn auch ein Christ vor der Welt nicht gut angeschrieben ist und sein Name als ein böser Name verworfen ist, so geht ihm darum nichts ab. Christus hat einen Namen geschrieben, den niemand kennt als er selber; einem Überwinder wird er auch solch einen geheimen Namen geben. Sei nur beflissen, dem Herrn Jesus rechte Treue bis zum endlichen Sieg zu beweisen! Wenn man sich auch in der Welt als unbekannt und verachtet noch so weit muß zurücksetzen lassen, so ist damit nichts versäumt; man ist doch wohl daran. Da die Ehre der Weltkinder in leerer Einbildung und im Selbstbetrug besteht, so wird der Christ dagegen in einer heiteren und völligen Erkenntnis seiner selbst erfahren, wofür er bei Christus geachtet sei.

Das vierte Sendschreiben - Thyatira

Und dem Engel der Gemeinde zu Thyatira schreibe: Das sagt der Sohn Gottes, der Augen hat wie Feuerflammen, und seine Füße sind gleichwie goldenes Erz (2, 18).

Johannes sah den Herrn in der Gestalt eines Menschensohnes oder eines jungen Mannes; hier aber nennt er sich mit weit größerer Majestät den Sohn Gottes. Die Titel Christi in den sieben Briefen sind teils aus der obigen Beschreibung der Gestalt im ersten Kapitel wiederholt, teils führen sie etwas Neues mit sich. Der Name des Sohnes Gottes ist ein Zeugnis seiner ewigen Herrlichkeit. Dabei wird auch seine Allwissenheit und unendliche, durchdringende Kraft angedeutet; denn er hat Augen wie Feuerflammen, und seine Füße sind dem goldenen Erz gleich. Er sieht alles bei bösen und bei guten Seelen. Er sieht es auch, wenn sich Gutes und Böses untereinander vermengt vorfindet, wie er denn das Vermengte in Thyatira auseinander gelesen hat.

Eine Feuerflamme macht bei finsterer Nacht alles in einem Zimmer licht. Die feuerflammenden Augen des Herrn Jesus entdecken alles, wenn wir es schon mit unsern natürlichen Sinnen nicht erreichen. Er ist auch jetzt bei uns und durchschaut uns. Seine Füße sind gleich dem goldenen Erz. Es meinen die sicheren Leute, sie dürften tun, was sie gelüstet; und wann die Frechheit bei ihnen aufs höchste kommt, dann treten sie den Sohn Gottes mit Füßen. Er aber wird seine Feinde unter seine Füße treten; sie sollen werden wie Kot auf der Gasse. Daher sollen wir uns demütigen vor dem Sohn Gottes und vor seiner unüberwindlichen Macht und es nicht darauf ankommen lassen, daß wir als Feinde unter seine Füße fallen. Lassen wir uns aber durch das Licht seiner Augen läutern, dann sollen wir uns dessen getrösten, daß er alles an uns sieht. Dann wird auch seine Feuermacht uns nicht schrecklich, sondern erfreulich sein.

Ich weiß deine Werke und deine Liebe und deinen Glauben und deinen Dienst und deine Geduld, und daß deine letzten Werke mehr sind als deine ersten (2, 19).

In allen diesen Briefen steht: Ich weiß! Bei dem Engel zu Thyatira sind es schöne Sachen, die Jesus weiß. Bei dem Engel zu Ephesus ist es gerade umgekehrt wie bei dem zu Thyatira. Jener hatte seine erste Liebe verlassen; bei diesem war Liebe. Jener wird erinnert, die ersten Werke zu tun; dieser war in den letzten Werken noch reicher als in den ersten. Jener hatte Geduld und konnte dabei die Bösen nicht tragen; dieser hatte auch Geduld; aber die Isebel ließ er bei ihrer bösen Lehre und bei ihrem bösen Tun. Mit Liebe und Treue hat das Wirken seine rechte Art; aber ohne Liebe und Treue erkaltet es bald. Wider den zu Ephesus und den zu Thyatira hatte der Herr Jesus etwas; aber jenem und nicht diesem legt er die Buße nahe. So viel ist an der Liebe gelegen.

Was der Herr Jesus lobt, das sollen wir uns angelegen sein lassen, damit es sich auch bei uns finden möge. Wie steht es bei uns um die Liebe, um die unverfälschte Treue gegen den Herrn Jesus? Was tun wir ihm zu Dienst und zuliebe? Was tun wir um seinetwillen den Seinen? Wer tut ihm gern alles zu Gefallen, was er ihm sozusagen an den Augen absieht, und zwar nach der Vorschrift, die er uns in seinem Wort gegeben hat und aus dem Wort durch seinen Geist erkennen läßt? Beweisen wir Geduld, Standhaftigkeit und unverdrossenes Aushalten, wenn etwas Gutes zu verteidigen und etwas Böses zu ertragen ist? Sind unsre Werke auch am Ende völliger als am Anfang, oder ist es bei uns wie bei den Gottlosen, bei denen das Feuer der Bosheit immer weiter um sich frißt, bis sie endlich weggerafft werden? Wer angefangen hat in der Liebe Gutes zu wirken, soll immer völliger werden, weil er nicht weiß, wie lange er Zeit hat. Wann einer einmal einen guten Anfang gemacht hat, dann muß er nicht denken: Jetzt habe ich mich legitimiert und habe schon eine Probe abgelegt. Wer recht gesinnt ist, der denkt nicht zurück, sondern sieht auf das, was er vor sich hat. Der Engel zu Thyatira würde wohl nicht an seine Werke und deren Vergleichen miteinander gedacht haben, wenn ihn der Herr Jesus nicht selber daran gemahnt hätte. Das kommt recht hübsch heraus, wenn uns bei dem Herrn Jesus mehr angeschrieben steht, als wir selber denken; dagegen ist es ein Elend, wenn einer, der ein klein wenig erarbeitet hat, sich etwas darauf einbildet, sich darin spiegelt und dabei stehen bleibt. Solange wir hier sind, wird die Liebe bei denen, die darin stehen, in den Werken völliger.

Aber ich habe wider dich, daß du das Weib Isebel duldest, die da spricht, sie sei eine Prophetin, und lehrt und verführt meine Knechte, Unzucht zu treiben und Götzenopfer zu essen (2, 20).

Isebel ist ein hebräischer Name, den das Weib Ahabs, des Königs von Israel, hatte; sie war die Tochter eines Königs von Sidon. Die Verführerin in Thyatira wird mit Namen wohl ebenso geheißen haben; sie wird hier in dieser Stelle mit Nennung ihres Namens gestraft. Im Altertum haben einige gemeint, Isebel sei die Frau des Vorstehers gewesen. Auf jeden Fall war sie eine Ehefrau; denn hernach wird etwas über Ehebrecher gesagt. Diese Frau hat nun der Vorsteher Meister sein lassen. Sie sagte, sie sei eine Prophetin; sie lehrte und verführte die Knechte Christi.

Wozu? Sie verführte zur Hurerei und zum Essen von Götzenopfer. Das war keine gewöhnliche Hurerei, die bei den Heiden kaum für Unrecht gehalten wurde, sondern es war Ehebruch, und mit ihm war die Verführung zum Götzenopfer verbunden. Zu diesem zweifachen Greuel konnte sie auch Knechte Christi verleiten, weil sie es nicht nur durch einen verlockenden Anreiz tat, wie es im tollen Weltlauf geschieht, sondern durch eine falsche Lehre; denn sie gab sich als eine Prophetin aus und wollte, daß ihre Lehre, womit sie ihre Greuel beschönigte, für tief und göttlich gehalten werde. Es können sogar solche, die Christus dienen, unter geistlichem Schein zu großen Greueln verleitet werden.

Der Engel zu Thyatira mochte selber die Sache der Isebel nicht so durchschauen, wie er es hätte sollen; er gab ihr vielmehr nach. Das ist es, was der Herr Jesus gegen ihn hat, wiewohl er andern und nicht dem Vorsteher die Buße als nötig vorstellt. Der Herr macht hierdurch einen gnädigen und ernsthaften Unterschied. Der Vorsteher ließ Isebel hantieren; der Herr aber begegnet diesem Mangel und greift durch. Damit ist dem abgeholfen, was der Herr gegen ihn hat, und der Vorsteher kann nun seines guten Sinnes froh werden. So überaus schnell ist einer, der in der Liebe steht und doch mit einem Fehler behaftet ist, zurechtgebracht, wann der Herr dreinsieht. Es wird ihm getreulich zu erkennen gegeben, und er nimmt es auch an. Wenn dir vor dem Altar einfällt, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, dann sollst du noch vor der Opferung die Versöhnung suchen. Wenn aber der Herr Jesus etwas gegen uns hat, dann sollen wir noch weniger säumen, es wie eine brennende Kohle von uns abzuschütteln, damit sein heiliges Mißfallen und seine gerechte Klage von uns abgewendet werde.

