Rubanowitsch, Israel Johannes - Liebe in Tat und Wahrheit - Wie erlangt man die verlorene Liebe wieder?

Rubanowitsch, Israel Johannes - Liebe in Tat und Wahrheit - Wie erlangt man die verlorene Liebe wieder?

Matth. 5, 21-26.

Es ist ein tiefer, gewaltiger Unterschied, denn der Heiland hier macht, zwischen dem, was den Alten, und dem, was den Neuen gesagt ist. Es gehört zum alten Wesen, und es kennzeichnet sich als solches, wenn man in Bezug auf das begangene Richten über andere sagt: Was habe ich denn getan? Ich habe doch nicht getötet, gestohlen, auch nicht die Ehe gebrochen rc. Solche Fragen können nur ganz verfinsterte Seelen aufstellen, solche Seelen, an denen bis jetzt noch nichts Neues geschehen ist und welche das Leben des Neuen Testaments noch nicht an sich selbst erlebt haben. Anders aber steht es mit den Neuen.

Was heißt: Zürnen ohne Grund? Jedenfalls ist das kein Grund zum Zürnen, wenn deinem Kinde der Teller aus der Hand fällt und in hundert Scherben zerbricht. Ebenfalls ist es kein Grund, zu zürnen, wenn deine Magd das Geld, das du ihr mitgegeben hast, verloren hat. Auch das ist kein Grund, zu zürnen, wenn irgendetwas aus Versehen schlecht geworden ist, wo die Absicht, etwas schlecht zu machen, fehlte. Da ist das Gebiet sehr weit, wo jeder einzelne Fall näher zu besehen ist. Das ist ebenfalls kein Grund, deinem Bruder zu zürnen, wenn er anderer Meinung ist als du; und noch viel weniger darfst du ihm zürnen, wenn Gott ihn mehr segnet als dich. Ihr lieben Ackersleute habt durchaus keinen Grund, zu zürnen und eure Fäuste zu ballen, wenn eure Pferde hie und da abweichen, so dass ihr beinahe aus der Haut fahrt und mit der Peitsche dreinschlagt. So ist es mit allem, was in dieses Gebiet greift.

Eigentlicher Grund zum Zürnen ist das, was auch Jesus zum Zorn hätte bringen können, als er ausrufen musste: O du ungläubige und verkehrte Art, wie lange muss ich euch noch tragen! Wenn irgendetwas uns hinderlich in den Weg tritt und uns abhalten will, dem Herrn ganz zu folgen, dann dürfen wir von einem heiligen Zorn ergriffen werden. Mag es nun das Weib oder der Mann, der Bräutigam oder die Braut, mögen es die Kinder, mag es nun der Prediger oder mögen es die Zuhörer sein, das ist eins wenn irgendjemand vorhanden ist, der dich aufhält, dem Heiland zu folgen, dann darfst du zornig werden! Hier ist Grund zum Zürnen; da können und dürfen wir dann auch die schärfsten Ausdrücke gebrauchen; ein Beispiel haben wir an unserm Herrn Jesus.

Er hat auch gewissen Leuten Spitznamen gegeben, aber dieselben passten vortrefflich auf ihr Wesen. Ja, über eine ganze Gesellschaft hat er den Stab gebrochen und sie als Heuchler hingestellt, weil sie die Maske der Frömmigkeit angelegt hatten, während sie doch im innersten Grunde nur ein Grab voller Totengebeine darstellten. Sie waren Leute, die viel von andern forderten, das Er forderte aber selbst nicht machten. Ja, wenn es darauf ankam, hat der Heiland ihnen die schrecklichsten Namen gegeben. Zu einem Petrus sprach er: Weiche von mir, Satan, denn du denkst nicht was göttlich, sondern was menschlich ist. Und das war ein Mann, auf dessen Namen er seine Gemeinde gründen und bauen wollte. Diesen Mann nennt er kurz nach Erteilung seines hohen Privilegiums Satan, und treibt ihn von sich, weil er ihn hindern wollte, den ganzen Willen Gottes zu tun, weil er „menschlich und nicht göttlich“ dachte. Das ist ein Grund, zornig zu werden.

