Peter, Carl Lorenz - Am Sonntag Oculi.

Peter, Carl Lorenz - Am Sonntag Oculi.

Fortsetzung der Leidensgeschichte. Joh. 13, 21 - 30. Matth. 26, 21-25. Marc. 14, 18-21.

Herr Jesu, verraten vom Menschen der Sünde, aber verklärt vom Vater, behüt' uns vor der Hölle, und er halt' uns aus Gnaden bei der Gemeinde Deiner Heiligen! Amen!

Die Leidensgeschichte unseres Mittlers ist zugleich eine umfassende Sündengeschichte. Außer dem Herrn selbst finden wir alle andern darin Handelnden befleckt, bedeckt, überflutet von Sünde: das Volk, seine Oberen, geistliche wie weltliche, seine Freunde, seine Jünger, darunter der treuesten Einer und ein anderer unterdessen schon abtrünnig gewordener, - sie alle, laufen mit ihren Übertretungen wider den Heiligen an, und schütten ein jeder Stand besonders zu Strömen ihre Sünden über das Lamm Gottes aus, das beladen ist mit der Welt Last. In ihrer Mitte steht der einige Mensch in Gnaden, des Vaters Wohlgefallen, versenkt in die Abgrunds-Nacht unserer Verdammnis, und führt mit heimlicher Gewalt Seinen ewiglich geltenden Sieg über die Hölle aus. So wird uns denn auch in unserm heutigen Passionstext die Macht des Teufels über unser Geschlecht, aber ebenso die Übermacht des Schlangenzertreters in unserm Herrn Jesu offenbar. Es wird uns nämlich darin vorgestellt: Der Herr und Judas, sein Verräter.

