MacDuff, John - Abendopfer - 5ter Abend. Um die Zucht der Gnade
„Am Abend will ich beten“
„Verzeihe mir die verborgenen Fehler.“ Ps. 19, 13.
Heiliger Gott, Du hast in deiner Gnade mich wiederum einen Tag verleben lassen. Mit wie unermüdlicher Wachsamkeit hast Du meinen Pfad heute behütet, mich bewahrt vor Gefahren, Versuchungen von mir fern gehalten und mit den Segnungen Deiner Liebe mich überschüttet! Wo ist ein Freund in dieser Welt, der wäre wie Du! Da ist keiner, der es so aufrichtig, so treu mit mir meint; keiner der im Stande wäre, mir zu helfen, so wie Du! Wenn es mir gelungen ist, der Sünde zu widerstehen, so verdanke ich es nur Deiner treuen Gnade, die mich dazu befähigt hat. Wie oft hast Du meinen Fuß bewahrt, da ich auszugleiten drohte auf schlüpfrigem Pfade! Wie häufig, wenn am Rande des Abgrundes taumelnd, ich in die Tiefe zu stürzen im Begriffe stand, hat Deine rettende Hand mich zurückgehalten vom unvermeidlichen Verderben.
Obschon in Folge meiner eigenen Sündhaftigkeit und Sorglosigkeit ich ohne Hoffnung hätte dahingehen müssen: hast Du doch nicht zugegeben, dass das schwankende Rohr zerbreche und der glimmende Docht ausgelöscht würde.
Herr, es ist mein innigstes Gebet, dass Deine Gnade mir stets überschwänglich wertvoll und teuer sein möge. Lass keinen inneren Feind meinen Frieden stören oder meine Sicherheit gefährden. Lass Deine Liebe zur vollen Herrschaft über alle meine Gedanken und Empfindungen gelangen. Lass es keiner andern Macht gelingen, Deine Liebe in mir zu verdrängen. Lehre mich stets eine heilige Wachsamkeit üben über dieses träge, unstete und betrügerische Herz, und Tag für Tag suchen, die Sünde mehr und völliger zu überwinden.
Möchten alle Deine Schickungen zu meiner Heiligung dienen! Gib nicht zu, dass ich mich den Leiden zu entziehen suche in Deinem Dienste, sondern lass mich das Kreuz willig auf mich nehmen. Deine Liebe für mich ist zu groß, als dass Du mich meinen eigenen Weg könntest gehen lassen. Was auch immer Dein Wille über mich verhängen mag, lass mich nur freudig und getrost mich diesem Deinem Willen unterwerfen, da ich ja weiß, dass Alles, was Du mir schickst, ein Erweis Deiner unendlichen Weisheit und Deiner unveränderlichen Liebe ist. Alle meine irdischen Beschäftigungen lass durchdrungen und geheiligt werden von der tröstlichen Gewissheit Deiner Gnadennähe. Wenn ich den Tag über im Lichte Deines Angesichtes wandelte, o dann muss ich ja wohl geborgen sein auch in den Schatten der Nacht!
Herr, Du Gott Bethels - Gott aller Menschenkinder, Heiland aller Sünder, senke Deinen Segen auf alle hernieder, die mir verwandt und bekannt, die mir in Liebe verbunden sind. Gib Deinen heiligen Engeln Befehl über ihnen, lass ihre Namen geschrieben sein in dem Lebensbuche der Bürger von Jerusalem, und lass uns Alle in unseren verschiedenen Verhältnissen einzig darnach trachten, Deinen Namen auf Erden zu verklären, und in unserm täglichen Wandel, dem sanften und demütigen, dem uneigennützigen und selbstverleugnenden Geiste Dessen ähnlich zu werden, welcher uns ein Vorbild gelassen, dass wir nachfolgen sollten Seinen Fußstapfen.
Lass das Königreich Deines Sohnes bald herbeikommen. Mache Dich auf, mein Gott, und führe Du selbst Deine Sache zum Siege. Errette Deine Gemeine, segne Dein Erbe, sättige Dein Volk mit Deiner Gnade und richte aus aus dem Staube die Elenden.
Halte mich in Deiner Hut und lass mich, wenn es so Dein Wille ist, das Licht eines neuen Tages erblicken, nur um Deinem Dienst diesen neuen Tag zu weihen, um Dir aufs Neue herzlicher zu danken für alle Deine Wohltat, und mich aufs Neue verklären zu lassen durch Deine Gnade. Ja, sei Du mein Führer durch Leben und Tod zur Herrlichkeit, um dessen willen, in dem alle meine Hoffnungen ruhen, und dem mit Dir dem Vater und dem Heiligen Geiste sei Lob und Preis in Ewigkeit. Amen.
Mein Gebet müsse vor Dir taugen wie ein Rauchopfer, meiner Hände Aufheben wie ein Abendopfer!