Arndt, Friedrich - 24. Andachten zu Jeremia

Arndt, Friedrich - 24. Andachten zu Jeremia

Jer. 17,9-14.

Mein Herz, du rühmst dich des Ewigen, und ist doch wohl nur Irdisches in dir? Steige tiefer hinab. Ist deine Stille auch eine wahre Stille? Gedenkst du des Sabbaths, ihn stündlich zu heiligen? Oder wirken deine Leidenschaften unter dem Schlummer der Trägheit ihr Werk, und nur deine Schwachheit hindert sie, in Flammen auszubrechen? Hält vielleicht eine Sünde die andere im Zaum? – Du bist mäßig aus Geiz? edel, weil du eitel bist? liebreich aus Absichten? thätig aus Ruhmsucht? herrschest streng über Andere, schlaff über dich selbst? – Stehst du ganz im Dienste deines Herrn, und liebst den über Alles, der dich mit seinem Blute geliebt hat? Wie wäre es, wenn du für Ihn sterben sollst? oder Ihm zu Ehren wider deine Neigung leben? Bist du ganz frei von dir, daß du in vollem Ernst sagen kannst. Dein Wille geschehe? – Gestehe es nur, du hast noch gar nicht recht angefangen, dich selbst zu verleugnen, und gibst nur einen Willen dran, um einen andern zu erkaufen. Dich bändigt nicht deine Tugend, sondern dein Schicksal. Deine Natur ist etwa so glücklich, stumpf zu sein für einen Reiz, den du an deinem Nächsten richtest. Für Wollust begnügst du dich mit Tändelei; du marktest mit deinen Begierden, und dünkst dir ein Heiliger, wenn du ihnen einen Groschen abgedungen hast. Manchmal fällst du schrecklich hinein, und willst dich glauben machen, das habe ein Anderer gethan. Gift und Schwefel fährt aus deinem Munde, wenn dein Ich mit eine Nadel berührt wird; aber das Lob ist dir linde wie Oel. Wenn du für das Recht streitest, so ist’s nicht das Recht, sondern der Streit, was dir anliegt. Deinen Sinn zu verfechten, das dünkt dich eine Heldenschaft. Opferst du ihn aber auf, was gilt’s, es steht ein Schreckbild hinter der Hecke, das du zu sühnen meinst, wenn du sprichst: Ich thue es gern. Hilfst du, so hoffst du Hülfe; leihest du, so locken dich die Zinsen. Wenn du liebst, so liebst du dich selbst, und willst nicht deinen Gegenstand, sondern dich beglücken. Bist du nicht der ewige Götze deines Dienstes? Trauerst du um etwas Anderes, als um deinen Verlust? Möchtest du doch reich sein, um wohlzuthun, nämlich daß der Arme dir viel zu danken hätte; und bist du reich, so machst du dich selber arm, denn du sorgst für den morgenden Tag. Du hast die Erde noch lange nicht aufgegeben wie ein Todtkranker, und der Himmel, der dir angeboten ist, liegt dir noch fern im Raum, wie das Gericht in der Zeit. Sogar finden sich Flecken ganz kindischer Gefallsucht an dir; und du schämst dich nur, wenn sie dich nicht den Allervortrefflichsten heißen. Macht dir auch eine Sünde so heiß, wie ein dummer Streich in der Gesellschaft? Sind also die Leute die Götter, und Gott weniger als ein Mensch? Du richtest deine Schuldigkeit aus, um dich bei dir selbst zu benedeien; erließe man’s dir aber, so wäre dir’s eben recht. Hast du je des Andern Kreuz getragen? Oder ist dein eigenes dir süß geworden? Hast du Gott gedankt, wenn Er dich äußerlich gebunden hat, um dich innerlich frei zu machen? Hast du dann recht gejauchzt, als du merktest, der schönste der Siege sei die Selbstüberwindung? – Hast du es schon in Gedanken versucht, für Feinde dein Leben zu lassen? Hast du auch schon versucht, deines Dieners Diener zu sein, was doch die Heiden thaten; und hast du Füße gewaschen, ohne daß es Jerusalem wußte? – Kannst du besser ausüben, als predigen, und liebst du vielleicht nur unter Rednern zu sein, und nicht unter Thätern? – Ergrimmst du auch fein über den Strafprediger in dir, und schlägst ihm auf’s Maul, daß er dir Ruhe lasse, die noch schlimmer ist als er? – Kostet dich’s gar keinen Kampf, dich zu überzeugen, daß du ein sündig Ding und ein Nichts bist; und weißt dich auch Nichts damit, dieses zu wissen und zu bekennen? – Siehe, kannst du dir selbst auf Tausend nicht Eins antworten: wir denn dem Allwissenden? und hat Jeremias nicht Recht, wenn er sagt: „Das Herz ist ein trotzig und verzagt Ding, wer kann es ergründen?“ - - Was soll ich aber thun, sprichst du, da ich sehe, daß ich so unergründlich schlecht bin?“ – Geh’, und wasche dich täglich dreimal im Blute der Erlösung, und siebenmal im Jordan des Geistes, so wirst du rein werden. Thue Buße und laß es dir ein Fest sein, besser zu werden, so wirst du besser werden. Wisse auch, daß wie du bist, so sind Andere, und Andere wie du, und habe Mitleid mit dem Fleisch, das wir alle zusammen gemein haben. Denn Gott, welcher größer ist als du, mein Herz, hat Mitleid mit uns Allen.

