Spurgeon, Charles Haddon - An der Pforte - Ein wirkliches Hindernis.

Spurgeon, Charles Haddon - An der Pforte - Ein wirkliches Hindernis.

Obwohl es an sich keineswegs eine schwierige Sache ist, Ihm zu glauben, der nicht lügen kann, und Ihm zu vertrauen, von dem wir wissen, dass Er erretten kann, so mag doch etwas dazwischen treten, das einer Seele im Wege steht. Dieses Hindernis mag ein geheimes sein, ist aber darum doch nicht weniger gefährlich. Eine Tür kann verschlossen sein, nicht durch einen großen Stein, den alle sehen können, sondern durch einen unsichtbaren Riegel, der in eine Klammer schließt, die ganz verborgen ist. Ein Mensch kann gute Augen haben, und doch nicht im Stande sein, einen Gegenstand zu sehen, weil etwas anderes im Wege steht. Du vermöchtest nicht einmal die Sonne zu sehen, wenn ein Taschentuch oder ein bloßer Lappen dir vors Gesicht gebunden wäre. wie viele Binden verdecken oft das geistliche Auge!

Eine einzige Sünde, die im Herzen beherbergt wird, kann eine Seele hindern, im Glauben Christum zu ergreifen. Der HErr ist gekommen, uns von der Sünde zu erretten; und wenn wir entschlossen sind, in der Sünde fortzufahren, so werden Christus und unsre Seele nie übereinstimmen. Wenn ein Mann Gift nimmt, und ein Doktor herbeigerufen wird, sein Leben zu retten, so mag dieser ein sicheres Gegengift bereit haben; aber wenn der Patient darauf besteht, die Giftflasche an seine Lippen zu halten und fortfahren will, die tödlichen Tropfen hinunter zu schlucken, wie kann der Doktor ihn retten? Das Heil besteht wesentlich darin, dass der Sünder von seiner Sünde geschieden wird, und deshalb können wir nicht sagen, dass ein Mensch errettet sei, wenn er die Sünde liebt und vorsätzlich darin lebt. Ein Mensch kann nicht weiß gemacht werden, und doch schwarz bleiben; er kann nicht geheilt werden, und doch krank bleiben; ebenso wenig kann jemand errettet sein, und doch ein Liebhaber des Bösen bleiben.

Ein Trunkenbold wird errettet werden durch den Glauben an Christum - das heißt, er wird vom Trunk errettet werden; aber wenn er immer noch dabei bleibt, sich zu berauschen, ist er nicht davon errettet, und hat nicht wahrhaft an Jesum geglaubt. Ein Lügner kann durch den Glauben von der Falschheit errettet werden, aber dann hört er auf zu lügen, und bestrebt sich, die Wahrheit zu sprechen. Jeder vermag mit halbem Auge zu sehen, dass er nicht vom Lügen errettet sein und doch bei seiner alten Weise des Betruges und der Unwahrheit bleiben kann. Jemand, der mit einem andern in Feindschaft ist, wird von diesem Gefühl der Feindschaft errettet werden, wenn er an den Herrn Jesum glaubt; aber wenn er immer noch das Gefühl des Hasses hegen will, so ist es klar, dass er nicht davon errettet ist, und ebenso klar, dass er nicht aufrichtig an den Herrn Jesum geglaubt hat. Die große Sache ist die, von der Liebe zur Sünde befreit zu werden. Dies ist die sichere Wirkung des Vertrauens auf den Heiland; aber wenn diese Wirkung so wenig gewünscht wird, dass man sie sogar zurückweist, so ist alles Reden vom Vertrauen auf den Heiland zur Seligkeit ein eitles Märchen. Ein Mann geht auf das Schiffsbüro und fragt, ob er nach Amerika kommen kann. Man versichert ihn, dass ein Schiff gerade bereit sei, dass er nur an Bord zu gehen brauche, so würde er bald New-York erreichen. „Aber,“ sagte er, ich will zu Hause in England bleiben und meinen Laden besorgen, während ich auf dem atlantischen Ozean reise.“ Der Agent denkt, dass er es mit einem Verrückten zu tun habe, und sagt ihm, er solle an sein Geschäft gehen, und nicht die Zeit vergeuden, indem er den Narren spiele. Vorgeben, Christo zu vertrauen, dass Er euch von der Sünde errette, während ihr entschlossen seid, darin zu verharren, heißt Christi spotten. Ich bitte meinen Leser, sich nicht solcher Lästerung schuldig zu machen. Möge er nicht wähnen, der heilige Jesus wolle der Beschützer der Sünde sein.

