Stöckicht, Wilhelm Damian - Ruth - XII. Der Ehebund mit Christo.
K. 4, 13 -22.
Ich bin Dein, sprich Du darauf Dein Amen,
Treuster Jesu, Du bist mein!
Drücke Deinen süßen Jesusnamen
Brennend mir ins Herz hinein!
Mit Dir Alles tun und Alles lassen,
In Dir leben und in Dir erblassen,
Das sei bis zur letzten Stund'
Unser Wandel, unser Bund. Amen!
So kommen wir denn heute zur Schlussbetrachtung. Die vor gelesenen Verse, welche das Büchlein Ruth schließen, geben uns Anleitung, auch auf den Schluss der christlichen Lebensentwicklung zu achten. Ende gut, Alles gut. Auch mit unserer Ruth macht es sich ganz gut. Ihr ernstes Streben erreicht das gewünschte Ziel. „Boas nahm die Ruth, dass sie sein Weib ward.“ Die Hochzeit wird gefeiert. Nun erst macht Boas eheliche Rechte geltend. Der Herr segnete ihre Verbindung, gab es, dass Ruth schwanger ward. Sie gebar einen Sohn. Das Kind knüpfte fester das Band ihrer Liebe. Glückwünschend sprachen die Weiber zu Bethlehem zur alten, nun Großmutter gewordenen Naemi: „Gelobt sei der Herr, der dir nicht hat abgehen lassen einen Erben zu dieser Zeit, dass sein Name in Israel genannt (gerühmt) werde.“ Nun stirbt, o Naemi, deines Mannes Geschlecht im heiligen Volke des Herrn nicht aus, nun bleibt es im irdischen Kanaan, dem Vorbilde des himmlischen, erhalten. Welche schönen Hoffnungen äußerten nicht die Glück wünschenden Weiber von diesem Kinde! Es wird ja wohl den Segen der Frömmigkeit seiner Eltern beerben, durch Jehovah, der segnet bis ins tausendste Glied. Dieser Enkel wird dich erquicken, altes Mütterchen, er wird dich aufrichten und im Alter versorgen; denn es ist Ruth, deine fromme Ruth, die ihn geboren hat, die auch, wenn sie keine Kinder hätte, dir besser wäre, als sieben Söhne. Also war Freude im Hause des Boas und in ganz Bethlehem über die Geburt dieses Kindes, und mit Recht; denn dieses Kind wurde, wie das Geschlechtsregister am Schluss unsres Büchleins dartut, der Vater Isais, des Vaters des Königs David, des frommen Psalmensängers, des Königs, unter dessen Herrschaft Israel seine Blüte erreichte, des Königs, dessen Stuhl nach der Verheißung ewig bestehen soll, aus dessen Geschlecht nach dem Fleische Jesus Christus abstammt, in welchem alle Völker gesegnet sind, Er, der Hochgelobte.
Ein einzig schönes Bild häuslichen Glücks enthält unser biblischer Abschnitt. Naemi nahm das Kind, legte es auf ihren Schoß, und ward seine Wärterin. Die alte Großmutter, sie hat in ihren alten Tagen noch einen Beruf bekommen, den sie gern erfüllte. Darum nannte sie das Kind Obed, d. h. „Diener“, um anzuzeigen, dass dasselbe der Naemi dienstwillig, kindlich die empfangenen Wohltaten der Naemi vergelten werde.
Zu dem Geschlechtsregister habe ich nichts weiter zu bemerken, als dass auch die Mutter des Perez eine geborene Heidin war, gleich der Ruth. Das Heil kommt zwar von den Juden, aber auch zu den Heiden.
Wir wollen unter der erbetenen Leitung des Heiligen Geistes auch diesen letzten Abschnitt unseres Büchleins anwenden auf das christliche Leben im Anschluss an die voranstehende Betrachtung. Hier sind wir hingewiesen auf das Ziel des christlichen Lebens. Die gläubige Hoffnung erlangt die Erfüllung in der Liebe des geliebten Heilands; die Verbindung der erlösten Seelen mit Christo, dem himmlischen Bräutigam, wird geschlossen; die volle Seligkeit, deren Erstlinge erst hienieden geschmeckt werden, wird nun ihr ewiges, unverlierbares Besitztum; denn der Ehebund mit Christo ist geschlossen.
Vom Geiste der Weissagung getragen, erheben wir uns über diese Endlichkeit hinan zu jener seligen Vollendung, und betrachten: die Hochzeit, die Fruchtbarkeit, den Wohlstand, die Häuslichkeit und das große Hauswesen droben.