Und ich habe ihr Zeit gegeben, daß sie sollte Buße tun, ,doch sie will nicht von ihrer Unzucht lassen (2, 21).

Beharrliche Sünder sollen nicht fortfahren, noch es darauf ankommen lassen, daß ihnen so und so gepredigt werde. Die Frist zur Buße, die ihnen der Herr Jesus gibt, ist selbst eine immerwährende Bußpredigt und wird ihren Verächtern teuer angerechnet.

Darum lebe keiner so sicher dahin, sondern wende die Frist, die ihm verliehen wird, dazu an, daß er vom Bösen ablasse und dagegen dem Herrn Jesus zuliebe im Guten etwas ausrichte. Denen, die mit Isebel eine böse Gemeinschaft gepflegt haben, wird die Buße mit Ernst auferlegt und eine scharfe Drohung gegen die Verführerin und die Verführten ausgesprochen. So teilt der Herr sein Wort mit Nachdruck.

Die Verführerin war verstockt; die Verführten werden ausdrücklich zur Buße ermahnt, und der Vorsteher kommt bei seiner beständigen und guten Gesinnung selber zurecht.

Siehe, ich werfe sie auf ihr Bett und werfe in große Trübsal, die mit ihr die Ehe gebrochen haben, wenn sie nicht lassen von des Weibes Werken, und ihre Kinder will ich zu Tode schlagen. Und alle Gemeinden sollen erkennen, daß ich es bin, der die Nieren und Herzen erforscht, und ich werde geben einem jeglichen unter euch nach euren Werken (2, 22.23).

Dafür, daß die Isebel und ihre Liebhaber auf ihrem Lager gesündigt haben, kommt sie in gerechter Vergeltung auf ein peinvolles Schmerzenslager, und ihre Greuelgenossen kommen in große Drangsal, wenn sie sich nicht bessern. Ihre Kinder, die sie im Ehebruch oder auch in der Ehe erzeugt hat, werden an einer Seuche wegsterben. Es scheint nicht, daß hier von geistlichen Kindern dieser angeblichen Prophetin die Rede ist. So viel Jammer stand diesen Leuten bevor, dem sie nur durch Buße entgehen konnten.

Was zu Thyatira im Verborgenen geschah, das wurde den sieben Gemeinden in diesem Brief aufgedeckt, und bei der darauf folgenden Strafe konnte jedermann die göttliche Gerechtigkeit erkennen.

Im Herzen sind die Gedanken, und in den Nieren sind die Begierden. Gott ist es, der Herzen und Nieren erforscht, wie auch im Alten Testament bezeugt wird. Diese göttliche Eigenschaft schreibt der Herr Jesus sich selbst zu, wie er auch hier sagt, er gebe einem jeglichen nach seinen Werken, was in der Schrift der gewöhnliche Ruhm der göttlichen Vergeltungsgerechtigkeit ist. Keines unter uns kennt sich selbst so, wie der Herr Jesus uns kennt. Wie ein jedes mit seinem Tun beschaffen ist, so wird Er einem jeden vergelten. Danach mögen wir uns richten. Es wird alles herauskommen, wenn es noch so lang verborgen geblieben wäre; und alles wird vergolten, ob es auch noch solange damit anstünde.

Euch aber sage ich, den anderen zu Thyatira, die solche Lehre nicht haben und nicht erkannt haben die Tiefen des Satans wie sie sagen -: Ich will nicht auf euch werfen eine andere Last (2, 24).

Dies ist eine gütige Ansprache. Es ging in Thyatira arg zu, und es waren dort sehr wenig feine Seelen; dennoch wird ihnen nicht befohlen, daß sie nach Smyrna oder Philadelphia ziehen sollen. Sie dürfen auch nicht an der Isebel und ihren Anhängern Vergeltung üben. Ja, der Herr Jesus sieht die übrigen mit desto mehr Verschonung an. Sie hatten die Lehre der Isebel nicht und erkannten nicht, was ihre Anhänger für tiefe Geheimnisse hielten, die der Herr Jesus für Tiefen des Satans erklärte. Diese Unwissenheit war ihnen ein guter Schutz, und durch die Treue des Herrn werden sie bewahrt. Er sagt, er werde auf sie keine Last legen, die auf andere warte. Wer in einem Teil geplagt ist, dem wird dafür in andern Stücken etwas abgerechnet. Christus läßt es keinem der Seinen zu schwer werden.

Doch was ihr habt, das haltet, bis daß ich komme! (2, 25)

Sie dürfen nur halten, was sie haben, wie es oben hieß: „Du hältst an meinem Namen“ und hernach „Halte, was du hast, daß niemand deine Krone nehme!“

Und wer da überwindet und hält meine Werke bis ans Ende, dem will ich Macht geben über die Heiden, und er soll sie weiden mit einem eisernen Stabe, und wie eines Töpfers Gefäße soll er sie zerschmeißen (2, 26.27).

Solange ein Mensch noch seine Straße zieht, und wäre er dabei auch noch so weit gekommen, so kann er doch nicht sagen: Ich habe überwunden. Der Herr Jesus selbst sagte erst beim Antritt seines Leidens: „Ich habe die Welt überwunden“. Als er sich zum Sterben anschickte, sprach er: „Es ist vollbracht!“ Während der Wallfahrt bleibt immer noch etwas zu überwinden übrig. Wer bis in den Tod hinein treu geblieben ist, von dem heißt es mit Recht: Er hat überwunden!

Christi Werke sind die Werke, die ein Knecht Christi, ja Christus selber durch einen solchen Knecht in großen und kleinen Dingen wirkt, sie haben an sich selbst einen heiligen Namen oder nicht. Für die Knechte gibt es eine große Verheißung: „Dem will ich Macht geben über die Heiden“. Der Herr Jesus wird hernach noch beschrieben als der, der die Heiden mit einem eisernen Stabe (sofern sie sich nämlich dem goldenen Zepter nicht im Guten unterwerfen werden) weiden wird. Solche Macht, die er von seinem Vater empfangen hat, wird er denen mitteilen, die es mit ihm halten.

Dieses Weiden aller Heiden ist jetzt noch etwas Zukünftiges; aber es ist nicht weit dahin. Wie weiß die Welt so gar nicht, wer Christus ist, wer seine Heiligen sind und was widerspenstige Menschen sind! Was ist doch ein irdenes Geschirr gegen einen eisernen Stab! Laß es doch niemand dahin kommen, daß es den eisernen Stab kennen lernen müßte.

Jetzt ist die Welt noch sicher und trotzig. Nicht nur große Leute tun, was sie gelüstet, sondern es lehnen sich auch geringe Leutlein mit großem Trotz gegen das Reich Gottes und das Christentum auf und verwerfen es als schwaches Zeug. Der Herr Jesus sieht eine Weile zu; aber er wird die Widerspenstigen eines andern belehren nicht erst in der Ewigkeit, sondern auch schon auf der Erde, wann er seine Macht zeigen wird.

Wie auch ich's von meinem Vater empfangen habe; und ich will ihm geben den Morgenstern. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! (2, 28.29)

Hier ist noch eine Verheißung. Der Herr Jesus sagt, er werde einem den Morgenstern oder den Anbruch der ewigen Klarheit und des heitern vollen Tages der Ewigkeit geben. Das wird also eine liebliche Vorschau der ewig glänzenden Herrlichkeit sein. Es ist eine vortreffliche Belohnung für die, welche die Werke der Finsternis und den Nachtschatten der Welt fliehen. Wer von Christus den Morgenstern bekommt, der wird recht durchleuchtet, wenn es auch der verachtetste Mensch vor der Welt wäre. Da heißt es mit Recht: „Wie schön leuchtet der Morgenstern!“

Das fünfte Sendschreiben - Sardes

Und dem Engel der Gemeinde zu Sardes schreibe: Das sagt, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne (3, 1).

Es sind sieben Geister Gottes, die Jesus Christus hat und zwar so, daß sie auch seine Geister sind; denn er sagt: „Alles, was der Vater hat, das ist mein“. Der Geist Gottes ist in den Gläubigen; er ist aber nicht ihr Geist. Jesus ist also Gottes Sohn und wahrer Gott. Diese sieben Geister sind vor Gottes Thron und werden gesandt auf die ganze Erde. Sie durchdringen alles, beleben und erleuchten alles mit ihrer unendlichen Kraft.

