Liebermeister, Albert - Die ernste Selbstprüfung nach den heiligen Geboten des Herrn.

Liebermeister, Albert - Die ernste Selbstprüfung nach den heiligen Geboten des Herrn.

Predigt am eidg. Buß-, Bet- und Danktage über 2. Mos. 20. 1-17, von Albert Liebermeister, Pfarrer in Hundwyl.

Ernste Worte sind es, die wir so eben aus der Heiligen Schrift vernommen, zwar uns allen von Jugend auf bekannte und dem Gedächtnisse geläufige Worte, aber dennoch Worte, geeignet, den Spötter Gottes verstummen zu machen und den Frommen zu ermutigen auf seiner Glaubensbahn, die es uns tatsächlich vor Augen stellen, was Paulus im Hebräerbriefe 4. 12 sagt: „Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig, und schärfer denn kein zweischneidig Schwert, bis dass es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.“ Es ist die Stimme des Allmächtigen, die zu uns spricht, der dort auf dem Berge Sinai die zehn Gebote unter Donner und Blitz verkündigt, so dass das Volk Israel, ergriffen und gebeugt von der Größe Jehovas, da es sah den Donner und Blitz und den Ton der Posaunen und den Berg rauchen, zu Mose sprach: „Rede du mit uns, wir wollen gehorchen, und lass Gott nicht mit uns reden, wir möchten sonst sterben.“ - Auch wir, lieben Freunde, stehen heute, wie dort das Volk Israel, vor dem heiligen Angesichte des Herrn, da wir uns im Gotteshause versammelt haben, um den eidgenössischen Buß-, Bet- und Danktag mit allen unseren Volksgenossen aus Berg und Tal zu feiern, und uns in gemeinsamer Buße, Gebet und Danksagung zu demütigen vor dem Herrn, der bisher seine Gnade hat walten lassen über unserem Lande und Volke. Was können wir nun Besseres tun an dem heutigen Feste, als in unser eigenes Herz und Gewissen zu gehen, eine Selbstprüfung anzustellen nach den heiligen Geboten Gottes und mit David zu beten: „Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz, prüfe mich und erfahre, wie ich's meine, und siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege!“ (Psalm 139. 23.) Wohlan denn, der Gegenstand unserer heutigen Betrachtung sei:

Die ernste Selbstprüfung des Christen am Bußtage nach den heiligen Geboten des Herrn.

Die zehn Gebote waren auf zwei Tafeln geschrieben, von denen die erste die Pflichten gegen Gott, die zweite die Pflichten gegen die Nebenmenschen enthielt, weswegen wir uns fragen:

1) Wie stehen wir zu dem Herrn, unserem Gott? und
2) wie stehen wir zu unseren Nebenmenschen?

Ich will von meiner Missetat
Zum Herren mich bekehren,
Du wollest selbst mir Hilf' und Rat
Hierzu, o Gott, bescheren,
Und deines guten Geistes Kraft,
Der neue Herzen in uns schafft,
Aus Gnade mir gewähren! Amen. 1)

I.

