Spurgeon, Charles Haddon - Der Heilige Geist in seiner Verbindung mit unserem Amt.

Spurgeon, Charles Haddon - Der Heilige Geist in seiner Verbindung mit unserem Amt.

Eröffnungsrede bei der Pastoral-Konferenz 1876.

Ich habe einen sehr wichtigen Gegenstand gewählt, und einen, über den es schwer wäre, etwas zu sagen, was nicht schon oft gesagt ist; aber vielleicht wird es gut sein, Altes hervorzubringen, und Sie daran zu erinnern. Unser Thema ist: „Der Heilige Geist in seiner Verbindung mit unserm Amte“, oder das Werk des Heiligen Geistes an uns selber, als Predigern des Evangeliums Jesu Christi.

„Ich glaube an den Heiligen Geist.“ Nachdem wir diese Worte als Glaubensbekenntnis ausgesprochen haben, können wir sie, hoffe ich, auch als andächtiges Selbstgespräch wiederholen, das persönliche Erfahrung uns auf die Lippen drängt. Für uns ist die Gegenwart und das Werk des Heiligen Geistes der Grund unserer Zuversicht auf die Weisheit und auf das Gelingen unsers Lebenswertes. Wenn wir nicht an den Heiligen Geist geglaubt hätten, so würden wir schon lange unser Amt niedergelegt haben; denn wer ist hierzu tüchtig?“ Unsre Hoffnung auf Erfolg und unsre Kraft zur Fortsetzung des Dienstes liegt in unserem Glauben, dass der Geist des HErrn auf uns ruht.

Ich will für jetzt annehmen, dass wir Alle uns der Existenz des Heiligen Geistes bewusst sind. Wir haben gesagt, dass wir an ihn glauben; aber in Wahrheit sind wir über den Glauben in dieser Sache hinausgeschritten und in die Region des Bewusstseins eingetreten. Es war eine Zeit, wo die Meisten von uns an die Existenz unserer jetzigen Freunde glaubten, denn wir hatten durch Hörensagen von ihnen vernommen, aber wir haben nun Einer den Andern gesehen und gehört und den Einfluss fröhlicher Gemeinschaft gefühlt, und deshalb glauben wir nicht sowohl jetzt, wir wissen. Ebenso haben wir die Einwirkung des Geistes Gottes auf unsre Herzen gefühlt, wir haben die Macht erkannt und wahrgenommen, welche Er über menschliche Seelen ausübt, und wir kennen ihn durch bewusste, persönliche Berührung. Durch die Empfindung unserer Seele werden wir uns ebenso sehr der Gegenwart des Geistes Gottes bewusst, wie wir die Existenz der Seelen unserer Mitmenschen durch ihre Einwirkungen auf unsere Seele wahrnehmen, oder wie wir des Daseins der Materie durch ihre Wirkung auf unsre Sinne vergewissert werden. Wir sind aus der trüben Sphäre des Psychischen und Physischen in den himmlischen Glanz der Geisterwelt erhoben und nehmen nun als geistliche Menschen geistliche Dinge wahr; wir fühlen die Kräfte, welche im Geisterreich die Oberherrschaft haben, und wir wissen, dass es einen Heiligen Geist gibt, denn wir fühlen, wie Er auf unsern Geist einwirkt. Wenn es sich nicht so verhielte, hätten wir sicherlich kein Recht, im Predigtamte der Kirche Christi zu stehen. Sollten wir auch nur wagen, in ihrer Mitgliedschaft zu verbleiben? Aber, meine Brüder, wir sind geistlich lebendig gemacht. Wir sind uns deutlich eines neuen Lebens bewusst, mit allem dem, was daraus hervorgeht: wir sind neue Kreaturen in Christo Jesu und weilen in einer neuen Welt. Wir sind erleuchtet worden und haben die Dinge geschaut, welche das Auge nicht gesehen hat; wir sind in eine Wahrheit geleitet, wie Fleisch und Blut sie nimmer hätte offenbaren können. Wir sind von dem Geist getröstet worden; sehr oft sind wir aus den Tiefen des Leides zu den Höhen der Freude von dem heiligen Tröster empor gehoben. Wir sind auch, bis zu einem gewissen Maße, von Ihm geheiligt worden; und wir sind uns bewusst, dass das Werk der Heiligung in verschiedenen Formen und Weisen in uns fortgesetzt wird. Deshalb, um all' dieser persönlichen Erfahrungen willen, wissen wir, dass es einen Heiligen Geist gibt, ebenso sicher, wie wir wissen, dass wir selber existieren.

Ich bin in Versuchung, hier länger zu weilen, denn der Punkt ist fernerer Beachtung wert. Die Ungläubigen fordern Zeichen. Die alte Geschäftslehre des Gradgrind1) ist in die Religion gedrungen und der Zweifler ruft: „Was ich verlange, sind Tatsachen.“ Dies sind unsere Tatsachen. Lassen Sie uns nicht vergessen, dieselben zu gebrauchen. Ein Skeptiker fordert mich mit der Bemerkung heraus, „ich kann meinen Glauben nicht an ein Buch oder eine Geschichte festhalten; ich verlange, wirkliche Tatsachen zu sehen.“ Meine Erwiderung ist: „Sie können diese nicht sehen, weil Ihre Augen dunkel sind; aber die Tatsachen sind darum nicht weniger da. Diejenigen von uns, welche Augen haben, sehen wunderbare Dinge, obgleich Sie es nicht tun.“ Wenn er meine Behauptung verlacht, bin ich durchaus nicht erstaunt. Ich erwartete das von ihm, und wäre sehr überrascht gewesen, wenn er es nicht getan; aber ich verlange Achtung vor meiner eigenen Stellung als ein Zeuge für Tatsachen, und ich wende mich an den Zweifler mit der Frage: „Welches Recht haben Sie, mein Zeugnis zu leugnen? Wenn ich ein Blinder wäre, und Sie mir sagten, Sie besäßen eine Fähigkeit, Sehen genannt, so wäre ich unvernünftig, wenn ich über Sie als einen eingebildeten Schwärmer spottete. - Alles, was Sie mit Recht uns sagen können ist, dass Sie nichts davon wissen; aber Sie sind nicht ermächtigt, uns Lügner oder Gimpel zu nennen. Sie mögen sich mit den alten Spöttern vereinigen und erklären, dass der geistliche Mensch rasend ist, aber das widerlegt seine Behauptung nicht.“ Brüder, für mich beweisen die Erscheinungen, welche von dem Geist Gottes hervorgebracht werden, die Wahrheit der christlichen Religion ebenso klar, wie nur je der Untergang Pharaos im Roten Meer, oder das Fallen des Mannas in der Wüste, oder das Wasser, welches aus dem Felsen floss, für Israel die Gegenwart Gottes in der Mitte seiner Stämme bewiesen haben kann.

Wir wollen nun zu dem Kern unserer Sache kommen. Für uns als Prediger ist der Heilige Geist durchaus notwendig. Ohne Ihn ist unser Amt ein bloßer Name. Wir beanspruchen kein Priestertum über und neben dem, was jedem Kinde Gottes gehört; aber wir sind die Nachfolger derer, die in alten Zeiten von Gott getrieben wurden, Sein Wort zu verkünden, gegen die Übertretung zu zeugen und Seine Sache zu verteidigen. Wenn der Geist nicht auf uns ruht, so ist der Mantel, den wir tragen, nichts als ein raues Gewand, um zu betrügen. Wir sollten mit Abscheu aus der menschlichen Gesellschaft gestoßen werden, weil wir es wagen, im Namen des HErrn zu sprechen, wenn der Geist Gottes nicht auf uns ruht. Wir glauben, Wortführer Jesu Christi zu sein, verordnet, Sein Zeugnis auf Erden fortzusetzen; aber auf Ihm und Seinem Zeugnis ruhte der Geist Gottes beständig, und wenn Er nicht auf uns ruht, so sind wir augenscheinlich nicht in die Welt gesandt, wie Er es war. Am Pfingstfest begann das große Werk der Bekehrung der Welt mit flammenden Zungen und einem Brausen als eines gewaltigen Windes: Symbole der Gegenwart des Geistes; wenn wir also meinen, es könne uns ohne den Geist gelingen, so sind wir nicht nach der Ordnung des Pfingstfestes. Wenn wir den Geist nicht haben, den Jesus verhieß, so können wir den Auftrag nicht erfüllen, den Jesus gab.

