Luther, Martin - Tischreden - Von dem Herrn Christo.
1. Das Christus wahrhaftiger Gott sei.
Dass Christus, der Jungfrau Marien Sohn, rechter, wahrhaftiger Gott sei, des ist die Heilige Schrift allenthalben voller Zeugnisse, vornehmlich aber im Evangelisten Johannes, C. 8, 25, da die Juden sich an seiner Lehre ärgerten, fragten und sprachen: Wer bist du denn? Und Jesus sprach zu ihnen: Erstlich der, der ich mit euch rede; als sollte er sagen: Ich bin euer Prophet und Prediger, nach dem Spruch Mosis, 5. Mos. 18, 15: Einen Propheten wie mich, wird der Herr, dein Gott, dir erwecken, aus dir und deinen Brüdern, dem sollt ihr gehorchen. Und wer meine Worte, die ich in seinen Mund gebe, und Alles, was ich ihm gebiete, nicht hören wird, die er in meinem Namen reden wird, von dem will ich's fordern. Das ist: Erstlich und vor allen Dingen hört mich, dann werdet ihr sehen, wer ich bin. Ich bin eben der, davon Moses geweissagt hat. Es lautet etwas milder und höflicher, denn wenn er gesagt hätte: Ich bin euer Messias. Über diesem Spruch hat sich S. Augustinus heftig bemüht, hat sich zerbrochen und geplagt. Darum soll man die lieben alten Väter und Lehrer mit großer Unterscheidung und christlichem Verstande lesen, denn sie sind sowohl Menschen gewesen, als wir, haben auch oft gefehlt und geirrt.
Zu einer anderen Zeit redete Dr. Martin Luther von der Gottheit des Herrn Christi, und sprach: Alle Sprüche in der Heiligen Schrift, die da reden vom Glauben an Christum, die zeigen klar an, dass er wahrer, natürlicher Gott sei, sonst wäre es Abgötterei, und wider das erste Gebot, (Du sollst nicht andere Götter haben,) an Christum zu glauben und ihn anzubeten, so er nicht Gott wäre, denn Gott gibt seine Ehre keinem Andern, Es. 42, 8. Nun ist aber dieser Artikel, dass Christus wahrer Gott sei, durch gewisse starke Zeugnisse in der Heiligen Schrift, sonderlich im Neuen Testament, gegründet, da Christus oftmals mit klar ausgedrückten Worten Gott genannt wird. Als Joh. 1, 1: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Und Johannis am 20. Kap., V. 28., nennt Thomas, der Apostel, Christum auch Gott, da er spricht: Mein Herr und mein Gott. Dergleichen S. Paulus, Röm. 9, 5, spricht von Christo, dass er Gott sei, da er sagt: Der da ist über Alles, gelobt in Ewigkeit. Koloss. 2, 9: In Christo wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, das ist, wesentlich.
Also sprach abermals Dr. Martin Luther, dass Christus müsste wahrer Gott sein, dieweil er das Gesetz durch sich selber erfüllt und überwunden habe. Denn sonst könnte Niemand das Gesetz überwinden, er sei gleich Engel oder Mensch. Er allein aber hat es überwunden und erfüllt, also, dass es denen, so an ihn glauben, Nichts schaden noch sie verdammen kann. Darum ist er auch gewiss Gottes Sohn, und natürlicher Gott. Wenn du Christum also ergreifst und fasst, wie ihn die Heilige Schrift, sonderlich aber S. Paulus dir vormalt, so kannst du gewiss nicht irren noch zu Schanden werden. Dann wirst du leicht und gewiss urteilen können, was zu halten sei von allerlei Ständen, Religionen und Gottesdiensten, so in der ganzen Welt sind. Wenn dir aber dieses Bild Christi aus den Augen weggenommen wird, oder in dir verdunkelt wird; so muss gewiss folgen ein wüstes, unordentliches Tun, denn menschliche Natur und Vernunft kann über Gottes Gesetz nicht recht richten noch urteilen. Es zerrinnt hierbei allen Philosophen, den gelehrtesten Weltweisen und Juristen, ja, allen Menschen alle ihre Kunst; denn das Gesetz herrscht und waltet über den Menschen, darum richtet es auch den Menschen, und nicht der Mensch das Gesetz.
Es sagte Dr. Martin Luther zu einer anderen Zeit, dass Christus wahrer, natürlicher Gott sei; denn, sprach er, ist Christus nicht Gott, so ist weder der Vater noch der Heilige Geist Gott, denn unser Artikel des Glaubens sagt also: dass Christus mit dem Vater und Heiligen Geist Gott sei. Viele reden von der Gottheit Christi, wie der Papst und Andere dergleichen mehr, aber eben wie der Blinde von der Farbe redet. Darum, wenn ich Christum höre reden, so glaube ich, dass die unzertrennte Gottheit redet. Also redet der Vater, Sohn und Heilige Geist, da er spricht, Matth. 11, 28: Kommt zu mir Alle, die ihr mühselig und beschwert seid, ich will euch erquicken. Hier redet die ganze Gottheit in unzertrenntem und unzerteiltem Wesen. Deshalben, wer mir einen solchen Gott vormalt und predigt, der nicht für mich gestorben ist, denselbigen nehme ich nicht an zum Gott. Wer nun diesen Artikel hat, der hat den Hauptartikel des christlichen Glaubens, wiewohl dieser Artikel sehr närrisch ist vor der Welt. Christus spricht, Joh. 14, 16: Der Tröster, welchen ich senden will, wird nicht von euch weggehen, sondern bei euch bleiben, und euch keck machen, allerlei Unglück und Übel zu leiden. Jetzt sagt er: Ich will den Vater bitten; zuvor hat er gesagt: ich will's tun. Zuvor redete er wie ein Gott, jetzt wie ein Mensch. Also lerne ich meinen Artikel, dass Christus redet als Gott und Mensch.
Auch führt Christus zuweilen Sprüche, da er redet als ein purer Mensch, und unterweilen als ein purer Gott; darum, wenn er sagt: Ich gebe; das sind Worte nicht allein eines Menschen, sondern Gottes. Wenn er aber spricht: Ich will bitten, das sind Worte eines Menschen, und gleichwohl bittet Gottes Sohn. Als, wenn ich sage: Die Magd hat das Kind fallen lassen; da meine ich nicht allein den Leib des Kindes, sondern auch die Seele. Und, so ich spreche: das Kind hat gegessen, so verstehe ich's, dass nicht allein der Mund, sondern auch der ganze Mensch mit Leib und Seel gegessen oder sich genährt habe. Also soll man von Christo auch sagen.
Dr. Martin Luther bezeugte aus seiner selbst eigenen Erfahrung, dass Jesus Christus ein wahrer Gott sei, Solches wollte er auch öffentlich bekennen; denn, wenn Christus nicht Gott wäre, so wäre gewiss kein Gott. Ich will, sprach er, so Gott will, kein Epikureer werden, ich weiß wohl, was der Name Jesus an mir getan hat. Es ist wohl geredet und die lautere Wahrheit, da der 68. Psalm, V. 21., singt: Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch: wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn Herrn, der vom Tode errettet. Darum soll mich, so Gott will, kein Trübsal, kein Unglück oder andere Kreatur von meinem Herrn Christo scheiden.
Unser einiger Trost ist, dass wir an Jesum Christum glauben. Ich bin oft dem Tode so nahe gewesen, dass ich nicht anders wusste, als ich müsse jetzt sterben, darum, dass ich sein Wort vor der argen Welt gelehrt und ihn bekannt hatte, aber er hat mich allezeit gnädig wieder getröstet und lebendig gemacht. Darum lasst uns Fleiß tun, dass wir allein ihn behalten, so soll's keine Not haben, wenn der Teufel noch so böse und listig, und die Welt noch so arg und falsch wäre. Ich will bei dem lieben Herrn Christo bleiben, es begegne mir darüber was da will, ich bin auf ihn getauft, ich kann und weiß Nichts, denn was er mich gelehrt hat. Aber es ist fürwahr eine sehr große und schwere Kunst, dazu auch viel und mancherlei Anfechtungen und Erfahrungen gehören, von Herzen Christum einen Herrn und Gott heißen zu können, der vom Tode errettet, wie der 68. Psalm, V. 21, sagt; und von seinem Wort und vom Vertrauen auf ihn will ich mich, so Gott will, nimmermehr lassen abreißen.
2. Woran Christi Gottheit erkannt werde.
Dass Christus wahrer Gott sei, folgt aus dem gewaltig und gewiss, dass ihm die Heilige Schrift, vornehmlich aber S. Paulus, allenthalben gleich das zuschreibt, was er dem Vater zugeeignet, z. B. göttliche Macht, und dass er geben könne Gnade, Friede des Gewissens, Vergebung der Sünde, Leben, Überwindung der Sünden, des Todes und des Teufels. Welcher Stücke S. Paulus ihm Keines zuschreiben dürfte, (er wollte denn Gott seine Ehre rauben, und sie einem Andern, der nicht Gott wäre, zueignen,) wenn Christus nicht wahrer Gott wäre. So sagt auch Gott selber Jesaja, 42, 8: Ich will meine Ehre keinem Andern geben. Und Keiner kann einem Andern geben, dass er selbst nicht hat; weil aber Christus gibt Gnade, Friede, den Heiligen Geist, und erlöst von der Gewalt des Teufels, von Sünde und Tod, so ist es gewiss, dass er eine unendliche, unmäßige und allmächtige göttliche Gewalt habe allenthalben, wie der Vater.
Christus bringt auch den Frieden, nicht wie ihn die Apostel bringen, nämlich durchs Predigtamt, sondern ein Schöpfer, schenkt er ihn als sein eigen Werk und Geschöpf. Der Vater schafft und gibt Leben, Gnade und Friede, und gleich dieselbigen Gaben schafft und gibt der Sohn auch. Nun sind freilich diese Dinge, Gnade, Frieden, ewiges Leben geben, Sünde vergeben, gerecht und fromm machen, vom Tode und Teufel erlösen, keiner Kreatur, sondern allein der einigen, göttlichen Majestät Werke und können solche Dinge auch die Engel selbst weder schaffen noch geben. Darum gehören solche Werke nur der hohen, göttlichen Majestät Ehre und Herrlichkeit zu, welche denn eine einige rechte Schöpferin ist aller Dinge. Dieweil, denn S. Paulus und Johannes der Evangelist Christo zueignen, dass er gleiche Gewalt und Macht habe, alle die Dinge mit dem Vater zu schaffen und zu geben, so folgt auch daraus gewaltig, dass er wahrhaftiger und natürlicher Gott sei mit dem Vater.
Auch sprach Dr. Martin Luther: Man soll an keinen andern Gott denken, denn an Christum: der Gott, der durch Christi Mund nicht redet, ist nicht Gott. Gott hat sich im Alten Testament an den Gnadenstuhl gebunden; daselbst wollte er erhören, da Moses Polizei und Regiment noch bestand und im Schwange war. Also will er noch Niemand hören, denn allein durch Christum. Wie aber der meiste Teil der Juden hin und wieder lief, hier und da räucherte und opferte, Gott damit zu dienen, suchten Gott an vielen Orten und achteten nicht viel des Gnadenstuhls, also geht's auch jetzt zu, man sucht Gott allenthalben, aber, weil man ihn nicht in Christo sucht, so findet man ihn nirgends.
3. An Christum glauben, ist die rechte Religion.
Wiewohl keine Religion närrischer scheint, denn die der Christen, doch glaube ich an den Gott, da Jesus Christus Gottes des himmlischen Vaters Sohn ist. Einem andern Gott glaube ich nicht; wie die Abergläubigen und Abgöttischen tun, denn sie sind verworfen und in einen verkehrten Sinn gegeben. Ich, Dr. Martin Luther, will von keinem andern Gott wissen, als allein von dem, der am Kreuze gehangen hat, nämlich von Jesu Christo, Gottes und der Jungfrau Maria Sohn.
4. Von der Menschheit Christi.
Es ist ein groß Geheimnis die Menschwerdung Christi, das nicht auszureden ist, noch auszuforschen durch menschliche Vernunft, da Gott, die höchste Majestät, sich in unser Fleisch also gesenkt hat. Wenn wir diesen Christum haben, so haben wir Alles; denn S. Paulus an die Kolosser im andern Kapitel, V. 9., sagt: In ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, und ihr send vollkommen in ihm. So bildet S. Paulus Christum allen Menschen ernstlich vor, dass sie an ihn glauben. Aber es ist, leider, nichts Verächtlicheres in der Welt, denn der Herr Christus.
5. Die zwei Naturen in Christo kann kein Mensch begreifen.
Das Christus Gott und Mensch sei, das ist wider alle Vernunft, Sinne und Verstand; denn, wenn man die zwei Naturen in Christo, als die Gottheit und Menschheit, soll in Ein Wesen bringen, da stößt sich die Vernunft, und spricht: Ich verstehe es nicht. Aber Dank habe für dieses Bekenntnis; denn es ist nicht geschrieben, dass ich's verstehen und fassen soll mit meiner Vernunft, sondern du musst dich gefangen geben, und dem Wort des Evangeliums glauben durch die Wirkung des Heiligen Geistes, und Gott die Ehre geben, dass er wahrhaftig sei.
Johannis im 16. Kap., V. 23., Matthäi am 21., V. 22., und Marei am 11. Kap., V. 24., spricht Christus: So ihr Etwas werdet bitten in meinem Namen, das will ich euch geben. Da redet Christus, als dass er Alles in seiner Hand und Gewalt habe, Alles Jedermann zu geben, was man im Glauben von ihm bittet.
6. Gedanken Dr. M. Luthers von der Geburt Christi.
Im Jahr des Herrn 1538, am 25. Dezember am Christabend, war Dr. Luther sehr fröhlich, und alle seine Reden, Gesänge und Gedanken bezogen sich auf die Menschwerdung Christi, unsers Heilandes; und sprach mit tiefem Seufzen: Ach! wir arme Menschen, dass wir uns so kalt und faul gegen diese große Freude stellen, die uns doch zu gut geschehen ist! Es ist die größte Wohltat, die weit, weit übertrifft alle anderen Werke der Schöpfung; und doch glauben wir's so schwach, obgleich es uns von den Engeln verkündigt, gepredigt und gesungen wird, welche himmlische Theologen und Prediger sind, und haben sich unserthalben also gefreut, und ihr Gesang ist gar ein schöner Gesang, darein kurz gefasst ist der Hauptinhalt der ganzen christlichen Religion. Denn das Gloria in excelsis Deo, Gott in der Höhe sei die Ehre, ist der höchste Gottesdienst; denselbigen wünschen sie uns, und bringen ihn uns in diesem Christo. Denn die Welt nach dem Fall Adams kennt weder Gott, noch die Kreaturen, lebt allerdings außerhalb Gottes Ehre, und preist, lobt und rühmt ihn nicht. O wie fein, schöne, lustige Gedanken hätte der Mensch gehabt, wenn er nicht gefallen wäre! Wie hätte er spekuliert über Gott in allen Kreaturen, wie hätte er auch in den kleinsten und geringsten Blümlein Gottes Allmacht, Weisheit und Güte betrachtet! Denn, wahrlich, die Anschauung und Betrachtung der ganzen Schöpfung Gottes, sonderlich aber, für die Einfältigen, des Feldgewächses und des Schmucks des Erdbodens, beweist es, dass unser Herr Gott ein solcher Meister und Künstler sei, dem es Keiner wird nachtun. Solches wäre von Adam und seinen Nachkommen gerühmt und gepriesen worden, das nun des erbärmlichen, verderblichen Falls halber nicht geschieht; ja, der Schöpfer wird noch gelästert und verunehrt.
Darum rufen die lieben Engel die Leute, so gefallen sind, wiederum zum Glauben an Christum und zur Liebe, das ist, dass sie Gott allein die Ehre geben, und in diesem Leben Friede haben vor Gott und unter einander.
7. Vom Fest der Verkündigung Mariä.
Das Fest der Verkündigung, so man Annuntiationis Mariae heißt, da der Engel zu Maria kam, und brachte ihr die Botschaft von Gott, dass sie seinen Sohn empfangen solle, mag billig das Fest der Menschwerdung Christi genannt werden. Denn da hat unsere Erlösung angefangen; wie denn auch die Engländer und Franzosen von diesem Fest das Jahr anfangen zu zählen. Das Geheimnis der Menschwerdung Christi aber kann kein Mensch ausreden, noch mit der Vernunft ausforschen und ergründen, dass Gott, die höchste Majestät sich in unser Fleisch gesenkt hat. Denn, wenn wir Christum haben, so haben wir Alles, was nur unser Herz begehrt. Darum auch in S. Paulus das Wörtlein (in ihm) so angezogen und wiederholt wird, da er so heftig und fleißig allen Menschen diesen Christum einbildet; denn außer und ohne ihn ist kein Gott, kein Trost noch Seligkeit. Aber leider, Nichts ist in der Welt, das man weniger achtet, als diese Menschwerdung, ja, man verachtet's.
Christus hat drei und dreißig Jahre gelebt, ist alle Jahre dreimal gen Jerusalem gegangen, das macht, hundertmal ist er hinauf gezogen. Wenn der Papst anzeigen und rühmen könnte, dass Christus nur Einmal zu Rom gewesen wäre, welch' ein Rühmen würde er da anheben? Gleichwohl ist die Stadt Jerusalem ganz von Grund auf zerstört worden.
8. Der Glaublosen Undank.
Das ist eine große Ehre Gottes, dass er seinen Sohn in unser Fleisch und Blut gesteckt hat, und hat ihn um unsertwillen Mensch werden lassen, uns gleich, doch ohne Sünde. Welches Geheimnis der allergrößten Wunderwerke und Wohltaten Gottes Eine ist, die kein menschlich Herz recht bedenken kann, dagegen wir doch so kalt und undankbar sind. O der verderbten Natur! Pfui des schändlichen Adams Falls, dass ich diesen nicht soll lieb haben, der mich vom ewigen Tode, Teufel und Hölle so teuer erlöst hat.
Da Dr. M. Luther das Kindlein Jesus gemalt, im Schoß der reinen Jungfrau liegend, ansah, seufzte er tief, um des Artikels der Menschwerdung Gottes willen, und sprach: Ach, dass wir doch solch' herrlich Werk her göttlichen Barmherzigkeit ein wenig betrachteten, und nicht so dahin schlenderten! Pfui dich, du schändlicher Unglaube, wie stellst du dich so schändlich undankbar gegen den freundlichen, gnädigen Willen deines Gottes, der du doch sonst an allen Kreaturen kleben willst! Adams Sünde! was hast du angerichtet?
9. Warum Christus geboren sei.
S. Paulus lehrt, dass Christus darum geboren sei, um Alles zu restituieren1) und wieder zurecht zu bringen in den Stand, in welchem es geschaffen war im Anfang der Welt, Eph. 1, 4., Koloss. 1, 22., das ist, um uns zur Erkenntnis unserer selbst, und unseres Schöpfers zu bringen, dass wir lernten Beides, uns selbst erkennen, wer wir gewesen und jetzt sind, nämlich, aus Gottes Bilde, danach der Mensch geschaffen war, zur Teufelslarve durch die Sünde entstellte, und ganz und gar verdorbene Menschen, und wie wir der Sünden los, und wiederum rein, gerecht, fromm und selig werden sollten. Um deswillen werden uns alle Kreaturen vor die Augen gestellt, dass wir in ihnen sollen den Schöpfer erkennen und sehen. Wenn wir den ersten Artikel des Glaubens ein wenig ergriffen, so würden wir uns in das andere Alles desto besser schicken und richten, denn dazu ist dieser Artikel eine Anleitung.
10. Von der Menschwerdung des Sohnes Gottes, tröstliche Gedanken Dr. M. Luthers, nach der Schrift.
An diesem Tage, (der Empfängnis Christi), sagte Dr. Luther, sollten wir Prediger die Geschichte vom Fest, die Lukas mit schlechten, einfältigen Worten fein ordentlich mit allen Umständen beschreibt, dem Volk fleißig vorhalten und wohl einbilden, und allzumal Freude und Wonne über die tröstliche, selige Geschichte haben, dass als heute Christus, unser Herr und Heiland, von dem Heiligen Geist empfangen, in der reinen, keuschen Jungfrau Mariä Leib menschliche Natur an sich genommen, unser Bruder geworden ist, und uns arme stinkende Madensäcke und verdammte Menschen in die höchste Ehre gesetzt hat, dass wir nun Kinder Gottes, und seine, Christi, Miterben sind, darüber wir uns billig höher freuen sollten, als über alle Schätze auf Erden.
Man sollte nicht disputieren, wie es zugegangen sei, dass der, so Himmel und Erden erfüllt, den weder Himmel noch Erde begreifen kann, in der reinen Mutter Leib verschlossen sei? Diese und dergleichen Disputation hindert diese Freude, und gibt Ursache, dass man beginnt daran zu zweifeln. Darum verdrießt mich's sehr, dass Erasmus die Sachen in Zweifel stellt, die unsere größte Freude sein sollten.
S. Bernhard spricht in dem ganzen Sermon über dieses Fest nur von dem Lob der lieben Jungfrau Maria, und vergisst die tröstliche Geschichte, dass, wie die Kirche singt, hodie Deus homo factus est: Heute Gott Mensch worden ist, und die Erlösung des menschlichen Geschlechts begonnen hat. Bernhardus und Anselmus haben zu viel getan, indem sie Maria allzu hoch hoben und lobten. Wir Christen sollen uns freuen über die große, hohe Ehre, die uns heute widerfahren ist, dass der Sohn Gottes nicht die englische Natur, sondern den Samen Abrahams an sich genommen hat, ist allerdings uns, seinen Brüdern, gleich geworden, doch ohne Sünde, Hebr. 2, 16. 17., auf dass er barmherzig würde, und ein treuer Hoherpriester vor Gott, unsere Sünde zu versöhnen. Und: dass er durch seinen Tod dem Teufel die Macht nähme, und aus des Todes Gewalt uns erlöste, die wir durch Furcht des Todes im ganzen Leben Knechte sein mussten. Hebr. 2, 14. 15.
Diese unaussprechliche Gnade Gottes, in Christo uns erzeigt, sollen wir hoch halten und rühmen. Wahr ist's, man kann Maria, die hohe edle Kreatur, nicht genugsam preisen; wenn aber der Schöpfer selber kommt, und gibt sich selber für uns, dass er uns erlöste von des Teufels Gewalt rc., das können weder Engel noch wir genugsam in Ewigkeit rühmen, loben, preisen rc. Dort werden wir auch ewige Freude und Seligkeit daran haben.
11. Andere Gedanken Dr. M. Luthers von der Menschwerdung des Sohnes Gottes.
Wer die Vernunft zu Rat nimmt, der wird nimmermehr sich in die Artikel unsers Glaubens (sonderlich in die Heilige Dreifaltigkeit und Menschwerdung Christi), wissen zu schicken, viel weniger glauben, dass sie gewiss und wahrhaftig sind. Mit Gewalt kann und soll man Niemand zum Glauben zwingen. Denn, wenn die Leute gleich Etwas aus der Heiligen Schrift hören oder selbst lesen und Gedanken haben, will's ihnen doch nicht eingehen; der meiste Teil stößt sich daran, oder schlägt es ganz in den Wind, ausgenommen Wenige, denen der Heilige Geist das Herz rührt und austut.
Der Türke hält seine Untertanen in Gehorsam und Zwang durch seinen Mahometischen Glauben und Religion (wie der Papst durch den Bann und Menschenlehre hat vor dieser Zeit getan). Er glaubt, es sei ein einiger Gott, der Alles geschaffen habe. Christum lässt er als einen Propheten gelten; dass er aber der eingeborene, wahre, natürliche Sohn Gottes sei, das hält er für die höchste Lästerung, weswegen er auch so lange Zeit das Wort und Volk Christi verfolgt hat, und gedenkt's noch gar auszurotten.
Ich habe aber in meinen großen Anfechtungen und Kämpfen wider den Teufel aus der Schrift gelernt, und bins gewiss, dass Christus, wahrer natürlicher Gott, auch Mensch worden sei. Darum glaube ich's nun nicht allein, sondern hab's auch auf mancherlei Weise erfahren, dass dieser Artikel gewiss und wahr ist. Denn in hohen, geistlichen Anfechtungen hat mir Nichts besser geholfen, denn dass ich mich des getröstet, und den Teufel damit abgewiesen habe, dass Christus, der wahre, ewige Sohn Gottes, unser Fleisch und Gebeine ist, (wie Paulus zum Ephes. am 5. Kap. V. 30, sagt: Wir sind Glieder seines Leibes, von seinem Fleisch und von seinen Gebeinen), zur Rechten Gottes sitzt, und uns vertritt. Wenn ich diesen Schild des Glaubens ergreife, so habe ich den Bösewicht mit seinen feurigen Pfeilen bald verjagt.
Auch hat Gott über diesem Artikel stark und fest gehalten, ihn wider alle Ketzer, den Papst und Türken gewaltig geschützt, und erhalten im Anfang der Christenheit, und hernach mit vielen Wunderzeichen bestätigt, also, dass Alle, die ihn angefochten haben, endlich zu Sünden und Schanden darüber geworden sind. Auch lässt es Gott geschehen, dass wir Mariä Sohn seinen Sohn und wahren Gott heißen und anbeten. Er erhört auch Alle, die ihn in dem Namen Christi anrufen. Uns hat auch in dieser trübseligen letzten Zeit nun etlich und zwanzig Jahre her (da uns der Teufel durch den Antichrist, den Papst und seinen Anhang mit aller Macht und List zugesetzt hat), nichts Anders erhalten als das Gebet, Seufzen und Schreien zu Gott, unserem Vater im Namen Christi, unseres Hohenpriesters.
Wer da sagt: Ich oder andere, sie heißen und seien wer sie wollen, haben die reine Lehre wider den Papst, die Tyrannen, die Wiedertäufer, Sakramentsschwärmer und andere Rottengeister verteidigt und erhalten, der lügt uns an. Gott allein tut's um Christi willen; der soll unter seinen Feinden herrschen, und zur Rechten Gottes sitzen, bis sie Alle zum Schemel seiner Füße gelegt sind, trotz dem Teufel!
12. Von der Kindheit und Jugend Jesu; und von der Erkenntnis Jesu Christi, unsers Heilandes.
Alle Weisheit der Welt ist lauter Kinderwerk, ja, Torheit gegen die Erkenntnis Christi. Denn, was ist wunderbarer als das große, unaussprechliche Geheimnis wissen und erkennen, dass der Sohn Gottes, des ewigen Vaters Ebenbild, menschliche Natur an sich genommen hat, und an Gebärden gleich geworden ist, wie ein anderer Mensch. Zu Nazareth wird er seinem Vater Joseph haben helfen Häuser bauen; denn Joseph ist ein Zimmermann gewesen, daher auch Christus eines Zimmermanns Sohn, ja Zimmergesell genannt wird. Was werden doch die von Nazareth am jüngsten Tage denken, wenn sie sehen werden Christum in göttlicher Majestät sitzen, und zu ihm sagen: Herr, hast du nicht helfen mein Haus bauen? Wie kommest du denn zu dieser hohen Ehre?
Viele Fabeln sind von Vielen erdichtet, was Jesus in seiner Kindheit und Jugend getan habe; wie zu sehen ist im Buch mit dem Titel, de Infantia Salvatoris, oder de Vita Jesu. Weil aber in demselben Buche viel lächerliche, närrische Dinge stehen, hat's nie ein Ansehen gehabt bei den Christen. Das ist aber das nötigste Stück, dass wir Christen mit höchstem Fleiß lernen und wissen sollen, dass der Sohn des ewigen Gottes sich so tief heruntergelassen hat, so arm und elend geboren ist, und Solches getan hat um unserer Sünden willen, und seine Majestät uns zu gut so lang verborgen hat. Da er geboren ward, hat er geweint und geschrien, wie ein ander Kind: Maria hat seiner müssen warten und pflegen, ihn säugen, (wie die Kirche singt: Es war eine kleine Milch seine Speis), äsen2), auswischen, heben, legen, tragen rc., wie eine andere Mutter ihr Kind. Bald hernach musste Joseph mit der Mutter und dem Kinde ins Elend, nach Ägypten fliehen vor Herodes, der das Kindlein suchte, es umzubringen. Da sie nach Herodes Tode wieder gen Nazareth gekommen sind, ist er den Eltern untertan gewesen, Luk. 2, 51., wird ihnen oft Brot, Trinken und Anderes geholt haben. Maria wird auch wohl zu ihm gesagt haben: Jesuchen, wo bist du gewesen? Kannst du nicht daheim bleiben? Und da er nun erwachsen ist, wird er Joseph haben helfen zimmern rc. An dieser schwachen, geringen Gestalt und diesem verächtlichen Wesen, wie an Christo zu sehen war, sich nicht zu ärgern, ist große, hohe Kunst und Weisheit, ja, Gottes Gabe, und des Heiligen Geistes eigen Werk.
Etliche, und derer Viele ärgern sich daran, dass wir zuweilen auf der Kanzel sagen: Christus sei ein Zimmergesell gewesen; so es doch ein viel größeres Ärgernis ist, dass er ans Kreuz als ein Gotteslästerer und Aufrührer geschlagen, zwischen zwei Übeltätern gehangen hat. Nun aber waren die Gehängten verflucht, wie 5. Mos. 21, 23, geschrieben steht: Ein Gehängter ist verflucht vor Gott; und Galat. 3, 23: Verflucht ist Jedermann, der am Holz hängt. Weil wir aber von diesem Artikel immer predigen, und den Leuten mit allem Fleiß einbilden, und täglich alle Christen im Kinderglauben bekennen, dass Christus unser Heiland, gelitten habe unter Pontio Pilato, gekreuzigt, gestorben rc. für unsere Sünde, warum sollten wir denn nicht auch sagen, er sei ein Zimmermann gewesen? sonderlich weil er im Evangelio mit klaren Worten also genannt wird, da das Volk sich über seiner Lehre und Weisheit verwundert, und spricht: Woher kommt ihm das? Ist er nicht der Zimmermann, Mariens Sohn? Mark. 6, 3.
Man schreibt, es sei ein frommer, gottseliger Bischof gewesen, der habe Gott oft mit Ernst gebeten, dass er ihm wolle offenbaren, was doch Jesus in seiner Jugend getan habe. Eine Zeit darauf hat der Bischof folgenden Traum gehabt: Ihm ist im Schlafe vorgekommen, als sehe er einen Zimmermann sein Handwerk treiben, und ein Knäblein bei ihm, das abgehauene Späne auslese. Indem sei eine Jungfrau in einem grünen Rock gekommen, und habe Beiden gerufen, dass sie zum Essen kommen sollen, und ihnen einen Brei vorgesetzt. Solches Alles hat der Bischof, wie es ihm vorkam, im Traum gesehen, hinter der Tür stehend, dass sie seiner nicht gewahr wurden. Da habe das Knäblein angefangen, und gesagt: Was steht der Mann dort, soll er nicht auch mitessen? Über dieser Rede ist der Bischof so sehr erschrocken, dass er den Kopf hart ans Hauptbrett des Bettes gestoßen hat, und davon erwacht ist.
Es sei nun damit, wie es wolle, es sei ein Gedicht oder eine Geschichte, glaube ich doch, dass Christus in seiner Kindheit und Jugend sich gestellt, und getan habe wie andere Kinder, aber ohne Sünde. Wie Paulus an die Philipper, C. 2, 7, bezeugt: Jesus Christus war gleichwie ein andrer Mensch, und an Gebärden wie ein Mensch erfunden. Er wird oft, (wie ich denke, gebe es aber nicht für Wahrheit aus), wenn die Eltern gedarbt haben, durch göttliche Kraft verschafft und gebracht haben, was von Nöten ist gewesen, ohne Geld. Daher (da die Mutter sah, dass es an Wein gebrach auf der Hochzeit zu Cana,) spricht sie zu ihm aus mütterlichem Herzen und Vertrauen, Joh. 2, 3.: Sie haben nicht Wein, weil sie zuvor mehr denn einmal an ihm gemerkt hatte, dass er könne Rat schaffen, wenn Mangel vorhanden wäre. Darum glaube ich, dass Maria, die Mutter nicht allein daher (dass sie dieses Kind wunderbar, ungewöhnlicher Weise, nämlich von dem Heiligen Geist empfangen und ohne alle Schmerzen geboren hat,) wusste und glaubte, dass er wahrer, natürlicher Gottes Sohn sei, sondern sie hat auch Solches gesehen und gemerkt an etlichen Zeichen, die er in der Jugend getan hat. Deshalben, wer dies Kind recht fassen will, der muss denken, dass keine höhere Weisheit ist, denn Christum erkennen, und sich nicht daran kehren noch ärgern, dass die Welt die Predigt von Gottes Sohn, der Mensch geworden, gekreuzigt, gestorben ist rc., für die größte Torheit und Ärgernis hält: sondern wissen, dass sie uns Gläubigen eine göttliche Kraft und Weisheit ist, dadurch wir selig werden, daran auch die lieben Engel Lust und Freude haben.