O Mutter, o Mann, o Frau, werdet mir nicht zum Satan! Vater, halte mich nicht auf im Laufe der Nachfolge Christi! Alles das, was in dieses Gebiet einschlägt, gibt Grund, zu zürnen. Es gibt Leute, die sich sonst über jede Kleinigkeit ärgern können, aber da, wo man sie abhalten will, dem Heiland nachzufolgen, da ärgern sie sich gar nicht. Sie lassen sich vielmehr in alle Narrheiten, Scherze und Witze ein. Kein Wunder, wenn ihr Leben ein Ärgernis ist und Ärgernis gibt!

Wenn du dich dem Heiland geweiht hast, so bist du ein heiliges Gebiet, und auf diesem Boden darf nur der Heilige Geist wirken. An dieser Rebe darf nur er allein arbeiten und sonst kein Mensch, kein Heiliger und kein Engel; und wer sich in irgendeiner Weise da hinein wagt, um des Heilands Werk zu zerstören, der ist mir jetzt ein Satan! Da hören alle Blutsbande auf. Hier gibt es durchaus keine Rücksichten mehr.

Wenn aber ein Bruder dem andern grundlos gezürnt, wenn er ihn geärgert und ihm solche Worte gesagt hat, die ihm nach zehn Minuten schon leid waren, dass sie ihm entfahren sind, wenn er dem Bruder etwas ins Gesicht geschleudert, worüber er sich zu schämen hat, wenn er in einer unbewachten Stunde über den Bruder den Stab brach und sich hinreißen ließ, ihm weh zu tun, was dann? Der Heilige Geist bricht auch über dich den Stab, wie du ihn über den Bruder gebrochen hast. Das ist etwas ganz Furchtbares und durchaus nicht so anzusehen, wie viele Leute es oft ansehen: Das ist nun einmal meine Schwachheit, meine Gereiztheit, meine Kränklichkeit. Zu den Neuen wird gesagt: Wer zürnt ohne Grund, der ist des Gerichts schuldig.

Wie ist es aber gewöhnlich in der Welt? So tragisch fasst man es nicht auf. Man meint es ja gar nicht so schlimm. So hört man leider aber auch die Kinder Gottes oft reden. Da kommt der Mann am Abend heftig und hitzig heim und redet unfreundliche Worte; aber die Frau nimmt es nicht schlimm auf, sie sieht die Sache von einer andern Seite an. Das ist ja sehr schön; dass diejenigen Leute, welche von den andern zu leiden haben, die Sache nicht schlimm auslegen und geduldig sind. Umso schlimmer für dich, der du das Leiden verursachst! Dieses Gebiet ist so weit, und ich glaube kaum, dass eines von euch imstande sein wird, zu übersehen, was es in Bezug auf Zürnen ohne Grund schon alles zusammengesündigt hat.