Ich brauche kaum irgendeinen Bruder hier vor der Täuschung zu warnen, als wenn wir den Geist so haben könnten, dass wir inspiriert würden. Doch tut es den Mitgliedern einer gewissen eigentümlichen Sekte Not, vor dieser Torheit gewarnt zu werden. Sie halten dafür, dass ihre Versammlungen unter dem Vorsitz des Heiligen Geistes seien. Wenn sie sich in ihre Zusammenfünfte begeben haben, so zweifle ich, ob sie mehr durch die unter himmlischem Vorsitz erzeugten Vorträge erbaut worden sind, als durch die gewöhnlicher Prediger des Wortes, die sich nur so unter dem Einfluss des Heiligen Geistes betrachten, wie ein Geist unter dem Einfluss eines andern Geistes oder ein Gemüt unter dem Einfluss eines andern Gemütes ist. Wir sind nicht die passiven Mitheiler der Unfehlbarkeit, sondern die ehrlichen Lehrer der Dinge, die wir gelernt, soweit wir fähig gewesen sind, sie zu erfassen. Da unser Geist tätig ist und eine persönliche Existenz hat, während der Geist Gottes auf ihn einwirkt, so werden unsere Schwachheiten ebenso wohl sichtbar wie Seine Weisheit; und während wir enthüllen, was Er uns hat wissen lassen, werden wir sehr gedemütigt durch die Furcht, dass unsere Unwissenheit und Irrtümer zu gleicher Zeit sich kund geben möchten, weil wir uns der göttlichen Macht nicht völliger unterworfen haben. Ich besorge nicht, dass Sie in der angedeuteten Richtung irre gehen werden gewiss, die Ergebnisse früherer Experimente werden nicht leicht weise Leute zu dieser Torheit verlocken.

Unsere erste Frage ist: Worin dürfen wir die Hilfe des Heiligen Geistes erwarten? Wenn wir über diesen Punkt gesprochen, wollen wir, sehr ernst, einen zweiten betrachten: Wodurch können wir diesen Beistand verlieren? Lassen Sie uns beten, dass mit Gottes Segen diese Betrachtung uns dazu helfen möge, ihn zu behalten. Worin dürfen wir die Hilfe des Heiligen Geistes erwarten? Ich möchte antworten: in sieben oder acht Dingen.

Zuerst: Er ist der Geist der Erkenntnis, „der wird euch in alle Wahrheit leiten.“

Wir haben es dringend nötig, zu studieren, denn der Lehrer Anderer muss selbst unterrichtet sein. Regelmäßig unvorbereitet auf die Kanzel kommen, ist eine unverzeihliche Anmaßung! Nichts kann uns und unser Amt gründlicher erniedrigen. Nach einer Visitationsrede des Bischofs von Lichfield über die Notwendigkeit ernsten Studiums der Schrift sagte ein gewisser Vikar zu Sr. Lordschaft, er könne seine Lehre nicht glauben, „denn,“ fügte er hinzu, „oft, wenn ich in der Sakristei bin, weiß ich noch nicht, worüber ich reden werde; aber ich gehe auf die Kanzel und predige und mache mir nichts daraus.“ Se. Lordschaft erwiderte: „Und Sie haben ganz Recht, sich weiter nichts daraus zu machen, denn Ihre Kirchenvorsteher haben mir gesagt, dass sie Ihre Ansicht teilen.“ Wenn wir nicht unterrichtet sind, wie können wir unterrichten? Wenn wir nicht gedacht haben, wie sollen wir Andere zum Denken anleiten? Es ist das Werk unsers Studierzimmers, jene gesegnete Arbeit, wenn wir, mit dem Buch vor uns, allein sind, wobei wir die Hilfe des Heiligen Geistes nötig haben. Er hält den Schlüssel des himmlischen Schatzes und kann uns über unsere Begriffe reich machen. Er hat den Faden für das größte Labyrinth der Lehre und kann uns auf den Weg der Wahrheit leiten. Er kann die ehernen Türen zerschlagen und die eisernen Riegel zerbrechen, und kann uns geben die heimlichen Schätze und die verborgenen Kleinodien. Wenn Sie auch das Original studieren, die Kommentare zu Rate ziehen und tief nachsinnen, so wird Ihr Studium Ihnen doch nichts nützen, wenn Sie versäumen, inbrünstig den Geist Gottes anzurufen; aber selbst, wenn Sie von allen Hilfsmitteln abgeschnitten sind (was hoffentlich nicht der Fall sein wird), so werden Sie viel von dem göttlichen Sinn erfassen, wenn Sie des Heiligen Geistes harren und sich einfach auf Sein Lehren verlassen.

Der Geist Gottes ist uns ganz besonders wert, weil Er uns vorzüglich in Betreff der Person und des Werkes unseres HErrn Jesu Christi unterweiset und dies ist der Hauptpunkt unserer Predigt. Er nimmt von dem, was Christi ist und verkündigt es uns. Wenn Er von den Lehren oder Vorschriften genommen hätte, würden wir uns seines gnädigen Beistandes gefreut haben, aber da Er besonders das liebt, was Christi ist und Sein heiliges Licht wie in einem Brennpunkt ganz auf das Kreuz fallen lässt, so sind wir froh, den Mittelpunkt unseres Zeugnisses so göttlich erleuchtet zu sehen, und sind sicher, dass das Licht sich auch auf alles Übrige in unserem Amt ergießen wird. Lassen Sie uns des Heiligen Geistes harren mit diesem Rufe: Heiliger Geist, offenbare uns den Sohn Gottes und zeige uns so den Vater.“ Als der Geist der Erkenntnis unterweist Er uns nicht nur in dem Evangelium, sondern führt uns auch dahin, den HErrn in allen andern Dingen zu sehen. Wir sollen nicht unsere Augen schließen vor dem Gott in der Natur oder in der Weltgeschichte oder in den täglichen Fügungen der Vorsehung oder in unserer eigenen Erfahrung; und der Heilige Geist ist in all diesem für uns der Ausleger dessen, was Gott beabsichtigt. Wenn wir rufen: „Lehre mich, was ich tun soll nach Deinem Willen; oder, zeige mir, warum du mit mir haderst; oder, lass mich wissen, was Deine Absicht ist bei dieser köstlichen Fügung der Barmherzigkeit, oder in jener andern, aus Gerechtigkeit und Gnade gemischten,“ so sollen wir in jedem Falle wohl unterwiesen werden; denn der Geist ist der siebenarmige Leuchter des Heiligtums, und bei Seinem Lichte werden alle Dinge richtig gesehen.

Geliebte Brüder, rufen Sie ihn an um dieses Licht, sonst werden Sie in Finsternis bleiben und blinde Leiter der Blinden werden.

Zweitens, der Geist wird der Geist der Weisheit genannt und wir bedürfen seiner sehr in dieser Eigenschaft; denn Erkenntnis mag gefährlich sein, wenn sie nicht mit Weisheit, d. h. mit der Kunst, das richtig zu brauchen, was wir erkennen, verbunden ist. Das Wort Gottes recht zu teilen ist ebenso wichtig, als es völlig zu verstehen, denn Einige, welche augenscheinlich einen Teil des Evangeliums verstanden, haben diesen Einen Teil ungebührlich hervorgehoben und so ein verzerrtes Christentum gezeigt, zum Schaden derer, die es angenommen haben, da diese nun ihrerseits in Folge davon einen verzerrten Charakter gezeigt. Die Nase ist ein hervorragender Gesichtszug, aber es ist möglich, sie so groß zu machen, dass Augen, Mund und alles Andere unbedeutend erscheinen, und die Zeichnung eine Karikatur und kein Portrait ist: so können gewisse wichtige Lehren des Evangeliums in solchem Übermaß verkündet werden, dass sie alle übrige Wahrheit in Schatten drängen und die Predigt nicht mehr das Evangelium in seiner natürlichen Schönheit, sondern eine Karikatur der Wahrheit ist, welche Karikatur indes, lassen Sie mich dies sagen, einige Leute gewaltig zu lieben scheinen. Der Geist Gottes wird Sie den Gebrauch des Opfermessers lehren, um die Opfer zu zerteilen; und Er wird Ihnen zeigen, wie Sie die Waage des Heiligtums zu brauchen haben, um die köstlichen Spezereien abzuwägen und in rechter Quantität zu mischen. Jeder erfahrene Prediger fühlt, dass dies von äußerster Wichtigkeit ist, und es ist gut, wenn er aller Versuchung, es zu vernachlässigen, widerstehen kann. Ach, einige unserer Hörer wünschen nicht, den ganzen Ratschluss Gottes zu hören. Sie haben ihre Lieblingslehren und möchten, dass wir von allen andern schwiegen. Viele gleichen jener schottischen Frau, die nach einer Predigt sagte: „Es war sehr gut, wenn nur der unnütze Kram von den Pflichten am Hinterende weggeblieben wäre.“ Es gibt Brüder dieser Art; sie haben gern den tröstlichen Teil, die Verheißungen und die Lehren, aber Heiligkeit im Wandel darf man kaum berühren. Die Treue fordert, dass wir ihnen das Evangelium von allen vier Seiten geben, eines, von dem nichts weggelassen und in dem nichts übertrieben ist, und hierzu bedarf es vieler Weisheit. Ich zweifle sehr, ob Jemand von uns so viel davon hat, als uns nötig tut. Wahrscheinlich leiden wir an einiger unentschuldbaren Parteilichkeit und ungerechtfertigten Vorliebe; forschen wir nach denselben und machen wir uns frei davon. Wir mögen uns bewusst sein, dass wir an gewissen Sprüchen vorübergegangen, nicht, weil wir sie nicht verstehen (das möchte zu rechtfertigen sein), sondern weil wir sie verstehen und nicht gerne sagen wollen, was sie uns gelehrt haben, oder auch, weil eine Unvollkommenheit in uns ist oder ein Vorurteil in unseren Hörern, was durch diese Sprüche klarer enthüllt würde, als es uns behagt. Solch' sündliches Stillschweigen muss sofort ein Ende haben. Um weise Verwalter zu sein und die rechten Portionen Speise für unseres HErrn Haushalt hervorzutragen, bedürfen wir Deiner Unterweisung, o Geist des HErrn!