Dass sich aber der liebe Herr so tief erniedrigt hat, gehorsam ist geworden, bis zum schmählichen Tod des Kreuzes, das hat er uns armen, elenden, verdammten Menschen zum Trost und Heil getan. Wenn ein großer, mächtiger Kaiser oder König einem verachteten Bettler die Füße wüsche, lieber Gott! wie herrlich würde diese Demut an so einer hohen Person gepriesen und gerühmt werden! Weil aber Gottes Sohn, der Herr über Alles, im höchsten Grad sich erniedrigt hat, und Gehorsam erzeigt bis zum Tod am Kreuz, wundert sich Niemand darüber, ausgenommen das kleine Häuflein der Gläubigen, die ihn für ihren Herrn und Heiland erkennen und anbeten..
Darum sage ich: Christum zu erkennen, dass er Mensch geworden, und so tief sich erniedrigt hat, dass er anzusehen ist gewesen der allerverachtetste und unwerteste Mensch, von Gott geplagt und geschlagen rc., Jesaja 53., V. 34., und Solches um unsertwillen getan hat, das ist die rechte goldene Kunst der Christen, und ihre höchste Weisheit. Wie auch S. Paulus, 1. Korinth. 2, 2, sagt: Ich weiß Nichts allein, ohne Jesum Christum den Gekreuzigten. Man kann auch dem Teufel nicht weher tun, als, wenn man von Jesu und seiner Menschwerdung lehrt, predigt, singt und sagt rc.
Deshalben gefällt mir's sehr wohl, wenn man laut singt, und fein langsam in der Kirche: er ist Mensch geworden; und das Wort ward Fleisch. Diese Worte kann der Teufel nicht hören, und muss über etliche Meilen davor fliehen, denn er fühlt wohl, was sie in sich haben. Wenn wir so herzlich über diese Worten fröhlich würden, das Wort ist Fleisch oder Mensch geworden, so sehr der Teufel davor erschrickt und erzittert, stünde es sehr wohl um uns. Aber die Welt verachtet alle Gottes Werke und Worte, weil sie mit so schlechten, einfältigen Worten ihr vorgetragen werden.
Wohlan, die Gottseligen lassen sich nicht irre machen, wie gering und schlecht auch die Worte lauten, sondern sie haben Acht auf die ewigen, himmlischen Schätze und Güter, so darinnen gefasst, ihnen vorgehalten und zu eigen angeboten werden, die unsäglich, ja so groß und herrlich sind, dass auch die lieben Engel sie gelüstet anzusehen. 1. Petr. 1, 12.
13. Christum kann kein Mensch auslernen.
Kein Mensch, er sei Apostel oder Prophet, vielweniger ich oder meinesgleichen, kann Christum in diesem Leben auslernen, dass ich wüsste und verstände, wer und was er wäre. Philip. 3, 13, 14. Denn er ist wahrer, ewiger, allmächtiger Gott, und hat doch unsere sterbliche Natur an sich genommen, den höchsten Gehorsam und Demut erzeigt, bis in den Tod; daher er selbst spricht: Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. Matth. 11, 29. Nun kann ich nicht genugsam ausreden, wie mir zu Sinn und Mut ist, wenn ich recht fröhlich oder traurig bin; wie sollte ich denn die hohen Affekte und Bewegungen Christi ausreden?
14. Der Name Jesus hilft allein.
Lasst uns ja auf Christum Jesum in aller Zuversicht unser Vertrauen setzen. Gott nehme mich diese Stunde oder Morgen aus diesem Leben, so will ich das hinter mir lassen, dass ich Jesum Christum erkennen und bekennen will als meinen Gott und Herrn. Solches hab ich nicht allein aus der Schrift, sondern auch durch viele, große Erfahrungen; denn der Name Jesus hat mir oft geholfen, da mir sonst keine Kreatur hat können helfen. Also hab ich Beides für mich, Wort und Tat, Schrift und Erfahrung: der liebe Gott hat mir es Beides reichlich gegeben. Es ist mir aber blutsauer geworden und ich hab manche schwere Anfechtung darüber ausgestanden. Das ist mir aber sehr gut und nützlich gewesen.
Auch sagte der Herr D., dass geistliche Anfechtung lehre, wozu Christus nütze sei, und habe es manchmal versucht und erfahren, wie kräftig der Name Christus ihm geholfen habe, darum ihn keine Trübsal von Christo solle abtreiben: diese Erfahrung mache auch, dass er die Heilige Schrift für die gewisse, göttliche Wahrheit halte. Denn diese seine Erfahrung habe ihm die Sprüche der Schrift ganz gewiss gemacht, da der Herr Christus sagt: Die du mir gegeben hast, derer hab ich keinen verloren, Joh. 17, 12. Und Joh. 6, 37: Was zu mir kommt, das will ich nicht ausstoßen, aber das steht mit dabei, dass sie auch nicht weglaufen.
15. Dass der Herr Christus unser Hoherpriester sei, aus dem 8. Kap. S. Pauli an die Römer..
Christus, unser Hoherpriester, ist gen Himmel gefahren, sitzt zur Rechten des Vaters, und bittet ohne Unterlass für uns, Röm. 8, 34. In dem malt S. Paulus Christum mit sehr schönen, herrlichen Worten ab. In seinem Tod ist er ein Opfer, dass für unsere Sünde bezahlt worden ist, in der Auferstehung ein Siegesmann, in der Himmelfahrt ein König, im Fürbitten und Vertreten ein Hoherpriester. Denn im Gesetz Moses ging allein der Hohepriester ins Allerheiligste, in Sancta Sanctorum, und bat für das Volk. Also ist unser Herr Christus in dieser Figur fein abgemalt.
16. Christus bleibt wohl Priester und König.
Christus wird wohl Priester und König in Ewigkeit bleiben. Ob ihn gleich kein Bischof geweiht noch geschmiert hat, das schadet nicht; denn Gott hat ihn selbst ordiniert und geweiht, eingesetzt und gesalbt: da er spricht: Du bist ein Priester, Psalm 110, 4. Da ist das D und P größer, denn der Stein in der Offenbarung Johannis, der länger war, als 300 Meilen Weges. Und Psalm 2, 6: Ich aber habe meinen König eingesetzt auf meinem heiligen Berg Sion, darum wird er wohl bleiben sitzen, und Alle, die ihn glauben.
In der Heiligen Schrift ist kein Buch, in welchem so fein und eigentlich beschrieben ist das Priestertum des Herrn Christi, als die Epistel an die Hebräer. Christi Priestertum tröstet aber überaus die Gottesfürchtigen, dass er ein Pfaff ist. Dass er aber auch ein König ist, das tröstet nicht so sehr; denn da denkt das Herz, er sei ein gestrenger Richter.
17. Christus ist unser Hoherpriester.
Du bist ein Priester nach der Ordnung Melchisedek, sagt Gott der himmlische Vater zu Christo, seinem Sohne. Ps. 110, 4: Da sprach Dr. Luther: An diesem Priester lasst uns hängen und bleiben, denn er ist treu, und von Gott für uns gegeben, und hat uns lieber, denn sein eigen Leben. Joh. 10, 12. Das hat er bewiesen mit seinem bitteren Leiden und Sterben, das ist gewiss wahr. Ach! wer das glauben könnte, wie selig wäre er!
Da sein Diener diesen Vers im selben Psalm las: Der Herr hat geschworen, und wird ihn nicht gereuen, du bist ein Priester rc., sprach Dr. Martin Luther: Das ist der schönste, herrlichste Vers im ganzen Psalter; da Gott diesen Christum allein vorhält, dass er soll sein unser Bischof und Hoherpriester, der beim Vater ohne Unterlass für die Seinen bittet, und sonst kein Anderer mehr. Es soll's weder Caiphas noch Hannas, weder Petrus, Paulus, noch der Papst sein. Der, der soll allein der Priester sein; da schwöre ich einen Eid, dass er's allein sein soll, darum habt Zuflucht zu diesem Prior. Ich meine, die Epistel an die Hebräer kann sehr viel nützen.
18. Ein Anderes.
Es ist ein großer, herrlicher Trost, den freilich kein frommer Christ um der Welt Ehre und Gut entbehren sollte, nämlich das zu wissen und zu glauben, dass Christus zur Rechten Gottes sitzt, uns ohne Aufhören vertritt, und für uns bittet, und dass er unserer Seelen treuer Hirt und Bischof ist, welche ihm der Teufel aus den Händen nicht reißen kann.
Wir können aber daraus merken, wie ein listiger, mächtiger Geist der Teufel ist, dass er fromme, gottesfürchtige Herzen mit seinen feurigen Pfeilen so erschrecken und zurichten kann, dass sie diesen schönen Trost verlieren, und stracks widersinnige Gedanken von Christo fassen, dass er nicht ihr Hoherpriester sei, sondern sie vor Gott verklage; nicht ihrer Seelen Bischof, sondern ein gestrenger Richter sei. Darum haben die lieben Apostel, Petrus und Paulus, uns nicht vergebens so treulich gewarnt, dass wir sollen nüchtern sein und wachen, mit Gottes Harnisch gerüstet, damit dem Teufel Widerstand zu tun, fest im Glauben. 1. Petr. 5, 8., Ephes. 6, 13.
19. Christus ein ewiger Priester.
Christus wird Priester bleiben ewig ec., ob er gleich von keinem Bischof geweiht ist, denn Gott selber hat ihn ordiniert, da er hat geschworen, und wird ihn nicht gereuen, du bist ein Priester ewig rc. In diesen Buchstaben dieser Worte: du bist ein Priester, ist eine jegliche Silbe viel größer, denn der Turm zu Babel. Herrsche unter deinen Feinden, Psalm 110, 2. So muss und wird er seine Lehre, die wir predigen und vor der argen Welt bekennen, gewiss wohl erhalten, auch wider die Pforten der Hölle. Wir Lutherischen (wie man uns nennt,) und die Papisten wohnen unter Einem Dach. Ein jeglicher Teil will Gottes Volk und die rechte Kirche sein, und kein Teil dem Andern weichen. Nun muss doch endlich ein Teil weichen, nämlich, der Gottlose dem Gerechten.
Die Juden und Aposteln samt ihren Zuhörern waren auch unter Einem Dach. Da nun die Juden eine lange Zeit die Christen wohl geplagt, verfolgt, ihrer Viele gesteinigt und ermordet, und zuletzt sie Alle verjagt hatten, und nun meinten, sie wären der bösen Buben gar los, da kamen die Römer, und machten's gar aus mit ihnen. Also wird's jetzt auch gehen, wenn die Papisten ausgetobt und gewütet haben, Christi Lehre zu lästern und verdammen, die Christen zu verfolgen, und ihr unschuldiges Blut zu vergießen, so werden sie diesem Teil weichen müssen. Denn Christus will und kann die (so ihn bis an der Welt Ende für ihren ewigen König und Priester halten und bekennen, seine Lehre predigen und bekennen, sich seines Gebets, Joh. 17, trösten, und dass er sich selbst für ihre Sünde geopfert hat,) nimmermehr trost- und hilflos lassen.
20. Christus unser König und Gott.
Wer Christum zum König und Gott hat, der menschliche Natur, Fleisch und Blut an sich genommen hat, und von der reinen Jungfrau Maria geboren ist, der muss sich gewiss versehen, dass er den Teufel zum Feinde habe, der ihm viel Leids tun und ihn sein Leben lang plagen werde. Dagegen aber ist das unser Trost und große Herrlichkeit, dass wir arme Menschen den Herrn des Lebens, Todes und aller Kreaturen, mit unserm Fleisch und Blut bekleidet, zur Rechten des Vaters sitzend haben, der ewig lebt, und für uns bittet, uns schützt und beschirmt.
21. Scheflimini.
Scheflimini, das ist, setze dich zu meiner Rechten. Der Scheflimini hat viel und große Feinde, das müssen wir, sein armes Häuslein, so erfahren, dass wir's fühlen. Aber er wird vor ihnen Allen, wie bisher, wohl sitzen bleiben, und wir in ihm und durch ihn; das weiß ich fürwahr. Und ob wir gleich viel darüber leiden müssen und erwürgt werden, das schadet nicht, wir wagen's auf sein Wort, Joh. 14, 19: Ich lebe, und ihr sollt auch leben. Ebenso, Joh. 17, 24: Wo ich bin, da sollt ihr auch sein.
22. Christus stellt sich, als nähme er sich seiner armen, betrübten und verfolgten Glieder nicht an rc.
Auch ist Christus deshalb in diesem Leben unbegreiflich, weil die Welt seinen besten und treuesten Dienern sehr übel lohnt, sie verfolgt, lästert, verdammt und tötet als die ärgsten, schädlichsten Ketzer und Übeltäter rc., und er dazu stillschweigt, und es geschehen lässt, also, dass ich bisweilen denke: ich weiß schier nicht, woran ich bin, ob ich recht predige oder nicht. Das ist Sankt Pauli Anfechtung und Marter auch gewesen, die er (halte ich) nicht Vielen gesagt hat, oder hat können sagen; denn wer kann sagen, was das heiße, dass er spricht, 1. Kor. 15, 31: Ich sterbe täglich!
23. Christum nennt die Schrift unsern Priester, Bräutigam rc.
Die Heilige Schrift nennt oft Christum unsern Priester, Bräutigam, Buhlen rc., und uns, so an ihn glauben, seine Braut, Jungfrau, Tochter, welches ein fein lieblich Bild ist, das wir immer vor Augen haben sollen.
Nun hat er sein priesterlich Amt erstlich in dem bewiesen, das hier gepredigt und uns des Vaters Willen verkündet und offenbart hat, dass, wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben, Joh. 3. 16. Zum Andern hat er auch für uns, ja für die ganze Christenheit bis an der Welt Ende kurz vor seinem Gang zum Vater gebeten, da er spricht, Joh. 17, 20: Ich bitte nicht allein für sie, (denen ich dein Wort gegeben, und zu predigen befohlen habe;) sondern auch für die, so durch ihr Wort an mich glauben werden; und noch sitzt er zur Rechten Gottes, und vertritt und verbittet uns vor Gott ohne Unterlass, Röm. 8, 34. Zum Dritten, dass er seinen Leib am Holze des Kreuzes für unsere Sünde aufgeopfert hat.
Unser Bräutigam ist er, wir seine Braut. Was er, der liebe Herr Christus hat, ja er selbst, ist unser, denn wir sind Glieder seines Leibes, von seinem Fleisch und von seinem Gebeine, wie S. Paulus sagt, Eph. 5, 20. Was wir haben ist sein. Es ist aber gar ein sehr ungleicher Wechsel. Er hat ewige Unschuld, Gerechtigkeit, Leben und Seligkeit, die schenkt er uns, dass sie sollen unser eigen sein. Wir sind des Teufels Gefangene, der Sünde und dem Tod unterworfen. Von des Teufels Gewalt hat er uns erlöst, ihm den Kopf zertreten, ihn gefangen genommen, ausgezogen, zur Hölle verstoßen rc. Unsere Sünde hat er auf sich genommen, getragen, und sein Leben zu einer Erlösung für uns gegeben. Dem Tod hat er die Macht genommen, ja, er hat ihn verschlungen ewig, dass wir ihm fröhlich Trotz bieten mögen, mit S. Paulo 1. Kor. 15., V. 55: Tod, wo ist dein Stachel?
Von dieser geistlichen Hochzeit redet der Prophet Hosea in der Person Christi, Kap. 2, 19, 20: Ich will mich mit dir verloben in Ewigkeit, ich will mich mit dir vertrauen in Gerechtigkeit und Gericht, in Gnade und Barmherzigkeit, ja im Glauben will ich mich mit dir verloben, und du wirst den Herrn erkennen. Und Jes. 62, 4: Der Herr hat Lust zu dir, und dein Land hat einen lieben Buhlen. Und V. 5: Wie ein Bräutigam sich freut über die Braut, so wird sich dein Gott über dich freuen rc.
Ob nun wohl der liebe Herr eine geistliche Heirat und Ehe mit uns stiftet, sich mit uns verlobt, unser ewiger Bräutigam zu sein, mit seinen ewigen, himmlischen Gütern uns begnadigt und schmückt, auch dazu schwöret, er wolle unser ewiger Priester sein, hilft's doch nicht; der große Hause läuft ins Teufels Namen dahin, huret wider ihn, betet fremde Götzen an, wie die Juden dem Baalim, Astarot rc. dienten, und wir im Papsttum die Heiligen anriefen. Ja, was noch höher zu beklagen und zu beweinen ist, wir, die nun, gottlob, aus Gottes Wort wissen, dass er unser Hoherpriester und Bräutigam ist, wenn eine Trübsal, Angst und Not vorhanden ist, da wir am meisten Zuflucht sollten haben, fliehen wir vor ihm, und sorgen, er zürne mit uns, und wolle uns stecken lassen.
24. Christus unser ewiger Mittler.
Es ist nur Ein Gott, spricht S. Paulus 1. Timoth. 5., und Ein Mittler, zwischen Gott und Menschen, nämlich, der Mensch Jesus Christus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung. Darum denke nur Niemand vor Gott zu treten und Gnade bei ihm für sich zu erlangen, ohne diesen Mittler, Hohenpriester oder Fürsprecher, Hebr. 5, 1, 2, 1. Joh. 2, 1, 2. Ist er nun unser Mittler vor Gott, so folgt gewiss, dass wir Sünder und verloren sind, und durch unser ehrbar Leben, gute Werke, Tugend, Verdienst, Heiligkeit, auch durch des Gesetzes Werk, Gottes Zorn nicht versöhnen, noch Gnade und Vergebung der Sünden erlangen können.
Also wird durch dies einige Wörtlein, Mittler, vor Gott aller Heiligen Verdienste, gute Werke und Gerechtigkeit verworfen und verdammt, dass sie dadurch vor Gott nicht können bestehen. Auch sehen wir daraus, wie unsäglich groß Gottes Zorn über und wider die Sünde ist, weil sie sonst durch kein anderes Opfer hat können versöhnt und bezahlt werden, denn allein durch den Sohn, und das teure Blut des Sohns Gottes.
25. Wider Schwenkfelds Meinung von der Kreatürlichkeit Christi.
Caspar Schwenkfeld hatte, Anno 1543 am 8. Tage Novembris, Dr. Martin Luther seiner Bücher Eins durch einen eigenen Boten geschickt, welches Titel war von der Herrlichkeit. Da sprach Dr. Luther: Schwenkfeld ist ein armer Mensch, der weder Verstand noch Geist hat, sondern er ist betufft wie die Schwärmer alle sind, er weiß nicht, was er plaudert; sondern das ist seine Meinung, und sein Grundsatz: Die Kreatur soll man nicht anbeten, dieweil geschrieben steht, Matth. 4, 10: Du sollst anbeten Gott deinen Herrn, und ihm allein dienen. Danach denkt er, Christus ist eine Kreatur, deshalben soll ich Christum als einen Menschen nicht anbeten. Er findet aber zwei Christus, und spricht, die Kreatur sei nach der Auferstehung und Verherrlichung in die Gottheit verwandelt worden, und deshalben anzubeten, und so bescheißt er die Leute mit dem herrlichen Namen Christi, wie er denn schreibt: zum Preis Christi.
Die Kinder aber gehen schlicht hindurch, und sprechen: Ich glaube an Jesum Christum, unsern Herrn, der empfangen ist vom Heiligen Geist, geboren aus Maria, der Jungfrau 20. So will mir der Narr zwei Christus machen, Einen, der am Kreuz hängt, und einen Andern, der gen Himmel gefahren ist, und zur rechten Hand Gottes, seines himmlischen Vaters sitzt. Ich soll den Christum nicht anbeten, der am Kreuz hängt und auf Erden geht. Er ließe sich traun selber anbeten, wenn Einer vor ihm niederfiele. So sagt der Herr Christus auch selbst: Wer an mich glaubt, der glaubt an den, der mich gesandt hat. Der Phantast hat etliche Ausdrücke aus meinem Buche von den letzten Worten Davids gestohlen, damit sich der Tropf auch schön machen will, als die Gemeinschaft der Eigenschaften und die Selbstständigkeit der Person; die mischet er mitunter, und will danach sagen: ich hab es auch also gemeint.
Er will mich lehren, was Christus ist, und wie ich ihn soll anbeten. Ich hab's, Gott sei Dank, besser, denn er, ich kenne meinen Christum wohl, darum lasse er mich unangefochten. Da nun Magister Körer darauf sagte: Ei, lieber Herr Doktor, das ist zu grob, antwortete er: Sie lehren mich so grob zu sein. Man muss also mit dem Teufel reden. Er revocire in einem öffentlichen Schreiben die Schwärmerei mit dem Sakrament, und bringe mir Zeugnisse von D. Joh. Hessen, und Doktor Moibanus aus Breslau, sonst glaube ich ihm nicht, wenn er mir gleich schwören würde und die Finger mitten auf die Wunden legte.
Auch hatte Dr. Luther dem Boten einen offenen Brief wieder gegeben, der nicht versiegelt gewesen war, und war die Überschrift: Schwenkfelds Bote.
Mein Bote, lieber Mensch, du sollst deinem Herrn, Caspar Schwenkfeld zur Antwort sagen, dass ich von dir die Büchlein und die Briefe empfangen habe. Wollte Gott, er hörte auf, denn er hat zuvor in Schlesien ein Feuer angezündet wider das heilige Sakrament, welches noch nicht gelöscht ist, und ihn ewig brennen wird. Überdies fährt er zu mit seiner Eutycherei3) und Kreatürlichkeit, und macht die Kirche irre, so ihm doch Gott Nichts befohlen noch ihn dazu gesandt hat, und der unsinnige Narr, vom Teufel besessen, versteht Nichts, weiß nicht, was er lallet. Will er aber nicht aufhören, so lasse er mich mit seinem Büchlein, die der Teufel aus ihm speit und scheißt, ungeheißt, dies habe er als mein letztes Urteil und Antwort. Increpet Dominus te, Satan. Et sit Spiritus tuus, qui vocavit te, et cursus tuus, quo curris, et omnes, qui participant tibi, Sakramentarii et Eutichiani tecum, et cum vestris blasphemiis in perditionem, sicut scriptum est: Currebant et non mittebam eos, loquebantur et nihil mandavi eis. 4)Anno 1543.
Martinus Luther, m. p.
D. i. Der Herr schelte dich, Satan. (Zach. 3, 2.) Und dein Geist, welcher dich berufen hat, und dein Lauf, welchen du vollbringst, und Alle, so dir anhängen, die Sakramentschwärmer und Eutychianer gehen mit dir und mit euren Gotteslästerungen ins Verderben, gleichwie geschrieben steht (Jerem. 23, 21): Ich sandte die Propheten nicht, noch liefen sie; ich redete nicht zu ihnen, noch weissagten sie. Anno 1543.
Martin Luther, mit eigener Hand.
26. Wider Christum gehen alle Irrtümer und Ketzereien.
Alle Ketzer haben sich wider den Artikel von Christo gelegt. Manichäus hat die Menschheit angefochten, denn er gab vor, Christus wäre ein Gespenst. Gleich, sagt er, wie die Sonne durch ein gemaltes Glas geht und scheint, und die Strahlen den andern Teil berühren und durchgehen, und die Sonne doch Nichts von dem Wesen des Glases nimmt; also hat Christus auch Nichts genommen vom Wesen und der Natur Mariä.
Arius focht die Gottheit an. Nestorius wollte, es wären zwei Personen. Eutyches lehrte, es wäre nur Eine Person, denn die Göttliche wäre verschlungen. Helvidius gab vor, die Mutter wäre nicht Jungfrau gewesen. Als wäre Christus in der Erbsünde geboren.
Es ist Alles um den Christum zu tun, und um den Artikel, den die Kinder vor dem Tisch sprechen: Und ich glaube an Jesum Christum rc., der stößt alle Teufel und Hölle zurück, und davor erschrecken und erzittern alle Teufel, und doch muss er so schändlich angefochten werden. Der Papst weiß vom Amt der Person Christi gar Nichts. Allein Macedonius hat den Artikel vom Heiligen Geist angefochten, er ist aber bald gefallen und zu Boden gegangen; denn wenn der Artikel von Christo bleibt, so geht das Andere bald unter.
Aber alle Ketzerei läuft wider den andern Artikel. Der Sohn hat gesündigt, der muss leiden, den wollen sie nicht haben. Den Vater lassen bleiben Türken und Juden, aber der Sohn hat's getan, darüber ist viel Bluts vergossen worden. Ich halte dafür, dass zu Rom mehr denn 2000000 Märtyrer geblieben sind. Es hat gewährt von Anbeginn der Welt mit Kain und Abel, Ismael und Isaak, Esau und Jakob, und ich halte dafür, dass der Teufel auch darüber sei in die Hölle verstoßen worden, denn, weil er eine schöne Kreatur Gottes ist gewesen, so hat er auch wollen der Sohn sein.
Nach der Heiligen Schrift haben wir kein stärker Argument, als das liebe heilige Kreuz; denn wider den Christum und den Artikel streiten alle Königreiche, Alles was gewaltig ist, und können ihn dennoch nicht überpochen. Darum ist die Heilige Schrift das erste Argument, Christi Gottheit und Menschheit zu beweisen; das Andere ist das Kreuz.
Es sind viele Regenten untergegangen, die ihn angefochten haben: es sind so viele Königreiche dawider gewesen, aber der Artikel bleibt noch. Da muss ich armer Mönch kommen, und eine arme Nonne ergreifen; die haben ihn: darum tut es das Wort und Kreuz, die machen Einen gewiss. Sie wollen weder Wort noch Kreuz haben; wir aber nehmen das Wort an, so folgt bald das Kreuz; und ob wir des Gast's gern wollten los sein, so nehmen wir ihn doch an, und haben Geduld.
27. Dass des Herrn Christi Gottheit vom Teufel und den Ketzern für und für ist angefochten worden.
Als über Dr. Luthers Tisch einmal Anno 1543 gesagt ward, dass mancherlei Ketzerei, Rotten und Sekten wider die Heilige Dreifaltigkeit gewesen wären; da sprach Dr. Luther: Es geht Alles wider den hohen Artikel: Ich glaube an Jesum Christum. In dem ersten Artikel, als: Ich glaube an Gott den Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde; da stimmen sie Alle zu Hauf, denn sie wollen Alle nur Einen Gott haben. Aber den Sohn wollen sie nicht leiden; wie denn der Teufel selbst den Sohn auch nicht hat wollen leiden, denn er wollte selbst Sohn sein, meinte, er wäre eine schöne Kreatur. Adam wollte auch den Sohn nicht haben, er wollte so klug sein als der Vater selber. Es sind viel Bilder, die Solches, wie mich dünket, vom Teufel haben angezeigt. Ismael will Isaak sein, und Esau will Jakob sein; also ist auch der Teufel wider den Sohn Gottes gewesen, darum geht's uns noch also.
28. Ein Anderes.
Zu Rom ist eine Kirche gewesen, die hat geheißen Pantheon, darin sind alle Götter gemalt gewesen, die sie aus der ganzen Welt haben können zusammen bringen. Und diese haben sich Alle mit ein ander wohl vertragen, und ist guter Friede unter ihnen gewesen, denn der Teufel hat damit nur der Welt in die Faust gespottet. Aber wie nur der Christus kommt, den können sie nicht leiden, da werden die Teufel alle Götzen und Ketzer, toll und töricht. Denn der ist der rechte Mann, und er hat sie auch Alle über einen Haufen gestoßen. Der Papst legt sich wider Christum auch gewaltig, aber er muss auch noch gestürzt werden. Es sind zu Rom etlich viele tausend Märtyrer begraben, die alle ihr Blut daselbst um des Herrn Christi willen haben vergossen.
29. Die Gottheit Christi soll man von seiner Menschheit nicht trennen.
Dr. Martin Luther sagte: er hätte Briefe bekommen, darinnen Einer verleugne, dass die Gottheit in Christo habe gelitten, sondern allein die Menschheit. Da dies Dominus Jakobus, Präpositus zu Bremen hörte, der eben zu Wittenberg war, und mit Dr. Martin Luther aß, sprach er: Das kann nicht sein, denn es steht geschrieben: Gott, der die Kirche (oder Gemeinde) mit seinem Blut erworben hat. Darauf, antwortete Dr. Martin Luther und sprach: Ach! das ist der Handel! Der Teufel geht damit um, man will Christum zerreißen und zertrennen. Solche Köpfe sind nicht gottselig, sondern ehrgeizig: sie suchen nicht Gottes, sondern ihre eigene Ehre, denn sie wollen vor Andern gesehen sein, und hinter sich Jünger und Schüler lassen.
30. Ob die Gottheit in Christo auch gelitten habe.
Es ward gefragt: ob es auch recht, wahrhaftig und christlich geredet würde, dass Christus gelitten habe und gestorben sei nach der Gottheit oder göttlichen Natur? Weil die Gottheit dem Tod nicht unterworfen sei, könne sie weder leiden noch sterben. Denn S. Petrus spräche: Christus ist getötet, oder dem Tod übergeben, nach dem Fleisch, oder lebendig gemacht nach dem Geist, 1. Petr. 3, 18. Da antwortete Dr. Martin Luther, und sprach: Alle gottesfürchtige und rechtschaffene Christen, oder die ganze heilige, christliche Kirche und Gemeinde, glauben ohne allen Zweifel, was man im Kinderglauben spricht, nämlich, dass Jesus Christus, der einige Sohn Gottes in einem göttlichen Wesen und einer Natur mit dem Vater, wahrhaftiger Mensch, von Marien der Jungfrau durch den Heiligen Geist empfangen, geboren worden sei, gelitten habe, gekreuzigt, gestorben und begraben sei, darum glauben sie, dass nicht allein die menschliche Natur, sondern auch die göttliche Natur, oder der rechte wahre Gott für uns gelitten hat und gestorben ist.
Wiewohl Leiden, Sterben rc. fremde Eigenschaften sind, die von der göttlichen Natur sonst insonderheit nicht können gesagt werden, sondern nur allein von der menschlichen Natur, so sind doch, weil die göttliche Natur die menschliche Natur also angenommen, und sich damit bekleidet hat, diese zwei Naturen nun unzertrennlich bei einander, also, dass Christus nun in Einer Person zugleich Gott und Mensch ist: was nun dieser Person, die Christus ist, widerfährt und geschieht, geschieht auch diesem Gott und Menschen. Daher kommt's, dass diese zwei Naturen in Christo ihre Idiomata5) und Eigenschaften Eine der Andern mitteilen; das ist, was Einer Natur sonderliche Eigenschaft ist, dasselbige wird auch der Andern mitgeteilt, und von ihr mit Recht gesagt, darum, weil sie ineinander hängen, und gleich als geflochten und vereinigt sind, also, dass sie nicht können voneinander geschieden noch getrennt werden. Z. B. Geborenwerden, Leiden, Sterben rc. sind Idiomata, Eigenschaften der menschlichen Natur, welcher die göttliche Natur auch teilhaftig wird in dieser Person, die Christus ist und heißt, um der Vereinigung willen, die nicht kann zertrennet noch voneinander abgesondert werden, und nur mit dem Glauben gefasst werden muss.
Darum wird nicht allein der Mensch, sondern auch Gott empfangen, geboren von Maria der Jungfrau, leidet, stirbt, wird begraben rc. wie S. Paulus bezeugt, Röm. 1, 3, da er spricht: Gottes Sohn, der geboren ist von dem Samen Davids nach dem Fleisch rc. Er spricht: nachdem Fleisch, denn Christus, aus Davids Samen hat die menschliche Natur angenommen; darum wird recht und eigentlich gesagt, er sei geboren. Dieweil aber dieselbige Natur in Einer Person der göttlichen Natur so nahe und hart vereinigt und verbunden ist, so teilt sie fast mit der Natur Gottes ihr Idioma und Eigenschaft, als da ist Geboren und Menschwerden, wie Johannes spricht, C. 1, 14. Und das Wort ward Fleisch, Gott ist Mensch geworden. Also, dass nicht allein der Mensch, sondern auch Gottes Sohn, wie Paulus sagt, oder der rechte, wahre Gott geboren ist. Und Maria, die Jungfrau, ist nicht allein eines Menschen Mutter, sondern eine rechte, wahrhaftige Mutter Gottes, wie der Engel Gabriel bezeugt Luk. 1, 31, da er spricht: Siehe, du wirst schwanger werden im Leibe und einen Sohn gebären rc., der wird ein Sohn des Höchsten genannt werden. Und setzt dazu, V. 32: Und Gott der Herr wird ihm den Stuhl seines Vaters Davids geben rc. Darum hat Maria, die Jungfrau, wahrhaftig den wahren Sohn Gottes geboren, welcher auch der rechte Sohn Davids ist.
Was aber von der Communication, Mitteilung Einer Eigenschaft der Natur gesagt und bewiesen ist, (nämlich, dass Geborenwerden rc. der göttlichen Natur auch zugeeignet und von ihr gesagt wird, durch die Gemeinschaft der Eigenschaften, dasselbige soll auch verstanden werden von der Communication und Mitteilung der andern Eigenschaften, als Leiden, Sterben, Begrabenwerden rc., wiewohl sie eigentlich der menschlichen Natur gebühren und zustehen, doch gibt sich die göttliche Natur in Christo darunter, und leidet rc., auch nach dem Spruch Pauli, Röm. 8, 29: Wir müssen dem Ebenbilde des Sohns Gottes gleich werden rc. Und V. 32: Der seines eigenen Sohnes nicht verschont, sondern hat ihn für uns dahin gegeben rc. Und in der ersten Epistel an die Korinth. am 2. Kap. V. 8: Denn wo sie die (Herrlichkeit) erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. Und an die Philipper 2, 6, 7, 8: Jesus Christus, ob er wohl in göttlicher Gestalt war, denn er war Gott gleich; doch nahm er Knechtsgestalt an, ward gleichwie ein andrer Mensch, und an Gebärden wie ein Mensch erfunden, erniedrigte sich selber, und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tod am Kreuz. Desgleichen singt die Kirche: Vita in ligno moritur: Das Leben stirbt am Holz rc.