Die sieben Sterne bedeuten die sieben Gemeindeengel. Im ersten Sendschreiben werden sie mit den sieben goldnen Leuchtern, hier aber mit den sieben Geistern verbunden. Die Vorsteher der Gemeinden sollen als Sterne den Einfluß des Lichtes vom Geist Gottes haben und dann auch den Gemeinden ihre Kräfte mitteilen. Der Engel der Gemeinde zu Sardes ist einer von den sieben Sternen. Er soll also durch den Titel, den der Herr Jesus hier führt, belebt, aufgeweckt und in die geistliche Lichtskraft versetzt werden, deren er gar sehr bedarf.

Ich weiß deine Werke: Du hast den Namen, daß du lebest, und bist tot (3, 1).

Dein Name, heißt es hier, klingt gut; aber deine Werke taugen nichts: das weiß ich. Es sind tote Werke, wie du selber tot bist. Die Beschreibung dieses Vorstehers ist kurz und knapp; aber in einem einzigen Wörtlein ist viel Leidiges enthalten. Seine Sache war soviel wie nichts. Es kann ein jedes für sich darüber nachdenken, was es für einen Namen habe, und soll ihn billig verstehen, damit, wenn er etwas Liebliches an sich hat, wie zum Beispiel Gottlieb, Christoph, Salome, Katharina usw., im Werk selbst nicht das Gegenteil vor den Augen des Herrn Jesus sich finden möge.

Die Welt ist gar so eitel und hat eine Freude an schönen Worten, Titeln und Namen, wenn schon nichts dahinter ist. Vor Gott gilt das gar nichts, ja ein solcher eitler und eingebildeter Ruhm hilft die Schuld nur vergrößern. Der Herr Jesus sieht es bei einem jeden unter uns, wieviel Tod oder Leben da sei und was vorherrsche. Was tot sei, kann man aus dem Gegenteil entnehmen. Leben ist es, wenn man in der Kraft Gottes steht, in der Kraft Jesu Christi, in der Kraft des Heiligen Geistes, in dem heiligen Taufbund, der sich gründet auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes; wenn das, was wir von Gott und seinem Heil vernommen haben, sich auch in unserem Herzen regt; wenn das, was im Wort Gottes ist, auch in unsre Herzenstafeln eingeprägt ist. Es ist bei innerem Leben ein Gefühl da, bei dem man spürt, es sei die Sache selber vorhanden, von der die Worte so schön lauten. Da werden nicht nur die natürlichen Sinne von außen her erfreut, sondern auch das Herz selber wird von ihnen durchdrungen. Es ist ein Genuß da oder wenigstens ein sehnliches Verlangen, bis das Verlangen sich durchsetzt und zum Siege kommt

Dagegen zeigt sich der Tod, wenn einer von heiligen Dingen nicht gerührt wird, gleichsam als ginge es ihn nichts an, wenn es einem gleich viel bedeutet, ob man mit Gottes Wort oder mit weltlichen Dingen umgeht. Ein solcher weiß zwar wohl, daß es zweierlei Inhalt ist; aber vom Geistlichen hat er ebensowenig Kraft wie vom Weltlichen. Die Sünde und die Übertretungen bedecken die Seele. Der Glaube, die Hoffnung und die Liebe, in denen das geistliche Leben steht und durch die es sich ausweist, sind nicht da. Es ist nur ein natürliches und kein geistliches Tun vorhanden.

Der Vorsteher zu Sardes war tot und hatte doch Werke. Wenn einer leiblich tot ist, dann ist kein Odem und keine Bewegung da; aber beim geistlichen Tod kann eine natürliche Wirksamkeit vorhanden sein, und daher ist er nicht so leicht zu erkennen. Wer geistliches Leben hat, der kann wissen, wann andere geistlich Tote, die einander für lebendig halten, im Tode liegen. Wenn zum Beispiel ein roher Mensch seine groben Sünden in Werken oder in Worten sicher forttreibt und in seinem Tun und Lassen frech und ohne Furcht vor Gott fortfährt, dann ist er tot. Es kann aber auch mancher im geistlichen Tode liegen, obwohl er nicht in groben Sünden lebt. Auch einen solchen Zustand sieht der Herr Jesus aufs genauste.

Werde wach und stärke das andre, das sterben will; denn ich habe deine Werke nicht als völlig erfunden vor meinem Gott (3, 2).

Der Anfang des wahren Heils einer Seele ist, daß sie aus ihrem Todesschlaf aufgeweckt wird. Da kommt ein Mensch erstmals zu sich selbst, daß er denkt: Ei, was mache ich? Wenn ich in diesem Augenblick aus der Zeit in die Ewigkeit versetzt werden sollte: wie ging es mir? Da ist es ihm zum ersten Mal wahrhaftig darum zu tun, daß er möge zu Gott kommen und seine Seele retten. Da geht ihm der heilige und gnädige Wille Gottes auf; da wird er gewahr, wie man zu der seligen Gemeinschaft mit Gott und mit seinem Sohne gelangen könne. Da vergeht dem Menschen auf einmal der vorige Schlummer; und was vorher vor seinen Augen verborgen gewesen ist, das geht ihm nun auf. Die Stimme des Herrn Jesus öffnet das Ohr, so daß es plötzlich von ihr getroffen wird und dadurch ein Verlangen bekommt, das weitere zu hören. Sonst kann ein Mensch eine Menge guter Lehren an sich vorübergehen lassen. ohne daß er verändert wird; er kann aber auch durch ein einziges Wörtlein getroffen werden, so daß er wach wird.

Wie kann aber einer das bei sich stärken, was sterben wollte? Wenn der Herr Jesus sagt: Stärke es! dann gibt er eben die Fähigkeit dazu. Mose sagt nur: Tue das! und läßt einen sorgen, wo man die Kraft hernehmen werde; wenn dagegen der Herr Jesus einem etwas befiehlt, dann führt dieser Befehl die Kraft mit sich, wie er hieß einen Gichtbrüchigen aufstehen und einen Blinden sehen. Merke es: Sobald das Wort des Herrn Jesus dein Herz trifft, ist auch die Kraft da. Es kann einer im gleichen Augenblick dem Herrn Jesus antworten: Herr Jesus, du bist da, ich bin hier. Ich spüre deine Kraft; die ist größer als all mein Unvermögen. Wecke mich recht auf, dann muß der Schlaf weichen. Stärke mich, dann kann ich mich selber stärken, und alles, was an mir bisher erstorben war, wird sich erholen.

So war es bei diesem Vorsteher. Was der Herr Jesus ihm im besonderen sagte und Johannes ihm schrieb und vorlesen ließ, das traf ihn und drang ihm ins Herz. Da konnte er sich denn aufraffen und das beinahe erstorbene Lebensfünklein bei sich erwecken. 0 wie gut ist es, wenn der Herr Jesus einem geistlich Toten sozusagen die Nativität fein kurz und gut stellen läßt. Das sollte man sich ja nicht verdrießen lassen, sondern nur hurtig den Schlaf aus den Augen wischen, wenn man auch einen noch so süßen Sündentraum gehabt hätte. Wer noch im Augenblick zuvor tot gewesen und jetzt aufgewacht ist, der gilt schon als Lebendiger und nicht mehr als ein Toter, wenn er nur sich recht stärkt.

Der Herr Jesus ist wahrhaftig: Was lebt, nennt er lebendig; was tot ist, nennt er tot; und wo Tod und Leben miteinander ringen, da sagt er es auch. Wie nun die Wahrheit im Wort und im Gewissen uns unsern Zustand vorhält, so sollen wir uns erkennen und aus dem Tod ins Leben dringen und nicht aus dem Leben in den Tod sinken. Es verhält sich mit dem geistlichen Leben wie mit dem natürlichen. Es kann ein gesunder Mensch durch eine schwere Wunde oder einen Unglücksfall plötzlich umkommen, und durch den Sturz in eine schwere Sünde kann auch das geistliche Leben erlöschen. Das letztere geschieht zwar nicht so leicht; dagegen ist es etwas häufig und leicht Vorkommendes mit dem Kränkeln und dem allmählichen Abnehmen, wie sich bei einem Feuer zuerst die Flamme verliert, hernach die Glut allmählich abnimmt und mit Asche bedeckt wird. Es kann einer im Geist lebhaft, brünstig und wacker sein und dann in einem Stück nach dem andern, in der Zuversicht, in der Barmherzigkeit, im Gebet, in der Vorsicht, in der Mäßigkeit nach und nach, von einem Tag, Monat und Jahr zum andern abnehmen, so daß es nur noch an etlichen Fünklein hängt, um die es auch bald vollends geschehen wäre, während, wenn sie wieder aufgeblasen werden, die Besserung eines solchen Menschen wieder schnell zunehmen und der Eifer gegen das vorige Abnehmen hierzu sehr viel beitragen kann.