Dies ist indes nicht Alles; denn selbst wenn wir das Wort Gottes recht zu teilen wissen, brauchen wir Weisheit zum Auswählen des besonderen Teils der Wahrheit, der am besten für die Zeit und die Hörer passt; und die gleiche Umsicht für den Ton und die Weise, in welcher die Lehre dargestellt werden soll. Ich glaube, viele Brüder, welche die Verantwortlichkeit des Menschen predigen, drücken sich in so gesetzlicher Art aus, dass sie Widerwillen erregen bei Allen, welche die Lehre von der Gnade Lieben. Andererseits, fürchte ich, haben Viele die Unumschränktheit Gottes in solcher Weise gepredigt, dass sie Alle, welche an den freien Willen des Menschen glauben, ganz von der Calvinistischen Seite hinweg treiben. Wir sollten die Wahrheit keinen Augenblick verbergen, aber wir sollten die Weisheit haben, sie so zu predigen, dass keine unnötige Misshelligkeit oder Beleidigung stattfindet, sondern eine allmählige Erleuchtung derjenigen, welche sie gar nicht sehen können, sowie ein Hineinleiten der schwächeren Brüder in den vollen Umkreis der evangelischen Lehre.

Brüder, wir brauchen auch Weisheit bei der Art, wie wir die Dinge verschiedenen Leuten vorstellen. Man kann einen Menschen gerade mit der Wahrheit niederwerfen, mit welcher man ihn aufzubauen meinte. Man kann einem Menschen Ekel erregen mit dem Honig, womit man ihm den Mund süß machen wollte. Die große Gnade Gottes ist unbehutsam gepredigt geworden, und hat Hunderte zu Zügellosigkeit geführt und auf der anderen Seite sind die Schrecken des HErrn zuweilen mit solcher Heftigkeit herausgedonnert, dass sie Menschen zur Verzweiflung und zum dauernden Trotz gegen den Höchsten getrieben haben. Die Weisheit dient uns zur Führung, und wer sie hat, bringt jede Wahrheit zu ihrer Zeit, und in die geeignetsten Gewänder gekleidet, hervor. Wer kann uns diese Weisheit geben, als nur der Heilige Geist! O meine Brüder, sehen Sie zu, dass Sie in tiefster Demut auf Seine Leitung harren.

Drittens, wir bedürfen des Geistes in einer anderen Weise, nämlich als der glühenden Kohle vom Altar, die unsere Lippen berührt, so dass wir, wenn wir Erkenntnis und Weisheit haben, um den passenden Teil der Wahrheit auszuwählen, uns frei aussprechen können, wenn wir sie vortragen. „Siehe, hiermit sind deine Lippen gerührt.“ O, wie herrlich spricht ein Mann, wenn seine Lippen mit der glühenden Altarkohle angezündet sind, wenn er die brennende Macht der Wahrheit fühlt, nicht nur in seiner innersten Seele, sondern auf der Lippe sogar, mit welcher er spricht! Beachten Sie zu solchen Zeiten, wie selbst seine Worte beben. Bemerkten Sie in der Betstunde eben vorher, bei zwei der betenden Brüder, wie zitternd ihre Töne waren und wie bebend ihr Körper, weil nicht bloß ihre Herzen, wie unser Aller Herzen hoffentlich, berührt waren, sondern auch ihre Lippen, und dies auf ihre Sprache wirkte. Brüder, wir brauchen den Geist Gottes, unseren Mund zu öffnen, auf dass wir des HErrn Lob verkündigen mögen, sonst werden wir nicht mit Macht sprechen.

Wir haben den göttlichen Einfluss nötig, uns abzuhalten, Vieles zu sagen, was, wenn es über unsere Zunge käme, unserer Botschaft Schaden tun würde. Denjenigen von uns, denen die gefährliche Gabe des Humors verliehen ist, tut es Not, zuweilen innezuhalten, das Wort aus dem Munde zu nehmen. und es zu besehen, ob es auch der Erbauung dient; und diejenigen, deren früheres Leben sie unter die Rohen und Ungebildeten geführt hat, müssen mit Luchsaugen gegen Unzartheit wachen. Brüder, fern sei es von uns, eine Silbe zu äußern, die einen unreinen Gedanken eingäbe oder eine verdächtige Erinnerung wachriefe. Wir brauchen den Heiligen Geist, um uns Zaum und Zügel anzulegen, damit wir nicht etwas sagen, was die Gemüter unserer Hörer von Christo und den ewigen Realitäten ablenkt, und sie an die niedrigen Erdendinge denken lässt.

Der Heilige Geist ist uns auch nötig, um uns in unserer Rede anzuspornen. Ich zweifle nicht daran, dass Sie Alle verschiedene Stimmungen beim Predigen kennen. Einige entstehen aus den verschiedenen körperlichen Zuständen. Eine starke Erkältung verdirbt nicht nur die Klarheit der Stimme, sondern lässt den Fluss der Gedanken erfrieren. Ich für mein Teil bin unfähig2), klar zu sprechen, wenn ich nicht klar denken kann, und der Inhalt wird sowohl heiser, wie die Stimme. Auch der Magen, und alle anderen Organe des Leibes beeinflussen die Seele; aber es ist nicht dies, worauf ich hindeute. Sind Ihnen nicht Veränderungen bekannt, die ganz unabhängig vom Körper sind? Wenn Ihre Gesundheit ganz kräftig ist, fühlen Sie sich nicht den einen Tag so schwer, wie Pharaos Wagen, als die Räder abgestoßen waren3), und zu anderer Zeit so frei wie ein schneller Hirsch?“ Heute schimmert Ihr Reif im Tau, gestern war es von der Dürre vertrocknet. Wer weiß nicht, dass der Geist Gottes in all diesem ist?

Der göttliche Geist wirkt zuweilen so auf uns ein, dass Er uns ganz über uns selber hinaushebt. Vom Beginn der Predigt bis zum Ende können wir zu solchen Zeiten sagen: „Ob in dem Leibe oder außer dem Leibe, weiß ich nicht, Gott weiß es.“ Alles ward vergessen, außer dem Einen uns ganz hinnehmenden Gegenstand. Wenn mir der Himmel verboten, aber mir die Wahl meines Zustandes für die ganze Ewigkeit gestattet wäre, würde ich den erwählen, in dem ich mich manchmal fühle, wenn ich das Evangelium predige. Solcher Zustand ist die Vorempfindung des Himmels: die Seele frei von allen störenden Einflüssen, den majestätischen und fühlbar gegenwärtigen Gott anbetend, jede Fähigkeit gehoben und freudig erregt bis zum äußersten Vermögen, alle Gedanken und Kräfte der Seele freudenvoll damit beschäftigt, die Herrlichkeit des HErrn zu betrachten, und vor der horchenden Menge den Geliebten unserer Seele zu erheben; und die ganze Zeit über das reinste, nur denkbare Wohlwollen gegen unsere Mitmenschen, welches das Herz antreibt, sie im Namen Gottes zu bitten und zu ermahnen welcher Seelenzustand kann diesem gleichkommen? Ach, wir haben dies Ideal erreicht, aber wir können es nicht immer festhalten, denn wir wissen auch, was es heißt, in Ketten zu predigen, oder in die Luft zu streichen. Wir dürfen heilige und frohe Veränderungen in unserem Predigen nicht etwas Geringerem zuschreiben, als der Wirkung des Heiligen Geistes auf unsere Seelen. Ich bin gewiss, dass der Geist so wirkt. Sehr oft, wenn ein Ungläubiger mir Zweifel eingab, bin ich im Stande gewesen, sie mit äußerster Verachtung hinwegzuschleudern, weil ich mir deutlich einer Macht bewusst bin, die auf mich wirkt, wenn ich im Namen des HErrn spreche, die unendlich weit über persönliche Geläufigkeit im Reden hinausgeht und jede Kraft übersteigt, die aus Aufregung entspringt, wie ich sie zuweilen gefühlt, wenn ich einen weltlichen Vortrag oder eine Rede hielt, so ganz verschieden von solcher Kraft, dass ich völlig gewiss bin, sie ist nicht von derselben Art und Ordnung, wie der Enthusiasmus des Politikers oder das Feuer des Redners. Mögen wir oft diese göttliche Energie fühlen, und mit Macht sprechen.