Darum soll man gewiss glauben, dass Alles, was der menschlichen Natur in Christo eigentlich zusteht und widerfährt, auch kommuniziert, zugeeignet und gegeben wird der göttlichen Natur. Also dass mit Recht und wahrhaftig gesagt wird: Gott wird geboren, gestillt oder gesäugt, liegt in der Krippe, frieret, geht, steht, fällt, wandelt, isst, trinkt, leidet, stirbt rc.
Es steht aber noch ein schöner, trefflicher Spruch an die Hebräer, C. 2, denselben will ich in diesem Stück nur anziehen, da er also spricht, V. 7: Du hast ihn eine kleine Zeit der Engel mangeln lassen. Und bald hernach V. 9: Den aber, der eine kleine Zeit der Engel gemangelt hat, sehen wir, dass es Jesus ist, durchs Leiden des Todes: er spricht aber, eine kleine Zeit, das ist, bis er den Tod geschmeckt hatte. Was könnte klarer geschrieben werden? Er ist, spricht er, niedriger worden, denn die Engel. Warum? Um des Todes Schmerzen willen, denn er hat den Tod geschmeckt; darum ist er auch etwas niedriger worden, denn die Engel, welcher Natur dem Tod nicht unterworfen ist, denn sie sterben nicht. Er aber, obgleich er ein Herr und Schöpfer der Engel ist, und natürlicher Gott, denn er ist Gottes Sohn, demütiget gleichwohl sich und stirbt.
Dagegen soll man auch wissen, dass Idiomata, Eigenschaften der göttlichen Natur in Christo mit Recht der menschlichen Natur mitgeteilt und zugeeignet werden; weil sie mit der göttlichen ohne einige Trennung verbunden und vereinigt ist, so werden sie ihr mit Recht kommuniziert und gegeben. Darum spricht Christus, Joh. 3, 13: Niemand fährt gen Himmel, denn der vom Himmel gekommen ist, nämlich, des Menschen Sohn, der im Himmel ist, und steht gleichwohl hier auf Erden, und redet mit Nicodemo. Darum sieht man, was dem Menschen Christo, oder der menschlichen Natur in Christo zugeeignet und gegeben wird, dasselbige gebührt und wird auch mit Recht und eigentlich gegeben der Göttlichen. Und Matth. 18, 19, spricht er: Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem6) Namen, da bin ich mitten unter ihnen. In diesen Sprüchen redet er gewiss von seiner persönlichen Gegenwart, dass in dieser Person, die Christus ist und heißt, an allen Enden und Orten auch sein muss zugleich Mensch und Gott, oder beide Naturen beisammen, unzertrennt, allenthalben, und in der Wahrheit gegenwärtig, und erhöre, schaffe, und wirke, Auch in Allen, wie der 8. Psalm, V. 7, sagt: Du hast es ihm Alles unter seine Füße getan rc. Also, wo Eine Natur ist, da muss Mangeln, sagt Dr. Martin Luther daselbst: Hebräisch lautet dieser Vers also: Du hast ihn eine kleine Zeit Gottes mangeln lassen; das ist: Du hast ihn verlassen drei Tage seines Leidens, als wäre kein Gott bei ihm; wo aber kein Gott ist, da ist auch kein Engel.
auch die Andere sein, und keine kann von der Andern in Ewigkeit nimmermehr abgesondert noch geschieden werden.
Dieweil aber Solches kein menschlich Herz noch Vernunft verstehen, fassen, noch ausforschen kann durch ihre Weisheit, so soll mans mit Glauben annehmen, und dafür halten, dass es wahr sei, weil es Gott in seinem Wort sagt. Tun wir das, alsdann werden wir verstehen und fühlen, (wie fromme Christen und gottselige Leute, so Diese Dinge erfahren haben, bezeugen,) was dieser Artikel vor Trost gibt in allen Nöten und Anfechtungen der Sünde und des Todes. Und wir werden erfahren, was er vor ein Licht bringt, die Schrift zu verstehen; ja, wo dieser Artikel nicht verstanden wird, so lässt sich's ansehen, ja es ist gewiss, dass in dieser Geschichte des Leidens Christi Alles kalt und vergebens sei, und man Nichts davon versteht, ob man gleich viel davon plaudert.
Aus diesem kann man nun wohl verstehen, was Petrus sagt, 1. Epist. 3, 8: Christus sei nach dem Fleisch getötet rc., dass die göttliche Natur nicht ausgeschlossen ist, sondern ist des Leidens und Sterbens mit teilhaftig geworden. Denn er sagt: Nach dem Fleisch sei er in Tod gegeben. Wiewohl nun Leiden und Sterben eigentlich zusteht, und ist der menschlichen und sterblichen Natur, Art und Eigenschaft, spricht er gleichwohl: Christus sei gestorben, der zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Darum ist Gott und Mensch gestorben. Überdies, wer dies weiß und versteht, der kann nicht irren, spricht Gregorius, so er Christum im Grabe gestorben anbetet. Denn, wenn er anbetet Christum im Grabe gestorben, so glaubt er auch an den, der gestorben und begraben ist. Denn der gestorbene und begrabene Christus war nicht allein Mensch sondern auch Gott.
31. Irrtum der Ketzer bei dem Artikel von Christo.
Ich weiß Nichts mehr an Christo, sprach Dr. Martin Luther, das der Teufel nicht angefochten hätte, darum muss er jetzt wieder vorne anheben, und die alten Irrtümer und Ketzereien hervorsuchen.
Sabellius ist der Erste gewesen, der da sagte: Christus wäre wohl Gott, es wäre aber nur Eine Person der Gottheit. Das ist die nächste und feinste Ketzerei, dass nur Eine Person sei, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Dem folgten die Patripassianer7), die waren diesen nicht sehr ungleich. Danach kamen die Arianer, die unterschieden wohl die Personen, sie sagten aber, der Sohn wäre nicht Gott von Ewigkeit her, sondern würde nur Gott genannt, gleichwie die Fürsten würden Götter genannt. Nach diesen kamen die Manichäer, die fochten die Menschheit Christi an, und sagten, es wäre ein Gespenst, nicht ein wahrer Leib. Danach traten auf die Phocianer, die gaben vor, Christus wäre wohl ein rechter, wahrer Mensch, er hätte aber keine Seele gehabt.
So hat der Teufel durch und durch Christum angefochten, dass er Nichts mehr hat, das er anfechten könnte, darum muss er vorn wieder anheben. Die Pelagianer und der Papst mit ihrem Anhange sind die schönsten Ketzer, die einen großen Schein haben; den sie geben's zu, dass Christus sei Gott und Mensch, aber seinen
Gebrauch, Nutzen und Amt verneinen sie, nämlich, dass er sei unsere Gerechtigkeit ohne unser Werk. Nein, das wollen sie nicht, sondern sprechen, wir müssen auch Etwas dazu tun. Also muss sich Gott lassen in die Schule führen und reformieren, und wie Christus sagt: Die Weisheit muss sich rechtfertigen vor ihren Kindern. Luk. 7, 35.
32. Von der Auferstehung Christi, dass die Vernunft dieselbige nicht begreifen kann.
Die Geschichte von der Auferstehung Christi lehrt, dass die Vernunft von ihr selbst nicht kann glauben, dass Christus auferstanden sei von den Toten, denn dieser Glaube beruht allein auf dem mündlichen Wort, welches, damit es daran nicht mangle, der Engel vom Himmel brachte und verkündigte. Er brachte es aber dem schwächern Gefäße und Werkzeuge, den Weiblein, und denen, die bekümmert und in Ängsten waren. Es waren ja Närrinnen vor Gott und der Welt; vor Gott, dass sie den Lebendigen bei den Toten suchten; vor der Welt, denn sie hatten vergessen den großen Stein, der auf dem Grabe lag, und richteten dennoch Spezerei zu, damit sie Christum salben wollten, welches Alles umsonst war.
Geistlich aber wird damit anzeigt und bedeutet, wenn der große Stein (nämlich, das Gesetz und die Menschensatzungen, so dass Gewissen gebunden und verstricket halten,) vom Herzen nicht gewälzt wird, so kann man Christum nicht finden, noch glauben, dass er auferstanden, denn wir sind durch ihn erlöst von der Gewalt und vom Recht der Sünde, des Todes rc. Röm. 8, 2, dass uns die Bande des Gewissens hinfort nicht mehr können beschweren. Der Papst, der Christum in der Menschen Herzen tötet, gibt den Seinen Gelds genug, dass sie sagen: Christus sei nicht auferstanden, sondern dass sie die Werke rühmen.
33. Von Christi Auferstehung, was sie nütze.
Da Christus wieder auferstanden ist, hat er Alles mit sich gezogen, dass alle Menschen müssen auferstehen, auch die Gottlosen. Dass wir aber noch leben und diese Welt brauchen, das ist gleich als wenn ein Hausvater wollte über Land ziehen, und spräche zu seinem Kinde oder Diener: Siehe! da hast du inzwischen zwei goldene Groschen, die brauche zur Leibes Notdurft und Nahrung, bis ich wiederkomme.
Auch sind alle Kreaturen ein Bild der künftigen Auferstehung, denn gegen den Sommer werden sie aus dem Tod wieder lebendig, wachsen und grünen; welches im Winter Niemand glaubte, dass es geschehen würde, wenn er's zuvor nicht erfahren und gesehen hätte. Desgleichen, da er gen Himmel fuhr, hat er auch Alles mit sich geführt zur Rechten Gottes des Vaters, und hat uns, die wir seines Leibes Gliedmaßen sind, mit ihm in das himmlische Wesen versetzt, dass wir auch sollen Herren sein, wie Christus, doch also, dass er bleibe der Erstgeborene unter vielen Brüdern.
Darum ein Christ, der das glaubt, sieht an die Sonne, und Alles, was wir in dieser Welt brauchen, als wären sie nicht da, sondern denkt allzeit an das künftige Leben, in welchem er bereits ist, ob's wohl nicht scheint, auch warten alle Kreaturen auf die Erlösung und Offenbarung der Kinder Gottes, Röm. 8, 19.
So sind nun alle Kreaturen ausgemustert, auch alle Werke, wie heilig sie auch sind, sind rein ausgeschlossen und abgeschält, als nötig zur Seligkeit. Wenn ein Werk selig macht, so machen auch Äpfel und Birnen selig. Christliche Gerechtigkeit ist nicht eine solche Gerechtigkeit, die in uns ist und klebt, wie sonst eine Qualitas und Tugend, das ist, die man bei uns findet, oder die wir fühlen; sondern ist eine fremde Gerechtigkeit, ganz außer uns, nämlich, Christus selber ist unsere Formalis Justitia, vollkommene Gerechtigkeit, und. das ganze Wesen, 1. Kor. 1., V. 30.
34. Christi und seiner Kirche Leiden, und wie Christus des Teufels Gewalt zunichtemache.
Ist's nicht ein wunderlich Ding, dass Gottes Sohn soll da sitzen, und sich so jämmerlich martern, verspotten und verhöhnen lassen, den doch alle Engel anbeten; vor dem die Erde erzittert, den alle Kreaturen für ihren Schöpfer erkennen, dem speien sie ins Angesicht, schlagen ihn mit dem Rohr aufs Maul, sagen: Ei, er ist ein König,, er muss eine Krone und einen Zepter haben, Matth. 27., V. 30, 31, 32. Es klagt nicht vergebens darüber der Herr Christus im Psalm: Alle meine Gebeine haben sich zertrennet, Ps. 22, 15. Also haben sie ihn auseinander gedehnt.
Ach es ist mit unserem Leiden Nichts; wenn ich unser Leiden ansehe, so möchte ich mich wohl zu Tode schämen. Noch sollen wir gleichförmig werden dem Ebenbild des Sohnes Gottes, und ob wir schon Gleichförmige werden, so ist es doch Nichts. Er ist der Sohn Gottes, wir sind arme Kreaturen: wenn wir schon den ewigen Tod litten, so ist es doch Nichts.
Da sieht man, wie der Teufel einen Grimm gefasst hat wider den Sohn Gottes und das menschliche Geschlecht. Ich hab' einmal einen Wolf sehen ein Schaf zerreißen; ei, wie geht er mit ihm um! Und so er in Schafstall kommt, so frisst er Keines, er habe sie denn zuvor Alle erwürgt, danach hebt er an und frisst, er ist der Meinung, dass er sie Alle wolle auffressen. Also denkt der Teufel auch: ich habe nun Christum gefasst, ich will mit der Zeit seine Apostel auch wohl kriegen; aber er sieht nicht, dass er der Sohn Gottes ist, und das ist auch des Teufels Narrheit, er weiß nicht, dass es ihm danach so übel darüber gehen soll, und dass er so übel soll bezahlt werden.
Es wird der Teufel hernach also zunichte gemacht, dass er sich vor einem jungen Kind in der Wiege fürchten muss: denn, wo er den Jesum nur nennen hört mit rechtem Glauben, da kann er nicht bleiben, denn er denkt: diesen hab ich erwürgt. Eben als wenn H. Mordbrenner irgend an einen Ort käme, da der Kurfürst von Sachsen wäre, und er erführe es, so würde er fliehen und den Kurfürsten nicht erwarten; denn er weiß, dass er ihn gebrannt hat. Also muss auch der Teufel vor Christo erschrecken: er liefe eher durch ein Feuer, als dass er bliebe. Das heißt: Des Weibes Samen wird der Schlange den Kopf zertreten, 1. Mos. 3, 15. Ich meine, er habe ihm den Kopf zertreten, dass er den Jesum Christum weder hören noch sehen mag.
Mir hat oft das Gleichnis im Hiob gar wohl gefallen, von einem Angel, den die Fischer ins Wasser werfen, und stecken ein Regenwürmlein daran; so kommen denn die Fische, und wollen davon essen, so fressen sie denn das Eisen mit dem Regenwürmlein, und zieht der Fischer dann den Fisch aus dem Wasser. Also hat unser Herr Gott dem Teufel auch getan. Er hat seinen eingeborenen Sohn, den Herrn Christum Jesum, als den Angel, in die Welt geworfen, und die Menschheit Christi, als das Regenwürmlein, daran gesteckt: so schnappt denn der Teufel nach dem Menschen Christo, und würgt oder frisst ihn, und beißt in das Eisen, in die Gottheit Christi; schnaps da liegt er und alle seine Macht zu Boden. Das ist die göttliche Weisheit, dass er seine Füße, das ist, seine Christen martern lässt in der Welt, und gedemütigt werden: da meint denn der Teufel, er hab's gar in seiner Gewalt; aber es fehlt ihm noch weit.
35. Kollation des Leidens Christi mit dem Leiden seiner Kirche.
Dr. Luther sagt, dass der jungen Theologen Arbeit sein sollte, zu vergleichen das Leiden Christi mit dem Leiden der christlichen Kirche, und sprach: Christus sagte die Worte nicht vergeblich am Kreuz: Consummatum est, das ist es ist Alles vollbracht; denn jetzt ist es also, Christi Leiden ist erfüllt an seiner Kirche. Denn erstlich haben sie ihm da die Krone aufgesetzt, und ihn verspottet, da sich der Papst geschrieben einen König aller Könige, und einen Herrn aller Herren. Danach haben sie ihn gekreuzigt mit den Klostergelübden. Danach wird ein Erdbeben, und die Sonne verliert ihren Schein. Des Papsts Regiment hat den Schein verloren, es sind ihm beide Augen ausgestochen. Und, die Felsen zerrissen, das ist, es kommen jetzt viel harte Köpfe zum Evangelio, die nie dazu haben gewollt. Nun wird's heißen: In deine Hände befehl ich meinen Geist. Es reimt sich sehr fein; denn, was der Mann, der Sohn Gottes, redet oder tut, das ist ein großes Ding, darüber sich alle Engel verwundern müssen, davor der Erdboden selbst erzittert.
36. Zu welcher Zeit und Stunde Christus das Osterlamm gegessen hat.
Christus hat das Osterlamm, sagte Dr. Luther, nach dem Gesetz Mosis angefangen mit seinen Jüngern zu essen am grünen Donnerstag Abends, da der Tag anfing um sieben Uhr. Danach hat er das neue Osterlamm eingesetzt. Und da er den Jüngern die Füße gewaschen hatte, ging er hinaus in den Garten: daselbst ward er gefangen um die achte Stunde des Nachts, denn ein solcher großer, schwerer Kampf konnte nicht lange währen.
Ist erstlich zu Hannas geführt, danach zu Caiphas, da ihn Petrus dreimal verleugnete, ehe der Hahn krähte, nämlich, von neun bis zu zwölf Uhr. Dieselbigen Stunden, bis frühe Morgens, da es begann Tag zu werden, brachten die Juden zu mit Plagen, Verspotten und Verspeien des Herrn Christi.
Des Morgens am Allerfrühsten hielten die Hohenpriester Rat, und hörten Christum. Danach, da es nun Tag geworden war, das ist, um die sechste Stunde, führten sie Jesum zu Pilato: da klagten sie ihn an, dass er gekreuzigt würde, und brachten schier drei Stunden damit zu, also, dass fast um neun war, ehe Christus ans Kreuz geschlagen ward.
Und das ist, dass S. Markus sagt, C. 15., V. 25: Sie kreuzigten Jesum um die dritte Stunde, das ist, es war noch nicht um sechs. Und S. Johannes, C. 19, 14., weil es sechsen näher war, denn dreien, darum schreibt er: Christus sei gekreuzigt um sechse, das ist, nach unserem Zeiger, von neun an haben die Juden in Pilatum gedrungen, dass Jesus gekreuzigt würde, und haben's kaum um zwölfe erlangt. Um zwölfe, da er eine Weile am Kreuz gehangen, ward es Finsternis: und endlich um neune, das ist, gegen Abend um drei, gab er seinen Geist auf mit einem großen Geschrei.
Und weil es der Rüsttag war, sagt er, V. 31., eilten die Juden, dass die toten Leichname vom Kreuz genommen würden, dass also Christus den vierten Teil des Ostertages der Juden im Grab gelegen ist; und das ist Ein Tag. Der andere Tag auf den Freitag fing an, nachdem die Sonne war untergangen, und währte die ganze Nacht über, bis die Sonne am Sabbatstage wieder niederging. Diese ganze Zeit über ist Christus im Grabe gelegen. Aber am Sabbatstage, nach der Sonne Untergang, fangt an, nach der Juden Weise, der dritte Tag, welchen die Juden der Sabbater Tag einen nennen, das ist der Lag, so der nächste war dem Sabbat in Ostern. An demselbigen Sonntag früh, da nun der helle Tag desselbigen dritten Tages war, und die Sonne aufging, ersteht wieder vom Tode Christus, unser Heiland. Und dass ist's, das wir in unserem Glauben bekennen, glauben und sagen: Auferstanden am dritten Tage, sagen nicht, nach drei Tagen, sondern am dritten Tage.
37. Christi freundliches Gespräch im Abendmahl.
Das Abendmahl, das Christus mit seinen Jüngern zum Abschied gehalten, wird sehr freundlich gewesen sein, da Christus mit ihnen so gar lieblich und herzlich geredet hat, als ein Vater mit seinen lieben Kinderlein, wenn er von ihnen scheiden will und muss: hat ihnen ihre Schwachheit zu gut gehalten, und Geduld mit ihnen gehabt, ob sie wohl bisweilen grob herausfuhren und lallten. Es sind ohne Zweifel feine, holdselige und freundliche Gespräche gewesen, da Philippus sagt, Joh. 14, 8: Herr, zeige uns den Vater rc., und Thomas V. 5: Wir wissen den Weg nicht rc., und Petrus, Joh. 13, 37: Ich will mit dir in Tod gehen. Es sind Tischreden gewesen, da ein Jeglicher sein Herz und Gedanken frei und ungescheut angezeigt und vorgebracht hat. Es ist keine lieblichere Mahlzeit von Anfang der Welt gewesen als diese.
38. Von dem Blutschwitzen, und anderem geistlichen Leiden des Herrn Christi im Garten.
Es fragte Einer an Dr. Luthers Tische, über das Blutschwitzen und andere hohe und geistliche Leiden, die Christus im Garten hatte ausgestanden. Da sprach Dr. Luther: Das kann kein Mensch wissen noch denken, was es vor ein Leiden sei gewesen: wenn auch ein Mensch ansinge Solches zu fühlen, so müsste er sterben. Ihr wisset, es sterben viel Leute an der Gemütskrankheit. Oecolompadius und Carlstad sind daran gestorben. Denn Oecolompadius hat gedacht: Siehe, wie ist Zwingli so jämmerlich umkommen, wir haben das Spiel vom Sakrament mit einander angefangen. Also hat sich auch Carlstad zu Tode gegrämt: denn die drei Tage zuvor, ehe denn er gestorben ist, da war in der Kirche zu Basel in seinen Stuhl, darin er sonst zu stehen pflegt, ein großer, langer Mann getreten, hatte darinnen gestanden und Predigt gehört. Die nun neben demselbigen Stuhl gestanden, die hatten Nichts gesehen, sondern, weil Carlstad nicht darin gesessen war, hatten sie gedacht, der Stuhl wäre ledig; aber die andern Leute alle in der Kirche hatten den großen Mann in dem Stuhl gesehen. Wie nun Carlstad Solches erfährt, da legt er sich nieder und stirbt vor Leid. Denn Herzeleid ist der Tod selbst. Wenn ein Mensch sollte fühlen solche Angst und Not, als Christus gehabt, und sollte die Seele gleichwohl im Leibe bleiben, und Solches ausstehen, das wäre unmöglich: es müsste sich Seel und Leib scheiden. Christo ist's allein möglich gewesen, darum geht ihm auch blutiger Schweiß darüber aus.
39. Christi eigen Werk.
Christus hat kein Geld noch Beutel, auch kein irdisch Reich, denn dieselbigen allzumal hat er Königen und Fürsten gegeben: Aber Eins hat er sich vorbehalten, das keines Menschen noch Engels Werk und Tun ist, nämlich, dass er ein Siegesmann ist über die Sünde, Tod, Teufel und Hölle, und kann auch mitten im Tode retten und erhalten, die an ihn durch sein Wort glauben.
40. Wie Christus recht unser wird.
Dass Christus die allerheiligste und reinste Person sei, ist wohl wahr; aber bei dieser Erkenntnis muss man allein nicht bleiben, denn du hast damit Christum noch nicht, wenn du gleich weißt, dass er wahrer Gott und Mensch, und allein gerecht und heilig ist. Alsdann aber erkennest du ihn recht, und kriegst ihn zu eigen, wenn du glaubst, dass diese allerheiligste, reinste und unschuldigste Person dir vom Vater geschenkt sei, auf dass er dein Hoherpriester und Heiland, ja, dein Diener und Knecht sein solle, der seine Unschuld und Heiligkeit abgelegt, und deine sündliche Person angenommen hat, und darin getragen deine Sünde, Tod und Fluch; also ein Opfer und Fluch für dich geworden ist, auf dass er dich also vom Fluch des Gesetzes erlöst wie S. Paulus sagt, Galat. 3, 13. Hieraus folgt gewaltig, dass nicht das Gesetz, auch nicht die Werke vom Fluch erlösen; sondern Christus allein ist der Mann, dem Gott der Vater diese Ehre gab. Darum bitte und ermahne ich Jedermann, um Gottes willen, dass man Christum ja wohl lerne, und wisse ihn zu unterscheiden vom Gesetz, und dass man ja mit Fleiß darauf Acht habe, wie und was S. Paulus redet, Galat. 3, 10., da er spricht: Die mit des Gesetzes Werk umgehen, die sind unter dem Fluch rc. Denn so sagt er: Es kann und mag nicht anders sein, als dass Alle, so das Gesetz nicht tun und halten, unter dem Fluch sein müssen: nun aber ist kein Mensch, der das Gesetz halte und tue; darum ist dieser erste Spruch wahr, der da sagt: dass alle Menschen unter dem Fluch sind.
Danach setzt er den andern Spruch, der so lautet: Christus hat uns erlöst vom Fluch des Gesetzes, da er ward ein Fluch für uns. Hat uns nun Christus vom Fluch erlöst, so werden wir freilich durch das Gesetz und die Liebe davon nicht erlöst, ja, das Gesetz zeugt und wirft uns nur gewaltiger unter den Fluch. Darum folgt, dass die Liebe, davon die heillosen Sophisten plaudern, als müsse und könne die den Glauben rechtschaffen machen, von dem Fluch nicht erlöst, sondern stößt uns vielmehr darunter.
Gleich aber wie Christus ein ganz anderes Ding ist, als das Gesetz und seine Werke sind; also ist auch die Erlösung, durch Christum geschehen, ein ganz anderes Ding, als mein Verdienst, das ich durch die Werke des Gesetzes oder durch Liebe, wie die Sophisten vorgeben, erlangen soll. Was kann ich aber viel rühmen von meinem Verdienst oder Liebe? Weil Christus selber für meine Sünde ein Fluch werden muss, soll ich anders los werden? Darum wird Nichts anders daraus; wer Christum durch den Glauben nicht ergreift, und sich des nicht tröstet, dass er für ihn ein Fluch geworden ist, der ist und bleibt unter dem Fluch. Deshalben, je mehr wir mit Werken umgehen, dadurch Gnade zu erlangen, desto weniger können wir Christum erkennen und ergreifen. Wo aber der nicht erkannt, und mit dem Glauben nicht ergriffen wird, da ist weder Rat, Hilfe noch Trost zu gewarten, wenn du dich gleich zu Tode martertest.
41. Christus der allergrößte Sünder.
Alle Propheten haben zuvor im Geist wohl ersehen, dass Christus der allergrößte Sünder sein würde, dergleichen auf Erden nie gekommen ist. Denn, indem er ein Opfer ist für die Sünde der ganzen Welt, ist er jetzt nicht mehr eine solche Person, die unschuldig und ohne Sünde sei. Er ist nicht Gottes Sohn in der Herrlichkeit, sondern ist ein Sünder, und eine kleine Zeit verlassen, Psalm 8, 6, der da trägt und auf dem Halse liegen hat aller Menschen Sünde, die Sünden S. Pauli, der ein Gotteslästerer, Verfolger, Frevler gewesen ist, S. Petri, der Christum verleugnet hat, und Davids, welcher ein Ehebrecher und Mörder war, und machte, dass der Name des Herrn unter den Heiden verlästert ward. Kurz, er ist die Person, die an ihrem Leibe trägt, und auf sich geladen hat alle Sünden aller Menschen in der ganzen Welt, die je gewesen, noch sind und sein werden. Nicht also, dass er solche Sünde selbst getan hätte, sondern dass er sie von uns, die wir sie getan haben, auf seinen Leib genommen hat, auf dass er dafür mit seinem eigenen Blute genug täte. Darum begreift ihn das Gesetz, das Moses über alle Übeltäter und Mörder insgemein gegeben hat, auch mit, ob er wohl für seine Person unschuldig ist; denn das Gesetz findet ihn unter den Sündern und Mördern: gleichwie die Obrigkeit den nicht für unschuldig hält, sondern straft, den sie unter den Mördern mit erhaschet, ob er gleich sein Leben lang keine Untat noch Misshandlung begangen hat, die des Todes wert möchte geachtet werden.
Nun aber ist Christus nicht allein unter den Sündern mit erfunden worden, sondern er hat auch selbst willig, nachdem es dem himmlischen Vater also wohlgefallen, der Sünder Geißel und selbstschuldiger Bürge und Pfand sein wollen. Deshalb er auch an sich genommen hat Fleisch und Blut derer, so da Sünder, Mörder, und mit allerlei Sünden beladen sind. Weil ihn denn das Gesetz unter den Mördern und Übeltätern also ergriffen hat, so hat's ihn auch als einen Übeltäter verdammt und erwürgt..
Solches, dass uns Christum aufs Allerlieblichste und Freundlichste vormalt (nämlich, dass er für uns ein Fluch geworden ist, auf dass er uns vom Fluch des Gesetzes erlöste) verdunkeln, ja verfälschen alle Sophisten, als die allerärgsten Gottesdiebe, damit, dass sie Christum mit den Sünden und armen Sündern nichts wollen lassen zu tun noch zu schaffen haben, da er doch allein um derselbigen willen Mensch geworden und für sie gestorben ist; und bilden uns allein vor sein Exempel, dem wir nachfolgen sollen. Eph. 1, V. 4, seq. Offenb. 5, 9. Damit rauben und stehlen sie ihm nicht allein seinen Titel, dass er die Sünder von ihren Sünden und Tod erretten könne und wolle, denn er ist dazu von Ewigkeit ausersehen und verordnet, sondern machen aus ihm auch einen zornigen Richter und schrecklichen, gräulichen Tyrannen, welcher nicht mehr tue noch könne, denn dass er nur immerdar über die Sünde zornig sei und die Sünder verdamme. Wir aber sollen Christum ansehen, dass, gleichwie er unser Fleisch und Blut angenommen hat, also habe er auch auf sich genommen alle unsere Sünden, Fluch, Tod und allerlei Unglück und Plage, und das Alles durch sich selber, uns zu Gute. So ist er erwürgt worden, und hat triumphiert, und ist geworden der Herr Aller, die ihm zu Füßen liegen müssen.
42. Vom Einzug Christi zu Jerusalem.
Des Herrn Christi Einzug zu Jerusalem, sprach Dr. Martin Luther, ist gar ein läppischer, und bettlerischer Einzug gewesen, da Christus, ein so großer, gewaltiger König, auf einem fremden Bettelesel sitzt. Wie Johannes klar anzeigt und sagt: dass es Esel sind gewesen, für arme Leute verordnet, dazu, dass sie dieselbigen zu ihrer Notdurft brauchen möchten umsonst, und durften kein Mietgeld davon geben. Die Kleider, so seine Jünger darauf legten, waren sein Sattel. Es ist ja ein wunderbarer Einzug gewesen, nach der Weissagung des Propheten Zacharia, C. 9, 9, auf dass die Schrift erfüllt würde. Denn, als er nach der Auferweckung des Lazarus von Bethania gen Bethphage an den Ölberg kam, welches so nahe ist gewesen (als die Elbbrücke von hinnen aus der Stadt ist) bei Jerusalem, und ein großer Haufe Volks vor ihm herging und nachfolgte, welche schrien und frohlockten, da hat er seine Jünger hingeschickt, die Esel zu holen, hat schlechterdings wollen reiten, auf dass die Prophezeiung erfüllt würde.
Ich halte aber, dass Christus die Prophezeiung selber nicht habe angezogen, sondern die Apostel und Evangelisten haben sie zum Zeugnis gebraucht. Christus hat indes gepredigt und geweint, das Volk aber hat ihn geehrt mit Ölzweigen und Palmen, welches Zeichen sind des Friedens und Sieges. Solche Zeremonien haben danach die Heiden von den Juden genommen, nicht die Juden von den Heiden; denn das jüdische Volk und Jerusalem ist viel älter, denn alle Griechen und Lateinischen. Die Griechen haben ihren Anfang genommen zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft; Jerusalem aber ist lange zuvor vor den Persern und Assyriern gewesen, noch viel länger vor den Griechen und Römern, darum haben die Heiden viele Zeremonien und Bräuche von den Juden, als die älter waren, genommen. Es ist doch ein herrlicher, prächtiger Einzug des Herrn Christi gewesen, weit berühmt durch die Prophezeiung und Wunderwerke, oder gleich äußerlich arm, verachtet und bettlerisch anzusehen war.
43. Von Christi Leiden, welche ihm am meisten Leides getan und noch tun, Juden und Heiden.
Christus hat ganz unschuldig gelitten und billig gesagt, Joh. 14, 30: Der Fürst dieser Welt hat Nichts an mir; er hat gleichwohl große Marter gelitten, und ist jämmerlich zerrissen und zerschlagen worden, um unserer Sünde willen. Die Juden haben ihn mit Worten, die Heiden aber mit dem Werk und der Tat gekreuzigt. Das Leiden Christi ist eine große Weissagung von der Heiden Bosheit; denn Christus leidet noch heut zu Tage in der Heiden Kirche, das ist, von uns, die wir Heiden gewesen und nun getauft sind, viel mehr, denn von der Synagoge der Juden. Größere Gotteslästerung, Verachtung und Tyrannei ist jetzt bei uns, als vor Zeiten bei den Juden war. Im Welschlande, wenn von Artikeln des Glaubens und vom jüngsten Tage und Gericht geredet und gelehrt wird, spricht der Papst samt seinen Geschmierten: warum glaubst du also? Mache dir gut Geschirr, und sei hier fröhlich rc. Diese und dergleichen Lästerung treibt nicht allein der Papst, sondern ganz Welschland, und ist eine allgemeine Rede, sonst dürfte kein Mensch Solches öffentlich ungestraft reden.
44. Von Christi Zukunft.
Die Propheten haben die Zukunft Christi zusammengesetzt; wie wir jetzt wissen, dass der jüngste Tag kommen wird, und gleichwohl nicht wissen können, was und wie es danach werden wird, als nur im Allgemeinen, dass kommen werde ewige Freude, Friede und Seligkeit, also haben's die Propheten auch dafür gehalten, dass bald nach Christi Zukunft der jüngste Tag kommen würde. Erstlich, weil sie die Tage des Messias genannt haben die letzten Tage. Zum Andern, weil sie die Zeichen der ersten und andern Zukunft zusammengesetzt haben, als würden sie zu Einer Zeit geschehen. Zum Dritten, wird von S. Paulo in der Epistel an die Korinther gefragt, ob der Tag des Gerichts komme, so lange die zu Korinth noch lebten? Zum Vierten, desgleichen hat Christus selber auch getan, der einerlei Zeichen zugleich mit einander gezählt.