Es heißt weiter: „Ich habe deine Werke nicht völlig erfunden vor meinem Gott“. Der Herr Jesus wiegt alles ab nach der Wahrheit. Unsre Werke sollen völlig sein und alle zusammen ein volles Maß ausmachen und jedes im besonderen seine rechte Art haben im Glauben, in der Liebe, in der Hoffnung. Es sollen keine tote, sondern lebendige Werke sein. Wenn wir mit einem Geschäft kommen, das ganz oder halb tot ist und nicht zu Gottes Ehre taugt, dann ist es, als ob der Herr Jesus sich dessen vor seinem Gott zu schämen hätte. Unser Gehorsam, unser Tun und Lassen soll so beschaffen sein, daß es wert ist, dem Herrn Jesus in die Hand gegeben und durch ihn dem himmlischen Vater als eine geistliche Frucht dargebracht zu werden. Es müssen nicht gerade große, aber doch gute und völlige Werke sein. Wenn ein kleines Kind in dem Geist Jesu Christi einen Seufzer zu dem Vater schickt, dann ist das schon ein völliges Werk vor Gott. Da ist es, als ob der Herr Jesus zu seinem himmlischen Vater sagte: Siehe, mein Vater, da ist wiederum eine Frucht von der Erde, die ich mit meinem Blut erneuert habe.

So gedenke nun, wie du empfangen und gehört hast, und halt' es und tue Buße (3, 3).

Das Zurückdenken ist eine köstliche Sache, wenn einer vorher in einem guten Stand seiner Seele gewesen ist und nun bedenkt: Die Freude an dem Namen Jesu hat vorher mein Herz belebt; ich weiß nicht, wie ich darum gekommen bin. Ich habe früher so frei beten, Gott loben und mit ihm kindlich umgehen können; ich will mich befleißigen, daß ich wieder dazu gelange.

Die Buße ist eine Wiederkehr zum Leben. Der verlorene und wieder gefundene Sohn ist das Bild eines Sünders, der Buße tut, und von ihm heißt es: „Er war tot und ist wieder lebendig geworden“. 0 es ist nichts Widriges um die Buße. Wenn ein Kranker gesund wird, ein Irrender wieder auf den rechten Weg kommt, ein gefallener Mensch wieder aufsteht, so sind das lauter gute Dinge. Wenn man einen, der in einer Ohnmacht gelegen hat, mit köstlichem Wasser bestreicht, so daß er wieder zu sich kommt, dann wird er die nicht schelten und schmähen, die ihn gestärkt haben. Jesus Christus ist der getreue Erwecker der Seelen; ihm laßt uns nachfolgen, weil die angenehme Zeit des Heils ist.

Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb (3, 3).

Welche Bewandtnis hat es mit dieser Aufmunterung? War der Vorsteher zu Sardes im Zustand des Schlafens oder des Wachens 7 Es gibt einen Seelenzustand, da Wachen und Schlafen miteinander ringen und abwechseln, so daß das eine oder das andere von einem Augenblick zum andern die Oberhand gewinnt: bis entweder der Schlaf Meister wird oder der Mensch durch eine Stimme oder eine Gewalt von außen her und durch seine eigne Ermunterung von innen her recht wach wird.

Hier weckt der Herr Jesus den Gemeindeengel, der beinahe ganz im Schlummer versunken war, und dann hatte dieser gleichsam die freie Wahl, ob er vollends einschlafen oder aufwachen und wachsam bleiben wollte auf die Zukunft des Herrn.

Es kann einer dem Leibe nach sehr wachsam sein (die bösen Geister schlafen gar nicht) und mit der Seele in tiefem Schlaf liegen. Dagegen kann einer wegen seines körperlichen Zustandes schläfrig sein und doch in der Wachsamkeit der Seele stehen. Indessen soll sich auch keines zum leiblichen Schlaf niederlegen, wenn es nicht seine Seele recht gefaßt hat; denn keines weiß, ob es in dieser Welt wieder aufwachen werde. Wenn ein solcher Mensch in der Gnade Gottes steht und sich etwa noch viel Sorge gemacht hat, sich aber auf einmal und auf ewig errettet sieht, welch eine Danksagung, meinen wir wohl, wird sich bei ihm finden! Wenn dagegen einer im Leibes- und Sündenschlaf zugleich hingerafft wird und in jener Welt sich dessen bewußt wird, welch ein Schrecken muß das sein! Also ist die geistliche Wachsamkeit mit der natürlichen gewissermaßen verbunden, und wer in der Seele recht gefaßt ist, der kann recht wachen und schlafen.

Und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde (3, 3).

Auch bei dieser Warnung ist eine große Treue. Jesus wird daherkommen wie ein Dieb. Ein Dieb sagt nicht vorher, zu welcher Stunde er kommen werde, noch daß er komme; aber Jesus sagt es vorher, daß er komme, und nur die Stunde hält er verborgen; denn sonst wäre es um die Wachsamkeit nichts besonders Löbliches, wenn einer die ganze Nacht, eine einzige angezeigte Stunde ausgenommen, schlafen dürfte.

Aber du hast etliche zu Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; die werden mit mir wandeln in weißen Kleidern, denn sie sind's wert (3, 4).

Etliche haben ihre Kleider nicht besudelt. Sie haben sich vom Fleisch und von der Welt unbefleckt bewahrt; und sie werden mit dem Herrn Jesus Christus wandeln in weißen Kleidern als Gerechte und Unschuldige, weil sie es wert sind. Wo ihrer viele ein gutes Zeugnis ablegen, da müssen die übrigen sich sozusagen der Schande halben auch ein wenig vorsehen; wo aber unter einer großen Menge sich nur etliche wenige recht bewahren, sind sie sehr wohl daran und werden um so mehr in Acht genommen als ein Eigentum des Herrn. Bei Hof sind die am besten daran, die überall mit hin dürfen, wo der Fürst hingeht. Welch eine Ehre ist es dann, im weißen priesterlichen Schmuck mit dem Herrn Jesus wandeln zu dürfen in seinem himmlischen schönen Gefolge!

Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werde, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! (3, 5.6)

Dem Überwindenden werden weiße Kleider angelegt werden, wie einem vor der Welt geehrten Menschen durch andere Leute schöne Kleider angelegt werden. Dabei heißt es: Ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens. Dieses Buch ist das himmlische Verzeichnis derer, die gewiß in das ewige Leben kommen. Von der Welt wird es für etwas Großes gehalten, wenn einer mit seinem Namen zum Beispiel in den Turnierbüchern als ein redlicher Ritter eingeschrieben ist; aber solche Bücher sind vergänglich, wenn sie auch Geltung hätten bis ans Ende der Welt.

Die Welt kann nichts für alle Zeit belohnen. Die Weltleute haben auch keinen wahren Großmut, weil das Größte, das sie bewundern, geben, erben und nehmen können, so nichtig ist. Christus kann rechte Ehre austeilen. Wer bei ihm angeschrieben ist, dem ist nichts daran gelegen, in welchen Registern der Welt er eine Weile stehe oder nicht. Einen Namen, den der Herr Christus im Buch des Lebens stehen läßt, den wird er auch bekennen vor seinem Vater und vor seines Vaters Engeln, das ist, er wird sagen: Wie ich überwunden habe, so hat auch dieser überwunden. Er heißt mit Namen David, Paulus, Johannes usw. Er ist mein; er hat sich wohl gehalten. 0 große Verheißungen! Laßt uns in der Kraft Christi danach trachten, daß wir gewißlich überwinden:

Das sechste Sendschreiben - Philadelphia

Und dem Engel der Gemeinde zu Philadelphia schreibe: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids, der auftut, und niemand schließt zu, der zuschließt, und niemand tut auf (3, 7)

Im ersten Kapitel redet der Herr Jesus auch von den Schlüsseln; er sagt aber dort, er habe die Schlüssel des Todes und der Hölle, und hier heißt es, er habe den Schlüssel Davids. Hat denn David auch den Schlüssel des Todes und der Hölle gehabt? Nein! Was David hatte, das wird dem Herrn Jesus zugeschrieben; und was dem Herrn Jesus zugeschrieben wird als etwas Davidisches, das reicht bei ihm aus dem Sichtbaren in das Unsichtbare hinein. Mithin widersprechen diese beiden Stellen einander nicht, sondern sie erläutern einander sehr schön.