Aber dann, viertens, wirkt der Geist Gottes auch als Salböl, und dies bezieht sich auf die ganze Vortragsweise, nicht bloß auf die Äußerung des Mundes, sondern auf den ganzen Vortrag der Rede. Er kann machen, dass Sie Ihren Gegenstand fühlen, bis er Sie durchschauert und Sie niederdrückt, als würden Sie in die Erde hinein gepresst, oder Sie erhebt, als würden Sie auf Adlersflügeln empor getragen, und dass Sie neben Ihrem Gegenstand auch Ihr Ziel fühlen, bis Sie schmachten nach der Bekehrung der Menschen und nach der Erhebung der Christen zu etwas Edlerem, als sie bisher noch gekannt. Zu gleicher Zeit ist ein anderes Gefühl in Ihnen, nämlich, ein starkes Verlangen, dass Gott verherrlicht werden möge durch die Wahrheit, welche Sie vortragen. Sie empfinden tiefe Teilnahme für die Menschen, zu denen Sie reden, die Sie trauern lässt über Einige von ihnen, weil sie so wenig wissen und über Andere, weil sie so viel gewusst, aber es verworfen haben. Sie sehen in einige Angesichter und Ihr Herz sagt im Stillen: „Der Tau fällt da“; und wenn Sie sich zu Anderen wenden, bemerken Sie voll Betrübnis, dass sie wie Gilboas taulose Berge sind. Al dieses wird während der Rede vor sich gehen. Wir vermögen nicht zu sagen, wie viele Gedanken zugleich durch die Seele gehen können. Ich zählte einmal acht Gedankenreihen, die in meinem Gehirn zu gleicher Zeit vorgingen oder wenigstens innerhalb derselben Sekunde. Ich predigte das Evangelium mit ganzer Kraft, aber konnte nicht umhin, Mitleid mit einer Dame zu fühlen, die augenscheinlich nahe daran war, ohnmächtig zu werden, und auch nach dem Bruder auszusehen, der die Fenster öffnet, damit er uns mehr Luft gäbe. Ich dachte an jene Illustration, die ich im ersten Teil ausgelassen, entwarf die Form der zweiten Division, dachte, ob A. wohl meinen Tadel fühle, und betete, dass B. durch eine tröstliche Bemerkung aufgeheitert werden möge und pries zu gleicher Zeit Gott für meine eigene persönliche Empfindung der Wahrheit, die ich verkündete. Einige Ausleger betrachten die Cherubim mit ihren vier Antlitzen als Sinnbilder der Prediger und sicherlich sehe ich keine Schwierigkeit in der vierfachen Form, denn der Geist kann unsere geistigen Zustände vervielfachen, und uns zu etwas mehr, als den Menschen, die wir von Natur sind, machen. Wie viel Er aus uns machen. kann, und wie hoch Er uns zu erheben vermag, will ich nicht zu vermuten wagen, gewiss, Er kann überschwänglich tun über alles, was wir bitten und verstehen.

Besonders ist es des Heiligen Geistes Werk, uns in einer andächtigen Stimmung zu erhalten, während wir reden. Dies ist ein sehr begehrenswerter Zustand im Gebet zu verharren, während wir mit Predigen beschäftigt sind; Seine Befehle auszurichten und die Stimme Seines Wortes zu hören (Ps. 103, 20. engl. Üb.); das Auge auf Seinen Thron gerichtet. und den Flügel in beständiger Bewegung zu halten. Ich hoffe, wir wissen, was dies bedeutet, ich bin gewiss, wir wissen oder werden bald erfahren, was das Gegenteil ist, nämlich, das Übel, in andachtslosem Geiste zu predigen. Was kann schlimmer sein, als unter dem Einfluss eines stolzen oder zornigen Geistes zu sprechen? Was schwächender, als in ungläubigem Geiste zu predigen? Aber, o, im Verborgenen unsers Herzens zu brennen, während wir vor den Augen Anderer flammen! Dies ist das Werk des Geistes Gottes. Wirte in uns, o anbetungswürdiger Tröster!

Auf der Kanzel muss das Gefühl der Abhängigkeit mit dem der Andacht gemischt sein, so dass wir die ganze Zeit, von dem ersten Worte bis zur letzten Silbe zu dem Starken um Stärke emporblicken. Es ist gut, zu fühlen, dass wir, obgleich bis so weit gekommen, doch zu Schanden werden würden, ehe die Predigt schließt, wenn der Heilige Geist uns verlassen sollte. Wenn Sie zu den Bergen, von welchen Ihre Hilfe kommt, aufschauen, die ganze Predigt hindurch, mit völliger Abhängigkeit von Gott, so werden Sie in mutigem, zuversichtlichem Geiste die ganze Zeit predigen. Vielleicht hatte ich Unrecht, mutig“ zu sagen, denn es ist nicht mutig, Gott zu vertrauen: für wahre Gläubige ist es eine einfache Sache lieblicher Notwendigkeit, wie können sie umhin, Ihm zu trauen? Weshalb sollten sie an ihrem immer treuen Freunde zweifeln? Ich erzählte meinen Hörern neulich morgens, als ich über den Spruch predigte: „Meine Gnade ist genügend für dich,“ dass ich zum ersten Mal in meinem Leben erfahren, was Abraham fühlte, da er auf sein Angesicht fiel und lachte. Ich fuhr nach Hause, sehr müde von der Arbeit einer langen Woche, als dieser Spruch mir in den Sinn kam: „Lass dir an Meiner Gnade genügen“; aber er kam mit dem Nachdruck auf diesen beiden Worten: „Meine Gnade ist genügend für dich.“ Meine Seele sagte: „Ohne Zweifel ist sie das. Gewiss, die Gnade des unendlichen Gottes ist mehr als genügend für solch' ein bloßes Insekt, wie ich bin,“ und ich lachte, und lachte wiederum, indem ich dachte, wie sehr der Vorrat all' meine Bedürfnisse überstiege. Es schien mir, als wäre ich ein kleiner Fisch in der Themse und spräche in meinem Durst: „Ach, ich werde den Fluss austrinken,“ und da höbe der ehrwürdige Strom sein Haupt auf, und erwiderte lächelnd: „Kleiner Fisch, mein Wasser ist genügend für dich.“ Der Gedanke ließ den Unglauben höchst lächerlich erscheinen, wie er es in der Tat auch ist. O Brüder, wir sollten predigen in dem Gefühl, dass Gott das Wort segnen will, denn wir haben Seine Verheißung dafür; und wenn wir mit Predigen fertig sind, sollten wir nach den Leuten aussehen, die einen Segen empfangen haben. Sagen Sie je: „Ich bin überwältigt von Erstaunen, zu finden, dass der HErr Seelen durch meinen schwachen Dienst bekehrt hat?“ Falsche Demut! Ihr Dienst ist schwach genug. Jedermann weiß das, und Sie sollten es am besten wissen: aber dennoch ist es ein Wunder, dass Gott, der gesprochen: Mein Wort soll nicht wieder zu Mir leer kommen,“ Seine Verheißung erfüllt hat. Soll das Fleisch seine nährende Kraft verlieren, weil die Schüssel eine armselige irdene ist? Soll die göttliche Gnade durch unsere Schwachheit überwunden werden? Nein, wir haben solchen Schatz in irdischen Gefäßen, auf dass die überschwängliche Kraft sei Gottes, und nicht die unsere.