Dr. Martin Luther sagte eines Abends einmal, da er zu Lochau war: Ach! wie gern wollte ich bei dem Herrn Christo gewesen sein, wenn er einmal fröhlich gewesen ist! S. Augustins Spruch ist sehr christlich und sein, da er spricht: Christus habe mit seinem Einigen und Simpeln unser Zwiefältiges verwechselt, und also ist eine vollkommene Zahl gemacht. Denn des Herrn Christi Tod wird genannt das Simple und Einzelne, da er nur am Leibe gestorben ist; aber unser Tod ist zwiefältig und gedoppelt, denn wir hätten ewig müssen verloren sein an Leib und Seele um unsrer Sünden willen.
45. Christus hat aus einem Buch gepredigt.
Es war unter Anderm über Tisch davon die Rede, dass D. Jakob Schenk nicht aus einem Buch predige, da sprach Dr. Luther: Ich tue es nicht Not halber, dass es also und nicht anders müsste sein, sondern Andern zum Exempel. Es darf sich des Buches auf der Kanzel Niemand schämen, weil auch Christus, der höchste Doktor und Meister, sich nicht geschämt, und uns das Exempel, aus dem Buch, als aus dem Propheten Jesaja, zu predigen gelassen hat, Luk. 4., V. 17. seq.
46. Christus ist zur Hölle gefahren.
Da des Artikels in unserm christlichen Glauben, niedergefahren zur Hölle, erwähnet ward, sagte Dr. Luther: Dies ist einfältig meine Meinung, und ich glaube, dass Christus für uns in die Hölle gefahren ist, dieselbige zu zerbrechen und zu zerstören; wie im 16. Psalm, V. 8. seq., und Apg. 2, 24, seq. bewiesen wird. Obwohl vorwitzige und zänkische Geister und Klüglinge möchten Ursache nehmen zu disputieren, und vorgeben, das Wort Infernus, Hölle, werde genommen und verstanden für ein Grab, wie im ersten Buch Mosis von der Schöpfung etlichmal steht. Aber hier steht das hebräische Wort Nobet, das ist, Grube, nicht; sondern Schola8), das ist Gehenna, Hölle. Denn die Alten haben vielerlei Unterschied zwischen der Hölle gemacht.
47. Von Christi Auferstehung.
Anno 30, den 9. April, redete Dr. Martin Luther von der Auferstehung des Herrn Christi durchs Wort und die Predigt des Evangeliums, welche nicht ohne Erdbeben geschieht, wie auch Christus mit einem großen Erdbeben aus dem Grab hervorwischte und auferstund. Also wird auch heut zu Tage noch immerdar die Welt rege, und erhebt sich ein Tumult, wenn allein Christi Gerechtigkeit und Heiligkeit gepredigt und bekannt wird. Aber solches Erdbeben ist den Gottesfürchtigen und rechten Christen heilsam, tröstlich und lustig, und mehr zu wünschen und zu begehren, als Friede und Ruhe wider Gott, mit bösem Gewissen.
Die Juden ließen sich träumen, und meinten, Christi Reich würde ein weltlich Reich sein; wie auch die Apostel, Joh. 14., V. 22: Herr, was wird's werden, dass du dich uns offenbaren willst, und nicht der Welt? Wir meinten, die ganze Welt sollte deine Herrlichkeit sehen, dass du Kaiser würdest, und wir zwölf Könige, unter welche die Königreiche sollten ausgeteilt werden, dass ein Jeglicher unter sich hätte sechs Jünger zu Fürsten, Grafen und Herren; das wären die zwei und siebzig Jünger, denn so viel waren ihrer. Also hatten die lieben Apostel das Land schon ausgeteilt nach Platonischem Wahn und menschlicher Vernunft. Aber Christus beschreibt sein Reich viel anders, wie folgt, V. 24: Wer mich liebt, der wird meine Worte halten, und mein Vater wird ihn Lieben, und wir werden zu ihm kommen, und Wohnung bei ihm machen 20.
48. Epitaphium Salvatoris nostri Jesu Christi, quod fixumi est Hierosolymis ad sepulchrum Christi.
Sum Deus, ex quo, carnem sumpsi sine naevo,
Plebs mea me ligno fixit pendente maligno,
Aspice plasma meum, qui transis ante sepulchrum,
Qui triduo jacui, cum pro te passus obivi.
Quid pro me pateris, aut quae mihi grata rependis?
Sum. Deus et pulvis, sed regnes si modo serves,
Pro te passus, ita tu pro me prospera vita,
Pro te plagatus, pro me tu nega reatus.
Das ist: Grabschrift des Herrn Jesu Christi, unsers Heilandes; welche zu Jerusalem auf seinem Grab gehauen stehen soll
Gottes rechter Sohn bin ich allein
Im Anfang, und Mensch worden rein.
Mein Volk mich hat ans Kreuz gehangen
Ohne Schuld, damit groß Sünd begangen
Bin wieder auferstanden vom Tod,
Gen Himmel gefahren zu unserm Gott.
Regier mit ihm gewaltiglich,
Zu seiner Rechten ewig.
D'rum wenn du denkst an dies mein Grab,
Drin ich lag bis an dritten Tag,
So bedenk, was ich gar unschuldig
Für dich getan ganz willig;
Gelitten den allerschmählichsten Tod,
Und dich erlöst aus aller Not,
Von Sünd, Tod, Teufel und Gottes Zorn,
Darin du warst von Eltern gebor'n.
Hab für dich gebüßt und bezahlt,
Mein Vater gar zufried' gestallt.
Das hat er willig genommen an,
Als hättest du's selber Alles getan.
Schenk dir all mein Gerechtigkeit,
Verdienst, im Wort und Seligkeit.
Dafür begehr ich nichtes mehr,
Denn dass du mir nur gibst die Ehr,
Dass ich nur sei der Heiland dein,
Ohn all dein Werk aus Gnad allein,
Nehmest's allein mit Glauben an,
Wie dir mein Wort sein zeigt an.
Also wirst du gerecht allein,
Von allen Sünden auch ganz rein.
Danach gehest in mein G'horsam,
Ruf'st mich in allen Nöten an.
Bekennest vor aller Welt hier frei,
Dass ich allein ihr Heiland sei.
Hältest mein Wort in Ehren rein,
Und lässt es dein liebsten Schatz sein.
Hüt'st dich fleißig vor falscher Lehr,
Die mir heimlich stiehlt meine Ehr.
Mich fürcht'st, lieb'st und die Sünde meid'st,
Damit du nicht große Strafe leid'st,
Wo du dir's nicht bald lässt leid sein,
Dich zu mir kehr'st von Herzen dein.
Das ist's, das ich begehr von dir,
Also kannst du recht dienen mir.
49. Eine andere Grabschrift, so noch zu Jerusalem bei dem Grabe des Herrn Christi gefunden wird.
Hic sub clausura jacet Christi caro pura,
Sub cujus cura semper stat nostra figura.
Est Deus hic tantus, natus de virgine quantus,
Militiae Kaput hic, jacet hic Mundi medieina.
Das ist:
Hier liegt Gottes ewiger Sohn allein,
Wahrer Mensch, doch ohne Sünde rein,
Geboren uns, die wir waren verloren,
Von einer Jungfrau auserkoren.
Der ist der Welt Heiland und Trost,
Der uns macht recht von Sünden los,
Ja die, so sein Wort nehmen an
Mit Glaub', und geh'n in seinem Gehorsam.
50. Christus unser Ruhm und Preis.
Unser größter Ruhm, Ehre und Preis ist, dass wir Christum haben, Gottes Sohn, von unserm Fleisch, doch ohne Sünde geboren, sitzend zur Rechten Gottes des Vaters, ein Herr über alle Kreaturen, im Himmel, auf Erden und in der Hölle. Wer ihn aber zum Herrn haben will, der wird den Teufel zum Feinde und Widersacher haben.
51. Ob die Recht getan haben, so des Herrn Christi Wunderzeichen nachsagten und ausbreiteten, denen er's doch verboten hatte.
Darauf antwortete der Doktor: Wenn Christus außerhalb seines Amts redet, so redet er als ein Gott, als wenn er von seiner Person redet, und spricht, Joh. 16, 15: Alles, was des Vaters ist, das ist mein; Joh. 14, 1: Glaubt ihr an Gott, so glaubt auch an mich rc. Wenn er aber nach seinem Amt redet, als vom Vater gesandt, da redet er wie ein Mensch und Knecht, nicht von seiner Person, da er sagt, Matth. 20, 28: Ich bin gekommen, dass ich diene rc. Also auch hier, da er verbietet, seine Wunderwerke auszubreiten, da redet er als vom Vater gesandt. Er tut wohl daran, dass er's verbietet, und hat damit uns ein Exempel und Lehre gegeben, dass wir unsere Ehre nicht suchen sollen in dem, was wir Gutes tun, sondern nur allein Gottes Ehre. Daher Johannes in seinem ganzen Evangelio bezeugt: Christus habe den. Vater geehrt, nicht sich; das hat er uns Predigern eingebildet. Also ist auch das seines Amts, da er sagt: Der Sohn weiß von der Stunde nicht.
52. Christus hat den Aposteln nach seiner Auferstehung Alles offenbart, was ihm über die Zeit seines Leidens widerfahren war.
Das sagte Dr. Martin Luther Einem, der ihn fragte, und sich verwunderte, wie die Evangelisten hätten können von den Dingen schreiben, dabei sie nicht wären gewesen, und die sie nicht hätten können wissen noch merken. 3. B. da sie schrieben: Christus habe die drei Jünger, so im Garten schliefen, aufgeweckt; und dass der Engel Christo erschienen sei, habe mit ihm geredet, und ihn getröstet; desgleichen die Worte Christi, da er betete, die sie doch nicht gehört hatten, was die Nacht über in Caiphas und Herodis Hause geschehen, davon sie weder Etwas gesehen noch gehört haben, denn sie sind geflohen gewesen.
53. Christi Demut und Freundlichkeit
Das Beiwohnen und die Gemeinschaft oder Gesellschaft des Herrn Christi mit seinen Jüngern wird am Allerlieblichsten und Freundlichsten gewesen sein. Denn er hat sich hoch gedemütigt, hat's für keinen Raub gehalten, da er Gott war, Mensch zu werden uns gleich, doch ohne Sünde rc. Er hat den Jüngern zu Tisch gedient, eingeschenkt rc., wie mir mein Famulus: des sind die Jünger, als gute einfältige Leute zuletzt gewohnt worden, und haben's geschehen lassen. Also hat Christus seinem Amt genug getan und es ausgerichtet, wie geschrieben steht, Matth. 20., V. 28: Er ist gekommen, dass er diene, und nicht ihm dienen ließe. Es ist ein hohes Exempel für uns, dass sich der so hoch gedemütigt und so sehr gelitten hat, der doch die ganze Welt, Himmel und Erden, und Alles, was darinnen ist, geschaffen hat, und nur mit einem Finger hätte können umkehren und vertilgen.
54. Christus führt sein Reich wunderbar.
Christus führt sein Reich und Regiment gar wunderbar, und verbirgt sich also, dass seine Gegenwart nicht gesehen wird; und macht doch Kaiser, Könige, Papst, und, was nur weise, gewaltig und gerecht will sein, zu Schanden. Aber dazu gehört eine Überzeugung, dass mans gewiss sei.
55. Christi Kruzifix.
Ich glaube, dass ihrer Viele im Papsttum sind selig geworden, ob sie wohl das Evangelium nicht gehört haben, wie es, gottlob, jetzt gepredigt und gelehrt wird; welchen, da sie mit dem Tode gerungen haben und sterben wollten, das Kruzifix gewiesen, und zu ihnen gesagt worden: auf den setze deine Hoffnung der dich erlöst hat! Aber danach, da die Mönche mit ihren Kappen und selbst erwählten übrigen Werken gekommen sind, da ist's aus gewesen.
56. An Jesum Christum soll man allein glauben.
Wiewohl keine Religion vor der Vernunft so närrisch und ungereimt ist, als die christliche, so glaube ich doch an einen einigen Juden, der da heißt und ist Jesus Christus; der Andern Keinem glaube ich, denn sie sind verworfen, und in einen verkehrten Sinn dahin gegeben. Darum soll man vor allem Andern auf der Kanzel von dem predigen, der da steht an der heiligen Stätte, das ist, von Christo, Gottes Sohne. Es ist viel besser, es mangle Einem an der Rhetorik, denn an der Dialektik; aber die Rhetorik schmückt mit ihrem Wohlreden allein die Lehre, die Einer vorbringt. Rhetorik ist die Farbe, Dialektik zeigt's fein, kurz und ordentlich an, und reißt's ab. Können wir nun nicht Farbe haben, so müssen wir's doch entwerfen.
57. Christus soll allein in eines Christen Herz sein.
In meinem Herzen, sprach Dr. Martin Luther, herrscht allein, und soll auch herrschen dieser einige Artikel, nämlich der Glaube an meinen lieben Herrn Christum, welcher der einige Anfang, das Mittel und Ende aller meiner geistlichen und göttlichen Gedanken, so ich immerdar Tag und Nacht haben mag, ist. Aber gleichwohl empfinde ich, dass ich von der Höhe, Tiefe und Breite dieser unmäßigen, unbegreiflichen und unendlichen Weisheit kaum einen geringen, schwachen Anfang erreiche, und kaum etliche kleine Stücklein und Bröcklein aus der allerköstlichsten und reichsten Fundgrube habe erlangen und ans Licht bringen mögen.
58. Christus ist Gesetz und Freiheit, Sünde und Gerechtigkeit, Tod und Leben.
Die Heilige Schrift gibt unserm Herrn Christo viel schöne, liebliche Namen, heißt ihn unser Gesetz, Sünde, Tod rc., ob er wohl an sich selbst nichts Anderes ist, denn eitel Freiheit, Gerechtigkeit, ewiges Leben und Seligkeit. Aber darum ist er geworden ein Gesetz wider das Gesetz, Sünde wider die Sünde, ein Tod wider den Tod, auf dass er uns von des Gesetzes Fluch erlöste, von Sünden und Tod gerecht und lebendig machte. Also ist Christus zugleich Gesetz und Freiheit, Sünde und Gerechtigkeit, Tod und Leben. Denn eben dadurch, dass er sich hat lassen durch das Gesetz verklagen, durch die Sünde verdammen, und durch den Tod verschlingen, hat er das Gesetz zugleich aufgehoben, die Sünde wiederum verdammt, den Tod erwürgt, und uns gerecht und selig gemacht. Denn er hat Alles um unsertwillen getan.
Also ist Christus zugleich ein Gift, daran Gesetz, Sünde und Tod sterben müssen, und eine heilsame Arznei, dadurch die Gläubigen nicht allein von allem Unglück frei, sondern auch gerecht, lebendig und selig werden.
59. Warum Christus gekommen sei.
Christus, wahrer Gott und Mensch, aus Gott von Ewigkeit, nach der Zeit aber aus Maria, der reinen Jungfrau geboren, ist gewiss nicht darum gekommen, dass er's Gesetz geben und aufrichten wollte, sondern vielmehr, dass er sich vom Gesetz aufs Allerhöchste und Heftigste schrecken ließe, solch Schrecken überwinden, und also dem Gesetz genug tun und es von uns hinweg nehmen solle. Er ist nicht ein Gesetzlehrer, wie Moses, sondern ein Jünger, der dem Gesetz wollte untertan sein, auf dass er durch solche seine Untertänigkeit und Gehorsam die erlöste, so unter dem Gesetz waren, Gal. 4, 5. Davon findet man in der Papisten Büchern keinen Buchstaben, stracks das Gegenteil findet man wohl, nämlich, dass Christus ein Gesetzlehrer und strenger Richter sei, der viel ernster und heftiger wäre, denn Moses selber.
60. Christi sonderliches Werk und eigen Amt.
Christi rechtes und eigenes Amt oder Werk ist, dass er kämpfe und streite mit dem Gesetze, Sünde und Tod für die ganze Welt, und also mit ihnen streite, dass er sie allesamt auf sich lade und trage; und wenn er sie auf sich geladen und getragen hat, dass er sie alsdann durch sich selbst überwinde und ganz vertilge, und also die Gläubigen frei und los mache vom Gesetz und allem Übel.
Darum sind das, dass Christus das Gesetz auslegt und Wunder tut, gemeine und geringe Wohltaten, gegen die rechte Wohltat zu rechnen, um welcher willen er vornehmlich gekommen ist. Denn es haben die Propheten, sonderlich aber die Apostel, wohl größere Wunderzeichen getan, den Christus selber.
61. Welchen Menschen Christus zum Nutzen gekommen sei.
Dass Christus gekommen und Mensch geworden ist, hilft die Heuchler, die ohne Furcht Gottes leben und sicher sind, gar Nichts: auch kommt's denen nicht zu gut, so offenbare gottlose Verächter sind, desgleichen die Verzweifler sind, die da meinen, es sei kein Trost noch Gnade weiter zu erwarten, wenn sie das Gesetz geschreckt habe. Denen aber allein kommt er zu Nutzen und Trost, die das Gesetz eine Zeitlang geplagt und erschreckt hat, und doch in solchem ernsten und herzlichen Schrecken des Gesetzes nicht verzagen, sondern mit tröstlicher Zuversicht zu Christo treten, dem Gnadenstuhl, welcher sie vom Fluch des Gesetzes erlöst hat, da er selbst zum Fluch für sie geworden ist, Gal. 3, 13. Die Solches tun, die erlangen Barmherzigkeit, und finden Gnade
62. Christus muss ewig bleiben und Alle, die an ihn glauben.
Da von der künftigen Verfolgung geredet ward, sprach Dr. Martin Luther: Die Heiden toben wider den Herrn und seinen Gesalbten, Psalm 2, 1, seq. Wohlan, sie sollen den Christum bleiben lassen, wenn's gleich allen Teufeln in der Hölle Leid ist, und wenn wir sterben, so sind wir doch ungestorben; stirbt aber Christus, so sterbe ich auch mit. Ich tröste mich aber Eines, nämlich des, Gottes Wort bleibt ewig. Also sagt Gott, Joh. 14, 19: Ich lebe, und ihr sollt auch leben. Nun, ich bin auf den Gott getauft, der Solches geredet und zugesagt hat, der wird mir nicht lügen, des bin ich gewiss: darum weiß ich von keinem Gott mehr, denn von Jesu Christo, in welchem wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, wie sagt S. Paulus an die Kolosser am 2. Kap., V. 9.
63. Christum will Niemand zum Herrn haben
Am S. Stephanustage, Abends über Tisch, sagte Dr. Martin Luther: Meine Predigt ist nichts Anderes, denn als ginge ich durch einen großen Wald, und schrie, dass es wiederhalte, dass ich das Echo und Wiederhall hörte; denn ich sehe und merke, dass Niemand den Christum will für einen Herrn haben.
64. Wer Christum wohl kennt, der ist ein Meister der Heiligen Schrift.
Cabala war gut bis auf Christum; darum weil nun Christus gekommen ist, und das Grab offen steht, so ist Alles aus. Aber unsere Rottengeister sagen, dass noch viel Dinge verborgen seien in der Heiligen Schrift, die noch nicht offenbart worden seien. Das ist falsch, und nicht wahr, denn das Grab ist offen, und Christus ist heraus an den Tag gekommen. Darum, wer Christum kennt, und kennt ihn recht, der ist ein Magister in der Schrift, und bleibt wohl ein Magister.
65. Vor Christo sollte man sich nicht fürchten.
Ist's nicht eine Plage, dass wir uns vor Christo stets wollen fürchten, da doch weder im Himmel noch auf Erden ein gütigerer, freundlicherer, holdseligerer Mann ist, mit Worten, Gebärden und Werken, sonderlich gegen die armen, betrübten und geplagten Gewissen? Daher Jeremias bittet und spricht: Herr, gib du, dass wir uns nicht vor dir fürchten!
66. Des toten Christi wird nicht vergessen.
Es ist manches Toten vergessen worden, kann man denn des toten Christi nicht auch vergessen? sprach einmal ein Jude; welches gar eine teuflische Rede ist. Ja, lieber Teufel, es heißt Scheflimini, das ist, setze dich zu meiner Rechten! Darum muss von Christo, seinem Leiden und Sterben in der Welt, so lange sie steht, gepredigt werden.
67. Christus führt Krieg mit großen Herren.
Da von Verfolgung geredet ward, sprach Dr. Martin Luther: Lasst den Christum nur zu Felde ziehen, denn er will nicht mit Bettlern kriegen, sondern mit großen, gewaltigen Herren, Königen und Fürsten; wie geschrieben steht, Ps. 2, 2: Könige und Fürsten im Lande ratschlagen mit einander, und lehnen sich auf, wider den Herrn und seinen Gesalbten. Wohlan, Die ganze Welt will den Christum auffressen; darum will sie Christus wieder fressen. Man sehe nur, wie die Propheten mit den Königen in den Haaren gelegen sind: der König zu Babel, Assyrien rc., die sind dahin, und liegen in der Asche. Also hat Daniel, der höchsten Propheten Einer, sich mit den Königen geschlagen; wiederum haben sie sich wider die Propheten gesetzt, und ihnen widersprochen.
68. Christus hat sich nach seiner Auferstehung von den Toten seinen Jüngern oftmals offenbart.
Da Christus nach seiner Auferstehung bei seinen Jüngern gewesen ist, und mit ihnen gegessen hat, da haben sie sollen denken, dass sie den Herrn der hohen, göttlichen Majestät bei sich gehabt, und haben müssen denken: O! wie haben wir uns an dem Christus gehalten, wie die Bösewichter! Sie werden gewiss sich entsetzt haben, und werden bestürzt gewesen sein; wie von Petro geschrieben steht, dass er traurig und betrübt gewesen sei. Darum hat Christus wiederum müssen zu ihnen kommen und sie besuchen, denn er hat es ihnen verheißen, da er sagte, Joh. 16, 22: Ich will euch wieder sehen, und euer Herz wird sich freuen. Wenn er's nicht getan hätte, hätte er die Apostel nimmermehr zu sich gebracht.
69. Wo Christus bleibt, da bleiben auch die, so an ihn glauben.
Wenn wir nicht getauft wären, und an Christum glaubten, so ließe uns der Teufel wohl zufrieden. Wir wollen uns aber an den Christum halten, und sollte der Bösewicht noch so sehr auf uns herein stürmen; und wo der Christus bleibt, da wollen wir gewiss bleiben.
70. Ein Anderes.
Wir haben mehr Ursache, uns zu freuen, denn zu trauern; denn wir hoffen auf den Gott, der da sagt, Joh. 14, 19: Ich lebe, und ihr sollt auch leben. Aber Traurigkeit ist uns angeboren; so kommt der Geist der Traurigkeit, Junker Teufel, auch mit dazu, aber der Herr, unser Gott, hält uns.
71. Vor Christo flieht man, zum Satan aber läuft man.
Des Menschen Sohn ist gekommen, dass er uns selig mache; und doch fliehen wir vor ihm, wie vor dem Teufel, gleich als wenn mir Einer wollte zehn tausend Gulden geben, und ein Anderer stünde, und hätte einen Heller in der Hand, und spräche: wenn du zu mir laufen wirst, so will ich dir den Heller geben; und der Andere spräche: lausest du zu mir, so will ich dir zehn tausend Gulden geben. Nun beut uns Gott mehr an, denn zehn tausend Gulden, der Satan aber nur einen Heller, wenn es anders so mag genannt werden; und doch laufen wir mehr zum Teufel zu, denn zu unserm Herrn Gott.
72. Christus muss sein Wort selber erhalten, wir sind zu schwach dazu.
Der Satan hat mir oft vorgeworfen, und diese Gedanken gemacht: Wie, wenn deine Lehre falsch und unrecht wäre, dadurch der Papst, die Messe, Mönche und Nonnen gestürzt worden sind? Und hat mich oft also übereilt, dass mir der Schweiß ausgedrungen ist. Endlich, da er nicht ablassen noch aufhören wollte, gab ich ihm diese Antwort: Hebe dich, und rede es mit meinem Gott, der befohlen hat, dass wir sollen diesen Christum hören; ja, dieser Christus muss es Alles tun. Darum wollen wir Christen sein, und wollen's Christum verantworten lassen.
73. Ein Anderes.
Wenn mir der Satan eingibt, Christus sei mir nicht mehr gnädig, das ist eine Sünde der Gotteslästerung; denn Gott hat befohlen, dass wir bei diesem Christo sollen Vergebung der Sünden suchen und gewarten. Wer es nun nicht tut, der macht Gott zum Lügner. Aber also muss ich zum Teufel sagen: Ob ich schon ein Schalk bin, so ist dennoch Christus fromm.
74. Denen, die Christum lieb haben und bekennen, setzt der Teufel hart zu.
Ich halte dafür, dass der Teufel den lieben Paulum gar weidlich getürangelt und geplagt haben werde, weil er den Christum so treulich und fleißig herausgestrichen, gelehrt und bekannt, und also heftig auf ihn gedrungen hat, dass wir durch ihn allein müssen selig werden, die an ihn glauben, aus lauter Gnade und Barmherzigkeit, ohne all unser Verdienst und gute Werke, sie gehen vor oder hernach, und weil er auch die falschen Lehrer, so dawider lehrten, hart und mit Namen gestraft hat; wie seine Episteln bezeugen.
75. Des heiligen Pauli Person.
Da fragte ihn Magister Veit Dietrich, und sprach: Wie achtet Ihr, Herr Doktor, was Paulus sei vor eine Person gewesen? Da sprach der Doktor: Ich glaube, Paulus sei eine verachtete Person gewesen, die kein Ansehen gehabt; ein armes, dürres Männlein, wie Magister Philipp.
76. Der Christen goldene Kunst, Christum recht zu kennen.
Psalm 51, V. 8, steht geschrieben: Siehe, du hast Lust zur Wahrheit, die im Verborgenen liegt, du lässt mich wissen die heimliche Weisheit. Das ist ein verborgen Geheimnis vor der Welt, wird auch wohl verborgen bleiben: die Wahrheit, die im Verborgenen liegt, und die heimliche Weisheit nicht her Juristen, Ärzte, Philosophen, und der Klugen dieser Welt, nein, sondern deine Weisheit hast du mich wissen lassen. Das ist die goldene Kunst, die Sadoletus nicht kann, wiewohl er viel über diesen Psalm schreibt.
Von dieser Kunst, welche die Weltweisheit für eitel Narrheit, ja für Nichts ansieht und hält, sagt S. Paulus, 1. Korinth, da er V. 18. seq. spricht: Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit dessen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist's eine Gottes Kraft. Denn es steht geschrieben (Jes. 33, 18.): Ich will zunichtemachen die Weisheit der Weisen (das ist, dass sie Nichts sei und zu Schanden werde) und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen. Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weltweisen? Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt zur Torheit gemacht? Denn, dieweil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch törichte Predigt selig zu machen die, so daran glauben rc. Sintemal die Juden Zeichen fordern, und die Griechen nach Weisheit fragen. Wir aber predigen den gekreuzigten Christum, den Juden ein Ärgernis, und den Griechen eine Torheit. Denen aber, die berufen sind, Beiden, Juden und Griechen, predigen wir Christum, göttliche Kraft und göttliche Weisheit. Denn die göttliche Torheit ist weiser, als die Menschen sind, und die göttliche Schwachheit ist stärker, als die Menschen sind rc. Denn Jesus Christus ist uns von Gott gemacht zur Weisheit und zur Gerechtigkeit, und zur Heiligung und zur Erlösung, auf dass (wie geschrieben steht, Jer. 9, 22.) wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn.
Erasmus, Sadoletus, die Papisten, Wahlen rc. sehen, dass ich aufhebe den Irrtum des Pöbels und gemeinen Mannes. Das können sie nicht leiden; denn sie halten's dafür, man soll dem Volk nimmer nachhängen, und um gemeinen Friedens willen soll man immerhin glauben, was das Volk glaubt. Wiewohl des Pöbels Glaube gar Nichts, und für keinen Glauben zu halten sei; denn das ist gewiss, dass sie von Gott Vater, Sohn und Heiligen Geist Nichts halten. Aber, der das Spiel angefangen hat, der hat die Wahrheit lieb, darum wird er der Lüge Feind sein. Deshalb werden die Buben weidlich müssen zu Boden gehen. Ob wir nun auch müssen wegen Christi Etwas daran setzen, lass es immer gehen. Denn Gottes Gericht fängt an am Hause Gottes, 1. Petr. 4, 17, wir müssen die Ersten sein, sie aber müssen hernach, und danach kein Ende: das sollen sie erfahren.
77. Christum erkennen übertrifft Alles, was auf Erden Etwas ist.
Ihr sollt nicht die ganze Welt dafür nehmen, sprach Dr. Martin Luther, dass ihr wisst, Christus sei Christus, das ist, unser einiger Heiland, Hoherpriester, König und Herr, welches ich lange Zeit in meinem Klosterleben nicht erkannt habe. Wenn wir nun schon darüber sterben, so lebt doch Christus; lebt er, so wollen wir auch gewiss leben. Denn unser Spruch steht fest und gewiss, wird auch wohl ewig wahr bleiben wider alle höllische Pforten, da er spricht, Joh. 14, 19: Ich lebe, so sollt ihr auch leben. Nun aber ist Christus, den wir predigen, Gott, darum ist die ganze Welt Nichts gegen diesen Christus.
78. Ein Anderes.
Alle Weltweisen verspotten und verlachen uns Christen, dass wir die Sache des Herrn Christi mit solchem Ernste führen und treiben; es soll ihnen aber am jüngsten Tage gewiss in den Busen fallen. Das vornehmste Studium in der Theologie ist, dass man Christum recht lerne erkennen. Darum sagt S. Paulus, 2. Epist. 3. 18: Wachst und nehmt zu in Erkenntnis Jesu Christi, nämlich, dass er sei der Alerbarmherzigste, Süßigste, Gerechteste und Weiseste. Und, wenn ich das nur hinter mir lassen möchte, was ich jetzt mit höchstem Fleiß treibe und lehre: man soll sich hüten vor Spekulieren, und Christum allein aufs Einfältigste und Gewisseste ergreifen; so hätte ich viel getan und ausgerichtet.
79. Christi und der Apostel Lehre.
Da Einer sagte, S. Paulus hätte viel Stücke klarer und deutlicher gelehrt, als Christus; antwortete Dr. Luther darauf: Wenn dieser Spruch bei Paulus, Röm. 5, 12., nicht stünde: Durch einen Menschen ist die Sünde, und der Tod durch die Sünde, in die Welt gekommen und herrscht auch über die, die nicht gesündigt haben wie Adam, so könnte man schwerlich mit gewissen Zeugnissen der Schrift die Erbsünde erhalten, die allen Menschen angeboren ist.
Die Predigt von Christo, sagte er weiter, ist nach seiner Auferstehung, da er den Heiligen Geist sandte, in alle Welt ausgangen, erschollen, und gewaltig durchgedrungen. Wie er denn kurz zuvor, ehe er auffuhr gen Himmel, den Jüngern befahl, Mark. 16, 15: Geht hin in alle Welt rc. Ebenso Joh. 16., V. 7., C. 14, 26: Es ist euch gut, dass ich hingehe, denn der Tröster, der Heilige Geist, wird's euch Alles lehren, und des Alles erinnern, das ich euch gesagt habe. Er wird euch in alle Wahrheit leiten. Dieser Meister, der Heilige Geist, hat durch die Apostel geredet und gewirkt, und die Lehre von Christo klarer dargetan, also, dass ihre Predigt kräftiglich durchgedrungen ist, und mehr Frucht geschafft hat, denn da Christus predigte. Wie er selbst zuvor verkündigt hatte: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und wird größere denn diese tun. Joh. 14, 12. Auch spricht er, Matth. 28, 19: Geht hin, lehrt alle Völker, und tauft sie im Namen rc. Das ist so viel gesagt als: Mein Volk, die Juden, denen ich verheißen bin, haben nicht wollen noch können meine Predigt hören in einem kleinen Winkel (in Judäa) der Welt: nun sollen und müssen eure Predigt alle Völker in aller Welt hören. Das muss sein, und kein Anderes; denn mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und Erden, auch will ich bei euch sein bis an der Welt Ende. Matth. 28, 18, 20.
Ich achte aber, Christus sei sachte und säuberlich einhergefahren mit seiner Predigt, und habe nicht mit Macht wollen durchdringen, (wie er wohl hätte können tun, weil er so gewaltig predigte, dass sich das Volk über seiner Lehre entsetzte), um der Väter willen, denen er verheißen war, damit die Beschneidung und das Gesetz samt dem Gottesdienste in der Stille, mit Ehren und Geduld derer, die Großes von den Vätern hielten, abgetan und aufgehoben würde.
80. Christus hat umsonst gepredigt.
Christus hat zwar umsonst und ohne Besoldung gepredigt, gleichwohl haben ihm die frommen, gottesfürchtigen Weiber, die er von unsauberen Geistern und Krankheiten hatte gesund gemacht, von ihrer Habe gegeben, Luk. 8, 3., ihm Steuer- und Handreichung getan, auch hat er genommen, was ihm Andere freiwillig gegeben haben, Joh. 12, 6.
