Disselhoff, Julius - Paulus, der Knecht Jesu Christi - 21. Der Apostel Paulus als Prediger. (Anhang)

Dieser Vortrag ist vor Jahren auf einer Prediger-Konferenz während der Wuppertaler Festwoche gehalten. Man wünschte ihn damals für den Druck. Ich habe ihn aber in meinem Pulte liegen lassen. Jetzt mag er hier als Anhang folgen. Er enthält einen und den andern Gedanken, der auch in den vorhergehenden Betrachtungen in anderer Verbindung ausgesprochen ist. Man wird sich daran nicht stoßen. Wenn auch andere als Prediger diesen Vortrag lesen, so wird die Einsicht, dass wir vom Worte Gottes uns über unsere Mängel und Gebrechen wollen zurecht weisen lassen, die Würde unsers Amtes nur befestigen.

Mir ist, meine Herren und Brüder, die Ausgabe gestellt, über den Apostel Paulus als Prediger zu sprechen, nicht über seine ganze Persönlichkeit, noch über alle Seiten seiner amtlichen Tätigkeit. Ich habe im Sinne, die Grenzlinie bestimmt einzuhalten, und doch muss ich von vornherein das als den wesenhaften Charakter der paulinischen Predigt bezeichnen, dass der Prediger Paulus nicht vom ganzen Paulus zu scheiden ist. Der Apostel lässt sich nicht anatomieren und sezieren. Er ist auf allen Gebieten seines Berufes derselbe ungeteilte Paulus. In seiner Predigt pulsiert seine ganze, volle Persönlichkeit, zu der Christus ihn umgeschaffen und groß genährt hat. Ob wir ihn als Prediger, als Missions- oder Gemeinde-Prediger, oder als Briefschreiber, als Freund oder Bürger, als Seelsorger oder Kirchenregenten oder als wen immer sehen, er ist überall der eine ganze Mann: der Knecht Christi, der als solcher jedermanns Knecht und doch keines Menschen Knecht ist. Nur deswegen ist es möglich, dass, obwohl wir in der Apostelgeschichte nur vier oder fünf kurze Predigten oder Reden Pauli besitzen, wir doch hiermit und aus dem, was wir sonst von ihm wissen, uns ein klares Bild über ihn auch als Prediger entwerfen können. Das ist auch der Grund, weshalb ich zwischen der Missions- und der Gemeinde-Predigt Pauli hier nicht unterscheide, anderswo könnte der Unterschied hervor zu heben sein, denn weil die ganze Persönlichkeit Pauli in seiner Predigt lebt, so hat seine Missions- wie seine Gemeinde-Predigt denselben Charakter. Also noch einmal: Der ganze Paulus spiegelt sich in dem Prediger Paulus! Das ist der Kern alles dessen, was ich über unsern Gegenstand zu sagen habe. Aber der Kern will entfaltet sein. Ich werde zu dem Zwecke zweimal drei Fragen zu beantworten suchen. Der erste Fragenkreis bezieht sich auf die Vor- und Fortbildung zum Predigtamt, auf das Wesen und auf die Form der Predigt, der andere auf die Stellung des Predigers zu seiner eignen Seele, zu den Hörern und zu den Kollegen.

Wie ist Paulus zum Predigtamte vorgebildet?

In Tarsus, dessen Weisheits-Schulen nach Strabo eine Zeitlang denen von Athen und Alexandrien gleichstanden, wird Saulus in die formale und humanistische Bildung, in die Poeten und Philosophen, die Sprache und Dialektik der Hellenen eingeweiht sein. Zu Jerusalem hat er zu Gamaliels Füßen mit solchem Fleiße das väterliche Gesetz studiert, dass er über alle seine Altersgenossen hervorragte. Eben dort hat er neben der gelehrten Beschäftigung ein praktisches Handwerk getrieben. Sein Studium ist eine dreifache Schnur: Studium menschlicher Wissenschaft, göttlicher Offenbarung, praktischer Lebenstätigkeit. Das alles hat, wie wir wissen und was ich im Einzelnen nachzuweisen hier nicht nötig habe, das alles hat hernachmals eine große Bedeutung für seine Predigt bekommen. Aber das alles hat ihn nicht zum Prediger des Evangeliums gebildet. Das hat der lebendige Lichtstrahl vor Damaskus getan, durch den der Vater seinen Sohn in ihm offenbarte, seinen Sohn in ihm geboren werden ließ. Nachdem dieser sein Leben und sein Herrscher geworden war, hat er nicht bloß seine gelehrte Kenntnis des Gotteswortes und seine praktische Handwerksbefähigung, sondern, wie schon Photinus anmerkt, auch die hellenistischen Phrasen und Floskeln unter dem Gehorsam Christi gefangen genommen.

