Böhme, Jakob - Rezept gegen Versuchungen des Teufels

Böhme, Jakob - Rezept gegen Versuchungen des Teufels

Wenn er die arme Seele anficht, daß sie solle verzagen, soll man ihm (wenn er kommt) dies Rezept zu essen geben: der Teufel ist ein stolzer, hoffärtiger Geist, dem kann man nicht weher tun, daß er eher weiche, als daß man einen frischen Mut wider ihn fasse, ganz trotzig und zuversichtlich sich vor ihm nicht entsetze (denn er hat nicht eines Strohhalmes Gewalt).

Erstlich wenn der Teufel kommt, mitnichten mit ihm disputiert, wenn er das Sündenregister bringt und sieht seine Gewalt an, samt dem Zutritt zu dir: gib ihm erstlich darauf keine Antwort, sondern wenn er kommt und mit der Imagination an die Seele stößt, wirft dir böse Gedanken ein und deine Sünde vor und tut, wie er dich wolle im schrecklichen Anblicke wegführen, so fasse dir einen trotzigen Mut wider ihn.

Dieses Rezept ißt er gerne, es dient zu seiner Gesundheit. Will er nicht weichen, sondern liest das Sündenregister immer daher, so stehe vor ihm und sprich: Höre, lies das vorher: Des Weibes Samen soll der Schlange den Kopf zertreten; kannst du es nicht finden? Warte ein wenig, ich will ein Licht anzünden, daß du es findest: denn es steht voran in der Bibel, da Adam in die Sünde fiel, so schrieb Gottes Zorn zum ersten: denn des Weibes Samen soll dir den Kopf zertreten (1. Mose 3,15).

Ob er noch nicht weichen wollte und sagte: du seist ein großer Sünder, hättest vorsätzlich diese oder jene große Sünde begangen, auch wohl gewußt, daß es Unrecht sei, wolltest dich nun lange mit Gottes Gnade beschönen, da doch Gottes Zorn allbereits in dir entzündet und du jetzt nun des Teufels seist. Also kommt‘s der armen Seelen von Teufels Vorhaltungen ein, daß sie sich fürchtet und denkt: du bist ein großer Sünder, Gott hat dich verlassen wegen deiner Sünden: jetzt wird dich der Teufel hier stürzen und den Garaus machen, daß sie anhebt, sich vor ihm zu entsetzen.

Wenn er nun also kommt, fasse dir abermals einen Mut aus Christo wider ihn, sprich: ich habe noch was für dich, Teufel, daß du kannst wieder ein Engel werden, nimm's ein und sprich: Das Blut Jesu Christi macht uns rein von allen unseren Sünden (1. Joh. 1, 7). Des Menschen Sohn ist gekommen zu suchen und selig zu machen, was verloren ist (Matth. 18,11).

Was gäbst du Teufel darum, daß Gott in dir wäre Mensch geworden? Ich habe immerdar eine offene Gnadentür, du aber nicht, du bist nur ein Lügner; packe dich weg, du hast nichts an mir. Bin ich gleich ein Sünder, so bist du schuld daran: du hast die Sünde durch deinen Trug in mir gewirkt, nun nimm das deine. Die Sünde ist dein, das Leiden und Sterben (unseres Herrn) Jesu Christi ist mein; der ist darum ein Mensch geworden, daß er uns von Sünden erretten will. Du hast die Sünde in mir gewirkt, die behalte dir, und mein Herr Jesus Christus hat die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, in mir gewirkt, die behalte ich mir. Sein Leiden und Sterben für die Sünde ist mein. Er ist für meine Sünde gestorben, die ich getan habe, und ist in seiner Gerechtigkeit auferstanden und hat meine Seele in seine Genugtuung gefaßt; Christus ist in mir und ich bin in ihm, und meine Sünde ist in dir, und du bist in der Hölle.