Der Herr Jesus nennt sich den Heiligen, den Wahrhaftigen. Das sind göttliche Namen; so wird Gott im fünften Siegel der Heilige und der Wahrhaftige genannt. Die Verbindung dieser Bezeichnungen ist merkwürdig. Der Titel „der Heilige“ ist eigentlich ein göttlicher Name. Wann es heißt: Das sagt der Heilige, dann ist es, als ob es hieße: Das sagt Gott. Es wird dadurch die ganze Vortrefflichkeit angezeigt, wie sie verborgen und wie sie doch auch offenbar ist, wie sie von allen Kreaturen unendlich weit unterschieden ist und wie sie sich doch auch den edelsten Kreaturen zur Nachfolge darstellt.

Gott ist der wahrhaftige Gott. Er ist in seiner Natur eben so, wie es ihr zukommt. Es ist an ihm nichts Verstelltes noch Erdichtetes, und so ist auch in seinen Worten und Zeugnissen lauter Wahrheit. Was er sagt, das verhält sich auch so, und was er zusagt, das kommt auch so. Diese göttlichen Namen führt der Herr Jesus: Er ist der Heilige, er ist der Wahrhaftige. Die Seinen können sich ganz und gar an ihn halten und sich auf ihn verlassen. Was er stiftet und sagt und verspricht, dabei muß es bleiben. Die Gnaden, die dem David verheißen worden sind, sind gewiß und unveränderlich. Dem Messias ist der Thron Davids zuerkannt. David hatte für sich und seine Nachfolger zu Jerusalem ein zeitliches Königreich; aber Christi Reich ist ewig und himmlisch.

Jesus Christus hat eine vollkommene und unumschränkte Gewalt. Er selbst ist es und nicht der Schlüssel, dem das Auftun und das Zuschließen zugeschrieben wird. Was er auftut, bleibt aufgetan; was er zuschließt, bleibt verschlossen. Niemand kann es ändern als er selbst.

Das ist denen, die sich dem Herrn widersetzen, etwas Schreckliches, weil sie nichts wider seine Gewalt vermögen, wenn sie auch zerbersten möchten; für die aber, die es mit dem Herrn Jesus halten, ist es hoch erfreulich. Wenn er die Hindernisse, die man seinem Reich in den Weg legt, aufheben will, dann kann sie niemand wieder in Gang bringen; will er dagegen dem Guten Bahn brechen, dann kann keine weltliche Gewalt es hindern. Es muß alles zu rechter Zeit geschehen.

So ist es auch mit unserem Herzen. Ein jeder kann merken, daß er nicht einmal den Schlüssel zu seinem eignen Herzen hat. Unser Herz ist von sich aus verschlossen; niemand kann es öffnen als der Herr Jesus durch die Kraft seines Worts. Dies kann dann kein Mensch hindern. Alles ist in des Herrn Jesu Gewalt. Wir können wohl darauf achten, wenn er seinen Schlüssel an unsrem Herzen ansetzt, und wacker sein, wenn sein Licht und seine Wahrheit bei uns eindringt. Wer da folgt, der hat Frieden und kann des Sieges Christi froh werden.

Ich weiß deine Werke. Siehe, ich habe vor dir gegeben eine offene Tür, und niemand kann sie zuschließen; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort behalten und hast meinen Namen nicht verleugnet (3, 8).

Wenn eine Tür offen ist, dann kann man ungehindert in ein Haus oder in ein Zimmer eintreten und ausrichten, was man will, wie auch Paulus den ungehinderten Fortgang des Evangeliums als eine offene Tür beschreibt. Da hat denn der Herr Jesus auch in Philadelphia eine solche Förderung des Guten verliehen, daß auch die Widersacher, wer sie auch sein mochten, es nicht verhindern konnten. Seine Macht ist groß. Als er auf die Welt kam und sein Amt antrat, war alles durch die Gewalt der Finsternis verschlossen und verriegelt. Es wurde aber eine Öffnung gemacht. Sein Vorläufer ging einher im Geist und in der Kraft des Elia; da mußten sich schon die Herzen der Väter und der Kinder auftun, aber vor dem Herrn Jesus selbst noch vielmehr. Als das in Israel geschah, war übrigens in der Welt alles zugeschlossen. Da ist Christus mit seinem Wort durchgedrungen und hat das Reich Gottes in aller Welt ausgebreitet, wo vorher das tolle Heidentum im Schwange gewesen ist und die ungläubigen Juden mit den Heiden ihr Äußerstes getan haben, den Weg zu versperren. So ist es heute noch. Wo einer mit der Gemeinschaft Christi gewappnet ist und sich der Sache rechtschaffen annimmt, da muß man ihm weichen und Platz machen; das ist des Herrn Jesu Gabe. Wenn einer eine geöffnete Tür vor sich hat, da ist es Weisheit, daß man sich ihrer fein zu bedienen weiß; dies läßt der Herr Jesus treue Knechte erfahren. Andererseits kann es geschehen, daß man es rechts und links versucht und keine offene Tür, sondern vielmehr eine starke Mauer vorfindet. Da muß man nichts eigenwillig zu erzwingen begehren, noch mit dem Kopf gegen die Wand laufen; es wird doch zu rechter Zeit eine offene Tür geben.

Der Name Jesu Christi war bei den Heiden und Juden sehr verachtet und verworfen. Der Vorsteher aber dachte und sagte dessenungeachtet: Ich halte es mit Jesus Christus; er ist mein Herr. Sein Wort ist meine Weisheit, sein Kreuz ist mein Ruhm, sein Leben ist meine Hoffnung und meine Seligkeit, sein Name ist ein Name über alle Namen, den zu bekennen mich nichts in der Welt abhalten soll.

Was sind unsre Werke? Hat nicht mancher eine ziemliche Macht und legt dabei doch sehr wenig Ehre ein? Wie will der, der Christi Wort nicht bewahrt, fordern, daß Christus ihn bewahren soll? Wie kann der, der Christi Namen mit Werken der Ungerechtigkeit verleugnet, hoffen, daß Christus seinen Namen bekennen werde vor seinem Vater und vor seinen Engeln? Der Vorsteher in Philadelphia hat Christus geehrt, darum wird Christus ihn auch ehren.

Siehe, ich werde geben aus des Satans Synagoge, die da sagen, sie seien Juden, und sind's nicht, sondern lügen; siehe, ich will sie dazu bringen, daß sie kommen sollen und niederfallen zu deinen Füßen und erkennen, daß ich dich geliebt habe (3, 9).

Die Juden führten einen hohen Namen; denn ein Jude heißt ein Mensch, der Gott lobt und den Gott lobt. Da aber die Juden sich allein auf ihre natürliche Herkunft verließen und dem Werke nach selbst keine Juden waren, werden sie hier von dem Wahrhaftigen als Lügner gescholten. Solche Lügner sind auch alle, die sich Christen nennen und es nicht sind, was etwas gar Allgemeines ist. Die Juden bildeten eine Versammlung, die sie für heilig hielten; aber sie wird hier eine Versammlung des Satans genannt, die sich dem Reich Gottes widersetzt. Solche betrogenen Leute sahen den Engel der Gemeinde in Philadelphia als einen heillosen und verwerflichen Menschen an, der vor Gott und vor Menschen nichts tauge und gelte; aber der Herr Jesus will ihm eine andere Glaubwürdigkeit verschaffen, auch bei den Widersachern.

Dieser Vorsteher war ein Spott der Leute. Es ließ sich an, als ob er keine Hilfe bei Gott hätte, und doch stand es wohl um ihn. Der Herr Jesus bezeugt es ihm. Dies wird selbst den Feinden zu erkennen gegeben werden, und ihm wird eben dies vorher angezeigt. 0 so geht es noch immerdar zu! Solche, die das Wort Christi am treulichsten bewahren, müssen sich dafür ansehen lassen, als ob sie verkehrt gedacht hätten oder etwas für sich suchten; aber endlich gibt der Herr den Ausschlag, mag es auch bei den meisten bis zum Jüngsten Tag anstehen.

Wann einer nur in seinem Herzen das Zeugnis hat und bei sich sagen kann: Jesus, mein Herr, hat mich lieb, dann ist es schon köstlich. Wann auch niemand in der Welt ihn dafür hielte, so ging ihm deshalb doch nichts ab. Es wird dies dennoch zu seiner Zeit herauskommen. Wenn dagegen einer von allen Weltkindern und besonders auch von allen Heiligen dafür geachtet würde, daß er in der Liebe Christi stünde, und es wäre nichts daran, was wäre das für ein Jammer, und was würde dereinst für ein Schrecken und eine Schande noch dazukommen! Wir sollen also nur darauf sehen, daß wir in der Liebe des Herrn Jesu mögen erfunden werden; das übrige wird hernach schon folgen.