Nach der Vorschule und der Hauptschule kam Saulus noch in eine Nachschule, in welcher seine neue Persönlichkeit, in der auch der Prediger Paulus schon enthalten war, reisen sollte. Denn grade an Saulus war ja deutlich offenbar geworden, in welche Abgründe ein ehrliches Eifern führen kann, wenn es mit Unverstand geschieht. Da der Neophyt in Damaskus und Jerusalem mit Feuer zu predigen begann, schickte ihn sein großer Lehrmeister zuvörderst in die Einsamkeit nach Arabien und Tarsus, damit der gärende Most sich klärte. Als es Zeit war, wusste der, welcher das Licht angezündet und zugedeckt hatte, das Licht auch unter dem Scheffel hervorzuholen und auf den Leuchter zu stellen. Paulus aber hat hernachmals den Timotheus angewiesen, keinen Neuling, keinen Neophyten zum Hirten der Herde zu bestellen, damit er sich nicht aufblähe. (1. Tim. 3, 6.) Denselben Timotheus hat er gelehrt, auch im Jünglingsalter christliche Reise zu offenbaren, damit durch seine Schuld niemand seine Jugend verachte. (1. Tim. 4, 12.)

Das ist die Vorbildung Pauli. Seine Fortbildung ist ganz ähnlich. Fort und fort neue Vertiefung in den persönlichen Urborn des Lebens; dazu Studium menschlicher und göttlicher Wissenschaften, fortgesetzt bis in sein Alter, wie die Bücher und das Pergament beweisen, die Timotheus ihm zurückschicken soll. Und dass er bei Aquila und Priscilla in eine Handwerksstätte kam, hat seiner praktischen Predigerbegabung nur gedient. Auch die Stille hat in dem vielbewegten hin- und hergerissenen Leben nicht gefehlt.

Von Troas nach Assos wollte er ganz allein und zu Fuß reisen; auch seine liebsten Freunde ließ er den Weg zu Schiffe machen. (Apostg. 20, 13.)

Über diese normale Vorbildung und Fortbildung zum Prediger nach allen ihren Momenten, wäre wohl manches für uns Beherzigenswerte anzumerken. Ich muss das aber der nachfolgenden Besprechung überlassen, um nicht zu lang zu werden.

Wir fragen weiter:

Was ist das Wesen der paulinischen Predigt?

Erinnern Sie sich einen Augenblick an den alten Streit zwischen Orthodoxie und Pietismus, zwischen objektivem Kirchentum und subjektivem Christentum, der mit Speners Zeit weder begonnen noch geendet hat. Auf der einen Seite wird behauptet, die amtliche Verkündigung der objektiven Gotteswahrheit sei Wesen und Kraft des evangelischen Predigers; ob er persönlich das Wunder der Wiedergeburt erfahren habe, komme zunächst nicht in Betracht. Von der andern Seite sagt man: ohne Erfahrung am eignen Herzen sei die Verkündigung der Wahrheit ein totes Werk; das kein Leben schaffen könne. Je nachdem ein Geistlicher sich mehr zur Objektivität der Kirche oder zur Subjektivität des Pietismus hinneigt, wird er sich auch mehr auf diese oder jene Seite stellen. In Pauli Persönlichkeit und darum auch in Pauli Predigt hat sich Objektivität und Subjektivität zu einem harmonischen Ganzen verbunden. Er ist Prediger des Evangeliums nicht bloß, weil er sich von einem inneren Drang getrieben fühlt, sondern weil er von Gott durch Christum verordnet und berufen ist. Er predigt, weil er muss (1. Kor. 9, 16), weil ihm die objektiveste Nötigung aufliegt, weil Gott ihm das Amt des Neuen Testamentes gegeben hat, das Amt, das die Gerechtigkeit, die Versöhnung predigt. (2. Kor. 3, 9; 5, 18 usw.) Auf diesem objektiven Fundamente steht er bei jedem seiner Worte mit klarstem Bewusstsein, mit unwandelbarer Festigkeit, vor Freund und Feind, vor Gläubigen und Ungläubigen, vor Juden, Heiden und Christen.