Herr, wie weit bin ich noch davon entfernt, ein wahrer Christ zu sein! Bedecke, was ich gelebt habe; regiere meine Zukunft und mache Du selbst mein Leben zu einem Advent für die Ewigkeit. Amen.

Jer. 31,1-14.

Ach, Du holdseligster, freundlicher Gottessohn, Jesu Christe, der Du so große Verheißungen Deinem Volke gegeben und in der Fülle der Zeit erfüllt hast, Dir sei ewig Lob und Dank für Deine segensreiche Menschwerdung und für Deine große Liebe, daß Du unser Fleisch und Blut an Dich genommen und uns Alle so hoch geehret hast, daß wir durch Dich sind Gottes Kinder und Gottes Geschlecht worden. Du großer König, wie hast Du Dir vermählt die niedrige, schwache, armselige, menschliche Natur! Du hast menschlichen Leib und Seele an Dich genommen, auf daß Du uns an Leib und Seele hülfest und selig machtest. Die menschliche Natur war ganz verderbt durch die Sünde: siehe, wie ist sie in Dir so hoch gereinigt und geheiligt! Sie war verflucht: siehe, wie ist sie in Dir so hoch gesegnet! Sie war von Gott abgerissen: siehe, wie ist sie in Dir so innig mit Gott vereinigt! Sie war unter dem Zorne Gottes: wie ist sie in Dir so hoch geliebet! Ach, wie kann nun Gott mit uns zürnen, wie kann Er unser Feind sein, wie kann Er uns verderben? Durch die Menschwerdung seines lieben Sohnes hat Gott mit uns ein ewiges Bündniß gemacht, eine ewige Freundschaft, ewige Liebe gestiftet; eine ewige Vereinigung, ewige Versöhnung, ewige Kindschaft, Brüderschaft, Frieden. – Auf daß wir leben möchten, ist das Leben selbst zu uns herniedergestiegen. Auf daß wir erleuchtet würden, ist das Licht selbst in unsere Finsterniß gekommen. Auf daß wir Trost hätten in unserm Elende, ist der Brunn alles Trostes vom Himmel in diese Jammerthal geflossen. Auf daß wir Gottes Kinder würden, ist Gottes Sohn Mensch worden. Wie lieblich bist Du mit Deiner Gegenwart und Gemeinschaft, wie holdselig, wie freundlich in Deiner Rede, Du schönster unter den Menschenkindern! Ach, mein Freund, komm zu mir in mein Herz; mein Bruder, verschmähe mich nicht; Du Liebhaber meiner Seele, weiche nicht von mir, schließ’ mich in Dein Herz und behalte mich ewig darin. – Meine Liebe ist Mensch geworden, meine Liebe ist gekreuzigt und für mich gestorben, auf daß sein Leben und Tod mich seiner Liebe versichere, mich mit Ihm vereinige, daß ich in seiner Liebe lebe und sterbe, Ruhe, Friede, Trost, Sicherheit und ewige Seligkeit haben möge. Amen.

Jer. 31,15-34.