Es geht oft ein rechtschaffener Knecht Christi oder sonst eine wackere Seele so dahin; er hängt Christus und seinem Wort mit redlichem Herzen an, ist aber dabei von äußeren Bedrängnissen und Geschäften oder kümmerlichen Umständen und bescheidenen Verhältnissen umgeben. Da weiß man nicht, was hinter ihm steckt, bis er eine unvermutete Probe besteht oder bis Gott ihm ein gutes, freudiges Ende verleiht. Da kriegt man erst den Schlüssel zu seinem vorigen Tun und Lassen. Es sind in der Kirche je und je rechtschaffene Arbeiter zu ihren Lebzeiten verketzert worden; hernach aber, wenn sie im Frieden entschlafen sind, hat man das Siegel, das der Heilige und Wahrhaftige auf ihre Sache gedrückt hat, und seine Liebe zu ihnen erkennen müssen. Der ist tüchtig, den der Herr lobt, und dessen Widersacher der Herr dazu bringt, daß sie ihn loben.

Weil du bewahrt hast das Wort von meiner Geduld, will ich auch dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die da wohnen auf Erden (3, 10)

Wie wir mit Gottes Wort umgehen, so geht Gott auch mit uns um. Gott und dem Herrn Christus, der nun so hoch thront, können wir eigentlich nichts zugute oder zuleide tun; aber sein Wort ist gewissermaßen in unsrer Gewalt, insofern als wir es entweder bewahren oder hinter uns werfen können. Wie wir es nun seinem Wort machen, so nimmt er es auf, als ob wir es ihm selbst machten, und danach geschieht dann die Vergeltung. Wer sein Wort verschmäht, der wird verschmäht werden; wer es bewahrt, wird bewahrt werden. Das Wort Christi ist ein Wort der Geduld. Die Welt kann's nicht leiden. Es ist und bleibt ein Wort des Kreuzes und folglich ein Wort der Geduld und will daher bewahrt sein. Wer es nun bewahrt, dem traut es der Herr Jesus in seiner Liebe zu, daß er sich seiner annähme, wenn es möglich wäre, daß er selber noch in Gefahr käme; einen solchen wird Christus wiederum in der Not bewahren.

Die Gläubigen bedürfen immerdar einer Bewahrung; denn sie sind ständig in Gefahr. Hier wird aber eine besondere Bewahrung vor der Stunde einer allgemeinen und besonders großen Versuchung versprochen und damit die Bewahrung in allen anderen Versuchungen vorausgesetzt. Das ganze menschliche Leben ist eine beständige Versuchung; es geht aber zu einer Zeit und Stunde schärfer her als zur andern. Nachdem nun damals eine solche schwere Stunde vor der Tür war, so soll dieser Vorsteher wohl bewahrt bleiben, obgleich sonst viele Tausende dahinfallen werden. Nun mochte diese Versuchung bestehen, worin sie wollte, so wird doch dieser Vorsteher von dem in Gnaden ausgenommen, was den ganzen Erdkreis treffen wird.

Das heißt ins Herz geredet! So kann der Herr die Seinen auszeichnen. Wann es für die Welt am schlimmsten hergeht, haben sie es am besten. Noah fuhr in seinem Kasten sanft auf dem Wasser umher, als alle Welt um ihn her und unter ihm ersoff.

Siehe, ich komme bald; halte, was du hast, daß niemand deine Krone nehme! (3, 11)

Was wir aus der Gnadenfülle Jesu Christi empfangen haben, das sollen wir in acht nehmen; dann steht er gut dafür, daß unsre Krone uns bleiben werde. Der Apostel Paulus redet bald von einem Gut, das den Knechten Christi anvertraut ist, bald von einem Gut, das sie beim Herrn in Verwahrung haben (2. Tim. 1, 12.14). Was Gott uns anvertraut hat, dafür sollen wir Sorge tragen; dann können wir ihn für das, was wir bei ihm stehen haben, sorgen lassen. Wer etwas hat, der denke an dieses Wort.

Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und er soll nicht mehr hinausgehen, und ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen des Neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel herniederkommt von meinem Gott, und meinen Namen, den neuen. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! (3, 12.13)

Der Tempel Gottes ist das Heiligtum Gottes. In diesem eine Säule abgeben, ist eine sehr große Ehre; aber vor der letzten Überwindung ist es nicht zu begreifen, was das für eine Ehre sei. Sie gehört ganz in jene Welt, und dort ist es eine immerwährende Ehre; denn der Überwinder „wird nicht mehr hinauskommen.“ Wer ein Pfeiler wird im Hause Gottes, den wird Christus so kennzeichnen, daß er selbst und andere es wissen sollen, wem er auf ewig angehöre. Er wird auf ihn schreiben den Namen seines Gottes. Jesu Christi Gott ist eines solchen Überwinders Gott. Er wird auf ihn schreiben den Namen der Stadt seines Gottes, welche ist Neu-Jerusalem; das ist, er soll eine sichere Anwartschaft haben auf die Gemeinschaft im Neuen Jerusalem. Das Neue Jerusalem kommt aus dem Himmel hernieder von Gott. Es ist eine gnadenvolle Herablassung Gottes mit seiner Wohnung zu seinen Kreaturen, zu den Menschen, um sich ihnen auf das reichlichste mitzuteilen, wiewohl er sonst für sich in seiner herrlichen Höhe, wohin keine Kreatur reicht, erhaben bleibt. Jesus hat einen neuen Namen, und auch diesen will er auf den Überwinder schreiben, um ihn als sein Eigentum zu kennzeichnen, das ihm niemand streitig machen kann. Das sind Verheißungen, die einem Lust und Liebe geben, sich so zu fassen, daß man auch Anteil daran haben möge. Es sei doch ein jedes in seinem Herzen recht aufmerksam und gebe wohl acht auf sich selbst und lasse fern von sich sein nicht nur alle Falschheit, sondern auch alle Trägheit (die nie von aller Falschheit rein ist) und überlasse sich mit ganzer Kraft dem siegreichen Wort des Herrn Jesus! Wer das tut, der hat großen Lohn.

Das siebte Sendschreiben - Laodicea

Und dem Engel der Gemeinde zu Laodicea schreibe: Das sagt, der da Amen heißt, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes (3, 14).

Amen ist ein bekanntes hebräisches Wort und heißt so viel als „wahrhaftig“. Jesus Christus ist der Amen: Herrlicher Name! Er ist in seiner Majestät, Herrlichkeit und Wahrheit unveränderlich und unbeweglich. Was bestehen soll, muß sich nach ihm richten. Seine Wahrheit läßt sich weder biegen noch beschneiden, sondern bei ihr wird es bleiben. Die göttlichen Verheißungen und Drohungen sind ganz gewiß; es ist um sie keine leere Spiegelfechterei.

Amen im Hebräischen bedeutet auch der getreue und wahrhaftige Zeuge. Der Herr Jesus ist die Wahrheit, und er bezeugt uns die Wahrheit. Dieser Wahrheit sollen wir in unserm Herzen Raum geben durch den Gehorsam des Glaubens. Wer sich ihr willig gefangen gibt, der erhält in seinem Herzen eine solche feste Bekräftigung, daß es auch bei ihm Wahrheit ist. Jesus Christus ist auch der Ursprung der Schöpfung Gottes. Das ist eine gar prächtige Benennung. Himmel und Erde und alles, was darin ist, ist zusammen ein einiges Werk, das Gott der Allmächtige im Anfang erschaffen hat, und das wird die Schöpfung Gottes genannt oder seine Geschöpfe. Jesus Christus ist kein Stück und kein Teil dieses Werkes, sondern er ist der Ursprung oder der Anfang desselben, wie er auch in Kolosser 1, i8 genannt wird. In ihm und durch ihn und auf ihn hin ist alles erschaffen (Kol. 1, 16). Alles ist durch ihn, durch das Wort gemacht, und ohne ihn ist nichts gemacht, was gemacht ist (Joh. 1, 3). Was will sich also ein Mensch einbilden nach seinem natürlichen oder geistlichen Zustand? Alles haben wir Christus Jesus zu verdanken. Wie er der Ursprung ist unsres natürlichen und unsres geistlichen Wesens, so sollen wir beide auch nicht dadurch trennen, daß wir im Natürlichen und nicht zugleich auch im Geistlichen etwas zu sein begehrten.