Wie stehen wir zu dem Herrn unserem Gott? „Ich bin der Herr dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus dem Diensthause geführt habe, du sollst keine andere Götter neben mir haben. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder dessen, das oben im Himmel, noch dessen, das unten auf Erden, oder dessen, das im Wasser unter der Erde ist. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht; denn ich, der Herr dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied, die mich hassen, und tue Barmherzigkeit an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.“ Gott erinnert mit diesen Worten sein Volk an die große Wohltat, die er ihm erwiesen, da er es aus der Knechtschaft in Ägypten errettet, mit wunderbarer Hand durch das rote Meer und in der Wüste geführt, wie ein guter Hirte seine Schafe weidet auf grünen Auen und sie führt zum frischen Wasser. Nicht du hast es getan, mit deiner eigenen Kraft, der du nur Staub und Asche bist, will er sagen, sondern ich habe es getan, ich der Herr, und darum sollst du mir mit der Tat und Wahrheit dadurch danken, dass du keine andere oder fremde Götter vor mir hast, nicht dienst den Götzen, denen die Heiden dienen, sondern mir, dem einigen wahren und lebendigen Gott. Liebe Freunde! der heutige Bußtag erinnert uns auch wieder an die vielen unzähligen Wohltaten, die uns Gott seit einem Jahre bis heute an Leib und Seele erwiesen hat; er hat uns sein heiliges Wort gegeben, damit es sei ein Licht auf unserem Lebenswege und unseres Fußes Leuchte (Ps. 119. 105); er hat einen jeden Einzelnen geleitet auf wunderbaren Wegen, dem Vaterlande das teure Kleinod des Friedens und der Eintracht erhalten, und wenn wir im verflossenen Frühjahre und diesen Sommer manchmal mit banger Sorge zum Himmel empor blickten und fürchteten, es möchte wieder ein schweres Jahr des Mangels und der Teuerung bei uns einkehren; da hat er unsere bange Sorge zerstreut und nach langen Regentagen seine Gnadensonne wieder freundlich scheinen lassen über unsere Felder und Fluren. Ja, dieses Jahr war ein rechtes Prüfungsjahr für den Christen, ob sein Glaube aus Gott sei oder nicht, damit er lerne, der Herr habe Macht uns zu geben und Macht uns wieder zu nehmen, und das trotzige Herz sich beugen lerne unter die gewaltige Hand Gottes. Wenn nun Gott sich gegen uns so gnädig bewiesen hat, haben wir uns auch dankbar gezeigt für seine große Liebe gegen uns arme Sünder? Ach! mit Schmerzen müssen wir es bekennen: wir sind nicht wert, unsere Augen aufzuheben zu dem Herrn; statt auf ihn allein unser Vertrauen zu setzen und ihn allein zu verehren und anzubeten, waren es die Dinge dieser Welt, Augenlust, Fleischeslust und Hoffart des Lebens, Geld und Gut, Ehre und Ansehen vor der Welt, die sich so oft als eine dunkle Wolke zwischen uns und Gottes Angesicht gelagert hatten. Der heutige Bußtag möge das verlorene Vertrauen zu Gott aufs Neue in uns lebendig machen! Du sollst den Namen des Herrn deines Gottes nicht missbrauchen, denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht. „Geheiligt werde dein Name“, lehrte der Heiland seine Jünger und uns Alle beten. Wird der Name des dreimalheiligen Gottes heilig gehalten von uns in unseren Häusern und Herzen? Ertönt überall in Christenhäusern und Christenherzen die lobpreisende Stimme Davids: „Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat, der dir alle deine Sünden vergibt und heilt alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst und dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit.“? (Ps. 103. 1-4.) Würden heut zu Tage noch unter uns die strengen Gesetze Moses befolgt, in denen geboten wird, wer des Herrn Namen flucht, soll des Todes sterben, die ganze Gemeinde soll ihn steinigen; ich achte dafür, es wären in kurzer Zeit alle unsere Städte und Dörfer fast ausgestorben; wie oft hört man in Familien und Gesellschaften schwören, fluchen und gotteslästern, dass man meint in Heidenländern und nicht mehr in Christenlanden zu sein und hinein rufen möchte: dienst du also deinem Gotte, du toll und töricht Volk? Wie viele Eide werden dem Herrn alljährlich geschworen und nicht gehalten, und daher ist in so vielen Häusern, trotz aller Mühe und Arbeit, trotz aller Sorgen und Anstrengungen, kein Segen mehr zu finden, an dem doch Alles gelegen ist.

- Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Dinge beschicken; aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes, da sollst du kein Werk tun, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch dein Fremdling, der in deinen Toren ist, denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und Alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage; darum segnet der Herr den Sabbattag und heiligt ihn.