Also sprach er auch zu den Aposteln, da er sie sandte zu predigen: Umsonst habt ihr's empfangen, umsonst gebt's auch, Matth. 10, 8. Nicht, dass er ihnen verboten hätte, Etwas für ihre Arbeit zu nehmen, sondern, dass sie für die Speise, Kleidung rc. nicht sollten sorgen, denn, wo sie hinkämen, würden sie Leute finden, die sie nicht würden Not leiden lassen; wie er weiter spricht: Wo ihr in ein Haus kommt, so bleibt im selben, da es wert ist: esst und trinkt, was sie haben, denn ein Arbeiter ist seines Lohnes wert, Matth. 10, 10, 11., Luk. 10., V. 5, 6, 7. Und 1. Korinth. 9, 9, 14. sagt S. Paulus: Dem Ochsen, der da drischt, soll man den Mund nicht zubinden; und: wer dem Altar dient, der soll auch des Altars genießen.
81. Christus hat einmal gemünzt.
Christus hat einmal gemünzt, da er den Zinsgroschen geben wollte, den er doch nicht schuldig war zu geben. Gehe hin ans Meer, sprach er zu Petro, und wirf den Angel ein, nimm den ersten Fisch, der herauf fährt, in des Munde wirst du einen Stater (das ist, einen halben Gulden) finden, den gib für mich und dich. Matth. 17, 27.
82. Dass Johannes Christum das Wort nennt.
Er hat wollen anzeigen, dass Christus die Person sei, die zu allen und jeden Zeiten mit den Vätern geredet hat. Jesaia 7. Siehe, ich selber, der ich geredet habe, bin nun gegenwärtig; und Joh. 1, 17: Niemand hat Gott je gesehen, der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat's uns verkündigt. Willst du nun wissen, wer der sei, der allewege mit seinen Gläubigen geredet hat? Das Wort, spricht S. Johannes, das im Anfang vor der Schöpfung aller Kreaturen war, ist's gewesen, dadurch alle Dinge gemacht sind..
83. Die Weissagungen von Christo sind mit dunklen Worten beschrieben.
Die Weissagungen, dass Gottes Sohn solle menschliche Natur an sich nehmen, sind so dunkel beschrieben, dass ich denke, der Teufel habe nicht gewusst, dass Christus vom Heiligen Geist empfangen, und von der Jungfrau Maria hat sollen geboren werden. Daher spricht er zu Christo in der Wüste, da er ihn versuchte, Matth. 4, V. 6: Bist du Gottes Sohn? Er nennt ihn Gottes Sohn, nicht, weil er geglaubt hat, dass er von Art und Natur Gottes Sohn gewesen sei, sondern nach der Schrift Weise, die auch Menschen Gottes Kinder heißt, Psalm 82, 6: Ihr seid allzumal Gottes Kinder.
Es ist auch darum geschehen, dass solche Weissagungen von Christo, seinem Leiden, Auferstehen, Königreich vor der Zeit seiner Zukunft nicht offenbar würden, (ausgenommen den Propheten und andern hocherleuchteten Leuten), denn es ist Alles auf Christum gespart und gerichtet, der war der einige rechte Meister, der der Schrift Verständnis eröffnen sollte. Daher gebietet Moses seinem Volk, 3. Mos. 18, 19: Dem sollt ihr gehorchen; und Gott der Vater spricht, Matth. 17, 5: Dieser ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören.
Dass aber Petrus und die andern Apostel (wie in der Apostelgeschichte zu sehen), Christum in ihren Predigten mit klaren Worten nicht Gott nennen, ist darum geschehen, dass sie die frommen Juden, die noch schwach im Glauben waren, nicht ärgerten, noch ihnen Ursache gäben, ihre Predigten zu meiden und zu verfolgen, und den Argwohn wider sie zu fassen, als wollten sie einen neuen Gott verkündigen, und den alten wahren Gott ihrer Väter verwerfen, und nun nicht mehr gelten lassen. Gleichwohl ziehen sie an, und gedenken mit klaren deutlichen Worten des Amts Christi und seiner Werke, dass er ein Fürst des Lebens ist, Tote auferweckt, gerecht macht und Sünde vergibt, Gebet erhört, die Herzen erleuchtet und tröstet rc. Damit zeigen sie genugsam an und bekennen, dass er wahrer Gott sei; denn diese Werke vermag keine Kreatur zu tun, sondern Gott allein.
Zuweilen führen die Apostel dunkle Sprüche von der Gottheit Christi, als 1. Kor. 10, 4: Sie tranken von dem geistlichen Fels, der mitfolgte, welcher war Christus. Und V. 9: Lasst uns Christum nicht versuchen! Durch diese Worte beweist Paulus, dass der Sohn Gottes zuvor gewesen sei, nämlich von Ewigkeit, ehe er menschliche Natur an sich genommen hat, und er allzeit über seiner Kirche gehalten, dieselbige erleuchtet, geschützt, gestärkt und erhalten hat wider des Teufels List und der argen Welt Gewalt. Also, Joh. 8, 58. spricht Christus selber: Ehe denn Abraham war, bin ich; gibt damit klar zu verstehen, dass er zuvor gewesen sei, ehe denn er Mensch geworden ist.
84. Christi Reich wird wunderbar erbaut und erhalten.
Unser Herr Christus regiert und erhält für und für wunderbar seine Christenheit nicht durch menschliche Weisheit und Gewalt, wie weltliche Könige, Fürsten rc., ja, er verbirgt seine göttliche Weisheit, Gewalt und Kraft, also, dass sie nirgends zu spüren noch zu sehen ist, und stellt sich närrisch, (der Vernunft nach zu reden), um sein Reich zu erbauen und zu erhalten.
Er hat auch Diener und Amtleute, 2. Kor. 5, 18, 20., die er ausschickt in alle Welt, gerüstet nicht mit leiblichen Waffen, sondern befiehlt ihnen, sein Wort zu predigen, erleuchtet und stärkt sie mit dem Heiligen Geist. Die tun Nichts, als dass sie das Wort predigen. Damit zerstört Christus des Teufels Reich, und erbaut sich eine Kirche, die die Pforten der Hölle nicht überwältigen können, Matth. 16, 18. Wie der 8. Psalm V. 3. singt: Aus dem Munde der jungen Kinder und der Säuglinge, hast du eine Macht oder Reich zugericht. Er macht also große Potentaten, Könige, Fürsten und den Papst, dem es nun auch nicht fortgehen kann, zu Schanden, mit ihrer Religion, Gewalt und Weisheit, sie die sich unterstehen, sein Wort und Volk zu vertilgen, Jerem. 1, 18, 19. Darum gehen sie endlich darüber zu Grund, wie gedachter Psalm weiter singt: Du hast solche Macht zugerichtet um deiner Feinde willen, dass du vertilgst den Feind und den Rachgierigen.
Da gehört aber ein starker Glaube dazu, der sich ans Wort halte, nicht irren noch ärgern lasse, dass die großen Häupter auf Erden dieser Lehre entgegen sind, sie Ketzerei schelten, und die verfolgen, als die ärgsten und schädlichsten Leute, die sie ausbreiten, annehmen und bekennen. Sie wissen aber nicht, (wiewohl, leider, jetzt Viele vorsetzlich die erkannte göttliche Wahrheit verfolgen und lästern), dass sie sich auflehnen und ratschlagen wider den Herrn und seinen Gesalbten, Ps. 2, 2., ja, meinen, sie tun Gott einen Dienst daran, Joh. 16, 2.
85. Christi Wort, Matth. 11
Erschrecklich ist's der Welt, und allen Weltweisen ärgerlich und spöttisch, dass Christus spricht, Matth. 11, 25: Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, dass du Solches den Weisen und Verständigen verborgen hast, und hast es den Unmündigen offenbart rc. Uns Christen aber ist's sehr tröstlich, welche der Herr mit einem starken, festen Bande also verbunden hat, dass wir ein Leib sind, einerlei Geist, Hoffnung, einen Herrn, Glauben, Taufe, einen Gott und Vater haben, Eph. 4, 4., 5, 6.
So ist nun Christi Reich allein dahin gerichtet, dass er die Werke des Teufels zerstöre, und die Sünder, (nicht die Weltweisen, Gerechten rc.) die ihr Elend und Jammer fühlen, und seiner Gnade und Hilfe von Herzen begehren, gerecht und selig mache. Dafür loben sie ihn in diesem Leben, und preisen ihn, und predigen sein Wort, und bekennen und breiten es aus vor der argen, gottlosen Welt, dass also sein Reich ein geistlich, ewig, nicht ein leiblich, vergänglich Reich ist. Daher wir auch mit dem Leibe auf Erden wohnen, mit dem Herzen aber im Himmel, und warten auf unsers Leibes Erlösung, und haben ein Verlangen nach der seligen Hoffnung und herrlichen Erscheinung unsers Heilands Jesu Christi, Ps. 3, 20.
Dieser Lehre gedachte Dr. Luther nachmals also, dass Christi Reich wunderbar geführt würde, und sprach: Christus führt sein Regiment gar wundersam und närrisch nach der Vernunft. Er verbirgt sich und stellt sich schwach; das scheint denn, als sei er ohnmächtig, und als habe er keine Gewalt und Macht. Gleichwohl macht er zu Schanden die Allergewaltigsten, Klügsten und Heiligsten in der Welt, Kaiser, Könige, Fürsten, Papst, Kardinäle und Bischöfe mit ihrem Hofgesinde und Anhang. Aber da ist hoch von Nöten, dass man der Sache gewiss sei.
86. Christus hält über seinem Reich und schützt es; der Teufel auch, aber mit ungleicher Rüstung und Waffen.
Der Teufel ficht die Christenheit an, und streitet wider sie mit höchster Macht und List; greift sie an durch Tyrannen, Ketzer, falsche Brüder, und erregt wider sie die ganze Welt. Dagegen widersteht Christus dem Teufel und seinem Reich durch wenige, geringe, einfältige, verachtete Leute mit höchster Schwachheit und Torheit, wie sich's ansehen lässt, und behält doch den Sieg. Daher spricht er, Matth. 10, 16: Siehe, ich sende euch, wie Schafe mitten unter die Wölfe. Als wollte er sagen: Ihr, meine Boten und Jünger, werdet übel empfangen werden von der argen Welt, nicht allein Undank und Verachtung verdienen mit eurem treuen Dienst, sondern werdet auch darüber verfolgt werden; kurz, sie werden mit euch umgehen wie Wölfe mit Schafen. Nun ist's aber ein sehr ungleicher, wunderlicher Krieg, da ein Schaf zehn, ja hundert oder mehr Wölfe wider sich hat; wie den Aposteln und Jüngern Christi begegnete, da sie Christus in alle Welt sandte zu predigen, da immer Einer nach dem Andern hingerichtet ward.
Löwen, und noch wütigere ungeheure Tiere soll man unter Wölfe senden. Aber Christus hat Lust dazu, dass er in unserer größten Schwachheit und Torheit, wie es die Welt ansieht, seine höchste Macht und Weisheit erzeige, und also die Sache hinaus führe, dass Alle, die sich wider seine Boten setzen, den Tod daran fressen und zum Teufel fahren. Denn er allein, der Herr der Heerscharen tut Wunder, erhält seine Schafe mitten unter den Wölfen, (fressen sie Eins auf, so schickt er zehn Andere an Jenes statt), und zerreißt der Wölfe Rachen; also, dass wir daraus sehen, dass unser Glaube nicht besteht auf Menschen Macht, Weisheit und Tun, sondern in der Kraft Gottes.
87. Gemeine Frage in der Welt über Christus.
Die gemeinste und vornehmste Frage unter denen, die Christen heißen, ist diese: ob Christus Christus sei? das ist: ob die Leute allein durch ihn vom Tode erlöst, gerecht und selig werden?
Daran zweifeln die Weltweisen, Hochgelehrten, und der größte Haufe auf Erden. Der Papst und sein Anhang fechten's an, und sprechen Nein dazu; wie ihre Lehre und ihr Leben ausweist. Desgleichen die Rottengeister wollen Christum auch nicht lassen Christum sein, dass man allein durch ihn Vergebung der Sünden erlange, vor Gott fromm, gerecht und selig werde, allein durch den Glauben an ihn. Wir, so Gottes Wort haben und bekennen, sagen Ja dazu, dass wir allein durch Christum von Gott zu Gnaden angenommen und selig werden: wir wissen, glauben und bekennen, dass es die lautere Wahrheit ist; wir predigen davon, darum müssen wir auch leiden. Psalm 116, 10.
Also sind allzeit dreierlei Sekten uneinig über diesem Artikel. Die Erste, so daran zweifelt; die Andere, so ihn anficht, verleugnet und verfolgt; die Dritte, so ihn für gewiss und wahrhaftig hält, auch vor der argen Welt bekennt. Jene sind ein großer Haufen, diese aber ist gar ein kleines Häuflein.
88. Der Propheten Erkenntnis von Christo.
Die Propheten haben gewusst, dass Christus, wenn er kommen würde, die, so an ihn glauben würden, von dem ewigen Fluch erretten werde, und deshalb auch wahrer, natürlicher Gott sein müsste, wie etliche Weissagungen klar und deutlich ausweisen; z. B. Jesaias, C. 7, 14., nennt ihn Immanuel, das ist, Gott mit uns; Jeremias, C. 33, 16., spricht: Man wird ihn nennen, der Herr, der unsere Gerechtigkeit ist rc.
So viel aber die Zufälle und Umstände betrifft, wie oder auf was für eine Weise er das menschliche Geschlecht vom ewigen Fluch erretten sollte, dünket mich, haben alle Propheten eigentlich nicht gewusst. Ich denke, dieselbigen und andere fromme Herzen im Volk Israel sind im Glauben erhalten worden, wie unsere Kinder, die schlicht und einfältig glauben, dass Christus unser Heiland und Gott sei, haben auch fröhliche, liebliche Gedanken davon.
89. Es folgt nicht: Christus hat dies und das getan, darum mögen wir's auch tun.
Jetzt geben Etliche vor, Christus habe die Käufer und Verkäufer mit Gewalt aus dem Tempel getrieben, darum mögen wir auch gleiche Gewalt wider die Bischöfe und Feinde des Worts üben; wie sich denn Münzer und andere Rottengeister in der Bauern Aufruhr unterstunden, Anno 1525. Nein, sagte Dr. Luther, Christus hat viel getan, das wir ihm nicht nachtun sollen noch können. Er ist auf dem Wasser gegangen, hat vierzig Lage und Nächte gefastet, Lazarum vom Tode auferweckt, obgleich derselbe vier Tage im Grabe gelegen rc. Das und dergleichen werden wir wohl bleiben lassen.
Viel weniger will er, dass wir uns wider die Feinde der Wahrheit sehen sollen, sondern gebietet das Gegenteil, Matth. 5, 44: Liebet eure Feinde, bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen rc. Wir sollen ihm aber folgen in den Werken, daran er ein öffentlich Gebot gehängt hat; als Luk. 6, 36: Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist. Und Matth. 11, 29: Nehmt auf euch mein Joch, und. lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig rc. Und Luk. 9, 23: Wer mir folgen will, der verleugne sich selber, und nehme sein Kreuz, und folge mir.
90. Christi Name
Unter dem Papsttum ist dennoch der Name Christi geblieben. Ich besorge aber, leider, es werde noch dazu kommen, dass man Christum nicht nennen werde, auf dass das Wort Christi erfüllt werde, Luk. 18, 8: Wenn des Menschen Sohn kommen wird, meinest du, dass er auch werde Glauben finden auf Erden? Darum halte ich nicht, dass der jüngste Tag kommen werde bei solchem klaren Licht des Evangelii, als es, gottlob, jetzt scheint. Es wird eine gräuliche Finsternis folgen nach dieser hellen Sonne, und doch unter dem Namen und Schein des Lichtes, welches bald geschehen kann. Wohl denen, die im Herrn indes entschlafen!
91. Christi Reich ist unter dem Papsttum geblieben.
Der größten Wunderwerke Eines, das auf Erden geschehen, ist, dass Christi Reich unter dem Papsttum blieben ist, da etliche hundert Jahre nichts Anderes gehört, noch dem armen Volk vorgehalten worden ist, denn des Papsts Gesetz, das ist, Menschenlehre und Gebot, und so wäre es kein Wunder gewesen, wenn Christi Name und Wort ganz unbekannt und vergessen worden wäre.
Gott aber hat wunderbar das Evangelium in der Kirche erhalten, dass es von der Kanzel dem Volke gesagt worden ist von Wort zu Wort: so sind auch für und für im Papsttum geblieben der Kinder Glaube, das Vater Unser, die Taufe, das Sakrament des Altars. Die haben gehaftet in den Herzen, die es haben ergreifen sollen; das ist sonderliche große Kraft Gottes gewesen. Auch hat Gott oft feine, gottesfürchtige, gelehrte Männer erweckt, ihnen sein Wort offenbart, auch Mut dazu gegeben, dass sie unrechte Lehre und Missbräuche, so in der Kirche eingerissen, öffentlich auch mit Schriften gestraft haben, als Johannes Hus und Andere. Also erhält Gott sein Wort nicht durch menschliche Weisheit, Gewalt oder Schwert, sondern sendet die, so er dazu erwählt, dass sie den Teufel austreiben sollen, mitten unter die Wölfe.
92. Unterschied zwischen dem Reiche Christi und dem des Papsts und Mahomeds.
Christi Reich ist ein Reich der Gnade, Barmherzigkeit und alles Trosts, wie Ps. 117, 2. geschrieben steht: Seine Gnade und Wahrheit waltet über uns in Ewigkeit. Des Antichrists (des Papsts) Reich ist ein Reich der Lügen und Verderbens, Ps. 10, 7.: Sein Mund ist voll Fluchens, Falschheit und Trugs, seine Zunge richtet Mühe und Arbeit an. Des Mahomed Reich ist ein Reich der Rache, des Zorns und der Verwüstung, Ezech. 38.
93. Ins Reich Christi gehören auch die Schwachgläubigen.
Die Schwachen im Glauben gehören auch in Christi Reich, sonst würde der Herr zu Petro nicht gesagt haben: Stärke deine Brüder! Luk. 22, 32. und Röm. 14, 1.: Den Schwachen im Glauben nehmt auf! 1. Thess. 5, 14.: Tröstet die Kleinmütigen und tragt die Schwachen!!
Wenn Schwache im Glauben Christum nicht angehörten, wo wollten die Apostel geblieben sein, die der Herr oft strafte um ihres Unglaubens willen, auch nach seiner Auferstehung? Mark. 16, 14. 94. Christus ist der einige Arzt wider den Tod, und doch begehren gar Wenige seiner,
Ein Trunk Wassers, wenn's Einer nicht kann besser haben, ist eine gute Arznei wider den Durst. Ein Stück Brot stillt den Hunger, und wer sein bedarf, trachtet mit Fleiß danach, dass er's bekomme. Also ist Christus die beste, gewisse, einige Arznei wider den schrecklichsten Feind menschlichen Geschlechts, nämlich, wider den ewigen Tod. Es will aber menschlichen Herzen nicht eingehen. Wenn sie einen Arzt wüssten über hundert und mehr Meilen, welcher den leiblichen, zeitlichen Tod vertreiben, oder nur eine Zeitlang aufhalten könnte, wie würden sie ihn holen lassen, kein Geld noch Unkosten sparen. Daraus man sieht, wie gräulich menschliche Natur verdorben und verblendet ist. Doch das kleine Häuslein hält sich zu dem rechten Arzt, und lernt an dieser Kunst, welche der alte heilige Simeon, Luk. 2, 29, 30, wohl gewusst hat, daher er fröhlich singt: Mit Fried und Freud ich fahr dahin, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, darum der Tod mein Schlaf geworden. Wo kommt aber die Freude her? Daher kommt sie, dass er den Heiland, den rechten Arzt wider Sünde und Tod, mit geistlichen, leiblichen Augen gesehen hat.
Darum ist's eine gräuliche Plage, dass wir täglich vor Augen sehen, wie begierig ein Durstiger ist nach Trinken, ein Hungriger nach Essen, so doch ein Trunk Wassers, oder ein Stück Brots nur eine Stunde oder zwo den Durst oder Hunger vertreiben. Dagegen Niemand oder gar Wenige nach diesem allerteuersten Arzte begierig sind, ob er wohl freundlich Alle zu sich locket, und spricht, Joh. am 7. Kap. V. 7.: Wen dürstet, der komme zu mir und trinke; dazu Speise und Trank gibt, die unvergänglich sind und bleiben bis ins ewige Leben, wie er auch sagt, V. 38.: Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von des Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fließen.
95. Christus hat die Welt überwunden.
Wir wissen, gottlob, dass Christus die Welt samt ihrem Fürsten, dem Teufel, überwunden hat, dass die Sünde nun über uns nicht herrschen, noch der Tod uns verschlingen kann. Darüber wir billig viel fröhlicher sein sollten, denn die Weltkinder über zeitliche Wohlfahrt, Glück, Reichtum, Ehre, Gewalt rc. Denn die Schrift fehlt nicht, die Solches bezeugt.
Nun haben wir außer der Schrift noch gewisse Zeichen und Siegel, die heilige Taufe, das Abendmahl des Herrn, die Absolution, so viel schöne, herrliche, göttliche Verheißungen, dass wir ja nicht Ursache haben daran zu zweifeln; dennoch will's nirgend fort. Darum mögen wir wohl mit Ernst bitten: Herr, stärke uns den Glauben! Luk. 17, 5. Denn der Mangel ist an uns (nicht an Christo, der Alles ausgerichtet, und dazu Brief und Siegel seiner Gnade gegen uns nach sich gelassen hat), dass wir so wanken und zappeln, und es uns so kalt eingebet, dass er unser König, Hoherpriester, Bräutigam rc. sei. Wer das wohl fassen könnte, der wüsste die goldene Kunst, wäre ein feiner Doktor und seliger Mensch.
96. Warum der Sohn Gottes erschienen sei.
Der Sohn Gottes ist in die Welt gekommen, dass er uns von des Teufels Gewalt, Sünde und Tod erlöste, gerecht und selig machte, und wir fliehen noch vor ihm, als vor dem Teufel. Zudem achten wir, die doch Christen sein wollen, die Gaben Gottes, die er uns zu genießen reichlich dargibt, zu Erhaltung dieses kurzen vergänglichen Lebens, wenig oder gering, und trachten mit hohem Fleiß nach den garstigen Gaben, die uns der Teufel anbeut (welche, gegen die ewigen Güter zu rechnen, die uns Christus gibt, geringe, verachtete Bröcklein sind, wenn's gleich groß Geld und Gut ist), und wir wider Gott und Recht erlangen und besitzen.
Nun müssen wir wahrlich in dieser Praktik, wenn wir anders selig werden wollen, geübt und erfahren sein, nämlich darin, dass Christus, unser Herr und Heiland, nicht unser Stockmeister sei, es stehe mit uns wie lang es wolle, und sollte es gleich zum Wenigsten in Todesnöten geschehen. Aber selig ist der, der es im Leben erfährt.
97. Aller Götter Tempel, ausgeschlossen der Christi, sind zu Rom Pantheon genannt.
Zu Rom ist ein runder Tempel, darein die Römer gesetzt haben aller Götter Bildnisse, so sie ehrten und anbeteten, daher sie denselbigen Tempel Pantheon (aller Götter) genannt haben, allein Christi Bild ist nicht darein gesetzt worden. Denn, was groß, gewaltig, weise und heilig ist, das kann Christum nicht leiden, ja, die ganze Welt tobt und wütet wider ihn, Psalm 2, 1, 2, und doch bleibt er für und für, und gehen alle Götzen samt denen, die sie machen und anbeten, darüber zu Boden. Ps. 115. Darum muss mehr und größere Kraft hinter ihm sein, denn die Weltweisen und große, mächtige Herren glauben, die sich dünken lassen, sie wollen ihn, das ist, sein Wort und Kirche von Grund austilgen; sie sollen's aber und müssen's wohl bleiben lassen, und höllisch Feuer zu Lohn haben.
Diesen Tempel (Pantheon) hat hernach, Anno 606, Kaiser Phocas (des frommen Kaisers Mauritius Mörder, und erster Stifter des Papstes Primats), Papst Bonifaz dem Dritten gegeben, damit zu machen nach seinem Gefallen; der hat ihn anders getauft, anstatt aller Götzen, aller Heiligen Kirche genannt, hat aber auch Christum nicht darunter gerechnet, von dem doch alle Heiligen ihre Heiligkeit haben, und hat dadurch die Anrufung der Heiligen und neue Abgötterei gestiftet.
Diesem Bonifaz, dem Dritten, deutet seinen Namen Dr. Martin Luther in seiner Chronica also: Bonifatius ist ein päpstlicher Name, heißt so viel als eine gute Gestalt oder Ansehen; denn unter einem guten Schein oder Gestalt tut er eitel Böses, Gott und den Menschen zuwider.
Da ich, Dr. Martin Luther, zu Rom war, habe ich diese Kirche gesehen: die hatte keine Fenster, sondern nur oben hatte sie ein rundes Loch, davon sie Licht hatte, und war hoch gewölbt. Sie hatte so dicke, marmorsteinerne Säulen oder Pfeiler, die unserer zwei schwerlich umgreifen könnten. Oben am Gewölbe waren alle Götter der Heiden gemalt, Jupiter, Neptun, Mars, Venus, und wie sie mehr geheißen haben. Diese Götter allzumal waren mit einander Eins, auf dass sie nur die ganze Welt betörten und betrügen möchten; aber da Jesus Christus kommt, den wollen sie nicht leiden, und doch hat er sie ausgestäubt. Jetzt sind nun die Päpste kommen, und haben ihn wieder vertrieben, aber wer weiß, wie lange es bestehen wird..
98. Christum und die Seinen kennt die Welt nicht.
Gleichwie Christus jetzt in der Welt unsichtbar ist und unbekannt, also sind wir Christen auch darin unsichtbar und unbekannt. Euer Leben, spricht S. Paulus, Kol. 3, 3, ist verborgen mit Christo in Gott. Darum kennt uns die Welt nicht, viel weniger sieht sie Christum in uns. Und 1. Joh. 3, 1, spricht der Apostel: Seht, welch eine Liebe uns der Vater erzeigt hat, dass wir Gottes Kinder heißen sollen; darum kennt euch die Welt nicht, denn sie kennt ihn nicht. Daher sind wir leichtlich voneinander geschieden. Fragt sie Nichts nach uns, so fragen wir viel weniger nach ihr: Ja, durch Christum ist uns die Welt gekreuzigt, und wir ihr. Gal. 6, 16. So fahren sie hin mit ihrem Gut, und lassen uns unsern Sinn und Mut.
Wenn wir nur ihn, den lieben Herrn haben, so sind wir reich und selig übrig genug, fragen Nichts nach ihrer Pracht, Ehre und Gut. Wiewohl wir ihn oft verlieren, und uns selbst nicht dafür achten, dass er unser ist und wir sein, dass er in uns ist und wir in ihm sind (wenn er sich zur Zeit der Not, wie uns dünket, einen Augenblick verbirgt). Aber wir trösten uns seiner Zusage, Matth. 28, 20.: Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende, das ist unser bester und teuerster Schatz.
99. Erkenntnis Christi.
Die Gerechtigkeit unsrer Werke besteht nicht in Anfechtungen und Todesnöten, ja, sie legt denen, die sich darauf verlassen, das Herzeleid an. Nichts auf Erden macht den Menschen gewiss (es heiße Werk oder Gerechtigkeit des Gesetzes Gottes, viel weniger Heiligkeit aus menschlicher Andacht oder Gutdünken erwählt), dass die Sünde vergeben sei, und nicht zugerechnet werde: allein die Erkenntnis Christi, dadurch der Mensch Trost und Stärke des Glaubens in allen Trübsalen und Todesnöten empfängt. Ohne diese Erkenntnis Christi, kann ich gar kein Gewissen leiden, ja, der Teufel treibt mich durch eine Sünde, dass mir die Welt zu enge wird; allein die Erkenntnis Christi richtet mich auf und stellt mich zufrieden.
100. Was Christus von uns fordere.
Christus begehrt von uns Nichts mehr, als dass wir von ihm reden. Ja, sagst du, rede und predige ich von ihm, so werde ich aufs Maul geschlagen. Daran kehre dich nicht, höre, was er sagt, Luk. 11, 9: Bittet, so wird euch gegeben rc. Und: Ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn heraus reißen und zu Ehren machen rc. Psalm 91, 15. Und: Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen, Psalm 50, V. 15. Wie könnten wir nun einen leichteren Gottesdienst, dazu ohne alle Mühe und umsonst haben oder anrichten? Es ist keine Arbeit auf Erden, die uns leichter ankommt, als der rechte Gottesdienst. Er legt uns kein Holzhauen oder Steintragen auf, sondern will allein haben, dass wir glauben und reden. Folgt nun, was gewiss nicht ausbleibt, dass wir darüber geplagt und verfolgt werden, so verheißt der treue liebe Herr, er wolle in der Not bei uns stehen und aushelfen rc.
Meinem Knechte sage ich keine Hilfe zu, wenn er mir arbeitet, Holz haut, pflügt rc. Christus aber will mir helfen in allen meinen Nöten. Kurz, es fehlt uns allein am Glauben. So viel Einer glaubt, so viel ist er selig. Wenn ich Glauben hätte, wie ihn die Schrift von mir fordert, so wollte ich den Türken allein schlagen, H. G. hinrichten, M. H. ausreiben; es fehlt mir aber sehr, doch ich muss und soll mich am Wort genügen lassen, das Christus zu Paulo spricht, 1. Kor. 12, 9: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
101. Von Gottes Gnade, in Christo uns erzeigt, disputieren können.
Von Gottes Gnade, uns in Christo erzeigt, kann Niemand disputieren noch reden, er sei denn durch mancherlei geistliche Anfechtung wohl versucht, und in Glaubenssachen erfahren. Wenn der Teufel mit mir anfängt zu disputieren vom Gesetze, so hab ich's verloren; soll ich mich seiner aber erwehren und ihn von mir treiben, so muss ich mich an Christum halten, diesen Spruch oder dergleichen (Christus hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er ward ein Fluch für uns, Gal. 3, 13.) fassen, und seinem Argument entgegen sehen,
102. Freude in Christo hindert der Teufel.
Wir sollten uns billig ohne Unterlass in Christo freuen, wie S. Paulus uns ermahnt, also, dass wir vor Freuden ganz fröhlich und gesund wären, und nicht könnten weder traurig noch krank werden. Aber der leidige Satan hindert, wo er kann, solche Freude, geht ohne Aufhören herum, plagt und ängstet uns, entweder ohne Mittel durch seine feurigen Pfeile, oder durch böse, giftige Mäuler, auch wohl durch die Unsern. Dieses begegnet mir sehr oft.
103. Werde ich dich nicht waschen, Joh. 13.
Diese Worte, Joh. 13, 8, da Christus zu Petrus sagt: Werde ich dich nicht waschen, so hast du keinen Teil mit mir, sind nicht zu verstehen, dass Christus dazumal seine Jünger getauft habe; denn Joh. 14 ist klar ausgedrückt, dass er selbst Niemand getauft habe, sondern seine Jünger und sie unter einander haben Einer den Andern getauft auf Christi Befehl [?!]. Auch hat der Herr diese Worte nicht vom Wasserwaschen allein, sondern von dem rechten, geistlichen Waschen, jedoch veranlasst durchs Leibliche, geredet, dadurch er allein, sonst Niemand, Petrum und die andern Jünger und alle Gläubigen wäscht und reiniget von all ihren Sünden, und sie heilig und gerecht macht. Als wollte er sagen: Ich bin der rechte, einige Bader; darum, wo ich dich nicht wasche, so bleibst du unrein und tot in deinen Sünden.
Doch hat er mit dieser Weise auch gesehen auf der Priester Weise und Zeremonien, und derselben wollen folgen, welche nach dem Gesetz Mosis zuvor, ehe sie in den Tempel gingen, ihre Hände und Füße wuschen. Also tut unser rechter, ewiger Priester auch. Als wollte er sagen: Ehe ich mein neues Reich anfange, und in den neuen Tempel gehe, und ihr mir nachgeht, will ich euch zuvor waschen und reinigen. Davon aber, dass Christus nicht seine, sondern der Jünger Füße wäscht, so doch der Hohepriester im Gesetz nicht der Andern, sondern seine Füße wusch, ist dieses die Ursache: Jener war unrein und ein Sünder, gleich andern Menschen, darum wusch er seine Füße, und opferte nicht allein für des Volkes Sünde, sondern auch für seine. Unser ewiger Hoherpriester aber ist heilig, unschuldig, unbefleckt, von den Sündern abgesondert, darum war nicht Not, dass er seine Füße wasche, sondern uns hat er gewaschen und rein gemacht durch sein Blut von allen Sünden.
Überdies hat er wollen durch dieses Fußwaschen anzeigen, dass sein neues Reich, das er einsehen und anrichten wollte, nicht ein äußerliches, weltliches Reich sein würde, da ein Unterschied der Personen wäre, der Eine höher und größer als der Andere, wie in Mosis Reich, sondern da Einer dem Andern durch Demut dienen soll. Wie er spricht, Luk. 22, 25, 26: Die weltlichen Könige herrschen rc., ihr aber nicht also, sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener. Welches er auch selbst durch diesen Dienst des Fußwaschens erzeigt hat, uns zum Exempel, wie er, Joh. 13, 14, 15, spricht: So ich, euer Herr und Meister, die Füße gewaschen hab, so sollt ihr auch euch unter einander die Füße waschen. Ein Beispiel hab ich euch gegeben.