„Der Herr, betrübt im Geist, zeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage Euch, Einer unter Euch wird mich verraten.“ - Also nicht ein Weltkind, sondern ein Gläubiger, ein Jünger ist es gewesen, der am ersten - und zwar für Geld - die Hand dazu geboten hat, dem Herrn zum Tode zu verhelfen! Das soll billig wie ein Donnerschlag und Blitz alle, die sich gläubig nennen, durchfahren. Die Judas-Sünde, still herangewachsen und groß geworden in dem allernächsten Umkreis des Herrn, der doch wachte über seine Schafe und sie treulich hütete, ist ein Meisterstück Satans, das aber nur aus wohlverdientem Gericht über den treulosen Bezauberten gelingen konnte. Bei Ankündigung eines solchen entsetzlichen Jünger-Sturzes setzt darum der Heilige Geist ausdrücklich das Wörtlein: „Der Herr zeugte,“ nicht bloß „sprach,“ damit anzudeuten, dass die Aufdeckung des Jünger-Verrats ein wesentliches Stück von dem Zeugnis ausmache, das der Vater ihm für seine Jünger aufgetragen hatte, und dass wir deshalb als ein ganz besonders für uns Gläubige gemünztes Goldstück bewahren sollen. Aber wie ist es doch möglich, dass Jüngerherzen im Stande sind, den, welcher wert ist, dass man um Seinetwillen alles Andere für Schaden und Kot achtet, in der Weise wegzuschätzen und wegzugeben? O liebe Mitjünger, fragen wir uns doch, ist dir und mir unser Gottheiland Jesus wirklich das Allerteuerste, das es für uns gibt? Ist von ihm und von der Liebe zu ihm unser ganzes Herz hingenommen? Weißt du gar nichts, für das es dir möglich wäre, von ihm abzusehen und ihn sodann dafür hinzugeben? Ist nicht noch Anderes da außer ihm und neben ihm, das uns blendet, bindet, anzieht, besonders reizt, Götter neben ihm? Sieh', was wir noch neben ihm haben, das ist unsere Judas-Ader, daraus können du und ich noch Brüder des Judas werden, Verräter am Herrn, die gleich Esau ihn hergeben für das Linsengericht des Weltgenusses oder für den Schmachlohn der Silberlinge!! Ja „Einer unter Euch wird mich verraten.“ Mit Einem Raubanfall allein kann freilich der Wolf ein vom Herrn gehütetes Jüngerherz nicht wegreifen - aber unser Feind, der feine Jäger, nimmt sich Zeit und zielt einstweilen auf die weichen unbepanzerten Stellen, drückt dann und wann einen Pfeil ab; und ist nur einmal eine offene Wunde da, die wir nicht ehrlich dem Arzt vorweisen und nicht geheilt haben wollen, sondern wir verbergen's oder vergessen's oder schlagen es sonst nicht hoch an, so verblutet unser Leben, das wir aus Gott dem Lebendigen hatten! War denn nicht Judas auch der unsern Einer, - ja noch mehr denn wir, ein Apostel, ausgesandt Matth. 10 auch mit den übrigen Elf? Es war ihnen Macht gegeben über die unsauberen Geister und über allerlei Seuche und Krankheit; nicht genug, Judas stand sogar im nächsten Umgang mit dem Herrn selbst. Aber sein Auge war nicht einfältig, sondern ein Schalk, er sah nicht gerade aus auf den Herrn und nicht auf ihn allein, sondern er schielte auf noch etwas neben dem Herrn. Du musst es doch auf dem neuen Weg, den du betreten, auch zu Etwas bringen“ raunte der Feinde dem Judas ein. Jesus und sein Reich sollte ihm zum Mittel dienen, dass er doch auch seinen Teil von dieser Welt erlange. Gibt es einen dem Herrn entgegengesetzteren Sinn als diesen? Heißt er nicht seine Gläubigen absagen Allem, das sie haben, und das, was ihr eigen Leben ist, hassen? Aber nun macht man sich einen kleinen Vorbehalt, den man nicht opfern mag. Von Allem will man denn doch nicht lassen. Ein Stück von dieser Welt muss man sich doch sichern. Siehe da den Samen zu einer Herzens-Lücke in Judas! Jetzt ist ein Basilisken Ei da, wofür die alte Schlange sorgt, dass es ausgebrütet wird. Wie wahr ist das Wort eines weisen Mannes: „wer auf den irdischen Reichtum was hält, der hält in Wahrheit auf Gott und auf den ganzen Himmel gar nichts, wenn er's schon meint.“ Mit diesem Schlangen-Ei im Herzen sollte sich Judas sofort offen vom Herrn lossagen, denn er gehört Ihm doch nicht mehr an; aber man versteht sich dazu, auch weiterhin mitzumachen und nun einmal im Jüngerkreis zu verbleiben, aus dem man bereits innerlichst ausgeschieden ist. Neue und zweite noch tiefere Lücke von Judas und seinen Brüdern! Man will ein Gläubiger des Herrn sein und als solcher gelten, und man ist's doch nicht, und nicht mehr! Die schwarze finstere Herzensgestalt kann man nicht sehen lassen - so zieht man das weiße Jüngerkleid darüber an, dass es ein Ansehen hat - und wie es vom Vater der Finsternis heißt: „er verstellt sich zum Engel des Lichts.“ so wird das Kind je mehr und mehr das Bild seines Vaters mit dem Schein eines Lichtengels, obenauf weiß und lieblich, Jüngermäßig, und dahinter schwarz und furchtbar - ein abgefallener Jünger! Aber was muss Judas hören in der Jünger Mitte, bei denen er bleibt? fort und fort das Wort des Herrn, wovon er wie mit Feuer überschüttet wird, und das er doch nicht mag, sondern verachtet und tief hasst, und zwar mit immer glühenderem Ingrimm, mit bewusstem eigenwilligem Widerstreit gegen die Pfeile des Heiligen Geistes. Judas, durch des Herrn Nähe von dem Geist der Wahrheit umhaucht wie von einer Luft, die ihn noch heilen könnte, streitet und sündigt wider den Heiligen Geist! Er hasst Jesum in innerster Seele, aber er hält noch aus bei Ihm, denn er hat noch Aussicht, durch Ihn es zu Etwas zu bringen auf Erden. Hab und Gut hienieden - das ist des gefallenen Jüngers Himmelreich geworden - und ist denn nicht alles Andere ungewiss und in Frage? endet nicht die Straße des Jesu von Nazareth in Wolken und Nebel? Du, Judas, musst dir einen festeren Boden unter die Füße schaffen, als dieser törichte Schwärmer!“ - so sagt ihm der Teufel ins Herz, sein nunmehriger Führer, dem er sich ergeben hat, und der endlich ganz und persönlich von ihm Besitz nimmt. Joh. 13, 27: „Satan fuhr in ihn.“ Was etwas einträgt, das lobt sich endlich der abtrünnige Judas, das loben seine Brüder, wenn auch noch so Gräuliches und Mörderisches mitunterlaufe. Nur eine Gelegenheit, die der Versucher schon herbeischafft, braucht es noch, um sogar an dem satanisch-verhassten Jesu und an dessen Person selbst etwas gewinnen zu können: da begeht der in äußerster Finsternis erblindete Judas in seinem abgrundmäßigen Grimm die Raserei und die Teufelei, den wie eine geringe Ware wegzuschätzen und zum Tod zu verkaufen, neben welchem es Nichts gibt, das Ihm gleichgeschätzt werden könnte, Der der einzige und unvergleichliche Himmels-Juwel für unser Geschlecht ist, ohne welchen der Reichste ein armer Verlorener, und in dessen Besitz der Ärmste ein Inhaber der Schätze Gottes wird! Diesen wirfst du weg durch selbsteigene Schuld, gestürzter Judas! O was gibst du hinaus? Und was ist's, das du dafür einnimmst? - Ja, die Gottlosen sind Narren, die ewiglich müssen zu Schanden werden! - Narren sind alle die klugen Judasbrüder, die hingehen und lassen den Herrn und sein Reich, gehen aus der Schule seiner Geisteszucht, und bekommen nun dafür ihren Lohn von dem Gott dieser Welt, welcher ihnen Mammon und Ehre, Gunst und Beförderung, Lob und Genuss zuträgt - als neue Stricke, womit der arglistige Mörder sie wieder in den alten bisher verlassenen Unflat der Welt hineinbindet! Es gibt einen Preis, für diesen sind sie feil! Aber wie schlecht zahlt doch die Welt alle, die ihr zu Gefallen vom Herrn und seinem Wege weichen! Und wenn sie auch alle Schätze der Welt gewännen, so sind es doch nur dreißig jämmerliche Silberlinge, womit ihnen ihre Judas-Werke und Wege belohnt werden, wogegen sie ihre Erstgeburt, ihre durch den Gottheiland so teuer erkaufte und geheiligte Seele und deren ewige Seligkeit wieder verkaufen. „Es wäre ihnen besser, dass sie den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt hätten, denn dass sie ihn erkennen und sich kehren von dem heiligen Gebot, das ihnen gegeben ist. Es ist ihnen wiederfahren das wahre Sprichwort: „Der Hund frisst wieder, was er gespien hat; und die Sau wälzt sich nach der Schwemme wieder im Kot.“ 2. Petri 2, 21. 22. Judas auf seinem Nachtweg zu den Todfeinden Jesu, Judas Frage: „was wollt ihr mir geben? meine Dienste könnt ihr haben, sie sind feil!“ Judas ausgestreckte Hand, in welche das Höllengeld hineingelegt wird, das ihn dann wie Höllenflammen brennt, Judas mit dem falschen Kuss auf des Heilands Lippen, Judas endlich am Strick und hinabstürzend in die Grube der Finsternis, er der Zwölfen Einer aus des Herrn Jesu allernächster Umgebung, der so fein lief im Anfang, der im Geist angefangen und im Fleisch und Fluch es vollendet hat - dies Jammerbild durchbebe unsere Herzen und wecke uns aus unserer Sicherheit und Trägheit und Blindheit gegen unsern erschrecklichen Feind auf, und lasse uns mit den Zwölfen in unserem Text fragen: „Herr, bin ich's? zeig' mir doch meine Judas-Ader!“ Rein ab und Christo an so ist die Sach' getan! Ob mich die Welt an einem Halme, ob sie mich an der Kette hält, ist Eins.“ Ein Bindfaden reicht hin, das Schaf zur Schlachtbank zu führen, es braucht kein Strick zu sein. „In des Herrn Augen kann nur ein ganz befreiter Geist, kann nur die laut're Liebe taugen, die alles Andre Schaden heißt.“