Wir brauchen also den Geist Gottes die ganze Predigt hindurch, unsere Herzen und Gemüter in geeignetem Zustande zu erhalten, denn wenn wir nicht den rechten Geist haben, werden wir den Ton verlieren, der überzeugt und gewinnt, und unsere Hörer werden die Wahrnehmung machen, dass die Kraft von Simson gewichen ist. Einige sprechen in scheltender Weise, und verraten so ihren Ärger; Andere predigen sich selbst, und enthüllen so ihren Stolz. Einige reden, als wäre es eine Herablassung ihrerseits auf der Kanzel zu stehen, während andere predigen, als bäten sie um Entschuldigung für ihre Existenz. Um Irrtümer in Manieren und Ton zu vermeiden, müssen wir von dem Heiligen Geiste geleitet werden, welcher allein uns so lehren kann, dass es Nutzen schafft.

Fünftens, wir hängen ganz von dem Geiste Gottes ab, in Bezug auf die Wirkung des Evangeliums, und auf diese Wirkung müssen wir immer abzielen. Wir stehen nicht auf der Kanzel, unsere Geschicklichkeit im geistlichen Fechten zu entfalten, sondern wir kommen, um wirklich zu kämpfen: unser Ziel ist, das Schwert des Geistes durch die Herzen der Menschen zu treiben. Wenn Predigen je in irgendeinem Sinne als eine öffentliche Schaustellung betrachtet werden kann, so sollte es der Schaustellung einer Pflugwette gleichen, die in wirklichem Pflügen besteht. Die Konkurrenz liegt nicht in dem Aussehen der Pflüge, sondern in dem vollbrachten Werk; so lassen Sie die Prediger beurteilt werden nach der Art, wie sie den Pflug des Evangeliums treiben und die Furche von einem Ende des Feldes zum andern ziehen. Zielen Sie immer auf Effekt ab. Ich sage auch, zielen Sie nie auf Effekt ab, in dem unglücklichen Sinne des Ausdrucks. Niemals zielen Sie auf Effekt ab nach Art der Klimax-Macher, Verse-Rezitierer, Taschentuch-Manipulatoren und Bombast-Blaser. Weit besser für einen Mann, er wäre nie geboren, als dass er die Kanzel zu einem Schaukasten erniedrigt, in dem er sich selbst zur Schau stellt. Zielen Sie auf die rechte Art des Effekts ab; die Heiligen zu edleren Dingen zu begeistern, die Christen näher zu ihrem Meister zu bringen, die Zweifelnden zu trösten, bis sie sich aus ihrem Unglauben erheben, die Sünder zur Buße und zum augenblicklichen Glauben an Christum zu bringen. Wunder der Gnade müssen die Siegel unsers Amtes sein; wer kann sie verleihen, als nur der Geist Gottes? Eine Seele bekehren ohne den Geist Gottes! Wie, Sie können nicht einmal eine Fliege machen, viel weniger ein neues Herz und einen neuen, gewissen Geist erschaffen. Die Kinder Gottes zu einem höheren Leben führen ohne den Heiligen Geist! Es ist unaussprechlich wahrscheinlicher, dass Sie dieselben in fleischliche Sicherheit führen, wenn Sie durch eine ihrer eignen Methoden versuchen, sie zu erheben. Unsere Zwecke können nie erreicht werden, wenn wir der Mitwirkung des göttlichen Geistes entbehren. Deshalb harren Sie seiner mit starkem Geschrei und Tränen von Tag zu Tag.

Sechstens. Danach haben wir den Geist Gottes nötig, als den „Geist des Gebets, der die Heiligen vertritt nach dem, das Gott gefällt.“ Ein sehr wichtiger Teil unsers Lebens besteht darin, dass wir im Heiligen Geist beten, und der Pastor, der nicht dieser Meinung ist, täte besser, aus seinem Amte zu entfliehen. Reichliches Gebet muss bei der ernsten Predigt sein. Wir können nicht immer auf den Knien unseres Körpers liegen, aber die Seele sollte nie die Stellung der Andacht verlassen. Die Gewohnheit des Gebets ist gut, aber der Geist des Gebets ist besser. Regelmäßiges Zurückziehen muss stattfinden, aber beständige Gemeinschaft mit Gott sollte unser Ziel sein. Als Regel sollten wir Pastoren niemals viele Minuten zubringen, ohne tatsächlich unsere Herzen im Gebet zu erheben. Einige von uns könnten redlicherweise sagen, dass wir selten eine Viertelstunde haben, ohne mit Gott zu sprechen, und das nicht aus Pflicht, sondern aus Instinkt, aus einer Gewohnheit der neuen Natur, für die wir nicht mehr Lob verdienen, als ein Kind dafür, dass es nach seiner Mutter schreit. Wie könnten wir anders? Nun, wenn wir viel im Geist des Gebets sein sollen, so muss verborgenes Öl auf das heilige Feuer unserer Herzensandacht gegossen werden; eben dieser Geist der Gnaden und des Gebets.

Und von unseren öffentlichen Gebeten lassen Sie es nie mit Wahrheit gesagt werden, dass sie offiziell, formell und kalt seien; und doch werden sie es sein, wenn das Ausgießen des Geistes nur spärlich ist. Sie können nicht in annehmbarer Weise Jahr auf Jahr öffentlich beten ohne den Geist Gottes. Gewisse Schwächlinge haben deshalb gesagt: „Lasst uns eine Liturgie haben!“ Lieber als den göttlichen Beistand suchen, wollen sie hinabziehen in Ägypten um Hilfe. Lieber als sich auf den Geist des HErrn verlassen, wollen sie nach einem Buch beten! Ich für mein Teil, wenn ich nicht beten kann, so möchte ich lieber es wissen und über die Dürre meiner Seele seufzen, bis der HErr mich wieder mit Fruchtbarkeit der Andacht heimsucht. Wenn Sie voll des Geistes sind, werden Sie froh sein, alle Formfesseln abzuwerfen, um sich der heiligen Strömung zu übergeben und von ihr entlang getragen zu werden, bis Sie Wasser finden, worin Sie schwimmen können. Zuweilen werden Sie im Gebet auf der Kanzel nähere Gemeinschaft mit Gott empfinden, als irgendwo anders. Für mich ist die größte Verborgenheit häufig beim öffentlichen Gebet gewesen; mein wahrstes Alleinsein mit Gott hat stattgefunden, wenn ich in der Mitte von Tausenden gefleht habe. Ich habe meine Augen am Schlusse des Gebets geöffnet und bin zu der Versammlung zurückgekehrt mit einer Art Überraschung, mich auf der Erde und unter Menschen zu finden. Solche Zeiten hängen nicht von unserem Willen ab und wir können uns nicht durch irgendwelche Vorbereitungen oder Anstrengungen in solche Zustände erheben. Wie gesegnet sie sowohl für Prediger als Gemeinde sind, kann keine Zunge sagen! Wie voll Kraft und Segen eine stete Gebetsstimmung sein muss, dabei kann ich hier nicht verweilen, aber all' dieses müssen wir von dem Heiligen Geiste erbitten, und Gott sei gepriesen, wir werden es nicht vergeblich tun, denn es ist ausdrücklich gesagt, dass Er unserer Schwachheit im Gebet aufhilft.

Siebentens. Weiter ist es wichtig, dass wir unter dem Einfluss des Heiligen Geistes sind, da er der Geist der Heiligkeit ist. Denn ein sehr beträchtlicher und wesentlicher Teil des Predigtamtes liegt im Beispiel. Unsere Gemeindeglieder nehmen viel Notiz von dem, was wir außerhalb der Kanzel sagen und was wir in geselligen Kreisen und anderswo tun. Finden Sie es leicht, meine Brüder, Heilige zu sein?

Solche Heilige, dass Andere Sie als Beispiel betrachten können? Wir sollten solche Ehemänner sein, dass jeder Ehemann in der Gemeinde uns gleichen könnte. Ist es so? Wir sollten die besten Väter sein. Ach! einige Prediger, die ich kenne, sind hiervon weit entfernt, denn soweit es ihre Familien betrifft, da haben sie die Weinberge Anderer behütet, aber ihre eigenen Weinberge haben sie nicht behütet. Ihre Kinder werden vernachlässigt und wachsen nicht als gottesfürchtiger Same auf. Ist es so mit Ihren? Sind wir im Umgang mit unseren Mitmenschen „ohne Tadel und lauter und Gottes Kinder, unsträflich?“ So sollten wir sein. Ich bewundere Whitfields Gründe, weshalb er seine Wäsche stets sorgfältig rein hielt. „Nein, nein“, pflegte er zu sagen, „dies sind nicht Kleinigkeiten; ein Prediger muss ohne Flecken sein, selbst in seinen Kleidern, wenn er kann.“

Reinheit kann von einem Prediger nicht zu weit getrieben werden. Ein unglücklicher Bruder hat sich in Ihrer Gegenwart bespritzt, Sie haben freundlich geholfen, die Flecken wegzuschaffen, aber Sie haben gefühlt, es wäre besser gewesen, wenn die Kleider immer weiß geblieben. O, dass wir uns von der Welt unbefleckt erhielten! Wie kann dies sein auf einem solchen Schauplatz der Versuchung und mit solch' anklebenden Sünden, wenn wir nicht von einer höheren Macht bewahrt werden? Wenn Sie in aller Heiligkeit und Reinheit wandeln sollen, wie es Predigern des Evangeliums geziemt, so müssen Sie täglich in den Geist Gottes getauft werden.

