Spurgeon, Charles Haddon - An der Pforte - Ein Wort an Gläubiggewordene.
Freunde, Freunde, wenn ihr nun begonnen habt, dem Herrn zu trauen, so traut ihm ganz und gar. Lasst euren Glauben euer ganzes Leben durchdringen. Vertraut dem HErrn nicht bloß für geistliche Dinge; sondern traut Ihm auf immer, für Zeit und Ewigkeit, für Leib und Seele. Der HErr kann und will jede Anstrengung tragen, die der Glaube Ihm je auflegen kann. Die größten Lasten sind seiner Macht leicht, und die dunkelsten Geheimnisse sind seiner Weisheit klar. Traue Gott völlig. Lehne dich auf Ihn und lehne dich fest; ja, lehne dich mit all deiner Bürde und mit jedem andern Gewicht auf den mächtigen Gott Jakobs.
Die Zukunft kannst du sicher dem Herrn überlassen, der immerdar lebet, und sich nie verändert. Die Vergangenheit ist jetzt in deines Heilands Hand, und du wirst nie ihretwegen verdammt werden, wie sie auch gewesen sein mag, denn der HErr hat deine Missetaten in die Tiefe des Meeres geworfen. Glaube in diesem Augenblick an deine gegenwärtigen Vorrechte. Du bist errettet. Wenn du an den Herrn Jesum glaubst, so bist du vom Tode ins Leben durchgedrungen, und du bist errettet. In den Tagen der Sklaverei brachte eine Dame ihre schwarze Sklavin an Bord eines englischen Schiffes und sagte lachend zum Kapitän: „Ich nehme an, wenn ich und Tante Chloe nach England gingen, würde sie frei sein?“ „Gnädige Frau,“ erwiderte der Kapitän, „sie ist jetzt frei.“ In dem Augenblick, wo sie an Bord eines englischen Schiffes kam, war sie frei. Als die Negerin dies hörte, verließ sie das Schiff nicht mehr - nein, natürlich nicht. Es war nicht die Hoffnung der Freiheit, die sie kühn machte, sondern die Tatsache der Freiheit. So hofft ihr jetzt nicht bloß auf das ewige Leben, sondern „wer an Ihn glaubt, der hat das ewige Leben.“ Nehmt dies als eine Tatsache an, die in dem heiligen Wort geoffenbart ist, und beginnt, euch demgemäß zu freuen. Grübelt nicht darüber, und stellt es nicht in Frage; glaubt es, und hüpft vor Freuden.
Ich wünsche, dass mein Leser, wenn er an den Herrn Jesum glaubt, an ein ewiges Heil glaubt. Sei nicht zufrieden mit der Vorstellung, dass du eine neue Geburt erhalten kannst, die aussterben wird, ein himmlisches Leben, das zu Ende gehen, eine Vergebung, die zurückgenommen werden wird. Der Herr Jesus gibt seinen Schafen das ewige Leben, darum sei nicht ruhig, bis du es hast. Wenn es aber ewig ist, wie kann es aussterben? Sei durch und durch errettet für die Ewigkeit, es gibt einen lebendigen und unvergänglichen Samen, der da lebet und bleibet immerdar; lass dich nicht abspeisen mit einer zeitweiligen Veränderung, einer Art von Gnade, die nur blüht, um zu welken. Du trittst nun die Reise an auf der Eisenbahn der Gnade nimm ein Billet für den ganzen Weg. Ich habe keinen Auftrag, dir bloß Errettung für eine Zeit lang zu verkündigen; das Evangelium, das mir befohlen ist, lautet: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden.“ Er soll errettet werden von der Sünde, vom Zurückkehren zur Sünde, vom Hinübergehen auf den breiten Weg. Möge der Heilige Geist euch leiten, nichts Geringeres als das zu glauben. „Meinst du,“ sagt einer, „ich solle glauben, dass wenn ich einmal Christo traue, ich errettet werden soll, welche Sünde ich auch begehen werde?“ Ich habe nie etwas derart gesagt. Ich habe die wahre Errettung beschrieben als eine gründliche Änderung des Herzens von so radikaler Art, dass sie deinen Geschmack und deine Wünsche ändert; und ich sage, wenn eine solche Änderung durch den Heilige Geist in dir gewirkt ist, so wird sie dauernd sein; denn des HErrn Arbeit ist nicht wie die wohlfeile Arbeit heutzutage, die bald in Stücke geht. Traue dem HErrn, dass Er dich bewahren wird, wie lange du auch lebst, und wieviel du auch versucht werden magst; und „es wird dir geschehen nach deinem Glauben.“ Glaube an Jesum zum ewigen Leben.
