MacDuff, John - Abendopfer - 1ster Abend - Um Gemeinschaft mit Gott.

MacDuff, John - Abendopfer - 1ster Abend - Um Gemeinschaft mit Gott.

„Am Abend will ich beten“

Bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt.“ Luk 24, 29.

Gott, ich begehre zu treten vor Deinen Gnadenthron am Abend dieses Tages, und Dich anzuflehen um Deinen Segen. Die Schatten der Nacht haben aufs Neue mich umfangen; gib, dass kein Schatten der Sünde oder des Unglaubens meine Seele verdunkle, oder meine Gemeinschaft mit Dir störe. „Nacht ist wie der Tag“, wenn Du nahe bist. Lass mich ins Allerheiligste Deiner Gegenwart treten, und mich der innigsten Gemeinschaft mit Dir, meinem himmlischen Vater, froh werden.

Vergib aus Gnaden alle Sünden des vergangenen Tages, die Unterlassungen und Begehungen, die Versündigungen in Gedanken, Worten und in Werken. Birg Dein Täublein aufs Neue in den Spalten des geschlagenen Felsens. Ich baue ja vertrauensvoll meine ewigen Hoffnungen auf das vollbrachte Werk und die Gerechtigkeit eines Erlösers, der sich für mich dahingegeben in den Tod. Gib, dass ich immer mehr zu Seinem Kreuze hingezogen werde, und die Vollgültigkeit Seines Verdienstes für alle die Mängel und Schwächen, Sorgen und Gebrechen meiner dem Leiden und der Versuchung unterworfenen Natur immer besser erkenne. Gib, dass mein Leben und mein Streben immer mehr aus der Quelle meiner Liebe zu Ihm fließen, und ich immer mehr die Seligkeit eines Seinem Dienste geweihten Lebens an meinem Herzen erfahren möge.

Gnädiger Gott! lass das Bewusstsein Deiner Liebe all mein Vorhaben mit seiner läuternden Kraft durchdringen, jedes Kreuz mir erleichtern und jede Sorge mir versüßen. Nimm mir alles, wenn es Dir so gefällt, aber entzieh mir nicht Deine Liebe und Gegenwart; denn kein irdisches Gut kann für den Verlust Deiner Gemeinschaft einen Ersatz bieten. Ohne Dich würde das Dasein ein endloses Nichts sein. Lass mich die Seligkeit schmecken, auf Deine Bundestreue trauend, leben zu dürfen in der Gewissheit, dass alles, was mir begegnet, nur ein Unterpfand Deiner Liebe ist, und dass Nichts zum Bösen ausschlagen kann, was aus Deiner Vaterhand kommt. Gib, dass mein täglicher Wandel geheiligt und erleuchtet werde durch Deine Gegenwart, und dass ich mit einem ruhigen und unverzagten Blick in die dunkle und unsichere Zukunft schauen möge, durch die Gewissheit getröstet, dass ich, weil Du mein Teil und Erbe bist, selbst über die dunklen Pforten des Grabes die Inschrift setzen kann: „Sterben ist mir Gewinn!“ Mache Du mich tüchtig zu jeder Pflichterfüllung, bereite Du mich zu jeder Prüfung vor. Wenn Du mir „voll einschenkest“, so gib mir die Gnade, den Becher mit fester Hand zu halten. Wenn Du mir Trübsal sendest, so lass sie mich betrachten als Deine gnädige Züchtigung, die mich vom Irdischen entwöhnen und für die Herrlichkeit erziehen will.

Lass es mein ernstliches Streben sein, durch den Beistand Deines Heiligen Geistes dem Bilde meines anbetungswürdigen Heilandes immer ähnlicher und Seinem Wesen und Willen immer gleichförmiger zu werden. Lass mich Demut und Sanftmut anziehen. Mache mich täglich milder, zufriedener und dankbarer, täglich Dir unterwürfiger und ergebener. Lass mich auf Alles Acht haben, was in meinem Herzen und Betragen Dir missfällig sein möchte, und es zu meiner täglichen Speise machen, Deinen heiligen Willen zu erfüllen.

Du Hüter Israels, der nicht schläft noch schlummert, nimm alle, die mir nahe stehen und mir teuer sind, in Deine väterliche Obhut, schütze sie vor Gefahren; lass Deine Engel sie behüten, heilige ihren Leib, Seele und Geist; versiegele sie auf den Tag der ewigen Erlösung.

Mögen wir Alle diesen Abend uns niederlegen, um in Deiner Furcht einzuschlafen und in Deiner Liebe zu er wachen, gestärkt für die Geschäfte eines neuen Tages durch einen erquickenden Schlaf. Erhöre mich um Jesu willen. Amen.

Mein Gebet müsse vor Dir taugen wie ein Räuchopfer, meiner Hände Aufheben wie ein Abendopfer!

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