Achten wir nun aber weiter neben dem Menschen der Sünde, Judas, diesem ausgeborenen, ausgereiften Sohn der Finsternis, auf den, welcher der einige Mensch in Gnaden, der wahrhaftige Sohn des Vaters, das Licht in Person ist, in welchem keine Finsternis ist; sehen wir doch gegenüber der vollendeten Ausgeburt Satans das fehllose, heilige Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt, das aber auch die Sünde Satans richtet! Wie schwer und seelendurchbohrend war doch das Leiden, das dem Herrn mit Judas und an diesem widerfuhr. Für die Liebe, womit er diesen Jünger bisher geleitet und getragen, empfängt er den verruchtesten, schwärzesten Undank und Groll; für alle Arbeit, die er an dessen Seele gewendet, erntet er die dornenreichste Höllenfrucht; für die Berufung und Erwählung, die er ihm in Gnaden angetan, steht am Ende vor Augen da des Judas äußerste Verworfenheit! Wahrlich, ein Leiden, das einem die Seele zu zerrütten, zu erbittern und verzagt zu machen geeignet ist und manche Frage hervorruft: Warum doch auch das?! Soll Jesus das Opfer solcher Bosheit werden? Die drei Worte aber, die der Herr über den Verrat des Judas ausspricht, öffnen uns den Blick in das unaussprechlich reine Seelen-Heiligtum, aus welchem für uns gezahlte Opfer als ein süßer Geruch aufgestiegen sind vor Gott dem Vater, und woraus auch seiner Kreuz-Gemeinde die Kräfte dargereicht werden, bei ihren von falschen Jüngern auf sie gelegten Leiden dem Herrn in seine Fußstapfen nachfolgen.