Achtens. Noch Eins, wir bedürfen des Geistes als des Geistes der Unterscheidung, denn er weiß, was im Menschen ist, wie er weiß, was in Gott ist, und dies haben wir sehr nötig im Verkehr mit schwierigen Charakteren. Es gibt in dieser Welt einige Leute, denen man es möglicherweise gestatten könnte, zu predigen, aber niemals, Pastoren zu werden. Sie haben eine geistige oder geistliche Untauglichkeit. In der Kirche von San Zeno zu Verona sah ich die Statue dieses Heiligen in sitzender Stellung, und der Künstler hat ihm so kurze Knie gegeben, dass er gar keinen Schoß hat und keine Kinder hätte darauf halten und pflegen können4). Ich fürchte, es sind viele andere, die an einer ähnlichen Untauglichkeit leiden: sie können sich nicht dahin bringen, herzlich auf die pastoralen Sorgen einzugehen. Sie können über eine Lehre dogmatisieren und über Gebräuche streiten, aber was das Mitfühlen einer Erfahrung angeht, das liegt ihnen fern. Kalten Trost können diese den betrübten Gewissen geben; ihr Rat wird eben so wertvoll sein, wie der jenes Hochländers, von dem man erzählt, er habe einen Engländer in einem Morast zu Ben Novis sinken sehen. „Ich versinke!“ schrie der Reisende. „Könnten Sie mir sagen, wie ich herauskomme?“ Der Hochländer erwiderte gelassen: „Ich denke, Sie werden es wahrscheinlich nie“, und ging fort. Wir haben Prediger dieser Art gekannt, verwirrt und fast ärgerlich über Sünder, die in dem „Sumpf der Verzweiflung“ sich abmühten. Wenn Sie und ich, ungeübt in der Hirtenkunst, im Frühjahr unter die Schafmütter und jungen Lämmer gestellt würden, was sollten wir mit ihnen anfangen? In derartiger Verlegenheit befinden sich die, welche nie vom Heiligen Geist gelehrt sind, für die Seelen der Menschen zu sorgen. Mögen Seine Unterweisungen uns von solch' elender Untüchtigkeit erretten.

Überdies, Brüder, wie viel Zärtlichkeit des Herzens oder liebevolle Angst wir auch haben, so werden wir doch nicht wissen, die große Verschiedenheit der Fälle zu behandeln, wenn der Geist Gottes uns nicht leitete, denn nicht zwei Individuen sind sich gleich; und sogar ein und derselbe Fall wird zu verschiedenen Zeiten verschiedene Behandlung verlangen. Zu einer Zeit mag es am besten sein, zu trösten, zu einer andern, zu strafen; und der, mit dem Sie heute selbst bis zu Tränen sympathisierten, mag es nötig haben, dass Sie ihm morgen mit strenger Miene gegenüberstehen, weil er den dargebotenen Trost geringschätzte. Auf denen, welche die zerbrochenen Herzen verbinden und die Gefangenen freisetzen, muss der Geist des HErrn ruhen.

Bei der Aufsicht und Führung einer Kirche tut des Geistes Hilfe not. Im Grunde ist der Hauptgrund derer, welche sich von unserer Denomination getrennt haben, die Schwierigkeit gewesen, welche aus unserer Kirchenregierung entstand. Es wird von ihr gesagt, dass sie dem Amte Unruhe verursache.“ Ohne Zweifel, sie ist sehr lästig für diejenigen, welche nach offizieller Würde verlangen und notwendig Orakel sein müssen, vor denen kein Hund bellen darf. Die, welche nicht mehr Fähigkeit zum Regieren haben, als kleine Kinder, sind gerade die, welche am meisten nach Autorität dürsten, und da sie finden, dass ihnen in diesen Gegenden wenig zuerteilt wird, suchen sie andere Regionen. Wenn Sie sich nicht selber beherrschen können, wenn Sie nicht männlich und unabhängig sind, wenn Sie nicht an sittlichem Werte höher stehen, wenn Sie nicht mehr Gaben und mehr Gnaden haben, als Ihre gewöhnlichen Hörer, so mögen Sie einen Talar anziehen, und beanspruchen, die regierende Person in der Kirche zu sein; aber es wird nicht in einer Kirche baptistischer oder neutestamentlicher Ordnung sein. Mich für mein Teil würde es anwidern, der Pastor von Leuten zu sein, die nichts zu sagen hätten, oder die, wenn sie etwas sagen, ebenso wohl schweigen könnten, weil der Pastor der Oberherr ist und sie bloße Laien sind und nichts gelten. Ich wollte lieber der Führer von sechs freien Männern sein, deren enthusiastische Liebe meine einzige Macht über sie ist, als der Diktator von zwanzig geknechteten Nationen. Welche Stellung ist edler, als die eines geistlichen Vaters, der keine Autorität beansprucht, und doch allgemein geachtet wird, dessen Wort nur als freundlicher Rat gegeben wird, dem man aber doch gestattet, mit der Kraft eines Gesetzes zu wirken? Wenn er die Wünsche Anderer um Rat fragt, findet er, dass sie erst wissen wollen, was er empfiehlt und indem er stets den Wünschen Anderer willfahrt, findet er, dass sie sich freuen, den seinigen zu willfahren. Fest mit Liebe und sanft durch Gottes Gnade, ist er das Haupt Aller, weil er der Diener Aller ist. Ist nicht dazu Weisheit nötig? Wozu ist sie mehr erforderlich? Als David auf den Thron kam, sprach er: Er ist es, der mein Volk mir unterworfen hat,“ und so kann jeder glückliche Pastor sprechen, wenn er so viele Brüder von verschiedenem Temperament alle willig sieht, unter Disziplin zu sein und seine Führerschaft in dem Werk des HErrn anzuerkennen. Wenn der HErr nicht unter uns wäre, wie bald würde Verwirrung da sein! Pastoren, Gemeindevorsteher und Älteste mögen alle weise sein, aber wenn die heilige Taube flieht, und der Geist der Zwietracht eindringt, so ist alles mit uns vorbei. Brüder, unsere Maschinerie arbeitet nicht ohne den Geist Gottes, und es freut mich, dass sie es nicht tut, denn ihre Stockungen und Brüche lenken unsere Aufmerksamkeit auf das Fehlen desselben hin. Unsere Organisation war nie darauf berechnet, die Ehre der Priester und Pastoren zu fördern, sondern sie beabsichtigt, männliche Christen heranzubilden, die ihren Glauben nicht aus zweiter Hand nehmen wollen. Was bin ich und was sind Sie, dass wir Herren über Gottes Erbteil sein sollten? Wagt Jemand von uns, mit dem französischen König zu sprechen: „L'etat, c'est moi“. „der Staat bin ich“, ich bin die wichtigste Person in der Kirche? Wenn das, so wird der Heilige Geist wahrscheinlich solche ungeeignete Werkzeuge nicht benutzen; aber wenn wir unsern Platz kennen und wünschen, ihn in aller Demut zu behaupten, so wird Er uns helfen und die Kirchen werden unter unserer Obhut blühen.