O, dass du auch dem Herrn vertrautest in allen Leiden dieser gegenwärtigen Zeit! In der Welt wirst du Trübsal haben; lerne durch den Glauben, dass alle Dinge zum Besten dienen, und dann unterwirf dich dem Willen des HErrn. Sieh das Schaf an, wenn es geschoren wird! Wenn es ganz still liegt, wird die Schere es nicht verletzen; wenn es sich sträubt, oder auch nur bebt, mag es gestochen werden. Unterwirf dich der Hand Gottes, so wird das Leiden seinen Stachel verlieren. Eigenwille und Unzufriedenheit verursachen uns hundertmal mehr Schmerz als unsere Leiden selber. Glaube deinem HErrn so, dass du gewiss bist, sein Wille müsse viel besser sein, als der deinige, und unterwirf dich deshalb ihm nicht bloß, sondern freue dich sogar desselben.
Traue dem Herrn Jesu betreffs der Heiligung. Gewisse Freunde scheinen zu denken, der Herr Jesus könne sie nicht völlig, nach Geist, Seele und Leib heiligen. Deshalb geben sie willig einigen Sünden Raum in dem Gedanken, dass keine Hilfe dafür sei, sondern dass sie dem Teufel Tribut in dieser besonderen Form zahlen müssten, so lang sie leben. Beuge nicht deinen Nacken zu der Sklaverei irgendeiner Sünde, sondern kämpfe um Freiheit. Sei es Zorn oder Unglaube oder Trägheit oder irgendeine andere Form der Sünde, wir sind durch die göttliche Gnade imstande, den Kananiter auszutreiben. Keine Tugend ist dem unmöglich, der an Jesum glaubt und keine Sünde braucht den Sieg über ihn zu haben. In der Tat, es steht geschrieben: „Die Sünde wird nicht herrschen können über euch; sintemal ihr nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade.“ Glaube an hohe Grade der Freude in dem HErrn und der Ähnlichkeit mit Jesu und gehe vorwärts, um diese köstlichen Dinge in Besitz zu nehmen; denn wie du glaubest, so soll dir geschehen. „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt“; und der, welcher der vornehmste der Sünder ist, kann so geheiligt werden, dass er den größten Heiligen nicht nachsteht.
Lebe viel in der Freude des Himmels. Dies ist großer Glaube; und doch nicht mehr als wir haben sollten. Binnen sehr kurzer Zeit soll der, welcher an den Herrn Jesum glaubt, mit Ihm sein, wo Er ist. Dieses sein Haupt wird eine Krone tragen; diese seine Augen sollen den König in seiner Schöne sehen; diese Ohren sollen seine eigne teure Stimme hören; seine Seele soll in der Herrlichkeit sein, und sein armer Leib soll von den Toten auferstehen, und in Unverweslichkeit mit der vollendeten Seele verbunden werden! Herrlichkeit, Herrlichkeit, Herrlichkeit! Und so nahe, so sicher. Lasst uns sofort den Lobgesang anstimmen, und die Seligkeit im Vorgefühl genießen!