Der Herr wird bei diesem schrecklichen Ausgang des Judas nicht irre an der Berufung, womit er auch ihn zu einem Jünger erwählt hatte. Die ihm der Vater gegeben hatte, die hatte er bewahrt, und ist keiner von ihnen verloren. Dass nun aber aus der engsten Umgebung dennoch einer abfiel und das verlorene Kind wurde, darüber nimmt der Menschensohn das Licht und den Aufschluss aus dem festen geschriebenen Wort, und fasst darüber seine Seele im Gehorsam der Schrift. Weil es geschrieben steht, musste es so kommen. Darum zeugt er: „Des Menschen Sohn geht zwar dahin, wie von ihm geschrieben steht.“ Bei diesem schauerlichen Abfall eines erwählten Apostels, worüber einem Sinne und Gedanken schwinden könnten, dass solches möglich, ja wirklich wurde, lässt der Menschensohn das Wort, die Schrift, seines Fußes Leuchte und ein Licht auf seinem Wege sein. Er steht still mit seinen Gedanken anbetend vor des Vaters Rat. Dass es geschrieben steht, das genügt Ihm, um in dieser seelenzerschneidenden Erfahrung sich zu beschwichtigen. Die Schrift - das Buch von dem lebendigen Gott, die Urkunde, in der des Vaters Rat lauter niedergelegt ist - sagt's. Das ist genug, mehr braucht es nicht. Daran hält unser Mittler. Die Schrift und der Vater haben für Ihn eine Geltung; die Schrift ist ja des Vaters! Weil aber die Schrift redet von dem Leiden und Sterben Christi zuvor durch die Propheten, und weil die Schrift auch kund tut, seiner Erwählten einer werde sein Verräter sein: darum muss es ja auch also kommen, wie geschrieben steht. Denn alles kann gebrochen werden, nur die Schrift nicht. Das Leben des Gottes- und Menschensohnes selbst ist gebrochen worden, und das um der Schrift willen, auf dass nichts an der Schrift fehle, denn sie muss ganz und ungebrochen und unangetastet dastehen! Muss aber nicht allen denen, die des Herrn Gläubige und Erwählte sind, ein Stich ins Herz gehen darüber, dass in dem Wunder-Buch unseres großen Gottes voraus schon geschrieben steht, seiner allernächsten Einer werde ihn zum Tod liefern?! Wie bis ins allertiefste demütigend für alle Jüngerherzen ist das! Lasst uns wachen und forschen unser Wesen! Judas hatte eine Zeit, da war auch er ein Jünger; seien wir doch nicht sicher, halten wir uns doch auch des Ärgsten für fähig, so werden wir dem Feind sein Netz zerreißen können im Licht, in der Demut und Kraft des Herrn.