Ferner. Was er in diesem Amte predigte, ist nicht etwa eine bloß subjektive Spiegelung des ewigen Lichtes, eine subjektive Auffassung der göttlichen Wahrheit, sondern die objektiv ihm gegebene Offenbarung, die so ausschließlich die Wahrheit ist, dass, wenn auch er selbst oder ein Engel vom Himmel ein anderes Evangelium predigte, verflucht wäre. Diese objektive, von der Anerkennung oder Nichtanerkennung des Subjektes ganz unabhängige Wahrheit pflanzt Paulus überall mit freudiger Energie als sein Siegespanier auf. Er erklärt es, wie überhaupt, so insbesondere vor den Korinthern als das Charakteristische seiner Predigt, dass er sich nicht unterwunden habe, der Botschaft vom Kreuze Christi erst durch seine Darstellungsart Kraft und Wirksamkeit zu verleihen, sondern dass es sein einziges, großes Ziel gewesen sei, die objektive Gotteswahrheit durch ihre eigene Kraft und Weisheit wirken zu lassen. Darum freut er sich, wie er den Philippern schreibt, als in Rom etliche Christum aus unlauteren Absichten verkündigten, doch darüber, dass Christus verkündigt wurde. Nur das gläubige Vertrauen auf die Selbstwirkung des objektiven Inhaltes der Predigt hat ihm, dessen äußere Erscheinung nichts Imponierendes hatte, dessen Rede verächtlich, dessen Dialekt ein unklassisches Hellenistisch war, den freudigen Mut geben und erhalten können, aus dem Winkel der Erde auf die Märkte jener Weltstädte hinzutreten, deren bezaubernde Humanitäts-Bildung noch heute nach 1800 Jahren leider zu häufig als Götze angebetet wird. Ich habe auf dem Areopag von Athen gestanden, um den, wie um einen Mittelpunkt, die höchste und edelste Herrlichkeit und Kunst aufgebaut war, welche die Welt gesehen hat. Es sind nur noch Trümmer, Stücklein der verdorrten Grasesblüte, aber auch die Trümmer überströmen den Geist mit stummer Verwunderung. Und an diesen Ort ward der Fremdling, der Jude, der Lotterbube, wie man ihn nannte, hingeschleppt, und inmitten solcher Herrlichkeit hat er seinen Mund aufgetan, um durch das bloße Wort über die klassische Welt zu siegen. Meine Brüder, angesichts der vollen Entfaltung der Weltmacht, Weltherrschaft und Weltweisheit vergeht einem gründlich alles Vertrauen auf die Macht der Subjektivität; da kann man wie damals so auch heute vor den Zeichen fordernden Juden und den nach Weisheit und Wissenschaft verlangenden Griechen nur dann fest und fröhlich bleiben, wenn man der objektiven Wahrheit Gottes vertraut und sie durch ihre eigne Kraft und Weisheit wirken lässt!

Vertraut! sagte ich. Das führt uns von selbst auf die subjektive Seite der paulinischen Predigt. Alles, was ihm objektiv gegeben ist, hat er zum Leben seines Subjektes gemacht. Das allerobjektivste, der absolute, in Christo geoffenbarte Gott, war das Centrum, wie die Peripherie seines neuen Ichs. Er predigt allerdings, weil er muss, aber dies muss ist bei ihm ein Gesetz der Freiheit, die objektive Nötigung ein subjektiver Gehorsams- und Liebes-Drang. Derselbe, welcher bekennt: „Ich muss das Evangelium predigen, und wehe mir, wenn ich es nicht täte!“ derselbe jubelt: „Die Liebe Christi dringt uns also!“ Denn sein Predigtamt auszurichten, war ihm Lust und Wonne und Leben. In seinem Amte war er in seinem Elemente.

Nicht anders verhält es sich mit dem Inhalte seiner Predigt. Er hat das ihm anvertraute Kleinod der objektiven Wahrheit durch den Heiligen Geist zu seinem vollen und freien Eigentum gemacht. Darum predigt er Christum, den Gekreuzigten, nicht bloß, weil dieser die Wahrheit an und für sich ist, sondern auch, weil Christus in ihm lebt, weil Christus sein Leben ist, weil Christus durch Gott in ihm geoffenbart ist (Gal. 1, 16), weil Gott, der da hieß das Licht aus der Finsternis hervorleuchten, einen hellen Schein in sein Herz gegeben hat, damit durch ihn entstünde die Erleuchtung von der Erkenntnis der Klarheit Gottes in dem Angesichte Jesu Christi. „Ich dürfte“, sagt er, nicht etwas reden, wo dasselbige Christus nicht durch mich wirkte“ (Röm. 15, 18.), oder um alle ähnlichen Ausdrücke in einen Satz zusammenzufassen: „Wir glauben, darum so reden wir auch!“ (2. Kor. 4, 13.) Es ist kein Wort in der Predigt Pauli, das aus seinem Subjekte entsprungen wäre und nicht objektiven Grund hätte; aber es ist auch kein Wort, was nicht in seinem Subjekte lebendig geworden ist. „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz und eine klingende Schelle!“ Darum wird die Predigt auch so häufig ein Bezeugen dessen genannt, was der Verkündigende gesehen, gehört, erfahren, erlebt hat. (Apostelg. 22, 15; 23, 11; 28, 23 usw.)

Achten wir noch genauer auf die Art der paulinischen Subjektivität. Das äußerlich ihm von Gott Gegebene, hat er in seinem ganzen Umfange und seiner ganzen Tiefe, soweit das überhaupt einem Erlösten in diesem Leben möglich ist, innerlich erfahren Aber er hat nicht alles, was er innerlich erfahren hat, öffentlich gepredigt. Er hat manches subjektive Erlebnis gehabt, das für ihn von der tiefsten Bedeutung, aber für die Öffentlichkeit zunächst nicht bestimmt war. Und solche Erfahrungen hat er trotz seines warmen, offenen, mitteilsamen, überwallenden Liebesherzens mit jungfräulicher Keuschheit in sich verschlossen bis zu der von Gott bestimmten Zeit. Vierzehn Jahre hat er von jener hohen, wunderbaren Entzückung geschwiegen, die er erst 2. Kor. 12 unter besonderen Umständen zu erzählen für gut fand. „Ich danke meinem Gott,“ schreibt er ein andermal den Korinthern, dass ich mehr mit Zungen rede, denn ihr alle,“ und das Zungenreden jener Zeit war ja gerade ein Ausfluss subjektivster individuellster Christen-Erfahrungen, „aber ich will in der Gemeinde lieber fünf Worte reden mit meinem Sinn, auf dass ich auch andere unterweise, denn sonst zehntausend Worte mit Zungen.“ (1. Kor. 14, 18. 19.)

