Rubanowitsch, Israel Johannes - Liebe in Tat und Wahrheit - Die Liebe ohne Ärgernis.

Rubanowitsch, Israel Johannes - Liebe in Tat und Wahrheit - Die Liebe ohne Ärgernis.

1. Joh., 2, 7-11.

„Das ist sein Gebot, dass wir einander lieben sollen, gleichwie er uns ein Gebot gegeben hat“ (1. Joh. 3, 23). „Und dieses Gebot ist wahrhaftig in ihm und in euch,“ heißt es im 8. Verse. Dieses Gebot ist also nicht etwas, das nur von außen an uns herantritt, so wenig als es an Jesus von außen herantrat. Das Gebot war in ihm; das Gebot ist in uns. Das ist das Gebot, von dem der Prophet im Alten Bunde weissagte, wenn er spricht: „Ich will mein Gebot in ihr Herz schreiben.“ Und dasselbe heißt nicht nur: Du sollst lieben, wie es bei den zehn Geboten in Stein gegraben wurde, dass es nun so bei uns ins Herz gegraben werde, sondern die Gebote sind Anlagen, naturgemäße Triebe und Eigenschaften. Wie man einem neugeborenen Kinde nicht zu sagen braucht: So, mein Kind, jetzt musst du atmen, so wenig ist es nötig, einem Wiedergeborenen zu sagen: Jetzt musst du lieben. Aber wie es beim kleinen Kinde dazu kommen kann, dass es den Atem unter furchtbaren Schwierigkeiten holen muss, weil die Lunge krank ist, so kann es auch bei Gotteskindern dazu kommen, dass die inneren Anlagen derart angegriffen sind, dass sie nur unter ähnlichen Schwierigkeiten dem Naturdrange ihres neuen Wesens Genüge leisten können. Und wie es nun beim Kinde unter solchen Umständen und Schwierigkeiten naheliegt, dass es zum Tode geht, wenn die Schmerzen nicht bald aufhören, ebenso weit kann es auch bei dem Gottesmenschen kommen, dass er lieber sterben möchte, als sich zufrieden geben mit einem Zustande, in dem er nicht lieben kann. „Ich schreibe euch ein neues Gebot, das wahr ist in ihm und in euch, weil die Finsternis vergeht und das wahrhaftige Licht schon leuchtet.“ Ein neuer Tag ist angebrochen; das Morgenrot ist schon sichtbar geworden, und nun geht's dem vollen Lichte zu! Dem Menschen, welchem der Morgenstern und das Morgenrot aufgegangen ist, gilt das Wort Offb. 22, 16: „Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt, euch diese Dinge zu bezeugen in den Versammlungen; ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der glänzende Morgenstern.“ Hier ist euch ein Gebot ins Herz geschrieben, das ebenso alt ist, wie Gott selbst; nämlich das Gebot der Liebe.

Im Lichte sein und in der Liebe sein, das sind zwei ganz verwandte Begriffe. Man kann so wenig im Lichte sein und nicht lieben, als man am hellen Tage mit gesunden Augen das Licht nicht sehen kann. Es ist nur eins von zweien möglich: entweder ist's draußen Finsternis, oder es ist draußen Licht und ihr seid blind. Ebenso wenig ist es denkbar, im Lichte Gottes zu sein und nicht zu lieben. Wer aber sagt, er sei im Lichte und hasset seinen Bruder, der ist in der Finsternis bis jetzt, das heißt bis zu dem Augenblick, wo er das sagt und das kann in Bezug auf die Vergangenheit sehr verschieden sein. Wenn ihr einen Menschen auch noch so gesalbt von der Gnade Gottes reden hört, wenn er auch noch so große Gnadenäußerungen in seinem Leben zu verzeichnen hat, hat er aber irgendwie einen Hass in seinem Herzen gegen eine Schwester oder einen Bruder, so ist dies ein klarer, deutlicher Beweis davon, dass er nicht im Lichte ist. Diese scheinbaren Gnadenäußerungen sind entweder erheuchelt oder vom Satan gewirkt, um diese Person dahin zu führen, dass sie nicht mehr weiß, wohin sie geht, wie Vers 11 geschrieben steht.

Wenn ihr ein Kind Gottes findet, welches gegen ein Glied oder gegen eine ganze Gemeinde lieblos ist und sich dabei noch in der Gnade sieht, so nehmt ihr eine tatsächliche Verblendung, eine Erkrankung des inneren Gesichtes wahr. Ja, die Sache liegt noch viel tiefer. Der Heilige Geist sagt hier: „Wer seinen Bruder liebt, der bleibt im Lichte und kein Ärgernis ist in ihm.“ Der griechische Ausdruck dieser Stelle lautet: „Wer seinen Bruder liebt, in dem ist kein Skandal.“ Ich denke, die Bedeutung des Wortes Skandal ist euch allen bekannt. Es ist etwas, worüber die Leute sich aufhalten, wodurch sie angeregt werden zu sprechen und die Köpfe zu schütteln. Das ist etwas Furchtbares, wenn Weltmenschen über dich den Kopf schütteln müssen. Da heißt es dann: Was ist das? Ist das nicht ein Stündeler? Sagte er nicht, er habe Gnade gefunden? Bezeugte er nicht, er sei gerettet, er habe Jesum lieb und wolle für ihn leben? Wie vertragen sich denn Wandel und Reden zusammen?

