Krummacher, Hermann Friedrich - Das Vater Unser in elf Predigten - Darum sollt ihr also beten: Unser Vater, der du bist im Himmel!

Krummacher, Hermann Friedrich - Das Vater Unser in elf Predigten - Darum sollt ihr also beten: Unser Vater, der du bist im Himmel!

Ev. Matthäus 6, V. 9.

Wie ihr seht, ist es der Anfang des Gebets, das uns der Herr gelehrt hat, auf den wir heut unsere Andacht und unser Nachdenken richten wollen. Wir beginnen damit eine Reihe von Predigten über das Gebet des Herrn, das sogenannte Vaterunser. Wäre etwa eine Betrachtung des Gebets des Herrn nicht zeitgemäß? Ach, meine Geliebten, unsere Zeit ist eine gebetsarme Zeit. Ich rede nicht von den Unzähligen, die des Gebets spotten oder es als einen Luxus ansehen; nein, auch bei denen, die bekennen, dass es für die Menschen, für die Christen Bedürfnis ist, zu beten, auch bei ihnen herrscht viel Lauheit, Lahmheit, Lässigkeit im Beten. Woher kommt es, dass, obwohl in unsern Tagen, das Wort vom Kreuz reichlich gepredigt wird, doch im Ganzen genommen, so wenig rechtschaffene Frucht sich findet? Liegt nicht ein Hauptgrund in der Gebetsarmut, in der Gebetsuntreue der heutigen Christen? Wenn das Seufzen über die Unruhe und das zerstreuende Treiben der Gegenwart uns antriebe, desto ernster nach Stille und Sammlung zu ringen, desto fleißiger auf die Höhe des Gebets zu steigen, wie würde durch das Atmen der Ewigkeitsluft unser inwendiger Mensch erstarken, dass wir immer mehr mit der heutigen Epistel triumphieren lernten: Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt mit ihren Zerstreuungen und Versuchungen überwunden hat. Wenn jede Klage über die böse Zeit und die arge Welt zur herzlichen Fürbitte für die Verirrten und Verblendeten würde, wenn Alles, was zur Pflanzung und Pflege christlichen Lebens und Glaubens geschieht, mit betenden Händen getan, auf betendem Herzen getragen würde, dann würde das Werk des Herrn ganz anders fortgehen, das Wort Gottes ganz anders laufen, als jetzt am Tage ist. Sollte es da nicht zeitgemäß sein, wenn wir uns durch die Betrachtung über das Gebet des Herrn zum Beten anmahnen lassen?

Doch, was wir betrachten wollen, ist ja nicht nur ein Wort, das zum Beten mahnt, sondern es ist das Gebet, das zugleich eine Anweisung und Anleitung zum Gebete gibt. Luther klagt zu seiner Zeit: „Es ist Jammer über Jammer, dass das Vaterunser soll ohne Andacht geplappert und geklappert werden in aller Welt. Viele beten das Jahr vielleicht etliche tausend Vaterunser. Und wenn sie 1000 Jahre also beten, so haben sie doch nicht einen Buchstaben oder Tüttel davon gebetet. Summa: das Vaterunser ist der größte Märtyrer auf Erden.“ - Luther denkt hierbei vornehmlich an das Rosenkranzbeten und das wiederholte Abbeten des Vaterunser überhaupt, wie es in der römischen Kirche Gebrauch war und ist. Aber zu der Klage, die er ausspricht, ist auch heutzutage bei uns Grund genug. Es ist wahr, es gibt gegenwärtig in der evangelischen Kirche Viele, die das ganze Jahr hindurch kein einziges Mal das Gebet des Herrn beten: sie kommen freilich nicht in die Gefahr, es gedankenlos herzuplappern. Aber wie viele von denen, die täglich ihr Vaterunser beten, beten es auch wirklich immer aus ihrem Herzen heraus, sprechen es niemals bloß mechanisch hin wie eine inhaltlose Formel? Die Schwachheit des Fleisches ist zu allen Zeiten groß und heutigen Tages ist die Flüchtigkeit und Zerstreutheit eine besondere Zeitkrankheit. Wie sollte es da nicht an der Zeit sein, einmal wieder vor dem Gebete des Herrn stille zu stehen und in dem großen und reichen Inhalt des Vaterunser sich zu vertiefen? Es braucht wahrlich Niemand sich bedünken zu lassen, er habe in diesem Stück ausgelernt. Doktor Luther sagt in seinem späteren Leben einmal: „ich sauge noch heute an dem Vaterunser wie ein Kind.“