Weiter. Jede Einseitigkeit ist der paulinischen Subjektivität fern. Dieselbe ist universeller Natur. Er verkündigt nicht etwa das vorzugsweise, was seinem Temperamente, seiner Auffassungsweise, seinem Ideenkreise nahe liegt oder verwandt ist, sondern den „ganzen Rat Gottes“. (Apostelg. 20, 27.) Er nennt es sein Amt, nicht eine vereinzelte Seite der Wahrheit zu predigen, sondern den gesamten, vollen, nicht auszuschöpfenden Reichtum Christi (Eph. 3, 8), die mannigfaltige Weisheit Gottes. (Eph. 3, 10.) Er will, um in einem seiner Bilder zu reden, nicht bloß immer Grund legen, sondern auf dem Grunde auch aufbauen und zwar nicht Holz und Heu und Stoppeln bloß subjektiver Entwicklung oder gar subjektiver Liebhabereien, sondern das unvergängliche Gold und Silber und Edelgestein göttlicher Wahrheit.

Es bedarf nicht erst meiner Auseinandersetzung, dass wir als Prediger nach einer Gott wohlgefälligen Vermählung christlicher Objektivität und Subjektivität zu ringen haben. Man hört heutiges Tages oft auch wohlmeinende Leute die Bemerkung machen, in unserer Zeit habe ein evangelischer Prediger nur so viel Bedeutung, als er sich durch seine Persönlichkeit selbst zu schaffen wisse; das Amt an und für sich verleihe ihm keine Geltung. Meine Brüder, wer unter uns zu einseitiger Subjektivität hinneigt, der gestatte solcher Rede nicht, wie er gern möchte, Eingang in sein Herz Sie ist ein schmeichlerischer Sirenengesang, insbesondere für die begabten Persönlichkeiten, die als solche etwas gelten. Unser Predigtamt ist objektiven Ursprungs. Am Amt müssen wir halten. Nicht bloß der apokryphische Sirach, auch das Vorbild Pauli mahnt uns: „In Widerwärtigkeit sei getrost und trotze auf dein Amt. Denn wer an seinem Amte verzagt, wer will dem helfen? Und wer will den bei Ehren erhalten, der sein Amt selbst unehrt?“ (Sir. 10, 31. 32.) Aber das Amt ist kein Handwerk, und ein Handwerk wird es für uns, wenn es nicht unser Lebenselement, unsere Heimat ist, darinnen es uns wohl wird, wie dem Fisch im Wasser. Wie die subjektive Berufung zur objektiven, so muss hinwieder die objektive Berufung zur subjektiven werden.

Es ist nicht die Frage, was Gott durch das gepredigte Wort ausrichten kann, auch wenn wir es nur handwerksmäßig aussäen; es ist die Frage, was Gott von uns fordert? Es ist die Frage: wann und wie wir das Amt eines evangelischen Predigers recht ausrichten? Dazu ist ein Doppeltes nötig. Erstlich: wir müssen der in der Bibel geoffenbarten Wahrheit unangetastet ihre Objektivität lassen; doch nicht so wie der Richter die Paragraphen des Gesetzbuchs gelten lässt, ob er damit übereinstimmt oder nicht, sondern so, dass wir sie als unsern Lebensquell in uns aufnehmen. Nicht unsere subjektive Erfahrung gibt der Wahrheit ihre Kraft. Als Heinrich VIII. von England seinem Hofnarren erzählte, er sei vom Papst zum Defensor fidei ernannt, rief der Narr: „Oho, guter Heinrich! Du und ich wir wollen uns gegenseitig verteidigen; aber den Glauben lass sich selbst verteidigen!“ Wir müssen mit aller unsrer Weisheit erst bis zu dieser Narrheit kommen, um weise zu werden.

Aber dann erst, und das ist das zweite, wird das Narrenwort ganze Weisheit, wenn wir die ewige Gotteswahrheit sich auch an unserm Herzen als Kraft Gottes und Weisheit Gottes beweisen lassen. Wir müssen mit einem Worte objektive Wahrheit reden, die zum Leben des Subjektes geworden ist, oder nach der das Subjekt doch, als nach dem vorgesteckten Ziele, mit lauterm Ernst ringet Das ist die rechte Predigt-Objektivität, der das subjektive Leben nicht fehlt; das ist die rechte Predigt-Subjektivität, deren Kern die Hingabe an die Objektivität des absoluten Gottes in seiner Offenbarung ist. Von dieser echten Subjektivität muss man die subjektive Einseitigkeit, die subjektiven Liebhabereien, Einfälle, Richtungen und Strömungen wohl unterscheiden. Wir haben nicht unsere Auffassung der Wahrheit, sei sie nun eine pietistische oder dogmatische oder welche immer zu predigen. Das wird Manier, Methodismus, Verknöcherung, Verkriechen in das Schneckenhaus unsrer armen, kranken, kleinen Individualität, in die wir uns eben so leicht und gern verrennen und verkriechen, als wir uns schwer und widerwillig herausziehen lassen.

