Spurgeon, Charles Haddon - Die Bibel und die Zeitung - Die Betrügerin und ihr Opfer.
„Wenn du dein Angesicht schminken würdest, so schmückst du dich doch vergeblich.“ Jer. 4, 30. „Aber nun verlasst ihr euch auf Lügen, die kein nütze sind.“ Jer. 7, 8.
„Nachdem ich die Tinktur eine Zeitlang gebraucht, kam ein Ausschlag über mein Gesicht, ich meine, im Dezember 1877. Damals hatte ich der Angeklagten schon ungefähr 20 Pfund (400 M.) bezahlt, und als ich den Ausschlag bekam, ging ich zu ihr; sie sagte, ich wäre in schrecklichem Zustande, alle Poren der Haut seien offen und wenn ich mich nicht sogleich von ihr völlig heilen ließe, würde ich für mein ganzes Leben entstellt sein.“
Dies sind Worte aus dem gerichtlichen Zeugenverhör in Betreff einer gewissen „Madame“, die vorgibt, „Damen für immer schön“ zu machen. Das Datum ist ungefähr dasselbe wie das des letzten Vorfalles. Willige Närrinnen verlangen ihre berühmten Schönheitsmittel, Tinkturen und Arzneien, und wollen verschönert werden, damit ihre Reize Alle besiegen, welche sie anschauen, und in Kurzem finden sie sich in den Netzen der Betrügerin, ihre Hoffnungen sind alle getäuscht und sie selbst gezwungen, fortwährend zu bezahlen, damit ihnen nicht noch Schlimmeres widerfahre. Nun, dies ist ein treffliches Gleichnis und voller Einzelheiten, die ein weiser Mann zur Erbauung auslegen kann. Wir wollen es nur als Warnung brauchen. Ehe wir uns den Händen Eines aus dem Geschlecht der Schönredner übergeben, täten wir besser, uns umzusehen. Wucherer versprechen den Bedürftigen Anleihen mit viel Großmut und saugen sie dann mit schonungsloser Gier aus. Aktiengesellschaften verlocken unbehutsame Aktionäre und rupfen ihnen dann alle Federn aus. Nehmt euch in Acht! ist eine Warnung, die von allen Seiten sehr nötig tut.
In geistlichen Dingen haben wir viele schmeichelnde Betrüger, vor denen wir auf unserer Hut sein müssen. Petrus sagt von falschen Lehrern: „Durch Geiz werden sie mit erdichteten Worten Handel mit euch treiben;“ und Paulus sagt: „Aus denselben sind, die hin und her in die Häuser schleichen und führen einfältige Weiber gefangen.“ Dies sind die Leute, die der Apostel „gräuliche Wölfe“ nennt. Wehe den arglosen Schafen, wenn sie in ihren Weg kommen, denn nichts als allmächtige Gnade kann sie aus ihrem Rachen befreien.
Doch sind diese schmeichelnden Lehrer, die für ihre Gefoppten solche Wunder tun wollen, alle Verführer. Wie diese alte Betrügerin, die in der Zeitung genannt wird, nicht selber durch ihren orientalischen Balsam ihre Schönheit erhalten hatte und doch mit ihrer Macht prahlte, die Frische der Jugend bei Andern zu erhalten, so sagt Petrus wiederum: „Und verheißen ihnen Freiheit, so sie selbst Knechte des Verderbens sind.“ Dennoch, obgleich der Betrug durchsichtig ist, erzeugt die Gewohnheit eine Gewandtheit im Täuschen, und es gibt ungöttliche Männer und Frauen, von denen hinwieder der Apostel sagt: „sie lassen ihnen die Sünde nicht wehren, locken an sich die leichtfertigen Seelen, haben ein Herz durchtrieben mit Geiz, verfluchte Leute.“
Satan ist ein Erzbetrüger mit vorgeblichen Verschönerungen. Er sagte unserer Mutter Eva, wenn sie seinen Anweisungen folgte, würde sie sein wie Gott, und als sie sich statt dessen mit Schande bedeckt fand, wusste er, dass er sie in seiner Gewalt hatte. Junge Männer werden angelockt durch die Verheißung des Vergnügens, bis sie dem fremden Weibe folgen zum Verderben des Leibes und der Seele und zu ihrer eigenen bitteren Enttäuschung hinsichtlich des Vergnügens, welches die Sünde ihnen verheißen. „Sie überredete ihn mit vielen Worten;“ aber wird er das Glück gewinnen, das sie ihm versprochen? „Dazu trifft ihn Plage und Schande, und seine Schande wird nicht ausgetilgt.“
Die Selbstgerechtigkeit empfiehlt sich auch den Menschen als treffliches Schönheitsmittel, und sie wenden ihr Geld an, um damit verziert zu werden; aber in Kurzem bedeckt dieselbe sie mit dem roten Ausschlag der Schande, und ihre Schöne ist in Fäulnis verwandelt. Traut keinem trügerischen Wort, sondern sucht Ihn, der die Wahrheit selber ist, der uns die wahre Schönheit verleiht, die er allein uns geben kann.