Saht ihr je einen Baum, welcher ganz mit Efeu überwachsen war, der ihn erstickt, ihm das Leben aussaugt, und ihn tötet? Kann dieser Baum gerettet werden? Der Gärtner glaubt, dass es möglich sei. Er will sein Bestes tun. Aber ehe er beginnt, Axt und Messer zu gebrauchen, wird ihm gesagt, dass er den Efeu nicht abschneiden dürfe. „Ach, dann,“ sagt er, „ist es unmöglich. Der Efeu ist es, der den Baum tötet, und wenn ihr den Baum gerettet haben wollt, so könnt ihr den Efeu nicht retten. Wenn ihr mir vertraut, dass ich den Baum retten kann, so müsst ihr mich die tödliche Schlingpflanze hinwegnehmen lassen.“ Ist das nicht gesunder Verstand? Gewiss ist es das. Ihr vertraut den Baum dem Gärtner nicht an, wenn ihr ihm nicht das Vertrauen schenkt, dass er das wegschneiden darf, was tödlich für ihn ist. Wenn der Sünder seine Sünden behalten will, so muss er darin sterben; wenn er willig ist, von seiner Sünde errettet zu werden, so kann der Herr Jesus es tun, und will es tun, wenn er sich seiner Sorge überlässt.

Was ist deine Lieblingssünde? Ist es irgendein grobes Laster? Dann sollte schon die Scham dich veranlassen, es aufzugeben. Ist es die Liebe zur Welt, oder Menschenfurcht, oder Verlangen nach ungerechtem Gewinn? Durch diese Sünden bleibst du in einer Feindschaft wider Gott, und sein Missfallen muss auf dir ruhen. Ist es eine menschliche Liebe, die wie ein Krebs ins Herz frisst? Kann irgendein Geschöpf es mit dem Herrn Jesu aufnehmen? Ist es nicht Götzendienst, irgendetwas Irdisches auch nur einen Augenblick mit Gott dem HErrn in Vergleich zu stellen? „Ja,“ sagt einer, „wenn ich die besondere Sünde aufgeben wollte, die mich gefangen hält, würde es für mich ein bedeutender Schaden im Geschäft sein, würde meine Aussichten ruinieren und meinen Einfluss in der Welt verringern.“ Wenn es so ist, so gelten für diesen Fall die Worte des Herrn Jesu, der dich dein Auge ausreißen, und Hand oder Fuß abhauen heißt, lieber als in die Hölle geworfen zu werden. Es ist besser, ins Leben eingehen mit einem Auge, mit geringen Aussichten, als alle deine Hoffnungen behalten, und außer Christo sein. Besser ein hinkender Gläubiger, als ein hüpfender Sünder. Besser in den Hinterreihen in dem Heere Christi, als Anführer der ersten Offiziere unter dem Befehl Satans sein. Wenn du Christum gewinnst, so wird es wenig ausmachen, was du verlierst. Ohne Zweifel haben viele etwas zu leiden gehabt,. was sie für dieses Leben verstümmelt und gelähmt hat; aber sind sie dadurch ins ewige Leben eingegangen, so ist es ihnen nur Gewinn gewesen.

Es kommt bei dir, mein Freund, zu dem, wozu es bei John Bunyan kam; eine Stimme spricht jetzt zu dir und sagt Willst du deine Sünde behalten und zur Hölle gehen, oder deine Sünde aufgeben und zum Himmel gehen?

Dieser Punkt sollte entschieden werden, ehe du von der Stelle gehst. Im Namen Gottes frage ich dich: Was wählst du dir Christus und die Seligkeit, oder die Lieblingssünde und Verdammnis? Es gibt keinen Mittelweg. Warten oder sich nicht entscheiden wollen, das wird in Wirklichkeit eine sichere Entscheidung für das Böse sein. Wer steht und fragt, ob er ehrlich sein soll oder nicht, ist schon von der geraden Linie abgewichen. Wer nicht weiß, ob er von Sünde gereinigt zu werden wünscht, gibt Zeugnis von einem unreinen Herzen.

Wenn du jeden bösen Weg aufgeben willst, so wird unser Herr Jesus dich instand setzen, das sofort zu tun. Seine Gnade hat schon die Richtung deiner Wünsche geändert. In der Tat, dein Herz ist erneuert. Deshalb traue auf Ihn, dass Er dich stärken wird, die Versuchungen zu überwinden, so wie sie aufkommen, und des HErrn Gebote zu erfüllen von Tag zu Tag. Der Herr Jesus kann die Lahmen hüpfen machen wie einen Hirsch; Er kann die Gichtbrüchigen heißen ihr Bett aufnehmen und wandeln. Er wird dich fähig machen, die böse Gewohnheit zu überwinden. Er will sogar den Teufel aus dir austreiben. Ja, wenn du sieben Teufel hättest, so könnte Er sie sogleich austreiben; seine Macht, zu reinigen und zu heiligen, hat keine Grenzen. Nun, da du willig bist, gesund gemacht zu werden, ist die große Schwierigkeit entfernt. Er, der den Willen zurecht gebracht hat, kann alle deine andern Fähigkeiten ordnen, und sie zu seinem Preise sich regen lassen. Du hättest nicht ernstlich gewünscht, alle Sünde aufzugeben, wenn Er dich nicht verborgenerweise in dieser Richtung gelenkt hätte. Wenn du Ihm jetzt vertraust, wird es klar sein, dass Er ein gutes Werk in dir angefangen hat, und wir sind gewiss, dass Er es vollenden wird.

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