Aber vielleicht möchte Jemand fragen: Warum denn gerade jetzt zwischen Ostern und Pfingsten Betrachtungen über das Vaterunser? Es könnte darauf füglich mit Gegenfrage geantwortet werden: warum jetzt nicht? Aber es lässt sich doch auch etwas darauf sagen. Vom Buß- und Bettag abgesehen, fallen in die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten 2 Sonntage, die vom Gebet reden: der Sonntag Rogate und der Sonntag Exaudi. Rogate „Betet“ und Exaudi „Erhöre“; damit wird dieser kirchlichen Zeit ein Gepräge aufgedrückt, das sie ganz geeignet macht für die Betrachtung des Gebets des Herrn, in welchem uns der Herr ein Mustergebet und einen Gebetsspiegel gegeben hat. Wir kommen vom Karfreitag und vom Osterfest her, da ist der Bund der Versöhnung gestiftet, auf Grund dessen wir in Jesu Namen Gott als Vater anrufen; wir gehen dem Himmelfahrtsfest entgegen, das predigt uns von Christo unserm Fürsprecher, der zur Rechten Gottes ist und vertritt uns; und dem Pfingstfest, das gemahnt uns an die beste und höchste Gabe, um die wir zu bitten haben im Namen Jesu, an die Gabe des Heiligen Geistes.

Indes, wir haben es heut nicht mit dem ganzen Gebet des Herrn zu tun, sondern nur mit der Anrede. Jedoch enthält unser Textwort außer derselben noch die einleitenden Worte: „darum sollt ihr also beten.“ Dies „darum“ weist auf die vorhergehenden Worte der Bergpredigt: „Wenn du aber betest, so gehe in dein Kämmerlein und schließe die Tür zu, und bete zu deinem Vater im Verborgenen, und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dirs vergelten öffentlich. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden, denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viel Worte machen. Darum sollt ihr euch ihnen nicht gleichen; euer Vater weiß, was ihr bedürft, ehe denn ihr bittet.“ Nach dieser Mahnung vor eitlem Prunk und Prahlen, vor gedankenlosem Geplapper bei dem Gebet, fährt der Herr fort: darum sollt ihr also beten! so schlicht und einfältig, so ohne Überfluss und Gepränge der Worte, ganz nach der Regel: Trachtet am ersten nach Gottes Reich und Gerechtigkeit. Nach dem Bericht des Evangelium Lukas hat der Herr aber auch noch bei einem andern Anlass seinen Jüngern dieses Gebet gelehrt. Fm 11. Kapitel des Ev. Lukas lesen wir nämlich: „Und es begab sich, dass er war an einem Ort und betete, und da er aufgehört hatte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte. Er aber sprach: wenn ihr betet, so sprecht: Unser Vater in dem Himmel; dein Name werde geheiligt usf.“ Lasst uns denn an die Betrachtung der Anrede gehen, mit der Bitte: Herr lehre uns beten; lehre uns dein Gebet recht beten im Geist und in der Wahrheit, in deinem Namen und Sinn und lass uns dazu auch diese Andachtsstunde förderlich sein. Amen.

„Unser Vater, der du bist im Himmel“, so lautet in unserem Text die Anrede. Bekanntlich hat Luther, der an beiden Stellen in der Bibel „unser Vater“ geschrieben hat, im Katechismus „Vater unser“ gesetzt. Das erstere hat er getan, weil es in der deutschen Bibel deutsch, d. i. den Regeln der deutschen Sprache gemäß reden wollte. Das letztere hat er getan, weil er bei dem Volke, die aus dem Paternoster entstandene Gewohnheit vorfand, Vater unser zu sagen, und weil er es mit Recht für unnötig hielt, Jemand der diese Gewohnheit hatte, in derselben zu stören. Nachher ist wunderlich genug das Unser Vater oder Vater unser ein Streitpunkt zwischen Lutheranern und Reformirten gewesen. Dies äußerliche vorab. Die Anrede: Unser Vater in dem Himmel predigt uns

1. Gottes väterliche Liebe,
2. Gottes himmlische Majestät und Herrlichkeit; sie fragt uns
3. nach unserem Kindesrecht bei Gott, und mahnt
4. an unsere Bruderpflicht gegen unsern Nächsten.