Seht, solche Dinge werden und müssen vorkommen bei dem Menschen, der nicht liebt. Man kann Gotteskinder finden, welche ganz ausgelassen sind, so dass sie sogar den Weltkindern auffallen; es heißt dann: „Was ist das für eine böse Zunge, sie findet nicht Ruhe, bis sie kalt liegt!“ und dergleichen mehr. Seht, die Liebe hält uns in Zucht; sie verhütet Ärgernis.

Was ist denn das für eine gläubige Magd, die nicht einmal das Zimmer ordentlich fegt, bei der die Teller nicht rein sind und die Lampen nicht helle brennen! Das sind Ärgernisse; solche Dinge dürfen nicht vorkommen. Für eine solche Magd gibt es nur eine Entschuldigung wenn sie mit gutem Gewissen sagen kann: „Ich habe durchaus keine Zeit dazu gefunden.“ - Was ist das für ein gläubiger Knecht, der es hier und dort fehlen lässt, der seinem Herrn die Zeit stiehlt, der nur eine Pünktlichkeit kennt, und zwar die der Essenszeit, und dem es bei den andern Pflichten nicht darauf ankommt, ob er sie versäumt oder nicht? Was ist das für ein Kaufmann, dem man immer auf die Finger sehen muss, ob er auch richtig wiege? Die Welt kann einem solchen das bekannte Verslein vorhalten: „Du Himmelshund gehst in die Stund und gibst drei Viertel für ein Pfund.“ Solche Sachen dürfen nicht vorkommen, aber leider kommen sie gar häufig vor, und zwar nur da, wo die Liebe fehlt. Wo diese fehlt, da ist man für alles offen und empfänglich. So ist es auch in Handwerk und Schreibstube, so ist es im Verkehr mit Weib und Kind.

Aber das Wort geht noch einen Schritt weiter. „Wer seinen Bruder liebt, in dem ist kein Ärgernis.“ Joh. 11, 9 heißt es über das Licht: „Wenn jemand am Tage wandelt, stößt er nicht an, weil er das Licht dieser Welt sieht; wenn aber jemand in der Nacht wandelt, stößt er an, weil das Licht nicht in ihm ist.“ Es handelt sich hier nicht um das Licht unseres Gewissens und um unsere Erkenntnis, sondern darum, ob wir unter dem Gnadenlichte Jesu stehen; hier kommt das Licht außer und über uns in Betracht. Hier ist nicht davon die Rede, dass man andern Anstoß und Ärgernis gibt, sondern davon, dass man selbst nicht Anstoß nimmt, dass man in allen Verhältnissen sagen kann: Ich bekomme keinen Schaden; ich stoße mich nicht daran. Das ist für das ganze Christentum von großer Wichtigkeit.

Wenn du erzählst, du hast hier und da an einem Bruder Anstoß genommen, so ist das eine klar und wahr: Deine Liebe ist nicht ganz und vollkommen. Wenn man im Lichte wandelt, dann stößt man sich nicht. Die Liebe deckt der Sünden Menge; sie übersieht nur zu gerne! Das heißt gewiss nicht, dass man schwarz zu weiß und Licht zu Finsternis macht; aber für seine eigene Person nimmt man keinen Anstoß. Man hält sich nicht darüber auf, wenn ein Bruder oder eine Schwester gefehlt hat.

Das beste, sicherste Zeichen dafür, dass man Anstoß genommen hat, ist, wenn man jemand anders sofort brühwarm erzählt: Denk nur einmal, der und der, diese und jene hat das getan! So und so hat sie es gemacht! Wer hätte doch jemals an so etwas gedacht? Und so geht es fort. So beweisest du dein Anstoßnehmen und stoßest selber an. „Wer seinen Bruder liebt, in dem ist kein Ärgernis.“ Mag dein Bruder auch noch so verkehrt sein wo wahre Liebe vorhanden ist, da gibt's kein Ärgernis. Aber dies ist nur möglich, wenn man im Lichte wandelt.

Lieber Leser, wandelst du im Licht? Wandelst du im Lichte Jesu Christi? Hast du noch nie Anlass dazu gegeben, dass die Leute sich über dich ärgern mussten, und zwar mit vollem Recht? Nimmst du selber noch Anstoß? Kann dich dieser oder jener Bruder mit seiner Ansicht ärgern? Wenn es so ist, dann ist es ein klarer und deutlicher Beweis davon, dass dein Auge geschwächt, dein Wandel ein mangelhafter und dein Herz am Erkalten ist. Amen.

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