„Meiner armen Schwester“, schrieb mir neulich ein preußischer Militär von körnigem Glauben und hohen Geistesgaben, „meiner armen Schwester ist das Wort Gottes ein Labsal und eine Arznei, aber es darf nicht in der Phrase auftreten: Ach, du süßer Herr Jesu! und noch weniger als bloße Lehre.“ Durch unsre subjektiv einseitige Behandlung oder vielmehr Misshandlung des Wortes Gottes haben wir den Spöttern oft Ursache zur Lästerung und den Widerwärtigen zur Klage über Langweiligkeit gegeben und dadurch die Wahrheit Gottes stinkend gemacht. Es ist sehr wohlfeil, sich dabei zu beruhigen, dass man das reine Wort verkündige. Durch unsre einseitige Auffassung und krüppelhafte oder blumige oder salbadernde Darstellung verdunkeln, ja verfälschen wir es mehr und öfter, als wir Wort haben wollen. Wir spannen gar zu häufig die Offenbarung Gottes auf das Prokrustes-Bette unserer christlichen Subjektivität, schneiden hier Glieder fort, wenn es auch nur durch Ignorierung geschieht, und dehnen andere bis zur Verzerrung aus.

Fragen wir weiter: Was ist die Form der paulinischen Predigt? so weiß ich keine bessere und kürzere Antwort, als diese: Sie ist das sichtbar gewordene Wesen seiner Predigt; sie ist der Leib, das Antlitz, aus dem der unsichtbare Geist seiner Predigt hervorleuchtet. Objektivität und Subjektivität stehen auch in der Form der paulinischen Predigt in organischer und darum harmonischer Einheit. Er will überall, wie er den Korinthern schreibt, die Sache selbst reden lassen und ihr nicht durch subjektive Beimischung menschlicher Weisheit und Kunst den objektiven und darum für alle Zeiten und Geschlechter kräftigen Charakter beeinträchtigen. Darin besteht die Objektivität seines Stiles. Aber er will die Sache zu jedem Volk, jeder Bildungsstufe, jeder nationalen oder religiösen Eigentümlichkeit reden lassen; daraus ist das Subjektive seiner Form erwachsen. Er selbst hat es mit einem Wort bezeichnet: „Recht zu teilen das Wort der Wahrheit!“ (2. Tim. 2, 15.) Die rettende Kraft ist für alle Adamskinder ein und dieselbe unteilbare Wahrheit; aber die irdische Vermittlung ist nach Gottes Ordnung für die verschiedenen Individualitäten eine verschiedene. Die objektive Gottesoffenbarung ist für Paulus unwandelbar; aber ihre Form, ihr Ausdruck, ihr Medium, durch welches er dieselbe dem Subjekte nahe bringt, ist nicht eine starre Methode, sondern nach den Verhältnissen wandelbar. Ich wünschte, schreibt er den sich gegen die Wahrheit und gegen ihn verschließenden Galatern, bei euch zu sein und meine Stimme zu wandeln, denn ich bin irre an euch, stehe ratlos vor euch, da ich nicht weiß, wie ich euch behandeln soll. Einst hatte er den Zugang zu ihrem Herzen gekannt. Die Galater hatten sich gewandelt; da möchte auch er die Stimme wandeln, den Ton annehmen, auf den sie noch am ehesten hören würden, in die Form die ewige Wahrheit kleiden, die ihnen verständlich ist. Siehe, in ein und demselben Briefe das Wort: Verflucht, wer ein anderes Evangelium predigt! und der Wunsch: O dass ich meine Stimme wandeln könnte! Dieser einzelne Wunsch ist nur ein Ausfluss des allgemeinen Grundsatzes: „Wiewohl ich frei bin von jedermann, habe ich mich doch jedermann zum Knechte gemacht, auf dass ich ihrer viele gewinne, d. h. für Jesum. Den Juden bin ich geworden als ein Jude, auf dass ich die Juden gewinne, und den Heiden bin ich geworden wie ein Heide, auf dass ich die Heiden gewinne; den Schwachen bin ich geworden als ein Schwacher, auf dass ich die Schwachen gewinne. Ich bin jedermann allerlei geworden, auf dass ich allenthalben ja etliche selig mache!“ Die Predigt Pauli in der Synagoge des pisidischen Antiochien und auf dem Areopag zu Athen sind eine lebendige Erläuterung dieser Worte. Eine genauere Vergleichung dieser beiden und noch anderer Predigten würde sehr lehrreich sein. Aber ich meine, hier nur das Prinzip, das alles gestaltende punctum saliens aussprechen zu sollen.