Denke dir einmal, lieber Christ, du wärest auf einer Wanderung begriffen und trätest am Samstagabend in eine Gemeinde ein. Die vollen Glocken vom Turme herab haben soeben den Sonntag eingeläutet, und stille wird es auf den Gassen, stille in den Häusern um dich her. Ein Jeder hat seine Geschäfte beendigt, und bald hörst du von da und dort aus einem Hause ein frommes Lied und Gebet ertönen, denn der Hausvater hat die Seinen um sich versammelt, er liest mit ihnen einen Abschnitt aus der Bibel und bereitet so ihre Herzen vor auf den morgenden Tag des Herrn. Der Sonntag-Morgen bricht an. Eine feierliche Stille lagert sich über die Gemeinde, und in den Wohnungen siehst du wieder die Bibel, das Gesangbuch und Gebetbuch auf dem Tische und Jung und Alt um diesen köstlichen Hausschatz herum sitzen, und daraus schöpfen Gnade um Gnade. Das letzte Zeichen ist verklungen, es öffnen sich die Haustüren, und aus denselben erblickst du Männer und Frauen, Herrschaften und Dienstboten, Kinder und Greise am Stabe, die Gesangbücher an der Hand, heraustreten und festlich geschmückt dem Gotteshause zueilen, um dort in heiliger Andacht ihre Gebete und Gesänge emporzusenden zum Herrn aller Herren und zu vernehmen die großen Taten von Jesu, dem Gekreuzigten und Auferstandenen. Der Gottesdienst ist zu Ende, stille kehrt ein Jedes in sein Haus zurück und behält, wie Maria, alle die gehörten Worte in seinem Herzen. Unter Gebet und Danksagung wird das Mittagsmahl eingenommen, und wenn am Nachmittage die Glocken wieder zur Kirche rufen, füllt sich mit einer geordneten Jugend und den Erwachsenen, die gerne noch einmal auffrischen die in der Jugend erhaltenen Eindrücke des göttlichen Wortes, wiederum die Kirche, und du denkst an Davids Wort: „Aus dem Munde der Unmündigen hast du ein Lob zugerichtet.“ Ist auch der Abendgottesdienst beendet, so wandern hier Einige herum in der schönen Natur und bewundern den Segen Gottes in Berg und Tal, andere christliche Freunde besuchen die Kranken und Angefochtenen, und bringen ihnen Labung und Stärkung, oder dort sind wieder Andere versammelt, um sich aufs Neue gemeinsam zu erbauen aus Gottes Wort oder der armen Heiden in Liebe zu gedenken, und am Abende hörst du, wie in den Familien noch einmal der Hausvater mit den Seinen wiederholt, was sie am Sonntage gehört, und dann eines nach dem andern, gestärkt von oben, sein Lager aufsucht im Gebete zu dem Hüter Israels, der nicht schläft noch schlummert, um mit neuen Kräften das Tagewerk am Montage zu beginnen. Sage selbst, würdest du nicht von einer solchen Gemeinde ausrufen: „Hier ist gut sein, hier lasst uns Hütten bauen!“ Ach! wäre es so in unseren Gemeinden, dann würden allmählig die Klagen über menschliches Elend, über unglückliche Ehen und Familien verstummen, und der Herr würde uns wieder krönen mit Gnade und Barmherzigkeit. Der Sonntag ist, wie ein Diener Gottes über die Sonntagsfeier bemerkt, was die Uhrtafel am Turme. Wo der Sonntag vom Morgen bis Abend würdig gefeiert wird, da ist auf ein gesundes Leben in Kirche, Haus und Volk zu schließen; wo hingegen die Kirchen leer stehen, am Sonntage gearbeitet, morgens vielleicht Gott, aber abends der Welt und dem Teufel gedient wird, da ist ein krankes Leben in der Kirche und im Staate. Verstummen müssen wir auf die Frage: Wie stehen wir zu dem Herrn unserem Gott? und ich fürchte, die Antwort werde nicht besser ausfallen, wenn wir uns zweitens fragen: Wie stehen wir zu unseren Nebenmenschen?

II.