Lieber Heiland, Du barmherziger Hoherpriester unserer Seelen und König der ganzen Welt, wir danken Dir für diese großen Zusagen und ihre Erfüllung, für Deine heilige Empfängniß, Geburt, Leben, Leiden und Sterben, dadurch Du uns ewiges Heil erworben hast; wir danken Dir für Deine glorreiche Auferstehung und Himmelfahrt, für Dein Sitzen zur Rechten Gottes, dadurch Du uns den Zugang zum Vater eröffnet und den neuen geistlichen Bund mit dem Hause Israel und Juda gemacht hast, Dein Gesetz in unser Herz gibst und in unsern Sinn schreibst, unsere Missethat uns vergibst und unserer Sünde nicht mehr gedenken willst. O laß doch alle Deine Liebesabsichten an uns armen Sündern erreicht werden, schreibe Deinen heiligen Jesusnamen tief in unsere Seelen, daß er mit seiner ganzen Wesenskraft darin bleibe ewiglich. In diesem Namen ist allein das Heil, und ist uns kein anderer Name gegeben, darin wir sollen selig werden. Laß uns doch recht tief erkennen, daß Du allein unser Seligmacher bist, unser Immanuel, Wunderbar, Rath, Kraft, Held, Ewigvater, Friedefürst. Bewahre uns, daß uns nichts lieber sei als Deine Liebe, und laß uns in Dir Ruhe finden für unsere Seelen. Erquicke uns durch die reichen Tröstungen Deines Heils, schreibe Dein Gesetz in unser Herz und in unsere Sinne, und laß Deine ewige Gottheit mächtig in uns wirken. Du bist ja der heilige Christ, der Messias, auf den alle Väter hofften, der ewige Prophet, Hohepriester und König der ganzen Menschheit. Dein Wort macht ein Heer von verlornen Sündern zu frohen Lichteskindern. Dein heiliges Opfer ist die Versöhnung für unsere und der ganzen Welt Sünde, und Deine königliche Herrlichkeit kann unser ganzes Leben regieren und gegen alle Feinde beschirmen. Laß uns auch in dieser Nacht erfahren, wie freundlich Du bist, wie reich über alle, die Dich anrufen, bewahre uns vor allen Gefahren Leibes und der Seele und verherrliche an uns Deine mächtige Hülfe, der Du mit dem Vater in Einigkeit des h. Geistes lebest und regierest in Ewigkeit. Amen.

Jer. 33,6-16.

Du bist der Herr, der unsere Gerechtigkeit ist, Herr Jesu, von welchem der Prophet redet; Du hast die verheißene Erlösung zuwege gebracht; Du warst todt, aber Du lebst von Ewigkeit zu Ewigkeit, und Du wirst am allerfröhlichsten Morgen des letzten Tages die Erde, die auch Dein Grab war, zum Schauplatz der allgemeinen Auferstehung machen. Alles kommt darauf an, ob wir Dich in unserer Sterblichkeit anbeten können, wie Dich die Engel Gottes angebetet haben, als Du durch die Herrlichkeit des Vaters auferwecket warest, wie Dich Maria Magdalena anbetete, die erste unter allen Sterblichen, die vor ihrem lebendigen Heiland niederfiel. Aber sie war auch zuerst zu Deinem Grabe gekommen. Und Du, den sie durch ihre Thränen nicht sehen konnte, warst schon da und – nanntest sie mit Namen. O Jesu, was ist Deine Liebe! Wer kann trauern, wenn Du ihn freundlich mit Namen nennest! Wie ward Petrus durch Deine Auferstehung zu einer lebendigen Hoffnung wiedergeboren! Wie wurden Deine Jünger alle gläubig, als sie die Wahrheit und die kraft Deiner Auferstehung erkannten, als sie Deinen Friedensgruß hörten, und Deine Wunden, die nun nicht mehr bluteten, betrachten konnten! Das bekannte Thomas am heutigen Tage. Mein Herr, sprach er, und mein Gott! Und Du nahmst seine Anbetung an, und sagtest ihm: Jetzt glaubst du, da du mich gesehen hast. Aber mit unaussprechlicher Freundlichkeit setztest Du hinzu: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ O mein Herr und mein Gott, das Wort nehme ich für mich. Ach, ich kann Dich hier im Fleisch noch nicht sehen: oft verbergen meine Sünden Dein Angesicht vor mir, und o welche Finsterniß liegt oft auf dem Thal meines Lebens! Aber Du bist auferstanden; ich glaube an Dich: also ist meine Hoffnung nicht eitel; also bin ich nicht mehr in meinen Sünden, und wenn ich auch wie ein Thier vor Dir sein müßte, dennoch bleibe ich stets an Dir. Du wirst mich halten mit Deiner rechten, am Kreuz durchgrabenen Hand; Du wirst mich nach Deinem Rath leiten, und mich endlich zur Ehre Deines Namens annehmen. Amen.

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