Zuerst die Hochzeit. Boas nahm die Ruth. Jesus nimmt die Sünder an. Die ganze Gemeinschaft der bekehrten Sünder ist seine Braut, aber hienieden Braut erst. Meine Lieben! die unauflösliche Verbindung ist noch nicht geschlossen. Ehe ist mehr eine Freundschaft; sie ist leiblich geistige Verbindung zu einem Ganzen. Geistlich sind wir Jesu verbunden, und glauben gewiss, Er gibt nicht zu, dass irgendetwas uns Ihm entreiße und von Ihm scheide, aber leiblich, räumlich sind wir noch von Ihm, dem Verklärten, geschieden. Wir sehen Ihn noch nicht, wir sind noch nicht bei Ihm. Jesus hat die Hochzeit noch nicht gehalten, obwohl Er auf vielen Hochzeiten als erbetener Gast im Geiste gegenwärtig ist. Die Kirche Christi lebt mit allen ihren lebendigen Gliedern noch im Brautstand. Aber die Hochzeit wird kommen. Wenn erst die Auserwählten triumphieren werden über den Vollzug des Gerichts über alles gottlose Wesen, alsdann werden sie auch sich ermuntern: „Lasst uns freuen und fröhlich sein, und Ihm die Ehre, geben, denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und sein Weib hat sich bereitet.“ Das Gericht über den Widerchristen, unter dessen Panier sich alles Christo Feindliche gesammelt hat, ist dann vollzogen, das tausendjährige, geweissagte Friedensreich ist angebrochen, die Hochzeitsfeier wird gehalten, der Herr vermählt sich mit seiner Gemeinde; es findet das unbeschreiblich selige Ereignis statt, auf das schon der Bund Jehovas mit Israel dunkel geweissagt, auf das Jahrhunderte hindurch die Predigt des Evangeliums vorbereitet hat, auf welches rüstend der Apostel den Korinthern schrieb: „ich eifere um euch mit göttlichem Eifer, denn ich habe euch vertrauet einem Manne, dass ich eine reine Jungfrau Christo zubrächte.“ Zu dem Zwecke hat Christus sein Niedrigkeitsleben geführt und ist am Kreuze gestorben, auf dass Er die Ehehindernisse beseitigte, auf dass Er sich selbst darstellte eine Gemeine, die herrlich sei, die nicht habe Flecken oder Runzeln, oder des etwas, sondern dass sie heilig sei und unsträflich.“
Auch wir haben wir uns anders durch die Gnadenmittel würdig zubereiten lassen - werden alsdann bei dem Herrn sein allezeit, unzertrennlich mit Jesu vereinigt, in verklärten Leibern, auf Thronen sitzend, Kronen auf dem Haupte tragend. Doch Christus wird auch dann noch die Spuren seines blutigen Versöhnungstodes unvermischbar an sich tragen als Lamm Gottes in seiner Herrlichkeit, damit seine Wunden uns ewig daran erinnern, dass wir die Seligkeit allein seiner Gnade, seinem blutigen Tode verdanken.
Nichts, Geliebte! ist dieser zukünftigen Herrlichkeit vergleichbar. Auch die heiligste Ehe, die hienieden geführt wird, ist doch kaum ein schwaches Abbild jener himmlischen Vereinigung mit Jesu, und die schönste irdische Hochzeitsfeier nichts gegen jenes selige Fest, wo der Herr die Ruth, d. h. seine erkorenen Seelen, zu sich hinaufnimmt in den himmlischen Hochzeitssaal, wo alle Gläubigen hier und dort auferweckt in der ersten Auferstehung (selig ist, wer an dieser Teil hat!) um Ihn sich zusammenfinden. Ja dann wird die hohepriesterliche Bitte, welche Jesus in seiner Leidenszeit an den Vater gerichtet hat, ganz erfüllt sein: „Vater, ich will, dass wo ich bin, auch die seien, die du mir gegeben hast.“ O welche Aussichten! Was wartet unserer, wenn wir nur ausharren in bräutlicher Liebe, und an Jesu hangen bleiben im beständigen Glauben! Niemand soll uns jene Kronen rauben! Wir wollen uns bereiten, sehnsüchtig warten wir auf die Zukunft unseres Herrn Jesu Christi. Nur durchgekämpft, und gerungen, bald ist's erreicht. Nur noch ein Kleines, und die Hochzeit des Lammes ist gekommen.