Diese heilige Kunst, die Stimme zu wandeln bei verwandelten Verhältnissen, mit den Juden wie ein Jude zu reden, mit den Heiden wie ein Heide, mit den Schwachen wie ein Schwacher, mit jedem wie es seine Individualität fordert, und in aller dieser Wandelbarkeit das Objekt unwandelbar festzuhalten, es in keiner Weise zu schwächen, zu fälschen, das ist die charakteristische Form der paulinischen Predigt. Welch ein Unterschied zwischen der paulinischen und weiland bunsenschen Übersetzung aus dem Semitischen ins Japhetitische! Paulus ist keine Wettersahne. Er steht felsenfest in der objektiven Wahrheit; er redet nicht, nach dem seinem Zeitalter die Ohren jücken; er redet, was selig macht, zur rechten Zeit und zur Unzeit, aber er redet es zu jedem in seiner Sprache, in seinem Dialekte, in seinem Accente! Was hat nun dieser Paulus uns über die Form unsrer Predigt zu sagen? Erstens und vor allem: Lass die Sache reden und nicht deine Redeblümlein und deinen säuselnden oder donnernden Pathos in Stil und Stimme. Mache das Wort Gottes nicht schöner, nicht süßer, nicht schärfer, nicht salziger, wähne auch nicht, dass es durch deine Verbrämungen oder die Schlaglichter, die du darauf fallen lässt, angenehmer und lichtvoller werde. Noch einmal: Lass die Sache reden! Das gibt dem Stil edle Objektivität, Keuschheit. Nur wessen Predigt-Sprache bewusst oder unbewusst von ihr sich beherrschen lässt, der ist geschickt, ohne Gefahr und zum Heile der Seelen seiner Predigt subjektive Lebendigkeit einzuhauchen. Wollen wirs leugnen, dass wir es schlecht verstehen, auch wenig darum beten und noch weniger im Schweiße des Angesichts daran arbeiten, dass wir die Stimme wandeln, wie sichs gebührt? Unser Stil ist sehr häufig zu methodistisch einseitig, unbeweglich, unlebendig, stagnierend, ganz ebenso wie unsre Subjektivität. Er sollte bezeugen, dass Christus für uns auch als Christus in uns Gestalt gewonnen und alle unsre Kräfte durchdrungen hat; dagegen dokumentiert er nur zu oft Mängel, verkehrte Einseitigkeiten, Verkrüppelungen, kranke Entfaltungen unsrer christlichen Persönlichkeit. Er sollte die großen Taten Gottes jedem in seiner Sprache verkündigen und verkündigt sie leider zu häufig immer nur in der eigenen Mundart, die anderen oft unverständlich, wenigstens ungewohnt, unheimatlich, zuweilen aber auch missverständlich, ja sogar unangenehm, widerwärtig tönt. Ein andermal kann die schöne, glänzende, blumige, klingende Mundart dem Ohre und der Eigentümlichkeit des Hörers schmeicheln. Im ersten Falle wird häufig nicht das Verkündigte, sondern die Sprache, worin es verkündigt wird, zurückgewiesen, im andern nicht das Verkündigte, sondern die Sprache geliebt und gesucht. Das ist auch des Nachdenkens wert. Eine kranke Dame, der ich ein Bibelwort ans Herz legte, antwortete mir einmal: „Das ist langweilig!“ „Das Wort Gottes langweilig?“ fragte ich. „Ach“, sagte sie rasch, „das Wort Gottes an sich ist nicht langweilig; aber es ist langweilig in Ihrem Munde!“ „Wir wissen es wohl,“ haben mir gar manche Laien am Rhein und an der Spree gesagt, dass ihr Geistlichen euch bei den Predigten anderer oft langweilt. Man siehts euren Gesichtern an.“ Konnte ich den Leuten sagen: „Ihr lügt!“ Und wenn wir die Predigten anderer Brüder nicht selten langweilig finden, sowohl wenn sie rechtgläubig sind, als wenn sie recht gläubig sind, warum sollen Gemeindeglieder nicht auch unsere Predigten langweilig finden? Ich weiß wohl, dass das Wort Gottes vielen auch ein Geruch des Todes zum Tode ist. Aber dadurch werden unsre Predigt-Mängel und Predigt-Sünden nicht aufgehoben.

Noch drei wichtige Fragen müssen wenigstens berührt werden: das Verhältnis, in welches sich der Prediger zu seiner eignen Predigt stellt, das Verhältnis des Predigers zu den Hörern, das Verhältnis des Predigers zu den Mitpredigern, zu den Kollegen.