104. Christi und der Apostel Mirakel.
So lang Jupiter, Mars, Apollo, Saturnus rc., Juno, Diana, Pallas, Venus regierten, das ist, für Götter gehalten und geehrt wurden von den Heiden, (die Juden hatten auch ihre fremde Götzen, und Viele, denen sie dienten,) musste Christus anfänglich und hernach die Apostel viel leibliche Zeichen und Wunder tun unter Juden und Heiden, die Lehre vom Glauben an ihn (Christum) zu bekräftigen, und aufzuheben, und zu vertilgen alle falsche Lehre und Götzendienste. Also mussten dieselben Zeichen so lang im Schwang gehen, bis die Lehre des Evangelii gepflanzt und angenommen, die Taufe und des Herrn Abendmahl seines wahren Leibes und Bluts angerichtet worden.
Die geistlichen Mirakel aber, die Christus für die rechten Wunderwerke hält, geschehen täglich, und bleiben bis an der Welt Ende, als da ist, dass der Hauptmann, Matthäi am achten Kapitel, V. 10, der ein Heide war, so einen starken Glauben an Christum hat haben können, dass derselbe auch abwesend seinem Knecht helfen könne. Also verwundert sich auch der Herr über des Cananäischen Weibs Glauben und spricht: Weib, dein Glaube ist groß. Matth. 15, 28. Auch sind noch täglich Etliche, und derer Viele, die das Evangelium annehmen, an Christum den Gekreuzigten glauben, und eher Alles, was sie haben, auch Leib und Leben ließen, als dass sie ihn und sein Wort verleugnen wollten. Das ist wahrlich ein großes Wunderwerk.
Daher wünscht S. Paulus die überschwängliche Größe göttlicher Kraft, die er an uns, die wir glauben, beweist.
105. Christi höchste Demut.
Wer die Passion fleißig liest und Acht darauf hat, der sieht die wundergroße Demut des Herrn Christi, also, dass sie nicht hätte können größer sein. Dass er sich aber so tief erniedrigt hat, geht nicht allein auf uns, dass wir seinem Exempel folgen sollen, wie es S. Paulus sehr fein anzieht, Philip. 2, 5: Ein Jeglicher sei gesinnt wie Christus Jesus war rc., sondern geht mehr auf den Teufel, dass der Herr Christus dadurch den hoffärtigen, listigen Geist täuschte, damit derselbe über solcher großer Demut irre würde, und nicht, dächte, dass Christus der Same des Weibes sei, der ihm den Kopf zertreten würde. Wie denn die Verheißung, 1. Mos. 3, 15, den ersten Eltern geschehen, also lautet: Ich will Feindschaft setzen zwischen deinem Samen und des Weibes Samen, als wollte er sagen: Ich will mit dir, du giftige Schlange, zu schaffen haben.
Anno 1533 legte Dr. Luther diesen Spruch Pauli, Philip. 2, 6, dass Christus nicht für einen Raub geachtet habe, Gott gleich zu sein, also aus, S. Paulus wolle sagen: Christus ist Gott, aber er will es nicht sein, sondern will euer Knecht sein, und das tut's auch allein.
106. Das größte Wunder, so auf Erden geschehen ist.
Das größte Wunder, so auf Erden geschehen, ist, dass der Sohn Gottes des schmählichsten Todes am Kreuz gestorben ist. Wunder dünkt es uns zu sein, dass der Vater zu seinem eingeborenen Sohn, der von Art natürlicher Gott ist, sollte sagen: Gehe hin, lasse dich an den Galgen des Kreuzes schlagen und henken!
Nun soll man aber die Gottheit von der Menschheit nicht scheiden. Ich sehe aber, dass es sein möge, so ist gleichwohl des ewigen Vaters Liebe gegen seinen eingeborenen Sohn unmäßig größer, als Abrahams Liebe war gegen Isaak. Denn er ist der einige liebe Sohn, wie der Vater vom Himmel selber zeugt, Matth. 3, 17: Dieser ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe. Und wird doch so jämmerlich hingeworfen, als ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und Verachtung des Volks, Ps. 22, V. 7.
Daran stößt sich die blinde Vernunft und denkt, ist er des ewigen Vaters eingeborener Sohn, wie geht er denn so unbarmherzig mit ihm um? Stellt er sich doch freundlicher gegen Caiphas, Herodes, Pilatus und die ärgsten Bösewichter auf Erden, als gegen seinen Sohn. An dieser Predigt, sagt S. Paulus, ärgern sich die Juden, das ist, die Werkheiligen und die Griechen, das ist, die Weltweisen halten es für eine Torheit, 1. Kor. 1, 23. Aber uns Christen ist es der höchste Trost, wenn wir daraus erkennen und gewiss glauben, auch daran nicht zweifeln, dass der barmherzige Gott und Vater die arme, verdammte Welt also geliebt hat, dass er seines eingebornen Sohnes nicht verschont hat, sondern für uns Alle dahin gegeben in den schmählichsten Tod, auf dass Alle, die an ihn glauben, nicht verloren sondern selig werden, Joh. 3, 16, Röm. 8, 32. Darum halten wir diese Predigt für unsere höchste Weisheit und rechte goldene Kunst, und für eine göttliche Kraft, dadurch wir selig werden, 1. Korinth. 1, 24.
Dieses Exempel sollen sonderlich die, so mit hohen geistlichen Anfechtungen (die ein Jeder nicht ertragen kann, als da sind, Traurigkeit und Schwermut des Geistes, Schrecken und Zagen vor Gottes Zorn, Gericht und ewigem Tod, und dergleichen vergiftete, feurige Pfeile des leidigen Satans) geplagt werden, immer vor Augen haben, und sich damit trösten: dass, ob sie gleich viel und oft solch schwer und unträglich Leiden fühlen, darum von Gott nicht verworfen seien, ja, dass er sie vor Andern lieb habe, weil er sie dem Ebenbilde seines eingeborenen Sohnes gleich mache, und sie sollen daran nicht zweifeln, dass, weil sie mit ihm leiden, er sie auch wie ihn daraus erlösen werde. Denn Alle, die gottselig leben wollen in Christo Jesu, müssen Verfolgung leiden, 2. Tim. 3, V. 12, doch Einer mehr als der Andere, nachdem ein Jeder stark oder schwach ist im Glauben; denn Gott ist treu, der uns nicht versuchen lässt über unser Vermögen, 1. Korinth. 10, V. 13.
107. Ein wunderbar Ding ist's um der Christen Glauben.
Unser Glaube ist ein wunderlich Ding, dass ich und Andere, wenn wir anders wollen selig werden, an den Mann Jesum Christum glauben sollen, dass er der wahre, natürliche Sohn, Gottes sei, der doch so eines schmählichen Todes am Kreuze, zwischen zwei Übeltäter gehenkt, hat sterben müssen. Wie er selbst kurz vor seinem Leiden zu seinen Jüngern sprach, Luk. 22, 37: Es muss noch an mir vollendet werden, das von mir geschrieben steht: er ist unter die Übeltäter gerechnet. Obgleich wir ihn noch nie gesehen haben, 1. Petr. 1, 8. sollen wir doch glauben, was er im Evangelio sagt, Joh. 14, 6: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, denn durch mich, und Matth. 28, 18, 19, 20: Mir ist gegeben alle Gewalt, im Himmel und auf Erden, darum geht hin und lehrt alle Völker, und tauft sie, und lehrt sie halten Alles, was ich euch befohlen habe. Wohlan, er sagt es, dass er Herr über Alles sei, der Gewalt habe im Himmel und Erden, so ist und bleibt er's auch.
Und zwar er hat es auf dem Reichstage zu Augsburg vor einem Jahre wohl bewiesen, da wider ihn versammelt waren die größten, gewaltigsten Häupter in der Christenheit, geistlichen und weltlichen Standes, die grimmig und zornig waren, sein Wort ganz und gar zu vertilgen, und uns Alle zumal auszurotten, sie mussten's aber gleichwohl lassen. Wenn wir aber nicht wüssten, dass er Herr über Alles wäre, so hätte er doch seine Majestät da wohl bewiesen, dass wir ihn billig sollten ohne Unterlass loben und ihm danken, und uns des gewiss zu ihm versehen, dass er uns aus aller Gefahr und Not, so groß und schwer sie auch ist, erretten kann und will. Aber was soll ich sagen? Dies große Wunderwerk mit diesem Reichstage ist ganz und gar vergessen, als wäre es nie geschehen. Ach! die Welt taugt gar Nichts, sie ist des Teufels, wie sie geht und steht.
108. Wider der Vernunft Hindernis.
Wir Christen lassen uns davon nicht anfechten, dass die Vernunft, des Teufels Hure, ihrer Blindheit nach sich dünken lässt, es sei kein ungereimterer, törichterer Glaube, als eben der Christen, die an einen gekreuzigten Juden, Jesum Christum, glauben. Wohlan, sie klügle immerhin, und spotte, so lange sie kann, in ihres Götzen, des Teufels Namen. Wir haben und rühmen es als die höchste Gnade Gottes, dass wir Jesum Christum, für uns gekreuzigt und gestorben, erkennen und an ihn glauben, denn wir wissen, dass kein anderer Name uns Menschen gegeben ist, darin wir mögen selig werden, Apostelg. 4, V. 12. Wir verdammen deshalb als lästerliche Gräuel und Teufelslügen alle andere Glauben und Religionen, die vom Papst, Mahomet und Andern erdichtet worden, und sind gewiss, dass Gott die Stifter dieser abergläubischen und falschen Religionen in verkehrten Sinn dahin gegeben und verworfen hat.
109, Unterschied zwischen der Auferstehung und Himmelfahrt Christi.
Da Einer Dr. Luther fragte: was vor ein Unterschied wäre zwischen der Auferstehung und Himmelfahrt Christi? sagte er: Christus wird durch die Auferstehung zum Herrn über Alles gesetzt, auch nach der Menschheit, wie im achten Psalm, V. 7, 8, 9., geschrieben steht, und der Herr Christus sagt selber nach seiner Auferstehung, Matth. 28, 18: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden, wiewohl er's nach der Gottheit von Ewigkeit gewesen ist; durch die Himmelfahrt aber empfängt er die Herrschaft und Regierung über Alles. Das ist der Unterschied; ich will darüber ein Gleichnis geben: Ein junger Prinz, König oder Fürst, ist ein Erbe und Herr aller Länder und Leute seines Herrn Vaters, ihm wird aber nicht gestattet, dass er herrsche oder regiere bis zu seiner Zeit. Gen Himmel fahren, und zur Rechten des allmächtigen Vaters sitzen, heißt Gott gleich sein, in gleicher Majestät und Gewalt, die da heißt eine göttliche Gewalt, sitzen, und über Alles herrschen.
110. Christi Himmelfahrt.
Ein wunderlich Ding ist's anzusehen gewesen, dass Christus vor der Jünger Augen verschwunden, und gen Himmel aufgefahren ist, und die guten Jünger werden eines Teils gedacht haben: Wir haben mit ihm gegessen und getrunken, und nun wird er zusehends von uns gen Himmel aufgehoben; wenn es nur recht zuginge? Denn sie sind nicht Alle gleich stark im Glauben gewesen, wie Matthäus schreibt im 28. Kapitel, V. 17: Da die Elf den Herrn sahen, fielen sie vor ihm nieder, Etliche aber zweifelten.
Ich kenne Dr. Jonas sehr wohl, und wenn er jetzt in die Luft aufführe, und verschwünde vor unsern Augen, so würde mir's, wahrlich, wunderliche Gedanken machen. Der Herr aber wird die vierzig Tage über, von der Auferstehung an bis zu der Himmelfahrt, da er sich lebendig erzeigt hat durch mancherlei Beweisung, Apg. 1, 3., sie Alles, was ihnen von Nöten gewesen, gelehrt und im Glauben gestärkt, und an das, was er ihnen zuvor gesagt, erinnert haben, dass sie an seiner Person weiter nicht gezweifelt haben. Wiewohl es ihnen schwer einging. Denn da der Herr am Ostertage des Abends mitten unter sie trat, und sprach: Friede sei mit euch! erschraken sie und fürchteten sich, meinten, sie sehen einen Geist, Luk. 24, 36, 37. Und Thomas wollte nicht eher glauben, dass die andern Jünger den Herrn gesehen hatten, er hätte den zuvor die Nägelmale in seinen Händen gesehen s. Joh. 20, 25. Und Apg. 1, 7., da er vierzig Tage mit ihnen vom Reich Gottes geredet hatte, und jetzt auffahren wollte, fragten sie ihn: Herr, wirst du auf diese Zeit das Reich Israel wieder. aufrichten?
Hernach aber, da sie den Heiligen Geist am Pfingsttage empfingen, war ihnen viel anders zu Sinn, und fürchteten sich nicht mehr vor den Juden, sondern traten unerschrocken auf, und predigten mit aller Freudigkeit vor allem Volk von Christo rc. Und Petrus, Apg. 3, 6, sprach zu, dem Lahmen: Silber und Gold hab ich nicht, was ich aber habe, das gebe ich dir, im Namen Jesu Christi von Nazareth: stehe auf und wandle! Und doch gleichwohl musste ihm hernach der Herr durch ein Gesicht anzeigen, Apg. 10, 9, seq., dass auch die Heiden der Verheißung des Lebens durch Christum teilhaftig werden sollten, da er doch zuvor von dem Herrn gehört hatte, kurz vor seiner Himmelfahrt, Mark. am 16., V. 15: Geht hin in alle Welt, und predigt das Evangelium allen Kreaturen; und Matthäi am 28., V. 19: Lehrt alle Völker; und im Brief an die Galater, C. 2, V. 14, straft ihn Paulus, da Klage über ihn gekommen war. Das sage ich darum, anzuzeigen, dass die Apostel, nachdem sie auch den Heiligen Geist empfangen, nicht sogleich Alles gewusst haben, auch zuweilen schwach im Glauben gewesen sind. Paulus (da ganz Asien sich von ihm wandte, auch Etliche seiner Jünger von ihm wichen, und viel falsche Geister, die doch ein groß Ansehen hatten, sich wider ihn setzten,) sagt mit betrübtem Herzen, 2. Thess. 3, 2: Der Glaube ist nicht Jedermanns Ding; und da er 1. Kor. 2, 3, spricht: Ich war bei euch mit Schwachheit, Furcht und großem Zittern; und 2. Kor. 7, 5: Allenthalben waren wir in Trübsal, auswendig Streit, inwendig Furcht. Da wird er nicht allezeit stark im Glauben gewesen sein, dass ihn der Herr trösten musste: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig! 2. Kor. 12, 9.
Das ist mir und allen Christen tröstlich zu hören, denn ich glaube auch, dass Alles wohl besser tauge, und lehre doch Andere den Glauben. Das weiß ich zwar, dass meine Lehre recht ist, aber am Glauben fehlt mir's noch weit. Ich denke wohl zuweilen: du predigst ja Gottes Wort, das Amt ist dir befohlen, und bist ohne deinen Willen dazu berufen, bekennst und preist Christum, welches ohne Frucht nicht abgeht, denn Viele bessern sich. Wenn ich aber meine Schwachheit ansehe, dass ich esse, trinke, und zu Zeiten auch fröhlich, und ein guter Kollationsgeselle bin, so beginne ich zu zweifeln, und sage: Ach! wer nur glauben könnte! Darum sind die sichern vermessenen Geister, als Ketzer, (und alle falsche Christen,) verdrießliche, schädliche Leute, welche, wenn sie die Bibel einmal obenhin angesehen, oder etliche Predigten gehört haben, sich bald dünken lassen, sie haben den Heiligen Geist, verstehen und wissen Alles. Ach! fromme Herzen sind viel anders gesinnt, beten alle Tage, ja alle Augenblicke: Herr, stärke uns den Glauben, Luk. 17., V. 5.
111. Christum soll man allein hören.
Wenn Christus redet, so soll man beide Ohren fegen, und mit höchstem Fleiß darauf Achtung haben, was er redet; denn Gott der Vater selber spricht, Matth. 17, 5: Diesen sollt ihr hören. Er wollte sagen: Was euch dieser lehrt, da habt wohl Acht darauf, darüber will ich halten, oder will nicht Gott sein. Aber der Teufel kommt darein, gibt andere Gedanken ins Herz, stopfet die Ohren zu, dass der große Haufe des Herrn Christi und seines Wortes vergisst, und um vergebliche, unnütze Sachen sich bekümmert, auf dass sie ja nicht glauben noch selig werden.
Darum muss er Mosen lassen mit uns reden, der uns frage, was hast du getan? Vor dem wir sollten die Ohren zustopfen und ihn zu Tode schlagen. Es soll allein der Herr Christus unser Doktor und Lehrmeister sein.
112. Klage der Gottseligen über ihren Unglauben.
Ist's nicht eine jämmerliche Plage, dass wir unsere Sünde so groß und schwer machen, und indes vergessen unsere Taufe, ja unsern Herrn und Heiland, Jesum Christum, der sich selber dafür gegeben und geopfert hat, dazu uns von Gott gemacht ist, dass er soll sein unsere Gerechtigkeit rc. 1. Kor. 1, 30, die freilich der Teufel ungetadelt wird lassen müssen.
Wer reich und gewaltig ist, der trotzt und pocht darauf, und, ob er gleich ein böser Mensch ist, ist er doch nicht besorgt, dass en deshalb sein Gut und Gewait verliere. Ein Herr und Fürst bleibt Herr oder Fürst über Land und Leute, ob er wohl seiner Person halber nicht fromm ist. Also, wenn ein Kind Erbe aller Güter des Vaters ist, so hindert es das nicht, sich unrein zu machen, der Mutter auf den Schoß zu hofieren, oder den Vater zu beschmeißen. Wie kommt es denn, dass wir so kleinmütig, verzagt, und nirgend so klug sind, als die Weltkinder? Luk. 16, 8, dass wir uns nicht auch ermahnen können, und sagen (wenn wir der Sünden Kraft durch das Gesetz fühlen, und des Todes Schrecken uns den Angstschweiß austreibt): Was ist's nun mehr, dass ich gesündigt habe? Ist auch Gott, der Glauben ewig hält, Ps. 146, 6, darum ein Lügner? der durch Paulum, sein auserwähltes Rüstzeug, spricht Röm. 5, 20: Die Gnade ist viel mächtiger, denn die Sünde; und Ps. 117, 2: Seine Gnade und Wahrheit waltet über uns in Ewigkeit. Das hieße denn auch unser Erbe hoch rühmen und preisen, nicht vor der Welt, sondern vor Gott, der es gern hat, und es sich als den angenehmsten Dienst gefallen lässt.
Unsere Gerechtigkeit ist der weltlichen Gerechtigkeit nicht gleich, davon die Juristen reden, sondern davon heißen und sind wir gerecht, dass Christus sich selber für uns geopfert, und uns durch sein teures Blut rein von Sünden, heilig und gerecht gemacht hat; und dass wir getauft sind, sein Wort haben und glauben. Kommt nun der Teufel und hält dir deine Sünde vor, und plagt und schreckt dich mit dem Tode, so weise ihn von dir zu Christo, der deine Gerechtigkeit und Leben ist, und lass ihn mit ihm disputieren: Du aber halte dich an sein Wort. Ach! die Kinder sind am besten daran, die vertrauen ihren Vätern, und sagen einfältig: es ist mein Vater; und wenn sie es gleich zuweilen versehen, böse sind, und übel ausrichten, und darüber gestäubt werden; so disputieren sie nicht, ob er Vater sei oder nicht; darum fahren sie am besten.
113. Ein Anderes.
S. Paulus weiß die Sünder recht zu trösten, stößt dem Fass den Boden aus, und sagt dürre heraus: Man soll sich an des Gesetzes Schrecken nicht kehren, viel weniger sich auf des Gesetzes Werk verlassen, sondern allein auf Christum, der unsere Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung ist, welcher reichlich und überflüssig erstattet, was uns noch mangelt. Aber diese Kunst geht uns schwer ein, nämlich, dass wir unsere Augen von dem schrecklichen Anblick der Sünden sollen wenden, und uns auf Christi Gerechtigkeit mit aller Zuversicht verlassen, und nicht zweifeln, sie sei unser eigen, 1. Kor. 1, 30, und 2. Kor. 5, 21.
Ist's aber nicht ein verkehrt Ding? Die Heuchler und alle falsche Christen lassen sich dünken, sie wissen Solches sehr wohl, und es könne ihnen nicht fehlen. Mir aber und meinesgleichen, der ich doch täglich mit der Schrift umgehe und handle, fehlt's noch weit, dass ich oft betrübt und unmutig darüber werde? Denn, ist's nicht ein schändlich Ding, und teuflische Zauberei in uns, dass wir auf Menschen mehr vertrauen, denn auf Gott? Ich versehe mich zu meiner Käthe, zu Magister Philipp rc., mehr Gutes, denn zu meinem Herrn Christo, und weiß doch, dass weder sie noch irgendein Mensch auf Erden das für mich gelitten hat, noch leiden wird oder kann, wie er getan hat. Was fürchte ich mich denn vor ihm?
Ja, sagst du, wir sind allzumal große Sünder, das fühle ich und beklage es. Ich weiß aber und glaube, (doch schwach) und lehre es auch Andere, dass Christus sich selber für unsere Sünde gegeben hat, und unsere Gerechtigkeit ist, und uns darüber Brief und Siegel hinterlassen hat, sein heiliges Wort und heilige Sakramente, und doch soll ich mich vor ihm fürchten? Das tut mir wehe, und kränkt mich. Auch sehen wir allzumal im Evangelium, wie sanft und gelinde er sich gegen seine Jünger erzeigt, wie freundlich er ihnen ihre Schwachheit, Unwissenheit, ja Torheit zu gut hält, ihren Unglauben straft, und mit Güte zur Besserung sie ermahnt. Zudem sagt die Schrift, die gewiss und wahr ist: Wohl allen, die auf ihn trauen! Ps. 2, 12. Und wer glaubt, soll sich vor ihm nicht fürchten rc., und doch soll's nicht helfen? Pfui unsers Unglaubens, dass wir uns vor diesem Mann fürchten, der doch lieblicher, freundlicher, ja sanftmütiger und mitleidiger gegen uns gesinnt ist, denn unsere Blutsfreunde, Brüder, Schwestern, ja Eltern selbst, gegen ihre Freunde und Kinder gesinnt sind.
Deshalb, wer diese Anfechtung hat, Christus schrecke ihn, der wisse gewiss, und schließe nur getrost, es sei nicht Christus, sondern der leidige Satan; der schreckt, verwundet und tötet, Christus aber tröstet, heilet und macht lebendig. Ach! seine Gnade und Güte über uns ist so überschwänglich groß, dass sie ohne starke Anfechtung und Widerwärtigkeit Niemand verstehen kann. Wenn mir die Tyrannen und falschen Brüder nicht so hart zusetzten, würde ich mich meiner Gaben überheben, mit ernstem und brünstigem Herzen nicht beten, Alles meiner Geschicklichkeit und meinen Kräften, nicht Gottes Gnade zuschreiben, und würde also mit aller meiner Kunst zum Teufel fahren. 2. Kor. 12, 7. Dass aber Solches verhütet werde, stäupt mich der liebe Gott, und verhängt es, dass mich der Teufel inwendig durch seine feurigen Pfeile, die Rotten aber und Tyrannen auswendig tüchtig zermartern und plagen, und das zu meinem Besten, wie Psalm 119, 71, geschrieben: Es ist mir gut, dass du mich demütigst, dass ich deine Rechte lerne.
114. Der Name Jesus Christus.
Ich hab und weiß von Jesu Christo, weil ich ihn leiblich weder gesehen noch gehört habe, Nichts, als allein seinen Namen. Doch hab ich aus der Schrift, gottlob, von ihm so viel gelernt, dass ich mir sehr wohl genügen lasse, und begehre deshalb nicht ihn leiblich zu sehen oder zu hören. Zudem hab ich in meiner höchsten Schwachheit, im Schrecken und Gefühl der Sündenlast, in Furcht und Zagen vor dem Tode, in Verfolgung der argen, falschen Welt, oft erfahren und gefühlt die göttliche Kraft, so dieser Name an mir, der ich sonst von allen Kreaturen verlassen war, bewiesen und mich mitten aus dem Tod gerissen, wieder lebendig gemacht, in der größten Verzweiflung getröstet hat, sonderlich im Reichstage zu Augsburg Anno 1530, weswegen ich, ob Gott will, bei dem Namen bleiben, darauf leben und sterben will. Und ehe wollte ich sterben als gestatten, dass Erasmus oder ein An derer, er heiße und sei wer er wolle, meinem Herrn Christo zu nahe trete, mit seiner gottlosen und falschen Lehre, wie köstliche Farbe er ihr auch anstreiche, sie zu zieren und schmücken, ehe wollte ich nicht leben. Ja, ich wollte lieber samt Weib und Kind alle Plage und Marter leiden, und endlich des schmählichsten Todes sterben, als Solches sehen und dazu stillschweigen.
115. Wie eine gläubige Seele mit Christo redet.
Herr, ich bin deine Sünde, du meine Gerechtigkeit, darum bin ich fröhlich und triumphiere unerschrocken. Denn meine Sünde überwiegt und überwältigt deine Gerechtigkeit nicht, auch wird deine Gerechtigkeit mich nicht einen Sünder lassen sein noch bleiben. Gelobt seist du, Herr und treuer Gott, in Ewigkeit! Amen.
116. Die Lästerung Christi und seines Worts macht's gar aus.
Wenn die Leute so sicher und frech, ohne alle Scheu Christum lästern, sein Wort verfolgen und verdammen, wie jetzt die Papisten samt ihrem Anhange, vom Teufel verblendet und verstockt, mit großem Durst und Dummkühnheit tun, und viele fromme Leute als die ärgsten Ketzer darüber jämmerlich verjagen, ermorden, und wie Etliche, nämlich die Rottengeister und Schwärmer, sie heißen Wiedertäufer, Sakramentierer, Antinomer, oder Andere, deren Viele nach uns kommen werden, das liebe Wort verfälschen und verkehren, so ist's am Ende, und muss in Kürze brechen. Wie mit den Juden geschah. Da dieselben Christi Lehre und Taten dem Teufel zuschrieben, und ihn am Kreuz lästerten, erzitterte darüber die ganze Kreatur, denn sie konnte es nicht ertragen. Die Sonne verlor ihren Schein, der Vorhang im Tempel zerriss, die Erde bebte, die Felsen zerrissen, die Gräber taten sich auf. Und, da der Herr seine Tenne gefegt und den Weizen in seine Scheure gesammelt hatte, zündete er die Spreuer an rc. Also wird er jetzt am Ende der Welt auch tun, wenn die Zahl seiner Auserwählten erfüllt ist.
117. Niemand fährt gen Himmel rc. sagt Christus, Johanis am 3. Kap.
Er wollte sagen: Ohne mich kann Niemand durch eigene Kräfte, Verdienst, selber erwählte Heiligkeit, auch nicht durch des Gesetzes Werke, fromm und gerecht werden vor Gott, noch in das Himmelreich kommen. Denn ich bin und bleib im Himmel, und bin doch darum vom Himmel hernieder gekommen, dass ich euch mit hinauf nehme. Daraus folgt, dass allein die Vergebung der Sünden erlangen, vor Gott gerecht werden, und das Himmelreich ererben, die an Christum glauben, dass er darum vom Himmel hernieder in die Welt gekommen sei, dass er menschliche Natur an sich nähme, und uns durch sein Leiden und Auferstehen von des Teufels Gewalt, Sünde und Tod erlöste, und zu Erben des Himmelreichs machte; wie er weiter spricht, Joh. 3, 14, 15: Wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöht hat, also muss des Menschen Sohn erhöht, das ist, gekreuzigt und getötet werden, auf dass Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.
In diesen drei Worten (gen Himmel fahren, vom Himmel hernieder kommen, und im Himmel sein, die dreierlei Zeiten bedeuten,) fasst er kurz seine Allmächtigkeit zusammen. 1. Vom Himmel her nieder gekommen, ist, dass er auf Erden erschienen ist, Mensch geworden, (uns in allen Dingen gleich, doch ohne Sünde,) seine Herrlichkeit durch Lehre und Wundertaten hat sehen lassen und endlich das Werk der Erlösung des menschlichen Geschlechts ausgerichtet hat. 2. Gen Himmel gefahren, ist, dass er hinfort auf Erden, in leiblicher Gestalt, nicht mehr erscheint. 3. Im Himmel sein, ist, dass er die rechte Hand des Vaters, das ist, die Gottheit, nie verlassen hat, sondern für und für ist gewesen, und noch ist im Himmel, dass er auch die menschliche Natur, so er angenommen hat,. nie verlassen hat noch verlassen wird.
118. Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? Röm. 8.
Nun hat aber Christus, unser Herr und Gott, den Tod uns zum Trost und Heil verschlungen ewig. Ist aber der Tod durch Christum verschlungen ewig, so ist die Sünde, welche des Todes Stachel ist, stumpf geworden, dass sie nun ewig hinfort keine Schneide noch Spike hat, uns zu stechen, das ist, uns zu schrecken, zu verklagen und zu verdammen. So vermag auch das Gesetz weiter ewig nicht, die Sünde kräftig zu machen, das ist, das Gesetz kann uns nicht treiben, noch überzeugen, dass wir Sünder sind; ja uns nicht, die in Christo sind, und im Geist wandeln, nicht nach dem Fleisch, wie Paulus sagt, Gal. 5, 16.
So ist auch der Teufel gefangen, ausgezogen und gerichtet, und ihm alle Gewalt genommen, dass er weiter ewig über uns nicht kann herrschen. So ist auch aller Grimm, alles Wüten und Loben der blinden, falschen Welt, des Teufels Braut, zum Spott und Gelächter geworden; denn was kann sie mehr, als den Leib töten, und uns nur desto zeitlicher zum ewigen Leben und zur Seligkeit fördern? So ist auch alles Unglück, es sei Krankheit, Armut, Trübsal, Elend, Jammer, allerlei Leiden, viel zu wenig und gering, wenn's auch hundert Jahre währte und noch langer, gegen die zukünftige Herrlichkeit, die an uns soll offenbar werden, am seligen Tage unsrer Erlösung, Röm. 8, 18.
Ja, das findet sich aber nicht also bei und in uns, sondern wir fühlen durchaus gerade das Gegenteil; darum ist der Glaube von Nöten, der nicht sieht noch tappet, sondern sich an das Wort hält. Indes wartet die Hoffnung durch Geduld auf das, was der Glaube durchs Wort gefasst hat. Da wird denn zu seiner Zeit aus dem Glauben ein öffentlich ewig Schauen, aus dem Unsichtbaren das Sichtbare werden, (wie im Anfang der Schöpfung aus der Welt, die noch nicht zu sehen war, eine sichtbarliche wesentliche Welt ward,) davon der Mensch ewiges Leben, Seligkeit, Freude und Wonne wird haben. Wohl dem, der Solches versteht und gern fest glauben wollte!
119. Christus ist der einige Trost seiner Gläubigen, in ihrem Kreuz und Leiden auf Erden.
Die Schrift zeugt, dass alle Gottseligen Verfolgung leiden müssen, 2. Tim. 3., V. 12, und durch Trübsale in das Reich Gottes gehen, Apg. 14., 22. Daher ermahnt S. Petrus die Gläubigen, sie sollen dem Teufel, der umher geht, wie ein brüllender Löwe, und sucht, welchen er verschlinge, widerstehen fest im Glauben, 1. Petr. 5, 8. Spricht weiter V. 9: sie sind es nicht allein, die vom Teufel und der argen Welt angefochten werden, sondern sollen wissen, dass ihre Brüder hin und wieder in aller Welt eben dasselbige Leiden haben. Solches fühlen wohl fromme Herzen, denen es Ernst ist, am Wort Christi fest zu halten, und in seiner Gnade und Erkenntnis bis ans Ende zu beharren. Ich will der armen und geplagten Gewissen geschweigen, deren unzählig Viele (sonderlich in dieser letzten gräulichen Zeit, da der wütige Teufel allen seinen Zorn und Grimm ausschüttet,) hin und her, unter den gottlosen Tyrannen im Papsttum und in der Türkei ihr Leiden auf mancherlei Weise haben: die sich in ihrer Not und Angst nicht anders können trösten, denn dass sie Christum, den Sohn Gottes, zum Heiland und Fürsprecher bei dem Vater haben, sich an sein Wort halten, und ein herzlich Sehnen und Verlangen nach seiner seligen Erscheinung haben, da er sie endlich ertösen, und für alle ihre Leiden in Ewigkeit reichlich ergötzen wird.