Boas und Ruth erlangten in ihrer Ehe den verheißenen Segen. Ruth ward schwanger, und gebar einen Sohn. Ein Zweck menschlicher Ehe ist auch die Fortpflanzung des menschlichen Geschlechts. So war das Volk Israel berufen, das erwählte Volk Gottes fortzupflanzen. - Es versteht sich von selbst, dass solches auf die himmlische Verbindung mit Christo keine Anwendung findet. Im Himmel hört die leibliche Fortpflanzung auf. Die Leiber werden nicht mehr zeugen und gebären. Doch gibt's auch dort im geistlichen Sinne eine Fruchtbarkeit. Schon hienieden bringt die Verbindung des Herrn mit den Gläubigen geistliche Frucht. Es steht schlimm mit dem Menschen, der nicht gute Frucht bringt. Der unfruchtbare Baum ist unnütz, nur da zum Verbrennen. Der Glaube, der nicht in Werken, in der Liebe tätig ist, ist tot. Wir bringen freilich gute Früchte nicht aus eigenem Vermögen, sondern der Geist Gottes schafft sie in uns, wenn wir empfänglich den Samen des Wortes Gottes in uns aufnehmen. Kennt ihr diese Früchte? Es ist ihrer eine große Menge, sie heißen: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Sanftmut, Keuschheit, und es sind ihrer noch mehrere. Wir können höchstens es nur bedauern am Schlusse unseres Erdenlebens, dass wir nicht mehr Frucht gebracht haben. Welche Früchte wir jenseits etwa noch bringen werden - warten wir es ab. Das ist jedenfalls gewiss, dass die Frucht des Glaubens, die wir hier gebracht haben, dort nicht verloren sein wird. Selig sind die im Herrn sterben, sie ruhen von ihrer Arbeit, und ihre Werke folgen ihnen nach. Keine im Dienste des Herrn zur Ehre Gottes getane Arbeit wird vergeblich getan, keine Angst umsonst ausgestanden, kein Leiden umsonst geduldig ertragen, keine Träne der Buße vergeblich geweint, kein Werk der Wohltätigkeit, um Christi willen geübt, wäre es auch das allergeringste, wird unnütz sein. Vergeblich aber wird die Buße derer sein, welche dann erst beweinen, dass sie nicht Jesu gelebt, dass sie die Welt nicht verleugnet, dass sie nicht Früchte des Geistes gebracht haben, denn sie müssen ernten in ewigen Qualen die Frucht ihrer Fleischesaussaat. Drum lass mich, Jesu, reiche Saaten guter Taten einst begleiten vor den Thron der Ewigkeiten.
Unser biblischer Abschnitt lenkt auch unsern Hoffnungsblick auf den Wohlstand in der Ehe, von der wir reden. Ein gar schönes Familienbild ist hier gezeichnet. Boas war reich. Nun ist Ruth als seine Gattin auch nicht mehr arm. Sie braucht nicht mehr Ähren zu lesen hinter den Schnittern her, sie hat nun selbst daheim die Hülle und Fülle. Naemi braucht nicht mehr abzuwarten, was die Ruth als im Schweiße ihres Angesichts gesammelt Abends heimbringt. Die Not hat ein Ende, sie sitzen im Wohlstand und leben glücklich bei einander: die Eheleute, die Schwiegermutter und das Kind. Wie ganz anders, als früher! Zwar solange die Ruth Ähren lesend als Witwe auf den Acker des Boas kam, hatten sie auch keinen Mangel, im Gegenteil sie hatten mehr, als sie erarbeitet und verdient hatten, durch die Freundlichkeit des Boas; aber sie waren doch arm.
Ist das nicht ein Bild des christlichen Lebens? Hienieden dürfen wahre Christen auch nicht über Mangel klagen. Der gute Hirte versorgt seine Schafe. Er gibt uns viel mehr Gutes zu genießen, als wir verdienen. Wir haben in aller Not und Anfechtung an Ihm einen bereitwilligen, mächtigen Helfer und Erretter. Werfet nur alle eure Sorgen auf Ihn; Er erhört Gebete, Er macht reich in Gott. Und doch bei allem inneren Reichtum, bei aller Freudigkeit des Glaubens, bei aller Gewissheit unseres Versöhntseins bleiben wir hier arm, müssen auch viele Trübsale erleiden, und manche Träne weinen. Wir befinden uns noch nicht im bleibenden Wohlstand. Wir müssen immer wieder täglich gleich der Ruth Ähren lesen. Sobald wir nachlässig werden im Gebrauch der Gnadenmittel und träge im Gebet, sobald muss unser innerer Mensch darben, wohl gar verhungern. Bekanntlich geht es auch zuweilen den Frommen äußerlich recht elend, erbärmlich; in wie viel äußere Not und Gefahr geraten sie mitunter, wie kümmerlich müssen sie oft sich nähren, wie viele Schmerzen an ihrem Leibe, welche Verlassenheit auf dem Krankenbette erdulden! Das Brot, das sie essen, ist Tränenkost.