Die erste Frage anlangend, erzählt Paulus 1. Kor. 9, 27: „Ich betäube meinen Leib und zähme ihn, auf dass ich nicht den andern predige und selbst verwerflich werde.“ Ich brauche darüber nicht viel zu sagen, denn dies Wort Pauli ist einer der schärfsten Nägel und Stacheln, die in das Gewissen eines Predigers hineingetrieben werden können. Wollen wir nicht ehrlich sein? Wenn unsre Hörer so wenig unsre Predigt zu Herzen nehmen, als wir selbst mitunter es tun, wie bald wird sie dann verschollen sein! Hat Paulus es für nötig gehalten, Paulus, der in der Heiligung reifte, Christ, über sich zu wachen, damit er, was er andern predigte, auf sich selbst anwendete, sollen wir denn dessen überhoben sein? Paulus, der als Prediger anderer, sein eigner Prediger sein wollte, hat ein Recht uns zuzurufen (Apostelg. 20, 28): „So habt nun acht auf euch selbst und auf die ganze Herde!“ Und abermals: „Habe acht auf dich selbst und die Lehre!“ (1. Tim. 4, 16.)

Ich komme zum Verhältnis des Predigers zu seinen Hörern, muss mich aber hier auf wenige, mir allerdings sehr wichtig scheinende Punkte beschränken. Eins ist schon in dem Vorhergehenden berührt. Paulus stützt sich den Gemeinden gegenüber auf sein Amt und geht doch als ein rechter Missionar jedem in freier Liebestätigkeit nach. Er will, wie er den Korinthern schreibt, nicht ein Zuchtmeister sein, sondern ein Vater, auch in seiner Predigt. (1. Kor. 4, 15.) Er hat nicht, woran er die Thessalonicher erinnert, die Rechte seines Apostelamtes eifersüchtig festgehalten, sondern wir sind mütterlich gewesen bei euch, gleichwie eine Amme ihrer Kinder pflegt.“ (1. Thess. 2, 7 ff.) Obwohl er das Amt hat, erhebt er sich nicht über die Hörer. Er will, wie er so oft sagt, von ihrem Gebete getragen sein (Eph. 6, 19; Kol. 4, 3; 1. Thess. 3, 1 usw.), stellt sich in ihre Mitte hinein als einer der Ihren „Mich verlangt,“ schreibt er den Römern, „euch zu sehen, auf dass ich euch mitteile etwas geistlicher Gabe, euch zu stärken, das ist, dass ich samt euch getröstet werde durch euren und meinen Glauben, den wir unter einander haben!“ (Röm. 1, 11. 12.) Ein anderer Punkt. Lesen wir die Briefe Pauli an die Römer, die Korinther, die Thessalonicher, so geht er davon aus, dass sie Christengemeinden sind, erkennt das, was sie haben, dankbar an, deckt dann erst die Schäden auf und bietet die Heilmittel an. Ich meine, darin ließen es viele Predigten fehlen. Wir strafen, ja wir schelten mitunter unverständig und schelten die, welche es nicht hören. Da sind schon die Nürnberger klüger, die keinen hängen, sie hätten ihn denn vor. Und wie kann man, die Abwesenden strafend, die Anwesenden gründen und bauen? Und wann gemeiniglich geraten wir in das Schelten hinein? Dann, wenn wir entweder von subjektiver Missstimmung und Erfahrung uns erhitzen lassen, oder wie mir einmal ein Bruder sagte wenn wir nicht studiert haben, studiert in meditatio, oratio, tentatio1). Grade so wie in jedem Lebensgebiete das Kritisieren gemeiniglich leichter ist und lieber getan wird, als das Aufbauen und der stille Hinweis auf den rechten Weg, so ists auch in der Predigt Da müssen wir auch von Paulo noch mehr lernen, die scheltenden Streiche in die Luft zu meiden, aber dafür ernst die Schäden der wirklich Hörenden aufzudecken und die Arznei daneben zustellen, und dazu Milch und Brot und Wein, davon der inwendige Mensch wächst. „Tausende“, sagt ein Sprichwort, „schneuzen die Lampe, aber wenige gießen Öl darauf.“ Lernen wir von Paulo, von Jesu Christo selbst, zuerst dem glimmenden Dochte Öl zuzuführen; das Reinigen wird dann leichter werden. Vielleicht stutzt mancher, wenn er daran erinnert wird, dass die paulinischen Worte, welche Luther mit strafen übersetzt, im griechischen Urtext παιδεύειν, ἐλέγχειν d. h. erziehen, überführen, überzeugen bedeuten. (2. Tim. 2, 25; 4, 2; 1. Tim. 5, 20; Tit. 1, 9 und 13; Tit. 2, 15.) Endlich noch die Kardinalfrage: Wie stellt Paulus als Prediger sich zu seinen Kollegen im Predigtamte? Die Hauptantwort scheint mir diese: Paulus, wiewohl der universellste Apostel, der mehr gearbeitet als sie alle, anerkennt in Demut und Klarheit, dass vielerlei Gaben, aber ein Geist, vielerlei Ämter, aber ein. Herr, und vielerlei Kräfte, aber ein Gott ist. Er vermisst sich nicht, dass er allein der Berufene, der Gesegnete sei; sondern was er in der Theorie 1. Kor. 12 und anderwärts ausführt, dem hat er in der Praxis nachgelebt. Er will nicht als großer und fruchtbringender Prediger gelobt, geliebt, anerkannt sein; er will, dass der Leib Christi gebaut werde. Dazu gehören viele Ämter und Arbeiter. Dazu gehört, dass jeder seine Gabe und seinen Beruf nicht durch ein Vergrößerungsglas und die des Nächsten nicht durch ein Verkleinerungsglas ansehe. Dazu gehört, um ohne Bild zu reden, ein demütiges und ein neidloses Auge. Aus gegenseitiger Anerkennung folgt friedliche Scheidung der Arbeit und doch gegenseitiges Zusammenarbeiten. Darum will Paulus nicht in ein fremdes Amt greifen, der Regel nach nicht da predigen, wo andere gepredigt haben. (Röm. 15, 20; 2. Kor. 10, 13 ff.) Aber die Scheidung ist nur eine solche, wie die der Glieder am Leibe, die ein zusammenhaltendes Herz und Haupt haben. Petrus und Paulus geben sich die rechte Hand; der Armen gedachten sie gegenseitig. Zum gegenseitigen Anerkennen und gegenseitigen Tragen muss, wo es nötig ist, auch nach Gal. 2 gegenseitiges Aussprechen kommen, aber unter Augen, nicht hinter dem Rücken. Und über dem allen muss immer das Bewusstsein stehen: 1. Kor. 3, 5-7 „Wer ist nun Paulus? wer ist Apollo? Diener sind sie, durch welche ihr seid gläubig geworden; und dasselbe, wie der Herr einem jeglichen gegeben hat. Ich habe gepflanzt, Apollo hat begossen, aber Gott hat das Gedeihen gegeben. So ist nun weder der da pflanzt, noch der da begießet etwas, sondern Gott, der das Gedeihen gibt!“