Da wird denn Einer den Andern ansehen und werden uns mit einander bekennen, und sagen: Siehe wie kommen wir hier zusammen? Wer hatte sich dieses wunderbaren, seligen Wechsels versehen? Auf Erden waren wir die allerelendesten, unwertesten, wohl geplagtesten Leute, mussten Ketzer und Aufrührer sein, und als ein Fluch der Welt und Teufelskinder von den Tyrannen uns hinrichten lassen. Wo sind sie nun, die zornigen Junker, die großen, gewaltigen Könige und Herren, die Christum, sein Wort und armes Häuslein von Grund ausrotten wollten? die uns ausspeiten, höhnten und verspotteten, mit Füßen traten, in die Türme warfen, verjagten, alle Plage und Marter anlegten, durch Feuer, und Schwert hinrichten ließen? Wo sind die heiligen geistlichen Väter, die uns als die ärgsten Gotteslästerer und Verführer der Welt verbannten, verfluchten und dem Teufel übergaben? Im Abgrund der Hölle sind sie, da ihr Wurm nicht stirbt, und ihr Feuer nicht verlöschet, Jes. 66, 24. Dagegen wir, so Christum, nach seines Vaters Befehl, gehört, an ihn geglaubt, an seinem Wort fest gehalten, und eine kleine Zeit, ja, kaum einen Augenblick, zu rechnen gegen die große Herrlichkeit, welche nun an uns offenbart ist, unser Kreuz getragen haben, leben nun in Christo in unaussprechlicher, ewiger Freude und Seligkeit, und loben ihn samt dem Vater und Heiligen Geist, mit allen lieben Engeln und Heiligen.
120. Außer Christo soll man nicht an Gott denken.
Man soll an keinen andern Gott denken, denn an Christum, von welchem der Vater gezeugt hat: Diesen sollt ihr hören, Matth. 17, 5. Der Gott, der durch Christi Mund nicht redet, der ist nicht Gott. Im Judentum wollte Gott, nirgends denn bei dem Gnadenstuhl erhören, 2. Mos. 25, 22, also will er noch Niemand hören, denn durch Christum. Wie aber der größere Teil der Ju den nach dem Gnadenstuhl nicht fragte, sondern hin und wieder liefe, hier und da auf den hohen Bergen und Hügeln, oder unter den grünen Bäumen räucherte und Gott an mancherlei Orten suchte; eins Teils auch aus großer Andacht ihre Söhne und Töchter, Gott (ja dem Teufel, wie der 106. Psalm, V. 37, sagt,) zu Ehren und ihm damit zu dienen, opferten und schlachteten; eben so geht es im Christentum auch zu, der große Hause geht in seinen Gedanken und fleischlicher Andacht ersoffen dahin. Einer sucht Gott zu S. Jakob, der Andere zu Rom, der Dritte im Kloster, und so fortan. Das heißt der Prophet Jesaja, C. 53, 6, in der Irre gehen und Kap. 7. Von dem Herrn Christo. S. 121. 122. auf seine eigene, selbsterwählte, nicht auf Gottes Wege sehen. Denn, wer außer Christo Gott sucht, der wird ihn nimmermehr finden, er nehme sich vor und tue, was er wolle. Wer sich nach diesem Wort Christi (Niemand kommt zum Vater, denn durch mich, Joh. 14, 6.) nicht richtet, der ist ewig verloren.
Es sagte Dr. Martin Luther ein andermal, dass man außer Christo Gott nicht erkennen könnte, und sprach: Ich sagte einmal D. Staupitzen, wie mich die hohe Anfechtung von der Ausersehung hart plage. Da sagte er zu mir: In den Wunden Christi wird die Ausersehung verstanden und gefunden, und sonst nirgends; denn es steht geschrieben: Den sollt ihr hören, Matth. 17, 5. Der Vater ist zu hoch, darum sagte er: Ich will einen Weg geben, darauf man zu mir kommen möge, nämlich Christum: an den glaubt, hängt an ihm, so wird sich's zu seiner Zeit wohl finden, wer ich bin. Das aber tun wir nicht, darum ist uns Gott unbegreiflich und unverständlich; wir können's, nicht ausdenken, was er sei, viel weniger wie er gesinnt ist, er wird nicht begriffen, will auch ungefasst sein außer Christo. Willst du nun. die Ursache wissen, warum. viele Leute verdammt werden? Sie hören nicht, was Christus sagt und lehrt vom Vater: bei Christus sollt ihr finden, was und wer ich bin, und was ich haben will; sonst werdet ihr's weder im Himmel noch auf Erden finden.
121. Die Feindschaft zwischen Christo und dem Teufel hat im Paradies angefangen.
Kein Wunder ist's, dass der Satan Christi Feind ist, und sich mit aller Macht und List wider sein Wort, Reich und Volk setzt. Es ist ein alter Hass und Feindschaft zwischen ihnen, so im Paradies angefangen hat. So haben sie auch in allen Dingen eine entgegengesetzte Art und Natur. Er riecht Christum über etliche hundert Meilen. Zu Konstantinopel hört er, dass wir hier zu Wittenberg wider sein Reich lehren, reden und predigen, fühlt auch wohl, was ihm vor Schaden daraus kommt, darum wütet und tobt er auch so gräulich.
Aber das ist noch mehr zu verwundern, dass unter uns Menschen (die einerlei Art und Natur sind, und die sich Einer den Andern lieben sollen, wie sich selber,) so ein großer Unwille, Neid, Hass, Zorn, Uneinigkeit, Zwietracht, Rachgier rc., stattfindet, dass Einer den Andern darüber ermordet. Wer ist dem Mann näher zugetan, denn sein Eheweib, dem Sohn, denn sein Vater, der Tochter, denn ihre Mutter, der Schnur, denn ihre Schwieger? und umgekehrt. Brüder und Schwestern könnten ja nicht näher einander verwandt sein; und doch findet man selten, dass Einigkeit, Liebe und Freundschaft unter ihnen ist. Das haben auch die Heiden gemerkt, und darüber geklagt, aber nicht gewusst, dass dieses Alles des leidigen Teufels Getrieb ist.
122. Christus ist ein unwerter Gast in der Welt.
Die Welt will den Gott, der menschliche Natur an sich genommen hat, geboren ist, gepredigt, die Welt um die Sünde gestraft, und des Vaters Willen ihr verkündigt hat, nicht haben, sehen und hören, sondern verfolgt und lästert ihn, und schlägt ihn tot als einen Aufrührer, Gotteslästerer und Mörder. Dagegen sucht sie mit höchstem Fleiß, Unkosten, Mühe und Arbeit, und durch andere unzählige Wege den unsichtbaren, unbegreiflichen Gott in seiner Majestät. Sie baut ihm große, herrliche Tempel, stiftet ihm auch zu Ehren und ihn zu versöhnen, viel schöne Gottesdienste. Aber je mehr sie sich unterstehet, ihn zu finden, desto mehr verfehlt sie ihn. Denn es ist beschlossen, dass kein Mensch durch selbsterwählte Geistlichkeit, eigene erdachte Demut, so schön und köstlich sie auch gleiße, noch durch die höchste menschliche Weisheit Gott in seiner Weisheit erkennen soll, sondern, wer ihn erkennen und selig werden will, der kommt durch kein ander Mittel dazu, denn dass er die Predigt von dem gekreuzigten Christo höre und mit Glauben annehme. Daran ärgern sich die Werkheiligen, und der große Haufe hält es für eine Torheit; den Gläubigen aber ist sie eine göttliche Weisheit und Kraft, dadurch sie selig werden, 1. Kor. 1, 24:
123. Was Christus vor ein König sei.
Christus achtet des weltlichen und Hausregiments nicht sonderlich; denn er ist nicht darum gekommen, dass er wollte ein weltlicher Herr sein, sondern darum ist er Mensch geworden, dass er ein König sei, dem Teufel sein Reich zu zerstören, und die Leute selig, zu machen. Wie er selbst sagt: Des Menschen Sohn ist gekommen selig zu machen, das verloren war. Luk. 19, 10. Aber er stellt sich närrisch genug dazu.
124: Christus und das Gesetz können nicht beisammen wohnen in Einem Gewissen.
Es ist unmöglich, dass das Evangelium und das Gesetz in Einem Herzen mit einander zugleich wohnen und walten können, sondern es muss notwendig entweder Christus dem Gesetz, oder das Gesetz Christo weichen und Raum geben. Wie S. Paulus sagt an die Galater, C. 5, 4: Ihr habt Christum verloren, die ihr durchs Gesetz gerecht wollt werden, und seid von der Gnade abgefallen. Darum, wenn du die Meinung hast, als könnten Christus und das Vertrauen auf das Gesetz, oder desselben Werke in deinem Herzen mit einander zugleich wohnen, so sollst du für gewiss halten und wissen, dass in deinem Herzen nicht Christus, sondern der leidige Teufel wohnt und haushält, welcher unter der Larve und Gestalt Christi dich verklagt und schreckt, und fordert, dass du durchs Gesetz und eigene Werke dich selber gerecht machen sollst. Denn der rechte Christus hat nicht die Weise, dass er dich will um deiner Sünde willen zu Rede setzen, heißt dich auch nicht auf deine eigene Werke vertrauen, sondern spricht: Kommt her zu mir, Alle, die ihr mühselig und beschwert seid, ich will euch erquicken rc.
125. In Christo haben wir Alles.
Ach lieber Gott! sprach Dr. Martin Luther, dass wir doch könnten dir vertrauen und danken, der du so für uns sorgst, ja, uns Alles in Christo gegeben und geschenkt hast! Denn, das ist das große, unaussprechliche Geheimnis, das Aller Welt und fleischlicher Weisheit verborgen ist, nämlich, dass Gott der himmlische und allmächtige Vater gegen uns in seiner Majestät ganz gestorben ist, sich Alles entäußert, und es dem Sohne gegeben hat, der unser Fleisch und Blut nun ist, doch ohne Sünde. Zu demselben weist er uns. Wenn wir allein den hören und annehmen, so sollen wir in ihm Alles haben. Der sollte um unsertwillen so jämmerlich und gräulich gekreuzigt werden von den allerheiligsten Leuten, so den allergrößten Namen hatten. Denn Hannas ist eben so viel als Johannes; Caiphas als Petrus; Judas als ein Judenkönig. Die mussten sich an dem Christo vergreifen und Ritter an ihm werden. Kurz, welche den größten Namen gehabt haben in der Welt, die sind die ärgsten Schalke gewesen.
126. Außer der Menschheit Christi soll man keine Gnade oder Vergebung der Sünden suchen.
Wenn du mit der Rechtfertigung umgehst, und trachtest oder disputierst bei dir selber, wo doch der Gott zu finden sei, der die Sünder gerecht und fromm macht, und sie zu; Gnaden annimmt, so siehe eben zu, dass du ja von keinem Gott wissest, noch einen Gott achtest, außer den Menschen Jesus Christus. Ergreife nur den, und bleibe mit deinem Herzen an ihm hängen, und lass alle Gedanken und Spekulationen von der Majestät nur frei fahren. Denn (wie Salomon Sprichw. 27, 25, sagt) wer schwer Ding forscht, dem wird es zu schwer.
Was ich hier sage, was hab ich erfahren, und weiß, dass es also wahr ist. Die Schwärmergeister aber, so mit Gott außerhalb diesem Menschen Christo handeln wollen, glauben mir es nicht. Es sagt doch Christus selber, Joh. 14, 6: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben: Niemand kommt zum Vater, denn durch mich. Darum wirst du ohne diesen Weg, Ver Christus ist, keinen andern Weg zum Vater finden, sondern eitel Abwege and Verführung; keine Wahrheit, sondern eitel Heuchelei und Lügen; kein Leben, sondern den ewigen Tod. Darum merke mit Fleiß, dass in dieser Sache, wenn man vor Gott gerecht werden und Gnade erlangen will, wobei wir mit dem Gesetz, Sünde, Tod und Teufel zu schaffen haben, man keinen andern Gott erkennen soll, denn den Gott, der auch Mensch ist.
127. In welchen Sachen man ohne Gefahr von der Majestät Gottes disputieren möge.
Wo sich's zuträgt, dass du außerhalb dieser Sache von der Rechtfertigung mit Juden, Türken, Rotten oder Ketzern von Gottes Weisheit, Gewalt sc., disputieren sollst, so gebrauche deine Kunst aufs Beste, sei so scharf, subtil und spitz, als du immer kannst: da hat es keine Gefahr, denn da hast du mit einem andern Argument zu schaffen. Aber in dieser Sache von der Rechtfertigung, da unser Gewissen wider das Gesetz, unsere Gerechtigkeit wider die Sünde, und unser Leben gegen den Tod und Teufel vor Gott verteidigen sollen; oder da wir suchen sollen, was die Genugtuung für die Sünde sei, wodurch uns die Sünden vergeben, und wir mit Gott versöhnt, und ewig selig werden, in diesem Handel (sage ich noch einmal,) wende nur allerdings dein Herz, Sinn und Mut mit allen Gedanken von der hohen Majestät ab, und schaue nur stracks auf den Menschen, der sich uns zum Mittler vorstellt, und sagt, Matth. 11, 28: Kommt her zu mir Alle, die ihr mühselig und beladen seid rc.
Wenn du das tust, alsdann wirst du eitel Liebe, Güte und Freundlichkeit Gottes sehen, und Gottes Weisheit, Macht und Herrlichkeit wird dir also freundlich und lieblich vorgebildet, dass du in dem freundlichen und lieblichen Bilde Alles wohl leiden, verstehen und mit eitel Lust und Liebe anschauen magst. Wie S. Paulus an die Kolosser, C. 2, 6, sagt: dass in Christo alle Schätze der Gottheit, Weisheit und Erkenntnis verborgen sind, und V. 9: dass in ihm wohne die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig. Solches versteht aber die Welt nicht, darum forschet sie nach Gottes Willen außer der Verheißung von Christo zu ihrem großen Schaden und Gefährlichkeit; denn es kennt Niemand den Vater ohne der Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren, Matth. 11, 27,
128. Der Christen Kunst und Weisheit.
Die allerhöchste Kunst und rechte Weisheit der Christen ist diese, das für gewiss und wahrhaftig zu halten und zu glauben, dass Christus in den Tod gegeben sei, nicht um unserer Gerechtigkeit oder Heiligkeit, sondern um unserer Sünden willen, welches rechte, große, grobe, viele, ja unzählige und unüberwindliche Sünden sind. Darum darfst du dir nicht träumen lassen, als wären sie gering und klein, dass wir sie mit unsern eigenen Werken könnten tilgen. Dagegen sollst du aber auch nicht verzweifeln, ob sie wohl so überaus groß sind; welches du erst recht erfährst, wenn es dermal eins, es sei gleich im Leben oder Sterben, dazu kommt, dass du sie recht fühlest; sondern lerne das glauben, wie S. Paulus sagt, Gal. 1, 4: dass Christus sich selber gegeben hat, nicht für erträumte oder gemalte Sünden, sondern für wahrhaftige, nicht für kleine, geringe, sondern für überaus grobe, nicht für eine oder zwei, sondern für Alle, nicht für überwundene und getilgte, sondern für unüberwundene und starke gewaltige Sünden. Denn kein Mensch, ja, auch kein Engel kann nur eine einige, auch die allergeringste Sünde überwinden. Und, wo du nicht in der Zahl (so da sagen, für unsere Sünde,) auch gefunden wirst, das ist, unter denen, so diese Lehre des Glaubens haben, lehren, hören, lernen, glauben und lieben, so magst du es wohl frei erwägen, dass es um deine Seligkeit geschehen, und dann allerdings gar aus ist.
129. Christum soll man kennen lernen.
Ich weiß sehr wohl, was ich für Ursache habe, dass ich so heftig dazu ermahne, dass man Christum recht und eigentlich erkennen. lerne. Denn Christus ist nicht ein solcher Mann, der von uns Etwas des Unsern fordre, sondern ist vielmehr ein Versöhner, welcher
alle Sünder in der ganzen Welt mit Gott versöhnt. Darum, so du ein Sünder bist, wie wir denn in der Wahrheit Alle sind, so bild dir bei Leib und Leben Christum nicht also vor, wie er auf dem Regenbogen sitzt und Richter ist, sonst wirst du erschrecken und verzweifeln müssen; sondern fasse ihn in seinem rechten Bilde, als nämlich in dem, dass du ihn siehst und erkennest als einen Sohn Gottes und der Jungfrau Maria. In derselben Person schreckt er Niemand, viel weniger aber martert und plagt er, ja, verachtet auch nicht uns arme Sünder, fordert keinerlei Rechenschaft von uns wegen unsers Lebens, das wir so bös zugebracht haben, sondern ist eine Person, so der ganzen Welt Sünde hinweggenommen, durch sich selbst gekreuzigt und vertilgt hat.
Also lerne auf diese Weise nur gewiss und eigentlich erkennen, wer und was Christus sei, und sonderlich lerne das Wörtlein: Unsere, dir wohl nütze machen, dass du aufs Allergewisseste überzeugt seist, dass Christus nicht Etlicher, sondern Alle, der ganzen Welt Sünde hinweggenommen habe; denn er hat sich gewiss und wahrhaftig für die ganze Welt gegeben, ob es wohl die ganze Welt nicht glaubt. Darum sollst du deine Sünden nicht allein also ansehen, dass du erkennest, dass sie rechte Sünden seien, sondern dass du auch erkennest, dass sie dein eigen und sonst keines Andern Sünden sein, das ist, du sollst erkennen und glauben, dass Christus nicht allein für der andern Menschen, sondern auch, dass er eigentlich für deine Sünde gegeben sei.
Das halte ja fest, und lass dich von diesem Bilde Christi, daran auch die lieben heiligen Engel im Himmel ihre Lust haben, mitnichten abwenden, nämlich, dass Christus nach seinem rechten Ebenbild kein Moses, kein Stockmeister noch Henker, sondern ein solcher Mittler ist, der uns arme Sünder mit Gott versöhnt, Gnade, Leben und Gerechtigkeit gibt, der sich selber gegeben hat, nicht für unser Verdienst, Heiligkeit und Gerechtigkeit, Ehre, gutes Leben, sondern für unsere Sünde. Denn, obwohl Christus das Gesetz bisweilen auslegt, so ist doch Solches nicht sein eigen und recht Amt, damit er zu tun hat, und dazu ihn der Vater gesandt hat.
130. Christum in der Anfechtung kennen ist schwer.
Dass Christus, unser Heiland, für unsere Sünden gegeben sei, können wir Alle wohl reden, denn die Worte sind leicht; wenn es aber zum Treffen kommt, dass der Teufel in der Anfechtung uns Christum verbirgt und aus den Augen wegnimmt, und das Wort der Gnaden dazu aus dem Herzen reißt, alsdann erfahren wir, dass uns noch weit fehlt, und wir's nirgends recht gelernt haben. Wer alsdann Christum recht und eigentlich kennen, recht groß machen, und nicht als einen strengen Richter, sondern als den allerfreundlichsten und lieblichsten Heiland und Hohenpriester ansehen und halten könnte, der hatte schon allerlei Unglück und Widerwärtigkeit überwunden, und wäre schon bereits im Himmelreich. Aber Nichts Schwereres ist auf Erden, denn dass man Solches in der Anfechtung tun könne.
Was ich sage, das habe ich zum Teil erfahren; denn ich kenne des Teufels List und behände, tückische Griffe sehr wohl, dass er uns nicht allein das Gesetz pflegt einzublasen, (dass er uns damit erschrecke, und aus kleinen Splitterlein große Balken, das ist, aus dem, was gar keine, oder eine kleine geringe Sünde ist, eine rechte Hölle mache, denn er ist wahrlich ein Wundermeister, der es kann, die Sünde sehr groß und schwer zu machen, ja, auch Sünde zu machen, da Keine ist, und das Gewissen damit zu ängstigen,) sondern er pflegt uns auch die Person Christi, unsers Mittlers, also vorzubilden, und sich selber darein zu verstellen, dass wir davor erschrecken müssen. Denn da ergreift er einen Spruch aus der Heiligen Schrift, oder ein Drohwort Christi, tut unserm Herzen flugs in einem Hui, und ehe wir's gewahr werden. so einen harten Stoß damit, dass wir alles Licht und Gesicht verlieren, und meinen, als sei er selbst der rechte Christus, der uns solche Gedanken eingibt, und ist doch der leidige Teufel. Und mit solcher Larve kann er uns wohl eine gute lange Zeit aufhalten, damit schrecken, und auf dem Sinn und Wahn immerdar bleiben lassen, so dass unser Gewissen darauf wohl tausend Eide schwören könnte, es wäre der rechte Christus selber, des Spruch oder Wort er führt,
131. Christi Last, die er getragen hat.
Christus musste aller Welt Sünde tragen, und alles Blut, das von Anbeginn vergossen ist und noch wird. Der hat (meine ich,) eine Bürde auf sich gehabt, darunter er hätte müssen versinken, wenn er nicht wahrer, natürlicher Gott gewesen wäre, und hat's Alles um unsertwillen getan; aber Wenige unter uns danken ihm dafür.
132. Christus muss einen großen Mund haben, und will, man soll seine Worte annehmen.
Wenn Christus ein Wort redet, so tut er einen Mund auf, der ist wohl so groß, als Himmel und Erden, wenn er gleich nur von einem Kräutchen redet. Dies sagte Dr. Martin Luther, da er redete von dem Ehestande, welchen der Papst verboten hat, davon doch Gott sagt, 1. Mos. 1, 28: Wachst und mehrt euch, und erfüllt die Erde. Zu einer anderen Zeit sagte er: Wenn der Kaiser ein Wort redet, das vermag Etwas; aber, wenn Christus redet, der fasst Himmel und Erden auf Einen Bissen. Darum, wenn er redet, so muss man sein Wort anders denn als Menschen Wort anzusehen, denn er ist wahrhaftiger Gott selber.
133. Christus hat das Gesetz ausgelegt.
Da Christus Matth. 5., gepredigt, hat er die falschen Deuter und Ausleger des Gesetzes confutiret9), gestraft und widerlegt, und Mosen, den sie verfälscht hatten, wiederum zurecht gebracht, und gesagt: So und so sollt ihr Mosen verstehen.
134. Christus und der Papst sind an einander gehetzt.
Ich habe, sagte Dr. Luther, Christum und den Papst an einander gehetzt, darum kümmere ich mich weiter um Nichts. Wiewohl ich zwischen Tür und Angel komme, und gedrängt muss werden, fichtet's mich nicht an; denn, gehe auch ich darob zu Boden, so wird's Christus wohl hinaus führen.
135. Christum wird der Teufel müssen bleiben lassen.
Wenn der Satan und sein Hofgesinde, die Welt, Christum wird vom Himmel reißen, so will ich mich an den nächsten Baum henken; aber ich hoffe, er wird es lassen müssen.
136. Christum soll man allein in der Heiligen Schrift suchen.
Die vornehmste Lektion und Studium in der Theologie ist, dass man Christum lerne recht erkennen, da soll der Präzeptor und Meister vom Jünger und Discipel, lernen, und der Jünger vom Präzeptor zu lernen sich nicht schämen. Christus ist viel freundlicher gegen uns, denn wir; kann ich gegen einen Freund freundlich sein, wie vielmehr ist's Christus gegen uns? Wenn man mich aber zum Gesetz führt, so bin ich verdammt, wenn ich aber die Verheißung ergreife, so bin ich frei und los. Ja, S. Petrus sagt, 2. Epist. 3, 18: Wächst in der Erkenntnis Christi. Es ist nicht eine Erkenntnis des Gesetzes oder anderer Künste, sondern erkennen und glauben, dass Christus sei der Allerrechteste, Barmherzigste, Gütigste, in welcher Sonne wir wohnen. Und, wer den recht kennt, der hat das ewige Leben, wie Christus sagt, Joh. 17, 3: Das ist das ewige Leben, dass sie dich, Vater, erkennen, dass du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast Jesum Christum. Aber diese hohe Erkenntnis verdunkelt der Satan meisterlich in uns, und macht, dass wir einem Freunde mehr vertrauen und glauben als Christo.
137. Bei Christo soll man bleiben.
Die Welt hebt abermals an zu wüten, unsinnig, toll und töricht zu werden wider Christum. Wohlan, wir wollen mit dem Mann zuscheitern gehen, und mit ihm auferstehen, wollen sehen, was sie gewinnen, und wir damit verlieren werden, denn er sagt: Wo ich bin, da soll auch mein Diener sein, Joh. 12, 26.
138. Christi Erscheinung auf Erden.
Christus ist einmal auf Erden gekommen, und hat sich sehen und hören lassen mit Wunderzeichen und Predigen, und also wird er nicht wieder kommen. Ich begehre nicht, dass er mir einen Engel schicke. Und wenn gleich ein Engel zu mir käme, und sich in sichtlicher Gestalt sehen ließe, so wollte ich ihm nicht glauben. Ich will allein bei Gottes Wort bleiben, wie er mir das durch seine Propheten und Apostel offenbart und gegeben hat, und keines Andern Stimme hören noch annehmen.
Weiter sprach er: Mich dünkt gleichwohl, es sind noch viele Christen, und ich halte, ihrer seien viel mehr hier, denn zur Zeit S. Pauli zu Korinth. Es wird aber, wie ich meine, das Ende der Welt gleich werden und übereinstimmen mit der Welt Ende zur Zeit. der Sündflut, da nur acht Menschen in der Arche waren, die erhalten worden. Denn, obgleich bei uns jetzt Sünder sind, so verfolgen doch sie das Wort nicht.
139. Vom Vorzug Gottes Worts.
Vom Vorzug Gottes Worts redete Dr. Martin Luther also: Christus ist einmal auf Erden sichtlich kommen, und hat unter uns gewohnt, und seine Herrlichkeit sehen lassen, hat aus bedachtem Rat und Vorsehung Gottes das Werk der Erlösung menschlichen Geschlechts ausgerichtet. Ich begehre nicht, dass er einst noch komme, will auch nicht, dass er mir einen Engel sende. Und obgleich ein Engel vom Himmel käme, und sich mir sichtbar unter die Augen stellte, so wollte ich ihm doch nicht glauben, denn ich habe meines Herrn Christi Brief und Siegel, das ist, sein Wort und Sakrament, daran halte ich mich, und begehre keine neue Offenbarung.
Dass Dr. Martin Luther allein bei Gottes Wort geblieben und an dasselbige sich gehalten, und keinem Gesichte hat glauben wollen, davon hat er selbst diese Geschichte erzählet: er habe in seinem Stüblein einmal heftig gebetet, und daran gedacht, wie Christus am Kreuz gehangen, gelitten, und für unsere Sünde gestorben sei; da sei ein heller Glanz an der Wand worden, und darin eine herrliche Gestalt Christi mit den fünf Wunden erschienen, und habe ihn, den Doktor, angesehen, als wäre es der Herr Christus selber leibhaftig. Als es nun der Doktor gesehen, hat er erstlich gemeint, es wäre etwas Gutes, jedoch hat er bald sich bedacht, es müsste des Teufels Gespenst sein, denn Christus erscheine uns in seinem Wort, und in niedriger, demütiger Gestalt, als wie er am Kreuz gehangen und erniedrigt worden ist. Darum hatte der Doktor zum Bilde gesagt: Hebe dich, du Schandteufel, ich weiß von keinem andern Christo, denn der gekreuzigt worden ist, und der in seinem Wort vorgebildet und gepredigt wird. Und alsbald war das Bild verschwunden, welches der leibhaftige Teufel gewesen 20.
Weiter sagte der. Herr Doktor: dass einer Jungfrau zu Wittenberg, die krank gewesen, des alten Oekonomi Freundin, auch ein Gesicht vorgekommen sei, als sähe sie Christum in einer herrlichen und schönen Gestalt. Nun habe sie solch Bild schier angebetet, weil sie nicht anders meinte, als es wäre der Herr Christus. Als man nun eilend einen Boten aus dem Kollegium ins Kloster geschickt und den Doktor Luther habe holen lassen, er auch zu der kranken Jungfrau gekommen sei, und das Bild, so des Teufels Affenspiel gewesen, angesehen habe, da habe er sie ermahnt, dass sie sich den Teufel nicht solle äffen lassen. Darauf fängt sie an, und sie spie dem Bild ins Angesicht; da verschwand der Teufel bald, und das Bild wurde verwandelt in eine große Schlange, die zur Jungfrau ins Bett lief, und sie ins Ohr biss, dass ihr die Blutstropfen auf dem Ohe stunden, und herunter flossen, und war die Schlange bald darauf verschwunden. Das hat Dr. Luther selber mit seinen Augen samt vielen Andern gesehen.
140. Auf Christum soll man allein trotzen und pochen.
Wohlan, wir haben's auf den Mann, den Herrn Christum, Gottes Sohn gewagt, der wird uns gewiss nicht lassen. Unser Leib und Leben steht auf ihm, wo er bleibt, da werden wir auch bleiben, sonst weiß ist Nichts, darauf ich trotzen könnte. Darum, lebt Christus, so wird er wissen, dass wir Alles um seinetwillen tun und leiden, predigen, lehren, schreiben. Wie das auch die Welt weiß, und wir wissen's auch: auf ihn wagen wir's, er wird uns auch helfen; aber es muss auch brechen, und kann nicht also bestehen.
141. Christus und Satan können sich nicht vertragen.
Christus und Belial lassen sich nicht vertragen noch mit einander versöhnen, und menschlicher Weise können sie nicht nachlassen von einem Stück. Keiner weicht dem Andern, es ist eine ewige Feindschaft zwischen ihnen. Denn, geben die Papisten zu, dass sie im Ablass Unrecht haben, so denkt Jedermann: Qui semel malus etc. Wer einmal ein Schalk ist, der wird stets dafür gehalten. Fällt der Ablass, so fällt die Messe; fällt die Messe, so fallen die Klöster und die Stifte, und so fortan.
142. Es sind unter dem Kolloquium zu Worms, Anno 1545 gehalten, Verse gemacht worden, dass der Papst und Luther er mit einander nicht können vertragen werden.
Ja, wenn der Teufel morgen stürb,
Und ein Wolf zum Schaf und Lamm würd,
So wird der Papst und Luther Eins,
Der Beiden geschieht gewiss Keins.
Noch will man viel davon traktieren,
Das ist, Geld, Müh und Zeit verlieren;
Bleibt Christi Wort mit Ehr'n bestehn,
So muss der Papst zu Trümmern gehn.
Kein Mittel ist zu finden hie,
Was tun wir denn mit unserer Müh?
143. Christus ist ein böser Haushalter.
Christus hält übel und ganz unweislich Haus; denn er wird arm und ein Bettler, also, dass er auch nicht hat, wo er sein Haupt hinlegen könnte, leidet Hunger und Durst, Hitze und Frost, und macht Andere reich und selig.
144. Christus und der Satan vergleichen sich nimmermehr, Einer muss dem Andern weichen.
Weil der Teufel ein Fürst und Gott der Welt, des Herrn Christi, seines Worts, und derer, so es rein und unverfälscht haben, und fest darüber halten, Erbfeind ist, so muss und wird es auch der, von dem geschrieben steht, Ps. 110, 4: Du bist ein Priester ewig rc. und Ps. 2, 6: Ich habe meinen König eingesetzt auf meinen heiligen Berg rc. wohl erhalten. Es ist unmöglich, dass Christus und der Teufel sich in Einem Bette mit einander vertragen können, Einer muss den Andern ausstoßen. Also können wir Lutherischen und Papisten nicht unter Einem Dach bei einander wohnen, Keiner kann den Andern leiden, ein Teil muss dem Andern weichen. Die Juden und die Apostel waren auch unter Einem Dach, aber die Juden mussten weichen.
Weiter sagte er: Diese unsere Zeit ist, gleichwie es zur Zeit des Judas Makkabäus war, welcher sein Volk schützte vor Gewalt, und konnte doch die Feinde nicht dämpfen, sondern sie behielten das Regiment. Und die Seinen haben ihm das größte Leid getan, dass ich glaube, er habe oft den Tod gewünscht wegen solcher Untreu und Undankbarkeit; denn diese zwei Stücke machen Einen müde.
145. Außer Christo ist Alles Bosheit.
Alles, was in der Welt ist außer Christo, es sei so hoch und köstlich, scheine auch so englisch, wie es immer wolle, und heiße gleich Heiligkeit, ehrbar Leben, Tugend, Zucht, Ehre, so ist's doch Nichts mehr, als ein Schanddeckel, darunter die höchste Bosheit, ja der Teufel selber verborgen liegt. Wiewohl es an sich selbst nicht böse ist, dass in der Welt ist Weisheit, Zucht, Ehre und ehrbar Leben rc. Aber, wenn man Solches dahin ziehen will, dass es auch vor Gott gelten soll, so wird ein Schanddeckel daraus, damit die gräuliche Sünde gedeckt wird, die da heißt Gott lästern, und sein Wort verfolgen. Es ist nicht böse, fein vernünftig, gelehrt, weise und tugendsam sein, denn es sind feine Kleinode und Gaben Gottes; aber das ist der Teufel, dass sie so herrliche Gaben Gottes, so schöne Tugenden, Kunst, Ehrbarkeit und züchtig Leben missbrauchen zum Schanddeckel, und unter demselbigen Schein Gott lästern und verfolgen.
Es ist ein recht fein Kleinod und sonderliche Zier um eine züchtige Jungfrau, wenn aber dieselbige, züchtige Jungfrau wollte zufahren, und Vater und Mutter ermorden, so würde die schöne Tugend und Zucht nur ein Deckel einer großen Schälkin, Vater- und Muttermörderin. Also scheinen Diese auch fromm und heilig zu sein, und sind doch unter solchem Schein so böse, dass es über alle Maße ist, also, dass solche Bosheit Nichts auf Erden aufdecken und offenbaren kann, denn allein das Evangelium von dem Kindlein Jesu. Wie der alte Simeon zu der Mutter sagt, Luk. 2, 35: O Maria, dein Sohn wird alle Welt, und die besten, frömmsten Leute zu lauter Buben, Schälken und Mördern machen; die jetzt einher gehen, dass man sie vor Weisheit und Heiligkeit möchte anbeten, die brechen heraus und werden beweisen, dass sie Gottes und der rechten Christen ärgste Feinde sind; dass man sagen wird: Pfui dich, Kätzlein, wie hast du so einen glatten Balg, und scharfe Klauen! Du tust, wie der Kaken Art ist, die vorne lecken und hinten kratzen.