Ich weiß deine Werke, daß du weder kalt noch warm bist. Ach, daß du kalt oder warm wärest! (3, 15)

Wie der Mensch ist, so sind seine Werke, und an den Werken können wir einen Menschen erkennen; aber der Herr Jesus hat nicht nötig, einen Menschen erst an den Werken oder an den Früchten kennenzulernen, sondern er sieht in das Innerste direkt. Nur die Menschen läßt er sich selbst an den Werken erkennen. Die Worte, „daß du weder kalt noch warm bist“, werden häufig mißbraucht. Wenn ein Mensch im Bekenntnis des Glaubens unbeständig ist und von einer Religion zur andern wechselt, dann heißt es, er sei weder kalt noch warm, gerade als ob die, die nicht so herüber und hinüber springen, nicht auch weder kalt noch warm sein könnten. Was heißt denn kalt, und was heißt warm oder, was noch mehr ist, heiß und siedend, wie es im Grundtext eigentlich lautet? Und was ist lau? Das kann man aus der Natur verstehen. Weil der Laue aus dem Munde des Herrn ausgespien werden soll, sieht man, daß das Gleichnis vom Wasser her genommen ist. Das Wasser ist an sich kalter Natur. Durch das Feuer wird es warm und heiß gemacht; für sich selbst aber wird es hernach lau und wieder kalt. So verhält es sich mit der menschlichen Art nach dem Sündenfall. Von Natur ist das Herz kalt; es hat nichts vom himmlischen Feuer. Ein Heide, ein Türke oder ein Jude, dem der göttliche Gnadeneinfluß etwas ganz Fremdes ist, dient als deutliches Beispiel; aber nicht viel anders verhält sich auch ein roher Maulchrist. Heiß dagegen ist eine Seele, die durch das himmlische Feuer wallend gemacht worden ist, wie es Römer 12,11 heißt: „Im Geist seid brünstig“ oder, was noch deutlicher ist, “ seid siedend“. Warm sagt man auch, wenn etwas nur lau ist, so daß man es mit der Hand wohl leiden kann; aber siedendheiß ist mehr. Unser teurer Heiland will also bei uns nicht eine Wärme mittleren Grades haben, sondern wir sollen von der Hitze des Geistes durchdrungen sein. Der Heilige Geist wird gar oft beschrieben als das himmlische Feuer; von dem sollen wir durchdrungen sein und einen heißen Glauben, eine heiße Hoffnung, eine heiße Liebe, eine heiße Andacht und ein heißes Verlangen haben. Leute, die sich schon lange Zeit von dem Herrn Jesus ein Lied nach dem andern haben vorsingen lassen und doch nicht zur Kraft der Gottseligkeit gelangt sind, die kommen nicht leicht zu etwas Besserem. Es gibt in der Natur beim Trockenen und beim Nassen, bei der Kälte und bei der Hitze mancherlei Stufen. Es geht allmählich von einer niederen zu einer hohen Stufe; aber wann es im Geistlichen recht zugeht, gelangt man wohl schneller von der Kälte zu einer seligen Hitze, wie in der Apostelgeschichte reichlich zu sehen ist.

Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde (3, 16).

Was ist unser Christentum? Insgemein ist es eben ein laues Werk. Es ist nicht ganz kalt. Man tut doch so, als begehre man Gott zu gefallen und in den Himmel zu kommen; aber am Eifer und Nachdruck fehlt es gar zu sehr. Wenn es heißt, der Herr Jesus wolle einen ausspeien aus seinem Munde, was ist davon das Gegenteil? Er hat und behält die in seinem Munde, die er vor seinem himmlischen Vater bekennt und deren Namen er mit süßer Liebe und Wohlgefallen in seinem Munde führt, weil er sie für heilig und herrlich hält (Ps. 16, 3.4). Es sind dreierlei Seelenzustände: kalt, lau und heiß. Jetzt merke ein jedes bei sich selbst, wie es beschaffen sei. Heiß ist der rechtschaffene, gute Stand einer durch den Heiligen Geist mit Eifer angezogenen Seele im Glauben, in der Hoffnung, in der Liebe, in der Verleugnung der Welt, in dem Verlangen nach dem lebendigen Gott, in der Bereitschaft auf das Zukünftige, in dem Haß gegen das Böse, im Fleiß, Christus nachzufolgen. Dagegen ist kalt, wer von dem allen ganz abgekommen ist, dem es in seiner Unwissenheit gleichgültig ist, ob Himmel oder Hölle ineinander fiele, wer tut, was ihm gefällt, und nicht meint, daß es anders sein müßte oder daß man dem Willen Gottes untertan sein sollte, sondern eben so an der Welt und am Sichtbaren hängen bleibt. Lau ist endlich, wer etwas dergleichen hat, das dem Christentum ähnlich sieht, und denen gegenüber, die ganz leer sind, noch etwas zu besitzen scheint. Bei der heutigen Kaltsinnigkeit, da die Liebe bei vielen erfroren ist, kann man das Ansehen haben, als ob etwas da wäre, und ist doch nicht heiß oder recht warm, sondern nur lau. Da ist es nötig, wenn man zur Erkenntnis seiner selbst kommen soll, daß man sich nicht mit solchen vergleiche, die noch weiter zurück sind, sondern mit denen, die in brünstiger Geisteskraft stehen. Wo nun Lauheit ist, da soll man nicht lange säumen, sondern ernsthaft nach Besserung trachten. Dann kann man, wenn es bisher noch so seichte hergegangen wäre, bald zu einer Inbrunst kommen, wie sie die Emmausjünger hatten, die da sprachen: „Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege?“

Du sprichst: Ich bin reich und habe gar satt und bedarf nichts, und weißt nicht, daß du bist elend und jämmerlich, arm, blind und bloß (3, 17).

Der Vorsteher hat bei sich selbst in großer Einbildung gesprochen: Ich bin reich und habe mich bereichert und bedarf nichts (das heißt in Bezug auf das, was ihm gesagt wird); ich habe Gold und habe mir einen guten Vorrat an Kleidern und dergleichen angeschafft und bedarf keiner Arzneimittel; mir ist um und um wohl. Es mag sein, daß dieser Mann im Leiblichen sich wohl fühlte, ein großes Vermögen gehabt hat, dabei sicher gewesen ist und sich eingeredet hat, es stehe im Geistlichen auch gut um ihn. In der Tat war es aber ganz anders, was um so kläglicher war, als er es nicht wußte. Daran ist nichts gelegen, was einer von sich selbst hält, sondern was er in der Tat ist. So ist mancher elend und jammert nicht über sich selbst, sondern ist wie einer, der in der hitzigen Krankheit phantasiert und sich einbildet, es fehle ihm nichts, da die Umstehenden um ihn desto mehr bekümmert sind. Wenn ein Gebrechen allein da ist, dann ist es schon elend genug; wenn aber ihrer mehrere vorhanden sind, dann ist es noch kläglicher. Diesem Vorsteher fehlte es in allen Stücken: er war arm, blind und bloß; doch will ihm der barmherzige Heiland von dem allem helfen.

Ich rate dir, daß du Gold von mir kaufest, das mit Feuer durchläutert ist, daß du reich werdest, und weiße Kleider, daß du dich antust und nicht offenbar werde die Schande deiner Blöße, und Augensalbe, deine Augen zu salben, daß du sehen mögest (3,18).

Wenn ich einem etwas befehle, dann hat er nicht die Wahl, ob er es tun wolle oder nicht, sondern er muß es tun. Wenn ich aber einem einen Rat gebe, dann hat er die Wahl; denn einen Rat gibt man auch einem Fremden. So sagt der Herr Jesus zu diesem Menschen: Wenn ich dir gut genug bin, einen Rat zu erteilen… Es hatte sich nämlich dieser Mensch von dem Herrn Jesus entfremdet. Daß nun der Herr Jesus mit seiner Erteilung eines Rates etwas fremd gegen ihn tat, das konnte ihn in Nachdenken und Sorge versetzen und ihn desto mehr aufwecken. Da mußte er bei sich selbst denken: Es muß um meine Sache mißlich stehen; ich will mich so verhalten, daß ich mit dem Herrn Jesus wieder in ein gutes Einvernehmen komme.

Womit kann man aber Gold kaufen, da man doch für Gold und Geld andere Waren kauft? Was kann man für das Gold selbst geben? Was ist das denn hier für ein Kauf? Es ist nirgends besser kaufen als beim Herrn Jesus. Er ist ein ehrlicher und guter Kaufmann; wer zu ihm kommt, der tut einen guten Kauf. Er gibt alles her, was man nur von ihm annehmen mag. Nur eins muß man ihm geben: Das Herz! Damit kann man ihm alles abkaufen. Das taugt für sein Geschäft; das nimmt er gnädig an; das ist vor ihm etwas Kostbares, und dafür gibt er, was man nur immer braucht. Darum kann man sich getrost beim Herrn Jesus anmelden und sagen: Herr, du hast mir durch dein Wort lassen kund werden, daß man bei dir einen solchen guten Kauf machen könne; du erklärst dich durch dein gnädiges Anerbieten dazu bereit; ich will daher kaufen, was mir nötig ist, was mir abgeht und was ich brauche. Du weißt alle meine Werke und alle meine Gebrechen. Ich bitte dich, du wollest allen meinen Mangel erstatten.