Vernehmt weiter die Gebote des Herrn: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebst im Lande, das dir der Herr dein Gott gibt.“ Ein herrliches Gebot: du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, eine herrliche Verheißung, die demselben gegeben ist. Wer dieses Gebot erfüllt, der wird auch die übrigen Pflichten gegen seine Nächsten erfüllen; wer dieses nicht achtet, dem folgt der Unsegen Gottes in Zeit und Ewigkeit. Gibt es zwar, Gott sei dafür gepriesen, noch immer Familien, aus denen eine fromme, geordnete Jugend hervorstammt, und die die Freude ist der Eltern und Lehrer in Kirche und Schule, so gibt es hinwiederum andere, aus denen eine freche, gottlose Jugend hervorgeht, der nichts mehr heilig ist und die den Buben zu Bethel gleicht, die den Propheten Elisa mit ihrem Spotte und Hohne verfolgten. Bes denkt es doch, ihr Eltern, die ihr Kinder von Gott zur Erziehung empfangen habt, ihr habt eine große Verantwortung auf euch, ihr tragt das künftige Wohl des Landes und der Kirche auf euren Schultern; denkt an die Ewigkeit, wo der Herr die Seelen der Kinder wieder von euch fordern wird. Und ihr, Kinder! nehmet heute, am Bußtage, das herrliche Vorbild des Erlösers mit nach Hause, der seinen Eltern gehorsam war und noch sterbend am Kreuze seiner treuen Mutter in Liebe eingedenk blieb.

