MacDuff, John - Abendopfer - 4ter Abend. Um heiligende Gnade

„Am Abend will ich beten“

Heilige sie in Deiner Wahrheit! Dein Wort ist die Wahrheit.“ Ev. Joh. 17, 17.

Heiliger Gott, neige Du das Antlitz Deiner Liebe und Barmherzigkeit huldreich auf mich nieder. Sei Du mir nahe, denn ich habe mich unterwunden, in Gebet und Flehen vor Dein Angesicht zu treten. Lass das selige Gefühl in meinem Herzen einkehren, dass ich Deiner Herrlichkeit näher gerückt bin.

Gib Du, dass ich darauf achte, wie eine Nacht nach der andern über meinem Haupte hinflieht und so meine Gnadenzeit schnell und unaufhaltsam dahineilt, und dass die Nacht bald kommen wird, „darin niemand wirken kann“.

Leider habe ich, Herr, mein Gott, die Zeit, welche hinter mir liegt, so schlecht angewandt, dass es mir selbst wie ein Wunder ist, dass ich mit all meiner Undankbarkeit und Bosheit mich Deinem Throne nahen darf. Ach, ich habe mich versündigt gegen Dein Licht und gegen Deine Liebe, gegen Deine Warnungen und gegen Deine Erbarmungen, gegen Deinen Ernst und gegen Deine Güte.

Ein Rückblick auf das Leben, das hinter mir liegt, führt mir meine Sündenschuld vor die Augen. Ich trage Leid über meine vielen Fehltritte, über die Entfernung meines Herzens von Dir, über die Wankelmütigkeit meines Geistes, über die Unbeständigkeit meiner Liebe. Wenn ich nach dem erhabenen und untrüglichen Maßstab Deines Gesetzes mich prüfe, o wie sind dann meine besten Worte und Taten befleckt und unrein. Wie viel Eigenliebe und Selbstvergötterung finde ich bei mir, - wie wenig ist mein Herz erfüllt mit Liebe zu Dir, und wie wenig Einfalt des Herzens zeige ich in Deinem Dienst!

Heiliger Jesu! Aufs Neue flüchte ich mich zu dem Gezelt Deiner Liebe. Ich habe keine andere Hoffnung, keine andere Zuflucht, als Dein vollbrachtes Werk, Dein vollgültiges Opfer, Deine unbefleckte Gerechtigkeit. In Dir ist alle Fülle und Genüge für allen Mangel. Meine sterbliche Schwachheit und unermessliche Bedürftigkeit kann doch Deine unendliche Kraft und Fülle nicht erschöpfen. Lass mich hören die tröstlichen Worte Deiner Stimme: „Deine Sünden, so viel ihrer sind, sind dir vergeben!“ besprenge mich mit Deinem Blute, heilige meinen Leib, Seele und Geist. Mache mich immer mehr Deinem Bilde ähnlich. Lehre mich immer mehr das Glück wahrer Heiligkeit kennen, dass ich nur darin meine Seligkeit finde, wenn ich wandele, wie es Dir gefällt. - Möge die Macht der Gnade immer stärker und stärker werden, und die Macht der Sünde immer schwächer und schwächer! Lass die Prüfungen und das Kreuz, welches Du mir auferlegt, mir leicht und sanft werden, und lehre mich dasselbe tragen mit einem sanftmütigen Geist und in gelassenem Mut, völlig ergeben in Deinen göttlichen Willen. Lass Dein Wort jeden Zweifel und jede Besorgnis in mir verscheuchen, Dein selig, köstlich, tröstlich Wort: „Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr des alles bedürfet.“ Herr, mein Gott, lass alle Schickungen Deiner Vorsehung dazu dienen, mein Herz zu prüfen, die Aufrichtigkeit meiner Liebe zu Dir zu läutern, und mich geschickt und tüchtig zu machen zu Deinem himmlischen Reiche.

Breite, Herr! Dein Reich und Dein Evangelium aus in der ganzen Welt. Stärke Deine Friedensboten und alle Diener am Wort. Segne Du ihre Arbeit also, dass sie stets das Rauschen der Fußtritte des Meisters hinter sich vernehmen. Gib, dass Deine Kirche in der Furcht Gottes gedeihe und der Trost Deines Heiligen Geistes bei ihr bleibe.

Segne alle meine geliebten Freunde, fern und nahe, sei Du ihr allmächtiger Beschützer und Führer. Sende Deinen Engel hernieder zu dieser Zeit unseres Abendopfers, um alle unsere Herzen anzurühren, und gewähre unserem Flehen eine gnädige Erhörung. Lass uns morgen zu Deinem Dienste neu gestärkt erwachen, und tüchtig gemacht sein für Alles, was Du nach Deiner gütigen Vorsehung uns zu tun oder zu leiden auferlegen möchtest. Erhöre uns gnädiger Gott, um Dessen willen, den Du immer erhörst. Amen.

Mein Gebet müsse vor Dir taugen wie ein Räuchopfer, meiner Hände Aufheben wie ein Abendopfer!

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