Der Herr Jesus gibt Gold, das vom Feuer durchläutert ist; das macht reich! Dieses Gold ist nicht das natürliche Metall, das an sieh selbst sehr kostbar ist und noch köstlicher wird, wenn es durch das Feuer von seiner Unlauterkeit befreit und wohl zubereitet wird, sondern das Gold, das der Herr Jesus gibt, ist der Reichtum, der in dem Verdienst des Erlösers liegt und seine höchste Lauterkeit schon hat, ehe wir seiner durch den Glauben teilhaftig werden. Dadurch also wird unsrer Armut abgeholfen, und dadurch werden wir trefflich versehen und ausgerüstet. Er gibt Kleider und zwar weiße Kleider der Gerechtigkeit, der Seligkeit und des Wohlstandes, so daß unsre schandbare Blöße vor Gott bedeckt wird und wir uns vor Gott, vor Engeln und Menschen sehen lassen dürfen,

Er gibt Augensalbe wider den elenden Zustand und das schwere Gebrechen der Blindheit, so daß man zum geistlichen Schauen gelangt und erleuchtet wird, den Herrn Jesus zu sehen, dazu sich selbst und alles, was um uns her ist.

Welche ich lieb habe, die strafe und züchtige ich. So mache dich auf und tue Buße! (3, 19)

Durch die Überführung bringt er uns zur Erkenntnis unsres seitherigen Übelstandes, und durch die Züchtigung bringt er uns künftighin in einen besseren Zustand. Beides zusammen ist eine große Wohltat und ein wichtiges Liebeswerk.

Wenn einer im süßen Schlaf liegt, während Feuer ausbricht im Haus oder gar in dem Zimmer, in dem er schläft, so daß er in Gefahr ist umzukommen, ohne daß er davon weiß, und ein anderer wollte ihn wecken und mit Gewalt aus dem Feuer reißen; ein dritter aber sagte: Ei, er schläft so sanft, du mußt ihn nicht aufwecken und erschrecken; er dauert mich wäre das ein Werk der Barmherzigkeit und der Liebe? Doch die sicheren Sünder wollen immer haben, daß man ihre Ruhe und ihr eingebildetes Wohlsein nicht stören soll. Wir aber wollen vielmehr den Heiland bitten, er möchte unsrer nur nicht schonen und damit fortfahren, auch wenn wir uns seiner Überführung und Züchtigung entziehen wollten.

Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. So jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir (3, 20).

Meist versteht man dies Wort von der Herzenstür, und es wird deswegen zur Adventszeit oft angeführt, wenn von der Zukunft Christi geredet und auch von der geistlichen Zukunft gesprochen wird. Es hat dies auch seinen guten Nutzen; aber hier wird eigentlich die ganz nahe Zukunft und Gegenwart Christi angezeigt, da nur noch das wirkliche Sehen beim Auftun der Türe dazuzukommen braucht. Wenn er sagt, er stehe vor der Türe, läßt er damit seine Stimme hören, klopft überdies an und will freiwillig eingelassen und aufgenommen sein. Seine Stimme soll man geflissentlich hören und sie nicht geschwind überhören, und dem Anklopfenden soll man die Tür auftun.

Die Rede ist als Gleichnis zu verstehen; sie enthält aber wichtige Dinge, nämlich einen kräftigen Hinweis auf die nahe Zukunft Christi und die selige Bereitschaft derer, denen er willkommen ist.

Was geschieht bei einem, der bereit ist? „Zu dem werde ich eingehen“, heißt es, „und Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.“ Der Herr verspricht seine gnadenreiche Einkehr, ladet sieh zu dem ein, der bereit ist, und bringt auch selber sein Mahl mit. Alles, was wir dem Herrn Jesus vorsetzen können, ist sozusagen aus seiner Tenne und aus seiner Kelter genommen.

Wer der Einkehr des Herrn Jesus gewürdigt wird, mit dem hält er das Abendmahl und er mit dem Herrn Jesus. Er hält das Abendmahl mit dem Menschen, wenn eine Seele ihm aufwartet und begegnet mit inniger Liebe, mit herzlicher Aufrichtigkeit, mit beständigem Gedenken, mit brünstigem Verlangen, mit tiefer Anbetung, mit brennender Dankbarkeit für seine unaussprechlichen Wohltaten und allermeist für die kostbare Erlösung durch sein Blut, mit heiligem Gehorsam gegen seine Gebote und sein Vorbild. Wohlan, die Stimme des Herrn Jesus hören wir oft, wir hören sie eben jetzt, und er klopft dazu noch an. Er legt auch seine Hand an, daß er den vorgelegten Riegel zurückschiebe. Da begegne ihm denn ein jedes schleunig, wie sich's geziemt?. Es muß doch einmal zu einem rechten Anfang kommen und einen ununterbrochenen Fortgang haben bis ans Ende. Alle, die das Ende des Glaubens wirklich erlangt haben, die haben einmal so angefangen. Wenn auch mancher etwa rückfällig geworden ist, so hat er dennoch hernach wieder angefangen und es fortgesetzt bis ans Ende. Eines jeden ewige Seligkeit ist an einem augenblicklichen Anfang gelegen, da man sich auf des Herrn Jesu Stimme hin ergibt und ihm dann ergeben bleibt.

Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie ich überwunden habe und mich gesetzt mit meinem Vater auf seinen Thron. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! (3, 21.22)

Jesus hat überwunden in seinem Tod. Er hat die Welt überwunden und ihren Fürsten, der sich hinter die Welt versteckt hatte, ihm sein schweres Leiden zuzufügen; er hat aber nichts an Jesus gefunden, weshalb die Macht der Finsternis an ihm zuschanden geworden. Nach seinem Sieg hat er sich durch die Himmelfahrt zu seinem Vater auf dessen Thron gesetzt. Wie der Vater zu ihm gesagt hat: „Setze dich zu meiner Rechten!“ so wird er zu dem, der überwindet, auch sagen: „Komm, setze dich hierher zu mir auf meinen Thron!“ Wenn eines schon in seinem Leben keinen königlichen Stuhl oder Thron gesehen hat, so kann es sich doch nach Gemälden oder sonstigen Abbildungen eine Vorstellung davon machen. Man muß dabei aber auch wissen, daß die Throne im Altertum breit gewesen sind, so daß ein vornehmer Herr viele andere neben sich Platz nehmen lassen konnte. So hat denn auch Christus auf seinem Thron einen Platz für den Überwinder. Welch eine große Herrlichkeit ist das! Diese Verheißung für den Überwinder und die vorhergehenden Verheißungen miteinander fassen doch überschwenglich große Herrlichkeiten in sich. Sie lauten schon so schön; wie herrlich werden sie in Erscheinung treten, wenn sie dereinst in ihrer ganzen Erfüllung dargestellt und offenbar werden.

Welch eine Gewalt wird da in allen diesen Stücken hervorbrechen! Wie werden auch die tapfersten Überwinder finden, daß sie sich noch viel besser sollten gehalten haben! Wie werden sie denken: Das ist eine Sache, zu der wir uns durch unser Überwinden ja nicht würdig machen konnten. Hätte einer noch vielmal so viel zu überwinden gehabt, so wäre es doch wie nichts gegen diese Belohnungen. Das Leiden der vergangenen Zeit war bei weitem nicht wert der nun geoffenbarten Herrlichkeit. Da wird die unendliche Güte des Herrn, die den kleinen Überwindern so großen Lohn austeilt, um so höher gerühmt und gepriesen werden. Wem etwas von diesen Dingen zu Herzen geht, der werde nicht müde und verlegen, sondern jage ihnen immer nach und lasse sich auch durch die Ärgernisse nicht zurückwerfen, deren die Welt voll ist. Was fallen will, mag immerhin fallen. Wer in seinem Herzen einmal ergriffen ist, der bleibe auf der Spur und fahre in ihr getrost fort. Es wird ihn nicht gereuen. Es steht eine unvergleichliche Freude und Ehre darauf, und die Überwinder werden fröhlich sagen: Dank sei Gott, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesus Christus!

Quelle: Bengel, Johann Albrecht - In der Gegenwart Gottes

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