Ich habe Ihnen ein langes Verzeichnis der Dinge gegeben, worin der Heilige Geist uns durchaus notwendig ist, und doch ist die Liste weit entfernt von Vollständigkeit. Ich habe sie absichtlich unvollkommen gelassen, denn, wenn ich sie zu vervollständigen suchte, würde unsere Zeit abgelaufen sein, ehe wir im Stande wären, die Frage zu beantworten: Wodurch können wir diesen Beistand verlieren? Möge Keiner unter uns je den Versuch anstellen, aber es ist gewiss, dass Prediger die Hilfe des Heiligen Geistes verlieren können. Jeder hier Gegenwärtige kann sie verlieren. Sie werden nicht verloren gehen als Gläubige, denn ewiges Leben ist in Ihnen; aber Sie können als Prediger verloren gehen, und man wird von Ihnen als Zeugen des HErrn nichts mehr hören. Sollte dies geschehen, so wird es nicht ohne Ursache sein. Der Geist hat einen unumschränkten Willen gleich dem Winde, der da bläst, wo er will; aber lassen Sie uns nie träumen, dass unumschränkter Wille und Eigenwille dasselbe sind. Der Heilige Geist handelt, wie Er will, aber Er handelt immer gerecht, weise und aus Ursachen und Beweggründen. Zu Zeiten gibt Er Regen oder hält ihn zurück aus Gründen, die in uns liegen. Achten Sie auf den Lauf der Themse; wie windet und dreht sie sich nach ihrem eigenen Willen: und doch ist eine Ursache da für jede Biegung und Krümmung: der Geologe sieht, wenn er den Boden erforscht und auf die Bildung des Gesteins achtet, einen Grund, warum das Flussbett zur Rechten oder Linken abbiegt: so, obgleich der Geist Gottes den einen Prediger mehr segnet als den andern, und der Grund kein solcher sein kann, dass irgend Jemand sich zu seiner eigenen Trefflichkeit Glück wünschen darf, gibt es dennoch gewisse Dinge bei christlichen Predigern, welche Gott segnet, und andere Dinge, welche den Erfolg hindern. Der Geist Gottes fällt wie der Tau, geheimnisvoll und mächtig, aber es ist in der geistlichen Welt wie in der natürlichen: gewisse Substanzen sind nass von der himmlischen Feuchtigkeit, während andere immer trocken sind. Ist kein Grund dafür da? Der Wind bläst, wo er will; aber wenn wir wünschen, einen starken Wind zu fühlen, so müssen wir aufs Meer gehen oder die Berge hinan klimmen. Der Geist Gottes hat seine Lieblingsplätze zum Entfalten seiner Macht. Sein Sinnbild ist die Laube, und die Taube hat ihre auserwählten Orte: zu den Flüssen, den friedlichen und ruhigen Plätzen nimmt die Taube ihre Zuflucht; wir treffen sie nicht auf Schlachtfeldern an, und sie lässt sich nicht auf dem Aas nieder. Es gibt Dinge, die mit dem Geist im Einklang stehen und andere, die ihm entgegen sind. Der Geist Gottes wird dem Licht verglichen, und das Licht kann scheinen, wo es will, aber einige Körper sind undurchsichtig, während andere durchsichtig sind; und so gibt es Menschen, durch welche Gott der Heilige Geist hindurch scheinen. kann und andere, durch welche sein Glanz niemals hindurch strahlt. So lässt es sich denn zeigen, dass der Heilige Geist, obgleich der freie Geist Gottes, doch keineswegs eigenwillig in seinen Wirkungen ist.

Aber, liebe Brüder, der Geist Gottes kann betrübt und erbittert, Ihm kann selbst widerstanden werden: dies leugnen heißt dem fortgehenden Zeugnis der Schrift widersprechen. Und das Schlimmste von allen; wir können Ihm trotzen und Ihn so beleidigen, dass Er nicht mehr durch uns sprechen, sondern von uns weichen wird, wie Er von dem König Saul wich. Ach, dass in dem christlichen Predigtamte Männer sein sollten, denen dies geschehen, aber mir ist bange, es sind solche da.

Brüder, welches sind die Übel, die den Geist betrüben? Ich antworte: Alles, was Sie als gewöhnliche Christen untauglich zur Gemeinschaft mit Gott macht, macht Sie auch untauglich, die außergewöhnliche Macht des Heiligen Geistes als Prediger zu fühlen; aber, davon abgesehen, sind noch besondere Hindernisse da.

Unter den ersten müssen wir nennen einen Mangel an Empfindung, oder jenen gefühllosen Zustand, der aus Ungehorsam gegen die Einflüsse des Geistes entspringt. Wir sollten ein zartes Gefühl für seine schwächsten Regungen haben, dann dürften wir auf seine bleibende Gegenwart hoffen; aber wenn wir wie das Ross und das Maultier sind, die keinen Verstand haben, so werden wir die Peitsche fühlen, werden aber nicht des sanften Einflusses des Trösters uns erfreuen. Ein anderer betrübender Fehler ist der Mangel an Wahrhaftigkeit. Wenn ein großer Tonkünstler eine Gitarre nimmt oder eine Harfe berührt, und findet, dass die Töne falsch sind, zieht er die Hand zurück. Einiger Menschen Seelen sind nicht redlich; sie sind sophistisch und doppelherzig. Christi Geist will kein Mitschuldiger des Menschen bei dem elenden Geschäfte des Winkelzüge-Machens und Täuschens sein. Kommt es wirklich so weit, dass Sie gewisse Lehren predigen, nicht weil Sie dieselben glauben, sondern weil Ihre Gemeinde es von Ihnen erwartet? Warten Sie nur Ihre Zeit ab, bis Sie ohne Gefahr Ihr jetziges Bekenntnis aufgeben und aussprechen können, was Ihre feige Seele wirklich für wahr hält? Gott befreie uns von solchen Männern, und wenn sie in unsere Reihen treten, mögen sie bald fortgejagt werden, unter Trommelschlag nach der Melodie des Spitzbubenmarsches.

Sie können den Heiligen Geist sehr betrüben durch eine allgemeine Spärlichkeit der Gnade5). Der Ausdruck ist ungelenk, aber er beschreibt gewisse Personen besser, als irgendein anderer, der mir in den Sinn kommt. Ich kenne den Mann, er ist nicht unredlich, noch unsittlich, er ist nicht heftiger Gemütsart, noch weichlich, aber ein Etwas fehlt und das Fehlen verdirbt Alles, ihm fehlt das Eine, was Not tut. „Er ist nicht geistlich, er hat nicht den Geruch Christi,“ sein Herz brennt nie in ihm, seine Seele ist nicht lebendig, ihm mangelt Gnade. Wir können nicht vom Geist Gottes erwarten, dass Er ein Amt segne, das nie hätte übernommen werden sollen und gewiss, ein gnadenloses Amt ist ein solches.

Ein anderes Übel, welches den göttlichen Geist hinweg treibt, ist Stolz. Der Weg, um sehr groß zu sein, ist sehr klein sein. Sehr beachtenswert nach eigener Schätzung sein, das heißt von Gott unbeachtet sein. Wenn man notwendig auf den hohen Orten der Erde wohnen will, so wird man die Berggipfel sehr kalt und unfruchtbar finden; der HErr sieht auf das Niedrige und kennt den Stolzen von ferne.

Der Heilige Geist wird auch entrüstet über Trägheit. Ich kann mir den Geist nicht vorstellen, an der Türe eines Trägen wartend und die Mängel ergänzend, welche durch Indolenz hervorgebracht sind. Faulheit in der Sache des Erlösers ist ein Laster, für das man keine Entschuldigung erfinden kann. Es kribbelt uns, wenn wir die langsamen Bewegungen der Trägen sehen, und wir mögen sicher sein, dass der tätige Geist ebenso entrüstet ist über die, welche im Werk des HErrn Zeit vertändeln.

Vernachlässigung des Privatgebets und viele andere Übel werden dasselbe unglückliche Resultat hervorbringen, aber es ist nicht nötig, weitläufiger zu werden, denn Ihr eignes Gewissen wird Ihnen sagen, Brüder, was es ist, das den Heiligen in Israel betrübt.

Und nun, lassen Sie mich bitten, auf dieses Wort zu merken: Wissen Sie, was geschehen kann, wenn der Geist Gottes sehr betrübt wird und von uns weicht? Es gibt zwei Annahmen. Die erste ist, dass wir überhaupt nie Gottes wahre Diener waren, sondern nur zeitweilig von Ihm gebraucht wurden, wie Bileam es ward, und selbst der Esel, auf dem er ritt. Gesetzt, Brüder, Sie und ich führen eine Zeitlang gemächlich fort, zu predigen und weder wir selbst noch Andere hätten uns in Verdacht, dass wir ohne den Geist. Gottes wären; unser Amt mag ganz plötzlich ein Ende nehmen und wir selber auch; wir mögen in unserer Blüte niedergeworfen werden, wie Nadab und Abihu, und nicht mehr des Priesteramtes pflegen vor dem HErrn, oder in reiferen Jahren hinweggenommen, wie Hophni und Pinehas, und nicht länger in dem Heiligtum der Gemeinde dienen. Wir haben keine inspirierten Annalenschreiber, die das plötzliche Hinwegraffen viel versprechender Männer aufzeichnen, aber wenn wir sie hätten, so würden wir vielleicht mit Schrecken lesen von einem Eifer, der durch starke Getränke aufrecht erhalten, von öffentlichem Pharisäismus mit geheimer Befleckung vergesellschaftet, von behaupteter Orthodoxie, die gänzlichen Unglauben verbirgt, oder von irgend einer andern Art fremden Feuers, das auf dem Altar des HErrn geopfert ward, bis der HErr es nicht länger ertragen wollte und die Übeltäter mit einem plötzlichen Schlage ausrottete. Soll dies furchtbare Gericht über uns ergehen?