Ganz so wie die Stellung der Mitprediger untereinander, pflegt auch die der Hörer zu sein. Wo die Kollegialität gestört ist, da ist meist auch die Gemeinde der Hörer zerrissen. Da werden die einzelnen Prediger, wenn nicht Partei- und Sektenhäupter, so doch Häupter von einseitigen, sich gegenseitig misstrauisch ansehenden Kreisen. Es liegt tief in unserer alten Natur, dass einer sich gegen den andern gern um jemandes willen aufbläht. Aber es taugt nicht, und der echte Prediger des Evangeliums wirds mit demselben Ernste fliehen, wie Paulus. (1. Kor. 4, 6.) Lassen Prediger von einer Seite sich Lob streuen oder gar zu Faktionshäuptern machen, dann wachsen die Rotten.

„Wenn der Mond einen Hof hat, gibt es einen Klatsch!“ sagte einer meiner akademischen Lehrer, und wenn der eine der Prediger sich einen Hof macht oder machen lässt, dann gibts zum mindesten auch einen Klatsch!

Verehrte Brüder, die wir Kollegen sind und Kollegen haben, lassen wir 1. Kor. 1-4, 1. Kor. 12, Gal. 2 nicht umsonst in der Bibel stehen! Lasst Paulum reden. Ich will sehr gerne schweigen.

Und nun zum Schluss. Seid, sagt Paulus, meine Nachfolger, wie ich Christi! und anderswo: Liebe Brüder, seid doch wie ich, denn ich bin wie ihr! Das gilt, wie in Bezug auf die Gesamt-Persönlichkeit, auch in Bezug auf den Prediger. Die Gaben hat Gott verschieden ausgeteilt. Aber die Treue soll und kann dieselbe sein. Von Natur ist Paulus derselbe, die wir sind, auch in den Predigt-Mängeln. Durch die Gnade können wir dieselbe Treue erlangen, welche er als Prediger bewiesen hat. Gott hat auch die Sprache geschaffen. Christus, das lebendige Wort, kann noch immer in uns als das Wort der Worte Gestalt gewinnen. Der Geist lehrt uns fort und fort alle Dialekte, deren in unserer babylonischen Zeit so viele gesprochen werden und leider oft in derselben Gemeinde nicht nur, sondern in demselben Hause. Die Sprache Kanaans ist nicht die einzige Sprache. Es muss das Evangelium auch in der hellenistischen und humanistischen und materialistischen und industriellen, es muss in jeder Sprache verkündigt werden, aber das Evangelium! das heilige Evangelium vom Kreuze Christi! Bittet, so wird euch gegeben. Rudloff in seiner schottischen Kirchengeschichte erzählt von einem Geistlichen Robert Bruce. Die Hörer waren zum Gottesdienste versammelt. Bruce blieb aus. Man sandte den Kirchendiener zu seinem Hause. Der kam zurück und meldete: Bruce werde wohl nicht kommen; er habe ihn auf seinem Studierzimmer zu einem andern laut sagen hören: „Ich gehe nicht allein auf die Kanzel; du musst mit mir gehen!“ Der andere aber habe geschwiegen und Bruce nur desto lauter und lebendiger gerufen: „Wenn du nicht mit mir gehst, so gehe ich auch nicht!“

Meine Brüder, gehen wir nicht ohne Christum auf die Kanzel. Christus hat Paulum gelehrt; Christus kann auch uns lehren! Das walte Gott!

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Meditation, Gebet. Versuchung
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