Du sollst nicht töten, du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht stehlen! ruft dir dein Herr und Gott zu. Da ist es mir bei diesen Geboten, als hörte ich Manchen von euch sagen: Nun, Gott Lob, mag man über mich sagen, was man will, so schlecht bin ich doch noch nicht; ein Mörder, ein Ehebrecher, ein Dieb bin ich nicht, wegen solcher Sünden habe ich noch nie vor Gerichte stehen müssen. Lieben Freunde! der Apostel Johannes sagt 1. Joh. 1. 8: „So wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.“ Wer so sprechen mag, ich bin frei von diesen Sünden, der gleicht jenem stolzen Pharisäer, der sich hochmütig vor den betenden Zöllner hinstellte und sprach: „Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie andere Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner“ (Luk. 18. 11). Allein was sagte der Heiland von dem Zöllner, der demütig an seine Brust schlug und rief: Gott, sei mir Sünder gnädig? „Ich sage euch, dieser ging hinab gerechtfertigt in sein Haus vor Jenem, denn wer sich selbst erhöht, soll erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, soll erhöht werden.“ Bei Gott kommt es ja nicht bloß auf die Tat, sondern auf die Gesinnung an: wer seinen Bruder hasst, der ist schon ein Totschläger; wer ein Weib ansieht, ihrer zu begehren, der hat schon die Ehe mit ihr gebrochen in seinem Herzen; wer seine Augen fliegen lässt auf des Nächsten Gut, der ist schon ein Dieb vor dem Herrn. Siehe, wenn du von deinem Nächsten bist beleidigt worden und dein Herz kocht voll Rache und Zorn, und du würdest gerne eine Gelegenheit haben, es ihm recht heimzugeben und sogar Hand an ihn legst; wenn du glaubst, das bürgerliche Gesetz erreiche dich nicht oder mit demselben unaufhörlich prozessierst und nicht ruhst, bis du ihn um sein Hab und Gut gebracht, - was bist du anders als ein Mörder und Dieb vor dem Herrn? Du sollst nicht ehebrechen. Bei diesem Gebete stoßen wir auf dunkle Winkel und auf einen Krebsschaden, der wie ein giftiger Pesthauch das Mark des Landes verzehrt. Gibt es nicht leider so viele, viele unglückliche Ehen, wo die Gatten, die einander vor Gott Treue gelobt bis zum Tode, wieder scheiden, weil sie die eheliche Liebe und Treue gebrochen, und hinwiederum unglückliche junge Leute, die der lockenden Stimme der Verführung ihr Ohr leihen, deren Gesundheit durch Unkeuschheit entnervt wird, dass sie einem frühen Grabe entgegen stechen und die nicht mehr gleichen den Vätern der Vorzeit, deren schönster Schmuck neben der Furcht des Herrn die Keuschheit und Mäßigkeit war? Ach! diese Alle, wenn sie nicht Buße tun und wie die Sünderin im Evangelium weinend hinsinken zu den Füßen Jesu, werden nimmermehr ererben das Reich Gottes; denn draußen sind die Hunde und die Zauberer, und die Huren, und die Totschläger, und die Abgöttischen, und die tun die Lügen. Du sollst nicht stehlen, du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten. Schaut hinein, lieben Freunde, in den Handel und Wandel, wie es oft da zugeht und die Menschen um des elenden Geldes willen, um das doch Niemand seiner Seelen Seligkeit erkaufen kann, einander betrügen, belügen, verleumden, ihre schlechten Waren anpreisen, wie die Wucherer reich werden durch die Not ihrer ärmeren Brüder. So können diese. Alle nicht mehr mit Recht beten: gib uns heute unser täglich Brot; denn es ist nicht ihr Brot, das sie essen, sondern fremdes, durch Betrug erworbenes Brot. Und prüfst du dich endlich im Lichte des heiligen Gebotes des Herrn: „Lass dich nicht gelüsten deines Nächsten Hauses, lass dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibes, noch seines Knechts, noch seiner Magd, noch seines Ochsen, noch seines Esels, noch Alles, das dein Nächster hat“, in welchem der böse Gedanke, der zur Tat führt, eine Sünde ist vor Gott; da kannst du nicht anders, du musst mit Paulus sprechen: „Wir sind allzumal Sünder und ermangeln des Ruhms, den wir vor Gott haben sollten“; das Gesetz er scheint dir als ein Hammer, der dein Felsenherz zerbricht, und du möchtest fragen: wer kann denn da noch selig werden? Allerdings, durch deine Kraft kannst du es nicht, und darum findest du auch im Alten Bunde jenes unbefriedigte Sehnen und Ringen nach einem Balsam des Friedens, das zerrissene Herz zu heilen; aber was bei Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich. Wohl uns daher, dass wir Kinder des Neuen Bundes sind, und dass ich die von der Macht der Sünde gebrochenen Herzen hinweisen darf auf den Heiland, der die Sünder annimmt! Wenn das Gesetz einem scharfen Pfluge gleicht, der die Furchen auf reißt, so kommt dein Heiland und säet in den so aufgelockerten Boden das Samenkorn seiner Gnade, das da Früchte bringt, die da reichen in das ewige Leben. Wenn du dich in demütiger Buße, in Gebet und Flehen zu ihm wendest, der für deine Sünden am Kreuze gestorben und sogar dem reumütigen Schächer am Kreuze die Pforten des Paradieses öffnete, so findest du bei ihm die Brücke, die dich wieder zurück führt in die Vaterarme Gottes, der nicht will, dass Jemand verloren werde, sondern dass sich Jedermann zur Buße kehre. Lasst uns daher im Hinblick auf diese frohe Aussicht Buße tun vor dem Herrn, Alle, Vorsteher und Bürger, Lehrer und Prediger, und der Herr wird uns nicht hinausstoßen, sein Segen wird dann wieder einkehren in unsere Herzen und Wohnungen!

Jesus nimmt die Sünder an, Sagt doch dieses Trostwort Allen, Welche von der rechten Bahn Auf verkehrten Wegen wallen. Hier ist, was sie retten kann, Jesus nimmt die Sünder an. Amen.

Cookies helfen bei der Bereitstellung von Inhalten. Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung der Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies auf Ihrem Computer gespeichert werden. Außerdem bestätigen Sie, dass Sie unsere Datenschutzerklärung gelesen und verstanden haben. Wenn Sie nicht einverstanden sind, verlassen Sie die Website.Weitere Information
autoren/l/liebermeister/liebermeister_selbstpruefung.txt · Zuletzt geändert:
Public Domain Falls nicht anders bezeichnet, ist der Inhalt dieses Wikis unter der folgenden Lizenz veröffentlicht: Public Domain