Auch das wird sich ändern, wenn jene herrliche Zeit kommt, in welcher das Äußere dem Innern entspricht, und unser im Herrn verborgenes Leben offenbar wird. Der Herr wird die Bettler zu Miterben erheben. Wir warten als die Verlangenden, die bei allem geistlichen Segen doch hienieden arm sind, auf diesen zukünftigen Wohlstand. In der ersehnten Vereinigung mit Christo hört die Armut auf. Wir werden überaus reich sein. Alles ist unser, denn wir sind Christi. Der Geist der Weissagung spricht: „Gott wird bei uns wohnen, wir werden sein Volk sein, und Er wird unser Gott sein. Gott wird abwischen alle Tränen von unseren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen werden mehr sein, denn das Erste ist vergangen.“ Christus Immanuel spricht von seinem Throne herab: „Siehe, ich mache Alles neu, ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst. Wer überwindet, der wird es Alles ererben.“ Welch' ein unaussprechlicher Wohlstand muss das sein! Noch ist er nicht erschienen, noch ist er der Gegenstand unserer Hoffnung, einer Hoffnung, die nicht zu Schanden wird. In der Erfüllung derselben wird uns sein als den Träumenden und ausbrechen werden wir in den Ausruf: „Das Alte ist vergangen, siehe, es ist Alles, Alles neu geworden.“
Unser Blick verweilt auch bei der Häuslichkeit des Boas und der Ruth, damit wir auch daraus anwendend einen Schluss ziehen auf das christliche Leben in seiner Vollendung. Schon früher lebten Ruth und Naemi zusammen, ja, ihr Zusammenleben bot uns ein schönes Bild christlicher Gemeinschaft. Jetzt leben sie auch noch zusammen, aber ein dritter bei ihnen, ein braver „Weidlicher“ Mann, nicht bloß vorübergehend als Gast, sondern beständig als Hausherr. Die beiden Frauen haben ihre ärmliche Hütte verlassen und sind zu Boas ins Haus gezogen. Naemi pflegt den kleinen Obed. Wie fein lieblich wohnen sie da beieinander! Gewiss, Christen haben auch in aller ihrer Armut ein liebliches Hauswesen. Der Herr Jesus ist ihr erbetener Gast. Auch in den christlichen Gemeinschaften geht es gar lieblich zu, wenn sie rechter Art sind. Darin hat der Geist der Eintracht und brüderlichen Liebe seine Stätte. Gewiss, gleichwie die brüderliche Liebe das Kennzeichen der Jüngerschaft Jesu ist, so ist auch die Gemeinschaft der Heiligen kein bloßes Gedankending, sie ist da. Und doch, dieses Hauswesen, wie es hienieden besteht, leidet an vielen Mängeln. Bald wollen dem andringenden Sturme des Sektengeistes die Gebälke dieser Hütte weichen und müssen gestützt werden, bald zeigen sich Holz, Heu und Stoppeln an diesem Bau vergänglich. Noch klebt auch den Heiligsten hienieden Schwachheit und Sünde an. Meine Lieben! dieses irdische Haus ist auch nicht unsere bleibende Stätte. Wann der Herr kommt, dann nimmt Er, der wahre Boas, uns - ja wir hoffen's, auch uns in sein Haus auf, darin ist es besser. Wir verlassen den sterblichen Leib, diese irdische Hütte und werden angezogen mit Unsterblichkeit. Wir vertauschen die unsichtbare Gemeinschaft der Heiligen hienieden mit der sichtbaren Gemeinde der Heiligen droben. Wir ziehen aus aus diesem Reiche der Sterblichkeit in die Heimat, um uns häuslich niederzulassen bei dem Hausherrn, bei Jesu. Dort wird kein Misston mehr die Harmonie der Gläubigen stören; sie singen ewig das Hallelujah. Dort wird kein Sturm mehr die Gemeinde Gottes erschüttern; dort waltet ewiger Friede.
