Bickell, Gustav - Ps. 42-43 (41-42)
Heimweh eines Verbannten nach dem Hause Gottes.
Wie der Hirsch nach Wasserbächen,
Sehnt zu Gott sich meine Seele.
Zum lebend'gen Gott lechzt meine Seele.
Wann doch werd' ich kommen, Gottes Antlitz schauen?
Tränen sind mir Speise Tag und Nachtgeworden,
Da man mich den ganzen Tag fragt:
Sag', wo ist dein Gott nun?
Schmerzgebeugt denkt meine Seele,
Wie ich einst mit Scharen wallte,
Feiernd Volk zum Hause Gottes führte,
Bei der Dankesjubellieder lautem Schalle.
Doch warum gedrückt und klagend, meine Seele?
Harr' auf Gott, noch werd' ich danken
Meines Angesichts Heil!
Dein bei Seelenleid gedenk' ich
In dem Land des Jordans, Hermons.
Wasserfälle tosen, Flut der Flut ruft;
Über mich geht aller Deiner Wogen Brandung.
Einst wird Seiner Gnade Tag Jehova senden,
Dass ich Nachts Ihm Lobpreis singe,
Der mein Gott, mein Leben.
Gott, mein Fels, warum, vergessen,
Schleich', vom Feind bedrückt, ich trauernd?
Mein Gebein zermalmt der Hohn der Dränger,
Die mich fragen immerfort: wo ist dein Gott nun?
Doch warum gedrückt und klagend, meine Seele?
Harr' auf Gott, noch werd' ich danken
Meines Angesichts Heil!
Schaff' mir Recht, o Gott, und führe
Meinen Streit mit hartem Volke!
Denn warum verwirfst Du mich, mein Schützer,
Muss ich trauernd schleichen unter Feindes Drucke?
Rette mich vom Mann der Arglist und des Frevels;
Schick' Dein Licht und Deine Wahrheit,
Dass sie mich geleiten!
So gebracht zu Deiner Wohnung
Und zu Deinem heil'gen Berge,
Werd' ich dem Altar Jehovas nahen,
Ihm, der jubelfroh mich macht, zur Zither danken.
Ja, warum gedrückt und klagend, meine Seele?
Harr' auf Gott, noch werd' ich danken
Meines Angesichts Heil!