Darum macht Jesus den Unterschied zwischen alt und neu und fährt fort: „Wenn du nun deine Gabe darbringst zu dem Altar und dich daselbst erinnerst, dass dein Bruder etwas wider dich habe.“ Was ist da zu tun? Mit einem Mal taucht es in deinem Gedächtnis auf: der Bruder hat etwas wider mich, Seht, hier kommen wir nun zu dem Punkte, den wir gestern versprochen zu behandeln. Doch bevor wir auf die Frage, was zu tun sei, eingehen, muss hier noch eine andere Frage zuerst beantwortet werden. Was heißt das: „deine Gabe an den Altar bringen“? Deine Ansicht darüber ist leider nur zu gang und gäbe, denn du denkst, wenn man zum Abendmahl gehe, könne man die Sache wohl in Ordnung machen; dort sei der rechte Ort und der günstige Moment, um sich zu versöhnen. Es liegt auf der Hand, wie falsch diese Anschauung ist. Ich möchte euch nur eins fragen: Bringen wir beim Abendmahl etwas dar, oder wird uns dort etwas dargebracht? Beim Abendmahl wird uns etwas dargereicht. Daraus folgt, dass nicht vom Abendmahl die Rede sein kann, sondern von dem, was der Heilige Geist Ebr. 13, 15 sagt: „Durch ihn nun lasst uns Gott stets ein Opfer des Lobes darbringen. Das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen.“ Auch noch an andern Stellen des Alten Testaments werden Lob und Dank als Opfer angesehen, wie z. B. Ps. 50, 23: „Opfere Gott Dank und bezahle dem Höchsten deine Gelübde.“ Doch muss hier noch eines Opfers gedacht werden: „Wohlzutun und mitzuteilen vergesset nicht, denn solche Opfer gefallen Gott wohl“ (Ebr. 13, 16). Also Gebet, Dank und Wohltätigkeit sind Opfer. Der Heiland sagt also: Während du deine Knie beugst und Gott dein Dankopfer darbringen willst, fällt dir auf einmal ein, dass dein Bruder etwas gegen dich habe. Was sollst du da tun?

Du sollst dich von deinen Knien erheben und zu deinem Bruder gehen. Jetzt ist es für dich am wichtigsten, dass du mit deinem Bruder sprichst. - Versteht ihr wohl die Tragweite dieser Worte? Wir dürfen nicht einmal beten, so lange wir uns mit dem Bruder nicht ausgesöhnt haben. Nicht einmal beten! Wenn du nun deine Gabe auf dem Altar dargebracht hast und es fällt dir ein, dass dein Bruder etwas gegen dich habe, so lass die Gabe; gehe zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder und dann komm und opfere deine Gabe.

Hast du heute, vorige Woche, vor einem Jahre, vor zehn oder zwanzig Jahren einem Bruder weh getan und es taucht auf einmal in deinem Innern auf, während des Gebetes, so hat dich der Heilige Geist darauf aufmerksam gemacht. Gehe hin und versöhne dich mit deinem Bruder! Ob du nun im Gebete bist oder wo du dich auch sonst befinden magst, gehe sogleich hin und mache die Sache in Ordnung. Seht, so ernst und wichtig sind diese Dinge.

Angenommen, du bist im Begriffe, etwas für die armen Armenier oder für die hungernden Inder zu tun und du gehst auf die Sparkasse, um für diese Ärmsten Geld zu holen; auf dem Wege dorthin fällt dir auf einmal ein, dass ein Bruder oder eine Schwester etwas gegen dich hat, was sollst du machen? Lass die Sparkasse! Viel wichtiger ist es für dich, dass du hingehst und mit deinem Bruder sprichst. Aber wie habt ihr es bis jetzt gemacht in Bezug auf dieser Sache? Anstatt zu dem Bruder zu gehen und bei ihm Abbitte zu tun, habt ihr mit milder Hand und freundlicher Miene ein Fränklein aus der Tasche genommen und es dem lieben Gott als Dankopfer geweiht. Das heißt: Sich selbst betrügen! Das hat keinen Wert vor Gott, wenn ihr eure Sünden mit Wohltaten zudecken wollt. Nein! Gehe hin, Tochter, die du die Frechheit besessen hast, deinen Eltern gegenüber zornig gewesen zu sein! Gehe hin, Vater, der du deinen Kindern ein schlechtes, böses Beispiel gegeben hast, sage zu ihnen: Ich habe gesündigt gegen euch, vergebt mir! Gehe hin, Weib, beuge dich vor deinem Manne, bitte ihn um Vergebung, wenn du böse gewesen bist! Mann, bitte bei deinem Weibe ab! Macht die Sache in Ordnung; ihr dürft nicht beten, bis es geschehen ist. Alle Dinge, die ihr tut, sind sonst Verkehrtheiten vor Gott. Ihr dürft es durchaus nicht aufschieben.