I.

„Unser Vater“; der Vatername, mit welchem der Herr Jesus uns den Schöpfer und Herrn Himmels und der Erde anreden heißt, soll in uns das Gedächtnis aller natürlichen Huld, Gnade und Erbarmung erwecken, welche der Allerhöchste uns je und je erzeigt hat, und mit welcher er sich uns fort und fort erbietet. Wo der Vatername verlautet, da ist's, als ständen wir auf einer Höhe, wo sich das weite unermessliche Meer, im Strahl der Sonne erglänzend und ihr Bild widerspiegelnd, vor unseren Blicken ausbreitet. Das Meer aber ist die Liebe Gottes und die Sonne, die darin leuchtet und sich darin spiegelt ist der Vatername. Und wenn wir beten: „Unser Vater“, so sollen wir am Ufer dieses Meeres stehen und zu unsrer Seele sprechen: „Sollt ich meinem Gott nicht singen, sollt ich ihm nicht dankbar sein?“ Vater! Das Wort gemahnt uns an Alles, was uns Gott an Leib und Seele, von unserem ersten Atemzug an bis auf diese Stunde Gutes getan hat; und mehr noch, es gemahnt uns an Alles, was Gott, ehe denn wir waren, zu unserem Besten, zu unserem Heil, zu unserer ewigen Rettung getan hat, an Alles, was er in der Zukunft, in der Ewigkeit für uns bereit hält, denn das Alles fließt uns aus seiner Vaterliebe, Güte und Barmherzigkeit, das Alles tut er, weil er ein Vaterherz gegen uns hat. Man hat wohl gemeint, das Gebet des Herrn sei lediglich ein Bittgebet, kein Dankgebet aber das Wort Vater, unser Vater, ist das kristallene Gefäß, in welchem das dankbare Herz das Nardenopfer seines Lobens und Preisens vor den Gnadenthron bringt. „Lobe den Herrn, meine Seele, und, was in mir ist, seinen heiligen Namen“, so psalmodiert David, und im 13. Vers fährt er fort: „Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, so ihn fürchten.“ Aber das hören wir nie von ihm oder andern frommen Betern des Alten Bundes, dass sie Gott mit dem Vaternamen anrufen. Sie konnten es noch nicht. Denn noch hatte die Vaterliebe Gottes sich nicht in ihrem vollen Glanz offenbart, dass es heißen konnte: es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen;“ noch hatte sie nicht ihr großes Werk getan, dass gepriesen werden konnte: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben!“ Noch hatte sie nicht die volle Tiefe ihrer Huld erschlossen, dass der Jubel laut werden konnte: „Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeigt, dass wir Gottes Kinder heißen sollen.“ Die Väter des Alten Bundes, diese Meister im Beten, Loben und Danken, hatten noch nicht ins Angesicht Jesu Christi hineingeschaut, darum konnten sie den Vater des Herrn Jesu Christi noch nicht mit dem Vaternamen anrufen. Uns aber ist es offenbart. Von uns gilt das Wort: „Selig sind die Augen, die da sehen, das ihr seht. Denn ich sage euch, viele Propheten und Könige wollten sehen, das ihr seht, und haben es nicht gesehen, und hören, was ihr höret und haben es nicht gehöret.“ Die Anrede „Unser Vater“ predigt uns von dem Vaterherzen des Gottes, der seines einigen Sohnes nicht hat verschonet, sondern hat ihn für uns alle dahin gegeben; sie redet zu uns von seinen Vaterhänden, mit denen er unser kleines Leben regiert, das Lebensbrot für unsere Seele und das irdische Brot für unsern Leib austeilt; es erinnert uns an das Vaterhaus, in welchem er für uns eine selige Stätte bereitet hat und bereit hält. Da mags denn wohl von unsrer Anrede heißen: Gott will uns damit locken, dass wir glauben sollen, er sei unser rechter Vater und wir seine rechten Kinder.

