Wir sollen also gebrauchen der gegenwärtigen Zeit Lieblichkeit, dass uns niemals entfalle des zukünftigen Gerichtes Bitterkeit. (Gregorius.)

Die Heimlichkeit des Himmels auszugrübeln, ist unsers Berufes gar nicht. Jedoch dürfte einer fast auf die Gedanken geraten, der Engel, welcher das Zeichen zum Jüngsten Gericht geben soll, habe sich bereits vor den Thron des Lammes mit seiner Posaune gestellt und warte alle Augenblicke auf die ersehnte Stunde, wo die Zahl der Märtyrer und Auserwählten erfüllt sein wird. Ja es dürfte einer fast sich vorstellen, die triumphierende Kirche habe sich bereits in die Ordnung aufgestellt und warte auf das Zeichen, wann sie aus dem Himmel in die Luft fortrücken soll (1 Thess. 4.).

Und was für ein unglaublicher Jubel, und was für ein unaussprechliches Triumphgeschrei, und was für ein unbegreifliches Jauchzen, Singen und Loben wird sich im Himmel unter den Patriarchen und Königen, unter den Priestern und Leviten, unter den Propheten und Aposteln, unter den Märtyrern und Bekennern, unter den Israeliten und Christen, unter den Engeln und Seelen erheben, wann endlich der Tag gekommen, wo Jesus Christus zum Gericht aufbricht, der Tag, von welchem Gott so lange geweissagt und auf welchen die Kirche so lange gehofft hat!

Alsdann werden sie anheben einen Triumphgesang dem königlichen Stamm David, einen Triumphgesang dem fürstlichen Hause Juda, einen Triumphgesang dem werten Geschlecht Jakob, einen Triumphgesang Christo Jesu, einen Triumphgesang der hochheiligen Dreieinigkeit. Da werden sie rufen Triumph über die Hölle, die der Sohn Gottes bestritten; Triumph über den Teufel, den Er überwunden; Triumph über den Tod, den Er erwürgt; Triumph wegen der Auserwählten, die er so herrlich erhalten und erlöst habe. Sie werden rufen: das ist der Tag, an welchem nicht die erschaffene Sonne am irdischen Himmel, sondern die unerschaffene in den Wolken des ewigen Himmels aufgehen wird! Das ist die letzte Zukunft, in welcher Er alles Jammers ein Ende machen wird.

In seiner ersten Zukunft weinte Christus als ein Kind; jetzt aber wird Er sich erheben als ein Riese. Damals lag Er im Stall zu Bethlehem; jetzt wird Er erscheinen auf dem Thron der Majestät. Damals ward er geschlachtet als ein Lämmlein, jetzt wird Er brüllen wie ein Löwe; und wird über die Frommen Seine Sanftmut und Gnade, über die Gottlosen Seinen Zorn und Gerechtigkeit ergehen lassen. Er wird den Tod erschrecken und die Hölle bewegen.

Was hast du nun gewonnen, du teuflische Schar, ihr unmenschlichen Tyrannen! Das Lamm habt ihr erwürgt an seinem Leibe und an seinen Gliedern; und nun wird all das gerechte Blut, welches von dem ersten Abel an bis auf den letzten Märtyrer vergossen worden, an euch ewig gerächt werden!

Groß war die Freude, als die Kinder Israel aus dem babylonischen Gefängnis in ihr Vaterland zurückkehrten. Und wie müssen sie bei der ersten Botschaft von des Königs gnädigem Willen gejauchzt haben! Groß war die Freude, als die Kanaaniter durch die Tapferkeit Deboras und Baraks den Sieg verloren hatten. Und wie müssen sie bei der ersten Kunde von der gewonnenen Schlacht frohlockt haben! Aber was ist das gegen die Freude der Himmelsbürger! Sie kommen nicht aus dem Gefängnis, sondern aus der Freiheit. Sie sind nicht entronnen der Todesgefahr, sondern haben gelebt in Sicherheit. Wenn alle Wasser des Meeres ihr Brausen; wenn alle Winde in der Luft ihr Sausen; wenn alle Menschen auf Erden zugleich ihr Geschrei erhüben: so könnte das alles doch das Freudengeschrei und den Jubelgesang der Engel und Auserwählten nicht überstimmen.

Herr Jesu! ich sollte billig einen Sack um mich hüllen, in die Asche mich setzen, in den Staub mich legen, auf meine Brust schlagen, und die Augen mit Wasser überfließen lassen, wenn ich Deine Gnadentaten betrachte. Denn um meinetwillen bist Du ins Fleisch gekommen und hast nicht allein im Tode, sondern auch in der Geburt für mich gelitten. Um meinetwillen bist Du aufgefahren und um meinetwillen wirst Du wiederkommen. Verleihe mir Deine Gnade, dass ich hier mit der streitenden Kirche über meine Sünde seufze und dort mit der triumphierenden Kirche über Deine Zukunft jauchze. Amen.

Cookies helfen bei der Bereitstellung von Inhalten. Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung der Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies auf Ihrem Computer gespeichert werden. Außerdem bestätigen Sie, dass Sie unsere Datenschutzerklärung gelesen und verstanden haben. Wenn Sie nicht einverstanden sind, verlassen Sie die Website.Weitere Information
autoren/m/mayfart/mayfart-himmlisches_jerusalem/mayfart-himmlisches_jerusalem-kapitel_2-2.txt · Zuletzt geändert:
Public Domain Falls nicht anders bezeichnet, ist der Inhalt dieses Wikis unter der folgenden Lizenz veröffentlicht: Public Domain