Wenn aber zum Voraus in der Schrift stand von dem Verrat des Judas, war denn da dieser nicht gezwungen, seine Sünde zu tun? Kann seine Sünde ihm da angerechnet werden? Was Judas getan, hat er mit seinem selbsteigenen Willen getan: er hat den heiligen Menschen- und Gottessohn, der vom Vater auch vor Judas Augen versiegelt war, aus höllischem Hass und Geiz in die Hände von Todfeinden überantwortet, und er hat damit nicht bloß gegen den Menschensohn gesündigt (Matth. 12, 32), sondern er hat damit auch den Heiligen Geist gelästert, welcher auch ihm in Jesu seinen Herrn und Gott verklärt hat: und darum spricht der, welcher das Lamm Gottes ist, in seinem heiligen Zorn das entsetzliche Wehe über ihn aus: „Doch wehe dem Menschen, durch welchen des Menschen Sohn verraten wird.“ Dieser verdammende Weheruf ist ein voll und ganz verdienter. Was wartete bisher auf Judas bei dem Herrn? Gnade um Gnade ohne alles Verdienst, das heilige Apostel-Amt, dass sein Name einst mit den Elf andern glänzen sollte in den zwölf Grundsteinen der Stadt Gottes, und die Ausrüstung zu diesem Amt durch das kostbare Blut des neuen Testaments vom Sohne Gottes, das auch ihm zugedacht gewesen war, - und die Versiegelung aller Herzens- und Amts - Gnade durch den Heiligen Geist aus der Höhe! Das wartete auf Judas bei dem Herrn. Und womit hat er seinen Gottheiland bezahlt? Mit wissentlicher Zertretung aller seiner Wohltaten, mit Wegstoßung seiner Gnade, mit teuflischem Hass und Spott gegen die Strahlen seiner Gottheit, die der Ohnmächtige auslöschen wollte durch die Mordhände der Todfeinde, denen er sich zum käuflichen Werkzeug anbot. Judas stößt den segnenden errettenden Heiland wissentlich von sich, Judas will des Segens nicht in seinem Grimm und Hohn gegen Jesum. Psalm 109, 17-19: „er wollte den Fluch haben, der wird ihm auch kommen; er wollte des Segens nicht, so wird er auch ferne von ihm bleiben. Und zog an den Fluch wie sein Hemd, und ist in sein Inwendiges gegangen wie Wasser, und wie Öl in seine Gebeine; so werde er ihm wie ein Kleid, das er anhabe, und wie ein Gürtel, damit er sich allwege gürte.“ Der große Hohepriester ist auf dem Weg, sein Blut des ewigen Testaments für die Sünden der Welt auf Golgatha darzubringen - und gerade auf diesem Weg hat das verdammende Wehe gegen Judas aus dem Munde dessen, der für seine Feinde Fürbitte am Kreuze beim Vater einlegte, die Zentner-Last einer ewigen Verwerfung. Denn würde sich die Kraft des Blutes vom Kreuze auch auf die Judassünde erstrecken, so könnte der Herr nicht in dem Grad verdammend reden, wie er doch redet. Dies Verdammungswort auf dem gnadenreichen Opferweg redet des Lammes Zorn! Die wissentliche Verratssünde wider den Gottessohn und die Lästerungssünde wider den Heiligen Geist, des Judas Doppellast hat keinen Anteil an der erlösenden Kraft des Blutes Christi. Schrecklich zu sagen! - Aber für wissentliche teuflische Sünde wider den Geist Gottes hat selbst Christi Blut keine Vergebung, sondern vielmehr ewige Verdammung!

Denn vernehmen wir zum Schlusse noch des Herrn drittes Wort über Judas. Er sagt: „Es wäre ihm besser, dass er nicht geboren wäre.“ Zwar ein Klageton der Heilandsliebe geht durch dieses Wort hindurch, denn der Mensch jammert Jesum bis in seine Geburt hinein, er will ja nicht den Tod des Sünders, es schmerzt den liebereichen Menschensohn dieser Sturz eines Jüngers in den Abgrund, so dass er ihn bejammert bis in die erste Stunde seines Lebens. Aber zugleich legt doch dies dritte Wort des Herrn den Verräter in den Entsetzenerregenden Abgrund einer ewigen Verwerfung. Denn würde jemals, wenn auch erst nach Jahrtausenden, noch eine Erlösung für Judas kommen, so würde er später noch selig werden, so wäre es ja dann doch besser, dass er geboren ist. Nun aber spricht der Mund des ewigen Richters: es wäre ihm besser, er wäre nicht geboren!“ Damit ist ja alle fernere Seligwerdung des Judas völlig abgeschnitten - und der Herr stellt uns mit diesem grauenvollen Wort an einen furchtbaren, ewigen Abgrund, vor dem uns Furcht und Zittern ankommen soll, dass wir nicht da hineinstürzen. Absichtlich will der Herr den gähnenden Rachen einer endlosen Verdammung in diesem Wort uns vor die Augen stellen. Beben wir vor der Überschrift, die der Herr an diese finstere Grube mit klaren Buchstaben gesetzt hat, und erkühnen und versündigen wir uns nicht, daran zu schreiben „Läuterungs-Ort,“ nachdem sein wahrhaftiger Mund die warnende Flammenschrift drüber getan: Besser nie geboren!

Das ewige Erbarmen Gottes hat Niemanden gesetzt zum Zorn, sondern Jedweden, die Seligkeit zu besitzen durch unsern Herrn Jesum Christum. Der Herr wahrlich will unser Verderben nicht, aber wir wollens so tief bezaubert und verblendet sind wir durch des Teufels große List und Macht. Darum wollen wir das Licht lieb haben, das Schalksauge ausreißen, treu sein gegen die Züge des Heiligen Geistes, auf der Hut stehen mit wachenden und bebenden Herzen, und lieber die Welt und uns selbst daran geben als Christum unsern Herrn und Gott. Ist Er denn nicht köstlicher als alles Andere? Nun so sei Er unser Kleinod, das uns um nichts feil ist, was es auch sei! Der Weg des Lebens geht überwärts, klug zu machen, auf dass man meide die Hölle unterwärts (Sprüche 15, 24). Amen!

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