Spurgeon, Charles Haddon - Die Bibel und die Zeitung - Vergebliche Arbeit.

„Daran die Leute müde geworden sind, muss verloren sein.“ Hab. 2, 13.

„Durch des Gesetzes Werke wird kein Fleisch gerecht.“ Gal. 2, 16.

Die „Daily News“ vom 18. Juni enthalten Folgendes: „Der Mann in der alten Fabel segelte fort, um die Insel der Seligen zu erreichen. Er überstand manche Stürme, verlor viele Gefährten und war matt und schwach, ehe er landete, und dann fand er, dass er nur zu dem Punkte, von dem er abreiste, zurückgekehrt war, zu der Insel seiner Heimat. Dazu war er um die Welt gesegelt. Er wurde nicht gepriesen als ein Seefahrer oder ein Philosoph.“

Diese fabelhafte Persönlichkeit bezeichnet genau diejenigen, welche sich auf die abenteuerliche Reise der Selbst-Errettung begeben. Sie werden von eitlen Einbildungen weiter gelockt und beginnen ein Unternehmen, das ihre Kräfte gänzlich erschöpfen und sie an kein wünschenswertes Ziel bringen wird. In ihren mühsamen Anstrengungen, eine eigne Gerechtigkeit zu entdecken, werden sie viele Gefährten an ihrer Seite untergehen sehen, und wenn sie selber glücklich genug sind, mit hoch aufgezogener Flagge der Selbstgerechtigkeit auf der Spur der Sittlichkeit weiter zu segeln, so werden sie dennoch wenig Trost darin finden. Wenn sie überhaupt von der göttlichen Gnade erleuchtet sind, so werden sie so unbefriedigt wie je nach all' ihren Taten und Gefühlen, Andachten, Bitten und Almosen sein; trotz ihres selbstvertrauenden Fleißes werden sie dem ersehnten Hafen keinen Schritt näher gekommen sein. Wie Wanderdecken in seinem endlosen Segeln, so sind auch sie zu fruchtloser Arbeit verurteilt. Es muss so sein. Zurückgeschlagen nach all' seinen Anstrengungen macht derjenige, der nach Selbstgerechtigkeit strebt, keinen Fortschritt im wahren göttlichen Leben. Warum ist es so? Lasst die Schrift antworten: Weil sie es nicht durch den Glauben suchen, sondern, so zu sagen, durch die Werke des Gesetzes. Paulus gab in seinen Tagen vielen Selbstgerechten das Zeugnis, dass sie um Gott eiferten, aber mit Unverstand. „Denn sie erkennen die Gerechtigkeit nicht, die vor Gott gilt, und trachten ihre eigne Gerechtigkeit aufzurichten, und sind also der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, nicht untertan.“ Nachfolger dieser Leute sind noch stets unter uns, die den Stein des Sisyphus bergauf rollen mit keinem bessern Erfolg als er. Die am eifrigsten in der Selbst-Errettung sind, werden getäuscht und verzweifelnd zu ihrem Ausgangspunkt zurückkehren. Wie schade ist es, dass sie so verblendet sind, das in der Ferne zu suchen, was so nahe zur Hand liegt. Der Heilige Geist sagt: „Das Wort ist dir nahe, nämlich in deinem Munde und in deinem Herzen.“ Was kann näher sein, als das, was im Munde ist? Lasst Niemanden so erpicht auf Schaden sein, so verzweifelt entschlossen, seine eigne Seele zu verderben, dass er das himmlische Brot verwirft, was die allmächtige Gnade ihm in den Mund gibt. Warum versuchen, hinauf gen Himmel zu fliegen oder in die Tiefe zu fahren? Warum Büßungen sich unterziehen oder eine ermüdende Runde von Zeremonien durchgehen? Warum verzagen und in das eigne Innere blicken, warum dort das Heil suchen und verzweifeln? Ist nicht die Botschaft des Evangeliums klar genug? „Glaube an den Herrn Jesum Christum, so wirst du selig.“

O hartes Los des Menschen, - stets zu ringen
Um Lohn der Tugend, und doch ohn' Gelingen!
Warum denn hart? - Der Kämpfer lenkt sein Pferd,
Wie das Gesetz des Wettlaufs es begehrt;
Wenn er zum Ziel auf anderm Pfade eilt,
Wird einem Niederen der Preis erteilt.

Die Gnade ist der Weg; wer einen falschen wählt,
Der schweige still, wenn er das Ziel verfehlt,
Und klage nicht den Ratschluss Gottes an,
Wenn er, der Licht und Freiheit haben kann,
Den eigenwill'gen Selbstmord doch begeht,
Und im Gerichte nicht besteht.“

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