Von der Häuslichkeit richtet sich unser Blick der Hoffnung sogleich auf das große Hauswesen. Klein fing das Hauswesen bei Ruth und Boas an. Nur ein Kind ist genannt, das ihnen geboren wurde, Obed. Aber Obed, ein Mann geworden, zeugte Isai, Isai hatte viele Söhne, namentlich den kleinen David. Der König David setzte sein Geschlecht auf dem jüdischen Throne fort bis zur Zeit, als unter der Regierung des Edomiters Herodes und unter der römischen Kaiserherrschaft das Zepter von Juda entwendet wurde und der wahre Same Davids, der ewige Priesterkönig Jesus sein Gnadenreich eingründete in dieser Welt. Der Stammbaum des Boas reicht zurück bis auf Abraham, der Vater der Gläubigen, in welchem alle Geschlechter der Erde gesegnet werden sollten und vorwärts bis auf den Messias, auf Gottes und Mariä Sohn, in dem alle Geschlechter der Erde gesegnet sind. Beschloss nicht die kleine Familie des Boas das Samenkorn eines großen Hauswesens in sich? Ja, dieses Hauswesen reicht über die Zeit des alten Bundes hinüber in den neuen Bund, und Alle, die Christo angehören, sind geistliche Kinder Abrahams, Nachkommen der Ruth, sie gehören auch diesem Hauswesen an.
Klein fing das Reich Gottes an auf der Erde, wie ein Senfkorn. Wie weit hat dieses Senfkorn schon seine Zweige ausgebreitet über Länder, Inseln und Meere! Klein ist auch die Herde Jesu, die Schar der Auserwählten, aber in ihr liegt das Samenkorn der großen Schar der Seligen, die Niemand zählen kann. Wie überaus groß und herrlich wird das Hauswesen unseres wahrhaftigen Boas im Himmel sein! Dort werden Alle offenbar werden, deren Leben hienieden verborgen in Gott war. Dort werden wir, nach dem schönen Ausspruch eines unserer Kirchenreformatoren, Manchen antreffen, den wir da nicht vermuteten, Manchen vermissen, den wir dort gewiss anzutreffen glaubten, am allermeisten aber uns darüber wundern, dass wir selbst dort sein dürfen. Dort werden alle Auserwählten sich um den Thron des Lammes zusammen finden aus allen Ländern und Zeiten: die aus den Juden und Heiden Wiedergebornen, Engel und Menschen. Wir werden als Christi Glieder ihre Mitgenossen sein im großen Vaterhause, in Neu - Jerusalem, der Stadt unseres Gottes, deren Tore von Edelsteinen, deren Mauern weiß wie der Jaspis und deren Gassen von lauterem Gelde sind. Kein Tempel ist darin, denn Neu-Jerusalem selbst ist der Tempel und die Herrlichkeit des dreieinigen Gottes fortwährend ihre Leuchte. Ihre Tore stehen allezeit offen, doch nichts Ges meines, kein Gräuel, kein Lügenwesen findet den Zugang. Unbegrenzte Fülle seligen Lebens geht wie ein Strom aus, klar wie Kristall von dem Throne Gottes und des Lammes, und die Seligen baden sich in diesem lebendigen Wasser. An diesem Paradiesesstrome grünet unvergänglich in ewigem Frühling der nun zugänglich gewordene Baum des Lebens mit reichen Früchten, deren Vorgeschmack hienieden den Heiden Genesungskraft und Heilung gab. Kein Bannfluch wird dort mehr vernommen, denn Sünd' und Schuld sind vergeben, hinausgetan. Dort lebt Obed, der Sohn Ruths, d. h. dort werden die Erlösten in Demut Gott und dem Lamme dienen, und ihr Dienst wird Herrschaft mit Christo sein.
O, möchten auch wir dahin kommen! Möchte der Herr in seiner unausdenklichen Erbarmung die Zeit der Herrlichkeit kommen lassen! Die Zeit ist nahe. Die ganze Entwicklung des Reiches Gottes und der Welt eilet ihr zu. Richtet in diese Zeit eure Hoffnung. Seid wachsam wie die klugen Jungfrauen. Der Herr ist im Anzug. Noch umgibt uns viel Nacht, der Tag aber wird kommen, der unvergängliche, nach dem sich das fromme Herz sehnt.
Jerusalem, du hochgebaute Stadt, wollt Gott, ich wär' in dir!
Mein sehnend Herz so groß Verlangen hat und ist nicht mehr bei mir.
Weit über Berg' und Tale, weit über blaches1) Feld
Schwingt es sich über alle und eilt aus dieser Welt.
Der solche Verheißung gibt, der solche Hoffnung ins Herz pflanzt, lässt sie nicht zu Schanden werden. Er ist treu, Er kann sich selbst nicht verleugnen. Er hat's ausdrücklich verkündigen lassen: ich komme bald.“ Der Geist der Propheten und die Braut, die verlangende Schar der Gläubigen, sprechen: Komm! und wer es hört, auch ihr, o tragt Verlangen nach der Vollendung, lasst uns beten: Ja komm, Herr Jesu. Amen.