146. Christi Reich erhält Gott allein wider aller Teufel und Welt Wüten.
Was fragt Gott nach der ganzen Welt, wenn ihrer gleich zehn oder mehr wären? Er hat Christum zum König eingesetzt, wie im andern Psalm, V. 6., steht: will man ihn nicht annehmen, wohlan, so hat er ihn so fest gesetzt, dass er ihn nicht wird lassen vom Stuhl herab stoßen und umstürzen. Untersteht sich die Welt, so wirft er Alles in einen Haufen; denn er hat einmal mit einer herrlichen Stimme vom Himmel ernstlich befohlen, und gesagt, Matth. C. 17, 5: Diesen sollt ihr hören. Ps. 2, 10: So lasst euch nun weisen ihr Könige rc. O, das ist, ihr werdet untergehen mit euren Königreichen, Fürstentümern, Gesetzen, Rechten, Gewalt, Weisheit, wie dem jüdischen Reich widerfahren ist.
Also musste sich Paulus auch trösten, Apg. am 16., V. 20., und 17., V. 6, 7. da man ihm Schuld gab, er richte Aufruhr an wider Gott und den Kaiser. Darum, so lang der Artikel von der Justifikation (das ist, wie man vor Gott gerecht, fromm und selig wird), rein bleibt und besteht, so bleibt und besteht auch das weltliche Regiment, der Hausstand und alle Stände rc. Wird er aber verfälscht und verloren, so muss auch Alles zu Trümmern gehen. Darum fahre die Welt immer hin, und gehe zu scheitern, Christus aber bleibe und lebe.
147. Christus ist der höchste Artikel.
Der höchste Artikel unsers christlichen Glaubens ist Christus, den hat weder Zwingel noch Oecolampadius gehabt und verstanden, es haben ihn auch noch nicht alle andere Ketzer und Rottengeister.
148. Das Tierlein Igneumon ist des Herrn Christi Bild.
Dr. Luther fragte: was doch ein Krokodil vor ein Tier wäre? und sprach: Es muss gewiss ein Lindwurm sein, oder wie sonst irgendeine große Eider ist, welche möchte etliche Elen lang sein. Dieses Tier ist in Ägypten, und ist seine größte Freude und Lust, dass es mag Menschenfleisch fressen; wie es denn viele Leute erwürgt und umbringt. Aber, wenn es gleich noch ein so groß und grausam Tier wäre, so wird es doch von einem viel kleineren Tierlein, so Igneumon genannt wird, und nicht größer ist, als eine Katze, erwürgt, und die Leute in Ägypten beten beide Tiere, das Krokodil und den Igneumon, als Götter an.
Es gehet aber also zu, dass der Igneumon das Krokodil erwürgt: Wenn die Sonne im Mittage am Heißesten scheint, und der Drache (das Krokodil), Menschen oder Fische gefressen hat, so legt er sich am Ufer des Wassers Nil an die Sonne, und schläft. Wenn er denn also entschlafen ist, und den Rachen weit aufgesperrt hat, so ist das Tierlein Igneumon her, und wälzet sich im Kot, trocknet sich an der Sonne, dass es hart wird, und zieht gleichsam einen Harnisch oder Panzer an von Kot und Leim, und kriecht dem schlafenden Krokodil oder Lindwurm in den Hals hinein, und wischet ihm im Bauch umher, und zerbeißt ihm das Gedärm und Eingeweide, dass es davon stirbt. Und ob das Krokodil auch den Schwanz schüttelt, und Gift heraus schüttet, so kann es doch Niemand schaden; wird also überwunden und getötet, wie Plinius (Lib. 8., C. 24.) und der griechische Poet Nicander davon schreiben, und, wenn das Krokodil tot ist, so kriecht das Tierlein wieder aus seinem Rachen. Das ist, sprach Dr. Luther, unsers Herrn Gottes Spiel; er handelt nicht mit großer Stärke, Macht und Gewalt, sondern mit Schwachheit. Ja, sprach er, dies kleine Tierlein Igneumon ist ein Bild des armen schwachen Herrn Christi, welcher, da er Mensch geworden und unser unflätig, kotig Fleisch und Blut (doch ohne Sünde) an sich genommen, hat er doch die großmächtigen Feinde, als den Tod und Teufel überwunden, und ihnen den Bauch zerrissen. Solches sähen wir Alles, wenn wir nicht die Sünde am Halse hätten. Aber wir kennen jetzt solche irdische, grausame Tiere nicht, als Monoceros, das Einhorn; und Rhinoceros, ein Tier, das ein Horn an der Nase hat; Pard, Leopard, Tigertier; ja, wir wissen nicht, wie wundersam Gott sei in seinen Kreaturen.
149. Christus ist der Gläubigen Heil und Weisheit, sonst ist es ein arm Ding mit der menschlichen Klugheit.
Der Herr Christus ist allein unser Sieg wider den Teufel, wer den nicht hat, der ist verloren. Dennoch verachtet die Welt den - Herrn Christum, und will gleichwohl klug sein; da denkt denn der Teufel: Das ist mir ein rechtes Wildbret. Extra Christum non est salus: Ein Christ ist allein sicher vor dem Teufel, wenn er Christum hält für seine Weisheit, Heiligung, Gerechtigkeit und Erlösung.
Ach unsere arme Klugheit! Ehe wir recht klug werden, so legen wir uns nieder und sterben. Darum hat der Teufel gut kriegen. Wenn Einer dreißig Jahr alt ist, so hat er noch fleischliche Torheiten, will geschweigen der geistlichen Torheiten. Gleichwohl ist's ein Wunder, dass wir dennoch so große Dinge ausrichten in einer solchen Schwachheit. Aber unser Herr Gott der gibt's. Er gab Alexander dem Großen Weisheit und Glück, und heißt ihn dennoch im Propheten Jeremia: C. 49, 21., einen Juvenem, da gesagt wird: Quis excitabit Juvenem? Ein junger Löffel der soll es tun, der soll kommen, und soll die Stadt Tyrus umkehren. Es hat aber Alexander seine Torheiten auch nicht vergessen, indem er sich oft vollsoff, und seine guten Freunde erstach, wenn er trunken ward; ja, er soff sich selbst danach zu Babel zu Tode.
Unsere Jünglingsjahre sind Nichts: wenn Einer 20 Jahr alt wird, was versteht er doch? Es sind die Leute jetzt nimmer so stark, als vor Zeiten. Salomon ist nicht viel über 20 Jahr alt gewesen, wie er König geworden ist, aber er wird wohl instituiert worden sein von Nathan; so erscheint ihm auch unser Herr Gott, und sagt: er soll bitten, was er wolle, so wolle es ihm Gott geben; da begehrt er Weisheit: Das gefällt unserem Herrn Gott wohl, wie der Text sagt, 1. Kön. 3, 5. seq. Jetzt würde Einer begehren einen Kasten mit Geld, auch mein gnädigster Herr selber. Ei, sagen sie, wenn ich Geld hätte, so wollte ich wohl kriegen.
Es sagte Dr. Luther Anno 1546 zu Eisleben, dass ein Mensch vor seinem vierzigsten Jahre fast wie ein Kind ist, und sagte darauf diese Sprichwörter, welche ganz wahrhaftig sind. Wer vor 20 Jahren nicht schön, vor 30 Jahren nicht stark, vor 40 Jahren nicht klug, und vor 50 Jahren nicht reich wird, der mag sein Glück wohl erwägen.
150. Christus ist dieses Lebens bald müde geworden, also auch seine Christen.
Christus wollte nicht lang hier auf Erden sein im Predigtamt, sondern übergab seinem Vater das Reich und Regiment, und verordnete Apostel. Auch schreibt Paulus, Phil. 1, 23: Ich begehre aufgelöst zu werden (das ist, zu sterben). Also rufen wir jetzt auch, sind dieses Lebens satt und überdrüssig, und begehren auch,
dass uns Gott zu sich in seinen Himmel bald nehme, oder mit dem jüngsten Tage komme und mache des Spiels (da die Verfälschung der Lehre und andere Untugenden gar überhandgenommen haben), ein Ende. Unser Herr Gott muss viel Mühe haben, bis er die Welt mit Leuten versorge.
151. Christus hat sich tief gedemütigt und erniedrigt.
Wir sehen, wie wundertief sich Christus gedemütigt und erniedrigt hat, sonderlich in seinem Leiden. Er demütigte sich mehr um des Teufels, denn um unsertwillen, um den hoffärtigen, stolzen Geist zu betrügen, und mit der Nase umherzuführen, so dass derselbe nicht wusste, wie er mit ihm daran gewesen.
152. Wie Christus seine Verdienste austeilt.
Christi Verdienst ist ein Werk, um welches willen Christus eine Belohnung und Geschenk geheißen wird. Nun aber gibt Christus seine Verdienste, seine Gaben und seine Gerechtigkeit aus Verheißung, die wird allein mit dem Glauben gefasst. Als, wenn ein Fürst zu mir sagte: Komm zu mir aufs Schloss, so will ich dir hundert Gulden geben. Da tue ich wohl ein Werk, indem ich gehe, aber die hundert Gulden, als ein Geschenk, werden mir nicht um meines Gehens, als eines Werks willen, gegeben, sondern darum, dass sie mir der Fürst hat zugesagt und verheißen.
153. Der Christen Trost.
Der Elenden größter Trost ist, dass Christus allenthalben gegenwärtig ist, und will bei uns sein, bis ans Ende der Welt, wie er selbst verheißt, Matth. 28., V. 20. Darum sollst du gewiss glauben, wenn du mich oder einen andern Kirchendiener hörst, du hörst Gott selber vom Himmel mit dir reden. Denn ich habe Gewalt und Befehl von Gott, dich zu trösten, und dir deine Sünden zu vergeben um Christi willen; der ist darum gekommen und Mensch geworden, dass er uns selig mache. So fliehen wir vor ihm, und verachten seine große Gaben, die er uns anbietet und reichlich geben will, und folgen dem Teufel auf seiner Seite. Ist es nicht ein arm elendes Ding? Ach lieber Herr Gott! hilf du uns, und öffne uns das Herz und die Augen, dass wir's erkennen und sehen!
154. Christi Predigt ist nicht so gewesen, als jetzt zur Zeit des Evangelii.
Des Herrn Christi Autorität und Ansehen, da er gelehrt und gepredigt hat, ist so groß nicht gewesen, als sie jetzt zu unserer Zeit ist, sagte Dr. Luther; wie er selber spricht: Ihr werdet größere Werke tun, denn ich, Joh. 14, 12. Er ist das Senfkörnlein, wir aber sind die Blätter und Maien. Darum sagt er: Mich wollten sie nicht leiden, der ich doch nur in einem Winkel, im jüdischen Lande lehrte. Wohlan, predigen wir Christum, so erzürnen wir die Welt, Fleisch und Blut: predigen wir aber, was Fleisch und Blut wohl gefällt, so erzürnen wir Christum und verführen viel tausend Seelen in den Abgrund der Hölle. Es ist aber besser, die Welt zu erzürnen, denn den, der Leib und Seel ins höllische Feuer stürzen kann, wie Christus sagt, Matth. 10, V. 28.
155. Christum hören, ist der größte Gottesdienst.
Da Einer fragte: welches der größte Gottesdienst wäre, der Gott wohlgefiele, sprach Dr. Luther: Christum hören und ihm gehorsam sein, das heißt und ist der größte und höchste Gottesdienst; sonst taugt Alles Nichts. Denn er hat's im Himmel viel besser und schöner, als wir's machen können; sonst hätte ihm Sauls Opfer und Dienst auch gefallen, da er sagte: Dein Dienst und Opfer reizt mich nur zum Zorn rc., 1. Sam. 15, 22 seq., und war gleichwohl von außen der schönste und beste Gottesdienst anzusehen. Also sagt der 40. Psalm, V. 7, Hebopfer und Brandopfer willst du nicht haben, sondern dass man dir gehorsam sei. Wie auch die Kriegsleute in Kriegen sagen: gehorsam sein, und sich nach dem Artikelsbrief halten, sei der Sieg.
156. Christus ist allein der Christen Trost und Hoffnung.
Unser einiger Trost ist, sprach Dr. Luther, dass wir an Christum glauben. Wir sind nun oft darüber gestorben, lasst uns den allein behalten. Ich will bei dem Mann bleiben, und will mich lassen darüber begraben. Ich bin auf ihn getauft. Ich kann und weiß Nichts, als was mich der Mann gelehrt hat.
157. Christus ist ein Bischof unserer Seelen.
Der Christen bester Behelf ist, sprach Dr. Luther: dass Christus ein Hoherpriester und Bischof unserer Seele ist, da doch das Gewissen immer spricht, er sei ein strenger Richter, wenn es Gottes Zorn wider die Sünde fühlt. Außer Christo und seinem Wort kann sich Niemand behelfen.
158. Worin Gottes Trost, bestehe.
Menschen Trost, sprach Dr. Luther, und Gottes Trost ist zweierlei. Menschen Trost besteht in äußerlicher, ansehnlicher Hilfe, die man greifen, sehen und fühlen kann. Gottes Trost besteht allein im Wort und der Verheißung, da weder Sehen, Hören noch Fühlen ist. Ein getaufter und gläubiger Mensch muss unserm Herrn Christo sehr lieb sein.
159. Christus schreckt nicht.
Ich, sprach Dr. Luther, war einmal erschrocken, da D. Staupitz zu Eisleben im Papsttum das Sakrament umtrug; das klagte ich ihm in der Beicht, da sagte er zu mir: es ist nicht Christus, denn, Christus schreckt nicht, sondern tröstet nur.
160. Des Herrn Christi Gebärde.
Kein Mensch, wenn er gleich der Allersanftmütigste und Gütigste wäre, könnte also sich gebärden als Christus, denn Christus ist das Lämmlein Gottes, das der Welt Sünde trägt. Gleichwohl kann mir Junker Satan aus dem allerholdseligsten und freundlichsten Christo einen strengen Richter, ja wohl Stockmeister machen, der hinter mir mit der Keule stünde, er kann mir aus Honig eitel Essig machen.
Pfui des Unglaubens, dass wir vor Christo also sollen fliehen, da er doch ein viel freundlicheres und gütigeres Herz zu uns hat, als ein Bruder, Vetter und der beste Freund. Wenn wir vor ihm erschrecken, so ist er gewiss Christus nicht, sondern der Satan.
Darum glaube mir, wie Gott selber, was ich mit dir rede in geistlichen Sachen, nach seinem Befehl; denn der Heilige Geist redet mit uns durch Menschen, ohne sonderliche Offenbarung, wenn sie uns sein Wort recht führen und bringen, wie es Gott geredet hat, schlicht und einfältig, ohne eigenen menschlichen Zusatz. D. Pommer hat mich oft mit Worten getröstet, unversehens und unbedächtig, die mich noch heutiges Tages trösten. Also redet der Heilige Geist durch uns, auch wenn wir gleich zuvor nicht daran gedacht haben.
161. Was die Welt von Christo hält.
Christus muss der Welt Gaukelspiel sein, Hohn und Spott. Pilatus hätte Christum nicht kreuzigen lassen, wenn er ihm nicht wäre überantwortet worden. Die Pharisäer, Judas und Pilatus, das sind drei Personen zum Tode Christi. Die Pharisäer ließen Jesum töten aus Neid, Geiz oder Lügengeiz; Judas aus Geldgeiz; Pilatus aus Ehrgeiz und Furcht. Das Erste ist am Ärgsten.
162. Außer Christo ist kein Trost, und wie er die Gläubigen schilt.
Außerhalb Christo kann sich Niemand trösten, ihm weder raten noch helfen, aber in ihm ist eitel Trost und Freude, durch den Glauben im Wort gefasst. Wie könnte uns unser Herr Christus einfältiger schelten, als dass er uns Schafe heißt? Ein Schaf lässt sich schelten, gibt aber nichts desto weniger Wolle oder Milch, und lässt sein Leben mit Geduld,
163. Gott ist nicht allein der Juden sondern auch der Heiden Gott.
S. Paulus hat allein um des Ärgernisses Willen die Epistel an die Römer geschrieben, nämlich, dass Gott nicht allein der Juden sondern auch der Heiden Gott sei, das ist, dass er Allen, die an Christum glauben, gnädig ist und wohl will. Halte dich nur an Christum, denn außer ihm ist weder Erkenntnis Gottes, noch Seligkeit, Trost und Hilfe.
164. Dass Christus die Juden und Heiden wolle selig machen.
Es ward zu Dr. Luther Anno 1543 gesagt, dass Christus zum heidnischen Weiblein sprach: er sei nicht gekommen, denn allein zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel, und dennoch helfe er ihr danach als einer Heidin, und mache ihre Tochter gesund, darum müsse er wider sein eigen Gewissen reden. Darauf antwortete Dr. Luther und sprach: Christus war nicht zu den Heiden gesandt, aber, wenn die Heiden zu ihm kamen, so schlug er sie nicht aus. Er war persönlich nur zu den Juden gesandt, darum hat er auch im jüdischen Lande gepredigt, aber durch die Apostel ging seine Lehre in die ganze Welt. Also nennt S. Paulus den Herrn Christum einen Diener der Beschneidung, um der Verheißung willen, die Gott den Vätern gegeben da Gott seine Zusage wahrhaftig gehalten hat, und können sich die Juden rühmen der Wahrheit Gottes, aber die Heiden sollen sich rühmen der Barmherzigkeit Gottes, Köm. 15, 8, 9. Wir, so sind Heiden, ist auch nicht vergessen worden. Gott hat nicht mit uns geredet, und wir haben keinen König noch Propheten gehabt, mit dem Gott geredet hätte, sondern S. Paulus sagt sonst an einem Ort, Apg. 13, 46: Euch allein ist's gepredigt, aber da ihr nicht wolltet, siehe, so kehren wir uns zu den Heiden.
Dieses ärgert noch heutiges Tages die Juden, dass sie meinen, der Messias sei allein der Ihrige, und es ist traun ein schöner, herrlicher Name, dass Moses sagt, 5. Mos. 7, 6: Du bist ein heilig Volk. Aber David verheißt danach in seinen Psalmen auch Christum den Heiden: Lobet den Herrn alle Heiden, Ps. 117, 1, nicht allein die Juden. Da ist's solvieret. Danach solvieret's auch alles die Verheißung, so dem Abraham gegeben worden. Haben's doch die lieben Apostel schwerlich verstanden. Es sind gute, grobe Gesellen gewesen, sie haben nicht anders gekonnt. Sie werden gedacht haben, sie wollen noch große Herren werden, und hatten schon die Leute, hin und wieder unter sich ausgeteilt. Wie denn die zwei Jünger sagten, so gen Emmaus gingen, als Christus gestorben war, Luk. 24, 21. Wir hofften, er sollte Israel erlösen. Aber dieser Wahn musste aufhören. Sie konnten nicht anders gedenken, die guten Gesellen. Doch geht der Herr Christus freundlich mit ihnen um, und hält ihnen viel zu gut. Man schreibt in der Legende S. Petri, dass S. Petrus immerdar ein Tüchlein habe bei sich gehabt, damit er sich wischte, er habe auch endlich ganz rote Augen gekriegt; und ich will's wohl glauben. Da man ihn gefragt, warum er also weine? hat er gesagt: wenn er sich der angenehmsten Gesellschaft Christi mit den Apostel erinnere, so könne er der Tränen sich nicht enthalten. Es muss Christus ein trefflicher, freundlicher Mann gewesen sein, und also geht er noch täglich mit uns um, aber wir erkennen's nicht. Danach aber, am Pfingsttage, werden sie anders unterwiesen.
165. Christum kann man nicht auslernen.
Christus ist unbegreiflich, Niemand kann ihn in diesem Leben auslernen, dass er recht verstände, was und wer er wäre, denn er ist Gott. Ich kann meine eigenen Affekte, Bewegungen und Gedanken nicht ausreden, wie wollte ich denn die Hoheit Christi ausreden?
166. Von Christi Reich.
Gott hat sich und seiner Kirche das beste Reich vorbehalten, in welchem man nicht mit Zwang oder Gesetzen umgeht und regiert, sondern sein freundlich, da die Herzen freiwillig und ungezwungen tun was sie sollen. Christus spricht: Ich taufe dich, lehre dich den Katechismus, absolviere dich, predige dir, tröste dich, und das Alles selber durch meine treuen Diener. Glaubst du es, so hast du diesen Schatz; glaubst du aber nicht, so ist der Schade dein, mir geht Nichts daran ab.
Weltlich Regiment wird mit Zwang und Gesetzen regiert und geführt, und spricht: Tue das und lass jenes! Gehorchest du nicht, so geschieht dir Schaden und wirst gestraft; bist du aber gehorsam, so ist's dein Frommen, und bist sicher vor der Strafe. Also sucht das weltliche Reich seinen Nutzen und Frommen, bedroht hart, fordert und will Alles von den Untertanen mit Gewalt haben. Aber in Christi Reich wird uns vorgehalten unser Nutzen und Frommen, mit freundlicher Heimstellung zu uns selbst: das geht auch in den Auserwählten fein fort. Aber weltliche Regenten und Herren, je härter und gestrenger sie mit ihren Gesetzen sind, und sagen: also soll und muss es stracks geschehen und gehalten werden, desto weniger geht es fort und von Statten.
167. Wie man Christum bedenken soll.
Des Herrn Christi Geschichte soll man auf dreierlei Weise bedenken: Zum Ersten, als eine Historie und Geschichte, zum Andern, als ein Geschenk und Gabe, zum Dritten, als ein Exempel und Vorbild, dem wir glauben und nachfolgen sollen. Historien sind gewaltige und kräftige Exempel des Glaubens und Unglaubens.
168. Entgegengesetzte Werke Christi und des Teufels.
Christus und der Satan haben gar entgegengesetzte Werke. Christus gibt und erhält Leben und Seligkeit, ja, alles Gute an Leib und Seele, und ist ein Schöpfer Himmels und der Erde; Satan aber ist ein Stifter der Sünden und des Todes, ein Verräter und Verderber des Himmels und der Erde, Verwüster und Zerstörer aller Werke Christi, kurz der, welcher alle Krankheit, Unglück, Jammer, Krieg, Mord, und alles Böse stiftet, anrichtet und treibt, was nur geschieht in der Welt. Daher haben die manichäischen Ketzer zwei Götter erdichtet; Einen, der Gutes, der Andere, der Böses tue.
169. Christus trägt den Fluch des Gesetzes.
Die Vermaledeiung und den Fluch des Gesetzes hat allein Christus getragen, auf sich genommen und aufgehoben, da findet man Alles; dass also die, so den geistlichen Segen und Benedeiung haben, den leiblichen Fluch und Vermaledeiung tragen und leiden, verfolgt und wohl geplagt werden; die Gottlosen gehen hier gemeiniglich leer aus.
170. Über dem Artikel von Christo soll man fest halten.
Liebe Herren, sprach Dr. Martin Luther, lasst uns den Artikel von der Rechtfertigung und Erlösung lieb haben, und hart darüber halten, denn, wenn wir den verlieren, so können wir nicht bestehen im Kampf, noch obsiegen; denn an dem einigen Stück hat es allen Ketzern und Schwärmern gefehlt. Wenn wir den nicht wohl wissen so können wir wider den Teufel und das Papsttum nicht streiten, vielweniger obsiegen. Christus allein erhält uns in der Wahrheit, er ist der einige Gürtel, wie S. Paulus fein ermahnt, und spricht: Auf dass alle Dinge zusammen verfasst würden in Christo, Ephes. 1, 10, das ist, dass Christus das Haupt und die Summa sei in allen Dingen, auf den Alles soll gerichtet werden.
171. Vergebung der Sünden.
Vergebung der Sünden tut viel, darum kann Gott der Kirche unter dem Papsttum verzeihen, vornehmlich, weil die Taufe noch rein da geblieben ist, desgleichen das Sakrament, und der Text der Heiligen Schrift. Ob sie wohl durch Glossen und Gaukelwerk, als Accidentia, beschmissen sind worden, so ist doch das Wesen vor sich selbst geblieben, das hat gehaftet in den Herzen, die es haben sollen fangen, da ist sonderlich große Gewalt und Macht gewesen.
Der Artikel von Vergebung der Sünden ist in allen Kreaturen. Der Geist ist wohl willig, wir sind ein glimmend Docht, haben nur die Erstlinge des Geistes; unser Herr Gott muss Geduld haben. Die Gnade ändert die Natur nicht ganz und gar, sondern braucht sie, wie sie sie findet. Wenn Einer von Natur gütig und sanftmütig ist, der zum Glauben bekehrt ist, wie M. Nicolaus Hausmann, so macht sie denselben zu einem feinen, sanften Prediger; findet sie aber Einen, der von Art zornig ist, den macht sie ernst, so den Conrad Kordatus. Wenn sie aber einen Verschmitzten, Gescheiten antrifft, der einen großen Verstand hat und sinnreich ist, den braucht sie zum Nutzen und Heil der Leute.
172. Von Gottes Gnade schreiben oder reden.
Niemand kann eigentlich etwas Rechtschaffenes und Gewisses reden oder schreiben von der Gnade, er sei denn vorhin wohl versucht und geübt mit geistlichen Anfechtungen; weder ich, noch ein Mönch kann es. Wenn ich mit dem Teufel disputiere, so bin ich von Stund an geschlagen und gefangen, denn ich bin ein Sünder. Es ist aber das Gesetz gegeben, nicht mir und denen, die ihre Sünde erkennen und bekennen, sondern den rechten Stolzen, Ungehorsamen und Heuchlern, dass sie gedemütigt werden: ich gehöre Christo an, der um der Sünder willen gekommen und Mensch geworden ist.
173. Wie Gottes Gnade gefasst wird.
Gottes Gnade ist so groß, dass sie ohne Anfechtung, Angst und Kampf nicht kann gefasst noch verstanden werden, darum wurde S. Paulo ein Engel des Satans gegeben, der ihn mit Fäusten schlug, 2. Kor. 12, 7. Also geschieht auch allen rechtschaffenen Christen.
174. Schläge machen ärger.
Nach der Plage werden wir ärger, wie die Juden nach dem Donnern und Blitzen am Berge Sinai. Wie wir auch sagen: Der Kranke nie ärger was, denn da er wieder genas. Darum muss es Alles aus Gnaden kommen, sollen wir selig werden.
175. Davids Ruhm von seiner Frömmigkeit.
Warum rühmt David, und hebt so hoch seine Frömmigkeit, Reinigkeit und Unschuld, da er doch ein Mörder und Ehebrecher war? Antwortete Dr. Martin Luther: Ihr müsst das Wörtlein (Meam,) meine, wohl ansehen; denn wenn David spricht: Meine Frömmigkeit oder Gerechtigkeit, so gebt ihm ein recht Korrelativum, meine Gerechtigkeit, nämlich, gegenüber von meinen Feinden, da bin ich fromm, denn du mein Gott weißt, dass ich eine gute Sache habe.
Also ist's mit der Taufe und Absolution: wenn wir davon gehen, so sind wir auch fromm; ja, vor den Menschen, aber nicht gegen Gott; wenn der mit uns ernstlich handeln wollte, so sind wir noch nicht fromm. Also muss mein gnädigster Herr, der Kurfürst zu Sachsen, jetzt auch fromm sein, gegenüber von dem von Braunschweig, und sagen: Du weißt meine Frömmigkeit wider meine Feinde, nicht wider Gott; denn wir haben eine gute, gerechte Sache; Sie sind böse.
176. Ärgernis der Vernunft an Christi Schwachheit.
Die Vernunft, wenn sie Christum sieht geboren als ein kleines Kindlein, in der Mutter Schoß an der Brust liegend, und saugen, so kann sie ihn nicht erkennen für einen Heiland und Seligmacher der Welt; also tun auch die Schwärmer im Sakrament des Altars. Gleichwie Christus aus dem Grabe hervorgewischt ist, mit einem großen Erdbeben, also ist auch heutiges Tages noch, und wird allzeit für und für in der Welt ein Tumult und Getümmel sein und bleiben, wenn Christi Gehorsam, Heiligkeit und Verdienst gepredigt, gepriesen und geglaubt wird, dass er allein unser Heiland ist. Aber solch Erdbeben ist frommen, gottseligen Herzen heilsam und lustiger zu sehen und zu hören, denn dass Christus im Grabe läge und ruhte; wenn Friede und Ruhe in der Christenheit ist, so ist's ein bös Zeichen.
177. Christus hat geschwiegen bis ins dreißigste Jahr, ehe er ins Predigtamt getreten.
Christus hat sich des Predigens und Lehrens enthalten bis ins dreißigste Jahr, und immer still geschwiegen, sich öffentlich nicht vernehmen noch hören lassen. Obgleich er doch indes so große und mancherlei Gottlosigkeit, gräuliche Abgötterei, Gottesdieberei, falsche Gottesdienste, so viel Gotteslästerung, so mancherlei und schädliche Ketzerei und Sekten im Volk Gottes hat müssen sehen und hören, hat er sich doch können enthalten, bis er öffentlich ins Predigtamt berufen und getreten ist.
178. Christi Worte sind gewaltig.
Des Herrn Christi Worte sind überaus gewaltig und kräftig, haben Hände und Füße, übertreffen aller Menschen Weisheit, Räte, Anschläge und List: also sehen wir, wie Christus mit gar einfältigen Worten der Pharisäer Meinung zu Schanden macht, dass sie nicht wissen wo hinaus. Diese Antwort, die Christus gab den Pharisäer und Herodis Dienern, war sehr scharfsinnig, da er zu ihnen sagte: Gebt dem Kaiser c., da er weder gebietet noch verbietet den Zins zu geben, sondern sie mit ihren eigenen Worten und Argumenten überweist. Als wollte er sagen: Habt ihr den Kaiser so weit lassen einreißen, dass ihr seine Münze habt, so gebt ihm auch was ihr schuldig seid.
179. Weise zu predigen im Papsttum.
Früher schämte und scheute man sich, ja, man hielt's schier für ungereimt, weibisch und eine Schande, Christum auf dem Predigtstuhl zu nennen. Und der Propheten und Apostel Namen ward niemals gedacht, noch ihre Schriften angezogen, sondern aller Prediger Regel und Weise zu predigen war diese. Zum Ersten, ein Thema, Spruch und Frage aus dem Scotus oder Aristoteles, dem heidnischen Meister, vorhalten. Zum Andern, teilten sie dasselbige. Zum Dritten, kam man in die Distinctionen und Quästionen. Und diese Prediger waren die Besten, blieben auf dem Evangelio nicht bestehen, handelten auch nicht einen einigen Spruch in der Schrift ab, ja, die Heilige Schrift war gar zugedeckt, unbekannt und begraben.
180. Christi Fürbildung und Predigt gar gewiss.
Ich weiß, sprach Dr. Martin Luther, dass Christus überwunden hat Sünde, Tod, Teufel und Hölle; des hab ich gewisse Zeichen und Siegel, die Taufe, das Sakrament des Altars, die Absolution, und Gottes Wort. Wollte Gott, dass wir's könnten von Herzen fassen und glauben, so wären wir feine Doktores, und könnten die goldene Kunst, und diese Worte getrost und freudig sagen: Christus ist mein Bräutigam. Der Mangel ist nicht an Christo, sondern an uns, darum wankeln und zweifeln wir, und ergreifen Christum sehr kalt.
181. Allein an Christum glauben macht selig.
Da steht's, sprach Dr. Martin Luther, da liegt's. Wer an den Mann glaubt, der Jesus Christus heißt, an Gottes einigen Sohn, der hat das ewige Leben; wie er selbst sagt, Joh. 3, 16: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einigen Sohn gab, auf dass Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.
Andere tun was sie wollen, aber es heißt auch, sie sind verloren, und da hilft weder Moses noch Gesetz; ja, Moses und das Gesetz bringt den Menschen um, und gibt nicht das Leben, sondern den Tod. Darum liegt Alles an dem Sohn, der bringt das ewige Leben. Wer den Sohn Gottes hat, der hat das ewige Leben, wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht; denn der Sohn muss Gott wohlgefallen, und Gott kann dem Sohn nicht Feind sein. Wo der Sohn ist, da sieht Gott hin, und hat Wohlgefallen an ihm. Darum soll es der Sohn kurzum vor Gott allein sein, und sonst soll es Nichts sein. Glaubst du an den Sohn nicht, du seist gleich Mönch oder Nonne, Karthäuser oder Barfüßer, so bist du schon gerichtet.
182. Gottes Ehre.
Es gereicht Gott zur Ehre und Ruhm, dass er seinen Sohn hat lassen Mensch werden, unser Fleisch und Blut, welches Geheimnis kein Mensch genug bedenken noch aussinnen kann. Und doch sind wir so kalt und undankbar. Pfui des schändlichen Adams Falls, dass ich diesen Herrn nicht soll lieb haben, der mich vom ewigen Tode so teuer erlöst hat!