Nicht laß die Sinnen mit ihm disputieren, entsetze dich auch ja nichts vor ihm, mache dich nur verwegen, es sei bei Tag oder Nacht, er darf dir nichts tun, wenn du ihn aufs greulichste spottest, so er Ursache gibt; sonst spotte ihn nicht. Kommt er nicht mit einem Schrecken der Furcht, so ist er nicht da, sondern es ist der Seelen Entsetzung vor dem dunklen Abgrund, die entsetzt sich vor Gottes Zorn: sie denkt oft, wenn die melancholische Komplexion mit der Grimmigkeit des Gestirnes angesteckt wird, der Teufel sei da, ist aber nicht. Wenn er kommt, so kommt er entweder mit hartem Schrecken oder als ein Engel, also freundlich wie ein schmeichelndes Hündlein.

Kommt er im Finstern und du im finstern Ort bist und erschreckt dich, so weiche ihm nicht von der Stätte, fliehe nicht vor ihm, er ist dessen nicht wert, daß ihm ein Mensch weiche.

Keinerlei Disput laß dein Gemüt mit ihm halten, er ist des nicht wert, bilde dir nur das eine Sprüchlein ein, du hast genug daran, bedarfst keines Trostes mehr im Schrecken: das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von allen unsern Sünden (1. Joh. 1, 7). Darein wickle alle Sinnen, laß keine andere aus dir gehen: der Teufel schiebe dir durch seine Vorhaltungen ein, was er will; denke doch, es sind Lügen - alles was der Teufel sagt. Aber der Spruch ist wahr, halt den Spruch für dein, laß ihn einschieben, was er will. Suche auf den Schreckensfall nicht viel Sprüche, er ist dir zu listig, er reißt den ersten und besten aus deinem Herzen, daß du ihn vergißt oder daran zweifelst. Wickle nur die Seele in den einen, er ist ihm zum Widerstand stark genug, magst (so du deine Seele darein wickelst) seiner wohl spotten; er kann dich nicht rühren, wird auch nicht lange warten. So du ihm nur nicht weichst, so ist er vor seinen anderen Dienern am Menschen zum Spott geworden, auch vor den heiligen Engeln: da flieht er vor allen Dingen ehe du sein spottest.

Repetiere den Spruch, fasse ihn ins Herz und schöpfe dir einen trotzigen Mut wider ihn; der Geist, der in dem Spruch steckt, wird dir wohl beistehen. Ob die Seele vor ihm zittert, so stehe im Grimm wider ihn, als ob du das Leben verwegest, dir widerfährt nichts. Er darf keine Macht anlegen, hat auch keine; weil der Mensch in dieser Zeit lebt, darf er ihm nichts tun. Denn Christus hat die Gnadentür aufgetan, die steht dem armen Sünder offen, solange er auf Erden lebt; dieselbe Gnadentür ist in des Menschen Seele offen. Gott hat sie keinem versperrt als dem, der selber nicht will: das Zeichen seiner Eingehung in die Menschheit ist allen Seelen offenbar; das wird auch ein Zeugnis über den Gottlosen sein am Tage des Gerichts, daß er's verachtet hat. Ob auch unsere Sünde blutrot wäre (wie Jesaja sagt), steht ihm die Gnadentür noch offen: denn wenn er sich bekehrt, soll sie schneeweiß wie Wolle werden. Weiter sagt Jesaja Kap. 49, 15-16: Kann auch eine Mutter ihres Kindes vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie des vergäße, will ich doch dein nicht vergessen: denn siehe, in meine Hände habe ich dich gezeichnet, nämlich in seine mit den Nägeln durchgrabenen Hände und in seine hohle Seite hat er die Seele aller Seelen gezeichnet.

Daß sie aber nicht alle wollen, ist ihre Schuld, sie haben freien Willen. Gott will, daß allen Menschen geholfen werde; und Psalm 5,5: Du bist nicht ein Gott, der das Böse will. Hes. 33, 11: So wahr ich lebe (spricht der Herr), ich will nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe.

Darum soll keine Seele denken, mein Sündenmaß ist voll; Gott hat mein vergessen, ich kann nicht selig werden: nein, er hat ihn in seine Hände, in die Nägelmale, eingezeichnet, er ist ein Ästlein am großen Baume aller Seelen und inqualiert mit allen gleich, wie die Äste mit dem Baume. Weil er in dieser Welt lebt, steht er im Baume, solange die Seele mit Fleisch und Blut bekleidet ist.

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