Ebenso aber erinnert uns die Anrede des Vaterunser daran, dass wir mit Gott nicht anders reden dürfen, als mit der Demut, die Kindern ihrem Vater gegenüber geziemt.

II.

Zur Demut und Ehrfurcht ruft uns auch der Zusatz: der du bist im Himmel. Wenn von Gott bezeugt wird, dass er im Himmel ist, so wird damit seiner Allgegenwart keine Schranken gesetzt; es besteht damit vollkommen, dass kein Raum in der Welt ist, wo er nicht wäre, und wohin sein Arm nicht reichte. Wenn wir sprechen: Unser Vater in dem Himmel, so, bekennen wir damit, dass der, welchen wir als Vater anrufen, frei ist von allen irdischen Schranken, und unnatürlichen Mängeln, erhaben über Zeit und Raum, im Besitz einer Herrschermajestät und Thronesherrlichkeit, gegen deren Sonnenglanz alle Erdenmajestät und Erdenherrlichkeit ein dunkler Schatten ist, mit einem Wort, dass er der Schöpfer und Herr Himmels und der Erden ist. Darum aber müssen wir auch, wenn wir mit dieser Anrede vor den großen Gott treten, uns zurufen lassen im Geiste: Ziehe deine Schuhe aus, denn das Land, da du stehst, ist heiliges Land. In tiefer Ehrfurcht, im demütigen Gefühl unserer Kleinheit und Unreinheit müssen wir uns in den Staub beugen vor dem Vater, der im Himmel ist, und es muss uns ums Herz werden, wie jenem Malabarischen Schulmeister, der, mit dem Missionar Schwarz die Bibel ins Talmudische übersetzte; bei dem Verse: seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeigt, dass wir sollen Gottes Kinder heißen! hielt er voll Staunen und Rührung inne und tief ergriffen rief er aus: „Das ist zu groß, das ist zu viel! Ich will lieber übersetzen: welch eine Liebe hat uns Gott erzeigt, dass wir seine Füße küssen dürfen!“

Aber solche Ehrfurcht und Demut, in der wir uns innigst neigen vor dem Allerhöchsten hebt den getrosten Mut und die kindliche Zuversicht nicht auf. Warum, fragt der Heidelberger Katechismus, „wird hinzugetan: der du bist in dem Himmel?“ und die Antwort lautet: „Auf dass wir vor der himmlischen Majestät Gottes nichts irdisches gedenken und von seiner Allmächtigkeit alle Notdurft des Leibes und der Seele erwarten.“ Ja, dass der, welchen wir als Vater anrufen, im Himmel wohnt, das mehrt unsern Mut, das stärkt unsre Zuversicht. Denn nun wissen wir es ja, dass wir Zuflucht haben zu einem Vater, dessen Macht unbegrenzt und dessen Weisheit unendlich ist. Soviel der Himmel höher ist, als die Erde, sind seine Gedanken höher, als unsre Gedanken, seine Wege höher als unsre Wege. Und wie seine Macht und Weisheit, so geht auch seine Liebe weit über alles Irdische hinaus. Die reichste, aufopferndste Liebe irdischer Eltern ist nur ein matter Wiederschein der Liebe unseres Vaters im Himmel. auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, dass sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselbigen vergäße, so will ich doch dein nicht vergessen.“ Darum richte Auge und Herz getrost hinauf zu dem Vater, der im Himmel wohnt. Bist du arm, schwach und elend, dem, den du als Vater anrufst, gehört Himmel und Erde und Alles, was darinnen ist; und seine Hand zu helfen hat kein Ziel. Weißt du nicht aus noch ein, was willst du verzagen, wenn ein himmlisches Vaterherz für dich schlägt, ein Vaterherz, in welches du deine Sorgen und Kummer ausschütten kannst. Geht der Pilgerweg durch dürre Wüsten, musst du deine Wanderschaft durchs dunkle Todestal antreten, lass dir Mut machen durch den Blick aufs Vaterhaus, aufs Kindeserbe im Himmel.