Sage auch nicht: Ja, der oder jene ist mehr schuldig als ich, das mag an und für sich richtig sein; aber hier fragt es sich nur, ob du auch schuldig bist. Bist du schuldig, dann erledige deine Sache und kümmere dich nicht um die Angelegenheiten deines Bruders. Gott verlangt nicht von dir, dass du die Sache deines Bruders erledigst. Es kommt darauf an, dass du wieder in das richtige Verhältnis zu deinem Gott kommst. Lass Gottes Geist wirken bei dem andern Bruder. Wie sollen wir das machen? Du sagst vielleicht: Ach, ich war eben damals so aufgeregt und hitzig und gereizt! Nein! Entschuldige dich selbst nicht! Sage einfach: mein Vater, ich habe gesündigt; meine Tochter, ich habe gefehlt!

O nennt die Sache beim Namen! Denn so wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünde vergibt. Wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit. Wenn ihr an die Sündenvergebung glaubt, aber keine Überwindungskraft habt, so kann es mit der Vergebung eurer Sünden nicht richtig sein. Und da ist es denn sehr häufig der Fall, dass man dem Bruder weh getan, anstatt ihn zu schonen und zu pflegen; und dann bittet man ihn nicht einmal um Verzeihung. O Satan sorgt dafür, dass die Selbsttäuschung eine große ist!

Was ist also das Mittel, das Gott uns gegeben hat, und welches ist die Bedingung, die wir zu erfüllen haben, um wieder in die richtige Stellung zum Heiland und damit auch wieder zur reinen Liebe zu kommen? Das ist Demütigung, Beugung, und zwar den Menschen gegenüber. Erst beuge dich vor denen, gegen die du dich verfehlt hast, und dann erst wird deine Beugung gerecht sein vor Gott. Es gibt ein Wort, das ist universeller Natur: „Und gibt reichlich Gnade, sintemal die Schrift sagt: Gott widerstehet den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade“ (Jak. 4, 6; 1. Petr. 5, 5). Gott gibt den Demütigen Gnade. Das heißt nicht, er werde ihm Gnade geben, sondern er gibt Gnade. Willst du sicher sein, dass Gott dir gnädig ist, so beuge dich! Du hast das Versprechen hier auf der Hand, dass Gott dir dann Gnade geben wird. Liebe ist Gnade. Die Brüder lieben und mit allen ihren Mängeln und Gebrechen tragen zu können, das ist Gnade. O dass euch das recht klar werden möchte!

„So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes.“ Folgt seinem Worte, dann wird es seinen Zweck bei euch nicht verfehlen. Und nun habe ich noch eine Bitte an dich, mein Bruder und meine Schwester. Wenn der Heilige Geist dir heute in Erinnerung gebracht hat, dass du dich da und dort verfehlt hast, so kommt es nicht auf Jahr und Tag an, sondern nur darauf, ob du dich gebeugt und gedemütigt hast. Ist dies nicht der Fall, so steht die Schuld immer noch auf deinem Konto. Sollte gerade der Bruder oder die Schwester, gegen welche du dich verfehlt hast, gegenwärtig sein, so bitte ich dich, gehe nicht eher fort, bis du den Bruder oder die Schwester um Verzeihung gebeten hast. Seht, das heißt Gottes Willen tun und sich unter seine gewaltige Hand beugen. Wenn du dich auf dem Heimwege befindest und der Heilige Geist dir in Erinnerung bringt, dass dort in jenem Hause, an dem du vorübergehst, ein Bruder oder eine Schwester wohnt, gegen welche du dich versündigt hast, o gehe nicht dort vorbei, sondern gehe hinein, rede mit dem Bruder, mit der Schwester, bitte um Verzeihung, mache die Sache in Ordnung, sonst wird dein Herz noch kälter und du bist nur ein großer Kopf, aber kraft- und machtlos. Gottes Wille muss sofort erfüllt werden!

Willst du wieder in die rechte Stellung zum Herrn kommen, willst du wieder inneres Leben gewinnen, so demütige dich. Amen.

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