Aber jemand ruft vielleicht aus: „Wir sind noch nicht da.“ Nein, aber der Glaube füllt uns mit Wonne bei der seligen Aussicht und mittlerweile stärkt er uns auf dem Wege. Leser, mich verlangt danach, dass du fest an den HErrn allein glauben möchtest. Ich wünsche dich ganz auf dem Felsen stehen zu sehen, und nicht mit dem einen Fuß auf dem Sande. In diesem sterblichen Leben traue auf Gott in allen Dingen; und traue Ihm allein. Dies ist die rechte Lebensweise. Ich kenne sie aus Erfahrung. Gottes Arm ist stark genug, um sich darauf lehnen zu können. Ich will euch etwas aus der Erfahrung eines alten Arbeiters mitteilen, den ich einst kannte. Er fürchtete Gott mehr, als viele andere es tun, und war vom Geiste Gottes gründlich unterwiesen. Er war ein Mann, der Hecken und Gräben in Ordnung zu halten, aber noch besser das einfache Gottvertrauen zu üben verstand. Hört, wie er den Glauben beschrieb. „Es war ein bitterkalter Winter, und ich hatte keine Arbeit und kein Brot im Hause. Die Kinder weinten. Der Schnee war tief und mein Weg war dunkel. Mein Meister hatte mir gesagt, ich könnte mir etwas Holz holen, wenn ich es brauchte; und ich dachte, ein Feuer würde die armen Kinder wärmen, deshalb ging ich aus mit meinem Beil, etwas zu holen. Ich stand nahe bei einem tiefen Graben, der voll Schnee war, viele Fuß tief, ich wusste nicht, wie viele. Während ich ein Stück Holz abhauen wollte, glitt mir die Axt aus der Hand, und fiel tief in den Schnee, wo ich nicht hoffen konnte, sie zu finden. Als ich dastand, ohne Speise, ohne Feuer, und die Axt verloren hatte, schien etwas mir zu sagen: „Willy Richardson, kannst du jetzt Gott vertrauen?“ und meine ganze Seele sagte: „Das kann ich.“ Dies ist wahrer Glaube der Glaube, der dem HErrn vertraut, wenn die Axt verloren ist, der Glaube, der Gott glaubt, wenn aller äußere Schein ihn Lügen straft; der Glaube, der glücklich ist mit Gott allein, wenn alle Freunde uns den Rücken kehren. Lieber Leser, möchten du und ich diesen köstlichen Glauben haben, diesen wirklichen Glauben, diesen Gott ehrenden Glauben! Des HErrn Wahrheit verdient ihn; seine Liebe beansprucht ihn; seine Treue nötigt uns dazu.
Glücklich ist der, der ihn hat! Er ist der Mann, den der HErr liebt, und die Welt soll das wissen.
Im Grunde ist der allerbeste Glaube ein alltäglicher Glaube, welcher es mit Brot und Wasser, Röcken und Strümpfen, Kindern und Vieh, Miete und Wetter zu tun hat. Die superfeine, konfektartige Religion, die nur für die Sonntage ist und für Salon-Versammlungen und Bibelstunden, wird nie eine Seele zum Himmel bringen, bis das Leben eine einzige, lange Konferenz wird, und es sieben Sabbate in der Woche gibt. Der Glaube wächst am besten, wenn er viele Jahre lang, Monat auf Monat, dem HErrn vertraut, in betreff des kranken Gatten, der leidenden Tochter, des abnehmenden Geschäftes, des unbekehrten Freundes, und ähnlicher Dinge.
Der Glaube hilft uns auch „dieser Welt brauchen, ohne dieselbe zu missbrauchen.“ Er ist nötig bei schwerer Arbeit, und bei täglicher Pflicht, in Küchen und Werkstätten, jeden Tag, das ganze Jahr hindurch. Vertrauen auf den lebendigen Gott ist das Gold, woraus Heldenmut gemünzt wird. Beharrlichkeit im Gutestun ist eines der Felder, auf dem der Glaube nicht Blumen, sondern den Weizen seiner Ernte pflanzt. Unermüdet fortarbeiten, auch bei schwierigen Aufgaben, eine Familie mit ein paar Mark die Woche ernähren, beständigen Schmerz mit Geduld tragen, und so weiter dies sind die tapferen Taten, durch welche Gott verherrlicht wird von den gemeinen Soldaten in dem Heer seiner Gläubigen.
Leser, du und ich wollen eines Sinnes hierin sein, wir wollen nicht danach trachten, groß zu werden, aber wir wollen eifrig nach Heiligung streben. Wir wollen hierin auf die Hilfe des HErrn unsers Gottes vertrauen, dessen wir sind, und dem wir dienen. Wir wollen bitten, heilig gemacht zu werden, Tag für Tag. Wir wollen unserm Gott ebenso sehr die Sachen unsers täglichen Geschäftes anvertrauen, als die Anliegen unsers Seelenheils. Wir wollen Ihm vertrauen in betreff unsers Ackers, unsrer Reben und unsrer Kühe, so gut wie in betreff unsrer geistlichen Vorrechte und unsrer Hoffnung auf den Himmel. Der Herr Jehovah ist der Gott unsres Hauses; Jesus ist unser „Bruder“ geworden, und der Heilige Geist ist unser Tröster in jeder Stunde des Leidens. Wir haben keinen unnahbaren Gott; Er hört, Er erbarmt sich, Er hilft. Lasst uns Ihm trauen ohne Unterlass, ohne Zweifel, ohne Bedenken. Wenn wir bisher zitternd draußen in der weiten Welt des Unglaubens gestanden haben, so möge der Heilige Geist uns instand setzen, jetzt den großen, entscheidenden Schritt zu tun, und ein für alle Mal zu sprechen: „HErr, ich glaube, hilf meinem Unglauben!“