Ach, ich habe Einige von dem Heiligen Geist verlassen gesehen, wie Saul es war. Es steht geschrieben, dass der Geist des HErrn über Saul kam, aber er war dem göttlichen Einfluss nicht treu, und der wich von ihm, und ein böser Geist nahm seine Stelle ein. Seht, wie der verlassene Prediger mürrisch den Zyniker spielt, alle anderen kritisiert und den Spieß der Lästerung wirst nach einem Mann, der besser ist, als er selber. Saul war einst unter den Propheten, aber er war mehr zu Hause unter den Verfolgern. Der in seinen Hoffnungen zu Schanden gewordene Prediger plagt den wahren Evangelisten, nimmt seine Zuflucht zur Zauberei der Philosophie und sucht Hilfe bei toten Ketzereien; aber seine Kraft ist dahin und die Philister werden ihn bald unter den Erschlagenen finden.

Einige von dem Geist Gottes Verlassene sind auch geworden wie die Söhne eines Juden, Skevä6). Diese Anmaßlichen suchten die Teufel auszutreiben im Namen Jesu, den Paulus predigte, aber die Teufel sprangen auf sie und wurden ihrer mächtig: so, während gewisse Prediger gegen die Sünde deklamierten, haben dieselben Laster, gegen die sie sprachen, sie überwunden. Die Söhne Skevä sind unter uns hier in England gewesen: die Teufel der Trunksucht haben die Oberhand bekommen über denselben Mann, der gegen den bezaubernden Becher auftrat, und der Dämon der Unkeuschheit ist auf den Prediger gesprungen, der die Reinheit pries. Wenn der Heilige Geist fehlt, so ist unsere Stellung die gefährlichste von allen; darum lassen Sie uns auf unserer Hut sein.

Ach, einige Prediger sind dem Bileam gleich geworden. Er war ein Prophet, nicht wahr? Sprach er nicht im Namen des HErrn? Wird er nicht genannt der Mann, dem die Augen geöffnet sind, der des Allmächtigen Offenbarung sieht?“ Und doch stritt Bileam wider Israel und entwarf einen listigen Plan, durch welchen das auserwählte Volk besiegt werden sollte. Prediger des Evangeliums sind Papisten, Ungläubige und Freidenker geworden und haben auf die Zerstörung dessen gesonnen, was sie einst wert hielten. Wir können Apostel sei, und doch uns wie Judas als Kinder des Verderbens erweisen. Wehe uns, wenn dies der Fall wäre!

Brüder, ich will annehmen, dass wir wirklich Kinder Gottes sind, und was dann? Nun, selbst dann können wir, wenn der Geist Gottes von uns weicht, plötzlich hinweggenommen werden, wie der betrogene Prophet, der dem Gebot des HErrn ungehorsam war in den Tagen Jerobeams. Er war ohne Zweifel ein Mann Gottes, und der Tod seines Leibes war kein Beweis, dass seine Seele verloren war, aber er wich ab von dem, was, wie er wusste, ein ihm speziell gegebenes Gebot des HErrn war, und sein Amt endete da und dann, denn ein Löwe fand ihn auf dem Wege und tötete ihn. Möge der Heilige Geist uns vor Betrügern bewahren und uns der Stimme Gottes treu erhalten.

Noch schlimmer, wir können das Leben Simsons in uns wieder darstellen, über den der Geist Gottes kam im Lager Dan; aber in Delilas Schoß verlor er seine Kraft und im Kerker verlor er seine Augen. Er endigte tapfer sein Lebenswerk, blind wie er war, aber wer unter uns wünscht, solch' Schicksal zu erfahren?

Oder und dies letzte hat mich traurig gemacht, mehr als ich ausdrücken kann wir können von dem Geist Gottes verlassen werden in einem peinlichen Grade, so dass wir einen Makel auf den Schluss unseres Lebenswerkes bringen, wie Moses. Nicht, dass wir unsere Seele verlieren, nein, nicht einmal unsere Kronen im Himmel oder auch nur unsern Ruf auf Erden; aber doch so, dass wir unter einer Wolke sind in unsern letzten Tagen, weil uns einmal etliche Worte entfuhren. Ich habe kürzlich die späteren Tage des großen Propheten von Horeb studiert und habe mich noch nicht wieder erholt von dem tiefen Trübsinn, der dadurch über meine Seele kam. Was war die Sünde des Moses? Sie brauchen nicht zu fragen. Es war keine grobe, gleich der Übertretung des David, keine erschreckende, wie der Fall des Petrus, nicht Schwäche und Torheit, wie der schwere Fehler seines Bruders Aaron; in der Tat, sie scheint eine unendlich kleine, wenn sie in der Waage gewöhnlichen Urteils gewogen wird. Aber es war die Sünde des Moses, eines Mannes, der von Gott vor allen andern begnadigt war, eines Führers des Volkes, eines Vertreters des göttlichen Königs. Der HErr hätte sie bei jedem Andern übersehen können, aber nicht bei Moses. Moses musste gezüchtigt werden, indem ihm verboten wurde, das Volk in das verheißene Land zu führen. Es ist wahr, er hatte eine herrliche Aussicht von dem Gipfel des Pisga, und alles andre, was die Strenge seines Urteils mildern konnte, aber es war eine schmerzliche Vereitelung seiner Hoffnung, nie das Land, das Israels Erbteil war, zu betreten, und das, weil ihm einmal etliche Worte entfuhren. Ich wollte meines HErrn Dienst nicht scheuen, aber ich zittere in Seiner Gegenwart. Wer kann fehlerlos sein, wenn sogar Moses irrte? Es ist etwas furchtbares, von Gott geliebt zu sein! Wer ist unter uns, der bei einem verzehrenden Feuer wohnen möge? Wer ist unter uns, der bei der ewigen Glut wohne? „Wer in Gerechtigkeit wandelt und redet, was recht ist,“ der allein kann jener Sünde verzehrenden Flamme der Liebe gegenüberstehen. Brüder, ich bitte Sie, begehren Sie den Platz des Moses, aber zittern Sie, indem Sie ihn nehmen. Fürchten und zittern Sie vor all' der Güte, die Er vor Ihrem Angesichte her gehen lassen wird. Wenn Sie am vollsten von den Früchten des Geistes sind, so beugen Sie sich am tiefsten vor Seinem Thron, und dienen Sie dem HErrn mit Furcht. Der HErr, unser Gott, ist ein eifriger7) Gott.“ Bedenken Sie, dass Gott zu uns gekommen ist, nicht, um uns zu erhöhen, sondern um Sich selbst zu erhöhen, und dass wir abnehmen müssen in dem Maße, wie Er in uns zunimmt. Sie werden nicht zunehmen, wie Jesus zunimmt, sondern das Gegenteil wird stattfinden. Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ O, möge Gott uns dahin bringen, und uns sehr sorgfältig und demütig vor Ihm wandeln lassen. Gott wird uns erforschen und prüfen, denn das Gericht beginnt an Seinem eigenen Hause, und hier beginnt es mit Seinen Predigern. Wird Jemand von uns zu leicht erfunden werden? Soll der Abgrund der Hölle einen Teil seiner elenden Bewohner aus unserer Mitte hernehmen? Entsetzlich wird das Geschick eines gefallenen Predigers sein; seine Verdammung wird gewöhnliche Sünder in Staunen setzen. O, möge der Geist Gottes uns lebendig machen und erhalten, treu in unserem Amt und nützlich für die Seelen der Menschen. Amen.

1)
Gestalt aus Charles Dickens „Hard Times“; Jemand, der Faktenwissen auf Kosten von Vorstellungskraft und Gefühl schätzt
2)
Diese Unfähigkeit ist nicht so zu verstehen, als wenn Spurgeon sich dadurch vom Predigen abhalten ließe. Er predigt oft unter den größten körperlichen Schmerzen, zuweilen kaum im Stande, sich von seinem Wagen ins Tabernakel, auf zwei Stöcke gestützt, hineinzuschleppen. Anm. d. Übers.
3)
2. Mose 14, 25.
4)
4. Mos. 11, 12 in der engl. Bibel: „as a nursing father“, wie ein Vater, der Kinder wartet.
5)
Im Original: „Scantiness of grace“.
6)
Ein jüdischer „Oberpriester“. Seine sieben Söhne gehörten zu den „umherziehenden Juden, die Dämonen auszutreiben pflegten“.
7)
Eifersüchtiger, nach dem Engl.
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