III.

Aber wer hat denn nun das Recht, den, der im Himmel wohnt, als seinen Vater anzurufen und das, was im Himmel ist, als sein Kindeserbe anzusehen? Sind wir von Natur Gotteskinder und Himmelserben? Haben wir dieses hohe Recht von uns selbst? Nein, Christus hat es uns erworben, Christus gibt es uns. „Wie viele ihn aufnehmen, denen gibt er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben.“ (Joh. 1, 12.) „Ihr seid Alle Gottes Kinder, schreibt der Apostel, durch den Glauben an Christo Jesu.“ Das kann nur, wer Jesum und sein Licht sucht, und wer, wenn er ihn gefunden, bei Jesu bleibt. Wer aber im Unglauben sich von Jesu Christo abwendet, wer in selbstgerechter oder leichtfertiger Blindheit an seinem Namen und Kreuz sich ärgert, in dessen Mund gehört der Vatername nicht, der kann nicht einmal die ersten Silben des Unservater mit Wahrheit beten. Mit vollem Kindesrecht können daher nur die den Herrn im Himmel als Vater anrufen, die durch den Glauben Christi Eigentum geworden sind, in denen Gottes Geist Zeugnis gibt, dass sie Gottes Kinder sind. Bei ihnen heißt es: „Ich habe nun den Grund gefunden, der meinen Anker ewig hält, wo anders als in Jesu Wunden, da lag er vor der Zeit der Welt, der Grund, der unbeweglich steht, wenn Erd und Himmel untergeht.“

Aber auch, die erst auf dem Wege zu solchem Frieden sind, dürfen um Kindschaftsgnade flehend den Vaternamen vor dem Throne des Allerhöchsten aussprechen. Auch für sie hat der Vater seinen einigen Sohn dahingegeben; auch für sie hat der Sohn sein Blut vergossen; auch für sie ist der kindliche Geist erworben, der da spricht: Abba, lieber Vater!

IV.

Wer Gott als Vater anruft, der gelobt damit auch dem Vater jedes Mal aufs Neue kindlichen Gehorsam gegen seinen Willen und seine Gebote. „Und dies Gebot schreibt Johannes, haben wir von ihm, dass wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.“ An die Bruderliebe gemahnt uns in der Anrede insonderheit das Wörtlein „Unser.“ „Unser Vater!“ Du bist es nicht allein, der der Vaterliebe Gottes bedarf und begehrt. Es ist eine große Familie von Kindern Gottes. Millionen rufen ihn, gleichwie du, als Vater an. Millionen sind wie du täglich seiner väterlichen Gnade und Treue, seiner väterlichen Leitung und Fürsorge bedürftig. Sie sind dir nicht fremd; sie sind deine Brüder und Schwestern. Erhebender Gedanke! Wenn ich im Hause Gottes mit der Gemeinde, wenn ich im Kämmerlein allein meine Knie vor Gott beuge, beten Millionen mit mir, die gleich mir zu Kindern Gottes berufen sind, die gleich mir im Namen Jesu Gott als Vater anrufen, und unser aller Gebet steigt empor zum Himmel und mischt sich in den Lobgesang derer, die im höheren Chor ihn würdiger und herrlicher preisen, als unsre stammelnde Zunge, unsre unreinen Lippen es vermögen! Aber nicht allein mit Allen, sondern auch für Alle, die mit uns der Vaterhülfe Gottes bedürfen, beten wir, wenn wir sprechen: Unser Vater! auch für die, welche ihn noch nicht als ihren Gott und Vater kennen und anrufen und doch seiner wie wir bedürfen, und auch wie wir berufen sind, ihn als ihren Vater zu erkennen und anzurufen.

Geliebte, wie viel Glaube und Liebe, was für ein demütiges, aufrichtiges, warmes und weites Herz gehört dazu, um die Anrede: „Unser Vater, der du bist im Himmel“ recht beten zu können. Wir haben unser ganzes Leben lang daran zu lernen, unser Leben lang den Vater im Himmel zu bitten, dass er es uns lehre durch seinen Geist! Amen.

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